Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Tara:
Offene Worte über Begehren und Erotik
Dirty Diana: Das Erwachen von Jen Besser; Shana Feste
"Dirty Diana: Das Erwachen" ist der erste Band aus der Dirty Diana-Trilogie und das Debüt der langjährigen Freundinnen und Autorinnen Jen Besser und Shana Feste.
Die Künstlerin Diana und ihr Mann Oliver befinden sich in einer Krise. Ihre Ehe geht im Alltag unter und die frühere Leidenschaft ist verschwunden.
Es fehlt die frühere Intimität, Familie, Arbeit und Gewohnheit haben sich dazwischengeschoben.
Diana erinnert sich an früher, an eine leidenschaftliche Beziehung zu einem Künstler und an ein Projekt, für das sie Interviews mit Frauen über ihre sexuellen Phantasien geführt hat.
Der Schreibstil der Autorinnen liest sich leicht und angenehm. Diana war mir sympathisch, eine selbstbewusste Frau, die mitten im Leben steht. Durch Rückblicke in ihre Vergangenheit lernt man sie gut kennen. Der Umgang mit ihrer Sexualität, ihrem Begehren und ihrer Lust wird offen und gelungen dargestellt, so dass es angenehm zu lesen ist und nichts Anstößiges hat.
Mir hat die Entwicklung von Diana gut gefallen. Oliver blieb hingegen etwas blass, was vermutlich auch nicht anders vorgesehen war. Dieses Buch gibt vornehmlich einen Blick auf die weibliche Seite, das weibliche Begehren und die Erotik in Langzeitbeziehungen. Dennoch hätte ich gerne mehr Einblicke in Olivers Gedanken und Gefühle gehabt.
Das Ende war überraschend und macht neugierig auf den nächsten Band.
Rezensionen von Sheilo:
Wunderschön und emotional
Shine Like Midnight Sun von Sarah Stankewitz
Als Lilly von Arons Geheimnis erfahren hat, ist sie zurück nach Deutschland geflüchtet, wo sie Zeit hatte, sich über ihre Gefühle klar zu werden. Doch dann erhält sie plötzlich die Zusage für das SaveTheIceland-Programm, für das sie sich beworben hatte. Sie beschließt, nach Island zurück zu kehren und ahnt nicht, wie sehr auch Aron sie braucht.
"Shine Like Midnight Sun" ist der emotionale zweite Band der "Strong Hearts"-Reihe von Sarah Stankewitz. Alleine das Cover passt wunderbar zur Thematik rund um das immer schwächer werdende Herz von Aron. Besonders gut gefällt mir an der Reihe, dass die Autorin zeigt, wie sich solche schweren Diagnosen auch auf das Umfeld der Patienten auswirken.
Da ich nach dem ersten Band richtig hibbelig auf die Fortsetzung gewesen bin und der Schreibstil flüssig und locker ist, bin ich nur so durch die Seiten geflogen. Die Spannung blieb bis zum letzten Kapitel erhalten und ich bin begeistert, wie dieses emotionale Thema im Buch verarbeitet wurde.
Ich liebe die authentischen Charaktere wirklich sehr, neben den Protagonisten lernen wir so viele tolle Menschen kennen. Lilly zeigt ihre Stärke, sie verarbeitet den Tod ihres Bruders und lernt, dass sie im Leben das tun sollte, was sie selbst möchte.
Aron hat seine Diagnose lange verdrängt, doch nun merkt er von Tag zu Tag, wie schwer ihm alles fällt. Er bleibt lange optimistisch, doch irgendwann kommen ihm die Zweifel, ob es einen rettenden Anruft für ihn geben wird.
Ich habe so einige Tränen beim Lesen vergossen, das Thema hat mich sehr mitgenommen und ich finde es so wichtig, über das Organspende aufzuklären und wie viele Leben dadurch gerettet werden können.
Ich bin begeistert von dieser fantastischen Buchreihe mit dem wunderschönen Setting von Island. Tränen sind beim Lesen garantiert, aber auch große Gefühle. Ich kann "Shine Like Midnight Sun" sehr empfehlen.
