Kunden em pfehlungen
Rezensionen von KimVi:
Hier ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint
Mein Herz so schwarz von Blackhurst Jenny
An ihrem Hochzeitsabend stürzt sich die Braut Evie Rousseau-White von einer Klippe in den Tod. Tage später wird ihr Hochzeitskleid gefunden, doch von Evie oder ihrer Leiche fehlt jede Spur. Allerdings gibt es Zeugen, die gesehen haben, dass die Braut tatsächlich sprang. Was hat Evie zu diesem Schritt veranlasst? Gemeinsam mit Richard, dem Bräutigam, versucht Evies beste Freundin Rebecca diese Frage zu beantworten.
Dabei stoßen die beiden auf einige Geheimnisse, die man der bezaubernden Evie gar nicht zugetraut hätte....
Der Einstieg in diesen Psychothriller gelingt mühelos. Denn Jenny Blackhurst verzichtet auf langatmiges Vorgeplänkel. Man befindet sich sofort mitten im Geschehen, da man beobachtet, wie die Braut Evie von der Klippe springt. Das Interesse an der Handlung wird dadurch von Anfang an geweckt. Der Schreibstil ist sehr flüssig und äußerst angenehm lesbar. Man kann sich die beschriebenen Szenen problemlos vorstellen und deshalb ganz darauf einlassen, das Rätsel um Evies Sprung zu lösen.
Das Geschehen wird aus wechselnden Perspektiven betrachtet, wobei die Autorin auch unterschiedliche Zeiten verwendet, um die Hintergründe des Sprungs zu durchleuchten. Da diese Wechsel aber immer ausreichend gekennzeichnet sind, fällt es leicht, den Überblick zu behalten. Man bekommt nach und nach Einblicke in Evies Kindheit und verfolgt den Verlauf der Freundschaft zwischen Evie und Rebecca. Der Verlust ihrer besten Freundin scheint Rebecca zutiefst getroffen zu haben. Doch schon bald schleicht sich beim Lesen das Gefühl ein, dass sie viel mehr weiß als alle anderen und dass es tatsächlich sein könnte, dass Rebecca genau über Evies Vorhaben informiert war. Doch andererseits scheint sie aufrichtig bestürzt über die Nachrichten zu sein, die ihr jemand zukommen lässt. Dadurch baut sich bereits früh eine unterschwellige Spannung auf. Man möchte unbedingt mehr über die Zusammenhänge erfahren und beginnt selbst mitzurätseln. Dabei kann man nicht einschätzen, wem man glauben oder vertrauen kann. Denn es kommen unerwartete Geheimnisse ans Tageslicht. Durch geschickte Wechsel der Perspektiven, die häufig an entscheidenden Stellen einsetzen, gerät man unwillkürlich in den Sog der Handlung und mag das Buch deshalb kaum noch aus der Hand legen. Gerade zum Ende hin, steigt die Spannung enorm an, wobei der Psychothriller mit einem überraschenden Finale punkten kann.
Ich habe mich beim Lesen dieses Psychothrillers ausgesprochen gut unterhalten, da ich bis zum Schluss miträtseln konnte und dann noch von einer Wendung überrascht wurde, mit der ich nicht gerechnet hatte.
Rezensionen von Harakiri:
rührend
Das Zimmer der Wunder von Sandrel Julien
Das Leben kann sich von einem Moment auf den anderen ändern. Das erfährt Thelma, als ihr Sohn Louis einen Verkehrsunfall hat und im Koma liegt. Es besteht wenig Hoffnung, aber Thelma ist fest überzeugt, dass Louis wieder aufwacht, wenn sie seine heimlichen Wünsche erfüllt. Und die haben es teilweise wirklich in sich!
Ich habe mit Thelma gelacht, geweint, gebangt und gehofft! Julien Sandel transportiert die ganze Gefühlspalette in dem Buch und fesselt den Leser an die Seiten.
Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen. Die Erlebnisse von Thelma, als sie Louis‘ Liste abarbeitet sind herrlich. Die Reise würde ich am liebsten gleich nachmachen. Allerdings war die Sache mit dem Konzert und die mit Matthew ein wenig zu kurz und der Zufall mit Edgar und Lia war mir zu groß. Immerhin spielt das Buch in Paris, was einen weiteren Zauber ausmacht.
