Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von La Calavera Catrina:

Starke Frauen, Rache und ein Raubzug

Mayfair House von Alex Hay

Die historische Geschichte spielt in London, Anfang des 20. Jahrhunderts. Mrs. King war viele Jahre Haushälterin für die Familie im Mayfair House. Doch nun weht einer anderer Wind. Nachdem der Hausheer gestorben ist, übernimmt die Tochter das Zepter. Aufgrund eines Fehlverhaltens hinsichtlich der Knigge, wird Mrs.

King fristlos gekündigt. Rachepläne verschaffen Mrs. King Genugtuung und so stolziert sie erhobenen Hauptes aus der Villa. Während des kommenden Balls, den sie selbst mutgeplant hat, wird sie die Villa ausrauben. Ein waghalsiger Coup mit sechs ungewöhnlichen Komplizinnen, die teilweise ebenfalls angestellt waren.
Die Sonderbarkeiten, Enthüllungen der Geheimnisse und überraschenden Wendungen mochte ich besonders, gerade weil sie so skurril waren.

Mir lag der Fokus allerdings zu sehr auf der detaillierten Planung des Coups. Das hat etwas die Spannung gedrosselt und für einige Längen gesorgt. Schließlich ist die Frage, ob der Raub gelingen wird, die treibende Kraft beim Weiterlesen. Das erinnert aber tatsächlich an die Handlung in dem Film »Ocean’s 8«. Zudem fühlte ich mich lediglich durch die Sprache ins 20. Jahrhundert versetzt. Ich hätte mir mehr historischer Atmosphäre und britischen Humor gewünscht.

Gefallen haben mir die familiären Verstrickungen, die auch innerhalb des Ensembles für Dynamik sorgten und auch mal von der Haupthandlung abwichen. Ein Personenregister wäre bei der Fülle an Figuren ideal gewesen, und sicher ebenso hilfreich, wie der Grundriss der herrschaftlichen Villa auf dem Vorsatz. Die Charaktere sind oberflächlich, aber trotzdem interessant und es wird erst mit der Zeit klar, mit welchen Motiven jede Einzelne von ihnen an dem Raubzug mitwirkt. Es war schön zu lesen, wie ihr Engagement steigt und der Zusammenhalt wächst, während ihr Plan Gestalt annimmt. Folglich geht es nicht nur um ein geplantes Verbrechen und Rache, sondern auch um Freundschaft und Familie.

Insgesamt hat mir das Buch für ein Debütroman gefallen und ich würde für alle eine Empfehlung aussprechen, die mit den oben genannten Kritikpunkten leben können.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von La Calavera Catrina

Rezensionen von La Calavera Catrina:

Sehr empfehlenswert

Trophäe von Gaea Schoeters

Hunter White hat endlich seine Jagdlizenz für ein Spitzmaulnashorn, und ist aus Amerika nach Afrika gereist, um mit dem Jagdleiter und Berufsjäger Van Heeren seine Big Five zu komplimentieren. Doch es kommt alles anders, und der weitere Verlauf birgt einige Überraschungen.

Ich mochte diesen imposanten Erzählstil sehr.

Gaea Schoeters dehnt die Gegenwart aus, fängt jedes Detail ein und schweift zum richtigen Zeitpunkt in Erinnerungen ab, bevor die Gedanken zurückkehren, in die unerbittliche Wirklichkeit. Das macht vor allem das letzte Drittel sehr spannend und ich finde, man erhält tiefe Einblicke in Umstände, die man vermutlich nie selbst erleben wird, und gewinnt einen bleibenden Eindruck von Afrika. Nahezu leichtfüßig fließen zudem interessante Fakten über die Tiere und die Jagd ein. Gaea Schoeters zeigt einige Sichtweisen auf, jedoch ohne diese zu bewerten. So werden auch Umweltaktivisten erwähnt, die ein vollständiges Jagdverbot fordern, oder wenigsten ein Verbot für die Einfuhr von Trophäen. Insgesamt erzählt Gaea Schoeters diese Geschichte aber aus der Sicht eines Jägers, in der dritten Person, der seine Beute mit Respekt behandelt. Was Hunter antreibt, ist der „Kick des Risikos“. Aus seiner Sicht ist „die Jagd eine Form des Artenschutzes, und deshalb ein artgerechter, ehrenhafter Sport, und das Wildern ein schreckliches Verbrechen.“

