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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Fesselnd bis zur letzten Seite

Wenn die Schatten sterben von Christof Gasser

Dieser Krimi von Christof Gasser ist eine Art Prequel zur Reihe rund um Dominik Dornach. Wir erleben ihn hier etwa zehn Jahre vor seiner eigenen Krimiserie.

Worum geht’s?

Rebecca „Becky“ Kolberg reist gemeinsam mit ihrem zehnjährigen Sohn aus ihrer Heimat Kiel nach Solothurn, um Abstand von ihrem bisherigen Leben zu gewinnen.

Der Unfalltod ihres Ehemanns hat Becky traumatisiert. Hier in Solothurn, woher ihre adeligen Großeltern ursprünglich stammen, will sie einen Neuanfang wagen.

Als beim Renovierungsarbeiten im Schloss der Großeltern ein eingemauertes Skelett entdeckt wird, muss sie sich der Vergangenheit ihrer Vorfahren stellen, die sie bislang nicht wirklich interessiert hat. Anders als in Deutschland oder Österreich verjährt ein Mord in der Schweiz bereits nach 30 Jahren, weshalb Dominik Dornach, ihr Nachbar, keine offiziellen Ermittlungen anstellen darf.

Doch dann sterben ein alter Mann und seine Pflegerin einen gewaltsamen Tod und der leitende Staatsanwalt verdächtigt Becky. Nun schlägt Dornachs Stunde, denn er kann den ehrgeizigen Staatsanwalt, der ewig gestrige Ansichten pflegt, nicht leiden.

Nach und nach kommen Teile der Familiengeschichte derer von Colberg ans Tageslicht. Eine Familiengeschichte, die nicht gänzlich frei von Schuld ist.

Meine Meinung:

Christof Gasser ist ein sehr spannender Krimi gelungen. Wir dürfen uns tief in die Geschichte der Schweiz begeben, die vor und während des Zweiten Weltkrieges ein nicht besonders rühmliches Verhalten an den Tag gelegt hat. Aus Angst vor dem Überrolltwerden des Landes wie das neutrale Belgien oder die Niederlande paktiert man mit Hitler-Deutschland. Dass dabei auch handfeste wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen, ist auch verständlich. Die Schweiz ist abhängig von der Zulieferung von Rohstoffen, insbesondere von Kohle.

So können wir hier einen Krimi in zwei Zeitebenen erleben, der durch das unselige Gedankengut des Herrenmenschentums verbunden ist: Der gegenwärtige Teil rund um Becky und der andere Handlungsstrang aus 1940 rund um die couragierte Emma.

Geschickt flicht Christof Gasser die historischen Ereignisse ein. Der Leser erfährt Dinge, die ihm (so wie mir) nur rudimentär geläufig waren/sind. Schön unterschwellig in der Handlung, sodass Niemandem ausschließlich trockene Fakten an den Kopf geworfen werden. Das gefällt mir persönlich sehr gut. Natürlich muss ich, weil historisch sehr interessiert, einiges recherchieren. Gute Bücher, egal welchen Genres, verleiten mich immer, einer geschilderten Sache nachzugehen und mehr darüber wissen zu wollen.

Der Krimi selbst ist fesselnd und die Figuren fein herausgearbeitet. Zugeben finde ich Emma interessanter und sympathischer als Becky, die mir ein wenig oberflächlich erscheint. Gut, dass Dominik Dornach nicht auf ihre unterschwelligen Avancen anspringt. Ihr Sohn hingegen wirkt sehr sympathisch, da er Dominiks achtjährige Tochter Pia aus ihrem selbst gewählten Schneckenhaus herausholt.

Fazit:

Ein fesselnder Krimi, der so manches Geheimnis aus der Vergangenheit birgt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Hat mich gut unterhalten

Der Himmel über Nordfriesland von Gerd Kramer

Dieser Krimi ist der 5. aus der Reihe um das Husumer Polizisten-Duo Flottmann und Hilgersen.

Eine Frau begeht Selbstmord, eine andere wird im Schlick vergraben und stirbt, und eine dritte verschwindet spurlos. Zusätzlich muss sich das sympathische Duo mit einem Kornkreisen, einem plötzlich leeren Löschteich und einer Glocke, die, wie diejenige der bei der Großen Mandränke verschwundenen Stadt Rungholt, klingt, herumschlagen.

