Kunden em pfehlungen
Rezensionen von ikatzhorse2005:
Geliebt habe ich sie immer, sie ist ein Teil von mir selbst
Unerwünschte Töchter von Miriam Carbe
Unerwünschte Töchter von Miriam Carbe (Hanser Verlag)
Meine Urgroßmutter Margarethe war eine strenge Mutter. Auf die aus ihrere Sicht falschen Lebensentscheidungen meiner Großmutter Marianne hat sie später scharf reagiert.
Die ersten drei Jahre meines Lebens wurde ich meiner Urgroßmutter verschwiegen.
Als ich in die Schule kan, musste ich dieser fremden unheimlichen Frau Briefe schreiben, die dann mit ihren roten Korrekturen und getrockneten Blüten zurückkamen. S.59
Der autobiographische und teils mit fiktiven Anekdoten gefüllte Roman basiert auf den Tagebüchern der weiblichen Vorfahren der Familie von Mirian Carbe: Margarethe, Marianne, Monika und Miriam selbst. Ein weiterer Hauptdarsteller ist der Schrank, den sich Urgroßmutter Margarethe 1912 in Dresden anfertigen lässt. Der Inhalt wechselt mit der Besitzerin und so spiegelt dieses Möbelstück den Charakter, die jeweiligen Vorlieben und den Zeitgeist der Nutzerin wieder. Eitelkeiten spielen bei den Frauen dieser Familie keine Rolle. Anna Maria Augusta Webers Ehemann Carl Hermann bringt es gekonnt auf den Punkt, indem er sagt: „Du schimpfst immer auf alles, was du eitel findest. Aber das ist deine Form der Eitelkeit.“ Margarethes Mutter liebt klassiche Literatur, Poesie und das rezitieren von Goethe. Hier findet sie Ruhe und Antworten. Geprägt durch diese Erziehung stehen die Werke der Dichter Goethe, Lessing, Hauff und Schiller noch bei Margarethe hinter den zweimal achtzehn kleinen Glasfensterchen.
Marianne zweckentfremdet den Bücherschrank zur Dekoration für Nippes und verbannte die Literatur in den Seitenflügel. Die zarte Frau ist immer in Bewegung und es gibt unablässig etwas zu tun und zu erledigen. Ihre Geschichte hat mir besonders gut gefallen. Monika füllt das Familienerbstück wieder mit klassischer Literatur und modernen, europäischen Werken. Bei ihren Erzählungen gibt es einige Längen. Trotzallem ist auch ihr Leben bewegend und verläuft nicht immer geradlinig.
Jetzt: Miriam. Hier finden sich die generationsübergreifenden Tagebücher in dem geschreinerten Möbelstück wieder. Sie formt aus dieser Fülle an Eindrücken, Erlebnissen, Gefühlen und Gedanken eine von einem Jahrhundert geprägte Geschichte. Eingezwängt in Normen, Erwartungen und Umstände und gezeichnet von Verlusten der jeweiligen Zeit, sind die Frauen selbstbewußt genug, um ihren eigenen Weg zu gehen. Gern hätte ich noch viel mehr von Miriam Carbe selbst erfahren, die aus der Gegenwart ihre Geschichte erzählt. Abwechselnd lieben und leiden wir anfangs mit ihrer Ur-Urgroßmutter in der Villa Parsifal in Dresden, und mit ihrer Urgroßmutter, Großmutter und Mutter in Meiningen und Ostwestfalen mit. In Rückblenden schreibt die Autorin diese eindrücklichen Anekdoten. Zum Schluss findet sich eine runde Geschichte, die an dieser Stelle perfekt zu Ende geschieben ist.
Fazit: Ich habe diesen einfühlsamen und gleichzeitig direkt erzählten Roman in kleinen Portionen gelesen. Man muss das Erzählte setzten lassen. Doch schnell hatte ich, nach zugeschlagenen Buchdeckeln, das Bedürfnis weiter lesen zu wollen.
