Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Katyleh:
Emotional
Unsere Jahre auf Fellowship Point von Alice Elliott Dark
Unsere Jahre auf Fellowship Point von Alice Elliot Dark ist ein Roman, der mir unter die Haut ging. Mit seinem anspruchsvollen Schreibstil ist er nicht immer ganz leicht zu lesen gewesen. Dennoch hat mich der Roman und die Geschichte um die zwei Frauen Agnes Lee und Polly Wister extremst in seinen Bann gezogen.
Agnes Lee und Polly Wister sind seit Kindertagen Freundinnen und haben ein Großteil ihres Lebens zusammen in Fellowship Point gelebt. Sie sind sehr unterschiedlich in dem, was sie mögen und tun und doch ergänzen Sie sich perfekt in ihrer Freundschaft.
Die Geschichte der beiden mittlerweile 80-jährigen Freundinnen hat mich so sehr berührt, dass ich das Buch zeitweise nicht aus der Hand legen konnte. Ihre beider Leben sind sehr interessant und auch emotional verlaufen und auch miteinander verbunden. Die Beschreibung der Landschaften sind ein Traum, hier kann man sich so richtig hineinversetzen in die Umgebung und das vermittelt noch mal ein sehr idyllisches Bild passend zum Leben der beiden Frauen.
Und auch zum Cover muss ich noch etwas loswerden, denn dieses ist wunderschön und macht sich perfekt in meinem Bücherregal. Die Farben verlaufen ganz sanft ineinander und auch hier spürt man die Emotionen, die dieses Buch mit sich bringt. Eine klare Leseempfehlung von mir.
Rezensionen von lesen=liebe:
Kompakter Naturführer über essbare Pflanzen für die ganze Familie
Welche essbare Pflanze ist das? Kindernaturführer von Katrin Hecker; Frank Hecker
Der tolle Kindernaturführer von Kosmos beschäftigt sich mit heimischen, essbaren Pflanzen. Die Pflanzen werden nach Jahreszeiten kategorisiert. Man findet u.a. Bärlauch, Brennessel, Himbeere, Gänseblümchen, Wasserminze, Thymian, Giersch, Haselnuss uvm. Der Lebensraum und die Merkmale jeder Pflanze werden kurz beschrieben.
In den farbigen Kästchen ist zusätzlich Spezialwissen zu finden. Was ist besonders erstaunlich, wichtig zu wissen, oder welche Pflanzen oft verwechselt werden.
Am Ende des Buches findet man coole Rezepte. So findet man etwas Anleitungen für die Herstellung von Eistee, Burger-Pattys oder Chips.
Der Kosmos Naturführer gefällt der ganzen Familie. Wir sind gerne im Wald oder an Flussufern unterwegs und wissen oft nicht, mit welcher Pflanze wir es zu tun haben. Die kompakte Größe des Naturführers ist ideal, um ihn einfach in den Rucksack zu stecken. Für meinen Geschmack hätte er etwas leichter sein können, aber das wäre wahrscheinlich auf Kosten der Bildqualität gegangen. Ich mag die hochglänzenden Seiten, weil sie wasserabweisend sind und ggf. auch abgewischt werden können. Perfekt für draußen. Die Rezepte sind wirklich sehr kreativ und wir werden bestimmt das ein oder andere nachmachen. Inhaltlich vermissen wir leider schon die ein oder andere Pflanze. Die Schafgarbe wäre ein Beispiel.
Rezensionen von Novalie:
Sehr unterhaltsam
Three Swedish Mountain Men von Lily Gold
Sehr unterhaltsam!
Nach einer katastrophalen Woche reist Daisy spontan und komplett planlos nach Schweden. Dass ihr dort ein Elch vors Auto rennt und sie von Cole, einem Ranger, gerettet werden muss, der sie zu seinen Mitbewohnern, dem Arzt Riven und dem Skilehrer Eli bringt, hätte sie aber auch bestimmt nicht geplant.
Genauso wenig, dass sie plötzlich gemeinsam eingeschneit werden.
Ich habe das Buch sehr geliebt. Die Handlung ist jetzt nicht sonderlich unvorhersehbar, aber sehr unterhaltsam und es blieb durchgehend spannend.
Der Schreibstil ist locker flockig, die Dialoge sind schlagfertig, das Setting traumhaft und die Charaktere haben eine sehr interessante Dynamik.