Flottmann und Hilgersen wird recht bald klar, dass diese Ereignisse zusammenhängen, aber wie?

Meine Meinung:

Dieses Buch ist mein erstes von Gerd Kramer. Wie konnte der Autor mir bisher durch die Lappen gehen?

Flottmann und Hilgersen benehmen sich wie ein altes Ehepaar, worüber ich herzlich schmunzeln musste, wie über die witzigen Dialoge. Trotzdem nimmt sich Gerd Kramer eines wichtigen Themas an: der Leichtgläubigkeit mancher Menschen, was Astrologie und Esoterik anbelangt. Ein Horoskop zur Unterhaltung zu lesen,
Mag vielleicht amüsant sein, sein Leben ganz nach den Aussagen eines Astrologen auszurichten, kann fatale Folgen haben. Besonders bei durch Schicksalsschläge gebeutelte Personen wie Helena, kann das in eine unheilvolle Abhängigkeit führen, der alles untergeordnet wird. Helena, durch den Tod der kleinen Tochter traumatisiert und vom Ehemann links liegen gelassen, schlittert in ein Suchverhalten, das sie letzten Endes Selbstmord begehen lässt. Das ethische Verhalten zweier Astrologinnen, die sich munter über ihre Klientinnen austauschen und sich die Kundinnen zuschanzen, ist mehr als grenzwertig. Wenigstens
hat eine dann ein schlechtes Gewissen und gibt den Job auf.

Da ich die Vorgänger nicht kenne, habe ich mich vermutlich um den Genuss gebracht, die Entwicklung von Flottmann und Hilgersen zu verfolgen. Ich denke, ich werde das nachholen.

Fazit:

Ein fesselnder Krimi, der uns nach Husum entführt. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Ein Krimidebüt mit kleinen Schwächen

Tod in der Schorfheide von Richard Brandes

Dieser Krimi ist das Debüt von Richard Brandes und ist durchaus gelungen, obwohl die eine oder andere kleine Kritik anzubringen ist. Doch davon später.

Worum geht’s?

In der Schorfheide, einem eher unberührten Teil Brandenburgs, kommt ein Mann beim Brand seines Hauses ums Leben. Schnell stellt sich heraus, dass es sich um einen brutalen Mord handelt.

Fast gleichzeitig wird eine fünfzehnjährige Schülerin als vermisst gemeldet.
Die Ermittlungen im Mordfall leitet Carla Stach und als dann herauskommt, dass das Mordopfer und die Schülerin einander kannten, läuft Stach die Zeit davon. Sie muss zuvor den Mord aufklären, um das Mädchen zu finden.

Meine Meinung:

Der Krimi ist fesselnd geschrieben. Die komplexen Zusammenhänge erschließen sich Lesern und Ermittlern erst nach und nach. Das ist meiner Ansicht nach sehr gut gelungen.

Spannend ist der Krimi durch die zahlreichen Wendungen und Sackgassen. Denn kaum glauben Ermittler und Leser, den Täter ausfindig und dingfest gemacht zu haben, entwindet sich dieser dem Zugriff, unter anderem durch Selbstmord.

Die Charaktere haben noch einiges Potenzial sich zu entwickeln. So wirkt Maik ein wenig farblos und manchmal nur wie ein Handlanger von Carla. Dem Macho Uli Rösler habe ich anfangs wenig Sympathie entgegenbringen können. Das hat sich, nachdem sein eigenes privates Schicksal bekannt worden ist, ein wenig gebessert. Er hat sich eben eine raue, unnahbare Schale zugelegt.

Was mir weniger gut gefällt?

Richard Brandes hat so etwas wie einen „Anfängerfehler“ gemacht: Er packt eine große Zahl von gesellschaftspolitischen Themen in sein Buch. Da ist z.B. Carla Stach, die mit einer Frau verheiratet ist und deren familiäre Probleme, wie der die Schule schwänzende Stiefsohn Toni, für mein Gefühl, einen zu großen Raum einnehmen. Auch die frauenfeindlichen Aussagen von Uli Rösler, eines Ermittlers, die vor allem seine farbige und allein erziehende Kollegin Julia treffen, sind ein wenig zu dick aufgetragen.

