Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Herwig Oberlerchner:
Sprünge, Auslassungen und Vernebelungen
Packerl von Anna Neata
Margarethe, Elli, Alexandra, Eva. Vier Frauen, Mütter und Töchter, vier Generationen einer Salzburger Familie, miteinander tief verbunden durch ähnliche Konflikte und unbewältigte Lebensthemen, die sie von Generation zu Generation weitergeben. Sie suchen ihr Seelenheil in kollusiven Beziehungen zu ihren Partnern, werden ungewollt schwanger, es kommt zu Abtreibungen, die Nebenpartner machen sie auch nicht glücklich, sie kommen miteinander nicht ins Gespräch, beschweigen die wirklich relevanten Themen, die Geheimnisse landen in Kisten.
Auch als Leser kommt man nicht in Kontakt mit den Protagonistinnen, kaum hat man sich einer angenähert, wechselt die Autorin die Sprache und die Generation, macht einen Zeitsprung, und man vertieft sich die nächste Biographie, bis das Erlesene sich wieder auflöst. Durch die Sprünge und Auslassungen und Vernebelungen entsteht kein roter Faden, sondern ein ungelöster, transgenerational weitergereichter Themen- und Identitätsbrei – das Packerl, das in Eva, der vorerst letzten Generation in Selbstverletzung, Depression, Psychiatrieaufenthalten und innerer Leere kulminert. Ein Buch über die Schwierigkeit der Generationen miteinander in Kontakt zu kommen, die unbewusst tradierten Pseudolösungen seelischer Konflikte fruchten nicht, zuletzt sitzt Eva im Ringen um ihre Identität vor der Kiste mit der Familiengeschichte, befriedigt sich selbst und macht sich dann (vielleicht) an die Arbeit. Ein anstrengendes, irritierendes und zuletzt traurig machendes Buch.
Rezensionen von Michaela:
Atmosphärisch und tiefgreifend
Das andere Tal von Scott Alexander Howard
Der Schreibstil von Scott Alexander Howards ist angenehm ruhig und unaufgeregt ohne zu langweilen. Er schafft es eine Atmosphäre zu schaffen in die man eintauchen kann. Die agierenden Personen werden mit einer Tiefe dargestellt, dass ich sie vor mir sehen konnte und mit ihnen mitlebe. Ich war von Kapitel zu Kapitel gespannt wie sich die Geschichte weiterentwickelt und konnte den Roman kaum weglegen.
Als Leserin stelle ich mir die Fragen: Warum handelt Odile in dieser Situation so? Warum nutzt sie die bietenden Möglichkeit nicht? Aber auch was würde ich in dieser Situation machen? Wie würde ich reagieren?
Mein Fazit: Ein Roman, der einen einsaugt, mit Charakteren die einen ans Herz wachsen. Aber auch ein spannendes Gedankenexperiment, was wäre wenn es die Möglichkeit geben würde, 20 Jahre in die Vergangenheit oder Zukunft zu reisen.
Rezensionen von Petra:
Eine biegsame Frau
Annas Lied von Benjamin Koppel
Selten finde ich ein Cover erwähnenswert, aber in diesem Fall muss es sein. Denn es passt wunderbar zur Geschichte. Eine junge Frau sitzt wie verloren am Klavier und spielt einige Noten. Wenn man das ganze Bild sieht, sitzt einige Schritte von ihr entfernt ein Mann am Tisch und liest Zeitung.
Sie gehören zusammen und haben sich aber voneinander entfernt oder war es nur Pflicht? In diesem Bild wird ein Teil von Annas Leben ausgedrückt.
Als junges Mädchen ist sie genau so von Musik begeistert wie ihre vier älteren Brüder. Sie hätte die Gabe für eine große Karriere. Aber sie muss die Pflicht gegenüber ihrer Familie und den jüdischen Traditionen erfüllen. Ihre Brüder können sich lösen aber sie ist das einzige Mädchen also hat sie zu gehorchen.
Der Autor beschreibt einen Teil seiner Familiengeschichte was er nicht weiß oder belegen kann, hat er fiktional dazu geschrieben.
Anna/Hannah ist trotz ihres Gehorsams eine eigenständige Frau. Sie findet in der Musik ihre eigene Welt, kann sich darin zurück ziehen, Kraft schöpfen.
Als sie am Ende ihres Lebens ihrem Neffen ihre Lebensgeschichte erzählt, erzählt sie sie auch uns Lesern. Oft unbegreiflich erscheint einem einige Regeln, Entscheidungen oder Verhaltensweisen die durch die jüdische Religion gefordert werden.
