Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von maus1@onlinehome.de:

der zweite Fall für Jackson Lamb

Dead Lions von Mick Herron

Ich habe den ersten Fall der Slow Horses gelesen und fand den Krimi wirklich klasse. Vor allem haben mich die Protagonisten überzeugt, sowie der Schreibstil. Der zweite Teil steht dem ersten in nichts nach.

Die Slow Horses, ein Haufen ausgemusterter Agenten, die sich erlaubt haben Fehler zu machen, wurden ins Slough House versetzt.

Strafversetzt, wohlgemerkt. Nur zu gern würde ein jeder von ihnen sich profilieren um dem Slough House zu entfliehen und den aktiven Dienst wieder aufnehmen zu können. Ein ehemaliger Spion und Kollege Lambs wird tot aufgefunden, Lamb glaubt nicht dass er eines natürlichen Todes gestorben ist und startet Ermittlungen. Währenddessen müssen zwei Slow Horses einen russischer Oligarchen beschützen, der als Informant für den Geheimdienst fungieren soll.

Ein Krimi, genau wie ich es mag, mit starken Charakteren die nicht von der Stange sind. Jackson Lamb ist schon etwas besonderes mit seiner zynischen Art, aber genau das reizt mich an der Reihe. Lamb und seine Männer lassen sich nicht unterkriegen, sie haben mehr zu bieten, als man ahnt. Die Schreibweise mit den lockeren, teils sarkastischen Dialogen macht einfach Spaß zu lesen, es gibt mehrere Handlungsstränge, die am Ende logisch verknüpft werden. Ich habe den ersten Teil zwar gelesen, aber der Fall sollte sich problemlos auch ohne Vorkenntnisse lesen lassen. Für Fans von Spionagekrimis wärmstens zu empfehlen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von maus1@onlinehome.de

Rezensionen von maus1@onlinehome.de:

super Reihenabschluss

Geblendet - Thriller (Jenny Aaron 3) von Andreas Pflüger

"Geblendet" ist der dritte und letzte Teil der Reihe um die die blinde Elitepolizistin Jenny Aaron. Ich habe die beiden vorigen Teile gelesen und denke es ist auf jeden Falls sinnvoll, sie gelesen zu haben, ansonsten könnten wichtige Infos fehlen. Das Cover passt perfekt zu den anderen Covern, was mir persönlich sehr gut gefällt, so sieht man auf den ersten Blick dass es sich um eine Reihe handelt.

In diesem Teil erfährt man viel über Jenny Aarons Kindheit, man lernt sie verstehen. Es wird klar, was dazu geführt hat, dass sie so geworden ist. Ich finde, sie ist als Figur sehr gut angelegt, sie ist eine clever Kämpferin, die meine volle Sympathie hat. Die Kapitel wechseln ab, Gegenwart, Vergangenheit, dadurch zieht sich eine Grundspannung durch die Story. Der Scheibstil ist wie gewohnt in kurzen, aussagkräftigen Sätzen gehalten und liest sich wunderbar flüssig. Im Vergleich zu den anderen beiden Teilen ist die Spannung nicht ganz so hoch, dafür legt die Story ein hohes Tempo vor. Würdiger Abschluss der Reihe mit einer wirklichen Ausnahmeprotagonistin.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von maus1@onlinehome.de

Rezensionen von Sago:

Dämonenrauch

Kingdoms of Smoke - Die Verschwörung von Brigant von Sally Green

Mit ihrer Idee um den Dämonenrauch hat mich die Autorin wirklich begeistert. Es handelt sich hier um den ersten Teil einer Serie. Ich hoffe wirklich, dass die Folgebände auch auf Deutsch erscheinen und es Kingdom of Smoke nicht ergeht wie der hervorragenden Half Bad-Serie, ebenfalls von Sally Green.

Denn hier erschien bisher nur der erste Teil auf Deutsch, etwas, was sich Verlage wirklich einmal abgewöhnen sollten!

