Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine gelungene Fortsetzung
Letzte Spur Algarve von Carolina Conrad
Der zweite Krimi von Carolina Conrad beschert uns ein Wiedersehen mit der sympathischen, quirligen Journalistin Anabela Silva und dem bedächtig agierenden Kriminalbeamten João Almeida.
Während Anabela sich nun endgültig an der Algarve niederlässt und ihren Platz zu finden sucht, braucht Almeida wieder einmal Anabela zum Dolmetschen.
Die Tierschützerin Liv Stehen ist von ihrem eigenen Pferd in der Box totgetrampelt worden. Chefinspektor João Almeida glaubt ebenso wenig an einen Unfall wie eine Kollegin der Toten. Doch Almeidas Chef teilt diese Meinung nicht und so soll Livs Tod nicht weiter untersucht werden. João ersucht daraufhin Anabela, sich in diesem Tierheim, in dem Liv aktiv war, zu engagieren, um nähere Infos einzuholen. Und natürlich kratzen einige Personen am Heiligenschein der Toten. Als es dann noch eine Leiche gibt, vermutet Almeida einen Zusammenhang.
Meine Meinung:
Es scheint, als würde Almeida lediglich Anabelas Zweisprachigkeit ausnutzen. Doch dem ist nicht so. Beide sind von früheren Beziehungen enttäuscht und gehen entsprechend vorsichtig an eine mögliche Beziehung, sei es Freundschaft oder doch mehr heran.
Anabela ist ein echter Familienmensch, und deshalb beschäftigt sie sich mit einem weiteren Familiengeheimnis: Ihre Großtante hat mitten in der Zeit der Salazar-Diktatur ein uneheliches Kind zu Welt gebracht, von dessen Existenz nur ganz wenige Eingeweihte wissen. Nicht klar ist, was aus diesem Kind geworden ist. Das herauszufinden hat Anabela ihrer Großtante versprochen.
Chefinspektor João Almeida ist mehr als ein gewöhnlicher Polizist. Er ist empathisch, was im Umgang mit seinen Mitarbeitern deutlich zu merken ist. So will er seinen Kollegen nicht in die Bredouille bringen, in dem er Anabela bei ihrer Suche nach dem verschwundenen Kind unterstützt, aber an der Grenz zur Legalität arbeitet.
Die beiden Erzählstränge, hier die Morde rund um Liv Stehen und dort das Geheimnis des verschwunden Kindes ergänzen sich prächtig. Zwischendurch wird wieder die Geschichte Portugal völlig unaufgeregt eingeflochten. Wir dürfen uns in die Küche und das Umland von Faro hineinfallen lassen.
Sprachlich ist der Krimi gut gelungen. Die Charaktere haben ihre Ecken und Kanten.
Fazit:
Eine gelungene Fortsetzung von „Mord an der Algarve“. Gerne lese ich weitere Fälle mit Anabela und João. Die beiden haben 5 Sterne verdient.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
ein beeindruckender hist.Roman aus dem faschistischen Italien
Niemand weiß, dass du hier bist von Nicoletta Giampietro
Dieser historische Roman führt die Leser in eine hierorts vielleicht nicht ganz so bekannte Zeit des 20. Jahrhunderts:
Wir befinden uns in den Jahren 1942 bis 1944. Der Zweite Weltkrieg tobt und viele Familien versuchen, wenigstens ihre Kinder in Sicherheit zu bringen. So auch die Eltern von Lorenzo, die ihren Sohn aus Tripolis, der heiß umkämpften Hauptstadt Libyens, nach Siena schicken.
Man erklärt dem 12-jährigen, dass er während der Ferien bei Tante Chiara und seinem Großvater bleiben soll.
Lorenzo, ganz mit der faschistischen Propaganda von Mussolini und Hitler aufgewachsen, findet im Nachbarsjungen Franco einen Freund.
Chiara, eine Lehrerin, lehnt die Faschisten ab und verliert deswegen ihren Job. Lorenzo hat es nicht leicht, weitere Freunde zu finden, weil seine Familie aus altem sienesischem Adel stammt, der dem Duce und seinen Schergen ein Dorn im Auge ist. Doch dann begegnet er Daniele und die Freundschaft mit dem grobschlächtigen Franco gerät ins Hintertreffen. Was Lorenzo anfangs nicht weiß ist, dass Daniele genauso Jude ist, wie Dottore Matteo, der mit der Familie freundschaftlich verbunden ist.
Das Blatt wendet sich als die deutsche Wehrmacht in Italien einmarschiert und auch hier mit ihren Deportationen beginnt. Lorenzo wird Zeuge wie Daniele und seine Familie abtransportiert werden. Er beginnt über die Rechtmäßigkeit des Regimes nachzudenken. Wenig später taucht der völlig verschreckte Daniele bei Lorenzo auf und Lorenzo versteckt seinen Freund am Dachboden …
Meine Meinung:
Selten hat mich eine Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg so gefesselt wie diese. Zum einem, weil ich wenig über die Faschisten in Italien weiß. Daher nehme ich dieses Buch zum Anlass, hier weitere Informationen einzuholen.
