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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Jule:

Ganz anders als erwartet

Die Unmöglichkeit des Lebens von Matt Haig

2,5/5

"Die Unmöglichkeit des Lebens" von Matt Haig ist ein Buch, das mich in vielerlei Hinsicht überrascht hat. So begleiten wir Grace nach Ibiza, aufgrund eines Briefes von einer ehemaligen Freundin. Dort ergeben sich viele außergewöhnliche Situationen und Dinge, die nicht unbedingt der Realität entsprechen.

Vom Klappentext her habe ich eine Geschichte erwartet, die über die Probleme des Lebens erzählt, davon, wie man mit Trauer umgehen kann und anfängt, das Leben zu genießen. Und die Geschichte habe ich auch bekommen. Zumindest einigermaßen. Bis sie anfing, in magischen Realismus und teilweise auch Fantasy abzudriften. So hat mich die Geschichte immer weiter verloren, auch weil es irgendwann einfach too much von allem wurde. Der Hang zum Realistischen ging verloren sowie der eigentliche Handlungsstrang.
So kann es passieren, dass man sich im Verlauf der Geschichte von den Protagonisten distanziert und keine Verbindung mehr spürbar ist. An sich sind die Protagonisten interessant - keine Frage - aber so richtig nah kommt man ihnen nicht.

Dazu kommt der Schreibstil: An sich ist er sehr angenehm und gut zu lesen. An sich einfach mal was anderes als das, was man sonst so kennt, eben weil er so ins Poetische driftet. In diesem Buch steht besonders viel zwischen den Zeilen und das wird meist eher bei längerem Nachdenken deutlich. Was der Geschichte zum Großteil gutgetan hat, sind die wirklich kurzen Kapitel, die es ermöglichen, schnell in der Handlung voranzukommen.

Insgesamt ist also ein Buch, das ganz anders als erwartet ist. Es passieren Dinge, mit denen man aufgrund des Klappentextes einfach nicht rechnen kann und die sich durchaus als negative Überraschung entpuppen können. So wird dieses Buch vorerst mein erstes und letztes von Matt Haig bleiben.

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Rezensionen von Ameland:

Internatsgeschichte mit Tiefgang

Die außergewöhnlichen Abenteuer der Alice Tonks von Emily Kenny

Die elfjährige Alice kommt auf eine neue Schule, dem Internat Pebbles. Hier sind bereits ihre Mutter und ihre Großmutter gewesen. Alice mag eigentlich keine Veränderungen. Sie ist genau wie die Autorin Emily Kenny Autistin. Alice weiß noch nicht, dass sie dort eine besondere Fähigkeit an sich entdecken wird, die ihr nicht nur das bisher größte Abenteuer ihres Lebens beschert, sondern ihr Leben in Zukunft auch bereichern wird.

Alice ist ein sympathisches und mitfühlendes Mädchen, die in Tim und Ottie schnell Freunde findet. Sie hat ihre Prinzipien und macht eine starke Entwicklung durch. Im weiteren Verlauf wird die Freundschaft der drei Kinder auf eine harte Probe gestellt. Es kommt zu Konflikten und Mobbing, Lügengeschichten werden verbreitet. Wem kann man vertrauen und wer spielt ein falsches Spiel? Mir hat gefallen, dass Alice Beeinträchtigung zwar in gewissen Szenen eine Rolle spielen, aber nie in den Vordergrund gestellt werden.

Eine spannende Abenteuergeschichte für Jungs und Mädchen, in die wichtige Themen gekonnt eingearbeitet wurden, ohne sich aufzudrängen. Weil für mich die Geschichte an einigen Stellen nicht ganz rund war, ziehe ich einen Stern in meiner Bewertung ab.

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Rezensionen von Sarah:

Cassardim 2: Jenseits der Schwarzen Treppe von Julia Dippel

Als Goldene Erbin und verlobte des mächtigen Schattenprinzen ist Amaia ständige Zielscheibe für diverse Mordversuche und Intrigen. Dass sie sich nun gezungenermaßen auch noch in den Schattenfesten aufhalten muss, in welcher jegliche Gefühle als Schwäche gesehen und schamlos gegen sie verwendet werden, macht ihre Situatuion nicht gerade besser.

