Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Petra:
Überlebenskampf
Der schwarze Winter von Clara Lindemann
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges setzte die Flucht und Vertreibung großer Teile der deutschsprachigen Bevölkerungsgruppe aus Mittel-und Osteuropa ein. So mussten auch die Schwestern Silke und Rosemarie Bensdorf mit ihrer Familie aus Danzig, wo sie ein gut bürgerliches Leben geführt haben, fliehen.
Der Krieg ist vorbei, doch der Kampf der ungleichen Schwestern geht weiter. Es gelingt ihnen sich bis nach Hamburg durchzuschlagen. Die Stadt, die in der britischen Besatzungszone liegt, erlebt 1945/46 den kältesten Winter des 20. Jahrhunderts, der in die Geschichte als der Hungerwinter einging.
In ihrem Kampf ums Überleben finden sie Freunde, aber auch Feinde. Der Schwarzmarkthandel und auch die Betreibung einer Bar retten sie durch die Zeit.
Clara Lindeman hat in ihrem Roman die Nachkriegszeit gut recherchiert und äußerst anschaulich dargestellt.
Rezensionen von yellowdog:
Auf der Schotterpiste
Löwenherzen von Gesa Neitzel
Gesa aus Berlin und Frank, der in Südafrika geboren ist, reisen gemeinsam durch Teile Afrikas und leiten gelegentlich Safaris. Das Buch schildert entspannt und locker über ihre Erlebnisse,
Gesa schreibt durchaus ehrlich über ihre Erfahrungen in Afrika, dazu gehörte auch, dass sie bei der Prüfung zum Safari-Guide in Afrika durchgefallen war
und dass ihr noch Erfahrungen fehlen.
Ebenso die Begegnung mit auch gefährlichen Tieren wie z.B. einer Schlange und Löwen. Und natürlich Elefanten, Hyänen, Fledermäuse, Flusspferde uva.
Es wird vor allen am Anfang ein wenig zu viel und störend gegendert im Buch. Da fehlt das Gefühl für das richtige Maß.
Dafür sind einige Beschreibungen der Landschaft und Tierwelt sowie den Lebensbedingungen detailliert und wirklich nicht schlecht gemacht.
Das Buch ist natürlich schon sehr harmlos, aber es erfüllt die Erwartungen und weckt Sehnsucht nach Afrika und seinen Tieren.
Rezensionen von *RC*:
Tod und Leben, ein unzertrennbares Paar
Hey, ich bin der kleine Tod ... aber du kannst auch Frida zu mir sagen von Anne Gröger
„Das Einzige, worauf man im Leben vertrauen kann, ist der Tod“
Schon das Cover hat mich angelacht, dass ich gleich zum Lesen greifen musste. Zu sehen ist ein kleiner, blasser, ängstlich und skeptisch schauender Junge (Samuel) und ein kleines, aufgewecktes Mädchen mit einer richtigen wilden Löwenmähne und einer überdimensionalen Sense in der Hand (Frida).
Und diese beiden Jungspunde sind die Hauptprotagonisten in dem wunderbar erzählten Kinder-/Jugendbuch für Leser*innen ab 11 Jahre, dass das Thema Tod im Kindesalter auf eine leichte mit Humor gespickte Art und Weise erzählt, ohne aber die Tragik, die damit verbunden ist, zu vergessen.
Anne Gröger erzählt die Geschichte aus der Sicht des11-jährigen Samuel, der nahezu sein ganzes Leben im Krankenhaus verbracht hat, da er an einer Autoimmunerkrankung leidet. Samuel muss immer aufpassen, dass nichts passiert, denn eine kleine Infektion könnte tödlich sein. Das hat er schon oft miterlebt - oder besser gesagt überlebt - denn er ist schon sieben Mal dem Tod von der Schippe gesprungen. Doch eines Tages darf er raus aus dem sicheren Verließ und nach Hause. Das ist neu, das bereitet ihm große Angst, denn überall lauern Gefahren! Und über diese weiß er bestens Bescheid, denn er ist clever und weiß fast Alles über Todesstatistiken im Verkehr, in der Freizeit, im Haushalt. Und so hat er nicht nur einen Super-Schutzanzug, nein er hat auch immer Desinfektionsspray und einen NotfallKoffer dabei. Und mit Kindern - vor allem auch noch Draußen - spielen? Das ist eine Mega-Gefahr!
