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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von begine:

Erschreckend

Geordnete Verhältnisse von Lana Lux



Die Autorin Lana Lux schreibt mit nüchterner Prosa. Sie ist in der Ukraine geboren und lebt jetzt in Deutschland.
Der Roman „Geordnete Verhältnisse“ spielt in den 2010er Jahren und
behandelt das Verhältnis von Philipp und Faina. Sie lernen sich schon in der Schule kennen. Fiana ist mit ihrer Familie aus der Ukraine gekommen.

Philipp erlebt vieles mit seiner alkoholkranken Mutter.
Die Autorin hat den beiden krasse Charaktere zugewiesen.
Faina hat eigentlich gute Vorsätze, kommt dann in ungute Freundschaften und sitzt dann mit großen Schulden da.
Philipp entwickelt sich zu einem besonderen Eigebrötler aus.
Abwechselnd erzählen die Beiden ihre Eindrücke in Ichform.
Diese Geschichte hat Sogwirkung, ich musste immer gleich wissen, wie das weiter geht und wie das wohl endet.
Lana Lux macht es besonders spannend. Der Roman ist lesenswert.

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Rezensionen von liesmal:

Entführt!

Blutrot von Lilja Sigurðardóttir

Nach „Höllenkalt“ ist „Blutrot“ der zweite Teil der Áróra-Reihe. Diesmal befasst sich Áróra mit der Entführung von Flosis Frau Gudrun. Eine Lösegeldforderung und vor allem der Hinweis: Keine Polizei! bringt Áróra auf die Idee, ihren Freund, den Polizisten Daniel um Mithilfe bei der Aufklärung zu bitten.

Die beiden sind ja bereits ein eingespieltes Team und auch in diesem Fall gefällt mir, wie spannend die Geschichte aufgebaut ist, und das, obwohl sich ein großer Teil der Handlung auf Flosis Haus konzentriert.
Áróra ist ja beruflich mit dem Aufspüren versteckter Vermögenswerte beschäftigt. Es scheint, als gäbe es auch hier undurchsichtige Machenschaften.
Das Cover in Blutrot ist ein echter Hingucker und gefällt mir vor allem durch den hohen Wiedererkennungswert im Vergleich zum ersten Teil.
Das Buch bietet bis zum Schluss großartige und spannende Unterhaltung. Mir gefällt es gut, dass sich die Handlungen beider Bücher teilweise miteinander verstricken. So haben weder Áróra noch Daniel die Suche nach Áróras Schwester Isafold bisher aufgegeben.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Für die Freiheit und wider das Vergessen

Jelka von Helena Kuchar

„Aus Kärnten werde ich ein Paradies machen ...“ (S.14) Genausowenig wie seine größenwahnsinnigen Architekturfantasien Linz oder Wien zu den „Perlen des Deutschen Reiches“ gemacht haben, ist aus Kärnten das versprochene Paradies geworden. Mit diesen überzogenen und großspurigen Allmachtsfantasien ist Hitler auf Menschenfang gegangen und hat in weiten Teilen des vom Ständestaat zerrissenen Österreich zahlreiche Anhänger gefunden.

Dass nach 12 Jahren das von ihm propagierte tausenjährige Reich am und zu Ende war, ist bekannt. Weniger bekannt sind die vielen Widerstandsgruppen, die sich gegen das NS-Regime gestellt haben. Eine davon ist die Gruppe rund um Helena „Jelka“ Kuchar im Grenzgebiet zwischen Kärnten und Slowenien.

Dieses Buch sind nicht nur Lebenserinnerungen von Helena „Jelka“ Kuchar (1906–1985) die zunächst als Magd auf einem Bauernhof bei Bad Eisenkappel/Železna Kapla gelebt hat, sondern auch eine fundierte Darstellung des Kärntner Widerstandes gegen die NS-Diktatur.