Brigant, Calidor und Pitoria sind drei Reiche, die zum Teil im Zwist miteinander liegen. Eine Ehe zwischen Catherine von Brigant und Print Tzsayn von Pitoria soll nun Frieden stiften. Für Catherine könnte diese Ehe durchaus Vorteile bieten, denn in Pitoria führen Frauen ein viel freieres Leben. Wäre da nicht ihre Zuneigung zu ihrem Leibgardisten Ambrose, die dieser durchaus erwidert. Weitere Protagonisten sind Tash, eine junge Dämonenjägerin, sowie Edyon, ein Dieb rätselhafter Herkunft, und March, letzter Abkömmling eines ausgerotteten Volkes. Sie alle verfolgen ihre eigenen Motive und werden nach und nach in eine wirklich gewaltige Verschwörung verwickelt, in der der Dämonenrauch eine große Rolle spielt. Tash spielt den Lockvogel, um die gefährlichen Dämonen zu erlegen. Ihre entweichende Seele lässt sich wegen der berauschenden Wirkung teuer verkaufen. Doch dieser Rauch kann insgeheim noch viel mehr...

Vor allem über die Dämonen hätte ich gern noch viel mehr gelesen, daher warte ich nun ungeduldig auf den zweiten Teil. Erst ziemlich gegen Ende des Buches vereinen sich die Handlungsstränge der Protagonisten, von denen mich jeder zu fesseln vermochte. Auch die ganze Ausstattung des Buches hat mir hervorragend gefallen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Sago

Rezensionen von Sago:

Auge um Auge

The Black Coats - ... denn wir vergeben keine Schuld von Colleen Oakes

Auch wenn es sich hier um ein Jugendbuch handelt, sollte dem Leser klar sein, dass es darin in Sachen Gewalt und Rache nicht gerade feinfühlig von statten geht. Bei den Black Coats handelt es sich um einen geheimen Bund, der es sich auf die Fahnen geschrieben hat, die Gewalt, die Mädchen erfahren haben, zu rächen und zum Teil mit gleicher Münze zurückzuzahlen.

Die junge Thea wird nach dem Tod ihrer Cousine von den Black Coats angeworben. Besonders ist hier, dass die Black Coats selbst weiblich sind. Wie weit Rache und Gerechtigkeit auseinander liegen können und ob Selbstjustiz wirklich weiterhilft, mit diesen moralischen Fragen muss sich Thea bald auseinandersetzen. Denn auch hier Freund Drew gerät ins Visier der Black Coats…

Mit den Black Coats, ihren Aufnahmeritualen und dem Ordenshaus hat die Autorin ein faszinierendes Setting erschaffen, auf dessen Grundlage sich die Spannung kontinuierlich steigert. Trotzdem wurde mir vor dem Hintergrund der ernsten, fast philosophischen Fragen, manches einfach zu schnell abgehandelt. Das Ende hat es geschafft, mich zu überraschen. Dennoch hätte ich mir so manches Mal noch etwas mehr Tiefe gewünscht, auch bei der Charakterzeichnung.

Das Cover wurde nach meinem Geschmack etwas zu monochrom gestaltet. Das Buch würde mir in der Buchhandlung nicht ins Auge fallen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Sago

Rezensionen von Furbaby_Mom:

Solide!

Die Charité: Aufbruch und Entscheidung von Ulrike Schweikert

Aufgrund einer vielversprechenden Leseprobe, in der man sowohl die Hauptfiguren dieses in Berlin angesiedelten Romans als auch den Haupthandlungsort (- die königliche Charité -) kennenlernt, wagte ich mich an den Folgeband dieser Buchreihe heran, obwohl mir der erste Teil noch unbekannt war. Mein Eindruck hatte mich nicht getäuscht und dieses inhaltlich in sich geschlossene Werk kann durchaus ohne Kenntnis des Vorgängerbandes gelesen werden.

Eine Frau, die als Ärztin praktiziert - das ist kurz nach Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland noch eine Seltenheit. "Inzwischen hatte der Bundesrat beschlossen, auch in Deutschland Frauen zum medizinischen Staatsexamen zuzulassen, doch die einzelnen Länder ließen sich Zeit, die Vorgabe umzusetzen. Allen voran Berlin, das seine Universitätstüren für Frauen noch immer nicht geöffnet hatte." Als die ambitionierte, in Zürich ausgebildete junge Dr. Rahel Hirsch im Jahre 1903 in Berlin eintrifft, schlägt ihr das Herz bis zum Hals – sie wird ihre erste Stelle als Ärztin antreten! Dank ihres Großvaters, der ein bekannter Rabbiner gewesen war und die fortschrittliche Meinung vertreten hatte, dass Frauen in sämtlichen Aspekten des Lebens, auch dem Berufsleben, Gleichberechtigung gebührt, war ihr zunächst die Ausbildung zur Lehrerin und später im medizinischen Bereich ermöglicht worden. Damit hat Rahel eine mehr als privilegierte Position im Vergleich zu ihren Zeitgenossinnen, deren Alltag, sofern sie sich nicht reich verheiraten können, aus knochenharter Arbeit besteht, natürlich für lediglich einen Hungerlohn. Ein Beispiel für dieses andere Frauenschicksal ist die junge Barbara, die in der Hoffnung auf Arbeit vom Land in die Großstadt gezogen war und nun bei ihrer Tante Marlene lebt. Nur mit viel Glück gelingt es ihr, eine Anstellung in der Wäscherei der Charité zu ergattern. Dr. Hirsch und Barbara könnten unterschiedlicher nicht sein, doch durch eine schicksalhafte Begegnung kreuzen sich ihre Wege. Bald schon zeigt sich, wie wichtig ihre gemeinsame Freundschaft für jede von ihnen werden wird.