Und auf einmal ist Frida mit der Sense und dem schwarzen Umhang da. Frida stellt sich als der „der kleine Tod“ bei ihm vor, die vom „großen Tod“ geschickt wurde. Sie soll erstmal das Leben kennen lernen und sich somit auf die Prüfung zum ‚großen Tod“ vorbereiten. Und so ist sie drauf und dran, den Stubenhocker Samuel möglichst vielen Gefahren auszusetzen, und Samuel blockt, wo er nur kann.
Doch Frida ist hartnäckig und ehrgeizig und für den pessimistischen, vorsichtigen Samuel extrem anstrengend. Und so entwickelt sich aus der anfänglichen „den-anderen-Loswerde-Haltung“ eine wunderbare Freundschaft. Sie schließen Freundschaft mit anderen Kindern und erleben Abenteuer und lösen ein großes Versprechen ein, das Samuel seinem Freund aus dem Krankenhaus gegeben hat.
Ich bin begeistert von dem Buch. Die Charaktere der Haupt- und Nebendarsteller sind wunderbar vielfältig und authentisch. Aber Frida ist besonders; sie ist schrullig, ein richtiger vorwitziger Wildfang, der auch gar nicht weiß, wie man sich als Mensch verhalten - vor allem benehmen - muss. Und ihre handgeschriebenen Spickzettel, die auch im Buch als Zeichnungen integriert sind, auf denen Frida ihre Erkenntnisse aufzeichnet, sind fantastisch und witzig.
Da musste ich ständig lachen und schmunzeln, ich habe sie gleich ins Herz geschlossen.
Und Samuel gibt ständig sein Wissen zum Besten, da lernt man auch noch was.
Klasse finde ich den kindgerechten schwarzen, skurrilen, Galgenhumor, der oft auch irgendwie trocken und makaber ist.
Ich gebe die absolute Leseempfehlung, denn hier werden neben dem Thema Tod / Verlust auch die Themen Vertrauen, Freundschaft, Familie und Mut sowie Verzeihen-Können gut in einer lockeren und berührenden Geschichte mit auflockernden Illustrationen verpackt.
Rezensionen von Gaby 2707:
Unterhaltsame Geschichten von Friedhof
Zweites Grab, halber Preis von Annemieke Hendriks
Die Autorin Annemieke Hendriks trauert um ihren verstorbenen Ehemann Antoine, der nun auf einem kleinen Berliner Friedhof, ihrer „Insel“, begraben liegt. Hier begegnet sie im Laufe eines Jahres von Frühling bis Winter den verschiedensten Menschen, erfährt berührende, spannende und skurrile Geschichten und erlebt die tollsten Sachen.
Sie erzählt von dem unterschiedlichen Umgang mit dem Tod zwischen den Niederlanden und Deutschland. Sie ist erstaunt über die verschiedenen Rituale des Begrabens und der verschiedenen Gepflogenheiten auf dem Friedhof. Vieles von dem, was sie hier beschreibt, kannte ich bisher auch noch nicht.
Ich finde es toll, wie sie mit dem Tod ihres Lebensgefährten Antoine umgeht. Wie sie ihn jeden Tag besucht, mit ihm spricht und ihn weiterhin an ihrem Leben teilhaben lässt. Wie sie sich über z.B. eine auf einer Grünfläche im Friedhofsgelände nackt sonnenbadende Frau amüsiert; wie sie neue Freundschaften schließt und wie sie auf dem Grab Gemüse anpflanzt. Wie sie sich dafür einsetzt, dass der Friedhof abends wieder geschlossen wird, um so Grabräubern, Alkoholikern, Drogendealern und Fixern ihre Anlaufstelle zu nehmen und den Toten ihre Ruhe zu garantieren.
