Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Ein sommerlicher Krimi
Inselnächte von Anja Eichbaum
Inselpolizist Martin Ziegler und seine Frau Anne Wagner sind eben aus den Flitterwochen zurückgekehrt, als sie der Alltag auf Norderney wieder einholt: Horden von Touristen, die sie nicht Ge- und Verbote halten und auf den gefährdeten Sanddünen herumturnen, Videos von Unglücksfällen filmen und ins Internet stellen sowie zwei Tote, Bruder und Schwester der alteingesessenen Familie Jansen, um die sich zahlreiche Gerüchte um Geiz, Geheimnisse und ein großes Vermögen ranken.
Mit dabei ist auch wieder Marthe Dirksen, die ehemalige Pensionsbesitzerin, die ihren Tee immer mit einem Schuss aus ihrem Giftschrank aufbessert und mit Helene, einer Autorin, auf Motivsuche für einen neuen Roman geht. Seit Neuestem ist sie als Social Media Expertin unterwegs und postet nicht nur Helenes Bücher auf BookTok.
Meine Meinung:
Anja Eichbaum hat wieder einen komplexen Krimi geschrieben, deren Hauptdarsteller, die schon aus den Vorgängern bekannten, drei Paare Martin/Anna, Daniela/Frank, Ruth/Oskar und Marthe Dirksen sowie KHK Gert Schneyder von der Kripo Aurich sind. Dazu kommen noch zahlreiche Personen, deren Auftritt nur für diesen Band eingeführt werden.
Grundsätzlich mag ich ja Krimis, die über mehrere Handlungsstränge verfügen sowie mittels Details zu Land und Leuten ein farbiges Bild zeichnen. Doch wie schon im letzten Fall wäre auch hier ein bisschen weniger mehr gewesen. Besonders die mehrfachen Wiederholungen, dass Marthe Tee mit Schnaps verfeinert, nervt mich persönlich. Dass es für die Einheimischen nicht sehr angenehm ist, während der Sommersaison von Touristen regelrecht überfallen zu werden, kann ich genauso nachvollziehen wie den Ärger über den fehlenden erschwinglichen Wohnraum.
Gut gelungen ist Anja Eichbaum, die Komplexität der dysfunktionalen Familie Jansen darzustellen. Das lässt Raum für Spekulationen, was denn das krampfhaft verborgene Geheimnis sein könnte. Ich hatte recht bald eine Idee, was hier passiert sein könnte und bin über die Auflösung nicht enttäuscht worden. Geschickt führt die Autorin gleich auf den ersten Seiten eine Figur ein, die man ablehnen muss und der man eigentlich alles zutraut.
Fazit:
Für Fans von Inselkrimis ein gelungenes Buch, für mich persönlich ist es an einigen Stellen ein wenig zu überfrachtet. Dafür gibt es 3 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine Leseempfehlung!
Für immer an meiner Seite von Ronja Forcher
Schauspielerin Ronja Forcher erzählt in diesem Buch über den Verlust ihre besten Freundin Sarah, die mit 14 Jahren an der sehr seltenen Krankheit Progerie, die Kinder vorzeitig altern lässt, gestorben ist.
Forcher schreibt mehrmals, dass dieses Buch kein trauriges sei, obwohl es tief berührt und manche Szenen enthält, bei denen der/die eine oder andere Tränen in den Augen haben wird.
Berührend sind auch die Briefe, die Ronja Forcher an ihre verstorbene Freundin schreibt. Trotz aller Trauer stimmt das Buch positiv, gibt Hoffnung und einfühlsame Lesestunden.
Menschen, die geliebt werden, werden immer an unserer Seite bleiben, auch wenn sie nicht mehr unter uns weilen.
Fazit:
Möge dieses Buch, das in wunderbaren Worten verfasst ist, allen jenen, die einen geliebten Menschen verloren haben, Hoffnung schenken. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.