Rezensionen von Tara:
In der Welt der Bücher
Die Abende in der Buchhandlung Morisaki - Roman (Bücherliebe in Tokio 2) von Satoshi Yagisawa
„Die Abende in der Buchhandlung Morisaki“ ist nach „Die Tage in der Buchhandlung Morisaki“ der zweite Band - der Reihe Bücherliebe in Tokio - des japanischen Autors Satoshi Yagisawa. Vorkenntnisse aus dem vorherigen Buch benötigt man zum Verständnis nicht, dennoch empfehle ich dieses zuerst zu lesen, da ich es schön fand, die Weiterentwicklung der bekannten Charaktere mitzuerleben.
Nachdem sich Takako von der Liebe enttäuscht in das Antiquariat bei ihrem Onkel Morisaki Satoru und ihrer Tante Momoko zurückgezogen hatte, ist sie nun - drei Jahre später - frisch verliebt in Wada. Wada arbeitet gerade an einem Buch, in dem es um die Buchhandlung Morisaki gehen soll. Da Momoko schwer erkrankt ist, hilft Takado in der Buchhandlung aus.
Der Schreibstil von Satoshi Yagisawa liest sich leicht und flüssig. Er ist voller Wärme und erweckt das Bücherviertel Jinbocho und das Flair Japans zum Leben. Eine Gegend, in der sich jeder Buchliebhaber wohlfühlen kann.
Die Handlung wird aus der Ich-Perspektive von Takado erzählt, eine Protagonistin, die man einfach mögen muss. Aber auch die übrigen Charaktere werden gut beschrieben. Im Vordergrund stehen durchgehend Bücher und wie diese auf die Menschen wirken, was sie auslösen und verändern.
Es ist ein sehr ruhiges Buch, zum Wohlfühlen und Genießen. Wer Spannung sucht, ist hier falsch, die Faszination liegt hier viel mehr in der Magie der Bücher und den Emotionen, die diese hervorrufen.
Ich habe die Atmosphäre zwischen den Büchern und das Setting in dem Antiquariat geliebt und bin gespannt auf weitere Werke von Satoshi Yagisawa.
Rezensionen von Gaby 2707:
Auch Lehrer treiben´s heiß
Das heiße Lehrer-Tagebuch | 9 erotische Geschichten von Lieren Wrate
In Frankfurt schafft es der Ich-Erzähler seine Kommilitonin Bianca für sich zu interessieren. Dann folgt Lena, die sich fragt, wo ehelicher Betrug beginnt. Elisa, der Tochter eines Freundes, bringt er die Freuden der Lust bei. Bei Praktikantin Svenja hinterlässt er einen so fantastischen Eindruck, dass sie ihn immer wieder anruft und in Merlyn findet er eine Frau, die ihn für gewisse Stunden sucht.
Für mich war es das erste Buch, das ich von Lieren Wrate gelesen habe. Sie bringt mich mit einem interessanten, hormongesteuerten Lehrer und Frauen, die seiner Leidenschaft und seinen Wünschen sehr gerne folgen, zusammen. Sie geben sich an den unterschiedlichsten Orten der Erotik und ihrer Lust hin. Ich hätte nicht gedacht, wie unanständig und heiß sie es treiben können. Mir gefällt der leichte, lockere, sehr freizügige Erzählstil mit dem sie mich durch ihre Geschichten führt, ohne anstößig zu wirken oder derb unter die Gürtellinie zu gehen, sehr gut. Mit ihren Geschichten knipst sie sofort mein Kopfkino an, das dann heiß läuft und mir anregende Bilder in den Kopf zaubert. Meinen Geschmack hat sie mit ihren neun erotischen, abwechslungsreichen Geschichten gut getroffen.
Zum Abschluss bekomme ich als kleines Goodie noch einen Gutschein-Code, mit dem ich mir eine weitere heiße exklusive Geschichte von Lieren Wrate als E-Book aus dem Internet herunter laden kann. Und wie üblich ist auch hier ein Lesezeichen passend zum Buch mit dabei.
Rezensionen von Tara:
Lauf wie der Wind, Sky
Lauf wie der Wind, Sky! von Rosanne Parry
„Lauf wie der Wind, Sky!“ ist eine Abenteuergeschichte der in Oregon lebenden Autorin Rosanne Parry.
Die Handlung beginnt mit der Geburt von Sky. Vom ersten Moment an ist alles aus Skys Perspektive geschildert, wie Sky seine Umgebung wahrnimmt, was er hört, sieht und wie seine Umgebung riecht.
