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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von KimVi:

Berührt und regt zum Nachdenken an

Solange sie tanzen von Barbara Leciejewski

Ada Friedberg ist seit fast einem Jahr Witwe. Gemeinsam mit ihrem Mann Hans hat sie lange, glückliche Jahre verbracht. Hans fehlt ihr an jedem einzelnen Tag. Doch Ada lässt sich nicht unterkriegen. Sie bewältigt ihren Alltag beinahe allein und wird dabei von ihrem Boxer Hemingway unterstützt. Denn Hemingways Versorgung gibt ihrem Leben Struktur und außerdem sorgen die gemeinsamen Spaziergänge dafür, dass Ada aus dem Haus geht.

Langsam beschleicht Ada allerdings das Gefühl, dass sie zunehmend vergesslicher wird. Obwohl sie versucht, sich nichts anmerken zu lassen, ist ihr Erschrecken darüber groß. Als im Haus gegenüber ein junges Paar einzieht, das Ada aus ihrer Wohnung mit dem Fernglas beobachtet, fühlt sie sich an ihre Zeit mit Hans erinnert. Denn die neuen Nachbarn scheinen genauso leidenschaftliche Tänzer zu sein, wie es einst Ada und Hans waren...

Barbara Leciejewski beschreibt Adas Geschichte so einfühlsam, dass man vom ersten Moment an, eine ganz besondere Atmosphäre wahrnimmt. Deshalb fühlt man sich sofort wohl, kann sich entspannt zurücklehnen und beobachten, wie Ada ohne ihren geliebten Ehemann Hans zurecht kommt und wie sie ihr Leben nun gestaltet. Dabei gibt es immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit. Diese werden so lebendig geschildert, dass man beinahe meint, selbst dabei zu sein und Ada und Hans über die Schulter zu schauen.

Doch auch die Gegenwart hat einiges zu bieten. Man verfolgt Adas Bemühungen, ihren Alltag selbst zu bewältigen, durchgehend interessiert und nimmt mit einem mulmigen Gefühl wahr, dass sie langsam vergesslich wird. Ada wirkt so authentisch, dass man mit ihr mitfühlen und sich ganz auf sie einlassen kann. Sie ist sehr sympathisch, hat das Herz auf dem richtigen Fleck und außerdem einen ganz besonderen Humor. Es gibt Momente, in denen man ganz unverhofft schmunzeln kann. Doch auch solche, in denen man tief berührt wird und heftig schlucken muss.

Dieser Roman ist zwar eher ruhig, doch so einfühlsam geschrieben, dass er tief unter die Haut geht, da die Emotionen einfach echt wirken. Man kann sich ganz auf Ada einlassen, ihre Erinnerungen genießen, aber auch über die Ängste und Schwierigkeiten, die mit dem Älterwerden verbunden sind, nachdenken.

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Rezensionen von *RC*:

Ikosaeder

Zehn Stunden tot von Ahnhem

*Die Würfel fallen! Und der der Zufall bestimmt, wer, wann, wo und wie dem Mörder zum Opfer fällt. Es könnte jeden treffen!*

Ein Ikosaeder ist ein vielflächiger Körper (Polyeder). Er hat zwanzig Flächen (Seiten), die aus gleichseitigen Dreiecken gebildet werden. Mich hat es in diesem Buch beeindruckt, dass ein Täter – neben 'normalen' sechsseitigen Würfeln - einen solchen platonischen Körper als Hilfsmittel nimmt, um seine perfiden Mordgelüste auszuleben.

Aber dieses abartige Würfelspiel ist nur ein kleiner Aspekt in diesem vom schwedischen Autor Stefan Ahnhem geschriebenen Thriller „10 Stunden tot“ aus der Thriller-Reihe um den Ermittler Fabian Risk.
Und genau diese Würfelidee, auf die im Klappentext hingewiesen wird, hat mich bei diesem Thriller besonders neugierig gemacht und zum Lesen animiert. Ebenso hat mich das düstere Cover mit der etwas mit Gras zugewachsenen Eisenbahnschienen-Weichen gefangen genommen.