Rezensionen von Carmen19994:
Handarbeit und Spannung
Mörderisch verstrickt. Ein Strickclub ermittelt von Susanne Oswald
Ein Wohlfühl-Krimi voller Charme, Stricklust und einer Prise Küstenkrimi
Wer sich nach einem Buch sehnt, das wie eine warme Strickdecke die Seele umhüllt, wird mit Mörderisch verstrickt von Susanne Oswald rundum glücklich. In dem kleinen Ort Lüttjekoog an der rauen, aber herzlichen Nordseeküste trifft sich Woche für Woche eine ganz besondere Gemeinschaft: Mette, die herzliche Inhaberin des Strickladens „Strickschick“, Brunhilde mit ihrer liebevollen Bodenständigkeit, der sanfte Gustavsen und die engagierte Pfarrerin Anne.
Was als gemütlicher Strickkreis begann, wird bald zur kriminalistischen Allianz mit Herz und Wolle – denn plötzlich wird Anne überfallen und ein Mord erschüttert das sonst so beschauliche Lüttjekoog.
Die vier Freunde, zusammengeschweißt durch Vertrauen und Faden, beschließen dem Geheimnis auf den Grund zu gehen – allen voran die beherzte Mette, die sich nicht davor scheut, auch mal unkonventionelle Wege zu beschreiten.
Susanne Oswald gelingt es auf wunderbare Weise, Spannung mit einer herzlichen Atmosphäre zu verweben. Ihr Schreibstil ist lebendig, flüssig und voller Wärme. Man spürt die salzige Meeresluft, hört das Klappern der Stricknadeln und fühlt sich mitten im kleinen, liebevoll beschriebenen Ort.
Besonders für Leserinnen und Leser, die selbst gern zur Wolle greifen, ist dieses Buch ein kleines Geschenk: Mit tollen Strickanleitungen, humorvollen Momenten, echter Freundschaft und einer Geschichte, die trotz Mordfall mehr Herz als Härte hat.
„Mörderisch verstrickt“ ist nicht nur ein Krimi, sondern auch ein literarischer Wohlfühlort – gemütlich, berührend, spannend und mit einem Augenzwinkern erzählt. Wer das Stricken liebt oder einfach gern in charmante Geschichten eintaucht, sollte dieses Buch auf keinen Fall verpassen.
Fazit: Ein herrlich schräger Küstenkrimi mit Herz, Humor und Maschen. Absolute Leseempfehlung – und hoffentlich nur der Anfang einer langen Reihe um den Strickclub von Lüttjekoog!
Rezensionen von MarcoL:
Geniale Charaktere, ein chaotischer Urlaub und die Schatten der Vergangenheit. Superber beinahe-Krimi
Onkel Paul von Celia Fremlin
Onkel Paul! Onkel Paul? Immer wieder Onkel Paul. Er zieht die Handlung durch diesen äußerst unterhaltsam wie spannenden Roman, obwohl er physisch gar nicht vorkommt. Er bleibt ein Geist, ein Mythos. Er ist ein wegen versuchten Mordes Verurteilter, dessen fünfzehnjährige Haftzeit gerade abläuft und Meg samt ihren Schwestern als den Urlaub Schreckgespinst vergällt.
Dabei könnte es so schön sein. Megs Halbschwester Mildred (die Ex-Frau von Onkel Paul) leidet an zarter (Untertreibung) Hysterie und Überheblichkeit, nur das Beste ist gut genug für sie, alle anderen Menschen in ihrem Umfeld nur ihre Lakaien. Aber sie hat Angst und ruft Meg zur Hilfe in einen beschaulichen Badeort an der See. Dort steht auch ein ziemlich abgeschiedenes Cottage, in dem vor besagter Zeit alles geschah, und Mildred, die es sich zunächst nicht nehmen lässt, dort alleine zu residieren und in der Nacht glaubt, Schritte zu vernehmen, benötigt im ausgebuchten Ferienort dann doch ein Hotelzimmer. Meg organisiert. Meg kommt in den Ort, zieht in den Ferienwohnwagen ihrer Schwester Isabel, zusammen mit deren Kindern. Das Chaos ist vorprogrammiert, denn Isabel ist leichtgläubig, eingeschüchtert und möchte es allen und jedem nur recht machen. Auch sie hat Angst, angestachelt durch Mildred.