Er lebt in einer Herde von Wildpferden, lernt von ihnen, was er für das Überleben in der Wildnis wissen muss. Aber im Vordergrund steht das Gemeinwohl der Herde und da die Natur nicht ausreichend Futter und Wasser für alle bereitstellt, muss Sky die Herde verlassen.
Rosanne Parry ist es ausgesprochen gut gelungen Skys Perspektive einzunehmen. Seine Gedanken und Gefühle kamen direkt bei mir an und alles wirkt ausgesprochen authentisch. Die Sätze sind kurz und leicht verständlich. Auch die Kapitel haben eine angenehme Länge.
Die Gestaltung des Buches ist ebenso lebendig wie die Handlung. Es gibt zahlreiche schwarz-weiß Zeichnungen der Illustration Kirbi Fagan, die perfekt zu den Ereignissen passen.
Neben der spannenden Geschichte um den Hengst Sky, gibt es abschließend noch interessante Informationen über die Geschichte der Wildpferde in Nordamerika, Pferdefamilien, Wildpferde in Deutschland und vieles mehr.
Es ist ein schönes Buch über die Herausforderungen, denen Wildpferde begeben, die Bedeutung von Freiheit, Zusammenhalt und Naturverbundenheit, dass ich Pferde-, Tier- und Naturliebhabern empfehlen kann.
Rezensionen von Marie aus E.:
Wichtig, witzig, wehmütig? Nein, wehleidig.
Geile Zeit von Niclas Seydack
Ein Buch über die Millennials, eine Ode an die 2000er? Wie fein, ich freute mich.
Bei mir lief im Kopf gleich der Vergleich zu "Generation Golf" - ich erhoffte mir ein ähnliches Lesevergnügen.
Überzeugt hat mich "Geile Zeit" leider nicht, auch wenn ich seitdem den Juli-Ohrwurm im Kopf habe (das wiederum ist eigentlich sehr schön).
Zeitweise war es witzig, ja, gerade der Start. Eine schöne Zeitreise in längst vergangene Zeiten, die aber prägend war, wenn man da jung war.
Jetzt ist es also soweit, dass auch die Millennials schon wehmütig in Erinnerungen schwelgen.
Leider driftet es dann aber oft ab in ein Jammern und "wie arm wir doch dran sind-Klagen". Nach der zigsten Wiederholung von der Prägung durch 9/11 war ich dann schon fast genervt.
Mein Fazit: nicht so witzig wie gedacht, andererseits aber auch zu einfach im Klagen und in der Darstellung der Generation, mir hat da die Balance gefehlt.
Rezensionen von atlaentis:
Spannungsgeladen
The Games Gods Play - Schattenverführt von Abigail Owen
Wenn man das Buch zum ersten Mal in die Hand nimmt, fällt einem sofort auf, wie dick es ist. Bei solchen Wälzern bin ich dann doch öfters mal etwas enttäuschter, weil der Mittelteil häufiger langatmig wird. Das kann ich hier so nicht unterschreiben, da für ausreichend Spannung gesorgt wurde, jedoch gibt es dennoch kleine Defizite.
