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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von yellowdog:

Literatur aus Portugal

Leere Schränke von Maria Judite de Carvalho

Mit Leere Schränke ist erstmals eine portugiesische Schriftstellerin des zwanzigsten Jahrhunderts auf Deutsch zu entdecken: Maria Judite de Carvalho
Es wird ruhig erzählt, ohne viel Handlung. Aber es gibt eine Diskrepanz zwischen dem kontemplativen auf der Oberfläche und dem, was in den Figuren brodelt.

Dora Rosário trauert schon 10 Jahre um ihren verstorbenen Mann. Als ihre Schwiegermutter ihr erzählt, das er sie kurz vor der Erkrankung wegen einer anderen Frau verlassen woltte, trifft das Dora stark.
Die Beziehungen zwischen den verbliebenen werden deutlich.
Rosa und ihre Schwiegermutter, die sich kaum mögen, aber durch den Verstorbenen aneinander gekettet bleiben. Dann noch Doras Tochter Lisa, die glaubt, mehr nach ihrer Großmutter als nach ihrer Mutter zu kommen.
Das ganze lässt einen trotz der kühlen Erzählhaltung als Leser nicht kalt.
Ein bemerkenswertes Buch. Man darf gespannt sein, ob weitere Übersetzungen dieser Autorin folgen werden.

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Rezensionen von Bücher in meiner Hand:

Bretonische Versuchungen von Jean-Luc Bannalec

Dass Bretonen Schokolade mögen, ist bekannt. Dass sie darin baden, weniger. Dann soll es noch einige geben, die darin ertrinken, zumindest - und hoffentlich ausschliesslich - in Kommissar Dupins 14. Fall.

Die in der Schoggi ertrunkene Frau rettet Georges Dupin vor einer Konfrontationstherapie, vor der ihm fürchtete.

Dann doch lieber einen Mord aufklären. Naja, wenn es denn bei dem einen bliebe. Auf jeden Fall gibt es reichlich Arbeit für das Team. Ebenso liegen alsbald viele Mutmassungen auf dem Tisch, wieso Adeline sterben musste. Und am Ende ist es eine Frage der Zeit, wieviele Menschen noch sterben müssen, da fiebert man regelrecht mit und stellt Dupin gedanklich einige Tassen Kaffees hin, damit er auf jeden Fall bis zur Ergreifung der Täterschaft durchhält. Nicht gerade ein Schoggijob für Dupin.

Es ist ein wirklich rasanter Fall, auch aufgrund des langen Roadtrip auf den sich Dupin und Nolwenn gemeinsam aufmachen. Und dies ist mal was ganz Neues: Nolwenn ist mittendrin - Georges staunt nicht schlecht, als sie sich zu ihm ins Auto setzt, und man spürt richtig sein Missfallen, doch das hält nur kurz an und er wird noch froh sein, denn die lange Autofahrt der Küste nach runter nach Bayonne ist nicht ohne. Zurück nach Concarneau gehts dann schneller, aber das ist ein anderes Thema. Eins, vor dem nicht nur Nolwenn Dupin immer gewarnt hat.

Nicht nur Nolwenn, sondern wie üblich sind auch Riwal, Kadeg, Le Menn und Nevou im Team dabei, auch wie üblich geizt keiner mit seinen Eigenheiten. Zum Glück aber geht es einmal komplett ohne Präfekt Locmariaquer, der in den "Ferien" weilt. Dafür freut sich Dupin über die tolle Zusammenarbeit - mehr noch über ihre gemeinsamen Vorlieben - mit Amaia Unarte, bekannt aus einem früheren Fall, was hoffentlich Gutes für einen der nächsten Bände verheisst.

Trotz Schoggimord ist "Bretonische Versuchungen" ein Buch nicht nur für Bretagne- und Krimifans, sondern auch eins für alle Schoggi-Passionné(e)s. Ich konnte den Krimi kaum aus der Hand legen und war froh, konnte ich mir Zeit stehlen, denn es gab gerade nicht viel, was unbedingt erledigt werden musste.

Die Informationen über Schokolade sind ausführlich, vieles schon bekannt, doch da ist auch einiges Neues mit dabei, ich fand besonders die möglichen Forschungsfeldern interessant. Über den Schreibstil müssen wir nicht reden, würde ich ihn nicht mögen, hätte ich die Reihe längst schon abgebrochen.