Nicht missverstehen - diese Themen sind wichtig, gehören angesprochen, aber nicht alles in einem (Debüt)Krimi. Diese Seitenblicke in Carlas und Julias Familienleben hätten ein wenig gestrafft werden können. Denn, dass Toni die Schule schwänzt, bringt den Fall keinen Deut weiter.

Die mehrfachen Perspektivenwechsel können die Spannung dann doch aufrecht erhalten, die durch die Familieneinblicke ein wenig verlangsamt worden sind.


Wie es sich für einen Regionalkrimi gehört, spielen die stillen Wälder Brandenburgs eine große Rolle. Auch neugierige Nachbarn gehören zum Lokalkolorit dazu.

Fazit:

Ein durchaus gelungenes Krimidebüt, das noch einige kleine Schwächen aufweist. Daher reicht es diesmal nur für 3 Sterne.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Eine Leseempfehlung

Als Deutschland erstmals einig wurde von Bruno Preisendörfer

Bruno Preisendörfer hat mit diesem Buch ein detailliertes Werk zur Einigung der zahlreichen deutschen Kleinstaaten, Freistädten und den beiden Königreichen Bayern und Preußen zu einem Kaiserreich geschaffen. Die Königswürden von Bayern und Preußen blieben unangetastet. Der preußische König erhielt zusätzlich den Titel „Deutscher Kaiser“.

In folgenden Kapiteln geht er auf die damalige Situation ein und analysiert sie.

Einleitung in den Spiegelsaal der Geschichte
Am Anfang die Revolution
Besuch in der neuen Hauptstadt
Kapellmeister Piefke und die Einigungskriege
Gründerzeit - Gründerkrach
Die alte Gesellschaft
Das neue deutsche Leben
Errungenschaften
Großbürger, Bildungsbürger, Kleinbürger
Große Fragen
Große Männer
Am Ende der Abstieg

Den Abschluss bildet dann noch ein Bildteil sowie ein ausführliches Quellenverzeichnis.

Manches, was den deutschen Lesern heute selbstverständlich erscheint, ist eine Errungenschaft des auch immer wieder geschmähten Otto von Bismarck, der eine schillernde Figur dieser Einigung und der späteren Jahre war.

Besonders interessant finde ich die Passagen um den deutschen Kolonialismus, der ja bekanntlich erst sehr spät so um 1884 einsetzt. England, Frankreich, die Niederlande sowie Spanien und Portugal haben sich die Welt bereits längst unter sich aufgeteilt. Nur ein paar Flecken in Afrika und Ozeanien sind noch „zu haben“. Bismarck war kein Freund dieser imperialistischen Bestrebungen, die ursprünglich von privaten Vereinen und/oder Handelshäusern angestrebt worden sind.

Otto von Bismarck kann getrost als Vater der Einigung Deutschlands bezeichnet werden, einem Deutschland, das 1918 und dann 1945 wieder geteilt wurde. Lange Jahre bestehen zwei deutsche Staaten. Erst der deutsch-deutsche Einigungsvertrag von 1990 vereint die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik wieder. Ob das Bismarck gefallen würde?

Fazit:

Das Buch ist ein tolles Nachlesewerk, wenn wieder eine kniffelige Frage auftaucht. Gerne gebe ich hier eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Eine Hommage an alle jene, die nicht nach Hitlers Pfeife tanzten

Als Deutschland erstmals einig wurde von Bruno Preisendörfer

In ihrem neuen Buch wendet sich Michaela Küpper einer Personengruppe zu, über die nicht allzu viel bekannt ist: die sogenannten „Edelweißpiraten“, eine Gruppe von jungen Männern und Frauen, die nicht nach Hitlers Pfeife tanzen wollen.

Die Autorin nimmt uns auf eine Zeitreise in das Jahr 1933 mit.

