Kunden em pfehlungen
Rezensionen von n.kleinschwaerzer@gmx.de:
Eine ergreifende Geschichte über Freunde und Familie in der Zeit vom 2. Weltkrieg.
Piccola Sicilia von Daniel Speck
Piccola Sicilia stammt aus der Feder von Daniel Speck und erschien im Oktober 2018 im Fischer- Verlag. In dem Buch geht es um Nina, die auf der Suche nach dem Geheimnis Ihrer Familie ist.
Die Geschichte spielt in zwei Zeitebenen zum einem in der Gegenwart wo wir Nina kennen lernen und in der Zeit des 2.
Weltkrieges, wo wir einiges über Nina´s Großvater erfahren.
In der Gegenwart wird im Meer vor Sizilien Teile eines alten Flugzeugs entdeckt. Die deutsche Archäologin Nina findet auf der Passagierliste ihren Großvater Moritz, der seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen galt – das große Geheimnis ihrer Familie. Seine Abwesenheit hat eine Wunde hinterlassen, die über drei Generationen reicht. Überraschend begegnet Nina auf Sizilien einer fremden Frau, die behauptet, Moritz’ Tochter zu sein. Hatte er eine zweite Familie?
In der Vergangenheit (Tunis im Jahr 1942) lernen wir das bunte italienische Einwandererviertel „Piccola Sicilia“ kennen. Hier lebten Tür an Tür Muslime, Christen und Juden in guter Nachbarschaft und Freundschaft zusammen. Dann kamen die Deutschen und somit der Krieg nach Tunesien. Wir lernen Moritz einen deutschen Soldaten, die hübsche Jüdin Yasmina und den Pianisten Victor kennen. Als die Nazis Victor gefangen nehmen, riskiert Moritz alles, um ihm zur Flucht zu verhelfen. Doch nicht nur Victor, sondern auch Moritz hat Gefühle für Yasmina.
Die Protagonisten des Romans sind alle sehr verschieden. In der Gegenwart gibt es die unsichere Nina und die offene und sympathische Joelle. Vor allem in der Vergangenheit verändern sich die Protagonisten durch den Einfluss des Krieges. So wird aus dem unbekümmerten Musiker Victor ein Kämpfer für sein Land und seine Religion. Leider entwickeln sich in meinem Auge nicht alle unbedingt positiv, hier möchte ich aber nicht zu viel verraten.
Der Schreibstil des Autors ist sehr angenehm und ausgeschmückt. Leider führen die vielen Vergleiche und Selbstreflexionen der Protagonisten zu einigen Längen im Buch und ich musste zwischendrin eine Pause machen.
Bei Piccola Sicilia handelt es sich um eine intensive und ergreifende Geschichte aus dem 2. Weltkrieg, die es auch noch schafft viele historische Geschehnisse zu vermitteln. Das Ende lässt mich leider etwas unbefriedigt zurück, aber trotzdem handelt es sich um einen Roman der nachwirkt und zum Denken anregt.
Rezensionen von jiskett:
Liebesgeschichte mit einer komplexen Dynamik
Gestohlene Gefühle von Raywen White
"Gestohlene Gefühle" erzählt, wie die ersten drei Bände der Reihe, eine Liebesgeschichte voller Extreme, was schon damit beginnt, dass die Protagonisten eine Diebin und ein Assassine sind. Die beiden sind zudem charakterlich recht unterschiedlich und verfolgen verschiedene Ziele, weshalb es zu Auseinandersetzungen und Spannungen kommt; sie geraten bereits in den ersten Kapiteln aneinander und man kann daher nicht unbedingt sagen, dass es zwischen ihnen große Sympathien gibt, obwohl die Chemie definitiv stimmt und sie sich sehr zueinander hingezogen fühlen.
Die Wortgefechte, die sie sich liefern, waren durchaus amüsant und mir hat gefallen, dass Shaira sich nicht alles bieten lässt und sie Veyd oft Kontra gibt, selbst wenn sie für meinen Geschmack ein paar Mal zu nachgiebig reagiert.