Dieses Buch hat mich sehr beschäftigt, denn ich hatte vorher keine Ahnung von dem Thema. Deutschland ist in der EU das Land, mit den meisten Trophäensammlern. Ich stehe Trophäenjagd ablehnend gegenüber, weshalb mich die Betrachtungsweise besonders interessiert hat. Was treibt solche Männer an, Trophäen zu jagen? Doch Hunter ist kein Jagdtourist, der nur auf ein moralisch fragwürdiges Porträt aus ist, er ist überzeugt, seine Prinzipien sind fair, respektvoll und ethisch. Für ihn ist es kein „perverses Reiche-Leute-Hobby“. Er ist pragmatisch und findet es schön, ein totes Tier an die Wand zu hängen und seiner Frau als Geschenk mitzubringen.

"Trophäe" bietet nicht nur Einblicke in die Sichtweisen eines Jägers, das unberührte, wilde Afrika und die Essenz des Jagens, sondern zeigt auch, wenn die „Einkünfte aus der Trophäenjagd wegfallen, haben die Wilderer freies Spiel.“ „Was wertlos ist, wird nicht geschützt.“ Nur Trophäen haben einen Wert. Es fehlt an Alternativen, und damit an Geld, um wirkliche Artenvielfalt und Naturschutz zu ermöglichen. Diese ethischen Urteile stehen zwischen den Zeilen und laden dazu ein, sich näher damit zu beschäftigen. Besonders interessant fand ich das Einbringen einer neuen Komponente, die Menschen vor Ort, die Buschmänner, ebenfalls wirtschaftlich wertlos. Gaea Schoeters bringt eine Dynamik mit ein, die mich sprachlos gemacht hat. Den weiteren Verlauf fand ich packend und das Ende grandios. Am Ende konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen und es gab viele Textstellen, die ich mir markiert habe.

Eine Geschichte, die einen nicht so leicht loslässt und den Horizont erweitert. Große Empfehlung von mir.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von La Calavera Catrina

Rezensionen von La Calavera Catrina:

Spannender Coming-of-Age-Roman voller Geheimnisse

The Fort von Gordon Korman

Die Geschichte beginnt mit dem dreizehnjährigen Evan, der unfreiwillig Ricky zu einem Treffen mit seinen Freunden Mitchell, Jason und C.J. mitnimmt, die im Wald ihren gerade gebauten Zufluchtsort begutachten, der durch einen Hurricane zerstört wurde. Ricky ist es, der die freigespülte Tür zu einem Bunker aus dem Kalten Krieg entdeckt und schnell wandelt sich Enttäuschung zu absoluter Überwältigung.

Dieses Fort wird für die fünf Jugendlichen zu einem geheimen Treffpunkt, mit dem Flair der Siebzigerjahre, den sie täglich aufsuchen, um gemeinsam Playstation zu spielen oder Filme zu gucken. Doch für C.J. ist es auch ein Zufluchtsort, der ihn vor den brutalen Wutausbrüchen seines gewalttätigen Stiefvaters schützt. Das soll aber keiner wissen. Es ist eines von vielen Geheimnissen in dieser Geschichte mit großer Sogkraft. Dieser Fort soll nur ihnen gehören und unbedingt geheim bleiben. Das stellt Jason vor ein moralisches Dilemma, weil er seine Freundin nicht anlügen will. Evans Bruder Luke ist vom Weg abgekommen und treibt sich mit Jaeger rum, einem tyrannischen Schlägertyp. Sie merken, dass die Jungs etwas verbergen und versuchen ihr Versteck zu finden, bis die Lage heikel wird. Ricky ist zwar der Neue, der Außenseiter und ein „erstklassiger Besserwisser“, aber seine Intelligenz und gute Beobachtungsgabe ist eine große Bereicherung für die Gruppe. Mitchell kann Ricky nicht leiden und lässt ihn das spüren. Seine Zwangsstörung trägt dazu bei, dass er unbedacht Gefühle anderer verletzt.