Hitler ist seit Ende Jänner Reichskanzler und sogleich beginnen die Repressalien gegen Juden und politisch andergesinnte wie Sozialisten und Kommunisten. Die Jugendlichen zwischen 14 und 17 sollen in der Hitlerjugend (HJ) zu willigen Helfern des Regimes geformt werden. Dagegen lehnen sich zahlreiche Jugendgruppen wie eben die „Edelweißpiraten“ oder die „Swing-Jugend“ auf. Sie wollen weiter eigenständig denken und agieren.

Von einem dieser unerschrockenen Mitglieder handelt dieses Buch - Gertrud „Mucki“ Kühlem. Muckis Eltern sind Gertrud, eine Apothekerin, und Peter Kühlem, der Kommunist. Sie wächst in einem offenen Elternhaus auf und hat schon früh gelernt, zu ihrer Meinung zu stehen.

Als der Vater im Sommer 1933 verhaftet und zuerst in das „braune Haus“ gebracht wird, um 1942 im KZ Esterwegen ermordet zu werden, lässt man Mucki und ihre Mutter anfangs in Ruhe. Je restriktiver die Gestapo mit andersdenkenden umgeht, desto entschlossener wird Mucki. Sie schließt sich den Kölner „Edelweißpiraten“ an. Zunächst nur, um den ungeliebten Nachmittagen beim BDM auszukommen. Je länger das Regime die Menschen unterdrückt, desto gewagter die Aktionen von Mucki und ihren Kollegen. Sie beschreibt mit Schulkreide Zäune und Hauswände.

Schließlich wird sie 1942 verhaftet, als sie Flugblätter von der Kuppel des Kölner Hauptbahnhof regnen lässt. Sie wird in das Gefängnis Brauweiler eingeliefert, mehrfach gefoltert, in Einzelhaft gehalten und kommt nur durch ein Versehen frei.

Mucki und ihrer Mutter gelingt die Flucht aus Köln. In Sigmaringen finden sie Unterschlupf.

Meine Meinung:

Michaela Küpper hat die Lebensgeschichte von Gertrud Kühlem (verehelichte Koch) penibel recherchiert und sehr gut erzählt. So können sich Leser, die noch nie von Widerstandsgruppen abseits von Stauffenberg & Co gehört haben, ein Bild davon machen, dass es sehr wohl Widerstand gegen das Nazi-Regime gab.
Alles musste im Geheimen ablaufen, niemand konnte vertraut werden, denn das Spitzelwesen war äußerst perfide angelegt.

Sehr gut sind auch die Lebensumstände der Zeit dargestellt. Zunächst bleibt vieles beim Alten, dann als die Mutter ihre Arbeit in der Apotheke verliert, müssen die beiden Frauen aus der schönen, großen Wohnung ausziehen und in eine kleine Dachkammer umziehen. Die bedrohlichen Razzien der Gestapo, bei denen alles kurz und klein geschlagen wurde, machen klar, dass weder Recht noch Ordnung herrschen, sondern nur das, was die Schlägertrupps dafür halten.

Dieser historische Roman ist auch deswegen bemerkenswert, da es nur ganz wenige Frauen zu einiger Bekanntheit geschafft haben.

Mit viel Mühe und Not überleben Mutter und Tochter Kühlem die NS-Herrschaft in Sigmaringen. Als die französische Armee Sigmaringen erreicht, wird sie für einige Zeit Bürgermeisterin. Gertrud „Mucki“ Koch stirbt hochbetagt im Juni 2016.

Michaela Küpper hat, wie schon in ihrem anderen historischen Roman „Der Kinderzug“ Fakten und Fiktion sehr gut verknüpft.

Fazit:

Gertrud „Mucki“ Koch und ihren Weggefährten kann nicht genug Tribut gezollt werden, dass sie sich dem NS-Regime entgegengestellt haben. Hätte es doch mehr solcher Menschen mit Zivilcourage gegeben! Gerne gebe ich dieser Hommage an die „Edelweißpiratin“ 5 Sterne.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Ein komplexer Krimi

Weißer Sand von Jobst Schlennstedt

KHK Birger Andresen ist nach seinem Sabbatical wieder zurück in Lübeck. In diesem Jahr hat er sich Gedanken um seine private und berufliche Zukunft gemacht. Doch bevor er etwas davon umsetzen kann, ist er in einen komplexen Kriminalfall verwickelt, der weit in die Vergangenheit zurückreicht.

