Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Biest:
Lustig, realistisch, einfach genial
Die Elternsprecherin von Gelman Laurie
Aus dem geheimen Leben einer Elternsprecherin
Inhalt:
Mein Sohn reagiert HOCHGRADIG allergisch auf Erdnüsse, Milchprodukte, Weizen, Gräser, Weizengräser, Schokolade und Staub in der Luft. Bitte sorgen Sie dafür, dass keins dieser Dinge im Klassenraum auftaucht.
Als Elternsprecherin hat man es alles andere als leicht, das weiß Jennifer allzu gut.
Deshalb ist sie auch nur widerwillig wieder im Amt. Aber dieses Jahr hat sie einen Plan: Allergiker-Mom, Spießer-Dad und alle anderen sollen sich mal locker machen. Mit ihren E-Mails gewinnt Jennifer auch einige neue Freunde, aber dann proben die Helikopter-Eltern den Aufstand...
Meine Meinung:
Selten habe ich mich so köstlich amüsiert. Dabei ist die ganze Story nicht mal so abwegig, wie manch einer vielleicht glauben mag. Sie wirkt wie mitten aus dem wahren Leben gegriffen.
Als Dreifachmutter weiß ich, dass es immer schwieriger wird, ein Kind normal einzuschulen. Es fängt im Kindergarten bereits an, geht mit der Vorschule weiter und endet nicht selten im Chaos.
Dies spiegelt sich auch sehr schön in diesem Buch wieder. Von aufgebrachten Eltern, über rüpelhafte Kinder bis hin zu ratlosen Vatern.
Sehr originell fand ich die E-Mails, die Jen immer mal wieder an die anderen Eltern schickt. Dabei nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Sie triefen vor Sarkasmus und Ironie. Einfach genial. Ich finde ja immer das E-Mails und Nachrichten so ein Buch auflockern, aber hier wäre es gar nicht nötig gewesen. Ich bin nur so durchs Buch geflogen. Einmal angefangen kann man es kaum noch aus der Hand legen. Die Lachmuskeln werden hier ordentlich trainiert.
Neben dem Amt der Elternsprecherin ist Jen aber auch noch dreifache Mutter, hat einen Ehemann, Freunde und Familie. Dies alles immer unter einen Hut zu bringen und alle gerecht zu werden ist nicht einfach. Aber sie macht das Beste daraus. In sie kann man sich super hineinversetzten. Toll fand ich auch, dass sie ihre Gedanken mit den Lesern teilt.
Die Charaktere waren alle sehr menschlich und realistisch gezeichnet. Nicht zu übertrieben und sehr glaubwürdig. Sehr gut haben mir die Helikopter-Eltern gefallen. Über sie zu lesen ist einfacher, als sie hautnah zu ertragen.
Die Story hat mir gut gefallen, war realistisch und nicht überzogen. Ein kleiner Einblick in den Alltag einer Eltersprecherin und Mutter.
Der Schreibstil war super, modern und ließ sich flott lesen. Das Cover gefällt mir auch sehr gut. Es passt zum Thema und zieht ganz sicher einige Blicke auf sich.
Fazit:
Ein tolles modernes Buch, was nur so vor Humor strotzt. Ich habe mich köstlich amüsiert, auf jeder Seite. Eine ganz klare Leseempfehlung!
Rezensionen von leserin3@bluewin.ch:
Powerfrau schuf lebenspralles Buch
Tel Aviv by Neni. Food. People. Stories. von Haya Molcho
Haben in jüngster Zeit schon einige Kochbücher für kleinere Sensationen gesorgt, so erst recht "Tel Aviv by NENI" von Haya Molcho. Hier fliessen orientalische Rezepte samt näheren Erläuterungen mit Erinnerungen und anderen Geschichten zu einem Werk in bunter Vielfalt zusammen. Die engagierte Powerfrau leiht auch Einheimischen das Wort, was eine unterhaltsame Komponente ergibt.