Einzig Meg scheint Herrin der Lage zu sein, denn jedes ungeklärte Phänomen lässt sich schnell, einfach und logisch aufklären. Aber Mildred (man könnte sie manchmal hinter den Mond und noch weiter schießen) schafft es immer wieder für Unruhe. Als dann noch Megs Freund Freddy, eine etwas dubiose Gestalt, und Isabels undurchsichtiger Ehemann auftauchen und nach belieben verschwinden, kommt keinesfalls Ruhe in die illustre Gesellschaft. Ganz im Gegenteil. Könnte vielleicht einer der beiden Onkel Paul sein? Fünfzehn Jahre sind eine lange Zeit, wer weiß da schon, wie sich ein Mann verändert …
Tja, und immer wieder das Cottage – knappe drei Meilen vom Ort entfernt, dunkel, kein Strom, ein überwucherter Vorgarten … ein Brunnenschacht … viel Regen … perfekt für …
Der Roman entartet zwar zeitweise wie ein hektischer Klamauk aus Hollywoods Glanzzeiten, aber die Anspannung, das was-wäre-wenn eines möglichen drohenden Unheils begleitet einen von Anfang bis zum Ende.
Die Szenen sind sehr gekonnt gesetzt, man bleibt als Leser immer einen kleinen Informationsschritt im Rückstand. Die Charakterbildung der Protagonist*innen ist ohne Frage mehr als genial gelungen.
Das ist ganz große Erzählkunst und man kann sich während der Lektüre ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen der Autorin sehr gut vorstellen.
Sehr gerne gelesen, und daher gibt es eine riesengroße Leseempfehlung für diesen wunderbaren Krimi der etwas anderen Art.
Rezensionen von Lilli33:
Nolwenn ist ganz vorne mit dabei
Bretonische Versuchungen von Jean-Luc Bannalec
Nolwenn ist ganz vorne mit dabei
Inhalt:
Gerade will Commissaire Georges Dupin sich in einer Konfrontationstherapie seiner größten Angst stellen und ein kleines Boot betreten, als sein Handy klingelt: Ein neuer Mordfall will gelöst werden. Die Inhaberin einer Schokoladenfabrik, Adeline Mazago, wurde tot aufgefunden - ertrunken in einem Schokoladenbottich.
Meine Meinung:
Dies ist bereits der 14. Band dieser amüsanten Krimi-Reihe, die auch verfilmt wurde. Man kann das Buch aber auch gut ohne Vorkenntnisse lesen; der Kriminalfall ist abgeschlossen.
Nachdem Dupins Assistentin Nolwenn beim letzten Fall größtenteils außen vor blieb, ist sie nun hautnah bei den Ermittlungen dabei und unterstützt Dupin in vorderster Front. Mir hat diese bunt schillernde Person im letzten Band wirklich gefehlt, mitsamt ihren Eigenmächtigkeiten und ihrem herzlichen Wesen. Daher war ich wirklich froh und begeistert, dass sie diesmal nicht nur im Hintergrund die Strippen zieht, sondern richtig bei den Ermittlungen mitwirken darf - auch wenn das vielleicht nicht sehr realitätsnah ist.
Der Kriminalfall hat mir auch sehr gut gefallen, nicht nur weil es um mein Lieblingsthema „Schokolade“ geht, sondern vor allem, weil der Fall so undurchsichtig ist. Man kann wunderbar miträtseln und spekulieren, aber vorhersehen kann man die Lösung nicht. Dabei gibt es etliche Verdächtige, die allerdings nach und nach aus dem Leben scheiden. Die spannende Frage, ob es noch mehr Tote geben und wen es treffen wird, zieht sich durch den Roman.