Ein Mann zeigt einen Überfall auf sich und seine Frau, die seitdem verschwunden ist, an.

Allerdings und das erregt nicht nur Andresens Argwohn, erst einen Tag nach dem Ereignis. Wenig später wird der man tot aus dem Meer gezogen. Und als dann die vermisste Frau schwer verletzt auch noch auftaucht, wissen Andresen und sein Team, dass sie sehr tief graben müssen, um die Zusammenhänge zu erkennen.

Meine Meinung:

Wie wir es von Jobst Schlennstedt gewöhnt sind, beginnen seine Krimis recht verwirrend. Erst im Laufe der Ermittlungen, bei denen wir Leser miträtseln bzw. mitfiebern dürfen, verknüpfen sich die einzelnen Handlungsfäden zu einem kompakten Handlungsstrang und letztlich zu einem schlüssigen Ende.

Birger Andresen ist kein einfacher Charakter. Immer wieder eckt er bei Kollegen, Untergebenen und auch bei Vorgesetzten an. Seine unkonventionellen Ermittlungsansätze und oftmaligen Alleingänge sind für Team und Chefs ziemlich anstrengend. Diese Eigenmächtigkeiten hat er in seinem Sabbatical zurückgelassen. Nun bindet er zumindest Morten und Elif in seine Ermittlungen besser ein. Dass er der einen oder anderen Spur allein (und ohne Sicherheitsnetz) nachgeht, liegt eben in seiner Natur.

Schmunzeln musste ich mehrmals über den übereifrigen „Dorfsheriff“ Korte, der so gerne Kriminalbeamter geworden wäre und sein Konterfei formatfüllend auf den Titelseiten der Tagespresse sehen möchte. Er kann es Andresen nicht verzeihen, dass er schon bei einem früheren Fall, nicht aktiv in die Ermittlungen einbezogen worden ist, obwohl er einen entscheidenden Hinweis gegeben hat.

Dieser elfte Fall lässt Birger Andresen, der bald sechzig Jahre alt wird, gereift erscheinen. Es sieht so aus, als ob es noch einen zwölften geben wird. Doch ein Nachfolger ist vermutlich schon gefunden - Sohn Ole wird in das Team der Lübecker Mordkommission eintreten. Ich denke, das birgt allerlei Konfliktstoff.

Fazit:

Ein komplexer 11. Fall, dem gerne ein 12. folgen darf. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

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Rezensionen von sheena01:

Tolles Sachbuch!

Weißer Sand von Jobst Schlennstedt

In diesem Sachbuch stellt der Autor Matthias Meier, Arzt für rekonstruktive Chirotherapie, in alphabetischer Reihenfolge 50 chronische Erkrankungen vor, die er auch für einen Laien verständlich erläutert, man erfährt in für ein Sachbuch erstaunlich spannend gehaltener Weise wie und wodurch die einzelnen Krankheiten entstehen, mit welchen Symptomen bei ihnen zu rechnen sind, und bekommt Wege aufgezeichnet, wie man diese Krankheiten möglicherweise reversieren kann.

Beginnend mit einer Einführung über das Zentrale Nervensystem, über Anorexie bis hin zu Depressionen und Dyspepsie wird umfangreiches Wissen vermittelt, das mit sehr anschaulichem Bildmaterial untermauert wird. So ergibt sich ein tolles Nachschlagewerk, was allerdings als ebook-Format nicht ganz so gut zur Geltung kommt, denn hier werden die Bilder nur in Graustufen dargestellt. Wünschenswert wäre hier sicherlich eine Printversion, zum derzeitigen Zeitpunkt ist diese leider noch nicht erhältlich, da die Abbildungen in Farbe sicherlich besser zur Geltung kommen würden. Mag sein, eine Printauflage aber ohnehin in Planung ist.
Alles in allem war ich von diesem Werk sehr angetan, da hier nur die Krankheiten von A bis D behandelt werden, gehe ich von einer ganzen Reihe von Bänden aus, in der in alphabethischer Reihenfolge die restlichen wichtigsten Erkrankungen abgehandelt werden. Ich bin schon sehr gespannt auf die restlichen Bände, denn hier werden in einfachster Weise komplexe Zusammenhänge plausibel erläutert – für mich ein Kennzeichen für ein wirklich gelungenes Sachbuch!

