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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Peachybookdreams :

Ausbaufähiges Worldbuilding

Burning Crown von Marie Niehoff

Schreibstil/Setting: Die Autorin startet direkt ohne große Vorgeschichte ins Geschehen, aber irgendwie fühlte ich mich dadurch ins kalte Wasser geworfen, es fehlte mir an Informationen und Worldbuilding, sodass sich die Welt einfach sehr flach angefühlt hat. Es gab ein paar Plot Twists, jedoch hat mich jetzt keiner davon sonderlich überrascht, generell empfand ich die Geschichte in vielen Aspekten sehr vorhersehbar.

Außerdem gab es einige Stellen, die sich häufig wiederholt haben. Ein Detail, welches mir aber sehr gut gefallen hat, war, dass die Namen der Kapitel zu der Playlist passen, ich höre mir sonst eher selten Buch-Playlist an, aber durch die Kapiteltitel wurde ich neugierig und die Lieder passen wirklich perfekt zur Geschichte. 

Charaktere: Cassim möchte Veränderung für sich und die anderen Drachen. Den nur Reiter dürfen die Magie der Drachen benutzen und über deren Einsatz bestimmen. Noch dazu kommt, dass die Reiter die Drachenwandler wie den letzten Dreck behandeln. Das alles treibt Cassim an, den König zu hintergehen und stürzen zu wollen. Cassim hat vieles erlebt, hinter seiner kühlen und zornigen Fassade versteckt sich eine gebrochene Seele. Und dann ist da Yessa, die all diese ungewollten Emotionen aus ihm heraus lockt. 

Yessa ist Reiterin und nicht nur das, erst kürzlich wurde sie zum Captain des Banners ernannt. Ihr Auftreten ist streng, doch der erste Schein trügt, denn Yessa und Cassim verbindet mehr, als er für möglich gehalten hätte. 

Yessa und Cassim Gefühle zueinander kamen sehr schnell, und es hat bei mir etwas gedauert, bis sich die Gefühle authentisch und echt angefüllt haben. Das einzige, was mich an den Protagonisten gestört hat, war das sehr häufige hin und her wechseln von vertrauen zu misstrauen. Zu Yessa konnte ich eine tiefere Verbindung herstellen, einfach weil man mehr Hintergrundgeschichte zu ihr bekommt, aber ich kann mir vorstellen, dass es im zweiten Band mehr zu Cassims Vergangenheit gibt. 

Fazit: Ich war sehr gehypt auf das Buch, weshalb das Worldbuilding und die Vorhersehbarkeit etwas ernüchternd waren. Nicht desto trotz konnten mich die Protagonisten unterhalten, ich bin gespannt, ob Teil zwei einige meiner offenen Fragen beantworten wird. Ich schwanke zwischen 3-3,5 Sterne.

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Rezensionen von Nele33:

gut, aber einige Längen

Blutbuße von Viveca Sten

„Blutbuße“ ist der dritte Band der Åre-Krimis von Viveca Sten um Hanna Ahlander und Daniel Lindskog.

Charlotte Wretlind eine knallharte Immobiliengeschäftsfrau hat nur noch einen Wunsch, den Lebenstraum ihres Vaters zu erfüllen: Das verlassende Berghotel, in dem sie in ihrer Kindheit jahrelang Weihnachten feierten, wieder zum Leben zu erwecken.

Einen Abend vor der dazu geplanten Pressekonferenz wird Charlotte allerdings grausam ermordet.
Hanna und Daniel werden mit den Ermittlungen betraut und müssen tief in der Umgebung und Vergangenheit von Charlotte wühlen. Bald gibt es eine zweite Leiche und als eine Entführung dazu kommt, überschlagen sich die Ereignisse.

Nachdem ich von den ersten beiden Bänden begeistert war, schwächelt dieser in meine Augen ein wenig. Das Privat- und Gefühlsleben der beiden bekommt für mich zu viel Raum, was auf Kosten der Spannung geht.
Die Atmosphäre ist jedoch wieder typisch nordisch und die Kapitel erfrischend kurz. Der Wechsel zwischen der Gegenwart und dem Jahr 1973 wird gekonnt zu Ende gebracht.

Ein Krimi mit einigen Längen, dennoch zu empfehlen.