Alle haben ihr eigenes Päckchen zu tragen und gehen auf unterschiedliche Weisen damit um. Dabei wird nichts Überdramatisiert, sondern die Dinge einfach beim Namen genannt. Die Themen, die angesprochen werden, sind auch sehr am Puls der Zeit.
Ach ja, und es gibt auch jede Menge Spice. In jedem anderen Buch wäre es für meinen Geschmack sogar etwas zu viel gewesen, aber hier war es genau das, was ich erwartet habe. Und ich musste kein einziges Mal die Augen verdrehen. Viel eher, habe ich ständig gegrinst.
Das Buch wird ziemlich sicher nicht die Welt verändern, aber ich hatte beim Lesen unfassbar viel Spaß und genau darauf kommt es doch letztendlich an.
Rezensionen von Sago:
Sündenspiegel
Empire of Sins and Souls 1 - Das verratene Herz von Beril Kehribar
Wo bin ich hier eigentlich? Das habe ich mich während des mit "Zuvor" betitelten Teils so manches Mal gefragt. Die Adrasteau genannte Republik weist Anklänge ans historische Frankreich auf, aber das Worldbuilding bleibt vor allem dort so vage, dass ich fast überrascht war, als Protagonistin Zoe später erklärt, sie sehne sich zurück nach der Erde.
Dieser Teil, an dessen Ende Zoe gerade nicht im Zielort der Handlung, Xanthia, landet, zieht sich überraschend lange hin. Und dann ist sie auf einmal doch dort, in einer Art Vorhölle, in der vampirähnliche Wesen, die Xanthyr, über den Sündenspiegel und somit über Himmel oder Hölle entscheiden und dabei Blut und Sünden saugen. Ich habe nun lange darauf gewartet, dass ein ebenso ausführlicher Rückblick den Weg nach Xanthia erzählt, aber dieser wird quasi nebenbei in ein paar Sätzen abgehandelt. Irgendwie ein nicht ganz stimmiger Handlungsaufbau.
Zoe ist ein Protagonistin, mit der man nur schwer warm werden kann. Zwar begeht sie ihre Sünden aus Not, hat dabei aber kein wirkliches Problem damit, Schwächere auszubeuten. Dem Grafen von Xanthia verfällt sie ob seines guten Aussehens recht schnell. Immerhin sorgt die Suche nach geheimnisvollen Relikten, auf die er sie schickt, für Spannung und es deutet sich schon an, dass es in weiteren Bänden Abwechslung geben wird und das Ganze nicht nur auf den dominanten Grafen oder ein Liebesdreieck hinauslaufen wird.
Die düstere Welt von Xanthia bietet gute Ansatzpunkte, die hoffentlich in den Folgebänden noch stimmiger und tiefgründiger ausgebaut werden.
Rezensionen von lesen=liebe:
Gut, aber nicht ganz unser Fall
Und was genau ist Kacka? Antworten für neugierige Kinder von Sandra Grimm
Und was genau ist Kacka? Der Titel dieses Buches klingt sehr lustig und wir haben uns bewusst für dieses Buch entschieden. Meine Kinder interessieren sich sehr für Ausscheidungen und wir versuchen oft zu erklären, was im Bauch passiert und vor allem warum sie gute Nahrung zu sich nehmen sollten. Diese Frage wird in diesem Buch anschaulich und kindgerecht beantwortet.
So weit so gut… Dennoch bin ich nicht ganz überzeugt von diesem Buch. Vielleicht sind meine Kinder schon etwas zu groß dafür, aber ich dachte, dass es aufgrund der Textlänge und der Altersangabe für einen 5-Jährigen noch passen könnte. Aber genau darin sehe ich das Problem. Einerseits ist der Text für kleinere Kinder zu lang, zu komplex und für ältere Kinder - die auch das Trockenwerden schon längst hinter sich gebracht haben – zu kindlich. Die Illustrationen sind auch nicht mein Fall. Irgendwie haben die Menschen viel zu große Köpfe. Da gibt es viel schönere Zeichnungen. Meine Kinder haben alle Klappen geöffnet und wir haben das Buch einmal durchgelesen. Seither liegt es unbeachtet im Schrank. Schade, ich dachte, dass es uns gefallen wird. Trotzdem 4 Sterne, da es für jüngere Kinder – meiner Meinung nach, bis max. 4 Jahre – durchaus passen könnte.
Rezensionen von lesen=liebe:
Bitte mehr von Lua und ihren Freunden
Lua Luftwurzel - Silberelfen fängt man nicht von Christoph Minnameier
Lua Luftwurzel – Silberelfen fängt man nicht, ist das erste Buch des Autors Christoph Minnameier. Sein Debüt ist ihm mehr als gut gelungen, denn wir sind restlos begeistert von Lua und ihren Freunden. Die tollen Illustrationen stammen von Daniel Napp.