Heimlich mussten sie und ihr Mann heiraten, denn die Familie ihres Mannes war mit der bitterarmen Magd nicht einverstanden. In diesen Aufzeichnungen, die bereits 1984 im Drava-Verlag erschienen sind, erinnert sie sich, wie die slowenische Minderheit von den Deutschkärntern schon vor 1938 gedemütigt und drangsaliert worden. Während des Zweiten Weltkrieges und der kriegsbedingten Abwesenheit ihres Ehemannes muss sie alles tun, um ihre vier Kinder vor den Schergen des Regimes schützen, denn die machen, wie wir wissen, Jagd auf alle Nicht-Arischen. Jelka schließt sich den Partisanen an, stets in Gefahr zu verhungern oder verraten zu werden. Das Buch spart Jelkas Verhaftung und Folter durch die Gestapo nicht aus. Letztlich gelingt es ihr mit viel Chuzpe am Laben zu bleiben.

Die Hoffnung auf Verbesserung der Situation der Kärntner Slowenen nach Ende des Krieges, erfüllt sich nicht. Es wird noch Jahre dauern, bis die versprochenen zweisprachigen Ortsafeln aufgestellt und die slowenische Sprache als Amts- und Unterrichtssprache in jenen Ortschaften akzeptiert wird, in denen sich die Bewohner zu ihren Wurzeln bekennen.

Jelka Kuchar engeagierte sich nach dem Zweiten Weltkrieg bis ins hohe Alter für die slowenische Frauenbewegung und die Kulturarbeit vor allem mit Kindern und Jugendlichen.

Meine Meinung:

Das Buch „Jelka“ erschien erstmals 1984 im Verlag Drava. Es wurde jetzt vom Wieser Verlag neu aufgelegt und ist ein Teil der „Slowenischen Bibliothek“. Der Klagenfurter Verlag ist einer der wenigen in Österreich, der Bücher slowenischer Autoren verlegt. Loijze Wieser ist dabei wichtig, auch Unbekanntes aus der gemeinsamen Geschichte Kärntens und Sloweniens zu präsentieren. Diese Lebenserinnerungen wurden Thomas Busch und Brigitte Windhab nach Tonbandaufzeichnungen von Helena Kuchar veröffentlicht.

Als halbe Kärnterin ist mir die Geschichte des Bundeslandes vetraut und wichtig. Leider gehört(e) meine väterliche Verwandtschaft zu jenen, die auch heute noch dem Ariernachweis eine unangemessen wichtige Bedeutung schenken. Bei solchen Menschen tut Aufklärung auch Jahrzehnte nach dem Ende des Unrechtsregime not. Hier könnte dieses Buch seinen Beitrag leisten.

Fazit:

Gerne gebe ich diesen Lebenserinnerungen, die ein beredtes Zeugnis für die Freiheit und wider das Vergessen sind, 5 Sterne.

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Rezensionen von downey_jr:

Alles easy, Isy .... unterhaltsames Teenie-Buch

Ist doch Isy!, Band 2 - Von Lampenfieber, leckeren Rezepten und meinem Lieblingssong von Annette Neubauer

Zugegeben, hätten wir das Buch nicht gewonnen, wären ich und auch meine Tochter vermutlich nicht darauf aufmerksam geworden.
Den ersten Band dieser Reihe kannten wir noch nicht, dennoch kam das Buch bei meiner Tochter sehr gut an. Ich war mir vorher nicht sicher, ob ihr das gefällt. Meistens liest sie andere Genres .

..
Das Buch ist sehr unterhaltsam und locker-flockig geschrieben. Es ist aufgepeppt mit guten do-it-yourself Ideen und ganz netten Rezepten. Es liest sich sehr leicht und schnell, meine Tochter hatte das Buch in kürzester Zeit durchgelesen. Sie sagte mir danach, dass sie unheimlich gerne auch Band 1 und den bald kommenden Band 3 lesen würde. Es ist jetzt vielleicht nicht sehr tiefgründig und die Sprache gefällt mir persönlich nicht so gut, aber zwischendurch dürfen die Kinder ja auch mal etwas Leichtes lesen. Wir können es also bedingt empfehlen. Ich würde fairerweise 3-4 von 5 Sternen vergeben, das trifft es meiner Meinung nach ganz gut.