So etwa das Cover, das für mich zwar zum Inhalt des Buches passt, aber dann doch etwas zu verspielt und mit seinen vielen Farben fast zu kindisch ist, um die ab und zu düsteren Kapitel einzufangen. Klar überzeugt das Buch durch verschiedene Orte, teilweise wunderschön, aber eben auch hin und wieder grausam, dass für mich ein etwas dunkleres Cover besser gepasst hätte, aber das ist auch Geschmackssache. Der Schreibstil ist für Jugendliche / junge Erwachsene durchaus angenehm, da Lyra mit ihren manchmal derben Ausdrücken für das ein oder andere Schmunzeln sorgt und das ihren Charakter durchaus auch ausmacht, aber dennoch kommen mir ein paar der Begriffe dann doch zu oft vor. Lyra selbst ist ein sehr ansprechender Charakter, da sie mit ihrer Vergangenheit vorbelastet ist und sich dennoch nicht so schnell geschlagen gibt. Genau das scheint Hades an ihr reizend zu finden, bei dem ich die ganze Zeit mit der dramatischen Wendung gerechnet habe, immerhin hat man einen schlechten Ruf ja nicht ohne Grund. Cerberus und Charon fand ich einfach toll, sodass ich mich jedes Mal darüber gefreut habe, wenn wieder eine Begegnung anstand. Weniger begeistert war ich von Boone, da er für mich eher die Funktion erfüllte, eine potentielle Dreiecksbeziehung zu kreieren. Dafür hat aber schlicht und ergreifend die Chemie zwischen Lyra und Boone nicht gestimmt. Die vielen anderen Charaktere waren mir einfach zu viele. Klar, da alle Götter einen Kämpfer für sich aussuchen, trifft man als Leser nun einmal auf unendlich viele Namen, aber am Ende konnte ich immer noch einzelne nur schwer voneinander unterscheiden, was auch damit zu tun hatte, da sie zwar entweder auf Lyras Seite standen oder nicht, aber oftmals nicht mehr Informationen gegeben wurden. Einzelne Nebenfiguren hatten durchaus Tiefen, aber andere blieben mir dann doch etwas zu oberflächlich, um dann wild mit ihren Namen um sich zu werfen. Dennoch muss man der Autorin anerkennen, dass sie es geschafft hat, sich tolle Aufgaben der Götter zu überlegen, die mich doch immer wieder den Atem haben anhalten lassen, weil der Ausgang oftmals nicht vorhersehbar war und es durchaus den ein oder anderen Verlust gab. Das Ende kam ebenfalls überraschend, wodurch auch die letzten Seiten geradezu an einem vorbeifliegen. Zusammenfassend ist das Buch also definitiv eine spannende, abwechslungsreiche Lektüre, auch wenn mir die vielen oberflächlichen Charaktere dann doch zu schaffen gemacht haben.
Rezensionen von PMelittaM:
Ein spannender und ziemlich düsterer Pageturner
Bis in alle Endlichkeit von James Kestrel
Privatdetektiv Lee Crowe findet während er an einem Fall arbeitet, eine tote Frau, offensichtlich von einem Gebäude herabgestürzt. Die Polizei denkt schnell an Selbstmord, doch Olivia Gravesend, die Mutter der Toten, glaubt nicht daran und engagiert Lee, den Grund für Claires Tod zu finden. Mit seinen Ermittlungen sticht Lee in ein Wespennest und ist bald selbst in großer Gefahr.
„Fünf Winter“ war für mich ein großartiger Roman und so war ich sehr gespannt auf das nächste Werk James Kestrels. Nun, „Bis in alle Endlichkeit“ ist ganz anders, hat mir aber auch sehr gut gefallen.
Dieses Mal befinden wir uns nicht in der Vergangenheit, sondern im heutigen Kalifornien. Lee ist ein gelungener Protagonist, erinnert schnell an die Detektive des Crime noir, und hat das Zeug zum Reihenhelden. Wenn ich mir das Ende anschaue, und die Anmerkung des Autors im Nachwort, könnte es vielleicht wirklich zu Nachfolgebänden kommen, ich würde mich sehr freuen.
Der Fall entwickelt sich ganz anders, als zunächst gedacht, und als Lee eine junge Frau trifft, die der Toten sehr ähnelt, fängt man als Leser:in so richtig an mitzurätseln. Es gibt viele spannende Wendungen, viel Action und einen Protagonisten, den ich immer mehr ins Herz geschlossen habe. Auch andere Charaktere sind interessant und nicht immer gleich durchschaubar. Mit Lee zusammen ist man auch selbst ständig misstrauisch und auf der Hut. Trotzdem hat er natürlich seine Leute, auf die er sich verlassen kann, auch, weil er sie bezahlt. Im Grunde ist er aber mehr der Typ einsamer Wolf, seine Fälle sind oft brisant.
Das Ende hat es in sich, und geht vielleicht noch ein Stück weiter, als manche:r erwartet. Wie der ganze Roman ist es ausgesprochen düster, und würde Lee nicht in Ich-Form selbst erzählen hätte ich wahrscheinlich noch mehr um ihn gebangt. Ob er aber wirklich überlebt, verrate ich hier natürlich nicht.
James Kestrel ist wieder ein richtig guter Roman gelungen, mit einem spannenden Fall, einem Protagonisten, mit dem man schnell mitfühlt, und vielen überraschenden Wendungen. Ich warte gespannt auf mehr von diesem Autor.