Ich muss sagen, dass ich die Dynamik zwischen den beiden am Anfang ein wenig unbequem fand. Das lag hauptsächlich daran, dass Veyd ein sehr undurchsichtiger Charakter ist und er durch seine Ausbildung zum Assassinen gelernt hat, seine Emotionen zu verschließen und zu verdrängen. Aus diesem Grund reagiert er Shaira gegenüber oft kühl, ist ausdruckslos und will bedrohlich wirken und es dauert eine Weile, bevor deutlich wird, dass es in ihm ganz anders aussieht, als er vorgibt; durch sein Verhalten ist es mir zunächst schwer gefallen, ihn wirklich sympathisch zu finden, auch wenn sich das mit der Zeit gelegt hat. Trotzdem war es hilfreich, seine Sichtweise lesen zu können, da man so Einblicke in sein Innerstes bekommen hat und ihn besser verstehen konnte. Shaira mochte ich von Anfang an, doch auch sie hat ihre Fehler und Schwächen. Letztlich sind beide komplexe und gut ausgearbeitete Figuren, die auf jeden Fall zusammenpassen, sodass ich gerne über sie gelesen habe.
Die Entwicklung der Liebesgeschichte beziehungsweise der romantischen Gefühle kam mir realistisch vor und die Mischung aus erotischen Szenen, liebevollen Momenten und hitzigen Diskussionen ist gut gelungen. Auch die Gefahr, in der sie schweben, war gut dargestellt und die Autorin hat ihre Flucht sowie die Kampfszenen sehr spannend beschrieben. Den Charakteren wird einiges zugemutet und sie müssen wirklich viel durchleiden, aber dadurch war die Geschichte unglaublich fesselnd. Sehr gefallen hat mir zudem, dass Kane und Tanja sowie Ashra und Bael, die Protagonisten aus Band 1 und 2, hier eine große Rolle gespielt haben und man mehr über ihre Beziehungen erfahren hat.
Schon in den Vorgängern gab es einige Hinweise darauf, dass die Welt, in der die Figuren leben, auf einen großen, allumfassenden Konflikt zusteuert und in "Gestohlene Gefühle" hat die Lage sich erneut zugespitzt. Gerade die Entwicklungen gegen Ende machen neugierig auf mehr und ich frage mich, wozu all dies führen wird; man bekommt hier in paar neue Informationen darüber, was passieren könnte, doch es bleibt nach wie vor viel offen, sodass ich schon sehr gespannt auf den nächsten Band bin.
Rezensionen von re.maier-henze@web.de:
Lesart für Kriegsereignisse
Der blaue Himmel trügt von Reinhold Stecher
Reinhold Stecher (1921-2013) durchlebt die Zeit des Regimes der Nationalsozialisten in Österreich (1938-1945) als Theologiestudent, Priesteramtskandidat und Soldat an der Ostfront.
Heute, 73 Jahre nach Kriegsende, können die einst von ihm notierten Kriegserlebnisse, gebündelt im vorliegenden Buch und von Paul Ladurner herausgegeben, nachgelesen werden.
Was motivierte Stecher, seine Erinnerungen, von ihm „Veteranengeschichten“ genannt (74,95 u.ö.), der öffentlichen Leserschaft vorzustellen? Er nennt drei Gründe, erstens: er sieht sich als Zeitzeuge gegen das Vergessen. Zweitens kann er als solcher beurteilen, ob eine damalige Situation durch Verfälschungen in der Literatur, den Medien und wissenschaftlichen Abhandlungen geschönt wurde und wird. Drittens ist es ihm ein Anliegen, auf das Schicksal der „kleinen Leute“ (19 u.ö.) während der Kriegszeit aufmerksam zu machen. Stecher verweist somit auf eine andere Lesart seiner „Veteranen“. Er lenkt den Blick des Lesers weg von Bombennächten und anderen Grausamkeiten hin zu dieser Bevölkerungsgruppe und ihrer Leiden. Seine Empathie für diese Menschen spiegelt sich z. B. in folgender Erinnerung: bei 50 Grad minus versuchten er und seine Soldaten, ein Zelt aufzubauen. Währenddessen sahen sie unter den vielen Toten tief vermummte Kinder, die diese nach Eßbarem durchsuchten; er vermutete, Zivilisten hatten die Kinder losgeschickt in der Hoffnung, ihnen würde nichts geschehen. Die Erinnerung an diese Situation machte ihm schwer zu schaffen (49f.).