Der zweite Grund ist dem Schreibstil von Nicoletta Gianpietro geschuldet. In einfühlsamen und aufwühlenden Worten beschreibt sie die Lebensumstände der Menschen in Italien. Zu Beginn des Faschismus leben Juden in Italien, wenn auch nur geduldet, zumindest beinahe unbehelligt. Mussolini hat es eher auf den alten Adel abgesehen, denn auf Juden. Das ändert sich schlagartig, als Hitlers Truppen in Italien einmarschieren, weil ihm der Duce nicht mehr wirklich vertrauenswürdig erscheint und die Amerikaner in Süditalien einmarschiert sind. Leidtragende wie immer, die Bevölkerung, die gleich in eine Doppelmühle gerät: Neben den Repressalien des eigenen Regimes, kommen die amerikanischen Truppe vom Süden und die deutschen vom Norden.
Die Autorin versteht es meisterhaft, den kleinen Lorenzo vom Saulus zum Paulus werden zu lassen. Er zeigt mehr Zivilcourage als viele Erwachsene und zerbricht fast daran. Für seine Freundschaft setzt er fast alles aufs Spiel. Sein eigenes Leben als auch das seiner Familie, denn Franco und seine Familie sind Spitzel ersten Ranges.
Diese Erzählebene rund um Lorenzo und Daniele, sowie den zivilen Widerstand, den Lorenzos Familie leistet, geht unter die Haut. Die geschichtlichen Ereignisse werden dabei so unterschwellig eingeflochten, dass man als Leser gar nicht bemerkt, Geschichtsunterricht zu erhalten.
Fazit:
Ein beeindruckender historischer Roman aus einer der dunkelsten Epochen unserer Zeit. Gerne gebe ich diesem Buch 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Nette Urlaubskrimis
Niemand weiß, dass du hier bist von Nicoletta Giampietro
Gleich vorweg: Das vorliegende Buch ist als Jugendbuch ab 13 Jahren deklariert. Die beiden Krimis halte ich für so junge Leser nicht unbedingt geeignet.
Im ersten Krimi mit dem Titel „Freier Fall“ verunglücken zwei Schüler des Liceo innerhalb weniger Tage. Zuerst stürzt Caterina Loredan aus dem dritten Stock des Schulgebäudes in Venedig.
Sofort wird ihr Tod als Selbstmord klassifiziert und die Akte geschlossen.
Obwohl Commissario Roberto Gorin auf Ersuchen von Conte Loredan, keine weiteren Ermittlungen zum Tod seiner Tochter anstellen soll, zieht er Erkundigungen ein.
Dann ereilt ihn der Hilferuf seiner Nichte Chiara, die mit dem Rest ihrer Klasse in New Mexico weilt, und des Mordes an Klassenkollegen Luca verdächtigt und verhaftet worden ist.
Zwei tote Schüler aus ein und derselben Klasse? Auch wenn tausende Kilometer zwischen den beiden Toten liegen, glaubt Gorin nicht an Zufälle. Also macht er sich auf, um in New Mexico zu ermitteln.
Im zweiten Fall „Schatten der Angst“ erzählt vom Albtraum, wenn Wünsche in Erfüllung gehen: Luca lebt bei seinem Großonkel, Filippo Nardi, der so reich wie geizig ist. Gemeinsam mit einem anderen jungen Mann malt sich Luca aus, wie denn die Zukunft aussehen könnte, wäre doch Filippo tot. Doch dann geschieht das Unwahrscheinliche: Nardi wird auf dem Golfplatz erschossen. Unversehens gerät Luca in den Albtraum seines jungen Lebens. Können Wünsche wahr werden?
Auch diesmal ermittelt Commissario Gorin und fördert allerlei Geheimnisse rund um den alten Nardi zu Tage.
Meine Meinung:
Beide Krimis lassen sich gut lesen. Krimi-Leser, die schon mehrmals in Venedig auf Mörderjagd waren, werden einige Orte und Sehenswürdigkeiten leicht wieder erkennen. Für ein bisschen Lokalkolorit sorgen auch die eingeflochtenen italienischen Sätze.
Die Charaktere haben ihre Ecken und Kanten. Roberto Gorin ist ein sympathischer Ermittler, an dessen Familienleben wir teilhaben dürfen. Die Familie hat ein Schicksalspäckchen zu tragen, denn der einzige Sohn ist seit seiner Geburt behindert. Allerdings scheint er durch die Liebe und Förderung seiner Eltern, sogar einer leichten Arbeit nachgehen zu können.
Ermittlungstechnisch geht alles eher gemächlich zu. Keine aufregenden Verfolgungsjagden, was ja in Venedig aufgrund der fehlenden Straßen nicht gut möglich ist. Die Schilderung der Polizeiarbeit eher die Schwäche der Krimis. Allerdings präsentiert uns die österreichische Autorin mehrere Verdächtige und legt einige Spuren, von den sich die eine oder andere als Sackgasse entpuppt.
Was wirklich störend ist, ist die Einfallslosigkeit bei der Namensgebung der Personen:
In jedem Fall gibt es eine Person die „Marinelli“ heißt. Der Name „Luca“ kommt ebenfalls zweimal vor. Im ersten Falls als Mordopfer, im zweiten Fall als möglicher Nutznießer des Todes von Filippo Nardi.
Warum ist das niemandem aufgefallen? Das kostet jedenfalls einen Stern.
Fazit:
Auch Jugendbücher sollten ordentlich lektoriert sein. Die beiden Krimis bekommen nur 3 Sterne (siehe oben).