Lua die gutmütige Silberelfe, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Tieren im Wald zu helfen.
Leider tappt sie eines Tages in die Falle von Malicia Warzenbuckel, einer Hexe. Sie ist aber nicht die einzige Gefangene, auch der Gnom Fobu sitzt in einem Käfig. Sofort schließen die beiden Freundschaft. Lua hat aber nur ein Ziel, sie möchte wieder frei sein. Gar nicht so einfach, den Zauberkräften der Hexe zu entkommen. Außerdem hat es auch noch der böse Zauberer Zappaniel Zifferzank auf sie abgesehen.
Wir haben Lua Luftwurzel und Fobu sofort ins Herz geschlossen. Aber auch Malicia und Zappaniel sind tolle Charaktere. Meine Kinder lieben es, wenn in Geschichten Gut und Böse aufeinandertreffen. Wir haben das Buch an zwei Abenden ausgelesen und waren direkt traurig, dass es zu Ende war. Meine Kinder wollten es sofort noch einmal lesen. Lua Luftwurzel hat alles, was ein gutes Kinderbuch braucht. Ein bisschen mehr lustige Passagen könnte man noch einbauen, aber das ist Jammern auf hohem Niveau.
Mir gefällt auch der Schreibstil überaus gut. Die Wörter sind anspruchsvoll und nicht alltäglich und trotzdem ist die Geschichte einfach zu verstehen. Wir hoffen sehr, dass es eine Fortsetzung von Lua Luftwurzel geben wird.
Rezensionen von lesen=liebe:
Ein etwas holpriges Leseerlebnis
Die Zeitdetektive, 4, Die gefiederte Schlange von Fabian Lenk
Die Zeitdetektive – Die gefiederte Schlange, ist bei Ravensburger erschienen und umfasst ca. 170 Seiten.
Die Zeitdetektive bestehen aus den Charakteren Kim, Leon, Julian und die Katze Kija. In einer alten Bibliothek haben sie eine Zeitmaschine versteckt, mit der sie in die Vergangenheit reisen können.
Dieses Mal geht es zu den Mayas, wo es ein Geheimnis zu lüften gibt.
Dies ist das erste Buch, das wir von den Zeitdetektiven gelesen haben. Möglicherweise ist es auch das letzte, zumindest vorerst. Die vielen Fremdwörter kamen bei meinen Kindern nicht so gut an und haben das Leseerlebnis etwas gedämpft. Die Fremdwörter sind zwar im Glossar beschrieben, aber ständig nachzusehen, stört den Lesefluss ungemein. Außerdem konnten wir uns mit den Hauptdarsteller*innen nicht wirklich anfreunden. Die Personen werden zwar eingangs beschrieben, aber man erfährt nicht viel über die Freunde. Man hätte wenigstens ein Alter angeben können. Vielleicht hätten wir die Vorgängerbände kennen müssen, aber lt. meiner Recherche gibt es die Reihe schon sehr lange, nur dass sie bei einem anderen Verlag erschienen ist. Positiv hervorzuheben ist, dass man wirklich einen Eindruck der Vergangenheit bekommt. Die Schauplätze sind detailliert beschrieben und an historischen Fakten mangelt es auch nicht.
Rezensionen von @lust_auf_literatur:
Ein großartiger und wunderschöner Roman!
Ich komme nicht zurück von Rasha Khayat
Der Klappentext des Romans hat mich eigentlich gar nicht so angesprochen, aber die Leseprobe hat mich derart geflasht, dass ich dachte: bitte, ich will dieses Buch lesen, dringend!
Hanna, Zeyna und Cem.
Ihre Freundschaft ist in Kindertagen so stark, dass sie ganze Familien zusammenbringt. Vor allem Hanna und Zeyna, beide mutterlos, sind sich so nah wie Schwestern, teilen als sich Mädchen alle Kindheitserlebnisse.
Dazwischen Cem, der ausgleichende, helfende und vermittelnde Teil des ungleichen Dreigestirns.
Hanna ist die Ich-Erzählerin in Rasha Kayhats Roman, mittlerweile erwachsen, fast 40 Jahre alt und in einer Lebenskrise. In ihrer Erzählung addressiert sie ein Du, ihre Freundin Zeyna. Sie spricht sie direkt an, denn die Freundinnen haben seit Jahren keinen Kontakt mehr. Zeyna ist einfach verschwunden, sogar den Tod und die Beerdigung von Hannas Großmutter Felizia, die auch eine enge Bezugsperson von Zeyna war, hat sie verpasst.