Helsingborg, ein kleiner schwedischer Küstenort wird in kurzer Zeit von einer Reihe von Morden, Verbrechen und Anschlägen überschattet, die teils von hoher Grausamkeit zeugen. Doch wer steckt dahinter? Bald stellen Fabian Risk und sein Team fest, dass sie nach mehreren Tätern suchen müssen. Eine aufreibende Ermittlungsarbeit hält das Team nahezu Tag und Nacht Trab. Dies geht auch an die Belastungsgrenze im privaten Bereich – vor allem bei Fabian Risk, dessen Familie auseinanderzubrechen droht. Während Fabian Risk mit diversen Fällen mit seinem gesamten Team beschäftigt ist, zweifelt er am Selbstmord seines Kollegen Hugo Elvin und vermutet, dass einer seiner Kollegen, Ingvar Molander, Elvin auf dem Gewissen haben könnte, da Elvin – nicht unbegründet – Molander beschattet hatte.
Im Buch werden viele aktuelle und brisante Themen wie Fremdenhass, Rechtsradikalität, Pädophilie, Stalken mit krankhafter Sexbesessenheit aufgegriffen und gekonnt in den Kriminalfällen zu Schwerpunkten verarbeitet, die packend und aufreibend erzählt werden. Und wie muss es sein, wenn man feststellt, dass sein eigener Partner eine politische Gesinnung hat, die man selber nicht gutheißt. Diesem Konflikt muss sich beispielsweise die Polizistin Irene Lilja stellen und lösen.

Der Thriller ist aufgrund der vielen Fälle durch eine hohe Komplexität gekennzeichnet, was auch eine gewisse Aufmerksamkeit erfordert, wodurch aber auch eine hohe Fesselung an die Story erreicht wird. Aber wenn man einmal den Einstieg gefunden hat, dann bleibt man in und von der Geschichte gefangen.

Ahnhem schafft es durch kurze Kapitel, kombiniert mit einem ständigen Perspektivenwechsel, eine konstante Spannung aufrecht zu erhalten, was zudem Speed und Dynamik in die Handlung bringt.
Besonders gut gelungen ist, dass, bei einzelnen Kapiteln, je nachdem, welchen Protagonisten er ins Zentrum eines Kapitels stellt, dass er den Sprachstil und Satzbau dem Charakter anpasst, sei es beispielsweise kindlich-subtil oder auch hasserfüllt und vergrämt. Diese Authentizität bringt einen diese Personen besonders nahe und man kann sie sich extrem gut vorstellen.

Etwas enttäuschend fand ich, dass das „Würfelthema“ nicht so viel Raum im Thriller eingenommen hat, wie ich es mir gewünscht habe. Aber so eine perfide – wenn nicht so grausam, würde ich schon sagen: geniale und ausgeklügelte– Idee, ist mir noch nie in einem Krimi/Thriller untergekommen.

Das Ende ist offen, und man schließt den Thriller mit einem Fragezeichen. Auf der einen Seite ist es unbefriedigend, die Geschichte nicht mit einem zufriedenen Gefühl der Fallaufklärung schließen zu können, auf der anderen Seite hat es aber auch den Vorteil, da der Leser dazu möglicherweise motiviert werden soll, sich „sein“ Ende zu erdenken. Also, es liegt an Dir!

Ich habe lange keinen Thriller mehr gelesen, aber diese kurzweilige Story konnte mich überzeugen und hat auch des öfteren meinen Atem stocken lassen, da die Schilderungen der Straftaten teilweise sehr schockierend und auch barbarisch waren. Leider kam die „Würfel-Geschichte“ etwas zu kurz und die Fälle sind nicht richtig abgeschlossen. Außerdem konnte ich keinen Bezug vom Titel „10 Stunden tot“ zum Inhalt feststellen. Er ist zwar spannend aber irgendwie isoliert. Auch wenn ich zwischen 3 und 4 Sternen schwanke, gebe ich 4 Sterne, da mich die Vielseitigkeit und Verstrickung der einzelnen Plots der Geschichte fasziniert haben.