Zwischendurch kommt auch Louis zu Wort, der alles hört, sich aber nicht bemerkbar machen kann. Man weiß ja nicht, ob das stimmt, aber man wünscht es sich, dass der Kranke die Anwesenheit der Lieben mitbekommt. Auch seine Kommentare über Thelma sind herrlich und man merkt seine Liebe zu ihr, obwohl sie sich selbst oft als schlechte Mutter bezeichnet.
Fazit: Ein schönes Sommerbuch mit ernstem Unterton, aber locker geschrieben und teilweise zu Tränen rührend.
Rezensionen von yellowdog:
Allein im Marschland
Der Gesang der Flusskrebse von Owens Delia
Wie schon der Titel vermuten lässt, ist Der Gesang der Flußkrebse ein poetisches Buch, dass sensibel und atmosphärisch von einem Mädchen im Marschland der USA erzählt, das mit Jahren von der Mutter und den älteren Geschwistern verlassen wird. Nur der gewalttätige, versoffene Vater bleibt zunächst noch.
Und bald muss Kya ganz alleine klar kommen.
Die Handlung spielt sich in den fünfziger bis sechziger Jahren ab.
Einsamkeit und Sehnsucht sind die treibenden Kräfte, aber auch Lebenskraft und naturverbundenheit. Es ist besonders am Anfang sehr detailliert, daher lebt man als Leser dicht an der Seite des einsamen Mädchens und erlebt ihre Entwicklung mit.
Die Naturbeschreibungen an der Küste North Carolina sind unglaublich stark.
Delia Owens erzählt ruhig und getragen, aber auch kraftvoll.
Der mysteriöse Tod eines jungen Mannes 1969 gibt dem Buch einen leichten Krimitouch. Eigentlich erstaunlich, aber tatsächlich gibt das dem restliche Plot einen Kontrast.
Die Handlung mündet schließlich in ein Gerichtsdrama.
Sprecherin Luise Helm liest das Hörbuch empathisch.
Ein Buch, dass man sicher nicht so schnell vergisst!
Rezensionen von Tara:
Skurril, aber unterhaltsam
Letzte Rettung: Paris von Patrick deWitt
"Letzte Rettung: Paris“ ist ein total verrückter und unterhaltsamer Roman des kanadischen Autors von Patrick deWitt.
Die bisher an Luxus gewöhnte Witwe Frances Price ist pleite. Bisher hat sie mit ihrem Sohn Malcolm und ihrem Kater „Kleiner Frank“ im wohlhabenden Teil New Yorks gelebt, aber inzwischen ist das Vermögen ihres Mannes aufgebraucht.
Es bleibt ihr keine andere Möglichkeit als nach Paris zu gehen und dort das Angebot ihrer Freundin Joan anzunehmen und in ihre Wohnung zu ziehen. Malcom und „Kleiner Frank“ – in dem sie die Reinkarnation ihres verstorbenen Mannes sieht – sind natürlich dabei.
Während Frances und Malcolm in der Vergangenheit durch ihre unangepasste Art und Weise nur wenige Sympathiepunkte sammeln konnten, ändert sich in Paris so einiges….
Die Protagonisten sind einfach skurril, haben aber gleichzeitig auch eine sehr liebenswerte Seite an sich.
Der Schreibstil des Autors ist amüsant und ihm gelingt es auch die tragischen Seiten so zu verpacken, dass man dabei schmunzeln muss. Die Idee hinter diesem ungewöhnlichen Roman hat mir gut gefallen und mich wundert es keineswegs, dass er sich in den USA zum Überraschungserfolg gemausert hat. Ich war nämlich auch überrascht und habe mich über die ungewöhnlichen Einfälle bestens amüsiert.
Wer abgedrehten Lesestoff mag, liegt hiermit genau richtig.
Rezensionen von Tara:
Sachlich & klar
Klartext: Impfen! - Ein Aufklärungsbuch zum Schutz unserer Gesundheit von Schmitz Dr. Thomas; Siebert Sven
Das Thema „Impfen“ wurde bei uns in der Familie immer wieder kontrovers diskutiert und ich muss zugeben, dass ich jedes Mal wieder ein wenig verunsichert war, was denn nun der richtige Weg ist.