Eine nette, kurzweilige Lektüre über das Leben, das Sterben und den Tod. Mir hat sie einige Denkanstöße gegeben und unterhaltsame Stunden geschenkt.
Rezensionen von Furbaby_Mom:
Atmosphärischer Thriller
Waldeskälte von Martin Krüger
Leutnant Valeria Ravelli hat sich aufgrund ihres Fleißes und ihrer ehrgeizigen, unnachgiebigen Arbeitsweise bereits mit Mitte 30 einen Namen bei Interpol gemacht. Nur allzu gut kennt sie die düsteren menschlichen Abgründe, von Menschenhandel bis Missbrauch. Was jedoch die wenigsten wissen: Valerias Bruder Rafael wurde einst von der Mafia ermordet und Valeria selbst überlebte in ihrer Jugend nur knapp eine Entführung – während ihre beiden besten Freundinnen in den unheimlichen Wäldern des heimatlichen Eigerstals bestialisch ermordet wurden.
An die damaligen Ereignisse konnte Valeria sich nie erinnern, weder als traumatisierte Jugendliche noch als toughe erwachsene Ermittlerin. Nun allerdings holen die Schatten der Vergangenheit sie mit einem Schlag ein: Elias, ihr Freund aus Kindestagen, fleht sie an, in das kleine Bergdorf zurückzukehren und ihm bei der Suche nach seiner Nichte Nora zu helfen. Das Mädchen ist über Nacht verschwunden und im Ort häufen sich dieselben grausamen Symbole eines blutigen Steinbock-Kopfes, die auch vor 21 Jahren, als Valeria verschleppt worden war, für Angst und Schrecken sorgten. Der Täter war nie gefasst worden – hat er womöglich die ganze Zeit im Dorf gelebt und auf Valerias Rückkehr gelauert? Das gegenseitige Misstrauen in der Gemeinschaft wächst und bald weiß auch Valeria, die ohnehin mit ihren eigenen Ängsten zu kämpfen hat, nicht mehr, wem sie trauen darf. Die wichtigste Frage aber bleibt: Gibt es noch Hoffnung für Nora?
Das in kühlen Blautönen gehaltene Cover passt perfekt zur Handlung! Dieser packende Thriller aus der Feder von Martin Krüger hat mich aufgrund der stimmungsvollen Beschreibungen komplett in seinen Bann gezogen und in die Handlung eintauchen lassen. Die unglaublich bildhaften Schilderungen des bedrohlichen, unwirtlichen Klimas, der schroffen Gebirgshänge, des regennassen, von Nebel durchzogenen Waldes samt seiner Geräusche, Gerüche und Gefahren im dornigen Unterholz verursachten mir eine Gänsehaut und gebannt genoss ich - aus der Sicherheit meines kuscheligen Lesesessels - die schaurige Atmosphäre. Das Setting ist meisterhaft in die Geschichte eingeflochten worden, im Grunde ist es DAS prägende Element der Story. Erzählt wird in der dritten Person, wobei es auch gelegentliche Rückblicke in die Vergangenheit von Valeria sowie einer weiteren Ermittlerin (Chloe Muston) gibt.
Valeria ist eine kluge, distanzierte, aber nicht unsympathische Hauptfigur, mit der es sich leicht mitfiebern lässt. Einerseits pragmatisch, routiniert und durch ihren Job relativ emotional abgehärtet, andererseits voller Ängste und nicht aufgearbeiteter Emotionen. Sie wird noch immer von Albträumen geplagt und hat zu ihrer in Eigerstal lebenden Mutter seit Jahren keinen Kontakt mehr. Zurück in der Heimat unterlaufen ihr aufgrund ihrer persönlichen Hintergrundgeschichte zudem mitunter gefährliche Fehler, die sie normalerweise nicht machen würde. Der Spannungsaufbau gefiel mir insgesamt sehr gut, lediglich das große, dramatische Finale zog sich für meinen Geschmack etwas in die Länge.