Auch die atmosphärischen Beschreibungen von Land und Leuten gefallen mir immer wieder gut und sorgen dafür, dass man trotz brutaler Morde in Urlaubsstimmung kommt und am liebsten sofort in die Bretagne reisen möchte.
Die Reihe:
1. Bretonische Verhältnisse
2. Bretonische Brandung
3. Bretonisches Gold
4. Bretonischer Stolz
5. Bretonische Flut
6. Bretonisches Leuchten
7. Bretonische Geheimnisse
8. Bretonisches Vermächtnis
9. Bretonische Spezialitäten
10. Bretonische Idylle
11. Bretonische Nächte
12. Bretonischer Ruhm
13. Bretonische Sehnsucht
14. Bretonische Versuchungen
Rezensionen von clematis:
Kontrolle
Ich war's nicht von Royston Reeves
Werbetexter Will geht gerne einmal abends mit seinen Kollegen auf einen Drink - oder auch mehrere. Eines Tages im Oktober geschieht es, dass er am Heimweg vom Pub einem torkelnden Mann begegnet, der ihn mit blöden Sprüchen provoziert, sodass Will erst ausweicht, nach einem Schubser des Fremden jedoch auf diesen zugeht und ihm einen Faustschlag verpasst.
Als dieser auf die Gehsteigkante stürzt und reglos liegen bleibt, ist Will entsetzt. Hat er soeben einen Menschen umgebracht? Die Gasse ist dunkel und einsam, niemand hat den Vorfall gesehen, bestimmt rappelt sich der Betrunkene bald wieder hoch, weshalb Will seinen Weg Richtung Bahnhof fortsetzt. Aber irgendjemand weiß etwas und kontrolliert ab nun Wills Leben.
Hinter diesem dunklen, durchaus anziehenden Titelbild verbirgt sich eine außergewöhnliche Geschichte um Kontrolle und Macht. Will gehört zu den Guten, lebt ein ruhiges unaufgeregtes Leben. Bis zu diesem besagten Abend, an den er sich zu einer unüberlegten Reaktion hinreißen hat lassen. Aber soll er deshalb zur Polizei gehen und sich stellen? Immerhin hat diese bereits einen Verdächtigen gefasst, einen Vorbestraften, der es gewiss verdient, wieder im Gefängnis zu landen. Nein, Will beschließt, sein normales Leben beizubehalten. Jedoch ist es nicht mehr so normal, wie kurz zuvor, denn ein Typ namens Solly bedrängt ihn und erinnert ihn regelmäßig an die schicksalhafte Nacht.
Die Erzählweise Royston Reeves ist geschickt, er lässt Will für sich sprechen, wodurch dessen Zwiespalt sehr deutlich herausgearbeitet wird, seine diffusen Ängste, seine Unschlüssigkeit der Polizei und dem Stalker gegenüber recht spürbar beim Leser ankommen. Wird er die Kontrolle über seine Entscheidung behalten oder kontrolliert mittlerweile jemand anderer sein Tun? Wer hat Recht, wer kennt die Wahrheit, wer spricht ein Urteil? Der Verlauf der Handlung ist nicht absehbar, das Ende raffiniert, bis dahin mitunter jedoch auch vom Zufall geprägt, sodass nicht durchgängig alles plausibel erscheint. Nichtsdestotrotz ist das Ringen um Macht großartig dargestellt, der Lesefluss bis zur letzten Seite ungebremst.
Ich war´s und ich war´s nicht – welche Aussage ist die richtige, welche Sichtweise korrekt, welches Handeln ethisch vertretbar? Viele Fragen, die es zu beantworten gilt, das Buch ist spannend, schaut selbst hinein!
