Kunden em pfehlungen
Rezensionen von MarcoL:
Ein wunderbares, im Prinzip komplexes Buch, das einen mit Leichtigkeit durch die Seiten schweben lässt
Einfallende Dämmerung von Christian Haller
Einmal mehr zeigt Christian Haller, dass er zu den ganz großen Erzählern im Literaturbetrieb gehört. 2023 wurde er mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet. Auch diese Novelle hat das Zeug dazu. Seine philosophischen Ansätze und Fragen, die diesmal das Thema „Alter“ betreffend, verpackt er wunderbar in eine angenehme Sprache und in eine gut aufgebaute Handlung.
Paul Balint ist Mikrobiologe. Er hat sich Zeit seines Lebens der Wissenschaft verschrieben und sein Leben damit ausgefüllt. Zu seinem 80. Geburtstag wird eine Feier in Paris organisiert. Ehemalige Kollegen kommen, er wird geehrt und erlebt einen wunderbaren Abend. Und zugleich erscheint ihm dieser Tag wie ein Abschied von einem gelebten Leben zu sein. In Rückblicken lässt uns der Autor an den Erinnerungen von Balint teilhaben, während die Gegenwart ihr unbarmherziges Netz auswirft.
Vor zehn Jahren hat ihn seine Langzeitlebensgefährtin Carla verlassen. Freiwillig, um noch etwas anderes im Leben zu suchen als die gemeinsame Vergangenheit. Balint hat sich damit arrangiert, sein Leben neu organisiert, und dennoch vergeht kein Tag, an dem er nicht an sie denken muss. Eine Stütze für ihn wird ihm sein Psychotherapeut Steinberg. Beide entwickeln im Laufe der Jahre ein freundschaftliches Verhältnis zu einander, mit tiefen Gesprächen und Ratschlägen für beide Personen.
Was ist das, das „Altern“. In welchen Stufen läuft es ab? Wann beginnt es überhaupt? Und so entwickeln sie die Theorie von „Jungem Alter“ und „Altem Alter“. Balint beginnt seine Umgebung mit anderen Augen zu sehen, nicht nur im mikrobiologisch-wissenschaftlichen Kontext, sondern er versucht auch hinter allem einen Sinn und eine Seele zu suchen. Ganz allmählich begreift er, dass das hohe Alter nicht nur eine unausweichliche Herausforderung darstellt, mit Vergangenem abzuschließen und einen verfallenden Körper in die Zukunft tragen zu müssen. Das hohe Alter bedeutet nicht nur Verlust, es kann auch eine Befreiung sein. Eine Befreiung von all den Gedanken, die nicht mehr mit irgendwelchen Zwängen daher kommen.
Ich darf das tun, muss es aber nicht mehr. Ich kann alles beobachten, muss nichts mehr hineininterpretieren. Und ich muss nichts mehr werden, das pure „Sein“, das „Carpe diem“ soll das Motto jeden Morgens sein und nicht das „Memento mori“
Ein wunderbares, im Prinzip komplexes Buch, das einen mit der Leichtigkeit durch die Seiten schweben lässt, die die Erfahrung eines ganzen Lebens beinhaltet. Ich finde auch Titel und Cover äußerst treffend gewählt. Sehr gerne gelesen und damit eine absolute Leseempfehlung.
Rezensionen von Peachybookdreams :
Göttersturm
Born of Salt and Storm von Sophia Reynard
- Ein gelungenes Debüt, wenn auch mit kleinen Schwächen -
Sophia Reynard hat mich mit ihrem Schreibstil und Worldbuilding absolut verzaubert und gefesselt. Sie beschreibt die Welt so wunderschön, ausladend und detailliert, dass ich mir alles lebhaft vorstellen konnte, obwohl ich sonst eher Schwierigkeiten mit der Visualisierung habe.
In der ersten Hälfte des Buches wird hauptsächlich das Worldbuilding aufgebaut, durch alte Sagen und Legenden wurde man Schritt für Schritt mit dem Worldbuilding vertraut gemacht. Trotz der vielen verschiedenen Begriffe habe ich sehr leicht in die Geschichte gefunden. Auch das Glossar hat hier super geholfen, denn hier wird alles nochmals ausführlicher erklärt.