Reinhold Stecher ist nicht nur ein hervorragender Schriftsteller – das belegen seine zahlreichen Schriften – sondern auch ein sehr begabter Zeichner und Maler. Die ihn erschütternden Erlebnisse während der Kriegsjahre hielt er mit 14 Zeichnungen in einem Bilderzyklus fest (155); sie sind in diesen Band eingearbeitet.
Ein Lob an den Verlag für das hervorragende Layout und ein ebensolches Papier darf auch diesmal nicht unterbleiben.
Rezensionen von CanYouSeeMe:
Die Gesichter
Die Gesichter von Rachman Tom
Mit einer einzigen beiläufigen Bemerkung wischt Bear Bavinsky jede Hoffnung seines Lieblingssohnes Pinch beiseite, auch nur halb so viel Talent zu haben wie er. Desillusioniert zieht es Pinch raus in die Welt, in Kanada versucht er sich an einer Biografie über Bear, als Italienischlehrer in London hat er es fast geschafft zu vergessen, dass auch er einmal Großes vorhatte.
Seine wahre Begabung findet er schließlich doch noch, und er schmiedet einen schier unmöglichen Plan, nicht nur sein eigenes Leuchten zu entfalten, sondern auch das Andenken seines Vaters zu retten.
Die Handlung zieht sich über das gesamte Leben von Pinch. Man lernt ihn als kleinen Jungen kennen und begleitet ihn, mit einigen zeitlichen Sprüngen, durch sein gesamtes Leben. Richtig fesseln konnte mich das Buch aber nicht. Die Erzählungen plätscherten teilweise so vor sich hin, scheinbar ohne jegliches Ziel. Mit Pinch selbst (und auch mit seinem Vater Bear) bin ich nicht so recht warm geworden.
Pinch als Protagonist war mir ein wenig zu farblos (im Gegensatz zu dem wirklich tollen Cover des Buches). Ich konnte seine Persönlichkeit nicht ganz greifen und so war es mir ab spätestens der Hälfte des Buches auch egal, wie es mit ihm weiter geht.
Dennoch habe ich das Buch zu Ende gelesen. Insgesamt hatte das Buch ein gewisses Etwas, das ich nicht gut in Worte fassen kann, das mich am Ball hat bleiben lassen.
Rezensionen von LEXI:
Ich brauche keinen Märchenprinzen, der angeritten kommt, und mich rettet!
Die Gesichter von Rachman Tom
„Ich habe nichts dagegen, auf Hochzeiten zu gehen. Ich habe nur keine Lust, die Frau zu sein, die vor dem Altar an einen Bräutigam übergeben wird.“
Lucetta Plum ist eine wunderschöne und erfolgreiche Schauspielerin, der es an Verehrern nicht mangelt. Die Männer sehen in ihr eine zarte, zerbrechliche Schönheit, die es zu beschützen und zu verwöhnen gilt.
Doch keiner ihrer Bewunderer macht sich die Mühe, hinter Lucettas hübsches Gesicht zu blicken, niemand weiß von ihrer überragenden Intelligenz und ihrer einzigartigen Gabe. Als ein abgewiesener langjähriger Verehrer zu drastischen Mitteln greift, um der Frau seines Herzens habhaft zu werden, ist die junge Frau gezwungen, unterzutauchen. Sie befolgt den Rat ihrer mütterlichen Freundin Abigail Hart und reist gemeinsam mit ihr zum Anwesen ihres Enkels Bram Haverstein nach Ravenwood. Die gut bewachte Burg mit einem Burggraben und wehrhaften Bediensteten soll das ideale Versteck für Lucetta darstellen. Doch nach der Flucht vor der hartnäckigen Verfolgung ihres Verehrers scheint Lucetta vom Regen in die Traufe zu kommen: sie wird mehrfach in den Burggraben geworfen, von Hunden angegriffen und mit einer Kanonenkugel beschossen. Doch entgegen der Meinung ihrer Mitmenschen besitzt Lucetta kein zart besaitetes Gemüt und ist durchaus in der Lage, auf sich selbst aufzupassen. Sie ist stolz auf ihre Unabhängigkeit, wird mit vielen Widrigkeiten fertig und besitzt einen unerschütterlichen Kampfgeist. Doch die Anziehungskraft des attraktiven, charmanten und ritterlichen Burgbesitzers schwächt die innere Abwehr der jungen Frau mehr und mehr…
Mit „Braut wider Willen“ führt Jen Turano die Reihe um drei Freundinnen aus den Vorgängerbänden fort und stellt diesmal Lucetta Plum ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Obgleich Hannah Peabody und Millie Longfellow einen kurzen Gastauftritt im Buch erhalten, konzentriert die Autorin sich voll und ganz auf die einzige noch unverheiratete Dame dieses Kleeblatts. Die Charakterisierung der intelligenten und tiefgründigen Schauspielerin sowie ihres männlichen Gegenparts Bram Harverstein ist hervorragend gelungen. Beide Protagonisten hüten einige Geheimnisse, die dem Leser erst nach und nach offenbart werden. Anhand von Nebenfiguren wie Lucettas Leibwächter Mr. Skukman oder dem zwielichtigen Hauspersonal wird die Vorliebe Jen Turanos für skurrile Charaktere deutlich. Angesichts der eingebauten Krimihandlung wird ein gewisser Spannungsbogen aufgebaut. Die Autorin bedient sich diesmal gleich zweier Antagonisten, die besagte Spannung bis zum aufregenden Finale aufrechterhalten.