Fazit: Spannung pur – ich habe das rund 450 Seiten umfassende Werk (erschienen bei HarperCollins, August 2021) an einem einzigen Tag verschlungen und freue mich schon auf Valerias nächsten Fall! Klare Leseempfehlung für alle Fans von Thrillern, die auch ohne übermäßiges Blutvergießen auskommen.
Rezensionen von rewareni:
Was ist passiert?
Das Jahr, in dem wir verschwanden von Tayari Jones; Britt Somann-Jung
Das Jahr 1979 sollte für die Kinder Tasha, Rodney und Octavia ein besonderes werden. Eine unheimliche Mordserie hält Atlanta in Atem. Immer mehr afroamerikanische Kinder verschwinden und werden ermordet. Jeder versucht auf seine eigene Art und Weise damit zurecht zu kommen. Doch als Kind ist das gar nicht so leicht.
Die Ereignisse und die Figuren in dem Roman ,,Das Jahr in dem wir verschwanden“ von Tayari Jones sind zwar fiktiv, aber die Verbrechen der Kindermorde hat es tatsächlich gegeben. Da die Autorin als junges Mädchen diese Verbrechen selber miterlebt hat, war es ihr ein großes Anliegen diesen Roman zu schreiben. Das besondere daran ist, dass alles aus der Sicht der Kinder erzählt wird. In drei Kapiteln wird der Leser Zeuge davon welche Sorgen und Ängste die drei Protagonisten ausstehen mussten. Jede Geschichte hat dabei einen anderen Erzählstil. Bei Tasha wird aus der dritten Person erzählt, wo Tasha oft mit ihren Gedanken alleine gelassen wird. Sie hört viele unschöne Dinge, kann sie aber nicht wirklich zuordnen. Sie ist eine Außenseiterin, die gerne zu den anderen Mädchen dazu gehören möchte. Eine unbedachte Äußerung verändert ihr Leben und ihre Schuld trägt dabei schwer. Bei Rodney wechselt die Autorin in die ,,du“ Perspektive, wo man sich als Leser immer intensiv angesprochen fühlt. Auch er hat es nicht immer leicht in seinem Leben und er tut Dinge, die er eigentlich gar nicht tun möchte. Eine herzlose und brutale Erziehung seines Vaters hat dabei dramatische Folgen. Bis man im dritten Kapitel auf Octavia stößt, die ihre Geschichte in der ,,Ich “ Form erzählt. Da ihre Mutter nachts arbeitet ist sie oft alleine und wenn sie da ist, dann hört Octavia viele Lügen von ihr. Auch die Beziehung zu ihrem kaum vorhandenen Vater zeigt, dass das Mädchen in ihrem Leben ziemlich alleine da steht.
Die Autorin zeigt sich in ihren Geschichten sehr einfühlsam und es sind oft nur kleine oder unbedeutende Dinge, die die Kinder ängstigen oder unsicher machen. Sie fühlen sich dabei sehr oft allein gelassen und werden dabei mit Situationen konfrontiert mit denen sie oft gar nichts anfangen können. Die Welt der Erwachsenen ist dabei immer wieder zu groß für sie, wo sie sich verloren fühlen und sie es oft schwer haben, diese zu verstehen. Es ist ein emotionales Buch, wo die Hilflosigkeit der Kinder gut zu spüren ist und wo es oft Familienmitglieder sind, die ihnen nicht zuhören, wenn sie Hilfe brauchen würden. Menschliche Schicksale werden dabei berührend erzählt.
Rezensionen von April1985 :
Übersonnenwarm
Survivors - Die Flucht beginnt von Boris Pfeiffer
Klimawandel, Erderwärmung und Umweltschutz sind wichtige Themen, die man nicht früh genug seinen Kindern vermitteln kann. 'Survivors - Die Flucht beginnt' befasst sich mit dieser Thematik. Boris Pfeiffer erzählt in diesem Reihenauftakt sehr eindringlich, wirkungsvoll und nachhaltig die Geschichte von Leopard-Drückerfisch Zacky und seinen Freunden, die ohne große Vorwarnung aus ihrem Lebensraum flüchten müssen.
