Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Ein gelungener hist. Krimi
Die Tote aus der Emscher von Peter Kersken
Peter Kersken, Autor und Chronist des Ruhrgebiets, nimmt uns in diesem düsteren historischen Roman in den September des Jahres 1816 mit. Napoleon ist endgültig besiegt und in der Verbannung auf St. Helena. Die ehemals französischen Eroberungen wie das Herzogtum Berg stehen (wieder) unter preußischer Verwaltung.
Seit Monaten wird Europa von Dauerregen und Kälte heimgesucht. Die Bauern können ihre Felder kaum bestellen und das wenige, was angebaut worden ist, kann wegen der fehlenden Sonnenwärme nicht reifen und verfault auf den Feldern. Niemand kann sich an eine so nasse Periode erinnern bzw. findet eine plausible Erklärung für die Unwetter. Daher machen sich alte Urängste in der Bevölkerung breit und der schon längst vergessen geglaubte Glaube an Hexen feiert Wiederauferstehung.
Als Anna, eine kräuterkundige Kleinhäuslerin, tot aus der Emscher gezogen wird, ermittelt der preußische Untersuchungsrichter Anton Demuth vor Ort. Er bezieht Quartier in der Poststation und beginnt mit seinen Befragungen. Dabei stößt er auf einige Frauen, die Anna als Hexe bezeichnen und machen sie für Krankheit und Elend sowie den Tod mehrerer Personen verantwortlich. Leider sind diese Frauen keinem vernünftigen Argument zugänglich und verweigern, den Tatsachen in die Augen zu sehen. Selbst der Gemeindepfarrer kann gegen deren Hass nichts ausrichten.
Demuth geht mit Sorgfalt und Akribie seiner Arbeit nach. So werden zahlreiche Personen befragt, unter anderem eine gastierende Schaustellertruppe und ein Bayer, der sich ebenfalls in der Poststation einquartiert hat und sich eigenartig verhält. Fremde sind zwar auf einer Poststation nicht selten, doch die Verweildauer eher kurz, weshalb der Bayer doch recht auffällt. Seine Geschichte, die Demuth zu Tage fördert ist so skurril, dass er sie schon für bare Münze nimmt.
Die Untersuchungen nehmen ihren Lauf und langsam gehen Demuth die Verdächtigen aus, bis ihn ein Zeitungsartikel auf die richtige Spur bringt ...
Meine Meinung:
Dieser historische Roman beruht auf historischen Tatsachen. Das Jahr 1816 geht als „Jahr ohne Sommer“ in die Annalen ein. Rund 100 Jahre später wird man den Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im April 1815 als Ursache erkennen.
Wir dürfen dem Untersuchungsrichter Anton Demuth bei seinen Ermittlungen über die Schulter schauen. Ich finde es immer recht spannend, wie die damaligen Ermittler ohne die zahlreichen Helferleins, die heutigen Polizisten zur Verfügung stehen, Verbrechen aufklären. Natürlich sind das eine oder andere unentdeckt und daher ungesühnt geblieben. Interessant finde ich die Anmerkung, dass zwischen erwachsenen und minderjährigen Tätern unterschieden worden ist. War das wirklich so? Ich bin zwar Österreicherin und keine Juristin, aber ich glaube gelesen zu haben, dass man das erst ab 1871 zumindest auf dem Papier so gehalten hat. Aber, vielleicht ist das ein Relikt aus dem französischen Code Civil, der ja um 1816 in den einigen ehemaligen französischen Eroberungen noch gegolten hat.
Autor Peter Kersken gelingt es vortrefflich die düstere Stimmung einzufangen. Da sind zum einem die wetterbedingte Angst vor einer Hungersnot und zum anderen sowohl der generelle Argwohn Fremden gegenüber als auch der Neid auf jene Menschen wie Anna, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen, um das Beste daraus zu machen.
Schrecklich sind diese verbohrten und missgünstigen Weiber, die, auch wenn sie nicht persönlich Hand an der Toten angelegt haben, dennoch für deren Tod verantwortlich sind. Ein Großteil des Hasses auf Anna speist aus der Tatsache, dass sie ohne Ehemann gelebt hat.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem historischen Roman aus dem Ruhrgebiet um 1816 eine Leseempfehlung und 5 Sterne.