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Rezensionen von rewareni:

Ein neues Leben

Zehn Stunden tot von Ahnhem

Max Stain, Bürgermeister auf der Insel Cerva, hat mit vielen Problemen zu kämpfen. Seit seine geliebte Frau Claire tot ist, kümmert er sich um seine kranke Tochter Mati, die dringend auf eine Herztransplantation wartet. Aber auch der anhaltende Flüchtlingsstrom bereitet ihm Sorgen, wo immer wieder Boote aus dem Mittelmeer auf der Insel landen, die verzweifelte Menschen bringen, die in überfüllten und nicht für so viele Flüchtende ausgerichtete Lager, Schutz suchen.

Max möchte zwar helfen, aber er stößt bald auf seine Grenzen. Mit dem Abteilungsleiter des Heimatschutzministeriums Oberst Castel, hat er zwar einen souveränen und menschlichen Gegenspieler, aber trotzdem scheint ihn ein Geheimnis zu umgeben, das sich für Max noch verstärkt, als er ihm ein privates Angebot macht, das seine geliebte Tochter betrifft. Max hat zwar Verbündete, wie die geheimnisvolle Afrikanerin, die er im Lager kennen lernt, die ihn in seinem Bemühen unterstützt, für die Flüchtlinge ein menschenwürdiges Leben in ihren profisorischen Unterkünften zu finden. Doch dann passieren immer wieder Ereignisse, die eine negative Stimmung auch gegen ihn als Bürgermeister hervor rufen und er für sich und seine, für ihn wichtige Menschen, eine Entscheidung treffen muss.
Das Buch ,,Auf der Insel das Meer´´, ist ein berührender und auch zum Nachdenken anregender gesellschaftskritischer Roman, der das Thema Flüchtlinge aus mehreren Sichtweisen beleuchtet. Der Autor, Bernhard Buck, hat dabei ein sehr sensibles und wie jeder weiß auch tagesaktuelles Thema aufgegriffen und auf eine fast schon philosophische Art und Weise dargestellt. Er spielt mit Worten, die sowohl sanft und einfühlsam sind, als auch mit kraftvollen, die bildgewaltig eine Szene beschreiben.
Seite 127: In diesem Moment bricht ein Gewittersturm los,den ich in dieser Heftigkeit noch nie erlebt habe. Alles um uns herum flackert, der Himmel stampft auf und nieder und bricht der Erde die Knochen.
Der Autor lässt den Leser an Gedanken teilhaben, die sich mit dem Für und Wider der Flüchtlingspolitik beschäftigen. Brisante Themen wie Schlepperei, Islamismus, Organhandel werden in interessanten Gesprächen zwischen den Protagonisten behandelt und zeigen dabei immer wieder auf, dass überall wo scheinbar auf der einen Seite eine gutgemeinte Hilfe für Flüchtlingsprobleme in Aussicht ist, es auf der anderen Seite zu Korruption, Hass und Gewalt kommen kann. Bei den Protagonisten ist immer wieder zu spüren, dass es ihnen selbst nicht immer leicht fällt zwischen Recht und Gerechtigkeit zu unterscheiden, weil es oft keine klare Trennlinie gibt. Der Wunsch zu helfen ist da, aber zu welchem Preis?
Von Beginn weg bis zum Ende begleitet man Max, der nicht nur in seiner Funktion als Bürgermeister gefordert ist, sondern dem es auch schwer fällt mit sich und seiner Tochter ins Reine zu kommen und ihre Entscheidungen zu akzeptieren lernt. Ich bin nicht unbedingt ein Fan von einem offen Ende, das es hier aber gibt und es doch einige wichtige Fragen aus dem Roman gibt, die nicht beantwortet werden.
,, Auf der Insel das Meer´´ lässt den Leser in viele aufwühlende, traurige aber auch in schöne und emotionale Momente eintauchen und gedanklich darin versinken.