Das Buch ist nicht nur eine spannende Familiengeschichte, es ist auch eine Beschreibung der strengeren jüdischen Lebensweise. Warum es diese Gesetze für das tägliche Leben und gibt und worin sie begründet liegen.
Die Geschichte berührt und gleichzeitig bewundert man die Frau die sich beugt aber nicht zerbricht.
Rezensionen von Gaby 2707:
Geschichten aus dem Frauenknast
Der geile FrauenKnast | Erotische Geschichten von Holly Rose
Im Frauengefängnis lerne ich Terry kennen, die bei Hera einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Sabrina hat ein einziges Mal in ihrem jungen Leben einen Fehler gemacht und sitzt nun in einem der berüchtigsten Gefängnisse Deutschlands. Andere Insassinnen freuen sich auf Outdoor-Sex, Sonnenstrahlen und eine leichte Brise Wind.
Tina und Betty dagegen sind froh im Keller arbeiten zu dürfen und genießen sich gegenseitig. Und Maria, die schon 10 Jahre einsitzt, kann sich endlich in Schweden eine neue Existenz aufbauen.
Ich habe schon einige Bücher von Holly Rose gelesen und auch diese neun Kurzgeschichten aus den verschiedensten Frauengefängnissen haben mich überzeugt. Ihr leichter, lockerer, sehr freizügiger Erzählstil, der ohne anstößig zu sein oder derb unter die Gürtellinie zu gehen, schnell zur Sache kommt, gefällt mir sehr gut. Ihre Protagonistinnen sind so unterschiedlich, so hemmungslos und zumeist attraktiv. Mein Kopfkino springt sehr schnell an und läuft heiß. Meinen Geschmack hat sie mit ihren leidenschaftlichen, erotischen und abwechslungsreichen Geschichten wieder absolut getroffen.
Zum Abschluss bekomme ich als kleines Goodie noch einen Gutschein-Code, mit dem ich mir eine weitere heiße exklusive Geschichte der Autorin als E-Book aus dem Internet herunter laden kann. Und wie üblich ist auch hier ein Lesezeichen passend zum Buch mit dabei.
Rezensionen von Ele:
Das ewige Leben
Wir werden jung sein von Maxim Leo
Wir werden jung sein, Roman von Maxim Leo, ein Kiepenheuer & Witsch eBook.
Die Verjüngung des Menschen ist schon jetzt keine Frage des Ob mehr, sondern eher eine Frage des Wann. Maxim Leo ist hier ein spannendes und interessantes Szenario gelungen, das viele Fragen aufwirft.
Eine Medikamentenstudie an vier Patienten durchgeführt an der Berliner Charite.
Die vier Probanden die unterschiedlicher nicht sein können, haben ein gemeinsames Problem, ein krankes Herz das eine denkbar schlechte Prognose verheißt. Die Einnahme des Medikaments lässt nicht nur die Herzbeschwerden verschwinden, den Patienten geht es nicht nur viel besser sondern als Nebenwirkung verjüngen sie sich immer mehr. Ein zweites Leben wurde ihnen geschenkt. Nicht nur die medizinische Welt steht Kopf.
Die überschaubaren Kapitel sind jeweils den Probanden und zusätzlich dem Entwickler Professor Mosländer zugeordnet. Der Handlungszeitraum beträgt ca. ein Jahr in dem der Leser die Geschehnisse jeweils aus der Sicht der jeweiligen Charaktere miterleben kann. Ich bin von diesem Buch angenehm überrascht worden. Das was der Autor hier beschreibt, in flüssiger Weise, mit feinem Humor, hat mich begeistert. Ich konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen. Eine hervorragende Recherchearbeit kann ich nur bestätigen. Ein Medikament welches die menschliche Gesellschaft derart revolutionieren würde, das Für und Wider, mannigfaltige Aspekte, Maxim Leo hat es geschafft dieses Szenario von allen Seiten zu beleuchten. Ethikrat, Kirche, Mediziner, Aktivisten, Politiker und auch Verbrecher, es wurde nichts ausgelassen. Mich hat das Buch überzeugt und zum Nachdenken, auch über die Lektüre hinaus, gebracht. Am Schluss stellt sich sicher auch jeder die Frage: Würde ich das Medikament nehmen, was würde ich mit dieser geschenkten Zeit anfangen?