Es sind fünf ganz unterschiedliche Charakter mit eigenen Problemen, Geheimnissen und Schwerpunkten, und ihre Freundschaft, in der sich sich näher stehen als Brüder, hat mich sehr begeistert und berührt. Ich mochte die Jungs so sehr, dass ich sie, nach der Beendigung des Buches, vermisst habe. Auch der Inhalt wirkt nach. Trotz bedrückender Themen, wie häusliche Gewalt, Scheidung, Armut und Vernachlässigung, wird die Geschichte nie unangenehm bedrückend. Sie erzählt von Zusammenhalt und ist mitreißend und spannend, weshalb ich die zweite Hälfte am Stück verschlugen habe. Mir hat besonders gefallen, das Gordon Korman die Balance aus Oberflächlichkeit und Tiefe gut gelungen ist. Sein Schreibstil liest sich schnell weg und die Erzählperspektive ist klug gewählt, denn abwechselnd taucht man kapitelweise in die Ich-Perspektiven aller fünf Jugendlichen ein (sowie Luke, dem Bruder von Evan). Als ich mich daran gewöhnt hatte, fand ich es ideal und aufschlussreich. Es bleibt trotzdem unvorhersehbar, wie alles aufgelöst wird, was dann zu einem packendem Finale führt, indem es um das Überleben geht. Insgesamt bin ich begeistert und finde, "The Fort" ist nicht nur für die Zielgruppe lesenswert.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von La Calavera Catrina

Rezensionen von La Calavera Catrina:

Mit Wörtern Bilder malen

Der Wortschatz von Rebecca Gugger

Oscar liebt es Schätze zu finden. Als er beim täglichen Löcherbuddeln eine Truhe findet, malt er sich bereits auf dem Heimweg die tollsten Schätze aus, die er darin finden wird. Als Oscar zwei Tage später die Truhe öffnet, befinden sich darin aber keine Goldkrone oder Diamanten, sondern Wörter, die kreuz und quer liegen.

Enttäuscht probiert Oscar ein bisschen herum, zupft dran und verändert seine Form, bis er das Interesse verliert und "Quitschgelb" hinter sich wirft. Als dann ein quetschgelber Igel an ihm vorbeistürmt, wird Oscar neugierig und probiert noch mehr Wörter aus, bis die Truhe leer ist. Was nun?

Bis die Truhe leer ist, bekommt man bereits einen wunderbaren Eindruck, wozu Worte in der Lage sind, wenn sie unser Vorstellungsvermögen anregen. Oscar hat sichtlich Spaß dabei, die Worte auszuprobieren, und sowohl die kreativen Illustrationen dazu begeistern, wie auch die dazu passenden vielseitigen Adjektive. Man wird bereit spielerisch dazu eingeladen, mitzumachen und das Buch versprüht Wortmagie, über die Wahrnehmung unserer Umwelt. Am Ende gibt es noch viele Illustrationen, die zum fantasievollen Erfinden einladen. Seinen wirklichen Schatz findet Oscar aber mit Luise, nachdem alle Erwachsenen viel zu beschäftigt waren, ihm zu helfen. Oscar lernt, wie wertvoll Worte sind, dass man sie mit Bedacht wählen sollte und sie überall finden kann. Denn es gibt so viele Möglichkeiten: kreative Worterfindungen, schöpferische Wortkreationen oder hellwache Wörtersuche. Oscar lernt schließlich eine Menge neuer Wörter kennen und erforscht mit allen Sinnen.
Mein absoluter Liebling ist in Wort und Bild die Doppelseite, wo Oscar und Luise auf der Wiese liegen und sie ihm ein Wort schenkt, während die Bäume Schatten werfen.