Mit dem Buch „Klartext: Impfen!" machen der Kinderarzt Dr. Thomas Schmitz und der Journalist und Biologe Sven Siebert ihren Standpunkt deutlich und hinterlegen diesen mit schlüssigen Argumenten und Fakten.
Zuerst erläutern die Autoren woher die Skepsis gegenüber dem Thema kommt und dass hierbei Vorurteile und Halbwahrheiten eine große Rolle spielen. Natürlich „schreien“ immer die am lautesten, die schlechte Erfahrungen gemacht haben und es wird schnell übersehen, dass der Anteil derer verschwindend gering ist. Es wird deutlich wie wichtig es ist Risiko und Nutzen zu betrachten und zu berücksichtigen. Die Autoren verschweigen die Nebenwirkungen nicht, aber sie machen deutlich wie wichtig ist abzuwägen.
Neben den historischen Hintergründen zum Thema Impfen fand ich auch die verschiedenen Arten der Impfungen und wie diese funktionieren äußerst interessant.
Das Buch ist informativ, sachlich, verständlich und dabei gleichzeitig auch unterhaltsam geschrieben, so dass es sich angenehm lesen lässt.
Dieses Mal möchte ich auch keine Leseempfehlung aussprechen. Vielmehr möchte ich darum bitten, das Buch zu lesen, da die Informationen einfach wichtig und für jeden relevant sind.
Rezensionen von Furbaby_Mom:
Leider kein Lesevergnügen – verworren und ohne jeglichen Tiefgang
Die Frauen der Rosenvilla von Teresa Simon
Als Fan historischer Frauenromane hatte ich mir so viel mehr erwartet von diesem leider enttäuschend ausfallenden Werk. Ich habe mich tapfer bis zum Ende des Romans durchgequält in dem Versuch, die mehreren Erzählebenen (drei verschiedene davon in Form von Tagebucheinträgen) sinnvoll miteinander zu verknüpfen, um Sinn aus dem Ganzen zu machen.
Mit der Renovierung der alten Rosenvilla erfüllt die junge Anna Kepler sich einen Traum: das einstige Familienanwesen soll wieder so prunkvoll werden, wie es einmal war. Zwar steht der dazugehörige Garten noch längst nicht wieder in voller Blüte, aber bald schon werden hier wunderschöne Rosen blühen. Wirklich viel weiß Anna im Grunde nicht über ihre Familiengeschichte; ihr geliebter Großvater ist längst verstorben und ihre Eltern sind nicht gerade gut auf ihn zu sprechen. Aus dem Grund für ihr ablehnendes Verhalten machen sie allerdings ein riesiges Geheimnis; ab und zu werden ominöse Andeutungen gemacht, doch viel öfter stößt Anna auf eine Mauer des Schweigens. Gerade als sie sich mit der Situation abfinden möchte und sich mit Feuereifer in die Eröffnung ihrer zweiten Chocolaterie in der Dresdner Altstadt stürzt, macht Anna auf dem Grundstück der Villa eine ungeheure Entdeckung, die ihr Leben auf den Kopf stellen wird. - In einer eisernen Schatulle findet sie ein Sammelsurium einzelner Schriftstücke: Briefe, Tagebucheinträge sowie diverse andere Habseligkeiten von drei Frauen, die einst in der Rosenvilla gelebt haben. Noch ahnt Anna nicht, welch dramatische Ereignisse ihre Familie geprägt haben und wie eng das Schicksal von Helene, Emma und Lotte mit ihrem eigenen Leben verknüpft ist...
Leider bin ich mit der weiblichen Hauptfigur der Gegenwart überhaupt nicht warmgeworden. Es kam mir irgendwie so vor, als wäre Anna in dem Wirrwarr der Geschichte komplett untergegangen - als wäre ihre Figur nur geschaffen worden, um eben mal 'irgendjemanden' aus dem Hier und Jetzt zu haben, der die alten Notizen liest und interpretiert; noch schnell eine alte Liebelei hier und ein neuer Flirt da angedichtet, fertig. Der Schreibstil ist durchaus klar und flüssig und mit etwas mehr Tiefgang hätte Anna gewiss zu einer sympathischeren Protagonistin ausgearbeitet werden können bzw. zu einer Figur, mit der man mitfiebert. So bleibt sie für mich nur eine Randfigur, deren Schicksal einem relativ egal ist.