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Regt zum Nachdenken an
Wütendes Wetter von Friederike Otto; Benjamin von Brackel
Klimaforscherin Friederike Otto versucht dem interessierten Leser, den Unterschied zwischen Wetter und Klima begreiflich zu machen. Anhand von vielen aktuellen Beispielen erklärt sie, dass der Klimawandel tatsächlich existiert (auch, wenn das so mancher Regierungschef dies abzuleugnen pflegt).
Viele der derzeit extremen Wetterphänomene lassen sich auf den Klimawandel zurückführen, allerdings nicht alle.
Am Beispiel von Hurrikan „Harvey“, den sie und ihr Team genau untersucht haben, konnte bewiesen werden, dass der Hurrikan jedenfalls entstanden wäre. Der ihn begleitende ungewöhnlich intensive Starkregen jedoch, ist ein ziemlich eindeutiges Zeichen für die Erderwärmung.
Sie legt ihre Analysen zu den Forschungsergebnissen offen. Das liest sich manchmal nicht ganz so spannend, ist aber zum Verständnis der komplexen Materie durchaus notwendig. Interessant finde ich dieses Projekt, dass Menschen Computerrechenzeit für die Simulationsberechungen zur Verfügung stellen. Ich dachte, das ist inzwischen nicht mehr nötig – falsch gedacht.
Immer wieder stellt sich die Frage, ist das aktuelle Wetterereignis noch „normal“ oder bereits eine Folge des Klimawandels? Hier kann es natürlich keine exakte Aussage geben, denn extremes Wetter hat es in der Vergangenheit auch immer wieder gegeben. Da braucht man nur die bisher bekannten meteorologischen Aufzeichnungen ansehen. Manchmal lassen sich abnormale Wetterphänomene durch Naturkatastrophen erklären, wie z.B. „das Jahr ohne Sommer von 1816“, das auf die Eruption des Vulkans Tambora 1815 zurückzuführen ist.
Gefährlicher sind meiner Meinung nach die vielen kleinen, stetigen und schleichenden Beiträge zum Klimawandel. Das Abholzen des Regenwaldes, der unkontrollierte Ausstoß von CO2 etc.. Hier muss man die Scheinheiligkeit der diversen Regierungen an den Pranger stellen: Statt die echten Verursacher (Großkonzerne, Frächter, Schwerindustrie, Agrarfabriken etc.) endlich an die Kandare zu nehmen, schikaniert man die einfachen Bürger.
Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, zeigt es doch die Arbeit der Klimaforscher aus deren Sicht. Durch die Offenlegung von Zahlen, Daten und Fakten lassen sich die Gefahren, die uns durch den Klimawandel drohen, besser verstehen, als die gebetsmühlenartigen Wiederholungen von nebulösen Katastrophenszenarien.
Was mich wirklich schwer nervt, sind die Gender-Sternchen, die den Text stellenweise regelrecht verstümmeln. Dafür ziehe ich einen Stern ab.
Fazit:
Ein interessantes Sachbuch, das den Zusammenhang „Wetter“ und „Klima“ recht gut erklärt. Der Genderwahn kostet den 5. Stern, daher nur 4 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Penibel recherchiert und fesselnd erzählt
Bronstein von Andreas Pittler
David Bronstein, seines Zeichens Oberst der Wiener Kriminalpolizei im Jahre 1936, hat wieder einmal einen Mord an einem Arbeiter aufzuklären. Doch bevor er sich intensiver mit dem Tod von Hans Binder auseinandersetzen kann, wird er als „Zuschauer“ zu einem politischen Prozess in den Gerichtssaal beordert.
Es sind die Jahre des Ständestaates, also jene zwischen Bürgerkrieg (1934) und dem Anschluss an Hitler-Deutschland (1938), die Österreichs Justiz in den Fokus des Auslandes geraten lassen. Die Oppositionellen werden seitens der Regierung gnadenlos verfolgt, während man die noch im Untergrund agierenden Nazis nicht so ernst nimmt.
Das selbstbewusste Auftreten einiger sozialistischer Angeklagter bringt Bronstein dazu, den Mord an Hans Binder von einer anderen Seite zu betrachten. Nochmals begibt er sich mit seinem Kollegen Cerny nach Simmering, wo Binder in einem heruntergekommenen Mietshaus gewohnt hat. Bei den Befragungen der wenigen anderen Mieter, entdeckt Bronstein ein kleines Detail, dem er noch weitere Nachforschungen folgen lässt. Ist hier das Mordmotiv zu suchen? Wie heißt es doch so schön? „Folge der Spur des Geldes“ – egal wie hoch die Summe ist.
Meine Meinung:
Andreas Pittler hat mit diesem Fall wieder ein großartiges Sittenbild von Wien (und Österreich) der Jahre vor dem Anschluss geschrieben.