Fazit: Ein tolles Bilderbuch, das ich sehr empfehlen kann. Eine Hommage an unseren Wortschatz und unsere eigene Wörtertruhe, die wir jederzeit selbst füllen und leeren können. Es ist ein gelungenes Zusammenspiel aller Elemente, das für Groß und Klein gleichermaßen Wertvolles und Spaß bereit hält. Dazu gibt es zudem online pädagogisches Material für die Grundschule.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von La Calavera Catrina

Rezensionen von La Calavera Catrina:

Teichnixe Lily hat ein gutes Herz

Lily und der Herzenszauber von Lucy Fleming

Wer sich vom Cover angezogen fühlt, sollte unbedingt mal reinschauen, denn die Geschichte ist so schön, wie das traumhafte Cover mit Schimmereffekt, hoffen lässt.

Lily hat als Teichnixe ein großes Verantwortungsgefühl für alle ihre Freunde. Sie liebt den Teich und sorgt für Ordnung und hilft, wo sie gebraucht wird, damit sich alle wohlfühlen.

Diese traumhafte Natur soll für alle Lebewesen ein sicherer Ort sein. Dazu gibt es auch einen, sich mehrmals wiederholenden, Reim, indem Lily kundtut, dass sich niemand sorgen muss, weil sie immer auf alle aufpassen wird. Das löst bereits beim Lesen ein behagliches Wohlgefühl aus und vollzieht noch, getreu der Botschaft, eine wichtige Veränderung. Lily ist wie eine Mutter, die sich um all ihre Kinder kümmert. Dazu gehören auch wachsende Sorgen, ihre Freunde nicht beschützen zu können. Aber kann eine kleine Teichnixe wirklich so viel Verantwortung alleine tragen? Hier werden sich bestimmt auch Erwachsene angesprochen fühlen.

"Lily und der Herzenszauber" ist eine süße Geschichte über Solidarität, Selbstlosigkeit, Fürsorge, sowie Freundschaft und erzählt von von Gemeinschaft, Natur und Momenten der Überforderung, in denen alles zu viel wird und man etwas Mut braucht, um nach Unterstützung zu fragen. Lucy Fleming hat diese Geschichte nicht nur verfasst, sondern auch ganz großartig bebildert. Harmonische Töne unterstreichen das lebendige Treiben am Teich und verleihen Lily eine zarte Sanftheit und Wärme. Sehr niedlich ist auch Lily´s bester Freund Blubber, die Kaulquappe. Denn im Verlauf der Handlung vollzieht Blubber eine spannende Wandlung - von Seite zur Seite.

Für Kinder ist das eine wirklich schöne Geschichte, mit ganz einfachen Texten zum Vorlesen oder Selberlesen, einem Reim zum Mitsprechen und natürlich schöne llustrationen mit Meerjungfrauen-Zauber, die garantiert begeistern. Eignet sich auch prima für das abendliche Vorleseritual. Daher eine uneingeschränkte Empfehlung für Kinder ab 4 Jahre.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von La Calavera Catrina

Rezensionen von Tara:

Überraschend – über das Leben & Familie

Trabant von Stefan Sommer

„Trabant“ ist das Debüt des in München lebenden Autors Stefan Sommer.

Georg Himmel ist gerade als Trauzeuge seines besten Freundes in Kroatien. Dort erhält er eine verwirrende SMS seines Vaters. Diese ist eigentlich an eine Lisa gerichtet und klingt als ob sein Vater eine Affäre hätte. Kurzentschlossen begibt sich Georg mit seinem alten Corsa zum Münchener Flughafen.

Es folgt eine unglaubliche Reise von Istrien nach München und quer durch Georges Erinnerungen.