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Rezensionen von Gaby 2707:

Rudernde Hunde

Rudernde Hunde von Elke Heidenreich; Bernd Schroeder

Noch im Karnevalskostüm packt die Erzählerin eine Tasche mit Utenilien, die ihr Freund Albert auf der Durchreise aus Paris kommend vielleicht brauchen kann. Zusammen mit Lebensgefährten Walter und Hund macht sie sich auf den Weg zum Bahnhof, nur um von Albert ein kleines Geschenk zu erhalten: zwei kleine rudernde Hunde.

Heinz und Fitz. Später ist dann Walter weg – aber die Hunde sind noch da...
Karl und Frau Luise lernen Herrn Löhlein kenne, den neuen Freund von Karl´s Mutter. Doch als der mehr als Freundschaft will, will Mutter nicht mehr...
Frau Janowiak wartet seit dem Tod ihrer Mutter auf ein Zeichen, dass sie bei ihr ist – und erkennt das Zeichen in Form einer Spinne an der Wand...
Robert träumt von seinem körnergefütterten Suppenhuhn Carola...
Nurejews Hund Oblomov übt nach dessen Tod heimlich Tanzschritte und tanz am 60. Geburtstag auf dessen Grab...
Die Sehnsucht nach IKEA und Erlebnissen mit dem Billy-Regalen lassen den Erzähler nicht los. Und eine Idee entsteht: „Mit IKEA leben und sterben“...
Eine Liebesgeschichte mit 3 Katern und 2 Katzen...
Otto Berner, der einmal seinen Namen aug chinesisch geschrieben lesen will und dann sehr erstaunt ist...
Herr Bakker mit neuem Hörgerät, der einen Igel sagen hört: Gib mir bitte ein Ei...
4 junge Australienreisende „erlegen“ im Outback ein Känguruh und einer von ihnen staffiert das Tier mit seiner Lederjacke und seinem Seppelhut aus. Doch das Känguruh sich auf und davon macht, haben die 4 auch keinen Führerschein, keine Flugtickets, keine Reiseschecks und kein Geld mehr...
Es gibt keine sprechenden Eichhörnchen?...
Nureemi und die grau gestreifte Katze Mathilda in New York...
Beo Leo liebt die Beatles...

19 einfühlsame, anrührende, spannende, geheimnisvolle, rätselhafte, originelle, unglaubliche und zauberhafte Geschichten von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder erzählt und in diesem kleinen Band verewigt.

Fazit:
Es gibt wenige Bücher, von denen ich sage – einfach toll – dieses ist eines davon.
Hätte ich schon viel früher mal lesen sollen.

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Rezensionen von Gaby 2707:

Die Geschichte eines Magdalenen-Heimes

Das Haus der Verlassenen von Gunnis Emily

Die junge Ivy Jenkins ist ungewollt schwanger. Der Orden der Barmherzigen Schwestern führt in Preston/Sussex ein Heim für ledige Mütter. Hierher wird Ivy von ihrem Herrschsüchtigen Stiefvater abgeschoben. Im St. Margaret´s wartet sie auf die Geburt ihres Kindes. Nur ahnt niemand, was sich hinter den Mauern dieses Hauses wirklich abspielt.