Warum dieser Bruch zwischen den einstmals so engen Freundinnen? Auch Cem ist ratlos, versucht die haltlose Hanna zu unterstützen und gleichzeitig seine eigenen Grenzen zu wahren.
Langsam lässt Kayhat ihre Erzählerin zurückgehen, zurück in die Zeit, in der noch alles heile war. Eine Zeit, als es schien, als könne ihre gewählte Familie alles überwinden und für immer zusammensein. Mit dem Älterwerden zeigen sich aber die Unterschiede in Charakter und Lebensplanung immer deutlicher und die Gemeinschaft bekommt Risse. Trotzdem gelingt es den dreien noch lange und trotz der Entfernung ein Band aufrecht zu halten.
Was hat es dann endgültig zerrissen?
Khayats wunderbar poetischer und intensiver Schreibstil macht die Einsamkeit und die Verlorenheit ihrer Erzählerin greifbar. Aus den Seiten spricht ihre Trauer über den Verlust geliebter Menschen und ihre Schwierigkeit loszulassen. Hanna wird gequält von Schuldgefühlen und sehnt sich nach Absolution. Irgendwas hindert sie daran, im Leben weiterzugehen. Irgendwas hindert sie daran, im Leben weiterzugehen.
Nur in kleinen Schritten geht Khayat zum den Ursprung des Zerwürfnis zurück und das macht den Roman bis zur letzten Seite unglaublich spannend und emotional intensiv. Ich finde die literarische Ausdruckskraft, die Khayat auf den nur 171 Seiten entfesselt, unglaublich stark und sehr, sehr gelungen.
Die Stimmung des Textes empfinde ich gleichzeitig als melancholisch und warm. Die Melancholie finde ich in den vielen Abschieden und die Trauer über die Veränderungen, die Wärme in der Freundschaft und der Liebe, die in der Wahlfamilie entsteht und die nicht ohne Spuren bleibt.
Für mich ein großartiger und wunderschöner Roman!
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Schwere Kost!
Die Toten vom Phoenix-See von Gabriella Wollenhaupt
„Die junge Mutter Marie flieht zusammen mit ihrer kleinen Tochter Olga vor dem gewalttätigen Vater ihres Kindes, einem katholischen Priester, nach Dortmund. Auf dem Gebiet eines ehemaligen Stahlwerks, wo die Bauarbeiten für den Phoenix-See im Gange sind, finden sie in einem Wohnwagen Unterschlupf.
Um sich und ihre Tochter über Wasser zu halten, fängt Marie in einer heruntergekommenen Bar als Tänzerin an – bis sie eines Tages grausam ermordet wird. Jahre später entschließt sich Olga, den Mörder ihrer Mutter endlich zu finden.“
Mit diesem Klappentext kündigt der Grafit-Verlag den neuesten Krimi von Gabriella Wollenhaupt, die einer Vielzahl von Lesern als Schöpferin der Reporterin Maria Grappa ist, an.
Dieser Krimi, der uns Leser bis zur letzten Seite in Atem hält, ist nichts für schwache Nerven. Er bringt ein brisantes Thema wieder ans Tageslicht: Missbrauch an Kindern, egal ob Bub oder Mädchen, durch Angehörige der Katholischen Kirche.
Als Marie mit Olga 2008 vor ihrem Peiniger flüchtet, wird der Täter von der Kirche geschützt, in dem sie auf einen anderen Kontinent versetzt werden. Dort machen sie mit ihren Verbrechen einfach weiter. „Frischfleisch“ wie Marie nüchtern feststellt.
Doch 15 Jahre später, nach Maries grausamem Feuertod, lassen sich die Schandtaten der Täter, auch wenn es sich um einen Erzbischof handelt, nicht mehr verheimlichen. Scharenweise laufen der Kirche ihre Mitglieder davon.
Fazit:
Dieser Krimi ist schwere Kost und wird sicherlich eine Menge Staub aufwirbeln, auch, wenn es sich „nur“ um eine Geschichte handelt. Der eine oder andere wahre Kern ist jedenfalls dabei. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.
Rezensionen von @lust_auf_literatur:
Unterhaltsam, blieb für mich aber zu oberflächlich
Glück von Jackie Thomae
Hmmm…ich bin nicht zufrieden mit dem Schluss von „Glück“. Das passiert bei mir nicht oft, vor allem nicht bei Romanen, die mir eigentlich gefallen haben.