Auch wenn das Meer und der Strand an der Hafenstadt wirklich traumhaft sind, so zeigt sich dennoch schnell ein starker Kontrast, denn was in Eredunya passiert ist, ist unglaublich düster. Die Menschen und das Mervolk sind seit der Zersplitterung der Götter auf Kriegsfuß. Dann kommen auch noch die Grauzungen ins Spiel, ein Orden, der jeden jagt, der nicht menschlich ist. Dabei sind öffentliche Hinrichtungen keine Seltenheit. Die politischen Machtintrigen waren wirklich super spannend und man wusste wirklich nicht, wem man nun endgültig Glauben schenken soll und wem man vertrauen kann.
Was mir sehr an Tavi gefallen hat, war, dass sie nicht perfekt oder fehlerfrei war. Sie kennt es nicht anders und ist ihr Leben lang mit den abwertenden Sprüchen und Horrorgeschichten der Grauzungen bezüglich des Meervolkes groß geworden, weshalb es dauert, bis sie gewisse Ausdrücke nicht mehr benutzt und ihre Ansicht verändert. Manche ihrer impulsiven Handlungen haben mich persönlich schon etwas gestört, aber es war noch nachvollziehbar.
Eero ist in vielen Aspekten verschlossen, das passte zwar zu seinem mysteriösen Auftreten, jedoch hatte ich deshalb auch meine Schwierigkeiten, zu ihm eine Verbindung aufzubauen. Die Entwicklung zwischen den beiden empfand ich als sehr realistisch. Das Vertrauen zwischen den Menschen und den Mer ist natürlich kaum vorhanden, weshalb es auch dauert, bis sich die beiden anvertrauen. Dennoch fehlte mir das gewisse Etwas zwischen den beiden, weshalb die romantische Bindung nicht ganz so aufregend für mich war. Die Plots und das Worldbuilding sorgten aber dafür, dass es für mich trotzdem nicht langweilig wurde.
Fazit: Wer Meeresgeschichten liebt, sollte sich dieses Buch wirklich nicht entgehen lassen. Das Worldbuilding ist detailreich und es war in jeder Zeile spürbar, wie viel Liebe in das Setting eingeflossen ist. Auch wenn es Kleinigkeiten zu den Protagonisten gab, die mir nicht so gefallen haben, ändert das nicht meine Vorfreude auf den nächsten Band. Für das Worldbuilding gebe ich 4 Sterne und für die Figuren 3,5.
Rezensionen von HEYN Leserunde, Manuela Meierhofer:
Pflegealltag
Tanzen im Kopf von Zdenka Becker
Mara, 66, slowakische 24-Stunden-Pflegerin wechselt sich im 14tägigen Rhythmus mit ihrer Kollegin bei der Pflege von Elvira ab. Die Pension in der Slowakei ist ihr einerseits zu wenig, andererseits ist sie froh, ihrem alkoholkranken Mann entfliehen zu können.
Die Geschichte beschreibt sowohl das Leben in Österreich, als auch die Zeit zuhause in der Slowakei.
Ein großartiges Buch das mich sehr berührt hat.
Große Empfehlung!
Rezensionen von Annaja:
Eine schreckliche Nacht in schwedischen Schären
Die Insel meiner Schwester von Sara B. Elfgren
Von annaja
Ein wunderschön atmosphärisches Cover ziert diesen Roman.
Mirjam hat ihre Schwester Nia seit langer Zeit nicht mehr gesehen.
Doch nun will diese, dass sie zu ihr auf die Insel kommt, um ihren Geburtstag zu feiern.
Eine Einladung, die überrascht, doch von Trennungsschmerz der zerbrochenen Beziehung zu Juan, ihrem langjährigen Partner jedoch ablenkt, so dass sie auch tatsächlich dem Besuch Folge leistet.
Dort wird sie jedoch nicht alleine mit Nia feiern, das Geburtstagsfest soll im Kreis ihrer engen gemeinsamen Freunde stattfinden. Nur Konrad, Nias gewalttätiger Ehemann fehlt. Doch kurz nach ihrem Eintreffen im Ferienhaus auf der Insel macht Mirjam eine schreckliche Entdeckung, die sie unbedingt vor den Freunden geheim halten muss. Eine ausgelassene Stimmung beherrscht die Party, doch der ganze Abend wird für die beiden Schwestern nun zu einer Zerreißprobe. Wie weit darf man gehen, um sich zu befreien? Mirjam muss Nia helfen, weiß aber, dass sie dabei Grenzen überschreitet, ja schon längst überschritten hat.
Ein schräger, packender Roman, der eher an einen Psychothriller erinnert.
Tolle Lektüre!