Ergänzt durch persönliche Tipps und appetitliche Bilder, hält man ein Buch in Händen, das den sprichwörtlichen Speichel im Mund aktiviert. Aber noch ein zweiter Effekt entsteht: Man möchte selbst nach Tel Aviv reisen, um mit allen Sinnen das Lebensgefühl dieser Stadt zu spüren - und vielleicht auch einem der vorgestellten Menschen zu begegnen, wer weiss.
Die Rezepte lassen sich natürlich nicht in jedem Fall umsetzen, denn man benötigt Gewürze und Lebensmittel, die es teilweise nur in Geschäften mit Waren der Levante gibt. Immerhin hilft die genaue Beschreibung der benötigten Zutaten, sie durch andere, ähnliche zu ersetzen. Doch ist der Inhalt gut durchstrukturiert und übersichtlich. Die Fotos wurden grösstenteils vom ältesten Sohn Nuriel beigetragen.
Ich selbst habe wiederholt in NENI-Restaurants gegessen. Den Erfolg von Haya Molcho und ihrer Familie machen bestimmt nicht nur die delikaten Gerichte auf ihrer Speisekarte aus, sondern nicht zuletzt auch die Weltoffenheit und allumfassende Gastfreundschaft der Familie. Religionen und Nationen spielen absolut keine Rolle, denn die vermischen sich in Tel Aviv ohnehin. Man kann es auch gelebte Toleranz nennen.
Der Name Haya bedeutet "Leben", und das strömt aus jeder Seite dieses reichhaltigen Buches, das sich sehr gut auch als Geschenk eignet. Und wenn man Speisen wie etwa Shakshuka vor dem eigenen Kochversuch zuerst kosten will, braucht man sie nur in den NENI-Restaurants zu bestellen. Die gibt es nämlich inzwischen auch in Berlin, Paris, Wien, Mallorca, Amsterdam, Zürich, Hamburg und München.
Rezensionen von leserin3@bluewin.ch:
Dramatisches Geschehen, leichtfüssig erzählt
Königskinder von Alex Capus
Ein Paar in mittleren Jahren bleibt auf einem Gebirgspass mit seinem Auto im Schnee stecken und vertreibt sich die Zeit, indem der Ehemann zu erzählen beginnt, nämlich den Verlauf der Liebe von Jakob und Marie. Seine etwas zickige Frau unterbricht den Erzählfluss immer wieder, doch es schält sich eine Liebesgeschichte heraus, so simpel und berührend wie die meisten dieser Art, und doch steht sie für einen ganz persönlichen Urknall der Liebe.
Capus wählt zu Beginn eine bäuerliche Szenerie in den Schweizer Alpen, die aber bald ins Frankreich Ludwigs XVI. weiterleitet. Vorerst aus Kriegsgründen getrennt, dürfen sich die Liebenden auf abenteuerlichen Wegen und dank ihrer unerschütterlichen Beharrlichkeit nach Jahren aber trotzdem wiederfinden. Dabei schildert der Autor die hygienischen Zustände auf den Verkehrswegen und das groteske Leben am royalen Hof kurz vor Ausbruch der französischen Revolution so anschaulich, dass man sich beim Lesen am liebsten die Nase zuhalten möchte.
Capus erzählt in gewohnter Virtuosität, Plastizität und Leichtigkeit. Zuvor muss er gründlich recherchiert haben, denn die historischen Hintergründe stimmen. Auch die Daten von Jakob und Marie sind in den Greyerzer Kirchenbüchern immer noch nachzulesen.
Einen reizvollen Kontrast bildet der Bilderbuch-Bauernhof von Ludwigs Schwester Elisabeth zur rustikalen alltäglichen Wirklichkeit. Quasi als Zusatz werden zwei Paare einander gegenübergestellt, und einige Parallelen scheinen auf. Es stellt sich dem eingeschneiten Paar auch die Frage, wie sich ihre Beziehung hat entwickeln können.
Ein schlankes Bändchen, das nun wirklich den Wunsch nach Mehr weckt.