In gewohnt locker-leichtem und äußerst humorvollem Schreibstil beschreibt Jen Turano das gesellschaftliche Leben in New York im Jahre 1882, den Wunsch intelligenter Frauen nach Bildung, Unabhängigkeit und Anerkennung und bringt Themen wie Vergebung und Versöhnung in ihre Geschichte ein. Der christliche Glaube nimmt ebenfalls einen kleinen Raum in diesem Buch ein, wird jedoch nur dezent angedeutet.
Fazit: „Braut wider Willen“ hat mir sehr gut gefallen und mir mit den unzähligen, vor Situationskomik triefenden Turbulenzen und amourösen Verwicklungen ein grandioses Lesevergnügen bereitet. Ich kann diese leichte, romantische Liebeskomödie aus der Feder der christlichen Bestsellerautorin Jen Turano uneingeschränkt weiterempfehlen.
Rezensionen von LEXI:
Auf den Spuren eines Familiengeheimnisses
Die vergessene Burg von Susanne Goga
„Wenn man einmal von etwas gekostet hat, mag man den Geschmack nie wieder missen“
Ein Gedichtband von Heinrich Heine mit seinem „Lied der Loreley“ und ein Brief aus Deutschland bringen das ruhige, ereignislose Leben der jungen Engländerin Paula Cooper unvermittelt in Aufruhr. Paula ist seit zwölf Jahren die Gesellschafterin einer Verwandten, erduldet die vorgetäuschten Krankheiten und die emotionale Erpressung der einsamen Invalidin Harriet Farley, die Paula jegliche Freude missgönnt und ihr die Luft zu atmen nimmt.
Erst als sie irrtümlich eines an sie gerichteten Briefes habhaft wird, erfährt sie von der Existenz eines Onkels, von dem sie bis zu diesem Zeitpunkt nichts wusste. Paula erwacht aus ihrer Resignation und ihre Wut auf das bewusste Verschweigen der Vergangenheit vermischt sich mit einer durch Heines Gedicht erwachten Sehnsucht, dieses schöne Land am Rhein kennenzulernen. Sie entspricht dem Herzenswunsch ihres schwer erkrankten Onkels und bricht zu einer Reise zu ihm nach Bonn auf, die ihre gesamte Existenz auf den Kopf stellen wird. Denn ihre Mutter Margaret hatte nicht nur strikt vermieden, über den längst verstorbenen Vater und dessen Bruder zu sprechen, sondern auch andere Dinge verheimlicht. Es handelt sich um Geheimnisse brisanten Inhalts, und Paula ist felsenfest entschlossen, ihnen auf den Grund zu gehen. In Deutschland macht sie die Bekanntschaft des englischen Fotografen Benjamin Trevor, der die junge Frau bei ihrer Suche nach Hinweisen zum Verbleib ihres Vaters unterstützt und sich gemeinsam mit ihr auf die Suche nach der Wahrheit macht. Paulas ehemals graues, tristes Leben in Harriet Farleys grauem Haus in Kings Langley, Hertfordshire, mutiert zu einem atemberaubenden Abenteuer, das ihr gesamtes Dasein in Frage stellt und ihr Leben vollständig und unwiderruflich verändert.
