Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Tobias Kallfell:
Von der Relevanz der Unschuldsvermutung
Der war's von Juli Zeh; Elisa Hoven
Marie werden Pausenbrote gestohlen und sie beschließt, etwas dagegen zu unternehmen. Darum geht es in dem Kinderbuch „Der war’s“ von Juli Zeh und Elisa Hoven. Auf den ersten Seiten wird dafür das Klassengefüge der 6a gut in den Blick genommen. Und man stellt sich zu Beginn die folgenden Fragen: Wer steckt hinter den Diebstählen? Warum wird gerade Marie zum Opfer? Wie wird die Sache aufgeklärt? Und was passiert mit dem Täter? Genug Fragen, die Neugier erzeugen.
Wichtige Themen, die behandelt werden, sind Selbstjustiz und Mobbing. Es wird demonstriert, wie schnell Gerüchte entstehen können und welche Folgen es hat, eine Beschuldigung vorschnell zu äußern. Besonders dramatisch bei dem geschilderten Fall: (…) Was ich an diesem inhaltlichen Ansatz gelungen finde, ist der Umstand, dass man mit seinem Nachwuchs sehr gut das Verhalten der Figuren reflektieren kann. Gemeinsam kann man überlegen, wie man sich in einer solchen Situation, wie sie beschrieben wird, stattdessen hätte verhalten können. Eine sehr gewinnbringende Lektüre, mit der man noch etwas Wichtiges dazulernt. So macht sich der vermeintliche Täter z.B. noch mehr dadurch selbst zum Opfer, dass (…). Kurzum: Genügend Stoff zum Besprechen.
Und beiläufig wird noch viel juristisches Wissen kindgerecht vermittelt (z.B. dazu, wie Verfahren ablaufen, oder, was es mit der Unschuldsvermutung auf sich hat). Sehr gelungen ist in meinen Augen auch der kompakte Anhang, in dem genauer und auf anschauliche Art und Weise erklärt wird, wie ein Strafverfahren abläuft.
(…)
Vor allem für Kinder (aber auch für Eltern), die sich für rechtsstaatliche Prinzipien interessieren, ist es ein gewinnbringendes Buch! Es wird aufgezeigt, wie wichtig es ist, nicht vorschnell zu urteilen und nicht unüberlegt auf Formen der Selbstjustiz zurückzugreifen. Ich halte die inhaltliche Vermittlung für kindgerecht und auch die vom Verlag vorgeschlagene Altersempfehlung (ab 8 Jahren) finde ich passend. Von mir gibt es 5 Sterne!
Rezensionen von Lesendundspielenddurchsleben :
schöner Mix
Die kleine Hexe, der kleine Wassermann, das kleine Gespenst von Otfried Preußler
Diese Sonderausgabe bietet stimmungsvolle Illustrationen und behutsam bearbeitete Auszüge aus den Klassikern, die schon ein wenig jüngere Kinder in die verwunschenen Welten von Otfried Preußler eintauchen lassen, wenn die originalen Geschichten noch zu lange sind.
Drei Bilderbücher in einem Band:
Die kleine Hexe: Ausflug mit Abraxas
Der kleine Wassermann: Frühling im Mühlenweieher
Das kleine Gespenst: Tohuwabohu auf Burg Eulenstein
Ich finde die Bearbeitung der Geschichten sehr sehr schön.
Die Bilder sind stimmungsvoll und passend für die Abenteuer, sodass auch Erwachsene noch ihre Freude am Lesen haben werden - denn zumindest bei mir kommen da Kindheitserinnerungen wach! Für meine Kinder waren die Geschichten sehr passend, die Szene des Ausflugs der kleinen Hexe mit dem Raben Abraxas etwa hat sie ein wenig an den Film auch erinnert, den sie bereits kennen (den kennen sie und das Erstlesebuch, das originale Buch war mit 4 und 6 zu schwer, für den 8 jährigen Bücherwurm würde es jetzt gut passen).
Die Geschichte des kleinen Wassermanns kannten sie nur als Hörbuch. Die Bilder dazu waren sehr passend und haben richtig entführt in die Unterwasserwelt. Ein wunderschönes Bilderbuch!
Rezensionen von lesen=liebe:
Im Todeszug
Mord im Christmas Express von Alexandra Benedict
Roz ist frisch pensionierte Kriminalkommissarin. Am Abend des 23. Dezembers setzt sie sich in den Nachtzug, um zu ihrer Tochter nach Fort William zu fahren. Roz‘ Tochter erwartet ein Kind und die Wehen haben bereits eingesetzt – leider viel zu früh.