Miriam Carbes Hauptprotagonistinen haben Ecken und Kanten. Sie sind vielleicht nicht unerwünscht, wie der Buchtitel sagt, sondern sie starten eher unerwartet in das Leben und in diese Familie. Die Ähnlichkeiten, die meist eine Generation überspringen, spiegeln sich auch in Miriam Carbes besonderer Beziehung zu ihrer Großmutter wieder. Denn trotz aller Prägung und Ansichten siegt das Herz über den Verstand; und das ist gut so!
Liebe Miriam Carbe, danke für das Teilen ihrer Geschichte. Ich habe die Familie gern begleitet. Ein wundervoller Roman, der zu Herzen geht.
Anhalten und kurz mal nachdenken, was man wirklich will
Einatmen. Ausatmen. von Maxim Leo
Einatmen Ausatmen ein Roman von Maxim Leo (Kiepenheuer & Witsch)
Später konnte sie sich nicht mehr an jede Einzelheit erinnern, was aber nicht schlimm war, weil ein Gefühl übrig blieb, das warm und beruhigend war und alles andere überstrahlte. Dieses Gefühl war wichtiger als jede Erinnerung.
Es war das, was immer bleiben würde, was sie von nun an mit ihrer Familie verband. S. 116
Maxim Leo hat einen modernen Roman geschrieben, der in die heutige Zeit passt. Marlene Buchholz ist das Aushängeschild einer erfolgreichen, zielstrebigen Generation. Eine Managerin, die sich nach außen unnahbar gibt und sozial eine Niete ist. Ihr gegenüber steht Alex Grow, der sich seinerseits gefühlsbetont, wissend und einfühlsam verkauft. Doch sein Nervenkostüm ist alles andere als stabil. Er steckt fest, mitten im Leben und in seiner Acadamy im Brandenburger Schloss, mit der er nicht weiß, wie es weitergehen soll. Bei seinem Achtsamkeitstraining gibt er sich souverän, doch sein Inneres spricht Bände.
Das klingt nach einem vielversprechendem Plot mit guten Aussichten auf ein Happy End. Weit gefehlt. Hier wird diskutiert, interpretiert und nach der Sinnhaftigkeit des Daseins gesucht. Dabei gehen die Hauptcharaktere abenteuerliche Konstellationen ein und wundersame Nebensächlichkeiten spielen plötzlich eine tragende Rolle. Der zumeist lustige Text mit einem Hang zum Tiefsinnigen driftet in Klischees und Fantasien ab. Interessant, wenn man sich darauf einlässt. Mir hat der Roman trotzdem gefallen. Der gewöhnt flüssige, detailreiche und anschauliche Schreibstil des Autors unterstreichen meinen Eindruck. Die Erzählung lebt von den facettenreichen Figuren, die unbekannte Seiten an sich entdecken. Die Frage nach dem Sinn des Lebens und die Reflektion der eigenen Lebensweise steht hier im Mittelpunkt. Denn für Veränderungen ist es nie zu spät. Diese Erkenntnis gewährt uns der Autor bei der Beleuchtung ernstzunehmender Themen. Nachdenklich, humorvoll und etwas absurd, aber es ist trotzdem eine schöne Geschichte! Gute Unterhaltung, kurzweilig erzählt.
Die Last der Verantwortung
Immergrün von Ruth Olshan
Immergrün ein Roman von Ruth Olshan (Bastei Lübbe AG Pfaueninsel Verlagsgesellschaft)
Diese Feierlichkeit verflog mit jedem Kilometer meiner Fahrt, weil ich mich erinnerte, weil ich mich in Gedanken verstrickte und weil ich wütend darüber war. Dass die Welt so tat, als sei nichts gewesen, als sei meine Mutter nicht gestorben, als hätte ich mit ihrem Tod meine Vergangenheit nicht verloren.