But well, das Leben ist kein Wunschkonzert. Wo ich natürlich gleich beim Thema bin, denn im neuen Roman von Jackie Thomae geht es ganz viel um den Kinderwunsch.
Für mich persönlich, wie wahrscheinlich für viele andere Menschen, ein sehr sensibles und aufgeladenes Thema. Mittlerweile bin ich aber an einem Punkt, an dem ich darüber relativ unbelastet lesen kann. Und Thomae macht es mir mit ihrer lockeren, fast humorvollen Schreibweise leicht. Sie verpackt die Frage nach dem (Kinder?) Glück in einen leichten Sommerroman, den ich zwar feministisch nennen würden, der aber ohne wirklich Schärfe oder bittere Nuancen auskommt.
Das ist auf jeden Fall Geschmackssache, ich mag Gesellschaftsromane vermutlich aber dann doch lieber stärker gewürzt.
Marie-Claire, genannt MC, ist eine bekannte Radio Moderatorin und Podcasterin und Ende 30, später dann Anfang 40 und hat das Gefühl eine wichtig Deadline im Leben verpasst zu haben. Sie hat noch kein Kind und ihr biologisches Zeitfenster beginnt sich zu schließen. Sollte sie eines bekommen? Was, wenn sie den entscheidenden Zeitpunkt verpasst und es dann irgendwann keine Option mehr ist? Praktischerweise hat sie eine liberale Frauenärztin, die ihrem „Glück“ mit modernster Medizin auf die Sprünge helfen will…
Anahita ist genauso alt und hat als Politikerin eine steile Karriere gemacht und sie hat noch weitere Ambitionen. Auch bei ihr stellen viele die Frage nach einem Kind, denn anders als bei Männer gilt nach wie vor das Leben einer Frau erst mit Kind und Familie als komplett und erfüllt. Doch Anahita ist sich unsicher, wie ein Kind in ihr Leben passen soll und ihre früheren Erfahrungen mit Kindern als Lehrerin waren alles andere als erfüllend…
Jackie Thomae greift mit ihren beiden Ich-Erzählerinnen viele Facetten eines Frauenlebens kurz vor der Torschlusspanik auf. Woher kommt der Wunsch nach einem Kind? Möchte ich mich wirklich die nächsten 15-20 Jahre oder gar für immer einem anderen Menschen verpflichten, den ich noch gar nicht kenne? Wer will eigentlich, dass ich Kinder will? Und was, wenn die biologische Uhr gar nicht ticken würde? Wenn ich genauso viel Zeit wie die Männer hätte, einen eventuellen Kinderwunsch zu erfüllen?
Das sind die Fragen, mit denen Thomae ihre Figuren hadern lässt. Sie stellt ihnen eine ganze Batterie an weiblichen Komparsinnen zur Seite, deren Geschichten jeweils verschiedene Aspekte dieser Fragen widerspiegeln.
Das ist eigentlich ganz unterhaltsam, zu tieferen Erkenntnisse führt das bei mir nicht, was daran liegen kann, dass ich diese Fragen schon zu Genüge innerlich bearbeitet habe und die Antworten für mich schon gefunden habe.
Ich bin auch etwas irritiert von dem Bild und der Machbarkeit, die Thomae, unabhängig vom fiktiven Anteil ihres Romans, von später Mutterschaft zeichnet. Schwangerschaften jenseits der 45 sind meines Wissens nach auch in Städten, wo der Zugang zu modernster Reproduktionsmedizin einfacher ist als auf dem Land, immer noch mehr die Ausnahme als die Regel. Zudem steht diese Option vermutlich nur einer gewissen gesellschaftlichen Schicht mit der nötigen Bildung und finanzieller Potenz zur Verfügung.
„Glück“ ist mit Sicherheit ein unterhaltsames und leicht gesellschaftskritischer und relevanter Roman, der aber nur eben die Situation einer gebildete und erfolgreichen Frau abbildet und weniger die Lebensrealität des Großteiles der Frauen mit weit weniger Optionen und Reflektionsmöglichkeiten.
Da ich Thomaes Schreibstil ziemlich fresh und eingängig fand, hatte ich mit „Glück“ trotzdem eine ziemlich gute Lesezeit, auch wenn es vielleicht nicht so deep, wie ich es mir vielleicht erhofft hatte.