In der ersten Hälfte des Buches lernt man die 18 Passagiere besser kennen.
Man tappt also ziemlich lange im Dunkeln und weiß sehr lange nicht wer ermordet wird. Da Roz Kriminalkommissarin ist und sie die Sache etwas beschleunigen will, nimmt sie sich ihrer an und will die Straftat aufklären. Dies geschieht in der zweiten Hälfte des Romans. Währenddessen holt Roz ihre Vergangenheit ein. Sie hat in ihrer Jugend Schreckliches erlebt, das sie bis heute nicht überwunden hat. Nebenbei plagen sie auch noch die Sorgen um ihre Tochter.
Mord im Christmas Express ist ein mäßig spannender Kriminalroman, der aber absolut nicht langweilig oder langatmig ist. Für den persönlichen Geschmack hätte die Geschichte etwas raffinierter sein können. Dennoch gibt es ein paar Wendungen, die man nicht erwartet hätte.
Ungefähr in der Mitte bekam ich Gänsehaut, aber nicht wegen der mörderischen Geschehnisse, sondern weil hier ein Thema behandelt wird, das Roz, ihre Tochter, die Autorin und ich gemeinsam haben. Wir sind Frühchenmamas. Ich hätte nie erwartet in diesem Buch etwas über Neonatologie und Känguruhen zu lesen.
Rezensionen von Arambol:
Schuld und Verantwortung
Helle Tage, dunkle Schuld von Eva Völler
"Nichts war hier mehr wie früher, alles kaputt und ein Sack voller Schuld auf jedem Buckel."
April 1948 in Essen Rüttenscheid: Nachkriegsdeutschland liegt auch drei Jahre nach Kriegsende noch immer in Trümmern, überall beherrscht Armut, Hunger und Wohnungsknappheit den existenziellen Kampf ums nackte Überleben.
Die Währungsreform macht erste zarte Hoffnung auf eine bessere Zeit, die Menschen versuchen ihr Leben wieder möglichst selbstbestimmt in den Griff zu bekommen. Sie sind auf Suche nach alltäglicher Routine und Stabilität, familiärer Geborgenheit und ein wenig persönlichem Glück.
Drei Morde, zuerst der an der Mutter des Nazi-Verbrechers und Massen-mörders Arnold Hoffmann, dann der an einem Essener Polizisten und letztlich der Mord am scheinbar gewissenlosen Arzt Dr. Lohfeld, halten Polizeiinspektor Carl Bruns mächtig auf Trab. Gleichzeitig kommt er aber auch seiner alten, großen Liebe Anna immer näher.
Doch irgendwie scheint plötzlich alles mit allem zusammenzuhängen.
Eine große Geschichte um Opfer und Täter, um Schuld und Verdrängen, Zerstörung und Leid, sowie um Moral und Menschlichkeit. Eine ungemein schwere aber gleichzeitig auch sehr prägende Zeit der jüngeren deutschen Vergangenheit wird hier bildhaft und in einer immer lebendigen Sprache geschildert. Die Charaktere erscheinen durchweg glaubwürdig und wirken authentisch. Die Kriminalgeschichte an sich hat einen angenehm hohen und durchgängigen Spannungsbogen.
Die Auflösung kann schließlich mit einigen für mich durchaus unerwarteten und überraschenden Wendungen überzeugen.
Eva Völler ist es gelungen mit "Helle Tage, dunkle Schuld" einen wichtigen Roman zu einem sehr ernsten Thema einfühlsam zu schreiben.
Lesempfehlung für alle, die sich darauf einlassen können, eine hoch emotionale Reise in das entbehrungsreiche Leben der Nachkriegsjahre anzutreten.
Rezensionen von Lesendundspielenddurchsleben :
Just one night in Rome von Tiziana Olbrich
Als Josie ihre Italienreise bucht, will sie vor allem eins: weg von ihrem Ex und der Männerwelt im Allgemeinen. In ihrem Kopf funktioniert das doch normal im Urlaub, man kann abschalten und genießen. Aber es will ihr nicht so recht gelingen. Mehrere Tage kann sie den Urlaub nicht genießen, sie hält ihr Touristenprogrogramm im schönen Rom ab und kommt nur zum Schlafen ins Hostel.
Dort teilt sie sich ihr Hostel-Zimmer ausgerechnet mit dem Weltenbummler Leo und mehreren anderen. Der Chilene, der ihr gegenüber schläft, sieht nicht nur unverschämt gut aus, er bringt Josie am letzten Abend für beide in Rom mit seinen hartnäckigen Fragen auch aus dem Konzept, dass sie beschließen, den Abend gemeinsam zu verbringen...