Zwar versucht Noar sie zu unterstützen, wo er kann, jedoch sind auch ihm die Hände gebunden, da er seine Rolle als skrupelloser Prinz nicht aufdecken darf. Schon bald gerät Amaia in große Gefahr und ihr Herz droht erneut zu zerbrechen, denn vielleicht ist Noar nicht der, für den sie ihn die ganze Zeit gehalten hat...

Der zweite Band der Cassardim-Reihe stand dem ersten in nichts nach. Die Geschichte ging genauso spannend weiter und ich habe mich, auch wenn ich dachte, dies wäre nicht möglich, noch mehr in die Welt von Cassardim verliebt. Im Regelfall finde ich die Folgebände einer Reihe immer schlechter wie den ersten Band, bei Cassardim liebe ich den zweiten jedoch mindestens genauso. Ich habe wirklich nicht eine Sache an dem Buch zu bemängeln und freue mich schon wahnsinnig auf den dritten Band.

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Rezensionen von Sarah:

Cassardim 1: Jenseits der Goldenen Brücke von Julia Dippel

Zum achten Mal wurde Amaia sechzehn - was für normale Menschen außergewöhnlich klingen mag, ist für Amaia und ihre Familie aber ganz normal. Sie alle feiern ihre Geburtstage mehrfach und altern auch dementsprechend viel langsamer, als normale Mensche. Um dies zu verstecken mussten sie im Laufer der Jahre sehr oft umziehen und auch sonst viele Regeln befolgen, sogar ihre Gedanken werden teilweise von ihren Eltern kontrolliert und manipuliert.

Eines Tages bringen Amaias Brüder einen Gefangenen mit nach Hause und schnell merkt sie, dass der geheimnisvolle Fremde genauso wenig Menschlich ist wie sie. Als die Familie aber kurz darauf in das Visier von Jägern gerät, müssen Amaia und ihre Geschwister flüchten und der einzige Ausweg führt sie zusammen mit dem geheimnisvollen Fremden in eine andere Welt- Cassardim, das Reich der Toten. Dort angekommen erfährt Amaia nun endlich die Wahrheit über sich und ihre Familie und verliert dabei auch noch ihr Herz.

Ich liebe den Schreibstil von Julia Dippel, daher kaufe ich mir immer jedes Buch von ihr. Jedoch warte ich dann immer, bis sie eine Reihe beendet hat, bevor ich sie lese, da ich genau weiß, ich werde mich unsterblich in die Reihe verlieben und würde es nicht ertragen, wenn ich auf einen Folgeband warten müsste. Der letzte Band der Cassardim-Reihe ist schon länger erschienen und steht auch schon länger bei mir im Regal, nun habe ich endlich zu der Reihe gegriffen und tja, was soll ich sagen, ich bin verliebt. Der Schreibstil ist gewaltig, ich verliebe mich regelmäßig in Dippels Charaktere und die Story fesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Ich kenne keine andere Autorin die es schafft, in jedem ihrer Bücher ein derart grandioses neues Universum auf die Beine zu stellen und ich weiß jetzt schon, dass diese Reihe eine meiner liebsten Fantasyreihen überhaupt sein wird.

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Rezensionen von Sarah:

The Belles (2) von Dhonielle Clayton

Nachdem Camelia vom königlichen Hof flüchten musste, ist sie auf der verzeifelten Suche nach der kranken Prinzessin Charlotte, welche ihren Platz als rechtmäßige Thronfolgerin einnehmen soll. Doch ihre Schwester Sophie möchte sich nicht so einfach vom Thron stürzen lassen und eröffnet die Jagd auf Camelia.

Remy weicht der jungen Belle keine Sekunde von der Seite, doch Camelias gebrochenes Herz trauert immer noch um Auguste. Nun braucht sie aber ihre ganze Kraft im hier und jetzte, denn die Feinde lauern auch da, wo man sie am wenigsten erwartet...

Der zweite Band der Belles-Reihe war nicht mehr ganz so gut wie der erste, hierbei habe ich aber wieder dasselbe Problem, wie beim ersten auch - ich fühle mich einfach zu alt für die Reihe. Die Geschichte hat wenig tiefgang, ist sehr einfach geschrieben und einfach auf ein deutlich jüngeres Publikum ausgerichtet. Es ist schon etwas Zeit vergangen, seit ich das Buch nun gelesen haben und ich muss leider sagen, dass ich mich an so gut wie nichts mehr davon erinnern kann, die Story ist mit dementsprechend leider nicht in Erinnerung geblieben.