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Rezensionen von Ele:

Zwei Frauen einer Familie

Wellenflug von Constanze Neumann


Wellenflug, Familienroman von Constanze Neumann, 336 Seiten, erschienen im Ullstein-Verlag.
Ein feinfühliger Roman über zwei ganz unterschiedliche Frauen einer Familie, zwei Leben reich an Liebe und Verlust in einem Jahrhundert voller Extreme.
Anna Reichenheim, die Tochter eines jüdischen Tuchhändlers ist von ihrem Sohn Heinrich, der 1881 geboren wird, enttäuscht.

Soviel Hoffnung sie in ihn auch setzte, anstatt sich an die Verhältnisse seiner großbürgerlichen jüdischen Familie anzupassen, schlägt er immer wieder über die Stränge. Er ist ein Spieler und erliegt den Verlockungen des Berliner Nachtlebens. Zum Unmut seiner Familie verliebt er sich auch noch in Marie, ein Mädchen aus ärmsten Verhältnissen. Der erste Teil des Romans behandelt das Leben von Anna, ihrer vornehmen behüteten Kindheit und ihrem Leben an der Seite ihrer beiden Ehemänner.
Der zweite Teil beschreibt die Lebensgeschichte von Marie, der ungewollten Schwiegertochter, die Heinrich m. M. nach, jedoch vom totalen Untergang bewahrte. Als Heinrich enterbt wird, wandern die beiden zunächst nach Amerika aus. Doch zu Beginn des ersten Weltkriegs zieht es Heinrich zurück nach Deutschland um für sein Vaterland zu kämpfen. Nach dem Krieg lassen sich Marie und Heinrich in Dresden nieder doch Heinrich hat es nie geschafft, eine Anstellung länger zu behalten, es geht immer weiter abwärts. Was in den folgenden Jahren zwischen den Kriegen und auch während des Nationalsozialismus geschieht ist in diesem Familienroman unglaublich ergreifend geschildert. Constanze Neumann hat hervorragend recherchiert, um die Geschichte ihrer Familie in Romanform zu erzählen. Akribisch hat sie die wenigen Fotos, Daten, Briefe und Zeitungsartikel zusammengetragen um Anna und Marie wieder lebendig werden zu lassen, sie vor dem Vergessen zu retten.
Der Roman besteht aus 40 Kapiteln in zwei Teilen, jeder Teil einer der beiden Frauen gewidmet. Die Teile sind mit Jahreszahlen gekennzeichnet. Im Kapitel „Später“, am Ende des Romans, schließt sich der Kreis und die weiteren Schicksale der Familie bis in die Gegenwart werden geklärt. Zu Anfang hatte ich Mühe in Lesefluss zu kommen, zu viele Namen und Familienzusammenhänge die sich kompliziert gestalteten. Neumann hat den auktorialen Erzählstil gewählt und gewährt dadurch vollständigen Überblick über die Geschehnisse. Der zweite Teil Marie gewidmet, hat mich gepackt und mitgerissen, ich habe bis in die Nacht gelesen, bis der Schlusspunkt gesetzt war.
Die emotionale Spannung war enorm hoch, ich habe mit der Protagonistin mitgefiebert und mitgelitten. Anna wohl durch ihre Erziehung, eine distanzierte und harte Frau, habe ich nicht immer verstanden, dass sie ihren Enkel Heinz nie sehen wollte konnte ich nicht nachvollziehen, auch Marie hat sie zeitlebens nicht verziehen, obwohl diejenige m. E. der rettende Anker für Heinrich war. Marie dagegen habe ich direkt ins Herz geschlossen. Tatkräftig und klug und stets Heinrichs Eskapaden verzeihend, hat sie an seiner Seite bis zum Ende ausgehalten. Obwohl aus ärmlichsten Verhältnissen war sie des Namens Reichenheim immer würdig. Feinfühlig, flüssig, spannend und bildmalerisch erzählt die Autorin ihre Familiengeschichte in diesem opulenten Roman.
Eine Leseempfehlung für die Fans von historischen Familiengeschichten mit authentischem Hintergrund. Von mir wegen der Schwächen im ersten Teil 4 Sterne.