Durch den permanenten Wechsel zwischen den verschiedenen Zeitebenen und Verfasserinnen der Briefe, musste ich höllisch aufpassen, in welcher Epoche ich mich gerade befinde und bei wem. Zwar gab es stets eine Überschrift mit dem jeweiligen Datum, aber es ging so beherzt durcheinander, dass ich bis kurz vor knapp nicht sicher war, wer nun mit wem in welchem Verwandtschaftsverhältnis steht und welche Auswirkung das auf die Gegenwartsperspektive haben könnte. Alles in allem recht müßig und langatmig, unübersichtlich und emotionslos; selbst die eigentlich anrührenden alten Tagebucheinträge wirkten eher aufgesetzt und im wahrsten Sinne herausgerissen.
Insgesamt wäre in diesem Werk weniger mehr gewesen. Die Themen Schokoladen- bzw. Pralinenherstellung, Krieg, Judenverfolgung, Rosenzucht, Betrug, Mord, Herzschmerz, Familiengeheimisse etc. hätten auch in geringerem Ausmaß verpackt werden können, z.B. um den Figuren mehr Raum zur Entfaltung zu ermöglichen.
Als häufige Besucherin der Elbmetropole hatte ich mir etwas Dresden-Flair erhofft, was jedoch komplett fehlte – abgesehen von ein paar Namensnennungen (und noch seltenerer Einbindung von Dialekt) hätte der Roman auch in jeder anderen Stadt spielen können. Lokalkolorit gleich null, schade! Das Ende, die langerwartete Auflösung des Familiendramas, kam ziemlich unspektakulär und halbherzig daher.
Das in zarten Farben gehaltene Cover finde ich traumhaft schön und überaus gelungen; passend gestaltet für einen historischen Roman. Lobenswert sind auch das informative Nachwort zum historischen Hintergrund des Romans sowie die inkludierten Pralinenrezepte. Ein Personenregister zu Beginn des Werkes wäre sehr hilfreich gewesen.
Fazit: Eine interessante Idee, leider mangelhaft umgesetzt. Zu viele Figuren, zu denen man keine Beziehung aufbaut und eine Handlung, die lau vor sich hindümpelt.
Rezensionen von christina.hirschberger@gmail.com:
Glasklare Leseempfehlung
Schneewittchensarg von Roman Voosen; Kerstin Signe Danielsson
> Handlung
Die Glashüttenbetreiber-Familie Gustavsson stellt ihr Lebenswerk in einer Ausstellung dar. Darunter einige interessante Glasobjekte, wie auch der sogenannte „Schneewittchensarg“. Doch genau bei diesem Kunststück gibt es eine böse Überraschung für den Inhaber des Familienunternehmens: Die Leiche seiner Frau liegt darin.
Diese ist vor 50 Jahren am Tag ihrer eigenen Hochzeit auf rätselhafte Weise verschwunden. Ihr Verschwinden konnte nie geklärt werden.
So tauchen die Ermittlerinnen Nyström und Forss mit dem ganzen Team in die Welt der Glashütten und ein und stoßen auf einen weiteren grauenhaften Cold Case.
> Charaktere
Wer die Reihe kennt und schätzt, freut sich, dass auch hier wieder das Privatleben der Protagonisten einiges zu bieten hat. Während Nyström hart mit einer Entscheidung ihres Mannes zu kämpfen hat und noch dazu immer noch nicht über den tragischen Tod der Schwiegertochter hinweg gekommen ist, schwebt Forss wohl in einer ganz anderen Gefahr.
Wie auch bei den Vorgängerbänden fiebert man genauso mit den einzelnen Charakteren mit, wie man auch auf den Ausgang des Krimis gespannt ist.