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Rezensionen von Sarah:

The Belles von Dhonielle Clayton

Orléans ist eine hässliche Welt mit hässlichen Mensche. Einzig und alleine die Bells sind dazu in der Lage, den Menschen Schönheit zu verleihen- natürlich gegen einen Preis. Die junge Camelia will allen zeigen, dass sie die beste Belle ist und sich einen Namen am königlichen Hof machen, doch bald schon merkt sie, dass hinter den Mauern des Schlosses dunkle Geheimnisse lauern und ihre eigenen Fähigkeiten vielleicht viel gefährlicher sind, als sie dachte.

..

Ich wollte dieses Buch schon seit meiner Jugend lesen, habe es aber erst jetzt gemacht und ich denke, dass ich mittlerweile nicht mehr ganz der Zielgruppe dieses Buches entspreche. Es handelt sich schon merklich um einen Jugendroman und ist dementsprechend nicht allzu anspruchsvoll geschrieben, die Geschichte an sich hat sich auch relativ oberflächlich abgespielt, hatte aber doch auch etwas Charme. Generell würde ich das Buch schon weiterempfehlen, allerdings nur an eine jüngere Leserschaft.

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Rezensionen von herrfabel:

ich hatte etwas anderes erwartet

Alte Eltern von Volker Kitz

Wir alle kommen früher oder später an den Punkt an dem unsere Eltern alt sind und unserer Hilfe bedürfen. Ich selbst merke es momentan bei meinen Großeltern, wie fordernd und belastend es sein kann. Zwar gibt es keine allgemeingültige Hilfestellung oder Anleitung für eben jene Lebenszeiten, aber manchmal hilft es auch schon von anderen zu erfahren, zu sehen wie sie mit eben jenen Umständen umgehen oder versuchen Lösungen finden.

So war ich dann auch sehr dankbar als ich über Volker Kitz' Buch "Alte Eltern - Über das Kümmern und die Zeit, die uns bleibt" gestolpert bin; zumindest klang es hilfreich und super... meine Erwartungen hat es dann leider nicht erfüllt.

"Ich hatte gedacht, Demenz heißt, ein paar Dinge zu vergessen, Namen, Gesichter, was es zu essen gab, Anekdoten aus dem Leben; traurig, aber auch liebenswert, der Alltag lässt sich schon meistern (wollen wir nicht alle in der Gegenwart eben und nicht in der Vergangenheit?). Ich hatte mir nicht vorgestellt, dass mein Vater einmal lebenswichtige Handlungsschritte nicht mehr würde ausführen können; einen Löffel zum Mund bringen, sich auf sein Bett legen, den Kopf drehen und jemanden anschauen..."
Dieses Zitat fasst dieses Buch schon sehr gut zusammen. Der Autor sieht sich auf einmal mit ganz anderen 'Entwicklungen' konfrontiert und versucht mit den Veränderungen des Vaters klar zu kommen, Entscheidungen zu treffen und seinen Alltag anzupassen.

Hmm, ich mach es kurz: Irgendwie hatte ich mir unter diesem Buch (und bei dem Titel, sowie Lobpreisungen) etwas anderes vorgestellt, als eine weitere Erzählung über Demenz und einen Autor, der seinen Vater am Ende seines Lebens begleitet, davon erzählt wie dieser sich nach und nach entfernt. David Wagners "Der vergessliche Riese" fällt mir da sofort wieder ein. Dieser Roman und Wagners Umgang mit seinem an Demenz erkrankten Vater hat mich damals sehr berührt und mitgenommen. Volker Kitz lässt da in diesem Essay nicht so viel Nähe zu und das im Klappentext versprochene "Sein Buch berührt die Gefühle und Fragen einer ganzen Generation." kann ich leider so gar nicht nachvollziehen. Dieses Buch ist Kitz' persönliche Aufarbeitung der letzten Jahre mit seinem Vater, vom Umzug in die "Residenz" bis zu dessen Tod. Es geht immer weiter, Entscheidungen werden getroffen, das eigene Leben so weit es geht angepasst... stets begleiten ihn die Gedanken an seinen Vater, dessen Abhängigkeit und Veränderungen. Fragen hat er für mich so gar nicht beantwortet, noch ging es um eine konkrete Auseinandersetzung mit einzelnen Faktoren und deren Folgen. Gerne hätte ich etwas über Abwägungen, Pflegedienste, weitere Möglichkeiten im Alter erfahren. Oder wenigstens sowas ähnliches. So muss ich leider gestehen, verlor ich recht schnell das Interesse an diesem Buch, einzelne Kapitel habe ich dann nur noch grob überflogen und schlussendlich dieses Buch wieder zur Seite gelegt. Gerade bei solch persönlichen Erfahrungsschilderungen finde ich immer schade, aber manchmal passt es einfach nicht.