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Weitere Rezensionen
Rezensionen von Lilli33:
Tödliche Spiele
The Crane and the Nightjar von Ada Bailey
Tödliche Spiele
„Nebelverhüllt“ ist der Auftaktband einer Dilogie von Ada Bailey, der mich positiv überrascht hat. Die Autorin war mir bis dato unbekannt.
Zara Nightjar ist eine begnadete Kartenspielerin. Als sie zusammen mit dem mysteriösen Crane nach einem verbotenen Spiel verhaftet wird, ist ihr Leben keinen Pfifferling mehr wert.
Es ist nur die Frage, ob sie in den Erzminen zugrunde geht oder den Krählen zum Fraß vorgeworfen wird. Oder hat sie noch eine Chance, wenn sie die tödlichen Prüfungen des grausamen Königs besteht?
Das Buch ist durchweg spannend, ich bin nur so durchgerauscht, weil ich unbedingt wissen musste, wohin das alles führt und wie es mit unseren Protagonist*innen weitergeht. Der Schreibstil ist recht dynamisch und leicht zu lesen. Dabei mochte ich vor allem Zara sehr gern. Sie hat das Herz am rechten Fleck, will niemandem etwas Böses (na ja, zumindest nicht ohne Grund) und steht für Schwächere ein. Sie hat in ihrem Leben schon viel Schlimmes erlebt, ohne den Lebensmut zu verlieren oder verbittert zu werden.
Meist wechseln die Kapitel zwischen Zara und Crane hin und her, wobei beide Perspektiven in der 1. Person geschrieben sind. Einige Kapitel sind auch aus der Sicht von Nebenfiguren. Obwohl man so direkt an Zaras und Cranes Seite durch die Handlung spaziert und das Gefühl hat, die beiden gut kennen zu lernen, bleiben ihnen genügend Geheimnisse, die erst nach und nach ans Tageslicht kommen. Und ich wette, auch für Band 2 sind noch welche übrig.
In der Geschichte gibt es zwar auch Magie, die mir gut gefiel, aber noch mehr Gewalt. Wer in dieser Hinsicht empfindlich ist, sollte die Finger von dem Buch lassen, denn stellenweise ist es wirklich sehr brutal und blutig. Eine solch explizite Darstellung von gewaltsamen Toden hätte meiner Meinung nach nicht sein müssen. Die düstere Atmosphäre, die das Buch durchzieht, hätte auch ohne dies bestanden.
Der Plot-Twist am Ende sowie der Cliffhanger haben es wirklich in sich. Ich bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung.
Rezensionen von Claudia H.:
Many Emotions = ein Lesegenuss
The Night We Met von Abby Jimenez
Worum es geht:
Larissa braucht dringend jemanden, der sie und ihre Mom in die Klinik fährt. Aber nicht ihr Freund Mike erscheint, sondern sein bester Kumpel Chris. Der Chris, den Larissa am selben Abend kennengelernt hat, wie Mike. Auch an diesem Abend brauchte sie einen Fahrer, also eine Mitfahrgelegenheit.
Beide Männer hätten sie gefahren, allerdings hat Chris sie nur genervt und abweisend angesehen. Und jetzt weicht ihr dieser Christ nicht mehr von der Seite. Er bleibt die ganze Zeit bei ihr im Wartezimmer, während ihre Mom operiert wird. Auch nach der OP bleiben sie in Kontakt, da Mike sie immer wieder versetzt und es dann Chris ist, der an Stelle seines besten Freundes für sie da ist. So lernen sie sich besser kennen und Larissa stellt fest, dass sie eigentlich viel mehr mit Chris gemeinsam hat, als mit Mike. Ob sie sich an dem Abend doch für den falschen Mann entschieden hat?
Mein Fazit:
Man ist gleich mittendrin in der Story, so mag ich das. Larissa und Chris sind beide sehr liebenswerte Menschen, die ich gleich in mein Herz geschlossen habe. Die Story wird abwechselnd aus der Sicht von Larissa und Chris erzählt, sodass man die Gefühle der beiden sehr gut nachempfinden kann. Chris ist ein ganz lieber und fürsorglicher Typ. Ich habe sehr mit ihm mitgelitten. Xavier und Samantha aus Say You’ll Remember Me treffen wir hier wieder. Es ist jedoch nicht nötig, das Buch vorher gelesen zu haben. Mir hat diese Story hier um Larissa und Chris sogar noch besser gefallen. Mich hat die Story so richtig in ihren Bann gezogen. Ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Gerne hätte ich noch mehr gelesen. Wenn ihr Fans von Abby Jimenez seit, dann wird euch dieses Buch auf jeden Fall gut gefallen. Wenn ihr Fans von Emotionen und Lovestorys seit, dann müsst ihr dieses Buch unbedingt lesen. Ihr werdet begeistert sein.