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Rezensionen von Ecinev:

etwas seltsam

Ein anderes Leben von Caroline Peters

Am Grab von Peter, genannt Bow treffen die Geschwister und ihre diversen Väter wieder aufeinander. Die inzwischen gestorbene Mutter, Hanna hatte die Väter ihrer Kinder nach und nach geheiratet. Daraus entstand ein ziemliche Familien Durcheinander. In Rückblicken erinnert die Ich-Erzählerin von dem bunten Familienleben.

Wie war das Leben der Mutter Hanna die nicht viel von Konventionen hielt und so nach und nach ihre drei besten Studienfreunde heiratete. Nur mit dem letzten Ehemann hielt sie es länger aud und erzog ihre vier Kinder. Im Geist entstehen so Dialoge und Handlungen die so nie stattgefunden haben.

Der Schreibstil ist durchaus anspruchsvoll, teilweise lebendige und witzige Schilderungen dann wieder ernste Schilderungen die sich immer um das schwierige Mutter-Tochter Verhältnis drehen. Für ein Debut Roman ein eindrucksvolles Werk, dass mir zwar recht gut gefallen hat, mich andererseits auch etwas ratlos zurückläßt.

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Rezensionen von Ecinev:

Verstörend

Yoko von Bernhard Aichner

Eigentlich wollte sich Yoko nach der Auslieferung ihrer Glückskekse in einem chinesischen Restaurant nur um einen angeketteten verwarlosten Hund kümmern doch als sie wieder herauskommt und sieht wie Männer den Hund totprügeln bricht ihre Welt in Stücke. Nichts ist mehr so wie es einmal war und sie schwört Rache.

In Rückblicken erzählt Yoko ihre Geschichte, als Tochter eines alleinerziehenden Vaters lernt sie früh das Fleischerhandwerk und übernimmt die Metzgerei ihres Vaters, später pflegt sie ihn bis zu seinem Tod. Als sie das Geschäft schließen muss, kauft sie im Internet eine Glückskeksfabrik und fabriziert nun in den Geschäftsräumen Glückskekse in die sie liebevolle Texte steckt.

Nach den dramatischen Ereignissen vom Anfang verfolgt sie kompromisslos die Hintermänner der China Maffia und ruft damit ihrerseits Vergeltung auf den Plan. Nachdem ihre beste Freundin zum Opfer geworden ist, setzt sie ihren Plan noch erbarmungsloser fort.

Zugegeben, der Schreibstil von Bernhard Aichner ist nicht leicht zu lesen, doch gerade dieser eher beschreibende Stil ohne wörtliche Rede machen die grausamenen Schilderungen erträglicher. Auf alle Fälle kein Buch für schwache Nerven.

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Rezensionen von Novalie:

Neuer Kontext

Breakup, Makeup - Liebe zwischen Cosplay und Competition von Stacey Anthony

Eli ist Make-up Artist in der Cosplay Szene und ziemlich knapp bei Kasse. Der Wettbewerb „Makeup Wars“ und der Hauptpreis, ein Stipendium, könnten alles für Eli verändern. Doch die Konkurrenz ist hart und besteht blöderweise auch aus Elis Ex-Freund, Zach.
Den Kontext fand ich richtig interessant.

Ich bin selbst nicht in der Szene unterwegs, darum war es ein spannender Einblick in eine andere Welt. Manche Charaktere, die „gecosplayd“ wurden, musste ich erst googeln. Da hätte ich Skizzen von den Looks sehr hilfreich gefunden. Aber das Buch ist auch so sehr liebevoll gestaltet.
Ich habe leider eine Weile gebraucht, um in die Geschichte zu finden. Ich finde es immer cool, wenn Neopronomen verwendet werden, aber hier hat es etwas gedauert, bis ich mich an den Stil gewöhnt habe. Gerade am Anfang wirkt auch das Verhalten der Protas sehr kindisch. Sie sprechen nicht miteinander, reflektieren nichts und sind beide in ihrer eigenen Sichtweise gefangen.
Mit der Zeit wurde ich jedoch mit ihnen warm. Gerade Zach hat sich doch noch sehr in mein Herz geschlichen. Aber etwas mehr Kommunikation und Reflexion hätte den beiden wirklich gutgetan.
Was ist kritisch sehe, ist der Drogen- und Alkoholkonsum der Protas, der für ein Buch ab 12 Jahren etwas zu leichtfertig war.
Ansonsten war es ein leichtes, unterhaltsames Buch, das mal einen neuen Kontext geboten hat.