Der Autor schreibt sehr bildhaft, mit einer gehörigen Portion Action und in kindgerechter Sprache. Zahlreiche, sehr schöne Schwarz-Weiß-Illustrationen ergänzen die Geschichte wunderbar und machen das Buch so auch für jüngere Leser*innen attraktiv. Ich würde es ab ca. 10 Jahren empfehlen; nach oben hin gibt es keine Grenze. Es ist eines dieser Bücher, die man auch als Erwachsener noch gut lesen kann und deren Message zum Nach- und Umdenken bewegt.
Mich hat die Geschichte der Survivors auf jeden Fall sehr berührt. Der Autor zeigt schonungslos auf was passiert, wenn der Mensch zuviel in die Natur eingreift und welche Folgen der Klimawandel und die Erwärmung der Erde auf die Meere und Ozeane hat. Was passiert wenn die Gewässer immer wärmer werden, die Korallenriffe absterben und die Tierwelt keine Nahrung mehr bekommt? Genau dieses schlimme Szenario spielt sich für Zacky und seine Freunde aus dem Riff ab. Nebenbei wird auch gezeigt wie wichtig Zusammenhalt und Zusammenarbeit besonders in Zeiten der Not ist, ganz egal wer man ist und wo man herkommt. Nur gemeinsam ist es möglich etwas zu bewegen.
Dabei ist dieser erste Teil erst der Beginn des Überlebenskampfes. Das Ende kommt ohne Vorwarnung, ist ziemlich offen und macht auf jeden Fall Lust auf mehr. Ich für meinen Teil bin gespannt ob Zacky, Scir, Heuler, DonDon und Co. ihre Heimat wieder aufbauen können.
Fazit
'Survivors - Die Flucht beginnt' ist ein toll illustrierter Reihenauftakt, der sich mit dem Sterben der Korallenriffe und den Auswirkungen auf die Flora und Fauna der Meere beschäftigt. Boris Pfeiffer schreibt einfach und kindgerecht, verfehlt allerdings die nachhaltige Wirkung keinesfalls. Die Geschichte von Drückerfisch Zacky und seinen Freunden ist spannend erzählt und regt auf jeden Fall zum Nachdenken an. Absolute Leseempfehlung!
Rezensionen von heinoko:
Eine Reise der egozentrischen Reflexionen
Reise durch ein fremdes Land von David Park
Die „Reise durch ein fremdes Land“ wirkt in seiner ganz eigenen Intensität am ehesten, wenn man das Büchlein ohne Pause durchliest, sich ganz und gar einlässt auf die schneeverhangene Gedanken- und Erinnerungswelt des Vaters auf der Fahrt zu seinem Sohn. Das großartige Cover gibt dafür die perfekte bildhafte Einstimmung.
Zum Inhalt lässt sich nur wenig sagen. Tom, ein erfolgloser Fotograf, nimmt es auf sich, mitten im Schneechaos mit dem Auto quer durch Schottland zu fahren, um seinen erkrankten Sohn Luke vom fernen Studienort nach Hause zu holen. Luke solle an Weihnachten nicht alleine sein, so drängt Lorna, Tom’s Ehefrau.
Wir, die Leser, sitzen gemeinsam mit Tom im Auto, begleiten ihn über die langen Stunden hinweg bei seiner Fahrt, sehen mit seinen Augen die schier unbegrenzte Schneelandschaft, hören mit ihm in Dauerschleife ausgewählte Songs, folgen der weiblichen Stimme des Navis und den Telefongesprächen mit Lorna und Luke. Endlos scheint die Fahrt. Und endlos scheint die kalte Leere, diese Zeit der Reflexion, in der Tom teils schonungslos, teils unkritisch-beschönigend in die Vergangenheit abschweift. Sehr zögerlich, in ganz kleinen Gedankenschritten, nähert er sich seiner unfassbar großen Schuld, die er mit niemandem bisher geteilt hat, auch nicht mit sich selbst. Tom, der Fotograf, sieht die Welt in Bildern. In doppelbödigen Bildern. Und wir mit ihm. Je länger die Fahrt dauert, umso mehr spüren wir, wie Tom durch sein ganz eigenes Fegefeuer geht.