Von mir gibt es eine Leseempfehlung und volle 5 Sterne.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Unsere Träume als Verbindung zu Gott
Entdecke die Kraft deiner Träume von Stephanie Ike Okafor
Bücher über Träume und Traumdeutung gibt es so einige, oft mit psychologischem Hintergrund. Dieses Buch unterscheidet sich grundlegend von den anderen Werken zu diesem Thema, denn es ist von einer christlichen Pastorin aus Kalifornien geschrieben und es geht um die religiös-christliche Sicht auf Traumdeutung, um in Kontakt mit Gott zu kommen.
Insofern ist es ein empfehlenswerte Buch für christliche Menschen und auch für alle, die sich für diese Sichtweise interessieren und offen sind, ihre Perspektive diesbezüglich zu erweitern. Die Autorin selbst ist eine sehr sympathische Frau, die auch einiges aus ihrem Leben und davon, wie Gott sie auf ihrem eigenen spirituellen Weg geleitet und unterstützt hat, erzählt.
Träume werden hier als ein Weg angesehen, durch den Gott mit uns kommunizieren kann und auf symbolische Weise mit uns spricht: er kann uns Hinweise geben, die nächsten Schritte zeigen, uns unsere Berufung aufzeigen oder auf den richtigen Weg zurückführen, bei Entscheidungen unterstützen, uns trösten, aber auch uns oder andere vor Gefahren und Irrwegen warnen. Kern des Buches ist das Führen eines christlichen Lebens in Verbindung mit Gott; nicht nur in Träumen, sondern auch durch Praktiken wie Gebet, Fasten und Meditation.
Außerdem geht es auch darum, wie wir lernen können, zu unterscheiden, welche Träume und Hinweise von Gott, welche von unserer eigenen Seele und welche vielleicht von dunkleren Mächten kommen, indem wir uns mit der Bibel und dem Wesen Gottes auseinandersetzen. Es finden sich auch viele Beispiele aus der Bibel zum Thema Träume und Visionen. Eine besonders wichtige Botschaft für mich war auch, dass Gott sich wünscht, dass wir unsere Gaben, wie hier die der Traumdeutung, nicht nur selbst leben, sondern auch für andere nützen und weitergeben, im Sinne des Vermehrens.
Insgesamt ist es ein sehr interessantes und wertvolles Buch, das Gläubige in ihrem Glauben und in der Verbindung zu Gott unterstützen kann und neue Wege aufzeigt, bewusster die eigenen Träume wahrzunehmen und als wertvolles Kommunikationsmittel mit Gott zu nutzen.
Rezensionen von Murksy:
Mord in 5 Akten
Noch fünf Tage von Helena Falke
Wer seit Jahrzehnten Krimis liest oder sieht, wird auch mit dieser Grundidee vertraut sein. Jemand ist dem Tode geweiht, bevorzugt durch Gift, und hat eine gewisse verbleibende Zeit, um seinen eigenen Mord aufzuklären. Auch in diesem Buch ist dies die Geschichte. Eine herausragende Köchin arbeitet für eine Milliardärsfamilie.
Als diese nach einem Essen vergiftet wird und stirbt, überlebt nur die Köchin. Doch auch sie hat eine geringe, wenn auch tödliche Dosis des Giftes eingenommen. Laut den Ärzten bleiben ihr fünf Tage. Fünf Tage, um den Mord aufzuklären, denn sie gilt natürlich als Überlebende auch als Hauptverdächtige.
Das im Luxusbereich angesiedelte Szenario wird auch durch die in detailverliebter Ausführlichkeit beschriebenen Köstlichkeiten der Köchin verdeutlicht. Der Normalbürger wird niemals mit solchen Speisen in Kontakt kommen, geschweige denn von ihnen gehört haben. Mir geht es ähnlich und die häufige Erwähnung dieser Speisen und Zutaten zeigt entweder, dass die Autorin gerne gut und teuer isst, oder eben gut recherchiert hat. Mir was das etwas zu viel des Guten und füllt eher die Seiten, als dass es dem Krimi auf die Sprünge geholfen hätte. Spannung wird vor allem dadurch erzeugt, dass der Protagonistin die Zeit davonläuft und sie im Ausschlussverfahren versucht, den Täter samt Motiv zu finden. Erschwert wird dies durch den Umstand, dass sie ihr Sterbezimmer nicht verlassen kann. Am besten ist das Buch, wenn die Verzweiflung der Frau zu Tage tritt und sie sich Sorgen um ihre Tochter macht. Dann ähnelt das Buch eher einem Psychodrama. Verstärkt wird diese Hilflosigkeit durch die Erzählweise in der Ich-Perspektive. Allerdings ist das natürlich in Hinblick auf das feststehende Ende ein fragwürdiges Stilmittel. Somit ist ein durchaus interessanter Krimi entstanden, der allerdings einige Längen hat und nicht vollkommen überzeugen kann.