Rezensionen von clematis:
Zwillinge
Die Schneiderei in der Fliedergasse - Große Träume von Katharina Oswald
Kurz vor seinem Tod nimmt Hubert Körber seinen 13-jährigen Zwillingen ein Versprechen ab: Leonard soll Jura studieren, um gegen Krieg und Unrecht anzukämpfen, während Susanne eine kaufmännische Ausbildung anstreben und die familiengeführte Schneiderei übernehmen soll. Sieben Jahre später merken die beiden jungen Menschen, dass sie in vertauschten Rollen agieren – Leo plagt sich mit den trockenen Texten, die seine Schwester im Nu durchschaut, dafür ist Susanne in der Berufsschule ganz und gar nicht ausgelastet und sitzt nur der Pflicht halber an der Nähmaschine.
Aber aufgrund von strengen Vorgaben zum Erhalt der Altstadt muss die finanzielle Lage des Betriebs rasch verbessert werden, um Haus und Schneiderei nicht zu verlieren. Haben da eigene Träume überhaupt noch Platz?
Tübingen in den 1970er-Jahren ist der Schauplatz dieser überaus liebenswerten Geschichte, in die ich mich rasch hineinversetzen kann. Herkömmliche Rollenbilder für Mann und Frau, rechtsorientierte Burschenschafter und wilde Hausbesetzer, Frauenstreiks und Vorbehalte gegen Homosexualität – in vielerlei Hinsicht sind zu dieser Zeit eigene Zukunftsvorstellungen nicht so einfach gegen die vorherrschenden Konventionen durchzusetzen. Immer ist man auf der Hut, was andere sagen könnten und natürlich ist der Wunsch des Vaters vor seinem Tod auch jetzt noch präsent, kann man diesen auch posthum nicht einfach ignorieren.
Das Autorenduo Andrea Bottlinger und Claudia Hornung, welches sich hinter dem Namen Katharina Oswald verbirgt, vermag es blendend, seine Figuren überaus realitätsnah darzustellen und ihre Dilemmata und widerstreitenden Gefühle herauszuarbeiten. Insbesondere die Liebe der Zwillinge für ein und denselben Mann ist ein sehr spezielles Thema, das hervorragend in die Geschichte eigeflochten und höchst einfühlsam geschildert wird. Ein Wunsch, den ich recht rasch beim Lesen verspürt habe, ist dann auch tatsächlich in Erfüllung gegangen und genau nach meinen Vorstellungen im Laufe der Handlung umgesetzt worden. Die Freude am Buch ist aber auch deshalb so groß, da mich viele Details an meine eigene Kindheit erinnern, so zum Beispiel die blauen Matrizen, Vorläufer der späteren Fotokopien, welche ich im Gegensatz zu Susanne mit einem herrlichen Duft verbinde. Plötzlich ist die Zeit vor fünfzig Jahren wieder ganz nah und durch die bildhaften Beschreibungen sind das auch die meist sehr sympathischen Figuren im Roman. Ich habe direkt das Gefühl, dass ich ebenfalls neue Freundschaften schließe, freue mich über die bisherige Entwicklung des Geschehens – zumindest über die positiven Ereignisse – und bin natürlich mehr als gespannt, wie es mit dem Wohnhaus und der Schneiderei im Erdgeschoss weitergeht.
So wie Katharina Oswald mit ihrem zauberhaften Schreibstil von ihnen erzählt, sind mir Susanne und Leonard sehr schnell ans Herz gewachsen, sodass ich diese Buch all jenen empfehle, die Spaß haben an der Geschichte der 1970er-Jahre und einem Zwillingspärchen, welches sich mutig den Herausforderungen der Zeit stellt.
Rezensionen von clematis:
Familie mit Knoten
Nach dem Sommerregen von Kristina Pfister
Vater Walter Ritter wird siebzig, eine Feier im Wochenendhäuschen soll seine verstreut lebende Familie wieder einmal zusammenbringen. Was noch niemand weiß: Walter und seine Frau Marianne werden sich trennen und aus diesem Grunde das „Ritterhaus“ entrümpeln und verkaufen. Wie wird diese Botschaft bei den erwachsenen Kindern Cecilia, Jonas und Marika ankommen?