Rezensionen von leserin3@bluewin.ch:
Zu schwere Lasten für ein Kind
Loyalitäten von Delphine Vigan
Wenn die elterliche Obhut über ein Kind wechselweise ausgeübt wird, kann es nicht ausbleiben, dass dieser junge, unfertige Mensch es beiden Seiten recht machen will. Im vorliegenden Fall ist das Théo, der wochenweise abwechselnd zwischen seinen Eltern laviert und mit deren Problemen, mit Kälte und Lieblosigkeit konfrontiert wird.
Um mit den Lasten auf seinen schmalen Schultern besser fertig zu werden, sucht er in hochprozentigem Alkohol Betäubung und Wärme. Ganz allein ist er dabei nicht, denn sein einziger Freund, Mathis, macht in geringerem Mass mit und besorgt sogar über seinen älteren Bruder den Schnaps.
Nur eine der Lehrerinnen, in ihrer Kindheit selbst schwer misshandelt und somit ein gebranntes Kind, spürt hinter der zunehmenden Beeinträchtigung Théos im Unterricht einen ernstzunehmenden, wenn auch unbekannten Faktor, findet in der Kollegenschaft aber kein Gehör.
Da Mathis ein treuer Freund ist, ist er Théo gegenüber unbedingt loyal. Dieser wiederum deckt die massiven Schwächen seines Vaters und verhält sich der eifersüchtigen Mutter gegenüber unauffällig. Auch die Eltern von Mathis haben einiges zu verbergen, und doch verrät keiner den andern. Beide Elternpaare bemühen sich und wollen alles richtig machen, dennoch befinden sie sich offenbar auf dem Holzweg und lassen ihre Söhne im Stich. Unter dieser Last muss Théo zwangläufig zusammenbrechen, und es kommt zum Eklat.
Wenn es um die Verteilung der Sympathien geht, tue ich mir schwer. Mitleid verdienen fast alle Personen, denn niemand will Fehler machen und kann sie doch nicht verhindern. Sehr passend ist das Coverbild, dessen ineinander verwobene Streifen die loyalen Verstrickungen zwischen Théo und seiner nächsten Umgebung verdeutlichen.
Delphine de Vigan greift in ihren Werken immer wieder heikle, aber hochaktuelle Themen auf. Ihre Sprache ist gekonnt unaufgeregt und nüchtern, vermag den Leser in seinem Innersten aber sofort zu fesseln. Indem sie die Hauptpersonen abwechselnd zu Wort kommen lässt, erhält man Einblick in mehrere Personen. Die fortschreitende Handlung nimmt immer mehr Fahrt auf, und die Spannung wird gegen Schluss fast unerträglich. Man weiss ja, dass Théo rasant ins Unglück schlittern wird.
Ein Roman, bei dem man sich fragt, wie viele solcher Kinder es in unserer Nähe gibt. Ganz bestimmt mehr, als wir denken.
Rezensionen von leserin3@bluewin.ch:
Ein Hoch auf das Leben
Ich komme mit von Waldis Angelika
Wenn im Leben endlich alles stimmt, so wie beim jungen Lazar, und dann die Leukämie einen dicken Strich durch alle positiven Aspekte macht, ist das brutal. Es stösst Lazy mit einem Mal zu Boden. Im selben Haus wie er wohnt die alte Vita Maier, und sie ist auch nicht viel besser dran. Die Zukunft scheint für beide weder aussichtsreich noch rosig.
So unwahrscheinlich es klingt: Die beiden kommen einander näher, vor allem, weil sie viel Gemeinsames haben, auch vom Charakter her.
Es ist nicht nur die Einsamkeit und das anfängliche Misstrauen der beiden, sondern auch die Neugier auf das Wesen des Lebens und zwischendurch die kleinen Portionen Galgenhumor, die ihnen weiterhelfen. Diese skurrile Freundschaft bewährt sich nicht nur im Kampf gegen Lazys Leukämie, sondern auch auf der verrückten Reise in den vorderen Orient und bei einem irrwitzigen Plan.