Dies ist eine Privatrezension ohne KI erstellt. Kopie, auch in Auszügen, unterliegt dem Urheberrecht.
Rezensionen von Shilo:
Ungewöhnlich, jedoch gut
Bis die Bären tanzen von Michael Hugentobler
Der Roman beginnt ruhig und ohne große Worte. Nach und nach entsteht das Bild einer Familie, die zusammengehört und trotzdem auseinandergeht. Dabei bleibt von Anfang an eine gewisse Nachdenklichkeit hängen, die sich durch das ganze Buch zieht.
Im Mittelpunkt steht eine Familie in einer Zeit, in der vieles ins Wanken gerät.
Der Erste Weltkrieg verändert das Leben spürbar. Die Geschwister gehen danach eigene Wege. Einer geht nach Berlin, eine Schwester zieht bis nach Australien, eine andere nach Brasilien. Kontakt bleibt, aber eher aus der Ferne.
Die Handlung läuft langsam. Vieles wird nicht direkt erklärt, sondern einfach erzählt, ohne viel Drumherum. Manche Abschnitte ziehen sich etwas, andere springen stärker. Das ist nicht immer gleich leicht zu greifen, passt aber zur Art des Buches.
Die Erzählweise ist besonders. Es gibt viele Bilder und ungewöhnliche Gedanken. Nicht alles wirkt sofort klar. Man muss manchmal ein Stück mitgehen, ohne alles sofort einordnen zu können.
Beim Lesen bleibt eine ruhige Stimmung. Es gibt keine großen Ausschläge nach oben oder unten. Einige Szenen wirken nach, auch wenn sie nicht stark betont werden.
Insgesamt ein ruhiger Familienroman, der sich Zeit nimmt und nicht alles ausformuliert. Manche Passagen sind etwas zäh, andere bleiben im Kopf. Wer sich darauf einlässt, findet eine eigene Art von Geschichte, die nicht sofort greifbar ist. Dafür gebe ich dem Buch 4 Sterne und eine Leseempfehlung für Leser, die ruhige Familiengeschichten mögen, bei denen nicht alles direkt erklärt wird und manches offen bleibt. Wer sich gern auf eine etwas andere Erzählweise einlässt und auch mit längeren, ruhigen Passagen zurechtkommt, wird hier fündig. Für alle, die eine sehr klare und schnelle Handlung erwarten, kann es stellenweise etwas schwerer zugänglich sein.
Rezensionen von Renni:
Italienische Familiengeschichte
Die Briefträgerin von Francesca Giannone
Schon das Buchcover an sich sagt viel über die Geschichte des Buches aus. Italien im letzten Jahrhundert. Eine Frau die ihren Weg geht. Sommer 1934. Anna zieht mit ihrem Mann Carlo und Sohn Roberto in dessen Heimatort in den Süden Italiens. Sie wird immer die Fremde genannt, hat sie doch andere Vorstellungen von ihrem Leben als der große Teil des Dorfes.
In ihrem Schwager Antonio findet sie einen Seelenverwandten, der immer auf ihrer Seite zu stehen scheint. So wird Anna die erste Briefträgerin Italiens. In der Zwischenzeit baut ihr Mann erfolgreich ein Weingut auf. Das Buch wird über 18 Jahre erzählt, die Jahre rasen manchmal fast zu schnell durch. Die einzelnen beschrieben Abschnitte zum Beispiel das der Briefträgerin an sich oder wie sie ein Frauenhaus aufgebaut hat, lassen in bisschen an Tiefe vermissen, was sehr schade ist, da der Schreibstil sehr angenehm zu lesen ist. Beeindruckend ist, dass es sich in diesem Buch um die Urgroßmutter der Autorin handelt. Alles in allem ein durchaus lesenswertes Buch
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