Allerdings kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass er auch ein wenig die aktuelle politische Situation in Europa meint, wenn er seinen Oberst nachdenken lässt:
„Damals waren die Polen aus dem demokratischen Konsens in Europa ausgeschert und hatten ein autoritäres Regime etabliert. Das war achselzuckend zur Kenntnis genommen worden, weil es ja in Ungarn und vor allem in Italien nicht anders aussah. Drei Jahre später hatte der König von Jugoslawien eine Diktatur errichtet, und heute, heute war man als Demokrat auf dem Kontinent bereits so etwas wie ein Exot. Die Demokratie, so verkünden die Politiker aller Orten, könne die enormen Probleme, vor denen man stehe, nicht lösen. Es brauche eine starke Hand, die Ordnung schaffe. Der Worte seien nun genug gewechselt, Taten seien gefragt. Und wohin genau sollte das führen? Ging es den Polen, den Ungarn oder den Italienern nun vielleicht besser? Nein! Es durfte, nur nicht mehr offen thematisiert werden, das war der einzige Unterschied.“ (S. 167)
Aus Angst vor dem Bolschewismus hat die damalige Politik die drohende Gefahr von rechts, weder wahrnehmen, noch etwas dagegen unternehmen wollen.
Sprachlich ist dieser Krimi wieder ein großer Genuss. Der tschechisch-stämmige Cerny gewinnt bei den Befragungen das vertrauen so mancher Person durch den Einsatz seiner Muttersprache.
Die meisten Personen sprechen im Wiener Dialekt, aber keine Angst, ein ausführliches Glossar übersetzt die wichtigsten Begriffe. Das macht Pittlers Krimis so lebendig, genauso wie die doch eher unangepasste Art seines Ermittlers Bronstein. Der geneigte Leser wird bestimmt ahnen, dass der Oberst in den nächsten Jahren mit allerlei Ungemach zu rechnen haben wird, wie sich hier auf S. 178 abzeichnet.
Pittler lässt wieder historische Personen auftreten. Diesmal ist es der spätere Bundeskanzler Bruno Kreisky, der als blutjunger Jura-Student seinen Auftritt vor Gericht hat (S. 120).
"Eine Idee wird zur Gewalt, wenn sie die Massen ergreift". Dieser Satz von Seite 122 lässt mich an die zunächst friedlichen Proteste der "Gelbwesten" in Frankreich denken, die inzwischen eskaliert sind.
Fazit:
Wieder ein gut recherchierter historischer Krimi, der sich die eine oder andere Anspielung auf das hier und heute nicht verkneifen kann. Gerne gebe ich 5 Sterne und empfehle das Lesen der gesamten Reihe rund um David Bronstein.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Spannend bis zur letzten Seite
Mörderisches Lavandou 02.05.2019. Paperback / softback. von Eyssen Remy
In seinem 5. Fall wird sogar Dr. Leon Ritter des Mordes verdächtigt und daher suspendiert. Was ist passiert?
Nach einander verschwinden mehrere Frauen. Wenig später tauchen zuerst ihre Füße und dann die übrige Leiche auf. Die Suche nach dem Täter gestaltet sich als schwierig. Dass der Täter muss über medizinische Kenntnisse verfügen muss, wird schnell klar.
Die eigentlich für Organisationsentwicklung abgestellte Polizeipsychologin Claire wird als Profilerin herangezogen. Blöderweise treffen ihre Einschätzungen auf einen ihrer ehemaligen Klienten, der jetzt Gärtner im Krankenhaus ist, zu. Dass es sich bei dem verwendeten Werkzeug um eine Knochensäge aus Dr. Ritters Pathologie handelt, macht es denjenigen, die den zugewanderten Deutschen immer noch scheel ansehen, leicht ihn als Verdächtigen zu präsentieren
Dann verschwindet auch Claire. Ihre Leiche wird wenig später in ihrem Appartement gefunden, zusammen mit dem Gärtner und der DNA von Leon, der bei Claire in der Wohnung war. Der Gärtner stürzt sich vom Balkon, was als Schuldeingeständnis gewertet wird.
Doch damit ist die unheimliche Serie noch nicht vorbei, denn auch Isabelle, die stellvertretende Polizeichefin und Lebensgefährtin von Leon, wird ebenfalls entführt. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn der Täter amputiert den noch lebenden Frauen ihre Gliedmaßen …
Meine Meinung:
Dieser Krimi hat mir wieder gut gefallen. Die Tätersuche ist spannend inszeniert. Remy Eyssen legt die eine oder andere Spur um sowohl Ermittler als auch Leser auf eine falsche Fährte zu locken.
Gut ist es ihm wieder gelungen, den französischen Lebensstil einzuflechten. Isabelle, die sonst so coole, stellvertretende Polizeichefin und Lebensgefährtin von Leon, ist diesmal ein wenig eifersüchtig. Doch nach dem Tod von Claire kann sie wieder beruhigt schlafen, oder doch nicht? Der Griff in die Trickkiste, potentielle Gefahren für das Liebesleben der Protagonisten, sterben zu lassen, wird hoffentlich nicht zur Gewohnheit.
Für den nächsten Krimi wünsche ich mir wieder eine männliche Leiche.
Fazit:
Spannend bis zur letzten Seite, gerne gebe ich 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Ein gelungener Hamburg-Krimi
Hendriksen und der Tote aus der Elbe: Der zweite Fall von Ole Hansen
In seinem zweiten Fall bekommt es Marten Hendriksen mit zwei völlig unterschiedlichen Fällen zu tun, die aber doch enger zusammenhängen als es den Anschein hat.
Da ist zum einen die Explosion auf der Barkasse „Elbe4“, die beinahe die gesamte Besatzung in den Tod gerissen hat und zum anderen der Überfall auf einen renommierten Juwelier.
Hier wird der Geschäftsmann getötet und sein Prokurist verschwindet spurlos. Doch auch für die Ehefrau des Prokuristen ist es wichtig, über den Verbleib ihres Mannes Bescheid zu wissen.