Der Roman besticht durch seinen poetisch-starken Sprachstil, durch seine Intensität. Und doch bin ich enttäuscht. Die geschilderten Personen bleiben dem Leser fern, sie bleiben im Blassen. Alles, wirklich alles dreht sich um Tom selbst. Der Erzähler wirkt ohne echte Empathie für andere. Das Ende der Geschichte, das in einer seltsam larmoyanten Überhöhung endet, lässt mich endgültig und enttäuscht diese Reise beenden.
Rezensionen von bibliofreund:
Unbarmherziges Land barmherziger Menschen
Unbarmherziges Land von Chris Offutt
Unbarmherziges Land beginnt mit der Entdeckung der Leiche einer Frau durch einen älteren, pensionierten Schulhausmeister, auf den Hügeln von Kentucky. Sheriff Linda Hardin hat die Aufgabe, den Mord an Nonnie Johnson zu ermitteln und aufzuklären. Schnell wird deutlich, dass die wichtigen Persönlichkeiten in der Ortschaft das Gefühl haben, sie sei der Aufgabe nicht gewachsen.
Deshalb zieht sie es vor die Hilfe ihres Bruders Mick Hardin in Anspruch nehmen. Nicht lange vor dem Mord war Mick Hardin, ein in Deutschland ansässiger Ermittler der Armee, aus persönlichen Gründen abrupt in seine Heimatstadt zurückgekehrt. Er stimmt zunächst widerwillig zu, seiner Schwester zu helfen, wird aber bald vollständig in die Untersuchung mit eingezogen.
Während Mick Hardin sich tiefer in die Mordermittlung eingräbt, stellt er fest, dass er sich nicht nur mit anderen befassen muss, die vielleicht nicht wollen, dass der Mord richtig gelöst wird, sondern auch an die Bedeutung der Sitten und Traditionen ländlicher Leute erinnert wird. Dazu gehören auch Geschichten und vergangene Straftaten, die über Generationen hinweg anhalten und niemals vergessen werden sollten und wie Menschen mit vergangenen Erinnerungen sowohl hilfreich als auch gefährlich sein können.
Mit diesem Thriller Roman ist Chris Offutt eine Geschichte mit einer vollständiger Charakterentwicklung, soliden Handlung und einem kompakten dichten Schreibstill gelungen. Die Auflösung ist realitätsnah und nicht direkt vorsehbar. Ich empfehle dieses Buch gerne weiter, vor allem für diejenigen, die Kriminalromane mögen.
Rezensionen von bibliofreund:
Komplex und ohne die erforderliche Tiefe
Der Kolibri von Sandro Veronesi
Das Buch ist eine Charakterstudie und wird in Form von E-Mails, Erzählungen, Dialogen, Briefen und Gedichten präsentiert. Marco Carrera erleidet eine Serientragödie im Leben. Die meisten von uns erleiden den Verlust unserer Eltern, aber Marco muss auch mit dem Tod seiner Schwester, seiner Tochter und schließlich mit seinem eigenen Tod fertig werden.
Er heiratet ungestüm die Ehe scheitert und Carrera unternimmt große Anstrengungen sich zu finden, still zu stehen und zur Ruhe zu kommen. Er fühlt sich von der Welt und seiner Umgebung missverstanden. Die einzige Tragödie, die er vermeiden kann, ist ein Flugzeugabsturz in Larnaca. Der einzige Zweck seines Lebens wird auf seine Enkelin projiziert und die Achterbahn seiner Gefühle lässt ihn sein ganzen Leben nicht los.
Sandro Veronesis Schreibart ist nicht einfach, man muss sich konzentrieren und der Handlung zu folgen. In der zweiten Hälfte wird der Lesefluss besser dennoch gibt es keine wahre Geschichte, keine Handlung, keine tiefere Charakterstudie. Das Geschriebene ist oft langatmig und ich konnte der Handlung nicht immer folgen. Das Leid des Lebens, das durch die Sicht eines Mannes verdeutlich werden sollte, wurde mir dann doch zu viel.