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Rezensionen von herrfabel:

"Kinder sind nicht nur kleine Engel. Ganz im Gegenteil"

Kleine Monster von Jessica Lind

Den Roman "Kleine Monster" von Jessica Lind wollte ich unbedingt lesen. Schon Linds Erstling "Mama", eine Art Schauerroman, der die Urgewalt der Mutterschaft thematisiert, sehr roh zwischen Traum und Wirklichkeit jongliert und einen mit einem sehr beklemmenden Gefühl zurücklässt, fand ich wahnsinnig toll.

So etwas ähnliches erwartete ich nun auch bei "kleine Monster"; umgemünzt auf das Familienleben, das zwischenmenschliche Gefüge und Ver- bzw. Misstrauen zwischen Eltern und Kind.

Pia und Jakob werden für ein Gespräch in die Schule ihres Kindes bestellt. Es gab ein Vorfall zwischen Luca und einem Mädchen. Sie können es zunächst nicht glauben, wollen es nicht glauben. Ihr guter, sensibler und vernünftiger Junge. Doch der Siebenjährige schweigt, möchte mit ihnen nicht darüber reden. Und gerade das macht Pia fertig. Während Jakob sich noch auf die Seite seines Sohnes stellt - "Wir wissen doch gar nicht, ob es wirklich so passiert ist. Ein Mädchen hat eine Geschichte erzählt und jetzt sind alle in heller Aufregung." - beginnt bei Pia bereits eine Wunde aufzureißen. "Jakob sieht nicht, was ich sehe. Weil er das Dunkle nicht kennt. Aber ich kenne es, und wenn Luca auch so ist, dann ist er es wegen mir. Wegen meiner Familie." Sie wird vorsichtiger, die Bindung zwischen ihr und ihrem Sohn bröckelt und Skepsis macht sich breit. Die Angst davor, dass er eben nicht so lieb und ruhig ist, wie gedacht, nimmt überhand, trübt ihren Blick und sie beginnt ihrem Sohn Dinge zu unterstellen. Bis es dann eines Tages nicht nur bei Unterstellungen und Gedanken bleibt... alles zu kippen droht. "...ich weiß, dass mein Gefühl stimmt, dass da noch mehr ist, dass Luca etwas verschweigt. Jakob liegt falsch, wenn er sagt, dass Schweigen nicht Lügen ist. Schweigen ist noch schlimmer. Ich weiß, wovon ich rede."

"Der >Vorfall< schwebt über uns wie eine finstere Wolke, begleitet uns überallhin, wohin wir auch gehen. Ich suche nach einem Zauberspruch oder wie in einem Computerspiel nach der richtigen Abfolge von Handlungen, mit der man den Kampf gegen das Monster schließlich gewinnt."

Doch wer ist hier das Monster? Ihr Sohn? Der Vorfall? Sie selbst?