Die Autorin hat für dieses Werk eine meisterhafte Recherchearbeit geleistet (- was auch anhand von authentischen Dialogen und fachspezifischen medizinischen Begriffen deutlich wird -) und viele reale geschichtliche Ereignisse und Figuren in den Roman eingebunden, angereichert durch einen Hauch Fiktion. Nach der auf die weiblichen Hauptfiguren fokussierten Einleitung hatte ich erwartet, dass auch im Laufe der Lektüre deren persönliches Schicksal im Vordergrund stehen würde. Zwar sind sowohl Rahel als auch Barbara Dreh- und Angelpunkt der Story, aber aufgrund des allgemein gehaltenen Schreibstils und des massiven Umfangs der (realen) Hintergrundinformationen wirken sie auf mich eher wie Randfiguren und ich konnte mit keiner von ihnen warmwerden. Ein Beispiel dafür ist die Bindung zwischen Rahel und ihrer Schwester Theresa, die mittels häufigen Briefkontakts als besonders innig dargestellt wird, allerdings für meinen Geschmack zu dünn und unglaubwürdig ausgearbeitet worden ist, um zu überzeugen. Auch Rahels Liebesbeziehung zum Piloten Michael hat mich nicht berühren können. Sehr sympathisch und bedeutend tiefgründiger erschien mir hingegen die Darstellung von Rahels Kollegen Dr. Brugsch.

Mir kam es ehrlich gesagt so vor, als würde ich ein sachliches Geschichts(-lehr-)buch lesen, in das ein paar Beispielcharaktere zum besseren Verständnis eingestreut worden waren. Auch die ungewöhnlich großen Zeitsprünge erschweren es, ein Gefühl von Alltag aufkommen zu lassen – oftmals umfasst ein Kapitel gleich ein bis zwei Jahre. Hier hätte es mir besser gefallen, wenn etwas Tempo herausgenommen worden und stattdessen die Erzählung eindringlicher angelegt und eventuell auf einen kürzeren Zeitraum beschränkt worden wäre. (Der abschließende Zeitsprung zwischen 1919 und 1938 hätte beispielsweise als Einleitung für einen Folgeroman mehr Sinn gemacht.)

Wenn man sich zügig darauf einstellt, dass hier kein gefühlsbetonter Roman, sondern eher eine faktische Erzählung vorliegt, ist dies eine wunderbare Quelle des Wissens. Wichtige politische Entwicklungen wie der Kampf um das Frauenwahlrecht oder die Hintergründe des Ersten Weltkriegs, aber auch der Fortschritt in der Medizin und in der Luftfahrt sowie das unterschiedliche Schicksal verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen (das Los von kriegsgefangenen Zwangsarbeitern, das Schicksal der Juden, etc.) finden allesamt Erwähnung. Den größten Schwerpunkt bildet die Rolle der Frau, wozu auch die Nebencharaktere Melli Beese und Asta Nielsen hinzugezogen worden sind. (Auf letztere hätte – aufgrund ihres vergleichsweise kurzen und für die Gesamthandlung unbedeutenden Gastspiels, auch wenn dieses nicht uninteressant war – zugunsten der Tiefgründigkeit der anderen Figuren verzichtet werden können.) Wenn ich dieses Werk mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es 'solide', denn das ist es wahrlich.