Auch die Charaktere sind aufregend echt dargestellt, wie fühlt sich der jeweilige Patient, wie äußert sich die Verjüngung? Die unterschiedlichen Charaktere waren gut gewählt, weil sie sehr unterschiedlich waren. Besonders gut gefallen haben mir die Geschehnisse aus Sicht des 17jährigen Jacob und die Erlebnisse der Olympiasiegerin und Schwimmerin Verena. Die Figuren handeln nachvollziehbar und überwiegend sympathisch, die Story klingt plausibel. Als Science Fiction würde ich den Roman nicht bezeichnen, denn es liegt wohl in nicht allzu weiter Ferne, ein Medikament zu finden, welches die biologische Uhr zurückdrehen kann.
Begeistert möchte ich das Buch weiterempfehlen. Fünf Sterne.
Rezensionen von tonton:
Toll und unterhaltsam
Wir sind (die) Weltklasse von Tanya Lieske
Es macht einfach Spaß dieses Buch zu lesen! Zu oft passiert es bei Büchern über Diversität, dass sie langweilig, gezwungen oder belehrend sind. Hier nicht.
Der kleine Adam ist in der zweiten Klasse und berichtet über seine eigenen Erfahrungen als Einwanderer. In seiner Klasse gibt es Kinder aus allen möglichen Ländern.
Er selbst kommt aus Polen und spricht am Anfang gar kein Deutsch. Im Buch gibt es immer wieder polnische Wörter, die am Ende in einem Glossar gesammelt sind.
In der Geschichte geht es um den Alltag der Schulkinder. Die Kinder sind freundlich und die Lehrerin ist wirklich toll und engagiert. Adam erzählt in seiner Kinderstimme wie die Kinder lernen, miteinander umzugehen. Die Klassenregeln werden auch vorgestellt, in einer unterhaltsamen Art und Weise.
Ich finde es schön, dass das Buch ein gutes Vorbild zeigt. Man kann respektvoll gegenüber seinen Mitmenschen sein und immer noch Spaß haben.
Rezensionen von Alais:
Ein verträumtes Buch, an dem ich so ziemlich alles seltsam fand, das mich aber auch berührte und verzauberte
Ein seltsamer Ort von Banana Yoshimoto
Wer sich gerne auf etwas Ungewöhnliches einlässt, wird an diesem Buch viel Freude haben. Es geht um zwei Schwestern, ein geheimnisvolles Schloss mit einem ebenso geheimnisvollen Gutsherrn, um Verlust, Trauer, neue Wege - und um Aliens.
Der Schreibstil ist schön, elegant, nichts Außergewöhnliches, aber der Inhalt ist eine Herausforderung.
Ich fühlte mich beim Lesen wie in einem bizarren Traum. Als verwirrend empfand ich unter anderem, dass mir gerade die realistischeren Elemente der Erzählung im Vergleich zu den fantastischen Elementen irgendwie seltsam vorkamen. Erzählweise und Dialoge wirkten manchmal auf mich etwas altbacken, dann aber immer wieder frisch, kühn und unerwartet, dabei fast ein bisschen kindlich.
Ich hatte das Gefühl, die Autorin schrieb ein sehr persönliches Buch, in das sie all das reinpackte, was sie bewegt, fesselt und bezaubert, ohne sich um Genregrenzen oder Erwartungen ihrer Leserschaft zu scheren, was mir sehr gefiel. Sie bezeichnet ihren Roman auch als eine Hommage an den klassischen Gruselfilm Phantasm und es hat sich für mich gelohnt, über diesen im Internet ein wenig zu recherchieren. Darüber hinaus enthält das Buch Anspielungen zu verschiedenen Werken der japanischen Kultur, wobei der Diogenes-Verlag bzw. die Übersetzerin die Lesenden sorgfältig mit den notwendigen Informationen versorgen, sodass Lesende wie ich, die nur wenige japanische Werke kennen, nicht im Nachteil sind.
Die Charaktere wirkten auf mich herzerweichend naiv, poetisch, märchenhaft, aber dadurch manchmal leider auch ohne Tiefe. Die meisten von ihnen prägt eine positive Grundeinstellung und irgendwie gleichen sie einander trotz äußerlicher Unterschiede sehr. Es ist nett und süß, von solchen Leuten zu lesen und darüber, wie liebevoll und versöhnlich sie miteinander umgehen, eine durchaus bewundernswerte Verhaltensweise, mein zynisches Ich aber musste ab und zu amüsiert und ungläubig den Kopf schütteln.
Im Großen und Ganzen war es für mich eine schöne, etwas verträumte und verspielte Geschichte, die ich trotz aller Seltsamkeit sehr gerne las.