Ich habe mich lange gefragt, woran es liegt, dass dieses Buch bei mir nicht so 'funktionierte'. Während viele von beklemmender Faszination berichten, hatte ich eher mit Verständnislosigkeit und Wut auf die Protagonistin zu kämpfen. Für mich eine irgendwie neue und krasse Erfahrung - was ein Text mit mir und in mir auslöst, wie ich mich gegen den erzählenden Charakter richte und wie wütend ich da werden kann. Und das war für mich dann auch das Faszinierendste an diesem Roman, denn umso weiter ich las, umso weniger begreifbar und logisch wurde es. Ich habe es nicht verstanden, wie sich das alles so aufbauschen kann, dass weder ihr Partner, noch das Umfeld eingriffen und Pia (ohne nun zu viel verraten zu wollen) ihr persönliches, allem zugrunde liegendes Trauma über das aller stellt, obwohl auch andere, und das noch viel näher, an den damaligen Ereignissen beteiligt waren, mehr gesehen und gelitten haben. Zwar zeigen sich Traumata bei jede*m anders und doch war mir das in diesem Fall einfach zu egozentrisch dargestellt. Vielleicht auch zu einfach.
An anderen Stellen war mir der Text hingegen einfach nicht hart genug, die Aufteilung in drei Teile hat für mich keinen Sinn ergeben, außer dass es vielleicht die Steigerung der psychischen Gewalt und das Pias Misstrauen unterstreicht, allerdings hätte es dafür keine 'Szenensprünge' gebraucht, es hätte auch genauso gut als durchgehender Text funktioniert. Und irgendwie hatte ich beim Lesen ständig das Gefühl, dass dieser Roman sehr glatt gezogen wurde. Alle Ecken und Kanten, die ich an "Mama" so liebte und die dieses Schauergefühlartige hervorriefen waren verschwunden. Dieser Text ist nun so typisch 'publikumsverlagig' und eintönig. Leider ist das nicht das erste Mal, dass Lieblingsautor*innen zu Hanser wechseln und dann eben genau das passiert. Ich freue mich sehr für Lind und dass ihr zweiter Roman nun eine größere Aufmerksamkeit genießt, aber irgendwie hat's mich da auch so ein Stück weit verloren.

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Rezensionen von Sophie H.:

Alles außergewöhnlich

Die außergewöhnlichen Abenteuer der Alice Tonks von Emily Kenny

Alice Tonks ist bei ihrer Großmutter aufgewachsen, weil ihre Eltern verschwunden sind, vermisst werden. Doch nun ist die Zeit gekommen, dass Alice sich von ihrer sehr liebevollen Großmutter trennen muss. Alice soll auf das Internat Pebbles wechseln, das Internat, das schon ihre Großmutter und ihre Eltern besucht haben.

Alice fällt die Umgewöhnung schwer, ist sie doch Autistin. In ihrer alten Schule wurde sie immer ausgegrenzt und gemobbt. Wird es ihr im Internat gelingen, endlich Freunde fürs Leben zu finden?
Doch Alice ist noch aus einem ganz anderen Grund außergewöhnlich: Gleich am ersten Schultag muss sie feststellen, dass sie sich mit Tieren unterhalten kann. Sie ist ein sogenannter Switcher. Die Tiere sind zunächst misstrauisch, fassen dann aber doch Vertrauen zu Alice. Und so dauert es nicht lange, bis sie Alice um Hilfe bitten: Seit Monaten verschwinden immer wieder Tiere auf Nimmerwiedersehen. Kann Alice ihnen helfen? Wer steckt dahinter?

Dieser kleine Krimi baut vom ersten Kapitel an Spannung auf. Er ist in einer lockeren und leichten Sprache geschrieben, sodass Kinder ihn gut selbständig lesen können. Die Kapitel sind relativ kurzgehalten und enden jeweils mit einem Cliffhanger, sodass man auf jeden Fall weiterlesen muss. Alice ist Autistin und die Autorin beschreibt sehr gut, wie sich das Mädchen deshalb fühlt. Aus diesem Grund dürfte das Buch sehr gut Kinder ansprechen, die selber unter einer Beeinträchtigung – egal welche – leiden.

Mir hat das Buch sehr viel Spaß bereitet und ich kann es nur wärmstens empfehlen!

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Rezensionen von herrfabel:

Eine Sinnsuche zwischen Familienkonflikten, dem Leben, der Einsamkeit

Juli, August, September von Olga Grjasnowa

Ich mag es, wie Olga Grjasnowa sehr aktuelle, gesellschaftliche 'Probleme' einfängt, davon erzählt, nicht zu viel erzählt, teilweise gar etwas verwirrt und doch so tiefgründig beleuchtet. In "Juli August September" lernen wir Leser*innen Lou und ihre jüdische Familie kennen. Ihr Mann ist ein sehr bekannter Pianist, sie arbeitete in einer Galerie, befindet sich nun allerdings mehr oder weniger auf Sinnsuche.