Gemeinsam mit seinem Team, dem sich auch die in Hamburg urlaubende KHK Tina Engels anschließt, recherchiert Marten Hendriksen gründlich. Dabei treten ein paar Ungereimtheiten zu Tage, die erkennen lassen, dass die nunmehr drei Aufträge direkt zusammenhängen. Die Frage ist nur, wie?
Meine Meinung:
Nachdem mich der erste Fall (Hendriksen und der mörderische Zufall) nicht so ganz begeistert hat, finde ich an diesem hier mehr Gefallen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich als erklärter Hamburg-Fan mich zwischen Elbe und Gänsemarkt so richtig heimisch fühle, wenn ich die Schauplätze wieder erkenne.
Der Rentner-Gang kommt wieder mehr Bedeutung zu und es wird mehr platt geschnackt als in Görlitz, neben dem ja nur Polen liegt (O-Ton von KHK Engels, die dort Dienst tut).
Gut gefällt mir, dass weitere Figuren aus der Jeremias-Voss-Reihe hier auch auftauchen: Da ist Dr. Silke Moorbach zu nennen, Martens ehemalige Chefin in der Pathologie, und der Klatsch-Reporter, der immer wieder ein paar Infos über Täter und Opfer einzustreuen weiß.
Der knappe Ausblick im Epilog, dass Lizzi das Team verlassen wird und Tina vermutlich den Polizeidienst quittieren wird, macht auf weitere Fälle neugierig.
Fazit:
Mit diesem Krimi läuft Autor Ole Hansen wieder zur gewohnten Form auf, daher gebe ich diesmal 4 Sterne.
Rezensionen von Tara:
19 zauberhafte Briefe
Dein Herz vergisst nicht Roman. Kartoniert. von Perry Jodi
„Dein Herz vergisst nicht“ ist ein sehr emotionaler und märchenhafter Roman der australischen Autorin Jodi Perry.
Jemma und Braxton verbindet eine ungewöhnlich tiefe und innige Liebe. Sie kennen sich seit ihrer Kindheit, seit einem 19. Januar und haben 19 Jahre später geheiratet. 19 Tage nach ihrer Hochzeit kommt es zu einem schrecklichen Autounfall und Jemma fällt ins Koma.
Als sie aus diesem erwacht, kann sie sich an nichts erinnern – nicht an Braxton, nicht an ihre Gefühle füreinander, nicht an ihr gemeinsames Haus, nicht an ihre Eltern – ihre Vergangenheit ist komplett gelöscht. Braxton ist verzweifelt und versucht alles um Jemma wieder für sich zu gewinnen.
Der Schreibstil von Jodi Perry ist einfach wundervoll, so leicht und flüssig, dass ich nur so durch die Seiten geflogen bin. Sie versteht es durch Worte zu berühren und die Atmosphäre der jeweiligen Situation zu vermitteln.
Die Liebe zwischen Braxton und Jemma wird von Anfang an so gefühlvoll beschrieben, dass man direkt merkt, dass sie etwas ganz Besonderes ist. Aber nicht nur ihre Liebe ist außergewöhnlich, auch die von Jemmas Großeltern und ihren Eltern Christine und Stephen ist bzw. war ungewöhnlich tief. Allerdings haben sich Christine und Stephen inzwischen getrennt und es fällt Christine selbst im Krankenhaus direkt nach Jemmas Unfall schwer sich Stephen gegenüber normal zu verhalten.
Die Abschnitte sind im Wechsel aus Jemmas und Braxtons Perspektive geschrieben, aber das Hauptaugenmerk liegt auf den Briefen, die Braxton Jemma - in der Hoffnung ihrer Erinnerungen wiederzubeleben - schreibt. Diese 19 Briefe sind einfach nur zauberhaft. Braxton versteht es genau die richtigen Worte zu treffen und hat mich mit seinen Erinnerungen immer wieder zu Tränen gerührt.
Obwohl mich die Geschichte und die Liebe der beiden total verzaubert hat und die Charaktere authentisch und lebendig wirken, wäre es schön gewesen noch ein wenig mehr zu erfahren. Mir fehlten nähere Informationen zu Jemmas Amnesie und auch weitere Menschen außer ihrer besten Freundin Rachel und Braxtons Freund und Geschäftspartner Lukas tauchen kaum auf.
Der 19. Brief und die immer wiederkehrende Zahl 19 hatte fast etwas Märchenhaftes, genau wie ich vieles in der Liebe zwischen Jemma und Braxton als ziemlich märchenhaft empfunden habe. Aber mir gefiel dieses Märchen, Lesestoff zum Träumen, der allerdings viele Aspekte einfach ausgeblendet hat, wodurch es zu einer sehr leichten Lektüre wird, die mir vermutlich nicht sehr lange im Gedächtnis bleiben wird – schöne Unterhaltung für den Augenblick.
Rezensionen von Pink Anemone:
Ein Coming of Age- und Weird Fiction-Horror vom Feinsten. Ein Highlight sondergleichen!!
Elm Haven von Dan Simmons
Es ist der Sommer 1960. Die schwüle Hitze macht allen in Elm Haven, Illinois, schwer zu schaffen, und die Tage fließen träge dahin. Für die fünf Freunde Mike, Duane, Dale, Harlen und Kevin wird diese Zeit zum Sommer ihres Lebens, dessen Ereignisse ein unzerstörbares Band der Freundschaft und des geteilten Grauens zwischen ihnen schmieden werden.