Die mir bislang unbekannte Autorin Susanne Goga hat mich zunächst mit dem eindrucksvollen Buchcover, dem vielversprechenden Klappentext und schließlich mit der interessanten Leseprobe dieser Neuerscheinung in den Bann gezogen. Es animiert dazu, „Die vergessene Burg“ zu lesen und der Rolle dieser verheißungsvollen Burg auf dem Cover auf den Grund gehen. Eine einleitende Internet-Recherche über die Ruine Ehrenfels verlieh dem Ganzen zusätzlichen Reiz.
Die Umsetzung dieser Geschichte ist der Autorin hervorragend gelungen. Susanne Gogas Schreibstil ist äußerst einnehmend, ihre wunderschöne bildhafte Sprache erweckte in mir unvermittelt den Wunsch, dieses Abenteuer selber erleben, das leuchtende Feuer der untergehenden Sonne mit der Ruine einer Burg über dem funkelnden Rhein mit eigenen Augen betrachten zu dürfen. Die detaillierten Beschreibungen bezogen mich als Leser vollständig in die Geschichte ein und die Worte der Autorin ließen sowohl ihre überzeugenden und ausgezeichnet charakterisierten Protagonisten und Nebenfiguren, als auch die wunderschöne Landschaft am Ufer des Rheins in meinem Kopf lebendig werden. Durch die Geheimniskrämerei von Paulas Mutter um ihren vor vielen Jahren spurlos verschwundenen Ehemann wird ein großer Spannungsfaktor ins Buch eingebracht, der sich mit dem Verlauf der Geschichte kontinuierlich erhöht und schließlich zu einem aufregenden Finale hinführt. Ich fand es höchst anregend, an Paulas Seite den Spuren des William Cooper zu folgen und Licht in die Ereignisse längst vergangener Tage zu bringen.
Mit Paula Cooper präsentiert Susanne Goga eine sympathische Protagonistin, die im Verlauf der Handlung eine große Veränderung durchläuft. Ihre ruhige, aufmerksame und warmherzige Art, ihr kluger Verstand, ihre unerbittliche Hartnäckigkeit und nicht zuletzt ihr Mut haben mich tief beeindruckt. Als männlicher Gegenpart erscheint Benjamin Trevor auf der Spielfläche, der zunächst durch seine ungehobelte Art und eine nachlässige Kleidung auffällt. Aus Paulas anfänglichen Antipathie entwickelt sich jedoch nach und nach respektvolle Anerkennung und schließlich tiefe Freundschaft, die dazu führt, dass der attraktive und gutherzige Fotograf sie bei ihren Recherchen unterstützt. Sehr gut gefallen hat mir die Tatsache, dass die Autorin stets auch die engen Familienangehörigen ihrer Protagonisten in die Geschichte einbringt und man als Leser durch deren Interaktionen und ihren Briefwechsel, der in kursiver Schrift dargestellt wird, nähere Details über die Vergangenheit erfährt. Meine favorisierte Nebenfigur war Paulas Onkel Rudolph „Rudy“ Frederick Cooper, der mir mit seiner exzentrischen und überschwänglich-herzlichen Art, seiner Großzügigkeit und seiner offen zur Schau gestellten Liebe zu seiner lange vermissten Nichte augenblicklich ans Herz gewachsen ist. Als meine persönlichen Antagonisten darf ich ganz eindeutig Paulas herzlose Mutter Margaret Cooper sowie deren Cousine Harriet Farley benennen, die Paula mehr als drei Jahrzehnte ihres Lebens stahlen, ihr jegliche Lebensfreude raubten und sie lebenslänglich emotional vernachlässigten und belogen.
Fazit: „Die vergessene Burg“ ist eine imposante Familiengeschichte mit einer Menge Emotionen, die mich vollständig in seinen Bann zog. Susanne Goga glänzt mit einem hervorragenden und zum Teil poetischen Schreibstil. Es ist ihr gelungen, mich vollends zu begeistern und mir mit dieser abenteuerlichen und spannungsgeladenen Geschichte allergrößtes Lesevergnügen zu bereiten.