Rezensionen von Petra Sch.:
Die junge Queen ermittelt im Jahr 1957
Die Tote trug Diamanten von S J Bennett
3,5 Sterne
Im 4. Teil der Reihe um die Kriminalfall-lösende Queen begleiten wir die junge Monarchin diesmal zurück ins Jahr 1957, wo es einen mysteriösen Doppelmord gibt: eine Prostituierte trägt eine wertvolle Edelstein-Tiara, und sie und ihr Freier wurden ermordet aufgefunden - in einem Haus, in dem sich vermögende Adelige zum Kartenspiel trafen.
Und dann stellt sich noch heraus, dass eine Verschwörung gegen die Queen geplant ist.
Die von allen unterschätzte Joan McGraw hilft ihr mit klugem Köpfchen und rascher Auffassungsgabe, die von der Queen als Assistentin ihres persönlichen Sekretärs eingestellt wird und ihr (natürlich inoffiziell) hilft, Puzzlesteinchen aufzudecken und an den richtigen Platz zu rücken, so dass die Namen der Verschwörer ans Licht kommen und natürlich auch der Mordfall aufgeklärt wird.
Diesmal hab ich leider etwas länger gebraucht, um in die Geschichte zu kommen und wurde auch nicht ganz soo warm damit, denn es waren mir ehrlich gesagt zu viele (adelige) Persönlichkeiten, historische Hintergrundinformationen und deren Verflechtungen. Auch die Dialoge konnten mich diesmal nicht so mitreißen und fühlten sich manchmal steif und gesetzt an. Gut, in einer Monarchie und zur damaligen Zeit ging es wahrscheinlich tatsächlich so zu, aber dadurch war es eben nicht so flüssig zu lesen. Auch wenn man natürlich die Recherchearbeit der Autorin herausliest, denn viele Geschehnisse waren tatsächliche geschichtliche Ereignisse, die ich mit großem Interesse verfolgt habe (zb die Nordamerika-Reise des jungen Königspaars - ich habe mir danach Bilder rausgesucht, um die "neue Mode" der Queen zu betrachten).
Doch man konnte sehr gut die Gefühle von Queen Elizabeth II nachvollziehen; ihre Ängste über die Bedrohung ihrer Familie, der Monarchie bzw. des neuen Commonwealth; das Zurücklassen der damals noch kleinen Kinder bei der großen Reise nach Kanada und in die USA.
Und auch über das Fernsehen, das damals DAS neue Medium war. Sie sollte zum ersten Mal eine große Ansprache im Fernsehen halten und war natürlich sehr nervös. Auch weil sie zuerst nicht wusste, wie sie richtig damit umgehen sollte. Das war wirklich berührend.
Die Aufdeckung des Komplotts fand ich richtig spannend; bei der Auflösung des Mordfalls konnte ich mal wieder nicht nachvollziehen, wie die Queen plötzlich auf die Lösung gekommen ist (die ich aber gut und nachvollziehbar fand) - so ging es mir aber bei den vorigen Bänden auch schon ;)
Fazit:
Die junge Queen ermittelt im Jahr 1957 im Falle eines Doppelmords und einer Verschwörung gegen sie. Konnte mich nicht ganz so abholen wie die ersten 3 Bände.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Fesselnd bis zur letzten Seite
Wettlauf in Triest von Günter Neuwirth
Während ganz Triest dem großen Derby im Ippodromo di Montebello entgegenfiebert, bekommt es Inspector Bruno Zabini mit einer übel zugerichteten weiblichen Leiche zu tun, die in der Nähe der Pferderennbahn gefunden wird.
Die Ermittlungen gestalten sich als zäh, denn die Tote ist zunächst unbekannt, wird aber dann als Prostituierte identifiziert.
Recht bald kann Zabini einen Verdächtigen festnehmen, den er aber bald wieder frei lassen muss, weil während seiner Haft eine weitere Frau nach derselben Methode ermordet worden ist. Im Kotter zu sitzen ist wohl das beste Alibi.
Zahlreiche Spuren, denen Bruno Zabini mit seinem Tatortkoffer nachgeht, deuten auf das Umfeld der Trabrennbahn hin. Nun muss sich Zabini mit Fabrizio Renzullo, einem ziemlich erfolglosen, aber verliebten Buchmacher, dem mürrischen Magazineur Gino Foda und seinem Hund sowie skrupellosen Zuhältern und Menschenhändlern herumschlagen.