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Rezensionen von downey_jr:

Der Blick ins Nichts ... und in die Vergangenheit

Mutternichts von Christine Vescoli

Ich bin hin und hergerissen von diesem Buch. Christine Vescoli schreibt hier über die Beziehung einer Tochter zu ihrer Mutter sowie von der schwierigen Vergangenheit ihrer Mutter. Die Mutter hatte ein hartes Leben, eine Kindheit voller Entbehrungen und schwerer Schicksale. Vieles davon blieb jedoch ein Leben lang unausgesprochen.

Nach dem Tod der Mutter macht sich die Tochter auf die Suche nach der Vergangenheit und Antworten auf die nie beantworteten Fragen.
Das Buch ist sehr leise und poetisch geschrieben, was mir einerseits sehr gut gefällt. Dennoch tat ich mir stellenweise etwas schwer damit.
Vieles an dem Buch gefiel mir sehr gut und ließ mich nachdenklich zurück.
Was wissen wir eigentlich über die Vergangenheit unserer Mütter und Vorfahren?
Wie viel bleibt für immer ungesagt?
Oft bleibt einfach nichts ...
Ein nicht ganz einfaches und auch trauriges Thema ...

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Rezensionen von Tobias Kallfell:

Zu wenig Abwechslung und durchschnittliches Spannungsniveau

Die Burg von Ursula Poznanski

Eine künstlich erschaffene Welt zum Spielen, Rätseln oder zur Erholung? Diese Idee kennt man vom Holodeck aus Star Trek oder auch aus dem Kultfilm „Westworld“ (1973). Ursula Poznanski entwickelt in ihrem Thriller „Die Burg“ unter Einbezug des Themas „Künstliche Intelligenz“ aus dieser Grundidee ein eigenes Setting: Eine mittelalterliche Burg dient als Escape-Welt.

Und eine Besuchergruppe von Experten um den Milliardär Nevio soll dieses ausgefeilte System testen und evaluieren. Dabei kommt es zu einem Zwischenfall. Die KI entwickelt ein Bewusstsein und hält die Gruppe in der Spielewelt fest. Die Gruppe muss um ihr Überleben kämpfen und gleichzeitig versucht man von außen, die KI zu stoppen und die Simulation abzubrechen.

Das Spannungsniveau empfand ich als durchschnittlich. Es dauert schon eine ganze Weile, bis ich in die Handlung hineingefunden habe und vom Geschehen mitgerissen wurde. Und leider verlor die Spannung auf Dauer für mich an Reiz, weil der Inhalt im weiteren Handlungsverlauf zu gleichförmig verlief: immer wieder neue Räume, mit immer wieder neuen Horrorszenarien. Irgendwann reichte es dann einfach. Auch das Team, das von außen eingreift, agiert ziemlich ideenlos und teils naiv. Dieser Handlungsstrang stagnierte mir zu sehr. Was ich vermisst habe: Eine Bedrohung, die mit der Zeit immer mehr zunimmt, ein Team, das von außen mit immer neuen Methoden versucht, Zugriff aufs System zu erhalten und damit scheitert, weil sich die KI wehrt etc. Auch über die technischen Hintergründe hätte ich gern noch mehr erfahren. Ich konnte mir gar nicht so richtig vorstellen, wie das alles funktioniert, was die Gruppe in der Burg erlebt. Handelt es sich um Holographie? Für mich war auch der Schreibstil insgesamt als zu langatmig. Das Tempo ließ zu wünschen übrig.

Was mich ebenfalls enttäuschte, war die Charakterzeichnung. Die Figuren blieben allesamt recht blass und erhielten auch nicht alle die gleiche Aufmerksamkeit. Die Darstellung der Gruppendynamik und das Zusammenspiel der Protagonisten haben mich auch nicht überzeugt. Im Vorfeld der Lektüre hatte ich die Erwartung, dass die Escape-Räume so geschildert werden, dass man als Leser:in ggf. sogar mitraten kann. Das hat sich beim Lesen dann aber als Trugschluss erwiesen. Im Prinzip wird die Handlung durch folgende Fragen vorangetrieben: Was hat die KI vor? Was ist ihr Ziel? Warum agiert sie so, wie sie agiert (v.a. so sadistisch)? Und wird die Gruppe sich aus der Simulation befreien können? Die ersten drei Fragen blieben für mich allerdings zu sehr in der Schwebe. Schade! Und noch etwas hat mir gefehlt: Ein großes Finale. Der Grad an Spannung zog für mich am Ende nicht an, sondern der Spannungsbogen bewegte sich durchgängig auf einem durchschnittlichen Niveau. Für mich eine enttäuschende Lektüre. Ich komme auf 3 Sterne!