Rezensionen von tonton:
Idefix und die Unbeugsamen 05 von René Goscinny; Albert Uderzo; Matthieu Choquet
Ich habe als Kind die Asterix Comics geliebt und bin mit diesem Band sehr begeistert. Man hat das Gefühl, alte Freunde wieder zu sehen.
Für diejenigen, die diese Reihe nicht kennen: der Fokus liegt auf Idefix und seinen Tierfreunden, bevor er Obelix adoptiert hat. Die Geschichte ist kindgerecht: einige Hunde sind verschwunden und Idefix und seine Bande ermitteln.
Das Buch ist im A5 Format und hat ein Softcover. Mit 66 Seiten ist die Länge passend für jüngere Kinder. Im typischen Asterix-Stil gibt es aber relativ viel Text, im Vergleich zu anderen Kinder-Comics, die man heutzutage sieht.
Die Zeichnungen sehen genauso aus wie die traditionellen Asterix Comics und auch der Erzählstil ist ähnlich. Die Wortwitze sind auch da, auch wenn sie von den jüngeren Lesern vielleicht nicht völlig verstanden werden. Dafür macht es auch Spaß, als Erwachsene das Comicbuch zu lesen.
Rezensionen von Gaby 2707:
„Wenn der Kreis sich schließt...“
Aller-Rache von Bettina Reimann
Steuerberater Lothar Herrenfeld sitzt mit offenen Schnitten an den Handgelenken tot auf den Stufen vor dem Glockenturm am Friedhof Düshorn mit einer erschreckenden Botschaft um den Hals. Ein paar Tage später sitzt Dorothea Kolbmeyer tot in einem Fahrrad-Gitterkasten am Bahnhof Hodenhagen. Auch sie trägt ein Schild um den Hals mit einer Botschaft an Arnold Hager, einen Richter im Ruhestand, der heute seine Nachbarschaft mit Anzeigen terrorisiert.
Wenn Arnold Hager nicht Selbstmord begeht, wird es lt. dem Mörder weitere Tote geben. Wer führt da einen Rachefeldzug gegen den ehemaligen Richter?
Gemeinsam mit dem Walsroder Kripoteam um HK Grit Heinecke und KOK Ronald Beutlein gehen Aller-Lei-Bloggerin Flora Kamphusen, ihre Mutter Anna und Opa KHK i.R. Carsten, die bei der Kripo schon als familiäre Ermittlertruppe aus dem Aller-Leine-Tal bekannt sind, auf Spurensuche. Ob sie den Mörder, der jede Woche einen weiteren Toten ankündigt, wenn Hager sich nicht selbst richtet, ermitteln können?
Ich habe mich sehr gefreut Familie Blume-Kamphusen auf dem Gutshof wiederzulesen und mit ihnen gemeinsam in „Blumes Rittersaal“, dem Restaurant von Floras Eltern, zu sitzen und ihren Gesprächen und Gedanken zu lauschen. Ich habe mich ja in den beiden vorigen Fällen, die ich mit ihnen gelöst habe, schon richtig mit ihnen angefreundet. Es ist aber auch eine durchgängig sympathische Familie, mit der ich mich da auf Ermittlungstour begeben darf. Auch dieses mal geben sie alles um dem Mörder so schnell wie möglich auf die Spur zu kommen.
Nicht ganz so sympathisch finde ich den Richter a.D. Arnold Hager. Wenn ich hier lese, wie unfreundlich, ja fast feindlich er sich nicht nur gegenüber seinen Nachbarn verhalten hat, kann ich seine Frau sehr gut verstehen, dass sie lieber bei ihrer Tochter und deren Familie bleibt. Aber ich finde es sehr gut, dass er über sich und seine letzten Jahre nachdenkt und späte Einsicht zeigt.
Schon beim lesen des Prologes steigt bei mir eine Gänsehaut auf. So gruselig finde ich die Gedanken desjenigen, der „eine Entscheidung treffen muss“. Unter der Überschrift „Paps“ lerne ich den Mörder in kurzen Sequenzen kennen, der sich absolut nicht als solcher sieht, und folge seinen für mich unbegreiflich Gedanken. Wird der Heidemörder, wie ihn manche Zeitungen nennen, die Wut, die Angst und die Sensationslust der Menschen im Aller-Leine-Tal wecken können? Dann war es für mich doch absolut schockierend zu lesen, wie und wie schnell sich die Wut und der Hass auf einen einzelnen Menschen in den sozialen Netzwerken verbreitet.