Eine berührende, wenn auch in ihrer Handlung ziemlich vorhersehbare Geschichte. Angelika Waldis wechselt zwischen Lazys und Vitas Erzählungen, wobei sie die Sprache entsprechend anpasst, aber ohne Anbiederung an die Jugend. Mit Humor lässt sie ihre beiden Figuren "Leben ist…"-Sprüche um die Wette definieren. Dabei kommt die gewohnt schöne Sprache der Autorin voll zur Geltung.
Ein Buch mit einigen philosophischen Aspekten für Leser jeden Alters, das Einblick gewährt in Themen, mit denen jeder im Handumdrehen selbst konfrontiert sein könnte.
Rezensionen von heinoko:
Für mich zu verwirrend
Das Heer des Weißen Drachen von Anthony Ryan
Zwar ist Fantasy nicht mein bevorzugtes Genre, aber weil mich die Leseprobe zu diesem Buch so fasziniert hatte, wollte ich es unbedingt lesen. Was ich nicht bedacht hatte: Es handelt sich um den zweiten Band zu Draconis Memoria. Band 1 kenne ich nicht. Und hierin mag der Grund für meine Schwierigkeiten mit diesem Buch liegen.
Trotz der geschickten Einführung bzw. Rückblick auf den ersten Buchseiten hatte ich erhebliche Mühe, der Geschichte wirklich zu folgen. Immer wieder hatte ich das Gefühl, dass sich ständig neue Wissenslücken auftun und ich mich nicht auskenne. Weiter erschwerend kam für mich hinzu die Angewohnheit des Autors, die Kapitel unvollständig zu beenden und erst viele Seiten später fortzusetzen. Diese Cliffhanger und die fehlenden Vorkenntnisse haben mir das Lesen des Buches ziemlich verleidet.
Da ich nicht sicher bin, ob ich den Inhalt mit eigenen Worten richtig wiedergeben würde, nutze ich ausnahmsweise den Klappentext: „Jahrhundertelang baute das gewaltige Eisenboot- Handelssyndikat auf Drachenblut – und die außergewöhnlichen Kräfte, die es verleiht. Als die Drachenblutlinien versiegen und Kundschafter ausgesandt werden, um neue Quellen zu entdecken, kommt ein verheerendes Szenario in Gang.
Claydon Torcreek ist einer der Überlebenden der gefahrvollen Reise durch das unerforschte Hinterland des Corvantinischen Reiches. Statt der neuen Blutquellen, die die Zukunft seines Volkes hätten sichern können, entdeckt er jedoch einen Albtraum. Der legendäre Weiße Drache ist aus seinem Jahrtausende währenden Schlaf erwacht und giert danach, die Welt der Menschen in Schutt und Asche zu legen. Und noch schlimmer: Er befehligt eine Armee aus Verderbten, die ihm hörig sind.“
Eigentlich eine tolle Story, die das Zeug dazu hätte, den Leser mitzureißen. Mich konnte sie leider nicht erreichen. Ich war zu oft verwirrt, wusste nicht, wo ich mich in der Geschichte befand, es fehlten mir Orientierungspunkte, auch emotionale Anknüpfungspunkte. Zu viele Handelnde, zwar immer wieder spannende Episoden, die mich aber nach einer Weile wieder im Unklaren entließen. Für Fantasy-Liebhaber, die es gewohnt sind, in erdachten Universen zu reisen, mag dies alles kein Problem sein. Für mich jedoch war dieses Buch letztendlich wieder eine Bestätigung, dass Fantasy nicht mein Genre ist. Was letztlich nicht der sicher vorhandenen Qualität des Buches angelastet werden darf.
Rezensionen von StefanieFreigericht:
„Ein Mann in einer Bahnhofshalle, irgendein Mann in irgendeiner Bahnhofshalle.“
Der Narr und seine Maschine von Friedrich Ani
Tabor Süden war Kriminalhauptkommissar in der Vermisstenstelle der Kripo, quittierte den Dienst, verschwand, kehrte zurück, arbeitete in einer Detektei, jetzt will er wieder verschwinden. Seine Chefin spürt ihn auf, setzt ihn auf einen Fall an. Ein Krimi-Autor ist verschwunden.