Die Autobahn war schuld. Sie führte mich in diese meine tobende Innenwelt. S.37
Ruth Olshan erzählt von einer Odyssee, die die Protagonisten, als Baby, von Moskau über Israel und in späteren Jahren nach Deutschland führt. Mit den Urnen ihrer Mutter und Großmutter kommt sie endlich in der Litauen an und der Kreis schließt sich in dieser, ihrer verloren Heimat. Drei Generationen im Überlebenskampf zwischen Sprachbarrieren, Bürokratie, Religion und Kultur. Die Autorin erzählt vorrangig von ihrer kleinen Familie, ihrer Mutter, ihrem Vater und sich selbst. Sie beschreibt in einem gut geschrieben Text von den Schwierigkeiten, Streitereien der Eltern und der wachsenden Problembewältigung eines Teenagers sowie in späteren Jahren, die einer jungen Frau. Diese geht ihren Weg, trotz der Bürde vergangener und präsenter Generationen, einem Zwiespalt des Glaubens und einem allem Gerecht werden Wollen und Müssen. Sie muss zeitig Verantwortung übernehmen aus der Not heraus und aus Schwäche sowie Desinteresse ihrer Lieben. Dennoch fühlt sich allein. Oder gerade deswegen, als die Frauen aus ihrem Leben scheiden.
Die verschiedenen Figuren platzieren sich in der Geschichte unterschiedlichster Staaten, arrangieren sich und passen sich an; manche schaffen es besser, andere schlechter. Das ist wohl auch Charaktersache und tragend in der Erzählung.
Fazit: Ich habe ein sehr bewegendes Buch gelesen. Es animiert den Leser zu einem anderen Blickwinkel, heraus aus der Komfortzone und hinein in ein anderes, fremdes Leben. Trotz der zahlreichen Wiederholungen und den intensiven Beschreibungen mancher Szenen habe ich diesen Roman sehr gern gelesen und kann ihn uneingeschränkt weiterempfehlen. Die Autorin offenbart ihr Inneres und das sollte man würdigen und ernst nehmen.
Krimikomödie nach Art von Grasby
Der Tote im Kamin von Denzil Meyrick
Der Tote im Kamin - Ein Fall für Inspector Frank Grasby von Denzil Meyrick (Dumont)
„Was für ein hübscher Kerl“, bemerke ich lächelnd.
„Wie bitte?“, fragt Wally einigermaßen verdutzt.
„Ihr Hund. Er heißt Bill, nicht wahr?“
„Meine Güte, Inspector, Sie sind ja auf Zack. Kaum hier angekommen, und Sie kennen schon die Namen der Haustiere im Dorf.
Jemanden wie Sie haben wir gebraucht.“
„Was meinen Sie damit?“
„Na ja, hier herrscht ein ausgewachsenes Chaos, und Bleakly ist wohl kaum in der Lage, allein einen Mord aufzuklären.“ S.183
Ja, schnell eingelebt hat sich der Inspector ins beschauliche Elderby. Doch die all zu schnell aus dem Kamin gepurzelte Leiche bestätigt den Anschein vom beschaulichen Landleben keineswegs. Denn Grasby, seine amerikanische Praktikantin Miss Dean oder einfacher Deedee und der allzeit müde Sergeant Bleakly haben alle Hände voll zu tun, als kurze Zeit später eine zweite Leiche auftaucht. In dieser ruhigen vorweinachtlichen Atmosphäre im Jahr 1952 ist reichlich kriminelle Energie vorhanden. Hier gilt es den Dorfbowohnern einmal genauer auf die Finger zu schauen.
Mit gewieften Dailogen, einer Portion schwarzhumoriger Episoden und liebenswert schrägen Charakteren erzählt Denzil Meyrick einen spannenden Cozy-Crime-Roman. In einem angemessenen Tempo und der Zeit entsprechend besticht die Geschichte durch angenehmen Lokalkolotit. Man spürt den Zeitgeist und erkennt beim Lesen gesellschaftliche Besonderheiten und Probleme.