„Dies ist ein Geschenk, das du nie vergessen solltest. Dies ist ein Augenblick, der nie wiederkehrt. Behalte ihn. Bewahre ihn in deinem Herzen.“ (Paula und Rudolph beim Anblick des in der untergehenden Sonne funkelnden Rheins, Seite 86)
Rezensionen von Bibliomarie:
Außenseiter
Ein Winter in Paris von Jean-Philippe Blondel
Victor hat die Aufnahmeprüfungen ins elitäre Pariser Lycée D. geschafft. Der Erste aus seiner doch recht bildungsfernen Familie. In Paris findet er sich als Außenseiter wieder. Er hat weder den gesellschaftlichen noch den kulturellen Hintergrund seiner Mitschüler, er findet keinen Kontakt und zieht sich völlig zurück.
Er erlebt den Unterricht wie ein Beobachter von außen. Als er zur Überraschung der Lehrer und Mitschüler das erste Jahr bestanden hat, trifft er auf Mathieu, ebenfalls aus der Provinz, ebenfalls Außenseiter, sie wechseln einige belanglose Sätze, treffen sich zum Rauchen im Schulhof. Doch Mathieu ist dem Druck nicht gewachsen, er stürzt sich während des Unterrichts aus dem Fenster. Victor ist fast als Erster am Ort des Suizids und nun wird er zum ersten Mal wahrgenommen. Lehrer und Mitschüler betrachten in als einzigen Freund Mathieus und suchen plötzlich Kontakt und Gespräch. Er nimmt diese Aufmerksamkeit wahr und er genießt sie auch, obwohl ihm klar ist, dass sie nicht seiner Person gelten. Lediglich bei Paul, dem Klassenprimus, spürt er echtes Interesse.
30 Jahre später erhält der Schriftsteller Victor einen Brief von Mathieus Vater, dieser Brief löst die Erinnerungskette an die Zeit am Lycée aus, die das Buch beinhaltet.
Ungemein feinfühlig und genau berichtet der Autor Blondel von der Entwicklung eines jungen Menschen, der durch ein Ereignis aus der festgeordneten Lebensplanung gerissen wird. Es sind nur wenige Monate, die er seinen Protagonisten Victor begleitet, aber er nimmt den Leser mit in die Gedanken – und Gefühlswelt des jungen Mannes. Seine Wahrnehmung der Umwelt ändert sich, er reift an den Ereignissen. Dieser Prozess der Selbstreflektion hat mich sehr berührt, mir den Menschen Victor sehr nah gebracht. Der kurze Roman hat mich gepackt, ich bin richtig eingetaucht und habe bemerkt, dass mich der Text nicht loslässt. Immer wieder bin ich gedanklich bei der Geschichte, das finde sehr bemerkenswert.
Für mich ist das Buch eine Literaturperle in diesem Herbst. Ein kurzes, aber sehr intensives Leseerlebnis.
Rezensionen von Gudrun Gaber:
Wunderbares Arthouse Kino
Eine allgemeine Theorie des Vergessens von José Eduardo Agualusa
W
enn das Buch als Kinofilm doch noch umgesetzt wird - spätestens dann sollte man den Stoff gesehen haben. Das Buch ist mystisch, beinhaltet teilweise schwer vorstellbare Handlungen. Wird von großen Gefühlen getragen. Die Episoden werden aus mehreren Richtungen dem Leser angeboten.
Also Spott an und das Buch in die Hand!
Rezensionen von Gaby 2707:
Nichts ist wie es scheint
Sie finden dich nie von Cara Hunter
Boah, was für eine Geschichte, die mich bestimmt nicht so schnell los lässt.
Während einer Party im Garten ihrer Eltern mit ihren Schulfreunden und deren Eltern verschwindet die 8-jährige Daisy Manson spurlos. Niemand hat sie gesehen, niemand weiß etwas. Detective Inspector Adam Fawley und sein Team ermitteln fieberhaft, aber ausser Indizien finden auch sie keinen Hinweis auf das Verbleiben des Mädchens.
Daisy ist und bleibt verschwunden.
Sehr viele Dialoge, Rückblenden in die Vergangenheit und kleine Posts von Radio- oder tv-Sendern und vor allem auf Twitter lockern die Ermittlungen, die sehr zäh laufen, auf und die Spannung steigt stetig weiter an.
Cara Hunter erzählt eine spannende und sehr abwechslungsreiche Kriminalgeschichte. Von einem zum anderen Kapitel bin ich mehr dabei und spekuliere mit, was da wohl geschehen sein mag. Ich folge ihr auf Spuren, die sie für den Leser auslegt, um dann zu erfahren – hier geht´s nicht weiter. Ihr Schreibstil ist leicht, locker und flüssig und die Kapitel rauschen nur so an mir vorbei. Sie hat mich mit ihrem Debüt um Detective Inspector Adam Fawley richtig eingefangen.