Fazit: Ein äußerst gut recherchierter historischer Roman um politische Entwicklungen im Allgemeinen und medizinischen Fortschritt im Speziellen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Furbaby_Mom

Rezensionen von Manfred Fürst:

Achten Sie auf Ihre Smoothies

Neun Fremde von Moriarty Liane

Was für neun Personen ein Wellnessurlaub im Tranquillum House werden sollte, mit den herkömmlichen Wunschvorstellungen, wie abnehmen, relaxen, Sport betreiben (gemäß Cover im Pool schwimmen) und fitter werden, entpuppt sich zunehmend als wahrer Alptraum.
Die neun werden von der Hotelmanagerin Masha, dem medizinischen Assistenten Yao und der Masseuse Delilah begrüßt.

Nach anfänglichen unverdächtigen Aktivitäten und scheinbar auf jeden abgestimmte Essenzubereitung wird ihnen eine 5tägige „erhabene Stille“ verordnet. Diese sollte jeden verbalen und nonverbalen Kontakt zwischen den Teilnehmern verhindern. Masha durch eine Nahtoderfahrung „erleuchtet“ möchte ihren Gästen zu einer psychedelischen Therapie mit transzendenten Erfahrungen verhelfen. Ihren unwissenden Gästen wird dafür ein Smoothie mit LSD-Microdosing serviert. Diese Therapie beginnt im Yoga-Raum, der vorerst von den Gästen unbemerkt, verschlossen wird. Die menschliche Wahrnehmung wird dabei auf eine andere Ebene geführt und jeder von ihnen hat Sinnestäuschungen, die an Halluzinationen grenzen. Das faszinierende an dem Roman sind die Beschreibung der Erlebnisse jedes Einzelnen und die Interaktionen. Unausweichlich entsteht eine Gruppendynamik mit der klaustrophobischen Erkenntnis, eingeschlossen zu sein. Die Dynamik der Handlung steigert sich enorm: Delilah verschwindet, Yao wird von Masha betäubt, Masha, selbst auf einem LSD-Trip wird - von den inzwischen freien Gästen - niedergeschlagen und der Polizei übergeben. Die neun Gäste kehren in ihr altes Leben zurück. Und Masha? Nach ihrer transformativen Erfahrung im Gefängnis ist sie längst wieder im Geschäft zurück.
Der Leser muss sich auf diesen Plot einlassen. Erzähl- und Schreibstil fördern das Lesevergnügen und tragen zur permanenten Spannung bei.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Manfred Fürst

Rezensionen von yellowdog:

bleibt hinter den Erwartungen zurück

Bis ihr sie findet von Gytha Lodge

Eine weitere junge Autorin legt mit „Bis ihr sie findet“ ein Krimidebüt vor. Man hat das Gefühl, die Anzahl an Debüts steigt drastisch und von so einigen, die mit Beifall begleitet gestartet haben, verschwinden wieder in der Versenkung.

Stilistisch wird konventionell erzählt.

Zur Handlung: Ein Kind findet eine 30 Jahre alte Leiche.

Es sind die Überreste eines 14jährigen Mädchens namens Aurora, die damals verschwunden war. Es wird ermittelt.
Die Abschnitte wechseln dann zwischen dem Zeitpunkt der Ermittlungen und dem Ereignis vor 30 Jahren, als eine Gruppe Jugendliche campen waren. Connor, Jojo, Topaz, Coralie, Benners, Brett. Unter ihnen auch Aurora, die jüngste unter ihnen.
Ein junger Englischlehrer campte auch in der Nähe.

Stückchenweise erfährt man mehr davon, was damals vorgefallen war.
Eine bewährte Erzählmethode, die es schon oft gab. Kennt man auch aus creative-writing-Kursen. Nicht sehr originell, aber es funktioniert ein weiteres mal.

Was mir aber fehlte war, dass die Figuren mehr entwickelt werden. Durch die Verhöre erfährt man ein wenig über sie, über Aurora ganz gut in dem Rückblick-Passagen, aber viele Details über die emotionale Lage der Beteiligten gibt es anfangs nicht. Es bleibt das Gefühl, dass die damals Jugendlichen und auch der Inspektor mehr Potential gehabt hätten.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von yellowdog

Rezensionen von *RC*:

Aufkeimende Frauenpower

Amalientöchter von Joan Weng

Eine tolle fiktive Geschichte über eine mutige, willensstarke junge Frau vor dem Hintergrund der Umbruchstimmung während der Weimarer Zeit um 1918/1919
✶ ✶ ✶ ✶ ✶

Klara (19 Jahre) hat gerade ihr Abitur gemacht; die Welt lädt sie ein, ihren eigenen Weg zu gehen. Doch welcher Weg ist der richtige? Oder anders gesagt: Welcher Weg ist IHR Weg?
Klara ist fasziniert von Frauen, die wie die durch die Weltgeschichte reisende Anna Amalia aus der Reihe tanzen und einen 'besonderen, unkonventionellen' Lebensstil führen.