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Auf den Spuren einer jüdischen Familie

Kantika von Elizabeth Graver

Dieser Roman beruht auf wahren Gegebenheiten und erzählt die Geschichte von Rebecca Cohen Baruch Levy, der Großmutter der Autorin Elizabeth Graver.

Die Erzählung beginnt im Jahre 1907, als Rebecca Cohen ihr Leben als Tochter eines wohlhabenden sephardischen Unternehmers in Istanbul genießt. Doch nach dem Ende der Ersten Weltkriegs verliert der Vater sein Vermögen und die die nationalistischen Kräfte wenden sich gegen Griechen, Armenier und nicht zuletzt gegen Juden.

Während Rebecca, wie ihre Freundin Lika lieber nach Amerika auswandern möchte, beschließt ihre Familie nach langem Zögern, sich in Spanien niederzulassen. Ausgerechnet nach Spanien, das vor rund 400 Jahren alle Juden zwangstaufen ließ und jene, die sich weigerten, ermordeten. Doch scheint das Angebot für die Samuel Cohen annehmbar zu sein.

Die Ankunft in der Wirklichkeit von 1925 ist heftig, nur eine kleine Wohnung für die mehrköpfige Familie, kein gesellschaftliches Leben und kaum Verdienstmöglichkeiten. Die politische Lage in Spanien verschlechtert sich zusehend. Rebecca wird 1926 mit Luis verheiratet, der im Ersten Weltkrieg einen Giftgasangriff überlebt hat und an Spätfolgen leidet. Sie wird Mutter zweier Söhne und als sie nach Adrianopel aufbricht, um ihren Mann wieder zu sehen, weiß sie bei Reiseantritt noch nicht, dass sie Witwe ist.

Als ihre Freundin Lika bei der Geburt ihres Kindes stirbt, wie Rebecca mit dem Likas Ehemann verkuppelt. Nun scheint sich der Traum von besseren Leben in Amerika, doch noch zu erfüllen. Allerdings muss Rebecca die Reise ohne ihre Familie antreten, denn die sitzt in Spanien von 1934 fest.

Meine Meinung:

Mir hat diese Familiengeschichte sehr gut gefallen. Anders als die streng orthodoxen chassidischen Juden ergreifen die Sepharden beinahe jedem Strohhalm. Und hier sind es die Frauen, die die Initiative ergreifen. Sie lassen sich durch die strengen Glaubensregeln nicht einschüchtern. Sie beugen (oder ignorieren) die Regeln, wirken weltoffen und arrangieren sich mit Gegebenheiten.

Bei Rebeccas Lebensweg führt sie von Istanbul (vormals Konstantinopel) nach Barcelona, Adrianopel und über Kuba nach Astoria in den USA. Das Leben hat abermals so manche Bürde für bereit, denn die behinderte Tochter von Lika, die sie mitgeheiratet hat, sowie ihre Schwiegermutter machen ihr das Leben schwer. Doch sie schafft es, das Leben zu meistern.

Gut gefällt mir, dass immer wieder Sätze in ladino, also der Sprache der sephardischen Juden eingeflochten sind. Wer die Worte aufmerksam liest, wird den Mix aus spanisch, französisch und jiddisch erkennen.

Der Buchtitel „Kantika“ heißt bezeichnenderweise „Lied“, denn die Lieder der Erinnerung an die alte Heimat helfen, die Mühsal des Alltags zu ertragen.

Fazit:

Diesem Roman, mit dem die Autorin ihrer Großmutter Rebecca Cohen Baruch Levy ein Denkmal setzt, gebe ich gerne 5 Sterne.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Nichts für Zartbesaitete

Stigma von Lea Adam

Vorab, dieser Krimi, der als Thriller beworben wird, ist keine leichte Kost.