Ich fand die Geschichte schön. Alleine wiedermal nach Rom zu Reisen in Gedanken. Vielleicht hab ich ja schon erwähnt, Rom ist eine meiner Lieblingsstädte. Die Schilderungen von Rom waren authentisch und passend.
Aber ich mach mir auch Sorgen, wie es weitergeht und ob sie das schaffen. Denn so viel ist noch nicht passiert in Band 1 rein körperlich ???? Leo ist mir jedenfalls ziemlich sympathisch ????
Rezensionen von _ich.lese_:
Endlich geht es weiter
Keeper of the Lost Cities - Sternenmond (Keeper of the Lost Cities 9) von Shannon Messenger
Sophie soll sich ausschließlich auf die Organisation Black Swan konzentrieren und auf deren Belange. Aber Sophie hört auf ihr Bauchgefühl und ermittelt für ihr eigenes Interesse.
Sternenmond ist bereits der neunte Band der Keeper of the lost Cieties Reihe, der vorletzte. Und man muss zwingend die richtige Reihenfolge einhalten.
Mich hat der neunte Band, der immerhin fast siebenhundert Seiten umfasst, ein Wochenende voller Lesefreude und Keeper-Feeling beschert. Ich bin ein großer Fan von Sophie, seit dem ersten Buch.
Gut, wenn ich ehrlich bin, hat es sich stellenweise etwas gezogen, dennoch habe ich jede Seite genossen und kann es kaum abwarten bis der zehnte, finale Band erscheint. Für alle LeserInnen, die abenteuerliche, spannende Geschichte mit Fantasy und magischen Momenten mögen, ist diese Reihe sehr empfehlenswert.
Sophie hat wieder allerhand erlebt, es gibt aber trotzdem Enthüllungen und Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe. Für mich ist und bleibt es eine empfehlenswerte Reihe für jung und alt. Auf das Sophie und Keefe ein würdevoll, spannendes Ende bekommen.
Rezensionen von lesen=liebe:
In jedem von uns steckt ein Superheld
Bookmän: Alles Konfetti von Rüdiger Bertram
Bei dem Buch Bookmän, erschienen bei Carlsen, handelt es sich um ein Kinderbuch für Leser ab 7 Jahren.
Protagonist ist Matteo, der seine Freizeit am liebsten in der Bücherei verbringt und ganz unverhofft zum Superhelden wird.
Als Bookmän ankam, war mein Sohn maßlos enttäuscht, hatte ich ihm doch ein Buch über einen Superhelden versprochen.
Bookmän war in seinen Augen kein Superheld. Ich konnte ihn zum Glück überreden, dem Buch eine Chance zu geben. Mein Sohn ist gerade in die Schule gekommen und somit habe ich ihm das Buch vorgelesen. In ca. eineinhalb Stunden waren wir durch. Er wollte es gar nicht mehr weglegen. Das Buch ist lustig und durchaus spannend für einen 6-Jährigen. Die Sprache ist einfach und auch die Schriftgröße ist etwas größer gewählt, weshalb sich das Buch bestens für Leseanfänger eignet. Von meinem Sohn gibt es somit die volle Punktezahl. Er freut sich schon auf den nächsten Band, den er dann vielleicht schon selbst lesen kann.
Rezensionen von Lesendundspielenddurchsleben :
Halt dich gut an Mama fest von Satomi Ichikawa
Interessieren sich eure Kinder für Tiere? Meine Kinder sind immer ganz begeistert, Tiere zu beobachten. Wenn wir in Wien sind, schauen wir uns immer an, wie dort die Orang-Utans in der Orangerie leben. Noch schöner wäre es natürlich, die Tiere in der freien Natur beobachten zu können. Aber ob das jemals möglich sein wird in Anbetracht der Zerstörung ihres Lebensraumes? Wie gut, dass wir das durch das Buch zumindest im Kopf nach Borneo reisen können.
Dort begleiten wir ein kleines Mädchen, dass dort mit seiner Mama lebt und von ihr losgeschickt wird, um Bananen zu pflücken. Dabei begegnet sie in den Wipfeln des dichten Urwalds von Borneo einem Orang-Utan-Jungen. Dessen Mutter macht sich große Sorgen um ihn, da ihr Lebensraum in Gefahr ist. Der Urwald schrumpft, und damit auch der Lebensraum der Orang-Utans, die viel Platz brauchen und große Reviere haben.