So kommt es ihr gelegen, dass sie ihrem Verlobten, dem Arzt Fritz Faber, vom kleinen beschaulichen Weimar in die pulsierende Großstadt Berlin folgen kann. Es ist für sie ein völlig andere Welt. In Berlin scheinen die Uhren anders zu ticken. Berlin ist aufregend und irgendwie salopper. Mit dieser Lockerheit wird sie, kaum dass sie in Berlin am Anhalter-Bahnhof ankommt, in Gestalt von Kiki konfrontiert, in der Klara sofort eine gute Freundin und 'Lebensberaterin' findet. Kiki ist mit ihrer schnoddrigen und direkten Berliner Schnauze einfach klasse. Man (auch der Leser) muss sie einfach gern haben! Durch Kiki aber auch durch Martha (ein 'Bekannte' von Fritz) wird Klara motiviert, ihr Leben in die Hand zu nehmen und auf eigenen Füßen zu stehen und ihr eigenes Geld zu verdienen, um unabhängig zu sein. Gemeinsam mit Martha beschließt sie, eine Frauenzeitschrift herauszugeben, die sich ausschließlich mit Interessensgebieten von Frauen befasst. Während Klara immer mehr ihre Ideale hinsichtlich der Selbstbestimmung der Frau verfolgt und darin aufgeht, entfernt sich aufgrund der in Berlin herrschenden politischen Unruhen Fritz immer mehr von seinen politischen und sozialen Idealen und will zurück nach Weimar. Klara geht widerwillig mit. Sie ist enttäuscht von Fritz und entfernt sich zudem gefühlsmäßig immer mehr von ihm. In Max, einen weitläufigen Bekannten von Fritz, findet sie einen faszinierenden Freund auf Augenhöhe. Ein weiterer Trost für sie ist allerdings, dass sie für die Zeitschrift auch aus der Ferne Artikel schreiben kann und gleichzeitig auch den Sitzungen der Nationalversammlung (Februar 1919) beiwohnen und von ihnen berichten kann. Als jedoch ein Bericht, der ein 'heikles Thema' beinhaltet in der Frauenzeitschrift erscheint, löst dieser nahezu einen politischen Skandal aus, der die Nationalversammlung zum (Ver)Handeln zwingt, so dass über einen 'wichtigen – insb. Frauen betreffenden - Artikel' der Weimarer Verfassung diskutiert wird.

Allein das etwas verträumt wirkende Titelbild, welches in zarten, ruhigen Farbtönen gestaltet ist, hätte mich nicht zum Buch-Greifen animiert. Die Inhaltsangabe konnte mich aber überzeugen!
Die Autorin hat einen sehr schönen authentischen Roman geschrieben, über eine Zeit, die nun schon 100 Jahre her. Der Schreibstil ist flüssig, so dass man sich schnell in die Geschichte einfinden kann und das Handeln und Denken der Protagonisten nachvollziehen und verstehen kann. (Wobei man aus der heutigen Sicht nicht immer Verständnis haben muss.) Es macht Spaß zu lesen, da die Geschichte von sehr vielen unterschiedlichen Charakteren lebt. Jede(r) wird da schon seinen Liebling finden. Immer wieder finden sich lockere und humorvolle Passagen, die einen zum Schmunzeln bringen. Ebenso schafft Joan Weng es, die widrigen Umstände (Hunger, Armut, Verzweiflung) durch die bildhaften Beschreibungen nahe zu bringen.
Beim Lesen wird einen immer wieder bewusst, auf welche soziale Rolle Frauen („Heimchen am Herd“) in der damaligen Zeit noch festgelegt waren. Aus unserer heutigen Sicht (fast) ein Unding. Gleichzeitig zeigt sie aber, dass es gerade in dieser Nachkriegs-Zeit – eine Zeit des politischen und sozialen Umbruchs – einzelnen Frauen gelungen ist, eigene Wege selbstbewusst und selbstbestimmt zu gehen und das Korsett der Konventionen, aller gesellschaftlicher Missachtung zum Trotz, zu sprengen und konservativ Denkenden die Stirn zu bieten.