Rezensionen von mari_liest:
Eine besondere Gemeinschaft
Wohnverwandtschaften von Isabel Bogdan
„Wohnverwandtschaften“ von Isabel Bogdan hat mich durch seine ruhige, dennoch tiefgehende Erzählweise sofort in seinen Bann gezogen. Das Buch beschreibt das Zusammenleben von vier sehr unterschiedlichen Menschen in einer Wohngemeinschaft: Constanze, die sich nach einer Trennung dort wiederfindet, Jörg, der nach dem Tod seiner Frau etwas mit dem Leben und seiner Krankheit kämpft; Anke, eine Schauspielerin ohne festen Job, und Murat, der für seine kulinarischen Fähigkeiten innerhalb der WG bekannt ist.
Diese Gemeinschaft zu Beginn wie eine Zweck-Gemeinschaft, entwickelt sich zu einer echten Wahlfamilie.
Das Buch vermittelt, dass Familie nicht nur durch Blutverwandtschaft definiert wird, sondern durch die Verbindungen, die Menschen im Alltag füreinander schaffen. Bogdan zeigt auf feinfühlige Weise, wie fragil und gleichzeitig stark diese Wahlverwandtschaften sein können, vor allem, wenn sich die Mitbewohner*innen ihrer Verantwortung füreinander bewusst werden. Es gibt viele stille Momente, in denen scheinbar nichts passiert, doch gerade diese Ruhe erlaubt es, die emotionalen Stärken der Figuren zu spüren. Besonders berührt hat mich der respektvolle Umgang aller mit Jörgs Krankheit und wie sie trotz eigener Probleme zusammenhalten.
Die Geschichte berührt, und das Krankheitsthema wird einfühlsam und dennoch nie bedrückend behandelt. Trotz der stillen Erzählweise empfand ich den Roman nie als langatmig, im Gegenteil: Gerade das Fehlen großer Dramen empfand ich als sehr angenehm. Die Frage, was Familie ausmacht, wird hier auf wunderschöne Weise beantwortet – es sind nicht die Blutsbande, sondern die Fürsorge und das Miteinander, die zählen.
Für mich ist „Wohnverwandtschaften“ ein leises und intensives Buch, das ich jedem empfehlen würde, der eine Geschichte voller Menschlichkeit, Wärme und leiser Melancholie sucht.
Gerne eine Leseempfehlung!
Rezensionen von mari_liest:
Ein Echo über das Leben - wenn es keine Antworten gibt
Mein drittes Leben von Daniela Krien
#danielakrien hat mit #MeinDrittesLeben erneut etwas geschaffen, das mich sehr, sehr, sehr be- und gerührt hat. Die Geschichte von Linda, die nach dem tragischen Unfalltod ihrer Tochter Sonja den Boden unter den Füßen verliert, hat mich in ihrer rohen und unverblümten Darstellung von Schmerz und Trauer umgehauen.
Die Fähigkeit, Lindas innere Zerrissenheit zu schildern, machte es mir leicht, mich in etwas einzufühlen, auch wenn ich solch einen Verlust selbst nie erlebt habe. Ihr Rückzug aufs Land wirkt nicht wie ein klassischer Neuanfang, sondern wie ein verzweifelter Versuch, den erdrückenden Gefühlen zu entkommen, die sie in der Stadt umgeben; den Erinnerungen auszuweichen, die sie täglich emotional erschlagen würden, Menschen zu entgehen, die sich sorgen und denen man nicht erklären kann, dass man nichts mehr ist. Das einfach nichts mehr übrig ist. Jeder Tag wird zur Prüfung, jede Handlung zur Herausforderung, und doch vermittelt Krien subtil die Möglichkeit eines neuen Lebens, selbst wenn es ein anderes ist als das, das Linda sich jemals gewünscht hätte oder welches sich in unseren Köpfen auftut.
Besonders wirkend fand ich die Dynamik zwischen Linda und ihrem Mann Richard. Obwohl sie beide den gleichen Verlust erlitten haben, gehen sie so divergent damit um, dass es unausweichlich scheint, dass sie sich voneinander entfernen. Während Linda sich in ihrer Trauer verliert und die Nähe zu ihrem früheren Leben meidet, sucht Richard weiter nach Halt im Leben. Seine Versuche, Linda zu erreichen, werden von ihr mit Ablehnung beantwortet. Die Spannungen zwischen den beiden spiegeln die Frage wider, wie Menschen gemeinsam trauern können, wenn jeder eine andere Art der Bewältigung benötigt. Die Schilderungen dieses emotionalen Konflikts wirken zutiefst ehrlich, ungefiltert und für mich vollkommen nachvollziehbar, ohne dass es immens sentimental erscheint.