Denn noch ahnen sie nicht, was im Keller ihrer Schule lauert. Noch liegt Elm Haven friedlich in der Sommerhitze … (Klappentext)
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Dieser Wälzer von knapp über 1000 Seiten enthält 2 Bücher:
"Summer of Night" - 1991 Amerikanische Erstveröffentlichung
"A Winter Haunting" - 2002 Amerikanische Erstveröffentlichung
Aufgrund dessen wird dieser Beitrag ebenfalls in gewisser Weise zwei Rezensionen enthalten, da ich auf beide Bücher getrennt eingehe, um dann ein zusammenfassendes Fazit zu erstellen. Nun denn, wollen wir uns nicht mehr mit unnötigem Geplapper aufhalten und begeben uns nach Elm Haven.
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Sommer der Nacht
"Doch dabei fiel dem aufmerksamen Beobachter plötzlich auf, dass die hohen Fenster große, schwarze Löcher waren, als wären sie entworfen worden, um das Licht zu verschlucken, anstatt es einzulassen oder zu reflektieren. Die theatralischen pseudoitalinienischen Verzierungen waren einem brutalen und gewöhnlichen Stil aufgepfropft worden, den man als Schul-Gotik des mittleren Westens bezeichnen konnte; der abschließende Eindruck war nicht der eines atemberaubenden Bauwerks, nicht einmal der einer wahren architektonischen Kuriosität, sondern lediglich der einer zu groß geratenen, schizophrenen Anhäufung von Ziegeln und Steinen, gekrönt von einem Glockenturm, der eindeutig von einem Wahnsinnigen entworfen worden war."
(S. 11)
Wir befinden uns im Jahr 1960 und in Elm Haven, einer Kleinstadt in Illinois. Der letzte Schultag und zugleich auch der letzte Tag der Old Central School, welche ab nun geschlossen und verlassen sein wird. Die Vögel zwitschern, die Straße flimmert in der Sommerhitze und für die Kinder haben nun die Sommerferien begonnen. Unter ihnen die sechs Jungen Dale, Mike, Duane, Kevin, Jim und Lawrence, der kleine Bruder von Dale und sie haben die Ferien schon herbeigesehnt. Doch diesmal verlaufen die Sommerferien anders als geplant. Es verschwindet plötzlich ihr Schulkamerad Tubby und die Jungs machen es sich zur Aufgabe ihn zu finden. Da alles mit der Old Central School zusammenzuhängen scheint, beginnen sie genau dort mit der Suche. Doch das Verschwinden von Tubby ist nicht das einzige und schon gar nicht das unheimlichste Ereignis in Elm Haven. Es hat damit lediglich begonnen.
Die Jungs:
Dale: 11 Jahre, liest mehrere Bücher pro Woche und am liebsten die ACE-Science-Fiction-Reihe - Der Besonnene
Mike: Dales bester Freund, ein fröhlicher Junge und immer zu Späßen aufgelegt, obwohl er in ärmlichen Verhältnissen aufwächst - Der Anführer
Jim Harlen: von allen nur Harlen genannt; er schneidet nur zu gerne Grimassen und bringt die anderen dadurch in den unmöglichsten Situationen zum Lachen und er hat eine verdammt große Klappe - Der Sarkastische
Kevin: 9 Monate jünger als Dale und daher nicht in der selben Klasse; er ist eher der ruhige und schüchterne dieser Truppe - Der Ängstliche
Duane: ein pummeliger und eher stiller Junge und hochbegabt, was jedoch von den Lehrern nicht erkannt wird und er den anderen Jungs sicher nicht auf die Nase bindet; er möchte unbedingt Schriftsteller werden - Der Denker
Lawrence: der 3 Jahre jüngere Bruder von Dale und auch immer mit dabei. Er hat vor nichts Angst, außer der Dunkelheit - Der Mutige
Die Story beginnt ruhig und bedächtig, indem die Kleinstadt, die Protagonisten und die Old Central School vorgestellt werden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass nicht schon hierbei Gänsehaut aufkommt. Schon die Beschreibung der Old Central School löst leichte Beklemmung aus und zwischendurch, manchmal nur am Rande erwähnt, passiert etwas, etwas das man nicht greifen kann, man aber weiß das es vorhanden ist und einem eine leichte Gänsehaut auffahren lässt - ein Schrei, raschelndes Maisfeld an einem windstillen Tag, unheimliches Flüstern, etc. Diese Dinge kommen immer wieder wie aus dem nichts. Man geht z.B. gerade ins Freiluftkino, um sich eine Abendvorstellung anzusehen, der Geruch von frisch gemähten Gras liegt in der Luft, Grillen zirpen, man freut sich seine Freunde zu sehen und dann ... ZACK ... wird es plötzlich unheimlich und die Nackenhaare stellen sich einem auf.
"Dale und Lawrence standen erstarrt auf dem Gehweg, umklammerten ihre Popcorntüten und blickten nach oben, wo die Fledermäuse ihre beiden Namen schrien, mit einer Schärfe, als würden Zähne über eine Schiefertafel gezogen. Weit, weit entfernt sagte die verstärkte Stimme von Schweinchen Dick: 'D-d-d-as war's Leute!'