Ab der ersten Seite bin ich mitten in den Ermitlungen und voll dabei. Viele kleine Spuren, die immer wieder ins Nichts führen oder sich nur schwer beweisen lassen. Eltern, die wie es den Anschein hat, keinen Wert auf tiefergreifende Ermittlungen haben und nur mit sich selbst beschäftigt sind. Nach aussen aber den Eindruck tiefer Trauer vermitteln wollen. Nachbarn, die bis auf ganz wenige, nichts gesehen und gehört haben wollen.
Sehr vielfältige und vielschichtige Personen begleiten mich auf meinem Weg durch das Buch. Die Mutter erscheint kalt und herzlos, der Vater liebt seine "Prinzessin" abgöttisch und Bruder Leo kämpft mit seinen eigenen Dämonen. Auch die Vergangenheit hält Tatsachen für mich als Leser bereit, die noch weit in die Gegenwart hineinspielen. Es ist schlimm zu lesen, was diese beiden Kinder in ihrer Familie erdulden müssen und wie die Erwachsenen miteinander umgehen.
Aber nicht nur die Familie Manson hat ihr Päckchen zu tragen, auch bei den Mitgliedern der Polizei läuft nicht alles rund. So hat z.B. Adam Fawley einen ganz besonderen Bezug zu diesem Fall. Und Detectiv Constable Chris Gislingham wird aus persönlichen Gründen vom Fall abgezogen. Aber mehr verrate ich nicht.
Ich hatte den Fall für mich schon gelöst geglaubt und abgeschlossen, da kommt ein Ende mit einer Auflösung daher, die ich so überhaupt nicht erwartet hatte. Ich bin begeistert von dieser letzten Wendung, aber auch irgendwie schockiert. Das I-Tüpfelchen, das den Fall so ganz besonders macht.
Eine für mich neue Autorin mit einem interessanten und spannenden Fall, der auch zeigt, was die sozialen Netzwerke so anstellen können. Ich bin begeistert!
Rezensionen von DieLeserin:
Ein rasanter Pageturner über den schlimmsten Albtraum, den eine Mutter durchleben kann
Ohne Spur von Haylen Beck
Silver Water klingt ja richtig niedlich, entspannend und hat von all dem nichts. Silver Water ist ein böser Ort mit heruntergekommenen Häusern, verbarrikadierten Fenstern und einem richtig fiesen Sheriff. Wer kann, meidet den Ort.
Genau hier wird Audra Kinney vom Sheriff angehalten. Ihre beiden Kinder sitzen im Auto, während Sheriff Whiteside die Mutter verhaftet.
Deputy Collins holt die Kinder ab, bringt sie an einen "sicheren Ort", während Audra auch an einen "sicheren Ort" verfrachtet wird, nämlich direkt in die Zelle. Als sie nach ihren Kindern fragt, fragt Whiteside zurück: "Was für Kinder?"
Der Albtraum beginnt. Für die Mutter und für die Kinder. Denn niemand glaubt ihr, dass der Sheriff ihre Kinder entführt hat, schlimmer: Alle glauben, dass Audra selbst ihre Kinder irgendwo in der Wüste verscharrt hat.
Und die Kinder? Die kämpfen draußen gegen die Großen, denn man hat schlimmes mit ihnen vor.
Trotz des wirklich ernsten Themas liest sich der Thriller rasant und kurzweilig. Er geht nicht zu sehr in die Tiefe, so dass man ihn als Unterhaltungsthriller einstufen kann. Als Leser galoppiert man durch die Seiten, wird von Anfang an mit der erschreckenden Story mitgerissen und bis zum Ende gefesselt.
Auch der Hintergrund der Familie ist interessant, denn Audra hat schon eine schwierige Ehe hinter sich und flüchtet nicht umsonst vor dieser Familie. Trotz all dem ist es kein Thriller, der einen im Herz berührt, sondern ein Thriller, der für unterhaltsame Lesestunden sorgt und einen durch den rasanten Aufbau bis zum Ende nicht mehr loslässt.
Ein Lesetipp für Thrillerliebhaber für verregnete Herbsttage!