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Rezensionen von Ecinev:

erfrischend anders

Die Toten von Veere. Ein Zeeland-Krimi von Maarten Vermeer

Was hat ein verschwundenes Mädchen dass nach der Bombadierung eines Damms 1944 spurlos verschwunden ist, eine vor 10 Jahren verschwundene surinamische Jugendliche und ein tot aufgefundener junger Mann gemeinsam? In diesem erfrischend anderem Kriminalroman aus Holland gelingt es Maarten Vermeer alle Ereignisse aufzuklären.

Hoofdinspecteur Liv de Vries aus Amsterdem wird nach einem missglückten Zugriff von ihrem Chef aus der Schusslinie gebracht und ins malerische Veere geschickt wo ein Koch vermisst wird. Es stellt sich heraus, dass Rob van Loon, alias David Lejnders im Zeugenschutzprogramm war und unter neuer Identität in Rotterdam lebte. Livs Chef hat ein persöntliches Interesse das Verschwinden des Mannes aufzuklären. Mit einer neuen Kollegin macht Liv sich auf den Weg und stößt bei den Ermittlungen auf das nicht aufgeklärte Verschwinden von Esmee Vriesde, ein Einwanderermädchen aus Surinam das vor 10 Jahren spurlos verschwunden ist und David Lejnders als Mörder verdächtig ist. Der Schreibstil ist lebendig, die Personen wachsen einem gleich ans Herz und wie der Wind an der holländischen Küste bringt dieses Buch eine erfrischende Abwechslung. Ich bin gespannt ob es eine Fortsetzung geben wird da das Buch mit einem Cliffhänger endet. Auf alle Fälle, gerne mehr von Maarten Vermeer.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Eine gelungene Fortsetzung

Die Mur schweigt von Gudrun Wieser

In diesem dritten Fall für den Gendarmen Wilhelm Koweindl und die Lehrerin Ida Fichte werden die beiden von Wilhelms Vergangenheit in der Armee eingeholt.

Nach den Ereignissen in den Jahren zuvor, verdient Ida Fichte nun ihr Geld als Hauslehrerin und Gesellschafterin in drei Familien, während Wilhelm, um eine Beförderung zu erlangen, einen Chargenkurs absolvieren muss.

Da ihm der Lernstoff, vor allem die zu lernenden Gesetze zu schaffen machen, bittet er Ida um Hilfe.

Doch dann verschwindet Marie, das Dienstmädchen der Familie Mandelsüß, deren Töchtern, Valentina und Victoria, Ida Klavierunterricht gibt. Die beiden Mädchen im Backfischalter vermuten eine romantische Liebschaft. Doch als man Maries Leiche findet, beginnen sie heimlich in deren Sachen zu stöbern und, wie sie es nennen „zu ermitteln“. Natürlich ziehen sie einige falsche Schlüsse. Das Dienstmädchen wird nicht die einzige Tote bleiben. Allen ist gemeinsam, dass sie im weitesten Sinn mit Prostitution zu tun haben.

Gleichzeitig wird Ida bedroht und soll sich von Wilhelm fernhalten. Wer hat es auf Wilhelm abgesehen? Und welche Rolle spielt seine unrühmliche Relegation aus dem Militär?

Meine Meinung:

Gudrun Wieser ist wieder ein fesselnder historischer Krimi gelungen, der die Zeit am Ende des 19. Jahrhunderts lebendig auferstehen lässt. So beschreibt sie die Lebensumstände der unterschiedlichen Klassen wie Adelige, reiche Bürgerfamilien, Bauern sowie der Witwen und alleinstehenden Frauen, die wenn sie nichts geerbt haben, kaum überleben können.

Ida ist (noch) alleinstehend und stolz auf ihre Unabhängigkeit, auch wenn sie damit gegen die vorherrschenden gesellschaftlichen Konventionen verstößt und das Naserümpfen mancher Menschen in Kauf nimmt. Aktuell muss sie, um ihren Lebensunterhalt in einer winzigen Dachwohnung zu finanzieren gleich drei Jobs nachgehen. Wobei die Klavierstunden bei den Töchtern Mandelsüß vielleicht noch der angenehmste Job ist. Die Mädels sind naseweis und erfrischend aufmüpfig, während die Eltern sich wenig um den Nachwuchs kümmern.