Auch die langsame, beinahe zähe Art, in der Lindas Leben quasi wieder in eine Art Gestalt annimmt (auf dem Hof, den sie gemietet hat), finde ich stark. Katatonisch ist der Zustand für lange Zeit. Doch sie arbeitet sich auf völlig andere Art, anders als ihr Leben bisher war, wieder „an ein Leben“ heran. Retrospektiv lesen wir über ihre Kindheit, ihre Mutter, Sonia, ihren Job, ein Leben mit Richard. Rückblenden auf ihr „altes“ Leben und eine völlig andere Linda. Es gibt keinen Moment der plötzlichen Heilung, keinen klaren Wendepunkt. Stattdessen zeigt Krien, wie Trauer ein ständiger Begleiter bleibt und Linda nach und nach lernt, damit zu leben, auch wenn der Schmerz nie ganz verschwinden wird. Das Buch strahlt trotz der tiefen Traurigkeit einen feinen Funken Hoffnung aus: Die Zeit heilt nicht alle Wunden, aber sie lässt sie verblassen und erlaubt es, dass das Leben (irgendwann) weitergeht – wenn auch in einer anderen Form.
Manche Kritikpunkte an der Geschichte, die ich gelesen habe, wie bspw. Lindas vermeintlich übertriebene moralische Handlungen, empfinde ich als nicht störend, da sie für mich wie ein Teil ihrer Selbstfindung wirken. Sie spendet Geld und unterstützt andere nicht aus moralischer Überlegenheit, sondern als Teil ihres Versuchs, Kontrolle über ein Leben zurückzugewinnen, das ihr vollständig entglitten ist. Ein weiterer Kritikpunkt, den einige nannten: sie wirkt unsympathisch und man konnte keine Beziehung zur Protagonistin aufbauen. Ist es denn, angesichts dieses Plots, wichtig, dass die Protagonistin, die das für sich schlimmste erlebt, nämlich, dass ihr Kind stirbt, sympathisch ist? Denn in diesem Fall tut es nichts für oder gegen die Geschichte, ob wir Leser*innen diese Figur sympathisch finden. Dies ist eine Kritik, die ich nicht nachvollziehen kann. Und ist es denn immer wichtig, dass Figuren sympathisch sind – was lerne ich denn aus gewissen Romanen, Schilderungen, Erzählungen, wenn immer alles so läuft, wie in meiner Denke, nichts. In welche Reflexion kann ich mich begeben, wenn die Figur in einem Buch alles tut wie ich es (vermeintlich) tun würde!?
Dieses Buch ist für mich eines der bewegendsten, das ich in letzter Zeit gelesen habe. Die Feinfühligkeit im Ton, mit dem Krien den Umgang mit Trauer, Schuld und Verzweiflung beschreibt, hat mich wieder volle gekriegt. Mich hat das Buch u.a. auch so aufgewühlt, weil viele von Lindas Handlungen meine Gedankengänge treffen. Ich weiß, dass mein Papa irgendwann sterben wird. Das ist unumgänglich. Das ist in irgendeinen göttinnenverdammten Stein gemeißelt. Und wenn ich darüber nachdenke, dass dieser Tag X kommen wird, dann wird’s mir ganz eng um den Hals, mein Puls erhöht sich und die Brust wird mir extrem eng – dennoch kann ich mir vorstellen, dass ich eine Person wäre, oder auch bin, die den „Linda-Weg“ geht, weil ich keine Ahnung davon habe, wie dieser Verlust, dieser Schmerz, je wieder gut werden kann; wie dieses Gefühl in meinem Herzen jemals verschwindet. Aber jetzt habe ich zumindest eine Idee, die sich gut anfühlen könnte ….
Auch dieses Buch ist für mich eines, das wie ein Echo ist … es schreit ein Thema raus, und es hallt lange, mehrfach retour … es tut weh und es stellen sich so viele Fragen auf einmal, auf die es keine Antwort gibt – Antworten erst, wenn „es“ passiert ist.
#leseempfehlung von Herzen für ein #jahreshighlight!