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Rezensionen von April1985 :

Zauberhafte Gute-Nacht-Geschichten. Pädagogisch wertvoll!

Anouk, die nachts auf Reisen geht (Anouk 1) von Hendrikje Balsmeyer; Peter Maffay

In letzter Zeit lese ich durch meine 2-jährige Tochter vermehrt Kinderbücher. Dabei achte ich vorallem auf pädagogisch wertvolle Inhalte, aber auch auf die optische Aufmachung. Als ich Anouk, die nachts auf Reisen geht das erste Mal in der Buchhandlung gesehen habe, war ich einfach hin und weg.

Das Gute-Nacht-Geschichten-Buch ist unglaublich liebevoll gestaltet und lädt zum Träumen und Abenteuer erleben ein. Da das Buch aber auch wahnsinnig stimmungsvoll von Nora Jokhosha vertont wurde, habe ich beschlossen es vorweg als Hörbuch zu hören. Ich kann nur sagen, so macht Schlafengehen Spaß!

Peter Maffay und seine Frau Hendrjike Balsmeyer haben für ihre Tochter ein ganz zauberhaftes Buch geschrieben und lassen uns zum Glück auch daran teilhaben. In sieben abgeschlossenen Geschichten erlebt die kleine Anouk nach dem Einschlafen aufregende Abenteuer. Sie träumt sich zu den Indiandern, den Eskimos, den Rittern und zu vielen weiteren spannenden Orten, wie den Zirkus oder den Bauernhof. Auf ihren nächtlichen Reisen schließt sie nicht nur tolle neue Freundschaften, sondern sie hilft auch den Kindern bei ihren unlösbar erscheinenden Aufgaben.
Anouk ist ein mutiges und selbstbewusstes junges Mädchen mit einem großen Herzen. Sie geht offen und ohne Vorurteile auf andere zu. Sie zeigt den anderen Kindern ihre Stärken auf, hilft dabei ihren Mut zu finden und beweist, dass man mit guten Freunden alles erreichen kann.

Diese wertvollen Botschaften vermittelt das Buch. Die einzelnen Geschichten verdeutlichen kindgerecht und in sehr bildhafter Sprache, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt und dass man nur an sich zu glauben braucht.

Anouk, die nachts auf Reisen geht ist ein zauberhaftes und einfühlsames Buch, dass die Fantasie der Kinder beflügelt und mit Anouk ein tolles Vorbild präsentiert.

Uns haben die Geschichten allesamt unglaublich gut gefallen. Und weil wir auf die liebevollen Illustrationen nicht verzichten wollen, wird neben dem Hörbuch demnächst auch die Printausgabe bei und einziehen.

Fazit:

Mut, Stärke, Selbstbewusstsein und Freundschaft sind wertvolle Botschaften, welche Anouk, die nachts auf Reisen geht vermittelt. Uns haben Anouks Traumreisen unglaublich gut gefallen. Daher gibt's auch eine absolute Lese- und Hörempfehlung!

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Rezensionen von barbara.liest:

Klassiker kingerecht erzählt

Der Sohn des Odysseus von Annika Thor

Vor elf Jahren ist Odysseus in den Krieg gezogen und dadurch seinen Sohn Telemachos nie kennenlernen können. Telemachos hat große Sehnsucht nach seinem Vater und liebt die Geschichten seiner Kinderfrau, welche schon die Kinderfrau von Odysseus war.
Seine Mutter führt das Land Ithaka in der Abwesenheit ihres Mannes.

Sie muss sich gegen die Männerwelt behaupten während Odysseus Schlachten gewinnt und um sein Leben kämpft.

Annika Thor ist es gelungen einen Klassiker für Kinder ab circa 10 Jahren gut verständlich und flüssig aufzubereiten, die Spannung aufzubauen und zu halten und wichtige Themen zu erklären.
Phasenweise geht es ein wenig brutal zu, aber das ist die Welt der griechischen Mythologie.
Das Cover ist sehr passend gestaltet und die Illustrationen im Buch passen perfekt dazu und lockern den Text auch immer wieder etwas auf.

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