> Leseerfahrung
Ich habe mich so auf diesen Folgeband gefreut und wurde nicht enttäuscht. Innerhalb weniger Tage habe ich das Buch verschlungen und warte nun schon sehnsüchtig auf die Fortsetzung, auf die der Cliffhanger am Ende des Buches hoffen lässt.
> Fazit
Glasklare Leseempfehlung für Kenner der Vorgängerbände. (Wer diese noch nicht kennt: unbedingt lesen!)
> Eckdaten
Titel: Schneewittchensarg
Autor: Voosen / Danielsson
Verlag: KiWi (Kiepenheuer & Witsch)
ISBN: 978-3-462-05247-3
Seiten: 496
Preis: 12,40 €
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Literarische Abrechnung mit Kleingeistern
Hippocampus von Gertraud Klemm
Helene Schulze ist tot. Helene Wer? Helene Schulze, jene in Vergessenheit geratene feministische Autorin, die mit ihren Werken viele Menschen vor den Kopf gestoßen hat und ihre Karriere zu Gunsten der Familie geopfert hat. Nun, posthum wird sie als Kandidatin für den Deutschen Buchpreis gehandelt. Dafür soll ihre Freundin Elvira Katzenschlager den Nachlass sortieren und ein Interview geben.
Doch das gerät zu einer Farce, in der es weder um das Werk selbst noch um die verstorbene Künstlerin, sondern um das Absatz fördernde Marketing geht. Ob der Leichenfledderei wütend, bricht Elvira das Interview ab und besinnt sich auf ihre Vergangenheit, als feministische Provokateurin.
Gemeinsam mit dem viel jüngeren Kameramann Adrian begibt sie sich im Campingbus auf eine Reise durch Helenes Leben. Schritt für Schritt will Elvira die Biografie Helenes an markanten Punkten zurecht und ins Licht rücken. Was anfangs originell wirkt, artet langsam in kriminelle Sachbeschädigung aus. So werden zu Beginn der „Mission“ Statuen von Helden und Heiligen verkleidet. Wenige Wochen später werden Preisverleihungen durch Elviras Auftritt gestört. Alles fein säuberlich durch Fotos bzw. Videoaufnahmen dokumentiert. Obwohl Elvira eine Signatur hinterlässt, nämlich die Zeichnung eines „Hippocampus“, des Seepferdchens, jener Tierart, bei der die Männchen die Brutpflege übernehmen, sehen weder Polizei noch Medien, die Zusammenhänge.
Meine Meinung:
Dieser Roman ist nicht einfach zu lesen. Man muss sich zur Gänze auf die sprachlich anspruchsvolle Geschichte einlassen.
Schonungslos zeigt die Autorin die bigotte Welt u.a. in der Literaturbranche auf. Sie weist eindringlich darauf hin, dass feministisches Engagement nach wie vor dringend notwendig ist.
So sind nach einer Ende 2015 präsentierten Erhebung für einen Genderatlas zufolge nur 356 von 4269 nach Personen benannten Wiener Verkehrsflächen nach Frauen benannt (Stand 2015). In Neubaugebieten, wie in der Seestadt Aspern werden nun ganze Viertel nach Frauen benannt.
Oder: Das Thema „Frauenpolitik“ war der Regierung Kurz/Strache gerade einmal zwei Seiten, des ohnehin dünnen Regierungsprogrammes wert. Vieles, was heute lebenden Frauen und Mädchen als selbstverständlich erscheint, musste in den 1970er Jahren mühsam und hart erkämpft werden. Doch einiges davon ist in Gefahr, wieder zu Gunsten eines (erz)konservativen Weltbildes, in der Versenkung zu verschwinden.
Nach wie vor herrschen leider Bigotterie und Sexismus vor, gegen die Klemm ihre Protagonisten quasi Sturm laufen lässt.
Gertraud Klemm legt mit diesem Roman den Finger dorthin, wo es weh tut. Sie zeigt auf, wie schief die Optik bezüglich Wahrnehmung und Sichtbarkeit von Frauen tatsächlich ist. Als Beispiel dient ihr die Literaturszene.
Fazit:
Kein einfacher, aber notwendiger Roman, bei dem Gertraud Klemm ihren Finger dorthin legt, wo es weht tut. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.