Schmunzeln musste ich auch über die Fräuleins Wagner und Papst, die Ida als Gesellschafterin engagiert haben. Mehrmals erklären die beiden alten Damen mit Nachdruck, dass man keinen Mann im Leben braucht.

Entzückend finde ich, dass Olympe de Gouges, jene Pariserin, die auch für Frauen die gleichen Recht wie für Männer eingefordert hat (und dafür 1793 auf der Gulliotine landete, da war dann Gleichheit angesagt) einen kurzen literarischen Auftritt hat. Ja, die Losung „Liberté, Egalité, Fraternité!“ galt nur für Männer. Oder die Verwendung des Wortes „Grisette“ - mit diesem Wort hat man junge unverheiratete Frauen bezeichnet, die sich ihren Lebensunterhalt als Hutmacherinnen oder Näherinnen verdient haben und ohne Aufsicht von Eltern wohnten. Sie wurden häufig wegen ihres unkonventionellen Lebensstils eines nicht ganz ehrbaren Lebenswandels bezichtigt. Doch Ida kümmert sich nicht darum, was ihrer Vermieterin denken könnte.

Ida und Wilhelm sind ein gutes Team, auch wenn Wilhelm ein wenig linkisch im Umgang mit Ida wirkt. Trotzdem hat er genug Vertrauen zu ihr und in ihre Fähigkeiten, sich ihr bezüglich des Lernstoffes anzuvertrauen. Es ist für viele Männer jener Zeit nicht selbstverständlich, Fehler oder Unvermögen zuzugeben.

Gudrun Wieser hat auch diesmal viel Zeit in die Recherche gesteckt. Geschickt ist auch der latente Antisemitismus, der auch immer mit Neid einhergeht, in den Krimi hineingepackt. Ich mag das, wenn historische Details sorgfältig ausgesucht und eingearbeitet sind. Das, und die schöne Sprache hebt diese Krimi-Reihe von zahlreichen anderen hervor. Auch das Cover passt perfekt zu den beiden Vorgängern.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem dritten historischen Krimi mit Wilhelm Koweindl und Ida Fichte eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

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Rezensionen von yellowdog:

Eine WG, die zueinandersteht

Wohnverwandtschaften von Isabel Bogdan



Wohnverwandtschaften ist ein sympathischer Roman, der eine große Leichtigkeit ausstrahlt, aber auch sehr geschickt komponiert wurde. Er erzählt die Geschichte einer WG von 4 Leuten: Die junge Zahnärztin Constanze, die nach einer Trennung als Neue zur WG kommt. Dann Murat, der gerne kocht und sich um alle kümmert.

Anke, die Schauspielerin, die zurzeit keine Aufträge mehr bekommt und der Jörg, Ende 60, dem die Wohnung gehört.
Sie verstehen sich gut. Später wird mit dem Hund Alien noch ein fünftes Mitglied die WG ergänzen. Dann zeigen sich bei Jörg erste Anzeichen von Demenz, er vergisst immer mehr. Doch das schweißt die Wohngemeinschaft noch mehr zusammen, sie werden umso mehr zu einer kleinen Familie. Aber einfach ist es nicht.
Das zeigt Isabel Bogdan eindringlich, aber unverkrampft. Mal hat jeder der vier sein eigenes Kapitel, dann gibt es auch Kapitel mit zwei oder allen zusammen. Das ist gelungen.
Als Leser fühlt man sich fast wie einer von ihnen und so gut in einem Roman mitgenommen zu werden, ist eine Qualität.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Auftakt einer hist. Krimi-Reihe

Die Schatten von Prag von Martin Becker; Tabea Soergel

Das Autoren-Duo Martin Becker & Tabea Soergel entführt uns in diesem historischen Roman in das Prag von 1910. Die Menschen in Prag sowie in anderen Erdteilen blicken in diesem Frühling angstvoll auf den Nachthimmel, denn der Halleysche Komet ist nach 75 Jahren wieder deutlich sichtbar. Wie immer bei solchen Himmelserscheinung werden diffuse Ängste geschürt, mit denen skrupellose Geschäftemacher viel Geld machen, allerlei Weltuntergangsszenarien verbreitet und zahlreiche Menschen Selbstmord begehen.