Der Schreibstil von Stefan Sommer liest sich leicht, obwohl mir nicht immer ganz klar war, welche Erinnerungen wirklich real oder Hirngespinste sind.
Mit Georg hat er einen authentischen und auch durchaus sympathischen Protagonisten erschaffen. Er zweifelt, wirkt hilflos, hat Ängste, merkt, dass er seine Eltern scheinbar gar nicht so gut kennt wie er dachte. Dem Autor ist es hier gelungen einen interessanten Charakter facettenreich und überzeugend darzustellen.

Die Ereignisse sind ein wenig skurril, keineswegs vorhersehbar, überraschend und unterhaltsam. Georges Reise beinhaltet durch seine Erinnerungen und Gedanken so viel mehr als ich zunächst erwartet hatte. Da sind Unglaube, Hoffnung, Ärger, Wut, Abwarten und vieles mehr, bis es letztendlich zu einem durchaus überraschendem aber sehr gelungenem Ende kommt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Tara

Rezensionen von La Calavera Catrina:

Hörbuch-Empfehlung

Heinz Labensky - und seine Sicht auf die Dinge von Anja Tsokos; Michael Tsokos

Diese schräge Geschichte ist eine Zeitreise in die die ehemalige DDR mit dem Zeitzeugen Heinz Labensky, einem neunundsiebzig Jahre altem Mann, „planlos wie eine Kuh, wenn’s donnert“, kein Genie, kein Mann der Worte, aber einer mit Herz.

Heinz Labensky führt ein unauffälliges Leben in einem Feierabendheim in einem Betonklotz, als er einen Brief erhält.

Darin schreibt eine Frau von seiner allerbesten Jugendfreundin Rita, welch schreckliches Schicksal sie ereilt haben soll, und wie Heinz die Absenderin, Ritas Tochter, kontaktieren kann. Bestürzt von dem möglichen Tod seiner Freundin, fackelt Heinz nicht lange und macht sich von Erfurt auf den Weg nach Rostock Warnemünde zum Hotel Neptun, um dort Ritas Tochter zu treffen. Auf dieser Reise landet er schließlich in einem Flixbus, der ihn sozusagen auf eine Zeitreise schickt, bevor er sein Ziel erreicht. Wechselnde Reisende kommen mit Heinz ins Gespräch und ermutigen ihn, mehr von dem zu erzählen, was er nicht schon unfreiwillig in seinem dahin geträumten Wachkoma preis gegeben hat. Es geht vor allem um die Liebe, denn Heinz wurde stets davon angetrieben, Rita zu finden und zu beschützen, wobei er das ein oder andere Abenteuer in der DDR erlebte insbesondere schicksalshafte Begegnungen, die ihren unvorhersehbaren Lauf nahmen.

Der Erzählstil erinnert ein bisschen an den schwedischen Autor Jonas Jonasson, während die Figur Heinz Labensky die unbedarfte Liebenswürdigkeit eines Forrest Gump besitzt, der ebenfalls durch große historische Momente streifte, ohne die Bedeutung dessen gänzlich zu begreifen und äußerst bildhaft von seinen Erlebnissen berichtet. Ähnlich ist es mit der Hauptfigur, die unwissend der Roten-Armee-Fraktion half, obwohl er am liebsten Eisbecher in der Mokka-Milch-Eisbar aß, in der Sibylle blätterte und genügsam vor sich hin träumte.