Die Figuren konnten mich voll überzeugen und bestechen durch ihre typischen Charaktereigenschaften und teils schrägen Besonderheiten. Genauer der Inspektor mit seiner liebenswert tollpatschigen und doch direkten Art konnte mich mit seinen Aktionen fesseln.
Der Autor wählt Grasby bewusst als Ich-Erzähler aus. Basierend auf Tagebucheinträgen, Notizen, Polizeiberichten und Erinnerungen sowie Erzählungen entfaltet sich das abenteuerliche Leben des Frank Grasby nun vor den Augen der Leserschaft. Und zum Glück hat das alles Denzil Meyrick in seinen Roman zusammengefasst. Denn der leicht sonderbare Ich- Erzähler verleiht dem Gesagten einen besonderen Stil, den ich sehr mag.
Fazit: Ein wunderbarer Fall! Sehr lesenswert! Und einen Dank an den britischen bsw. schottischen Humor!
Danke und Chapeau Denzil Meyrick!
Ein intensives Leseerlebnis
Emma von Jean Reno
Emma von Jean Reno (lübbe Verlag)
Mit weit geöffneten Armen geht sie zu Fuß aufs Meer zu. Der Wind bläst so stark, dass er ihr fast den Atem nimmt und auf ihrer Zunge den salzigen Geschmack von Tränen hinterlässt. Ihre Mutter hat ihr erzählt, dass sie schon mit drei Jahren so aufs Meer zugelaufen war: die Ärmchen ausgebreitet wie Flügel, überzeugt davon, wegfliegen zu können.
„Ich hatte Angst, dass ein Windstoß dich mitnimmt, mein Liebes...“
Ihre Mutter ist hier überall. Emma versucht, ihr Bild wachzurufen – ihre anmutige Gestalt, wie sie sich hier in die Fluten stürzt. Jeanne war übermütig und verrückt und außerdem so schön, dass sie alle Herzen im Sturm eroberte. Sie liebte es, im Winter schwimmen zu gehen: „um meine Zellen zum Tanzen zu bringen“, pflegte sie lachend zu sagen. S.17
Er schreibt so schön! Seine Worte berühren mich und streicheln meine Seele!
Ich habe mich in diesen Roman verliebt, vielleicht, weil Emma in diesem Moment so verletzlich ist und die Parallelen unübersehbar sind.
Ja, und ich liebe Frankreich und die Bretagne, den Ort, wo dieser Roman beginnt. Die detailierten Beschreibungen der Natur, die Landschaft, die Kultur und die Gepflogenheiten in dem französischen Landstrich und später im Oman sind bildhaft und sehr interessant dargestellt. Die Probleme, die Jean Reno anspricht, verpackt er hervorragend in die erzählte Geschichte. Besonders die Gegebenheiten im Oman haben mich teils fasziniert und auch betroffen gemacht. Die Frau und ihre Rolle in der Gesellschaft, ein bestimmter Status und die Unterschiede zu unserer Lebensweise wurden sehr gut beleuchtet und in die Erzählung eingebaut.
Jean Reno hat mit Emma Morvan eine spezielle Figur geschaffen. Ihr Handeln ist von Schicksalsschlägen gezeichnet. Ein gewisser Eigensinn ist ihren Erfahrungen geschuldet. Sie ist intensiv und genau so erzählt der Autor auch von ihr.
Emma durchläuft von Anfang bis Ende eine rasante Entwicklung, wächst über sich hinaus und stellt somit die Weichen für eine neue Zukunft. Ihre Beweggründe und Aktionen sind nachvollziehbar und passen sehr gut in den Roman.