Jagoda „Milo“ Milosevic und Vincent Frey ermitteln in einem komplexen Mordfall: Ein Jogger wird im Hamburger Bürgerpark mit einem Müllsack über dem Kopf ermordet aufgefunden. Der Mann ist nicht nur tot, sondern ihm wurden die Augen entfernt.

Wenig später die nächste Leiche - ihm fehlt die Zunge. Recht bald ist klar, dass die beiden nicht nur die Todesart, sondern andere Gemeinsamkeiten teilen. Je tiefer die Ermittler in die Leben der Ermordeten eindringen, desto mehr grausame Details kommen ans Tageslicht, die einen Anflug an Sympathie mit dem Täter aufkommen lässt. Dennoch wird gewissenhaft ermittelt. Die Ermittler nehmen Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe, die Vergewaltigungsopfern hilft, auf. Und auch die berühmten drei weisen Affen „Nichts Sehen, nichts Hören, nichts Sagen“ spielen eine Rolle ....

Meine Meinung:

Hinter Leo Adam verbergen sich die Autorinnen Regina Denk und Lea Bitzer, die in diesem Krimi eine wichtige, aber sensible Thematik ansprechen: Der Umgang mit Vergewaltigungsopfern. Wie mit diesem Stigma umgehen? Nach wie zeigen Opfer die Täter aus Scham nicht an. Vor allem dann, wenn sie in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Täter feststecken. Auch bei Gerichtsverfahren scheint man manchmal eher auf Täter- als auf Opferseite zu sein. Kein Wunder, dass die traumatisierten Opfer den Wunsch nach Rache verspüren. Manchmal muss man mit seinen Wünschen vorsichtig umgehen, denn sie könnten in Erfüllung gehen.

Die Ermittlungen sind spannend angelegt, auch wenn die Spur(en) und das Motiv ziemlich aufgelegt sind. Die einzelnen Opfer erhalten jeweils eigene Kapitel, die in kursiver Schrift geschrieben sind. Damit wird ihnen gebührend Raum gegeben.

Neben der Mysogenie und den Verbrechen gegen die Frauen wird noch ein weiteres gesellschaftliches Tabuthema aufgeworfen: Ist Selbstjustiz in jenen Fällen, in denen die Justiz versagt, gerechtfertigt? Der Staat ruft ja sonst auch gerne zur Selbsthilfe auf, wenn er sich, aus welchen Gründen auch immer, außer Stande sieht, helfend einzugreifen.
Hilft Selbstjustiz den Opfern wirklich? Und was ist, wenn der Täter ursprünglich selbst ein Opfer war? Wie ist mit solchen Grenzgängern umzugehen?

Fazit:

Gerne gebe ich diesem fesselnden Krimi, der nichts für Zartbesaitete ist, 5 Sterne.

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Rezensionen von yellowdog:

Die Jagd

Trophäe von Gaea Schoeters

Der reiche Amerikaner Hunter White ist besessen vom Jagen. In Afrika schießt er diverse Tiere, wie Löwen, Elefanten, Nilpferd, Giraffe etc., bis er darauf gebracht wird, dass die Jagd auf einen Menschen einen großen Reiz ausmacht. Nur ist ein Mensch als Beute etwas anderes als auf Tiere, denn der Mensch kann vorausplanen.

Zusammen mit Dawid, seinem jungen Führer, jagt er einen Jungen.
Ein erschreckender Plot und Hunter ist alles andere als ein Sympathieträger. Dennoch ist es interessant zu folgen, wie Hunter die Jagd erlebt. Dabei macht er verschiedene Stadien des Zustands und Bewusstseins durch. Die psychologischen Momente hat die Autorin Gaea Schoeters gut ausgearbeitet so wie sie den ganzen Roman geschickt gestaltet hat.
Der Roman ist kraftvoll und hat Drive. Wegen des schlimmen Themas ist es natürlich kein reines Lesevergnügen, doch die Intensität nimmt im Verlaufe der Handlung immer mehr zu.
Unbedingt erwähnenswert ist das eindrucksvolle Cover.