>>Lauf!<<, flüsterte Dale."
(S. 81)
Anfangs treten diese Dinge nur sporadisch auf, doch im Verlauf der Story wird die Atmosphäre und die unheimlichen Geschehnisse zunehmend beklemmender und die ruhigen Passagen dazwischen kürzer - als würde sich langsam aber stetig die Schlinge des Horrors langsam zuziehen, bis es z um großen Knall kommt.
Der Schreibstil von Simmons ist einmalig, der Plot packend und die Charaktere hervorragend ausgearbeitet. Man liest hierbei aus der Perspektive jedes Jungen und daher schließt man jeden einzelnen von ihnen ins Herz, fiebert mit ihnen mit und sieht ihnen dabei zu, wie sie sich entwickeln und über sich hinaus wachsen.
Mich konnte jedoch vor allem die dichte Atmosphäre begeistern. Der Autor schafft es auf hervorragende Weise den Leser in einen Sommer der 60er zu katapultieren. Man sieht Elm Haven mit seinen Farmen, die von Maisfeldern umgeben sind, spürt die Hitze des Sommers auf der Haut, während man mit dem Fahrrad über staubige Landstraßen radelt. Die Atmosphäre macht auch bei den beklemmenden und unheimlichen Stellen nicht Halt. Manchmal war es so spannend und furchterregend, dass ich überlegte ans Ende zu blättern, um mich zu vergewissern, dass alles gut geht und ich gehöre keineswegs zu dieser Art von Lesern die das normalerweise machen. Ich habe es natürlich nicht gemacht und das war auch gut so, denn sonst hätte ich mich um so einige überraschende Wendungen gebracht.
"Er hob die langen Finger. Sein Gesicht ... schmolz ... das Fleisch unter der Haut wallte, Knorpel und Knochen gruppierten sich neu, die lange Nase und das Kinn wuchsen zusammen und bildeten die Schnauze, die Mike bei dem Soldaten auf dem Friedhof gesehen hatte."
(S. 608)
Es ist ein typischer Coming of Age-Horror im Stile von Stephen King und in gewisser Weise eine Mischung aus "IT" und "The Body" (im deutschsprachigen Raum als "Stand by me" bekannt). Doch während King manchmal einen sehr ausschweifenden und "blumigen" Erzählstil hat und seine Stories daher die ein oder andere Länge aufweisen, konzentriert sich Simmons auf das Wesentliche, die Charaktere und Atmosphäre. Längen sucht man hier vergebens.
Dieses Buch beschwerte mir das schönste und gleichzeitig gruseligste Leseerlebnis seit Langem und ich wollte die Jungs am Ende überhaupt nicht mehr verlassen.
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Im Auge des Winters
"Als er gegen drei Uhr eine Pause für ein spätes Mittagessen einlegte, floss das Licht bereits wieder aus dem Tag wie graues Abwaschwasser aus der Spüle."
(S. 974)
Hier begeben wir uns wieder nach Elm Haven. Inzwischen sind 41 Jahre vergangen und der Winter steht vor der Tür.
In dieser Story lesen wir aus der Sicht von Dale. Dieser lebt nun in Montana und zu seinen früheren Freunden hat er keinerlei Kontakt mehr. Selbst der Kontakt zu seinem Bruder Lawrence beschränkt sich auf nur wenige Telefonate zu allen heiligen Zeiten. Er ist Literaturprofessor und Autor, Letzteres eher schlecht als recht und seine Ehe hat er aufgrund einer Affäre mit einer Studentin in den Sand gesetzt. Ihn plagen Depressionen, Alpträume und er hat auch einen Selbstmordversuch hinter sich.
Eines Tages beschließt er nach Elm Haven zurückzukehren, um ein Buch zu schreiben, so sagt er sich, denn den wahren Grund kann er sich selbst nicht wirklich beantworten. Er mietet das Farmhaus seines verstorbenen Freundes und schon bei seiner Ankunft geht es nicht mit rechten Dingen zu. Was hat ihn wirklich nach Elm Haven gezogen?
"Wie auch immer, Dale war davon überzeugt, dass hier in diesem kalten Farmhaus im hintersten Illinois die Wehen eingesetzt hatten und dass eine wüste Bestie auf das Glückliche Eck zukroch, um entweder geboren zu werden oder zu sterben."
(S. 967)
Hier lesen wir nicht nur aus Dales Perspektive, sondern auch aus der seines verstorbenen Freundes. Auf diesen möchte ich jedoch nicht näher eingehen, da ich sonst die erste Story spoilern würde. Man trifft zwar nicht auf die Freunde aus seiner Kindheit, doch der ein oder andere bekannte Charakter läuft uns vor die Füße.
Auch hier kann Simmons mit der Atmosphäre punkten und auch hier beginnt es eher ruhig und die unheimlichen Passagen treten nur vereinzelt auf. Trotzdem weiß man von Anfang an, dass hier etwas lauert und einem während des Lesens permanent im Nacken sitzt. Im Verlauf werden sowohl Story, als auch die Atmosphäre zunehmend beklemmender und unheimlicher.