Der gediegene Start harmoniert mit dem actionreichen zweiten Teil. Hier merkt man, dass der Autor über hinreichende Filmerfahrung verfügt. Er zaubert mit seinen Worten Bilder in den Kopf. Man hört das wilde Meer an der bretonischen Küste rauschen, läuft mit Emma über den Souk, sitzt im Cafe oder schlendert durch das elegante Hotel. Ihrem Auftrag, Mitarbeiter des luxuriösen Resorts im Oman hinsichtlich ihrer Massagetechniken und ihres Könnens zu schulen, kommt sie pflichtbewußt nach. Tariq, den Chef der Wellnessoase, hat Emma durch ihre wundersamen Hände und mit ihrer tollen Ausstrahlung beeindruckt. Ihre Berufung und ihre Massagekünste sind legendär. Hierbei hat mich eine gewisse Spiritualität nicht gestört. Letztendlich wird ihre Begabung nicht aufgeklärt, doch fand ich diesen Aspekt sehr spannend. Energiebahnen durchziehen und umgeben uns. Warum sollten sensible Menschen nicht entsprechend darauf reagieren?
Seit der ersten Begegnung von Emma und Tariq fühlen sich beide unheimlich stark zueinander hingezogen. Doch Tariqs Status im Oman sieht ein Zusammensein mit der Französin nicht vor. Somit entwickelt sich eine heikle Konstellation, die Emma immer mehr in die Enge treibt. Verschiedene Interessen, Machtspiele und unerfüllbar scheinende Erwartungen gedeihen zu einer brisanten Spionageaffäre.
Fazit: Ein grandioses Debüt! Mir hat die Mischung aus tiefgründigen Gedanken, rasantem Actiontrthriller und einer intensiven Liebesgeschichte unheimlich gut gefallen. Ich hoffe aus tiefsten Herzen, dass ich weitere Abenteuer der starken Protagonistin in einem Nachfolgeroman lesen darf. Ich schätze Jean Reno als Schauspieler und somit seine Arbeit sehr. Mit Emma hat er bewiesen, dass er auch Romane schreiben kann. Sein Schreibstil ist besonders, intensiv, einzigartig und sehr gut lesbar, eine klare Leseempfehlung von mir!
Entscheidung fürs Leben
Aus Liebe zu Roman von Anke Feuchter
Aus Liebe zu Roman von Anke Feuchter
„Kennen wir uns?“
Die Blonde nickte. Ihre Wangen waren von der Kälte gerötet.
„Ich arbeite in der Wäscherei gegenüber vom Cafe.“
Amalie schaute sie genauer an. Nein, die rundliche blonde Frau mit dem auffallenden Grübchen im Kinn kannte sie nicht.
„Tut mir leid...“
„Muss es nicht. Ich stehe manchmal unter der Linde und rauche. Da habe ich sie gesehen. Ella heiße ich.“ S.28
Anke Feuchter erzählt Amalies Geschichte in einer schwierigen Zeit Deutschlands. Sie ist geprägt von den Nachwehen des 2. Weltkrieges, Verlust und Trauer um liebe Menschen, Sorge um den Lebensunterhalt, Vertreibung und Not. Gleichzeit keimt die Hoffnug auf ein besseres Leben. Doch umsetzen kann man dies nur im Rahmen seiner Möglichkeiten. Amalie hat eine Tochter, der Mann im Krieg vermisst und somit von den Schwiegereltern nur geduldet und letztendlich unerwünscht. Sie macht sich mit dem Fahrrad auf den Weg nach Baden-Baden um Arbeit zu finden. Ihre kleine Tochter lässt sie auf einem Weingut in Malsch zurück. Zufällig spricht sie ein Mann der französischen Besatzungsmacht unter einer Blutbuche an und verschafft ihr Arbeit in einer Bäckerei. Mit diesem Kennenlernen nimmt eine tragische Liebesgeschichte ihren Lauf.