Dies war mein erster Roman, den ich von Joan Weng gelesen habe – und eins weiß ich gewiss: Es wird nicht der letzte sein. Und zum Glück gibt es ja eine Menge Romane von ihr, auf die ich schon zurückgreifen kann.
Dieses Buch hat 5 Sterne verdient, da es
a) ein kleiner lockerer Geschichtsunterricht über die Weimarer Zeit ist und
b) einen schönen historischen Liebesroman impliziert, der
c) zudem Mut macht, für seine Ideale, Ziele und Träume zu kämpfen.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von *RC*

Rezensionen von heinoko:

Menschliche Verstrickungen, spannend erzählt

Todesstrom von McTiernan Dervla


Die Autorin ist für mich eine Neuentdeckung. Mit „Todesstrom“ legt sie einen ruhigen Kriminalroman vor - ruhig, aber keine Sekunde langweilig. Im Gegenteil!
Cormac Reilly war erfolgreicher Detective einer Sondereinheit in Dublin, kehrt aber aus Liebe zu Emmy in den normalen Polizeidienst nach Galway zurück.

Dort holen ihn Erinnerungen aus seiner Anfangszeit als blutjunger Polizist ein, als er in einem heruntergekommenen Landhaus zwei völlig vernachlässigte, abgemagerte Kinder vorgefunden hatte. Maude war 15 und Jack 5 Jahre. Im Schlafzimmer lag die Mutter, tot, bereits halbverwest. Man ging von Selbstmord der drogensüchtigen Mutter aus und legte den Fall zu den Akten. Jetzt, 20 Jahre später, hat Reilly erhebliche Probleme mit seinen feindseligen Kollegen. Man bürdet ihm allerlei ungelöste frustrierende Fälle auf. Lediglich mit Danny, den er noch aus der Polizeischule kennt, verbindet ihn eine lose Freundschaft. Als aktuell ein Selbstmord eines jungen Mannes zu bearbeiten ist, der sich als der damals von Reilly aufgefundene 5-jährige Jack erweist, ergeben sich für Cormac Reilly merkwürdige, unerklärliche Verbindungen in die Vergangenheit einerseits, aber auch verworrene Verstrickungen in der Gegenwart andererseits. Nichts, aber auch gar nichts passt zueinander…
Als erstes fiel mir, als ich das Buch in Händen hielt, die seltsame, samtig wirkende Haptik des Einbandes auf. Schön und absolut unempfindlich! Gleichermaßen fiel mir allerdings auch die schlechte Papierqualität auf. Dessen ungeachtet hat mich der Roman von der ersten Seite an gefesselt, und das bis zum Ende 460 Seiten später. McTiernan erzählt in ruhigem Fluss, aber eindringlich, mit lebendigen Interaktionen. Ihre Protagonisten werden in ihrer jeweiligen Individualität so plastisch vorgestellt, dass der Leser schnell Sympathien und Antipathien verteilt, aber immer wieder auch verunsichert wird, ob diese Gefühle richtig sind. Überhaupt wird man so ins Geschehen eingebunden, dass man ähnlich wie Reilly immer wieder ins Grübeln verfällt und doch keine schlüssigen Erklärungen findet, und dies bis zum fulminanten Ende, das schließlich alle losen Erzählfäden schlüssig verknüpft und so alle Unklarheiten einen Sinn im Gesamten finden.
Fazit: Ein ruhiger Kriminalroman über Korruption und menschliche Verstrickungen mit gut ausgearbeiteten Charakteren, düster und sehr, sehr unterhaltsam.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von heinoko

Rezensionen von begine:

Irische Jugend in den 50ern

Die Fünfzehnjährigen von Edna O'Brien


Den Roman „Die fünfzehnjährigen“ hat die irische Schriftstellerin Edna O’Brien schon 1960 geschrieben, sie ist schon 88 Jahre alt.Es ist der erste Teil einer Trilogie.Man kann sich nicht mehr vorstellen, das diese Bücher, damals im katholischen Irland, als zu freizügig, verboten wurde.
Zwei 14jährige Mädchen Kaitlin und Baba stehen in diesem Roman im Mittelpunkt.

In den fünfziger Jahren war das Leben einer Frau, noch ohne Rechte. Bei Kaitlins Eltern, gab es Brutalität und die Angst steht im Vordergrund. Sie bekommt ein Stipendium für
eine Weiterbildung, da stirbt ihre Mutter. Baba und sie kommen in die gleiche Schule.

Die Autorin schreibt die Geschichte einfühlsam und klar. Es ist eine schöne Teenagergeschichte aus den 50er Jahren.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von begine