Rezensionen von Ele:
Gemeinsam sind wir stark
Im Freibad von Libby Page
Im Freibad, Roman von Libby Page, 380 Seiten, erschienen im Ullstein Verlag.
Zwei Frauen retten ein Freibad und gleichzeitig einander.
Rosemary Peterson ist 86 Jahre alt und verwitwet. Die glücklichsten Erinnerungen hat sie an George, ihren verstorbenen Mann, sie denkt auch zurück an ihre Kindheit ihre Arbeit in der Bibliothek.
Nie ist sie aus Brixton herausgekommen, sie hat dort aber viele Freunde und Bekannte. Es verbindet sie alle das örtliche Freibad. Viele wichtige Ereignisse in ihrem Leben sind mit diesem Freibad verbunden. Nun soll das Bad verkauft und zu einem Tennisplatz umgebaut werden. Kurzerhand beschließt sie, etwas dagegen zu unternehmen. Die junge Redakteurin Kate Matthews soll für das Lokalblatt Brixton Chronicle, über die Schließung des Schwimmbades berichten. Kate wohnt noch nicht lange in London, die schüchterne junge Frau hat dort keinen Anschluss gefunden, sie ist sehr einsam und leidet unter Panikattacken. Schnell werden die beiden Freundinnen und beschließen gemeinsam, das Bad zu retten, ist es doch der Mittelpunkt der Nachbarschaft.
Das Buch teilt sich in 68 kurze Kapitel, lebhafte Dialoge, bildhafte Beschreibungen des Settings und auch die handelnden Charaktere sind hervorragend geschildert, so ist es ein Leichtes sofort in Lesefluss zu kommen. Die Artikel im Lokalblatt sind eingerahmt und mit einer großen Schlagzeile versehen, somit deutlich hervorgehoben. Die Autorin bedient sich der auktorialen Erzählweise, die Kapitel sind aus der Sicht der jeweiligen handelnden Person beschrieben. Kate, die von ihrer Schulzeit und Jugend erzählt, von ihren Panikattacken und von einer vergangenen Liebe. Abwechselnd mit Rosemary, aus ihrer Sicht erfährt der Leser die wunderbare Liebesgeschichte von ihr und George und deren glückliche Ehe. Libby Page ist es bestens gelungen großartige Gefühle, Romantik, Einsamkeit und Traurigkeit zu beschreiben, stets habe ich mit den beiden „Hauptdarstellerinnen“ geweint gelacht und mitgefühlt. Ein sehr einfühlsames und emotionales Buch, welches mich bestens unterhalten hat. Viele interessante Charaktere hat die Autorin hier erschaffen. Geoff, Jermaine und Frank, Hope, Jay und auch Ahmed. Sie alle habe ich liebgewonnen und am Ende konnte ich sie nur schwer gehen lassen. Die Freundschaft der beiden ungleichen Frauen wird mir unvergesslich bleiben, es ist schwer zu sagen, wer aus dieser Freundschaft mehr profitiert hat. Rosemary die einsam war und in der Vergangenheit lebte, sie hat wieder eine Aufgabe für die es sich zu kämpfen lohnt. Oder Kate die eine neue Liebe, Selbstbewusstsein, Mut und neue Freunde gefunden hat. Vor allem Kate war meine Lieblingsfigur, sie hat von allen Charakteren die größte Entwicklung gemacht. Dieses Buch beschreibt ruhig, aber sehr emotional was geschehen kann, wenn Menschen zusammen halten und nicht aufgeben, wie wichtig gute Nachbarschaft und Freunde sind und, dass es sich lohnt für etwas zu kämpfen, was einem am Herzen liegt. Das Ende war vorherzusehen, hat mich aber trotzdem überrascht. Libby Page hat in ihrem Werk so schöne Worte gefunden. Einige Sätze haben sich mir eingeprägt, z.B. auf S. 120: „Ein kleines Leben war groß genug für sie, wenn es George beinhaltete.“ oder auf S. 117 „Es ist so schwer, irgendetwas zu bemerken, wenn man immer zu Boden blickt“. Ein tiefgründiger Roman, eine Leseempfehlung von mir und 5 verdiente Sterne.