Bei den Ermittlungen wird auffällig oft eine Personenbeschreibung geliefert, die an einen von Brunos Kollegen denken lässt. Kann es sein, dass ein Polizist Strippenzieher dieser Machenschaften ist? Der Verdacht liegt nahe, denn die Indizien verdichten sich, weshalb Polizeidirektor Dr. Rathkolb, einige Akten anfordert und durchackern lässt, was wiederum den Geheimdienst seiner Majestät nicht untätig sein lässt.
Damit beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn all diese Aktionen sind nicht unbemerkt geblieben und der Verdächtige bereitet seinen Abgang vor.
Meine Meinung:
Günter Neuwirth ist wieder eine tolle Fortsetzung der Reihe rund um Bruno Zabini gelungen. Diesmal lesen wir nichts über Dampfschiffe oder Eisenbahnen, sondern dürfen Zabini in seinem Labor, das er in der Dienststelle eingerichtet hat, über die Schulter schauen.
Während wir Leser den verliebten Buchmacher begleiten und das schwarze Schaf in der Polizei ausmachen, benützt Bruno Zabini, die ihm zur Verfügung technische Ausrüstung. So arbeiten Bruno und seine Mannschaft nach dem von Professor Dr. Hans Gross (1847-1915) 1893 herausgegebenen „Handbuch für Untersuchungsrichter als System der Kriminalistik.“. Es wird also das Mikroskop zur Spurenanalyse herbeigezogen und ein Treffer führt die Ermittler wieder ins Ippodromo.
Auch sonst ist der Fortschritt langsam aber sicher in der Triestiner Polizeidirektion eingezogen: Bis auf Inspector Emilio Pittoni, der alles, was Zabini für gut hält, ablehnt, schreibt man nun mit Schreibmaschinen statt mit der Hand. Demnächst sollen sogar Telefone und Fernschreiber angeschafft werden.
Daneben erhalten wir wieder Einblick in Brunos Privatleben.
Fazit:
Eine gelungen Fortsetzung dieser historischen Krimi-Reihe, die uns wieder nach Triest als es noch österreichisch war, führt. Gerne gebe ich wieder 5 Sterne.
Rezensionen von clematis:
Familienunternehmen
Der Schmuckpalast – Camille und der Glanz von Gold von Eva-Maria Bast
1873 – 1893: In Paris ist das Juwelierunternehmen Cartier bekannt, aber nicht an der Spitze, als Alfred den Chefsessel von seinem Vater Louis-François übernimmt. Auch seine Schwester Camille wirkt tatkräftig mit im Betrieb mit ihren brillanten Einfällen und feinen Zeichnungen, welche dann von den geschickten Goldschmieden in wertvollen Schmuck verwandelt werden.
Aber niemand ist nur von Glück gesegnet, persönliche und wirtschaftliche Rückschläge stellen die einzelnen Familienmitglieder immer wieder vor große Herausforderungen.
Nach eingehender Recherche zeichnet Eva-Maria Bast die Entwicklung des bekannten Unternehmens Cartier nach und legt den Fokus auf wahre Begebenheiten, welche sie geschickt mit fiktiven Elementen verknüpft. So müssen erschütternde Todesfälle in der engsten Familie ebenso verarbeitet werden wie die Krankheit von Alice, Alfreds Ehefrau, oder eine unregelmäßige Buchhaltung. Der Zusammenhalt untereinander ist aber groß und fängt so manche Bürde auf, sodass auch die nächste Generation mit dem ältesten Sohn Lous-Joseph an der Spitze, das Geschäft fortführen kann.
Viele zeitgeschichtliche Details fließen in das Geschehen ein, so die Forderung nach Gleichberechtigung der Frauen oder die Debatte um die Pariser Weltausstellung mit dem Eiffelturm. Die Kooperationen mit dem Kaufhaus Worth oder dem Uhrmacher Baudet sind interessant und zeigen, dass es oft zielführend ist, zusammenzuarbeiten, auch wenn das Kompromisse verlangt.
Ein schöner Roman mit realistischem Hintergrund, ich werde auch den dritten Teil der Juwelier-Saga lesen.
Rezensionen von Leser:
Debütroman
Emma von Jean Reno
Vielleicht hätte man das Buch nicht als Thriller anpreisen sollen. So werden ganz andere Erwartungen geweckt, die leider nicht ganz erfüllt werden.