Dass ein solche verunsichernde Stimmung auch diverse Verschwörern Raum bietet, ist wohl leicht vorstellbar.

Hauptfiguren in diesem historischen Roman sind der reale Reporter Egon Erwin Kisch sowie die fiktive Lenka Weißbach, die ihrer Mutter zuliebe in Berlin Medizin studiert und nun wieder nach Prag zurückgekehrt ist.

Kisch arbeitet bei der bohemia, einer renommierten Zeitung als Polizeireporter als sich durch einige personelle Änderungen das Klima in der Zeitung stark verschlechtert. Zusätzlich sterben aktuell in Prag zahlreiche Menschen durch Selbstmord, was Kisch nicht so recht glauben mag. Kisch beginnt mit Hilfe von Lenka, die nun ebenfalls in der Redaktion der bohemia arbeitet, und dem Brückenwärter Novák, heimlich zu recherchieren. Seine Verbindungen zur Halb- und Unterwelt sind legendär, daher erhält er den einen oder anderen Hinweis.

Schnell wird klar, dass es sich hier um eine Verschwörung riesigen Ausmaßes handeln muss. Nur wer ist der Initiator? Der König der Prager Unterwelt Kubitza, der aus dem Gefängnis seine Geschäfte am Laufen hält, oder die Deutschnationalen, die ihre schwindende Macht erhalten, oder doch die tschechischen Nationalisten, die sich vom Habsburgerreich befreien wollen?

Meine Meinung:

Dieser historische Roman ist Auftakt zu einer Krimi-Reihe mit Egon Erwin Kisch und Lenka Weißbach, die uns in die gespannte Atmosphäre, die wenige Jahre vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges herrscht, eintauchen lässt. Sehr geschickt sind die rivalisierenden politische Gruppen, Deutsche und Tschechen, dargestellt. Da ich mit der Geschichte Böhmens und Mährens vertraut bin, ist es mir nicht schwergefallen, den Usurpator ausfindig zu machen, der sich die Angst der Menschen vor dem Kometen zu Nutze gemacht hat. Eine Gruppe von Personen gerät zwischen die Mahlstein des Machtkampfes: die Juden. Die werden von beiden Seiten angefeindet und für jegliches Übel verantwortlich gemacht. So ist es kaum verwunderlich, dass Dr. Leidinger, der erste Tote der Serie, ein Mitarbeiter der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt ist.

Die Charaktere haben alle ihre Ecken und Kanten. Zunächst einmal Egon Erich Kisch (1885-1960), dessen Alkoholkonsum schon als junger Reporter ziemlich bedenklich erscheint. Lenka Weißbach ist eine interessante Figur. Zum einen studiert sie der Mutter zuliebe Medizin wie ihr verstorbener Vater und lebt in Berlin ein doch freies Leben, das wie die Andeutungen zeigen, auch eine Liebschaft mit einer Frau beinhaltet und andererseits kehrt sie als „gute Tochter“ nach Prag zurück, als sich herausstellt, dass der Gesundheitszustand ihrer Mutter sich verschlechtert. Sie täuscht eine Verlobung mit ihrem Kollegen Heinrich Brodesser vor, um vor weiteren Verheiratungsplänen der Mutter gefeit zu sein. Dieser Charakter bietet für weiter Fälle interessante Entwicklungsmöglichkeiten. On verra! Man wird sehen, wie die Franzosen sagen. Der nächste Band erscheint 2025.

Gut gefällt mir, wie uns das Autoren-Duo auf die Reise in die Stadt Prag mitnimmt. Da ist vom Brückenzoll die Rede und von einigen bekannten Firmen, die (natürlich) reichen Österreichern gehören sowie die Tausenden Tschechen wie Novák, die in ärmlichen Verhältnissen hausen.

Und ja, wir begegnen historischen Personen wie Franz Kafka, damals noch Mitarbeiter der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt und Jaroslav Hašek, der in wenigen Jahren, den Roman „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ schreiben wird.