Mir haben die Einblicke in diese Zeit ganz gut gefallen. Das Leben in Anwesenheit einer Besatzungsmacht und die daraus resultierenden Vorzüge und Einschränkungen sind gut beschrieben. Ebenso die Pflichten und Wünsche denen sich Amalie gegenüber sieht, kann man nachvollziehen. Diese bringen sie oft in einen Zwiespalt. Trotzdem kam ich ihr beim Lesen nicht nah genug. Mir fehlte es an Tiefe in den Beschreibungen, der Handlung und den Charakterdarstellungen. Der einfache, Schreibstil und die durchblickende Naivität der Hauptfigur unterstreichen meine Empfindungen. Geärgert haben mich so manche Zufälle, die der Geschichte einen reibungslosen Verlauf garantierten.
Das Ende stimmt mich versöhnlich, da ich dieses sehr gelungen und passend finde.
Fazit: Eine gute Geschichte, die die Sorgen und Nöte der Frauen der Nachkriegszeit aufgreift. Ein wichtiges und interessantes Thema in einer entbeerungsreichen und zugleich hoffnungsvollen Zeit, welches berührt jedoch nüchtern geschrieben ist.
Schlecht!
May Morrigans mysteriöse Morde von Katherine Black
May Morrigans Mysteriöse Morde Katherine Black (Lübbe)
Seite 27 Kapitel 3: This Magic Moment beginnt mit Fletcherts Selbstbefriedigung nachdem er die Einkäufe neben der Haustür fallengelassen hat. Danach schwelgt er in Gedanken:
„Himmel, Mann, bloß keinen Herzanfall“, murmelte er. Langsam und tief atmete er durch und stellte sich vor, wie es wäre, tot umzufallen, während er sich einen runterholte, und in flagrante delicto aufgefunden zu werden: Schwanz in der Hand, Hose um die Fußgelenke, klebriges Papiertaschentuch neben ihm.
Nicht gerade ein würdevoller Abgang für einen Cambridge-Professor. Im Ruhesatand, erinnerte er sich.
May wäre es, die ihn finden würde, und sie hätte Verständnis. Sie würde ihn säubern und zudecken, bevor sonst jemand die Erniedrigung des Todes durch Wichsen mitbekam. S.27/28
Warum? Ich habe ein großes Fragezeichen auf der Stirn, angesichts dieser, für mein Empfinden, eingestreuten Unnötigkeiten. Britischer Humor, Fehlanzeige!
May verscherzt sich jegliche Sympathiepunkte durch ihre radikale Moralvordtellung. Den Protagonisten kommt man nicht wirklich nahe, da diese ohne wesentliche Tiefe dargestellt werden, verbale Entgleisungen inklusive. Diese lassen im Fortlauf der Geschichte zum Glück nach! Und Morde, welche Morde und von wem, warum? Wichtige Themen werden angesprochen, doch nicht zu Ende gedacht. Die ganze Geschichte ist unausgereift mit Logikfehlern und einem Täter, dessen Motiv nicht ansatzweise vorhanden ist. Zusammenhänge bleiben an lockeren Fäden hängen und lassen mich als Leser unzufrieden und mit vielen Fragen zurück.
Alles in allem treibt die Story an der Oberfläche. Ich hatte einen unterhaltsamen Krimi erwartet und wurde leider zutiefst enttäuscht! Die Handlung ist unglaubwürdig und zum Ende hin vollkommen überzogen. Die Autorin bedient sich mehrmals dem Wendebringer und Vorantreiber „Zufall“, mangels intelligenter Schlussfolgerungen. Der Klappentext hat eindeutig mehr versprochen, als das Buch halten kann. Einen Pluspunkt, das Cover finde ich originell!
Fazit: Das war vielleicht gut gemeint, doch die Umsetzung ist unausgereift und hat mich teils verärgert. Das ist die schlechteste Lektüre, die ich dieses Jahr gelesen habe. Eine Fortsetzung werde ich nicht lesen!