Samantha „Sam“ Harper lebt mit ihrer kleinen Tochter Emma derzeit bei ihrer Großmutter Rose. Aus Briefen, die sie im Nachlass ihres Großvaters findet, erfährt sie von Ivy und dem Ort, wo sie gelebt hat. Sofort wittert die Journalistin eine Geschichte, die sie vielleicht in ihrem Job ein Stück nach oben bringt. Nur wird St. Margaret´s in zwei Tagen dem Erdboden gleich gemacht. Sam muss sich also beeilen…


Ich lese Geschichten, die auf zwei verschiedenen Zeitebenen spielen sehr gerne.
Hier steige ich im Jahr 1956 bzw. 1959 ein und lerne Ivy und die Machenschaften in diesem Heim für ledige Mütter kennen. Anstatt sich nach der Geburt um ihre Kinder kümmern zu können, werden sie den jungen Frauen weggenommen und gezwungen, die Babys zur Adoption freizugeben. Ich kann und will mir gar nicht vorstellen, wie es Ivy gegangen ist, als sie ihre kleine Rose im hintersten Winkel des Hauses hat weinen und schreien hören. Auf die Briefe, die sie an ihren Freund und Kindsvater Alistair schreibt, kommt keine Reaktion. So sieht Ivy, die 1959 in die Psychiatrie abgeschoben werden soll, nur noch einen Ausweg...
2017 findet Sam Ivys Briefe und beginnt Fragen zu stellen. Die Antworten darauf haben mich schockiert und sprach- und fassungslos zurück gelassen. Wenn ich bedenke, dass es gerade mal zwei Generationen her ist, und es diese Heime vor allem in Irland, aber auch in England wirklich gab, macht es mich wütend und tieftraurig. Es will mir nicht in den Kopf, dass die Menschen im Umfeld der Heime nichts von dem Machenschaften dort gewusst haben wollen. Und das alles geschah unter dem Deckmantel der Kirche. Unfassbar.

Der Schreib- und Erzählstil von Emily Gunnis ist sehr lebendig und hat mich ab der ersten Seite gefesselt. In leichten Dosen bekomme ich die unglaublichen Geschehnisse in diesem Heim vorgesetzt. Viele kleine Puzzlestücke setzen sich ganz langsam zu einem großen Bild zusammen und ich war überrascht über den für mich fast nicht vorstellbaren Ausgang der Geschichte. Ein Krimi kann an manchen Stellen nicht spannender sein.

Die Autorin legt mir eine emotionale und fesselnde Geschichte mit einem hohen Tempo vor, die sehr gut konstruiert ist. Bei mir kochten beim Lesen immer wieder die verschiedensten Emotionen hoch. Eine Geschichte, die wütend und traurig macht, die für mich an einigen Stellen unfassbar war. Eine Geschichte, die ich genossen habe und die noch lange in mir nachwirken wird.

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Rezensionen von Bibliomarie:

Einfühlsam und von leiser Melancholie

Die Frau im Musée d'Orsay von Foenkinos David

Antoine ist Professor für Kunst an der Hochschule in Lyon. Von einem Tag auf den anderen lässt er sein Leben hinter sich. Er kündigt seine Anstellung, seine Wohnung, lagert seine Besitztümer ein, verabschiedet sich per Mail von allen Freunden und Verwandten und ist nicht mehr erreichbar. Er arbeitet fortan als Saalaufsicht im Musée d’Orsay.

Besonders das Portrait von Jeanne Hébuterne hat es ihm angetan. Ihre zarte Schönheit berührt ihn und scheint seine Trauer zu lindern.

Es dauert nicht lange, da kursiert ein Foto von ihm im Netz. Ehemalige Studenten haben ihn dort zufällig gesehen und wiedererkannt und spotten nun über ihren früheren Lehrer. Doch das alles ficht Antoine nicht an.
Später erfahren wir von der gescheiterten Beziehung zu Louise, die ihn nach sieben gemeinsamen Jahren verlassen hat. Ist das der Grund für seinen Rückzug? Oder doch eher das Schicksal seiner Studentin Camille?