Rezensionen von Ele:
Gemeinsam sind wir stark
Im Freibad von Libby Page
Im Freibad, Roman von Libby Page, 380 Seiten, erschienen im Ullstein Verlag.
Zwei Frauen retten ein Freibad und gleichzeitig einander.
Rosemary Peterson ist 86 Jahre alt und verwitwet. Die glücklichsten Erinnerungen hat sie an George, ihren verstorbenen Mann, sie denkt auch zurück an ihre Kindheit ihre Arbeit in der Bibliothek.
Nie ist sie aus Brixton herausgekommen, sie hat dort aber viele Freunde und Bekannte. Es verbindet sie alle das örtliche Freibad. Viele wichtige Ereignisse in ihrem Leben sind mit diesem Freibad verbunden. Nun soll das Bad verkauft und zu einem Tennisplatz umgebaut werden. Kurzerhand beschließt sie, etwas dagegen zu unternehmen. Die junge Redakteurin Kate Matthews soll für das Lokalblatt Brixton Chronicle, über die Schließung des Schwimmbades berichten. Kate wohnt noch nicht lange in London, die schüchterne junge Frau hat dort keinen Anschluss gefunden, sie ist sehr einsam und leidet unter Panikattacken. Schnell werden die beiden Freundinnen und beschließen gemeinsam, das Bad zu retten, ist es doch der Mittelpunkt der Nachbarschaft.
Das Buch teilt sich in 68 kurze Kapitel, lebhafte Dialoge, bildhafte Beschreibungen des Settings und auch die handelnden Charaktere sind hervorragend geschildert, so ist es ein Leichtes sofort in Lesefluss zu kommen. Die Artikel im Lokalblatt sind eingerahmt und mit einer großen Schlagzeile versehen, somit deutlich hervorgehoben. Die Autorin bedient sich der auktorialen Erzählweise, die Kapitel sind aus der Sicht der jeweiligen handelnden Person beschrieben. Kate, die von ihrer Schulzeit und Jugend erzählt, von ihren Panikattacken und von einer vergangenen Liebe. Abwechselnd mit Rosemary, aus ihrer Sicht erfährt der Leser die wunderbare Liebesgeschichte von ihr und George und deren glückliche Ehe. Libby Page ist es bestens gelungen großartige Gefühle, Romantik, Einsamkeit und Traurigkeit zu beschreiben, stets habe ich mit den beiden „Hauptdarstellerinnen“ geweint gelacht und mitgefühlt. Ein sehr einfühlsames und emotionales Buch, welches mich bestens unterhalten hat. Viele interessante Charaktere hat die Autorin hier erschaffen. Geoff, Jermaine und Frank, Hope, Jay und auch Ahmed. Sie alle habe ich liebgewonnen und am Ende konnte ich sie nur schwer gehen lassen. Die Freundschaft der beiden ungleichen Frauen wird mir unvergesslich bleiben, es ist schwer zu sagen, wer aus dieser Freundschaft mehr profitiert hat. Rosemary die einsam war und in der Vergangenheit lebte, sie hat wieder eine Aufgabe für die es sich zu kämpfen lohnt. Oder Kate die eine neue Liebe, Selbstbewusstsein, Mut und neue Freunde gefunden hat. Vor allem Kate war meine Lieblingsfigur, sie hat von allen Charakteren die größte Entwicklung gemacht. Dieses Buch beschreibt ruhig, aber sehr emotional was geschehen kann, wenn Menschen zusammen halten und nicht aufgeben, wie wichtig gute Nachbarschaft und Freunde sind und, dass es sich lohnt für etwas zu kämpfen, was einem am Herzen liegt. Das Ende war vorherzusehen, hat mich aber trotzdem überrascht. Libby Page hat in ihrem Werk so schöne Worte gefunden. Einige Sätze haben sich mir eingeprägt, z.B. auf S. 120: „Ein kleines Leben war groß genug für sie, wenn es George beinhaltete.“ oder auf S. 117 „Es ist so schwer, irgendetwas zu bemerken, wenn man immer zu Boden blickt“. Ein tiefgründiger Roman, eine Leseempfehlung von mir und 5 verdiente Sterne.