„Mich würde niemand wiederfinden, dachte Tabor Süden, als er sich auf der obersten Treppenstufe von der Straße abwandte.
Seine Zukunft wäre die allumfassende Unsichtbarkeit.“ S. 10 Der Satz ist typisch für den eher literarischen Stil des Buches, der mir dann doch gelegentlich zu viel wird: „Im irren Glauben, er könne ertwas erkennen, riss er die Augen auf und starrte die schäbige Wand vor sich an wie eine riesige, körnige, Horrorszenen speiende Leinwand.“ S. 22 Der Satz ist auch typisch für Tabor Süden und er könnte gleichmaßen für Cornelius „Linus“ Hallig stehen, den verschwundenen Schriftsteller. Beide sind sie aufgewachsen mit verschwindenden Vätern, können schweigen, haben ihre gewohnten Orte, wenige Bindungen, wenn überhaupt.
Ansonsten ist das hier eher schwierig als Krimi einzuordnen, abseits des gewohnten Schemas von Mord und Leiche, dafür liegt die Stärke darin, wie die Gesprächsführung von Süden Wirkung zeigt, wie er auf das Schuldgefühl von Angehörigen einzugehen weiß, über das ich mir vorher nicht einmal bewusst war: verschwindet jemand aus meinem Umfeld, KANN ich mich nur schuldig fühlen, schließlich hätte ich doch etwas bemerken müssen. Psychologisch meisterhaft, auch in der Düsternis der Darstellung. Kein Buch für schlechte Tage, dafür komplett unproblematisch für jene, die sensibel auf Gewaltdarstellung reagieren.
Das Buch ist der 21. (!) einer Reihe mit Tabor Süden, mein erster, ich konnte bedenkenlos einsteigen. Ich bin irgendwie beeindruckt, gleichzeitig aber nicht sehr inspiriert, weitere Bände zu lesen, dazu wirkte der Text zu desillusioniert und zu deprimierend auf mich. Die harten Brüche der Perspektivwechsel zwischen den beiden Männern hielten mich auf Distanz. Das Ende passt perfekt dazu. Jetzt bin ich ratlos und sehne mich nach einem richtig harten Thriller mit viel Gewalt oder meinem großen Teddybären oder sinniere noch ein wenig über das Buch nach oder besser später, bei Tageslicht.
4 Sterne, 3 oder 5 hätte ich genauso gegeben.
Rezensionen von StefanieFreigericht:
Heilsame Vergebung
Mitten im Sturm von Jessica Winter
Seattle.
„Ich habe einen Menschen getötet.
Fünfhundereinundfünfzig Tage lang versuche ich bereits, das Ausmaß dieser Tatsache zu erfassen und doch begreife ich es immer noch nicht.“ An Grace‘ Tür wird „MÖRDER“ geschmiert. Sie ruft nicht nach der Polizei, sie weiß, wer es war, sie geht in den Baumarkt, um Farbe zu kaufen.
Das klingt nach einem Krimi.
Grace und Eric liefern sich einen verbalen Schlagabtauch nach dem anderen, seit sie sich im Baumarkt begegneten und sich später herausstellte, dass Eric und Grace‘ Kumpel Matt Mittbewohner sind. Das klingt nach Liebesroman.
Die 19jährige Grace Souza hat einen Menschen getötet vor fast zwei Jahren. Sie wurde freigesprochen aufgrund der Umstände, es sei ein Unfall gewesen. Sie leidet seitdem unter Schlaflosigkeit, Selbstzweifeln, Zweifeln, ob es wirklich ein Unfall war. Und sie ist Psychoterror ausgesetzt. Sie kratzt sich, leidet unter Schlaflosigkeit. Das klingt sehr dramatisch.
Es ist ein Roman von Jessica Winter.