Es ist ein leiser, ein wenig melancholischer Roman des Franzosen David Foenkinos. Hier steht ein Mensch an einem Scheideweg, er trägt eine Last mit sich, die er nicht benennen mag. Er weiß nur, dass sein Leben aus den Fugen geraten ist. Trotzdem finden sich leise humorige Szenen, manchmal in kleinen ironischen Fußnoten, manchmal in Gedanken oder Erinnerungen Antoines. Stück für Stück enthüllt der Autor die Geschichte hinter Antoines Entschluss, sein Leben radikal zu ändern und vergrößert meine Empathie mit der Hauptfigur. Das Ende darf – zumindest für Antoine – hoffnungsvoll sein.

Wieder gelingt es Foenkinos mich mit seiner Sprache, seinen Ideen und seinen Protagonisten in Bann zu ziehen. Er schreibt mit einer Leichtigkeit und einer Eleganz, die oft nur französische Autoren so gut beherrschen. Auch die Übersetzung finde ich ausgezeichnet. Es ist Unterhaltung auf hohem Niveau .

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Rezensionen von LEXI:

Lass nicht zu, dass dieser Junge dich von deinen Lebenszielen abbringt.

Die Lady von Bolton Hill von Elizabeth Camden

„Damals waren wir zu jung, um zu begreifen, dass sich manche Träume einfach nicht erfüllen. Und trotzdem haben wir sie geträumt, und sie haben uns die Jahre damals versüßt. Das war die schönste Zeit meines Lebens.“

Reverend Lloyd Endicott ist Herausgeber der Wochenzeitung „The Christian Crusade“ in Baltimore und ein allseits geschätzter und geachteter Mann.

Für seine beiden Kinder Clyde und Clara hat er nach dem frühen Tod seiner Ehefrau nur das Beste im Sinn. Er ermöglicht ihnen eine hervorragende Ausbildung und erzieht sie im christlichen Glauben. Doch die aus der gemeinsamen Leidenschaft für die Musik entstandene enge Freundschaft der hoch begabten Clara mit dem armen Sohn eines Bergarbeiters ist ihm ein Dorn im Auge. Kurzerhand schickt er seine Tochter zu ihrer Tante Helen nach London, wo Clara sich mit den Jahren einen Namen als mutige und ehrgeizige Journalistin macht. Clara kämpft für die Rechte der Armen und gegen die Kinderarbeit. Sie opfert dafür den Traum, mit ihrer Musik Karriere zu machen. Als sie zwölf Jahre später London aufgrund ihrer kontroversen Artikel verlassen muss und nach Baltimore zurückkehrt, stellt Clara fest, dass sich ihre Gefühle für Daniel Tremain nicht verändert haben. Doch aus dem mitfühlenden, musikalisch hochbegabten und intelligenten Jungen mit den großen Träumen ist inzwischen ein einflussreicher und mächtiger Mann geworden. Er verfolgte seine Ziele mit großer Hartnäckigkeit und befindet sich auf einem unerbittlichen Rachefeldzug gegen jenen Mann, der den Tod seines Vaters verschuldet hat. Daniel ist verbittert und hat sich darüber hinaus vom Glauben seiner Kindheit abgewandt. Werden Clara und Daniel es schaffen, zur Vertrautheit ihrer Jugendzeit zurückzufinden und die schier unüberwindlichen Hindernisse aus dem Weg zu räumen?