Keine Frage, die Geschichte ist aufregend, êmotional, unterhaltsam. Sie nimmt einen direkt mit in den Orient, zeigt uns das Leben vor Ort, die Natur und die Menschen.
Wirft ein Bild auf all den Reichtum, der manchmal absurd wirkt.
Mit Emma hat Reno eine interessante Figur zum Leben erweckt, die mit ihren Geistern kämpft, aber auch voller Lebenshunger ist und mich überrascht hat. Sie wird durch ihre Arbeit in eine Rolle gedrängt, die ihr Leben auf den Kopf stellt.
Das Debüt ist eine Mischung aus Liebesroman und Spionagegeschichte. Es glänzt mit seien bildhaften Beschreibungen und dem lebhaften Schreibstil. Es bietet viel an, lässt aber zum Ende hin einige Fragen offen.
Die Charaktere sind sehr durchwachsen, haben so ihre Eigenarten und fügen sich gut ins Bild ein.
Wer unvoreingenommen an dieses Buch geht, der kann sich auf eine sehr gute Geschichte freuen!
Rezensionen von Laszlo Zoltan:
Warum sind wir so, wie wir sind?
Wild wuchern von Katharina Köller
D
iese gehaltvolle und stellenweise amüsante Geschichte zweier konträrer Cousinen entfaltet sich in eine überraschend psychologische Tiefe. Wie groß ist die Macht der Worte, um im Leben in die dementsprechende Richtung abzubiegen? Möchte man wild wuchern oder lieber stets getrimmt und gemäht sein Glück finden? Vortrefflich erzählt!
Rezensionen von Ameland:
Chaotisches Abenteuer
Henriette Huckepack – Ene, mene, Haferbrei, wer schlüpft da aus dem Frühstücksei? von Andrea Lienesch; Sabine Sauter
Tante Martha hat Henriette und ihre Freundin Ferida zum Frühstück eingeladen, denn ihr wurde ein sehr großes Ei per Post geliefert und daraus soll jetzt eine Portion Rührei für alle gemacht werden. Doch daraus wird nichts. Statt einer gemütlichen Frühstücksrunde befinden sich die drei Hexen, samt ihrer Tiere, kurz darauf auf einer turbulenten Fahrt zum Hexeninstitut.
Warum wollt ihr wissen? Na, das kann ich doch hier nicht verraten! Aber schaut euch mal das wunderschöne Cover an, vielleicht könnt ihr es dann erraten.
Wir kennen Tante Martha, Henriette, Ferida und ihre Tiere schon etwas länger, daher war es kein Problem ihnen allen direkt am Anfang wieder zu begegnen. Für Leser, die diese Reihe jetzt erst für sich entdecken, wäre eine Vorstellung der Protagonisten zu Beginn des Buches bestimmt hilfreich.
Genau wie die beiden Junghexen haben wir uns sofort in den kleinen Drachen Iiiek mit seinen großen Kulleraugen und den winzigen Flügelchen verliebt. Der Neuankömmling hat es aber faustdick hinter den Öhrchen und hält die Hexen ganz schön auf Trab. So gestaltet sich die Fahrt zum Hexeninstitut turbulent, chaotisch und abenteuerlich.
Ein spannendes und lustiges Buch aus der Feder von Andrea Lienesch zum Vorlesen, aber aufgrund der großen Schrift und kurzer Kapitel eignet sich die Geschichte auch für etwas versiertere Erstleser. Die zahlreichen, detaillierten und durchweg farbigen Illustrationen ergänzen und verstärken die Geschichte sehr gut.
Uns hat auch das vierte Abenteuer mit Henriette Huckepack sehr gut gefallen und sind schon gespannt, was die Junghexe als nächstes erleben wird.
Rezensionen von Krani:
Menschen auf der Brücke
Die Brücke von London von Julius Arth
Die Brücke von London („London Bridge“) wurde schon im 13. Jahrhundert errichtet. Etliche Häuser stehen darauf, es ist fast eine eigene Stadt. Hier geht es um eine frisch verwitwete Händlerin, die im 18. Jahrhundert auf der Brücke ihr Geschäft hat, und um zwei Schwestern, die zur Zeit des ersten Brückenbaus lebten.