Zwischendurch reist man immer in die nahe Vergangenheit von Dale und vor allem die Affäre nimmt hiebei einen großen Platz ein. Ich fragte mich manchmal wieso all dies relevant sei, da ich absolut keinen Zusammenhang zur Hauptstory sah und überlegte, ob dies eventuell Lückenfüller sein sollen. Ab der Mitte hatte ich auch das Gefühl zu wissen wohin das alles führt, las jedoch aus Neugierde weiter, da ich wissen wollte wie der Autor das alles aufdröselt und zu Ende bringt. Mann, was hat mich Simmons hinters Licht geführt. Es kommt nämlich alles anders als gedacht und hat mich richtig geflasht.
"Jetzt, mehr als vierzig Jahre später, legte sich Dale schlafen und lächelte über die Erinnerung. Er hörte nicht das Kratzen, das an die Stelle des heulenden Winds getreten war - ein Kratzen, das aus der Finsternis hinter dem Ofen kam, wo die Öffnung zum Kohlenverschlag war."
(S. 785)
Zum Schreibstil sage ich hier nicht mehr viel, denn auch hier stimmt einfach alles. Ich spürte die Kälte des Winters ebenso wie die kalte Umklammerung des Unheimlichen. Diese Story ist Weird Fiction-Horror vom Feinsten.
Fazit:
Wenn ich einen Wälzer von 1000 Seiten innerhalb von 3 Tagen verschlinge, dann will das selbst bei mir etwas heißen. Ich konnte und wollte nicht aufhören zu lesen. Beide Stories sind auf ihre eigene Art packend und einnehmend, weisen jedoch unterschiedliche Atmosphären auf.
"Sommer der Nacht" ist hierbei mein Favorit, wobei das auch an der King-Nostalgie, gelegen haben kann, welche ich dabei empfand. Ich bin ein absoluter Stephen King-Fan, sammle sogar alle seine Ersterscheinungen, aber selbst ich muss zugeben, dass Dan Simmons mich wesentlich mehr packen konnte und mich auf keiner Seite langweilte. Ich wage sogar zu behaupten, dass Simmons ein besserer King ist, wenn man einen Vergleich ziehen möchte.
Dieses Buch katapultierte sich somit zu einem meiner absoluten Lesehighlights und am liebsten würde ich wieder von vorne beginnen zu lesen.
© Pink Anemone
Rezensionen von rewareni:
Ein brutaler Mord
Elm Haven von Dan Simmons
Chefinspektor Paul Steininger und seine Kollegin Simone ,,Moni´´ Gruber, sind bei ihren Mordermittlungen ja einiges gewohnt, aber als sie die brutal verstümmelte Leiche eines Mannes in der Villa des egozentrischen Investmentberaters Maximilian Wolf, auffinden, kostet es selbst den erfahrenen Ermittlern einiges an Überwindung sich mit diesem Mordfall zu beschäftigen.
Natürlich war es für den Hausbesitzer ein Schock die Leiche zu finden, aber Max ist einer von der harten Sorte und so lange er genug Kokain hat und sich mit der Damenwelt vergnügen kann, ist für ihn die Welt wieder in Ordnung. Paul und Moni sind anfangs noch ziemlich ratlos, weil es scheinbar keine richtigen Spuren in dem Fall gibt. Doch als man eine zweite Leiche findet und es Hinweise zu der Prostituierten Irina gibt, hat es den Anschein, als ob beide Fälle irgendwie zusammenhängen. Eheprobleme und Gefühle für Moni, machen es Paul nicht unbedingt leicht, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Was aber keiner von ihnen ahnt ist, dass der Mörder mit dem, was er sich vorgenommen hat noch nicht fertig ist.
,,Dornen in meiner Haut´´ von Gunther Polnizky, ist ein rasanter, spannender und zum mitfiebern geschriebener Thriller. Bereits das interessante Cover mit einer blauen Rose sticht dem Leser schon von Anfang an ins Auge. Schon auf den ersten Seiten wird man mit einem brutalen und blutigen Mord konfrontiert, wo man im ersten Moment den Atem anhalten muss. In kurzen Kapiteln wechseln immer wieder die Geschehnisse ab, wo ich zu Beginn ein wenig verwirrt war, wenn plötzlich der Ermordeten oder anderen Beteiligten von früher auftauchen. Aber mit der Zeit waren dann diese Rückblenden interessant zu lesen. Die beiden Ermittler sind ein eingespieltes Team, wo jeder auch seine Probleme hat. Dabei war schön zu lesen, wie speziell Paul sich mit seiner Arbeit und seinem Eheleben auseinander setzen muss. Seine Zweifel, ob er seine Frau noch liebt, welche Arbeit wichtiger ist und welche Verantwortung jeder in einer Beziehung hat, beschreibt der Autor sehr gut und auch intensiv. Die Geschichte rund um Max und Irina wird spannend erzählt und nach und nach fügen sich immer mehr Puzzleteile zusammen. Der Autor verfügt über einen flüssigen und guten Schreibstil, wo die Mischung zwischen Spannung, Emotionen und Nervenkitzel sich gut abwechseln. Er schafft es auch, dass man selbst mit eigentlich unsympathischen Protagonisten in gewissen Situationen sogar Sympathie und auch Mitleid empfinden kann. Da die Handlung in Wien spielt, findet sich auch noch ein wenig Lokalkolorit in dem Roman. ,,Dornen in meiner Haut´´ ist also ein Thriller, der zwar an manchen Stellen sehr brutal ist und unter die Haut geht, aber mit einer spannenden Geschichte und Menschenschicksalen den Leser für sich einnimmt.