Es ist mir aus dummen Gründen fast peinlich, aber ich liebe die Bücher von Jessica Winter! Nun, sonst lese ich meistens und Krimis/Thriller und sogenannte anspruchsvolle Romane (wobei Thriller von Andreas Pflüger, „Endgültig“, „Niemals“ schon recht anspruchsvoll sind; während einige der als „Literatur“ eingestuften Werke leicht-locker-unterhaltsam sind, Thomas Klupp „Wie ich fälschte, log und Gutes tat“, oder Leser zu Tränen rührt wie Benedict Wells „Vom Ende der Einsamkeit“). Ergo: ich halte mich wohl für etwas Besseres? Hoffentlich nicht. Die Romane von Frau Winter sind spannend, lustig und haben immer (mindestens) ein gesellschaftliches Brennpunkt-Thema zur Grundlage. Ja, sie sind auch mindestens gefühlvoll, aber keine hohlen Kitschschnulzen. Und: sie macht das sehr geschickt, wie sie das aufbaut, dass man zu den Ursachen hingeführt wird.
Dazu trifft die Autorin noch Kernaussagen, mitten hinein. „Durch ihn habe ich erkannt, dass Leid uns nicht stärker macht, es uns aber die Stärke zeigen kann, die wir bereits besitzen und in uns tragen.“ Oder Worte wie „Ich lasse dich los“ zu denen, die Schaden verursacht haben. „Vergebung bedeutet viel mehr, den Wunsch aufzugeben, meine Geschichte noch irgendwie ändern zu können, und mich auf die Gegenwart zu konzentrieren.“ Stark die Szene in Massachussetts, die Vergebung gegenüber einem anderen, nicht für diesen, sondern für sich selbst, um frei zu sein. Jessica Winter ist Christin, ihre Hauptfiguren auch, nicht aufgesetzt, durch ihr Handeln, wie sich das gehört. Mich beeindruckt auch das.
Okaaaay, also ich mag die Bücher, ich mag Gracie, die kratzbürstig ist, lustig, einfühlsam, klug und stur. Sie ist keine kleine Tussi, die auf den Prinzen wartet. Sie hat Mut, will ihr Leben geregelt bekommen. Und Eric sieht irgendwann ein, dass auch jemand mit Schwarz-weiß-Weltbild gelegentlich einmal seine Grenzen übertreten muss, nicht aber die Grenzen anderer. Dazu gibt es noch einen ganzen Schwung sympathischer Nebenfiguren wie Grace‘ Fast-Schwester Maggie oder Erics kleine Schwester Lilly. Insgesamt ein richtig guter Grund, sich so richtig in die schöne Geschichte hineinfallen zu lassen, die mich durch ihre Botschaft beeindruckt und durch die Schreibweise. Ich kann ja danach wieder Literatur lesen oder „Leichen“. Oder noch einmal Jessica Winter, immer gern.
Das Buch steht für sich allein; allerdings ist die beste Freundin von Grace DIE Julia, die die Protagonistin der „Julia und Jeremy – Reihe“ aus drei Bänden ist. Dieser Band liegt in der Logik „zwischen“ dem zweiten Band, kann aber allein gelesen werden. Wenn man die zwei ersten Bände gelesen hat wie ich, kennt man Grace‘ Geheimnis, wenn man dieses Buch gelesen hat, kennt man das von Julia. Nicht dass das wirklich schlimm wäre – mich hat diees Buch trotzdem sehr bewegt.
5 Sterne.
Rezensionen von jiskett:
Eine schöne, anrührende Geschichte
Heute schon für morgen träumen von Lori Nelson Spielman
"Heute schon für morgen träumen" erzählt die Geschichte von Emilia, die eher schüchtern und zurückgezogen lebt, und ihrer Großtante Poppy, die versucht, ihr Leben immer in vollen Zügen zu genießen. Nun möchte sie zu ihrem achtzigsten Geburtstag nach Italien zurückkehren und will, dass Emilia und deren Cousine Lucy sie begleiten - unter anderem, weil sie versucht, den beiden die Augen zu öffnen und ihnen zu zeigen, dass ihr Leben ihnen mehr zu bieten hat, als sie bisher für möglich gehalten hätten.