Mit diesem Buch hat Autorin Bettina Reimann einen absolut spannenden, emotionalen und aufreibenden Kriminalfall aufgelegt. Ich hatte große Mühe, das Buch mal aus der Hand zu legen. Und nach einer durchgelesenen Nacht fand ich es richtig schade, dass der Fall schon gelöst war. Diesmal ist es mir leider nicht gelungen auch nur den kleinsten Ansatz zu finden, wer der Mensch, den hier alle suchen, sein könnte. Und das obwohl er mir immer wieder kleine Andeutungen gemacht hat.
Ein spannungsgeladener, fesselnder und anspruchsvoller Krimi, den ich sehr gerne gelesen habe und den ich gerne weiter empfehle.
Rezensionen von Gaby 2707:
„Wenn der Kreis sich schließt...“
Aller-Rache von Reimann Bettina
Steuerberater Lothar Herrenfeld sitzt mit offenen Schnitten an den Handgelenken tot auf den Stufen vor dem Glockenturm am Friedhof Düshorn mit einer erschreckenden Botschaft um den Hals. Ein paar Tage später sitzt Dorothea Kolbmeyer tot in einem Fahrrad-Gitterkasten am Bahnhof Hodenhagen. Auch sie trägt ein Schild um den Hals mit einer Botschaft an Arnold Hager, einen Richter im Ruhestand, der heute seine Nachbarschaft mit Anzeigen terrorisiert.
Wenn Arnold Hager nicht Selbstmord begeht, wird es lt. dem Mörder weitere Tote geben. Wer führt da einen Rachefeldzug gegen den ehemaligen Richter?
Gemeinsam mit dem Walsroder Kripoteam um HK Grit Heinecke und KOK Ronald Beutlein gehen Aller-Lei-Bloggerin Flora Kamphusen, ihre Mutter Anna und Opa KHK i.R. Carsten, die bei der Kripo schon als familiäre Ermittlertruppe aus dem Aller-Leine-Tal bekannt sind, auf Spurensuche. Ob sie den Mörder, der jede Woche einen weiteren Toten ankündigt, wenn Hager sich nicht selbst richtet, ermitteln können?
Ich habe mich sehr gefreut Familie Blume-Kamphusen auf dem Gutshof wiederzulesen und mit ihnen gemeinsam in „Blumes Rittersaal“, dem Restaurant von Floras Eltern, zu sitzen und ihren Gesprächen und Gedanken zu lauschen. Ich habe mich ja in den beiden vorigen Fällen, die ich mit ihnen gelöst habe, schon richtig mit ihnen angefreundet. Es ist aber auch eine durchgängig sympathische Familie, mit der ich mich da auf Ermittlungstour begeben darf. Auch dieses mal geben sie alles um dem Mörder so schnell wie möglich auf die Spur zu kommen.
Nicht ganz so sympathisch finde ich den Richter a.D. Arnold Hager. Wenn ich hier lese, wie unfreundlich, ja fast feindlich er sich nicht nur gegenüber seinen Nachbarn verhalten hat, kann ich seine Frau sehr gut verstehen, dass sie lieber bei ihrer Tochter und deren Familie bleibt. Aber ich finde es sehr gut, dass er über sich und seine letzten Jahre nachdenkt und späte Einsicht zeigt.
Schon beim lesen des Prologes steigt bei mir eine Gänsehaut auf. So gruselig finde ich die Gedanken desjenigen, der „eine Entscheidung treffen muss“. Unter der Überschrift „Paps“ lerne ich den Mörder in kurzen Sequenzen kennen, der sich absolut nicht als solcher sieht, und folge seinen für mich unbegreiflich Gedanken. Wird der Heidemörder, wie ihn manche Zeitungen nennen, die Wut, die Angst und die Sensationslust der Menschen im Aller-Leine-Tal wecken können? Dann war es für mich doch absolut schockierend zu lesen, wie und wie schnell sich die Wut und der Hass auf einen einzelnen Menschen in den sozialen Netzwerken verbreitet.
Mit diesem Buch hat Autorin Bettina Reimann einen absolut spannenden, emotionalen und aufreibenden Kriminalfall aufgelegt. Ich hatte große Mühe, das Buch mal aus der Hand zu legen. Und nach einer durchgelesenen Nacht fand ich es richtig schade, dass der Fall schon gelöst war. Diesmal ist es mir leider nicht gelungen auch nur den kleinsten Ansatz zu finden, wer der Mensch, den hier alle suchen, sein könnte. Und das obwohl er mir immer wieder kleine Andeutungen gemacht hat.
Ein spannungsgeladener, fesselnder und anspruchsvoller Krimi, den ich sehr gerne gelesen habe und den ich gerne weiter empfehle.