Der Stil dieses Autors hat mir besondere Freude bereitet. Die Sprache ist wunderbar zu lesen. Die Figuren werden liebevoll geschildert, und die meisten von ihnen sind ein bisschen seltsam. Man kann gut mit ihnen mitfühlen. Bis in die Nebenfiguren hinein sind die Charaktere interessant und scharf gezeichnet. Ich hatte fast den Eindruck, ein neues Buch von Charles Dickens zu lesen. Das ist kein Zufall: Der Autor ist Spezialist für englische Literatur. Sein Protagonist heißt Oliver.
Die Geschichte ist sehr spannend und schildert anschaulich die sozialen Ungleichheiten jener Zeit. Die kleinen Leute sind die Guten, es sei denn sie sind allzu arm, so wie eine Gruppe von Straßenkindern, die nur mit Betrügereien überleben können. Sie legen einen besonderen Einfallsreichtum an den Tag, der die Geschichte und die Rettung der Hauptperson vorantreibt.
Eine besondere Lesefreude, für die man sich getrost Zeit nehmen sollte. Zu schade für „zwischendurch“.
Rezensionen von ikatzhorse2005:
Ein intensives Leseerlebnis
Emma von Jean Reno
Emma von Jean Reno (lübbe Verlag)
Mit weit geöffneten Armen geht sie zu Fuß aufs Meer zu. Der Wind bläst so stark, dass er ihr fast den Atem nimmt und auf ihrer Zunge den salzigen Geschmack von Tränen hinterlässt. Ihre Mutter hat ihr erzählt, dass sie schon mit drei Jahren so aufs Meer zugelaufen war: die Ärmchen ausgebreitet wie Flügel, überzeugt davon, wegfliegen zu können.
„Ich hatte Angst, dass ein Windstoß dich mitnimmt, mein Liebes...“
Ihre Mutter ist hier überall. Emma versucht, ihr Bild wachzurufen – ihre anmutige Gestalt, wie sie sich hier in die Fluten stürzt. Jeanne war übermütig und verrückt und außerdem so schön, dass sie alle Herzen im Sturm eroberte. Sie liebte es, im Winter schwimmen zu gehen: „um meine Zellen zum Tanzen zu bringen“, pflegte sie lachend zu sagen. S.17
Er schreibt so schön! Seine Worte berühren mich und streicheln meine Seele!
Ich habe mich in diesen Roman verliebt, vielleicht, weil Emma in diesem Moment so verletzlich ist und die Parallelen unübersehbar sind.
Ja, und ich liebe Frankreich und die Bretagne, den Ort, wo dieser Roman beginnt. Die detailierten Beschreibungen der Natur, die Landschaft, die Kultur und die Gepflogenheiten in dem französischen Landstrich und später im Oman sind bildhaft und sehr interessant dargestellt. Die Probleme, die Jean Reno anspricht, verpackt er hervorragend in die erzählte Geschichte. Besonders die Gegebenheiten im Oman haben mich teils fasziniert und auch betroffen gemacht. Die Frau und ihre Rolle in der Gesellschaft, ein bestimmter Status und die Unterschiede zu unserer Lebensweise wurden sehr gut beleuchtet und in die Erzählung eingebaut.
Jean Reno hat mit Emma Morvan eine spezielle Figur geschaffen. Ihr Handeln ist von Schicksalsschlägen gezeichnet. Ein gewisser Eigensinn ist ihren Erfahrungen geschuldet. Sie ist intensiv und genau so erzählt der Autor auch von ihr.
Emma durchläuft von Anfang bis Ende eine rasante Entwicklung, wächst über sich hinaus und stellt somit die Weichen für eine neue Zukunft. Ihre Beweggründe und Aktionen sind nachvollziehbar und passen sehr gut in den Roman.
Der gediegene Start harmoniert mit dem actionreichen zweiten Teil. Hier merkt man, dass der Autor über hinreichende Filmerfahrung verfügt. Er zaubert mit seinen Worten Bilder in den Kopf. Man hört das wilde Meer an der bretonischen Küste rauschen, läuft mit Emma über den Souk, sitzt im Cafe oder schlendert durch das elegante Hotel. Ihrem Auftrag, Mitarbeiter des luxuriösen Resorts im Oman hinsichtlich ihrer Massagetechniken und ihres Könnens zu schulen, kommt sie pflichtbewußt nach. Tariq, den Chef der Wellnessoase, hat Emma durch ihre wundersamen Hände und mit ihrer tollen Ausstrahlung beeindruckt. Ihre Berufung und ihre Massagekünste sind legendär. Hierbei hat mich eine gewisse Spiritualität nicht gestört. Letztendlich wird ihre Begabung nicht aufgeklärt, doch fand ich diesen Aspekt sehr spannend. Energiebahnen durchziehen und umgeben uns. Warum sollten sensible Menschen nicht entsprechend darauf reagieren?