Es war leicht, sich in Emilia hineinzuversetzen und von Anfang an mit ihr zu fühlen. Sie war sehr sympathisch, doch es war offensichtlich, dass sie ein sehr beengtes Leben geführt hat und nicht viele Risiken eingegangen ist; aus diesem Grund war es schön zu lesen, wie sie sich im Laufe der Handlung nach und nach geöffnet, neue Erfahrungen gesammelt und dabei mehr über sich selbst erfahren hat. Nicht alles, was sie erlebt hat, war positiv, doch jedes Erlebnis hatte eine besondere Bedeutung und es war toll, die Protagonistin auf ihrer Reise zu begleiten und zu sehen, wie sie sich weiter entwickelt hat. Auch die anderen Charaktere waren gut ausgearbeitet; es gab zwar eher unsympathische Figuren, doch mir hat sehr gefallen, dass es verschiedene Graustufen gab und die Autorin hat deutlich gemacht, dass alles zwei Seiten hat. Besonders toll fand ich aber Poppy. Sie ist wirklich eine unglaublich starke Frau, die unbeirrt ihren Weg geht und beharrlich an ihre Träume glaubt und das fand ich sehr beeindruckend.
Die Handlung selbst hat mir ebenfalls gefallen, obwohl einige Entwicklungen vorhersehbar waren. Es gibt humorvolle, aber auch ernste Momente und zudem einige sehr berührende Szenen. Ich habe schnell eine Verbindung zu den Charakteren aufgebaut und deshalb mit ihnen gelitten und gehofft und gebangt, dass für sie alles gut ausgehen würde. Interessant war dabei, dass die Geschichte auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt wurde und die Vergangenheit sehr relevant für die Gegenwart war; die beiden Handlungsstränge wurden geschickt miteinander verknüpft und jede neue Enthüllung hat die Reise, auf der die drei Frauen sich befinden, bedeutsamer gemacht. Es werden wichtige Themen behandelt und die Botschaften, die in dem Buch stecken, sind sehr wichtig, regen zum Nachdenken an und wurden gefühlvoll übermittelt.
"Heute schon für morgen träumen" bekommt von mir 4 Sterne. Es ist eine sehr schöne, anrührende Geschichte mit toll ausgearbeiteten Charakteren. Gegen Ende war das Buch ein bisschen kitschig und vorhersehbar, aber es hat mich dennoch gut unterhalten und bewegt.
Rezensionen von BarbaraM:
Geheimnisvoll und interessant
Heute schon für morgen träumen von Lori Nelson Spielman
Rufus entscheidet sich nach kurzem Hin und Her dafür, seine Schule gegen die „Akademie für Hochbegabte des leibhaftigen Studiums vergangener Zeiten“ einzutauschen. Schnell lernt er dort seine Freunde Fili und No kennen und steckt schon bald mitten in einem richtigen Abenteuer. Die drei Freunde finden sich auf wundersame Weise im alten Ägypten wieder.
Dort lernen sie vieles über die damalige Geschichte.
Mit seinem ersten Band „Die Knochen der Götter“ aus der Reihe „Die Akademie der Abenteuer“ ist Boris Pfeiffer ein spannendes Abenteuer angereichert mit viel Sachwissen gelungen, das im Graphiti-Verlag erschienen ist und 272 Seiten umfasst.
Das Buch ist einfach und flüssig zu lesen und für Kinder ab 10 Jahren geeignet.
Fazit: Wir sprechen eine Kaufempfehlung aus für Jungen und Mädchen, die ein spannendes Abenteuer mit viel Sachwissen zum Thema „Altes Ägypten“ erleben wollen.
Ein schöner Einstieg in eine Reihe weiterer vielversprechender Abenteuer rund um die „Akademie der Abenteuer“.