Gesprochen wird das Hörbuch von Katharina Thalbach, der es hörbar Spaß gemacht haben muss, diese Geschichte einzulesen. Ihre Stimme passt hervorragend. Heinz Labensky ist eine Figur, mit der man mitfühlen kann, deren Missverständnisse für einige Lacher sorgen. Der Schreibstil bedient sich zahlreicher Ausrücke und Begriffe der DDR, teilweise ist die Story ein bisschen überdreht, eine Mischung aus freier Fiktion und realer Ereignisse und Personen, voller bildhafter Vergleiche, was man mit einem fantasievollen Augenzwinkern betrachten sollte, denn insgesamt wurde ich gut unterhalten und der Schluss hat mir gut gefallen. Wer den Film "Forrest Gump“mochte, gedanklich gern noch einmal in die DDR reisen möchte und skurrile Geschichten mit Herz mag, für den wäre dieses Buch wohlmöglich etwas.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von La Calavera Catrina

Rezensionen von froschman:

Düsterer Thriller

Oxen. Pilgrim von Jens Henrik Jensen

Niels Oxen, hochdekorierter ehemaliger dänischer Soldat, begibt sich auf Pilgerreise, um seine letzten Taten zu sühnen. Er hatte ja erstmals ohne Auftrag getötet. Margarethe Franck vom Geheimdienst PET wurde vom Dienst suspendiert und wird von ihrem in der Zwischenzeit pensionierten Chef Axel Mossmann, der eine Personenschutz-Firma gründete, engagiert, um eine Dokumentenübergabe zu sichern.

Diesen Auftrag konnte sie leider nicht zufriedenstellend erledigen. Und Sally Finnsen sucht noch immer den Mann, der ihren Bruder Nicolai ermordet hatte. Diese vier Hauptpersonen bestimmen die Richtung, es gibt verschiedene Handlungsstränge. Zum einen die geheime Übergabe von Daten tausender Finanzbetrügern, zum anderen die Suche nach dem Mörder von Nicolai. Doch es stellt sich heraus, dass es da gewisse Zusammenhänge gibt, die Ermittlungen werden jedoch teilweise von höchster Stelle behindert.
Von Vorteil wäre es, wenn man den Vorgängerband Oxen – Noctis gelesen hätte, da viele Bezüge zu diesem Buch bestehen, aber es ist nicht unbedingt erforderlich. Jensen ist es mit Pilgrim wieder gelungen, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Mit der flüssigen Schreibweise und kurzen Kapiteln, einigen interessanten Wendungen und einem fulminanten Ende hat mich Jensen wieder einmal überzeugt.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von froschman

Rezensionen von La Calavera Catrina:

Auf zur Wolke 7

Mina Wirbelfee (Bd. 1) von Zoe Magdalena

Mina ist sehr aufgeregt, denn zu ihrem Geburtstag erfährt sie endlich, welche magischen Feenkräfte sie erhält. Doch weder Mama, Papa noch Oma können entziffern, was in dem Brief von der Feenkönigin steht. Dabei ist Geduld nicht Minas Stärke, weshalb sie spontan zur königlichen Hoheit zur Wolke sieben aufbricht, um von ihr höchstpersönlich zu erfahren, was ihre Fähigkeit ist.

Begleitet wird Mina von Rüdiger, einem Dackel und Wanda, der Wanderwarze.

Das Feenreich wird von skurrilen Geschöpfen bewohnt und es scheint alles lebendig zu sein: böse Blumen, die sich mit fiesen Gemeinheiten nicht zurückhalten, wehleidigen Bäume, die Unmengen Tränen vergießen und starken, behaarten Meerjungfrauen mit Wampe, die keine Schwäche zeigen. Erinnert ein bisschen an das Wunderland, indem Alice auch so seltsamen Gestalten begegnet, während sie auf dem Weg zur Königin ist.
Eine farbige Fee als Heldin hat Symbolkraft und ist einfach großartig. Mina hat eine starke Persönlichkeit mit viel Selbstvertrauen. Das sie auch mal frech ist und ganz sie selbst sein darf, macht sie authentisch und die Geschichte noch besser. Sie ist voller Tatendrang und mutig, wie sie sich in ein unbekanntes Abenteuer stürzt und nicht aufgibt, auch wenn ihr mal Zweifel kommen. Schließlich ist sie nicht allein, sondern hat ihre Freunde.