Elizabeth Camden beschreibt im vorliegenden Buch den Weg eines armen Bergarbeitersohnes zu einem brillanten Erfinder, der durch seine Intelligenz und seine genialen Ideen zu einem der mächtigsten Industriellen Amerikas avanciert. Schuld und Vergebung sind zentrale Themen in diesem Roman, der auch die Bemühungen der Gewerkschaft um bessere Arbeitsbedingungen anspricht. Mit der weiblichen Hauptfigur Clara Endicott skizziert Elizabeth Camden eine ungewöhnliche junge Frau, die große Courage aufbrachte, um ihren Traum vom Schreiben wahr zu machen. Obgleich Clara in einem imposanten Herrenhaus im privilegierten Bolton Hill lebte, fand sie in Daniel Tremain einen Seelenverwandten, der ihre Leidenschaft für die Musik teilte. Daniel wird als ehemals wichtigster Mensch in Claras Leben große Aufmerksamkeit zuteil. Die Veränderung seiner Person betrifft nicht nur Äußerlichkeiten und sein Lebensumfeld, sondern vielmehr auch sein bewegtes Innenleben. Daniels Seele ist von Hass und Rache zerfressen, er gilt bei seinen Geschäftspartnern und den Mitgliedern der Gesellschaft als gefährlich und unnahbar. Elizabeth Camden versteht es hervorragend, die Emotionen und Glaubenskämpfe ihrer Charaktere darzustellen. Ihr einnehmender Schreibstil und ihre Fähigkeit, den Figuren der Handlung Leben einzuhauchen, begeistern mich bei jedem einzelnen ihrer Romane. Der Glaube spielt in diesem Buch eine tragende Rolle und wird von der Familie Endicott in jeder Hinsicht gelebt. Clara fungiert als Verkünderin des Evangeliums und setzt sich dafür ein, dass zwei ganz besondere Menschen in diesem Buch ihren Weg zu Gott finden.

„Die Lady von Bolton Hill“ aus der Feder einer meiner favorisierten christlichen Autorinnen wartet mit viel Herz, einer Fülle der widersprüchlichsten Emotionen, einem kleinen Spannungsmoment und christlichen Werten auf. Es handelt sich um eine Lektüre, die mir ausgezeichnet gefallen hat und die ich sehr gerne weiterempfehle.

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Rezensionen von LadyIceTea:

Eine schöne Geschichte mit Dänemarkflair

Sommerzauber auf der kleinen Insel von Barbara Erlenkamp

Britta, 30, Single, hat ihr Leben im Griff. Sie arbeitet erfolgreich in der Tourismusbranche. Ihr neuestes Projekt: Sie soll zusammen mit einem Kollegen nach Dänemark auf die Insel Læsø fahren, um dort ein Feriendorf zu planen. Die Insel ist für Britta ein besonderes Ziel, stammt doch ihr bereits verstorbener Vater von dort, den sie nie kennengelernt hat.

Doch sie muss feststellen, dass ihre Mutter sie die ganzen Jahre über belogen hat. Denn plötzlich ist die ordentliche und strukturierte Britta Teil einer liebenswert chaotischen dänischen Familie. Und damit nicht genug: Auch der sympathische Schreiner Jan Ole stellt Brittas bisheriges Leben ganz schön auf den Kopf.

Britta ist mir sehr sympathisch. Sie ist sehr ehrgeizig und versucht erfolgreich in ihrem Job zu sein. Was mir dabei gefällt ist, dass es ihr nicht um Geld oder Kariere geht, sondern dass ihr Job ihr wirklich Spaß macht und das merkt man. Trotz ihres Ehrgeizes ist sie sehr warmherzig und geht wunderbar mit ihren Mitmenschen um. Es hat mir richtig Spaß gemacht, mitzuerleben wie sie ihre Familie in Dänemark kennen lernt und von diesem bunten Haufen aufgenommen wird.
Es war dazu noch sehr spannend, den Verlauf des Feriendorf-Projekts mitzuverfolgen und nach und nach mit Britta die Wahrheit herauszufinden.
In dieser Geschichte ist Britta am wichtigsten. Das hat mir gefallen, denn sie ist eine tolle Persönlichkeit. Aber auch die anderen Figuren sind wichtig für die Geschichte und egal ob sympathisch oder sympathisch, sie passen einfach dazu.
Die Geschichte, vor dem tollen Setting Dänemarks, hat mir sehr gut gefallen. Tolle Figuren, eine spannende Geschichte, eine wunderbare Umgebung und dabei noch was fürs Herz – was möchte man als Leser mehr?
Ich kann dieses Buch ruhigen Gewissens empfehlen.