Seit der ersten Begegnung von Emma und Tariq fühlen sich beide unheimlich stark zueinander hingezogen. Doch Tariqs Status im Oman sieht ein Zusammensein mit der Französin nicht vor. Somit entwickelt sich eine heikle Konstellation, die Emma immer mehr in die Enge treibt. Verschiedene Interessen, Machtspiele und unerfüllbar scheinende Erwartungen gedeihen zu einer brisanten Spionageaffäre.
Fazit: Ein grandioses Debüt! Mir hat die Mischung aus tiefgründigen Gedanken, rasantem Actiontrthriller und einer intensiven Liebesgeschichte unheimlich gut gefallen. Ich hoffe aus tiefsten Herzen, dass ich weitere Abenteuer der starken Protagonistin in einem Nachfolgeroman lesen darf. Ich schätze Jean Reno als Schauspieler und somit seine Arbeit sehr. Mit Emma hat er bewiesen, dass er auch Romane schreiben kann. Sein Schreibstil ist besonders, intensiv, einzigartig und sehr gut lesbar, eine klare Leseempfehlung von mir!
Rezensionen von MarcoL:
Elf beeindruckende Erzählungen über Frauen in Grenzsituationen. Leseempfehlung!
Beim Barte der Prophetin von Simone Schönett
In elf sehr beeindruckenden Erzählungen bringt uns die Autorin Lebensgeschichten – oder Momente – ihrer Protagonistinnen näher. Erlebnisse, die man durchaus als einen Gang an einer scharfen Kante interpretieren kann. Es sind einschneidende, oftmals düstere Momente, die wenig Licht durchlassen, Erfahrungen an der Kippe zwischen Sein und Nichtsein.
Letzteres bevorzugt. Gnadenlos wird damit umgegangen – wie das Leben selbst.
Die Schilderungen sind klar und deutlich, nur manchmal leicht mysteriös vernebelt. Und jede einzelne Erzählung lässt uns mit einem Katalog an Fragen zurück, allen voran: wie hätte ich in der Situation reagiert.
So arbeiten zum Beispiel Mia und Martin in der Schweiz hart in ihrem Bistro, um sich ihren Alterssitz auf Zypern leisten zu können. Der Traum scheint Wirklichkeit zu werden, der Tag des Loslassens rückt näher und näher. Mit viel Gefühl wird das Setting der beiden erzählt, und dann …
oder die Story von Fausta als Sachbearbeiterin, die Förderanträge von Autor*innen samt deren Manuskripte entgegennimmt, und auf etwas Unglaubliches stößt - sehr einfühlsam erzählt.
Natürlich darf auch ein Dauerbrenner unseres gesellschaftlichen Alltages nicht fehlen: Sexismus und Übergriffigkeiten im Berufsleben.
S.75: „Na Kleine, du musst dich halt von ihm fernhalten. Und ich solle Schluss mit der provokanten Kleidung machen. Solche Signale verstehe Odo als Freibrief, das müsse mir schon klar sein.“
Am eindrücklichsten fand ich die Geschichte um die ehemalige KZ-Aufseherin Hermine Braunsteiner. Eine brutale Frau, die sich Zeit ihres Lebens im Recht und immer als Opfer sah. Diese Erzählung zeigt das wahre Können der Autorin, so stark war der Sog in die Zeilen (trotz all der geschilderten Brutalität).
Auch die anderen Geschichte strotzen vor brillanten Sätzen und Kritik an unserer Gesellschaft.
S.209: „Das einzig Klare war, dass das Patriarchat niemals freiwillig oder gar unblutig seine Macht niederlegen würde. Und darum drehte sich jetzt wieder alles, daran krankte alles, jeder Konflikt, jede Diktatur, jeder Krieg.“
Ganz große Leseempfehlung für diese starken Erzählungen!