Unbeschwert und ernst zugleich, so kündigt der Klappentext den Roman an, vielfältig kann also die Handlung gesponnen werden.
Sommer, Herbst, Winter, Frühling, das sind die groben Orientierungspunkte für zahlreiche kürzere Kapitel, in denen wir die ganz und gar nicht unkomplizierte Familie Ritter begleiten dürfen. Jedem Kapitel ist ein kursiv gedruckter Absatz vorangestellt, Gedanken, Erinnerungen, die Details aus vergangenen Tagen hervorholen. Ansonsten plätschern Probleme von scheiternden Beziehungen ebenso dahin wie Ärger über die aufgebürdete Belastung im Zusammenhang mit Haushalt und Kindererziehung. Nicht zuletzt sind Kirschkerne in Nachbars Garten und andere Belanglosigkeiten sowie nicht ganz glaubwürdige Ereignisse ein Diskussionsthema. In Erwartung, dass endlich die Scheidung und der Hausverkauf angesprochen werden, liest man das halbe Buch und hat das Gefühl, sich im Kreis zu drehen, Coronaschnupfen und Klimawandel müssen natürlich auch erwähnt werden. Unbeschwert ist da für mich leider nichts, die ernsthafteren Gespräche innerhalb der Familie werden stets unterbrochen von stinkenden Babywindeln oder aufgeschürften Knien. Aber das spiegelt wohl den schnöden Alltag wider. Sowohl die Eltern als auch deren drei erwachsene Kinder wecken bei mir kaum Emotionen, eher handelt es sich um ein Begleiten durch ein Jahr der Selbstfindung und Abnabelung der einzelnen Figuren.
Ein Buch über eine ganz normale Familie, deren Schwierigkeiten, einem „festgezurrten Knoten“ [kindle, Pos. 2769] gleich, nicht so einfach gelöst und entwirrt werden können. Wer genau hinsieht, kann bestimmt den ein oder anderen Rat aus dem Buch mitnehmen, für mich persönlich war es jedoch zu vollgepackt mit schweren Lasten, welche nur ein „Durchwursteln“ statt eines zufriedenen Lebens ermöglichen.
Rezensionen von nessabo:
Ein weiteres kurzweiliges Werk einer talentierten Autorin
Der alte Apfelgarten von Sharon Gosling
Mein erster Kontakt mit Sharon Gosling war vor einem Jahr „Forgotten Garden“, was ich sehr mochte. Ich finde, dass Gosling ein Händchen für ganz besondere Landschaften hat, aber auch für zarte zwischenmenschliche Bande. An das konnte „Der alte Apfelgarten“ in vielerlei Hinsicht anknüpfen, wenngleich es für mich auch ein paar Dämpfer gab.
Aber erstmal zu all dem Guten. Das Setting ist einfach bemerkenswert schön, Gosling zeichnet mit ihren Worten kinderleicht Bilder in die Köpfe ihrer Leser*innen. Ich bin zwar gar nicht so ein Küstenkind, aber wie die Autorin schottische Natur beschreibt, macht mich doch sehnsüchtig.
Außerdem mochte ich die Wahl der Protagonistinnen sehr gern! Dass hier für eine Romance eine Schwesternschaft als zentrale Beziehung gewählt wurde, finde ich nämlich richtig toll. Bette und Nina sind spannende Figuren, alleinstehend und in Interaktion miteinander. Gosling zeigt damit, dass nicht immer die romantische Liebe im Zentrum stehen muss.
Wie schon bei ihrem vorherigen Werk hat mir generell gefallen, dass die meisten Figuren einfach warmherzig und undramatisch sind. Das bedeutet nicht, dass es kein Drama in der Handlung gibt (im Gegenteil!) , aber sie kommt eben weniger aus den Figuren selbst. Barnaby a.k.a. Superheld Seepocke und wie respektvoll die Erwachsenen mit ihm sowie seinen Bedürfnissen umgehen? Ich liebe alles daran! Auch Cam, Allie und Ryan sind liebenswerte Nebenfiguren, die ich immer wieder gern gelesen habe.