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Rezensionen von LadyIceTea:

Eine Geschichte mit Herz

Eine Liebe in Manhattan von Kate Dakota

Emma kehrt in die Stadt zurück, aus der sie nach einer Tragödie als Kind geflohen war. New York City. Hier besucht die Dolmetscherin im Rahmen einer Weiterbildung eine Sprachschule. Ein Angebot für einen Nebenjob kommt ihr gerade recht: Emma soll neben ihrem Studium Touristen auf Rundflügen über New York betreuen.

Als sie dabei den Piloten Floyd kennenlernt, ist es Abneigung auf den ersten Blick. Denn der attraktive Mann wirkt arrogant und überheblich auf sie. Doch aus der Zusammenarbeit entsteht nach und nach eine Freundschaft und die beiden kommen sich sogar näher. Doch plötzlich stößt Emma Floyd von sich und die Narben der Vergangenheit brechen wieder auf.

Kate Dakota hat mit „Eine Liebe in Manhattan“ einen wirklich schönen Liebesroman geschaffen.
Emma ist eine sehr sympathische Hauptfigur, die zum Glück auch Ecken und Kanten hat. Emma hat eine schwere Vergangenheit und die wird auch nicht beschönigt. Spannend finde ich, dass der Leser ihre Geschichte nur Stück für Stück erfährt und nicht direkt auf dem Silbertablett präsentiert bekommt. So kann man mitgrübeln und mitfiebern.
Auch Floyd ist ein guter Charakter. Er ist nicht sofort sympathisch und macht dadurch eine umso bessere Rollenentwicklung durch. Die Seiten, die er nach und nach zeigt, haben mich aber auch für ihn gewonnen.
Ebenso die Charaktere um Floyd und Emma herum. Sie sind Sympathisch und haben alle ihre eigene kleine, miteinander verknüpfte Geschichte. Sie bringen alles in ein warmes Licht und es hat mir Freude gemacht, dass es auch Kapitel gibt, die aus der Sicht der anderen Figuren geschrieben sind.
Von den Charakteren und ihrer Geschichte lebt dieses Buch. Emma erlebt zwar auch einige Abenteuer aber die werden erst durch ihre Vergangenheit bedeutungsvoll.
Mir hat gefallen, wie Emma mit allem umgegangen ist und welchen Verlauf die Geschichte genommen hat.
Ich habe dieses Buch fast in einem Rutsch durchgelesen und habe keine Stelle gefunden, die mich gelangweilt hätte. Das Buch hat mir durchgehend Spaß gemacht und ich habe Emma gerne auf ihrem Weg begleitet.
Eine klare Empfehlung meinerseits.

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Rezensionen von yellowdog:

18 Erzählungen

So viele Hähne, so nah beim Haus von Maarten 't Hart

Mit so viele Hähne, so nah am Haus hat der niederländische Schriftsteller Maarten ´t Hart einen Erzählungsband vorgelegt. Ein autobiografischer Gehalt ist offensichtlich.

Verschmitzte Ironie ist ein Markenzeichen des Autors, die in manchen der Erzählungen gut zum tragen kommt. So bedeutend wie mancher Roman sind sie meiner Einschätzung nach nicht, aber einiges ist amüsant und für seine treue Lesergemeinschaft sicher ein Leckerbissen.

Überwiegend geht es jedoch gelassen und undramatisch zu.
Klassische Musik spielt öfter eine Rolle, wie sie für den Autor wohl überhaupt wichtig ist.
Ich mochte besonders die Stories um den Hausverkauf und um den Hund bei den Plattenklubabenden sowie die mit der schwedischen Übersetzerin. Außerdem die Kurzgeschichten Speckpfannkuchen und Der Hauptpreis. Auch die Titelgeschichte ist erwähnenswert.

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