Fazit:

Ein interessanter historischer Krimi, der die Spaltung des Königreiches durch den aufkommenden Nationalismus, den Antisemitismus sowie die Angst der Menschen vor dem Naturereignis Halleyscher Komet sehr gut erlebbar macht. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Fakt und Fiktion sehr gut verquickt

Reichskanzlerplatz von Nora Bossong

Dieser historische Roman beschert uns Einblicke in eine Zeit des Umbruchs und gleichzeitig in das Leben der 1901, als Johanna Maria Magdalena Behrend (zunächst) unehelich geborenen Tochter eines Dienstmädchens. Als ihre Mutter in zweiter Ehe den jüdischen Kaufmann Richard Friedländer heiratet und der das Mädchen adoptiert, wächst sie in einem bürgerlichen Umfeld auf.

44 Jahre später wird sie im Führerbunker ihre sechs Kinder vergiften und anschließend Selbstmord verüben. Der geneigte Leser wird nun wissen, von wem die Rede ist, nämlich von Magda Goebbels, geschiedene Quandt.

Wir lernen die junge Johanna Maria Magdalena Friedländer kennen, die mit knapp 19 Jahren den verwitweten Industriellen Günther Quandt (und seine Söhne) heiratet und den gemeinsamen Sohn Harald bekommt. Doch recht bald langweilt sie das komfortable Leben und Madame Quandt, wie man sie nennt, betrügt ihren Mann mit wechselnden Liebhabern.

Wenig später, nach der, für sie lukrativen, Scheidung (1929) von Günther Quandt, zieht sie in eine Wohnung am Reichskanzlerplatz und schließt sie sich gänzlich der NSDAP an. Dort erregt sie die Aufmerksamkeit von Joseph Goebbels und Adolf Hitler. Als Ehefrau des Propagandaministers wird sie nun Magda genannt und, nachdem sie in schneller Abfolge, insgesamt sechs weitere Kinder zu Welt bringt, zur Vorzeigemutter des Reiches hochstilisiert.

Als sich Goebbels 1938 in die tschechische Schauspielerin Lida Baarová (1914-2000) verliebt und eine Menage à trois von Magda verlangt, wendet sich Magda an Hitler, der Goebbels eine Scheidung verbietet.

Meine Meinung:

Die Erzählweise ist recht ungewöhnlich gewählt, denn es ist der fiktive, schwule Hans Kesselbach, der als Ich-Erzähler fungiert. Kesselbach ist mit Hellmuth Quandt in dieselbe Klasse gegangen, beide schwärmen für die schöne Madame Quandt, die nur wenige Jahre älter ist. Er beginnt eine Affäre mit ihr, um seine Homosexualität zu vertuschen, die in Deutschland verboten ist .

Immer wieder kreuzen sich die Lebenswege von Hans Kesselbach und Magda Goebbels. Dass Magda Goebbels keinen Finger für vom Regime bedrohte Menschen rührt, ist an jener Stelle zu lesen, als sich völlig ungerührt, ganz nebenbei erzählt, dass ihr Stiefvater Richard Friedländer sei im KZ Buchenwald an einer „Lungenentzündung“ verstorben. Ein jüdischer Stiefvater passt so gar nicht in das Leben der fanatischen Vorzeigemutter.

„Siehst du Hans, es wird niemand bevorzugt, auch wir nicht. Wir essen unseren Eintopf und zahlen unseren Teil.“ (S. 249)

Dieser historische Roman lässt zahlreiche reale Prominente aufmarschieren. Von Auwi, dem Sohn des ehemaligen Kaisers über zahlreiche Größen des NS-Regimes bis hin zu zahlreichen Verfolgten.

Der Roman kommt ohne direkte Rede aus, was mich diesmal eigenartigerweise nicht allzu sehr gestört hat. Geschickt sind die Lebensläufe der realen Personen mit jenen der fiktiven verquickt. Eine Biografie der Magda Goebbels ist dieser historische Roman nicht. Wer eine solche lesen möchte, muss zu anderen Büchern greifen.

Interessant ist, wie sich der fiktive Hans Kesselbach durch die für Homosexuelle höchst bedrohliche Zeit laviert. Dabei kann er deutlich sehen, wie es den gleichgeschlechtlich Liebenden ergeht. Eine pro-Forma-Hochzeit, die für ihn nützlich sein könnte, lehnt er recht lange ab.

Der Schreibstil ist eindringlich und zeichnet ein gelungenes Bild jener Zeit.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman 5 Sterne.

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