Eines Tages möchte ihre Tochter Rosa bei einer Freundin aus dem Kindergarten übernachten, um dann tränenüberströmt noch am gleichen Abend abgeholt zu werden. Zuhause erzählt sie von einem Buch, das sie bei ihrer Freundin gelesen habe. Ein Buch von Adolf Hitler, der etwas gegen Jungen hätte...oder das Bilderbuch über das Leben der Anne Frank, wie es ihre Mutter vermutete. "Rosa wusste natürlich, dass sie jüdisch war, sie wusste nur nicht, wie viele Menschen aus diesem Grund ermordet worden waren, und ich hoffte, dass es noch eine Weile lang so bleiben könnte." Doch was machen sie jetzt? Rosa war noch nie in einer Synagoge, noch kam sie bislang auch nur in den Kontakt mit jüdischen Traditionen. Wann ist der richtige Zeitpunkt um mit Kindern über so etwas in der heutigen Zeit und mit dem geschichtlichen Hintergrund zu sprechen?

" 'Ich weiß nicht, ob wir sie schon mit fünf traumatisieren sollen', sagte ich.
'Wenn das Judentum traumatisierend ist, sollten wir es vielleicht lassen.'
'Und konvertieren?'
'Gott behüte.' Er küsste mein Ohrläppchen.
Als ich meine Hand an seine Taille legte, sagte er: 'Weißt du, du achtest penibel darauf, dass sie genug Bücher hat, in denen Schwarze Kinder vorkommen. Sie weiß alles über Rosa Parks und Martin Luther King. Aber sie hat noch nie eine Synagoge von innen gesehen.'
'Das einzige Kinderbuch, das es hier über Juden gibt, ist das Anne-Frank-Buch.'
'Und das kennt sie nun', stellte er nüchtern fest.
'Sie glaubt, Hitler hat es geschrieben.'
'Meinetwegen.' Sergej ließ mich los und setzt sich an den Tisch. Auf einmal sah er müde aus. Die Ringe unter seinen Augen waren dunkel. ''Möchtest du Pasta?'"

Ist eine der sehr bezeichnenden Diskussionen zwischen ihnen. Irgendwie sind sie nicht mehr die Familie, die sie einst waren, es ist so etwas wie Erschöpfung eingekehrt. Sergej ist ständig unterwegs, spielt hier und da. Lou... nun ja. Als dann eine Einladung zum 90.Geburtstag ihrer Tante eintrifft und sie, Rosa und ihre Mutter nach Gran Canaria führt, wo sie auf den Rest der Familie, den 'ganzen ex-sowjetischen Clan aus Israel' treffen, wird dieses ganze familiäre noch einmal auf eine ganz andere Probe gestellt. Wie geht man damit um, wenn Erzählungen von früher plötzlich ganz anderes erzählt werden? Wie wenn der eigene Familienzweig in den Schatten gestellt wird? Alle ständig fragen, wann sie sich scheiden lassen? Ihr ständig sagen wie deutsch sie denn wäre. Es ist ein schmaler Grad zwischen wirklicher Wiedersehensfreude und Missgunst und doch scheint Lou gerade darin Antworten auf all ihre Fragen finden zu wollen.

"Ich weiß nicht mehr, warum wir das alles tun. Wir geben uns so viel Mühe für eine Religion, obwohl wir nicht an Gott glauben, für eine Vergangenheit, an der kaum etwas gut war, für eine Zukunft, die maximal ungewiss ist, und für eine Identität, die wir selbst nicht mehr verstehen."

Und das ist es, was ich sehr an diesem Roman von Olga Grjasnowa fasziniert hat. Sie gibt keine wirklichen Antworten auf all die vorherrschenden Fragen und Probleme und doch gewinnt man als Leser*in einen guten Eindruck von der inneren Zerrissenheit und Verzweiflung. Sehr empathisch und doch so unvorhersehbar ist dieser Roman, der nach dem Lesen leider schon wieder ein wenig verblasst und doch so viele große Themen vereint. Es ist ein kurzer Ausschnitt einer Sinnsuche zwischen all dem Leben, der Einsamkeit, der Religion und Familie. Für die ganz große Begeisterung hat mir etwas gefehlt, aber als eine Art 'Zwischendurch-Roman' fand ich ihn schon sehr groß.

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