Mich hat das Buch gleich berührt beim Aufschlagen. Der Stil der Zeichnungen hat mir so gefallen, und ich finde die Emotionen der Tiere so gut eingefangen. Die Orang-Utans schauen genauso vielfältig, wie ich es aus Schönbrunn kenne von diesen beeindruckenden und klugen Tieren. Das Mädchen schaut auch wunderschön neugierig und gefangen von den Tieren, einfach süß. Trotz der wunderschönen Zeichnungen und der dadurch geschaffenen warmen Atmosphäre will das Buch aufrütteln. Man lernt nicht nur über die Lebensweise und etwa Essensverhalten der Tiere. Auch über die Bedrohung ihres Lebensraumes wird berichtet, ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. Diese Gratwanderung finde ich immer wieder spannend und in diesem Buch total gelungen. Ein wundervoll stimmungsvolles Bilderbuch mit wichtiger Botschaft!
Rezensionen von Herwig Oberlerchner:
Es werde Licht in Dunkelblum
Dunkelblum von Eva Menasse
Dunkelblum, eine Stadt an der Grenze zu Ungarn, unschwer als Rechnitz im Burgenland zu identifizieren, ist der Schauplatz des gleichnamigen Romans von Eva Menasse. Im März 1945 nach einem Fest - ausgerichtet im Schloss der ansässigen Gräfin - werden 200 Zwangsarbeiter erschossen und verscharrt, die Gebeine wurden bis jetzt nicht gefunden.
Wer war an diesem Massenmord beteiligt? Wer wusste davon? Wie wirkt dieses unbearbeitete, dramatische und traumatische Ereignis fort, auch transgenerational? Was geschah noch vor, während und nach Zerfall des nationalsozialistischen Regimes? Wer möchte wie aufdecken, wer wie zudecken? All diese Fragen entfaltet Menasse geschickt eingebettet in ein Kaleidoskop von Charakteren dreier Generationen und deren Schicksalen und Haltungen, reaktiviert durch den bevorstehenden Mauer- und Grenzzaunfall im Jahr 1989 und durch weitere Ereignisse in der kleinen, nur scheinbar so idyllischen Stadt. Ein trotz der Tragik der Ereignisse humorvolles, entblößendes und auch psycho- und soziodynamisch sehr geschickt gemachtes Buch. Ein Soziogramm Österreichs im Spannungsfeld von Verleugnung, Verdrängung, Enttabuisierung und keimender Gedenkkultur.
Rezensionen von Petra:
Ohne Ende
Die Glücksfrauen - Der Geschmack von Freiheit von Anna Claire
Drei Freundinnen, Louise, Anni und Maria zu Beginn der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Ihre Louise engagiert sich im Widerstand, Maria ist Jüdin und Anni hat einen Freund der zu den Nationalsozialisten gehört. Trotzdem haben sie gemeinsame Zukunftspläne. Ein Restaurant in dem sie sich alle drei einbringen.
Aber die Zeiten lassen es nicht zu. Louise flieht nach New York und versucht von dort den Kontakt zu halten.
In der Gegenwart ist da June sie ist Louises Enkelin und soll nach deren Tod die beiden anderen finden bzw. ihre Nachkommen.
Eine Geschichte die schon öfter thematisiert wurde. Hier hat die Autorin einen anderen Blickwinkel gewählt. Louise ist die Hauptfigur in der Vergangenheit aus ihrer Sicht wird das Geschehen erzählt. In New York beschreibt sie das Leben als Emigrantin, die Probleme mit der Sprache, die vielen Flüchtlinge, als Deutsche in einem Land das Kriegsgegner ist. Das Heimweh und die Angst um die Zurückgebliebenen sind mit das größte Problem.
Großmutter und Enkelin haben viele Parallelen in ihren Leben. Es ist interessant zu verfolgen wie sie sich in den unterschiedlichen Zeiten entwickeln.
Mich hat es sehr gestört, das es nicht einmal für die Figur der Louise einen Abschluss gab. Es war von vornherein klar das es drei Bände geben wird, einen für Louise, einen für Anni und einen für Maria. June in der Gegenwart ist anscheinend das Bindeglied zwischen den Figuren der Vergangenheit.
Aber das Buch lässt alle Enden offen.
Es ist das Gefühl entstanden als ob ich mitten im Buch aufgehört habe und dann das Buch nicht wieder finden kann um es weiter zu lesen. Denn ob und wann der nächste Band erscheint steht anscheinend noch in den Sternen.