Der Roman ist eine gut lesbare Sommerlektüre und ich würde sie dafür auch jederzeit empfehlen. Dennoch hat mir der Vorgänger noch einen Ticken besser gefallen, weil da der Gemeinschaftsaspekt mehr zum Tragen kam. Außerdem muss ich die starke Überzeichnung des Antagonisten kritisieren. Die Figur fand ich völlig flach, eindimensional und vorhersehbar. Auch Bettes und Ryans Aufeinandertreffen und wie es dann endete, fand ich nicht gut geschrieben. Es war mir am Ende alles einfach ein wenig zu überspitzt dramatisch, ein bisschen weniger hätte es für mich auch getan.
Nichtsdestotrotz eine klare Leseempfehlung für diesen stimmungsgeladenen Roman in großartigem Setting und mit vielen netten Figuren. Das Apfelthema und die Geschichte rund um den Apfelgarten haben mich nebenher auch ziemlich fasziniert. Ich hatte eine angenehme, kurzweilige Lektüre und habe mich trotz meiner Kritikpunkte sehr gut unterhalten gefühlt.
Rezensionen von Meli:
Viel Glück bei eigentlich gefährlichen Spielen
Phantasma - Spiel um dein Leben, fürchte die Liebe von Kaylie Smith
Ihre Mutter stirbt und hinterlässt Geheimnisse und hohe Schulden. Ophelias Schwester Genevieve scheint mehr zu wissen, weiht Ophelia aber nicht mehr ein, bevor sie verschwindet. Es sieht so aus, als würde Genevieve an den gefährlichen Phantasma-Spielen teilnehmen wollen, also tut Ophelia das auch, in der Hoffnung ihre Schwester retten zu können.
Ophelia ist aber ziemlich planlos und kommt damit schon viel zu gut durch. Ihr einziges Ziel ist es eigentlich, ihre Schwester zu retten, aber weil sie selbst nicht direkt gegen Genevieve spielt, weiß man nicht mal mit hundertprozentiger Sicherheit, ob die auch tatsächlich an den Spielen teilnimmt oder wie es ihr dabei geht. Also kann Ophelia in der Hinsicht nicht viel machen, sondern kümmert sich hauptsächlich darum, im Spiel weiterzukommen und versucht nebenbei noch, Blackwell zu helfen, der ihr dafür wertvolle Tipps bei den verschiedenen Leveln des Spiels gibt.
Ich fand es ziemlich interessant, hier eine Protagonistin mit einer Zwangsstörung zu haben, in einer Welt, wo es auch echte Dämonen gibt. Dazu fand ich Ophelia auch dadurch etwas sympathischer, weil man spürt, dass sie durch ihre Ausbildung zur Nekromantin schon lange mit der Last lebt, eines Tages das Erbe ihrer Familie weiterführen zu müssen. Aber dann war ich auch ziemlich enttäuscht davon, wie wenig man eigentlich davon sieht, dass sie irgendwas gelernt hat. Sie stolpert schon eher ahnungslos, mit einer guten Portion Glück und Blackwells Unterstützung durch die Spiele und das fand ich auf Dauer dann ziemlich langweilig, egal wie blutig es um sie herum gewesen sein mag. Wenn sie so leicht durchkommt, wirken die Spiele auch weniger anspruchsvoll und gefährlich.
Insgesamt hätte ich mehr von Ophelia und den Spielen erwartet, auch die Liebesgeschichte fand ich nicht besonders spannend. Das Ende des Buches fand ich dann wieder einigermaßen gelungen und da Ophelias Geschichte damit abgeschlossen ist, werde ich die Fortsetzung auf jeden Fall nicht mehr lesen, weil ich das Buch dafür einfach nicht gut genug fand.