Die vielen farbigen Illustrationen sind richtig das absolute Highlight als Witz und Spaß. Alles ist lebendig und hat große Kulleraugen und eine aussagekräftige Mimik. Rüdiger sieht einfach immer süß aus und die Bilder unterstreichen den Humor so gekonnt, dass man bei dem Anblick unweigerlich lachen muss. Es gibt viele schöne Zeichnungen, aber besonders gelungen finde ich das Vorsatzpapier, sowohl vorne als auch hinten, weil es Mina, Rüdiger und Wanda auf ihrer Reise zeigt, am Tag und bei Nacht.

Fazit: Das Vorlesen hat einfach unheimlich viel Spaß gemacht und "Mina Wirbelfee" ist ein sehr witziger, ideenreicher, magisch fantasievoller Auftakt mit Augenzwinkern, versehen mit vielen kleinen Weisheiten und Botschaften der Selbstliebe und Achtsamkeit. Mina lebt die Träume der Kinder aus, und die werden ihren Spaß mit diesem Buch haben.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von La Calavera Catrina

Rezensionen von Frechdachs:

Shanghai-Nights - Was ist wirklich in der Nacht auf den 2. September 2021 passiert?

Die Spiele von Stephan Schmidt

So schillernd und bunt das Cover des Kriminalromans "Die Spiele" von Stephan Schmidt daherkommt, genau so bunt stellte ich mir tatsächlich auch die Ausarbeitung desselbigen vor.

Der Teasertext als solches klang für mich unheimlich spannend.

Schmidt verwebt ein Stück deutsch-deutscher Geschichte, den sogenannten Madgermanes in der damaligen DDR, von denen wahrscheinlich sehr viele von uns aktiv noch nichts gehört haben mit einem fiktiven Mordfall im fernen Osten Asiens.

Vielleicht gleich eines Vorab für Leseinteressierte dieses Romans, einen Thriller darf man hier nicht erwarten. Das Genre Kriminalroman trifft es ziemlich gut, welches auch auf dem Cover prangt.

Wie bei Kriminalfällen und deren Ermittlung üblich zieht sich mitunter diese Arbeit ganz schön in die Länge. Dabei sind wir meiner bescheidenen Meinung nach bereits beim vielleicht größten Manko des vorliegenden Romans. Über weite Strecken tappte ich irgendwie komplett im Dunkeln und mir fehlte ganz einfach in weiten Teilen auch eine gewisse Grundspannung im Plot.

Die Handelnden selbst werden sehr ausführlich beschrieben und je weiter das Buch voran schreitet, desto plastischer wirken auch deren Charakteren, allerdings fehlte mir tatsächlich irgendwie immer der direkte Bezug zu den Handelnden und ich beäugte die Situationen quasi jeweils aus der Distanz heraus. Es gab bei mir leider nie eine wirkliche Identifikation mit den Handelnden und ihrem zugehörigen Tun.

Die recht vulgäre Sprache, gerade wenn es um sexuelle Aktivitäten im Roman ging, hat mich irgendwie komplett abgestoßen und passt auch nicht so ganz zum anderen Stil der Erzählweise.

Der Kriminalroman zeigt deutliche Licht- und Schattenseiten. Beispielsweise hätte ich mir fast noch mehr zum historischen Hintergrund zu den Madgermanes gewünscht. Gleichzeitig hätte aber auch der ganzen Erzählweise mehr Drive und vor allem Spannung gut getan.

Die Erzählsicht selbst wechselt quasi immer zwischen unterschiedlichen Perspektiven und Zeiten. Gerade in dieser Hinsicht haben mich diese sehr flotten und vielschichtigen Perspektivwechsel ehrlicherweise immer mehr verwirrt und vom Grundkonzept her zu stark abgebracht. In dieser Hinsicht wäre vielleicht weniger dann am Ende mehr gewesen.

Alles in allem ein akzeptabler Kriminalroman, der vom Cover her schillernd bunt angeteasert wird und beim Lesen dann leider sehr schnell abflacht und auch irgendwie versandet.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Frechdachs