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Rezensionen von MeinSohnPrinzAndreas:

jugendlich anmutender Abenteuerroman mit bewegender Tiefe

James von Percival Everett

Hannibal, eine Kleinstadt am Ufer des mächtigen Mississippi: hier verbringt Jim seine Tage, verstellt sich, spielt eine Rolle, die nur diejenigen durchschauen, die ebenfalls eine Rolle spielen. Denn er ist nicht dumm, sondern ein dunkelhäutiger Sklave. Und so ist es für sein eigenes Wohlergehen das beste, wenn er die Weißen glauben lässt, er sei, ungebildet, dumm, einfältig und einfach nicht so viel wert, wie sie selbst.

Doch als er erfährt, dass er den Fluss hinab verkauft werden, von seiner Frau und seiner Tochter getrennt werden soll, nimmt er sein Schicksal selbst in die Hand. Er wagt die Flucht. Und von nun an erlebt er mit seinem jungen Freund Huck ein Abenteuer auf dem großen Strom nach dem anderen, immer kurz davor entdeckt oder getötet zu werden.

Auch wenn ich das Standardwerk Mark Twains noch nicht gelesen habe, wollte ich mich dennoch an diese Adaption, bzw. an diese Erweiterung des Tom Sawyer und Huckleberry Finn - Kosmos heranwagen. Und ich bereue es keineswegs, das Buch gelesen zu haben. Von Anfang an entwickelt der Schreibstil eine Sogwirkung, vor allem, da dieser recht Dialoglastig ist, und wir sehr viel Inhalt durch Gespräche, aber auch die Wahrnehmung von Jim, der unser Ich-Erzähler ist. Und so ist unsere Wahrnehmung einerseits sehr eingeschränkt, auf der anderen Seite liegt der Fokus wirklich nur auf den Geschehnissen und so entsteht dieses rasante Tempo eines jugendlich anmutenden Abenteuerromans. Dennoch hatte ich in der ersten Hälfgte des Romans zeitweise meine Probleme damit, dass man sich komplett in Zeit und Raum verliert. Auch werden manche Ereignisse für meinen persönlichen Geschmack etwas zu rasch abgehandelt. Bedingt durch die Erzählperspektive und die eingeschränkte Wahrnehmung, ist dies allerdings unabdingbar für die Geschichte und dementsprechend leicht verzeihbar.

Eine Besonderheit ist, dass viele der Dialoge versuchen, die Umgangssprache der Versklavten nachzustellen, mit der sich diese von der weißen Herrenrasse versuchten abzugrenzen. Gut gelungen, da sich nach einer kurzen Einstellungsühase sich diese Textstellen sehr flüssig lesen lassen, authentisch wohl kaum, da es immer einer Meisterleistung bedarf, dialektale Eigenheiten in einer anderen Sprache wiederzugeben. Wie dem auch sie, Gefühl und Botschaft, dass Sprache einerseits Gemeinschaft schafft, andererseits auch ausgrenzt und an Narrative verknüpft ist, werden uneingeschränkt vermittelt.

Hinsichtlich der Figuren lässt sich sagen, dass einem vor allem die Hauptfigur sehr stark ans Herz wächst. Er ist das zentrum der Geschichte. Wir erfahren seine gedanken, seine Geschichte, seine Gefühle, durchleben mit ihm die Abenteuer und Gefahren. Die anderen, wie Huck sind nur Wegbegleiter, die kommen und gehen, oder bleiben. Doch Jim wird zu einem komplexen Kosmos der Gefühle, so nachvollziehbar, dass selbst Taten und Entscheidungen, die man unter objektiver Betrachtung als moralisch verwerflich oder gar falsch ansehen müsste, beim Lesen nicht angezweifelt werden.

Kurzum, ein Buch, das fesselt, kindliche Begeisterungsstürme für Schaufelraddampfer und Flussabenteuer lostritt, auch wenn es mir manchmal schon zu rasant vorbeizog. Die Botschaft über die Dummheit und Grausamkeit des Menschen bleibt dennoch klar und unverwaschen erhalten.

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