Fazit: Ein fesselnder Fall - das gibt es selten, dass in einer Reihe auch der 14. Fall so spannend ist und heraussticht wie die ersten Fälle, besonders nach dem mir zu mystischen 13. Band. Wirklich toll!
5 Sterne.

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Rezensionen von Pusteblümchen:

Zwei lose verflochtene Erzählungen

Die Geschichte des Klangs von Ben Shattuck

Das Buch enthält zwei Geschichten, die nur sehr lose miteinander verbunden und beide schnell gelesen sind. Von der Länge her, sind es eher zwei Kurzgeschichten als ein Roman.
Im ersten Teil wandern die Musikstudenten Lionel und David nach dem Ersten Weltkrieg durch die Wälder und sammeln Musik mit Hilfe eines Phonographen.

Viele Jahre später im zweiten Teil des Buches findet Annie auf ihrem Dachboden durch Zufall die Phonographenzylinder der Studenten und begibt sich auf Spurensuche.
Beide Geschichten sind schön zu lesen und haben bei mir ein leicht melancholisches Gefühl hinterlassen. Sie zeigen einen Ausschnitt aus dem Leben der Protagonisten.
Ich bin ihnen gerne gefolgt, hätte aber auch gerne noch mehr erfahren.

Es ist eben nur ein Stück aus dem Leben, das im Anschluss weitergeht und dadurch noch einige Fragen offen lässt.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Ein gelungener hist. Krimi

Die Johann-Strauss-Verschwörung von Maria Jelenko

Man schreibt das Jahr 1872. Johann Strauss befindet sich am Zenit seiner Karriere. Vor kurzem hat er den Walzer „An der schönen blauen Donau“ komponiert. Allerorts jubelt man ihm zu. Doch der Erfolg ruft auch Neid und Missgunst hervor.

Nach Gastspielen im Zarenreich soll er nun in die USA, zum Weltfriedensfest nach Boston reisen.

Nun so eine lange Reise ist nicht jedermanns Sache und die von Strauss schon gar nicht. Er hat lieber festen Boden unter seinen Füßen, wenn er schon reisen muss. Aber ein Dampfschiff? Nie und nimmer! Schließlich nimmt er das Engagement wegen des großen Honorars an und Leibdiener Pepi sowie Zimmermädchen Anna begleiten ihn. Ehefrau Jetty gibt ihm noch Francis, einen Zirkusartisten als Aufpasser mit, der ihm allzu aufdringliche Fans (vor allem weibliche) vom Hals halten soll.

Wenig später ist man auf dem Schiff und Strauss wird von den anderen Erste-Klasse-Gästen belagert. Dann kommt ein Mann zu Tode, der eine Schwalbe am Handgelenk tätowiert hat. Um die Passagiere nicht zu verunsichern und sich bei der Reederei nicht rechtfertigen zu müssen, lässt der Kapitän den Toten im Meer verschwinden. Und er wird nicht der einzige Tote bleiben bis das Schiff in New York anlegt.

Meine Meinung:

Johann Strauss Sohn gilt die ganze Aufmerksamkeit im Jahr 2025, feiert man doch seinen 200. Geburtstag. Grund genug, aus diesem Anlass zahlreiche Bücher, die mit dem Jubilar mehr oder weniger viel zu tun haben, herauszugeben. Auch der Emons-Verlag reiht sich mit diesem historischen Krimi in diese Liste der Gratulanten ein. Gleich vorweg, Attentate auf den Walzerkönig hat es niemals gegeben, die Reise zu Gastspielen nach Boston und New York, schon.

Maria Jelenko hat hier einen amüsanten historischen Krimi verfasst, der sich mit dem Charakter von Johann Strauss beschäftigt. Auf Grund seines Lebenswandels ist er überarbeitet, trinkt und raucht zu viel. Obwohl er sich in der Bewunderung seiner Fans, vor allem der Frauen, sonnt, sind ihm die aufdringlichen Avancen ein Gräuel. Tja, was soll man dazu sagen: Die Geister, die er rief, sind kaum zu bändigen.

Auch wenn es die hier beschriebenen Attentate auf Strauss nie gegeben hat, so sind sie recht gut inszeniert. Agatha Christie lässt grüßen. Ein Schiff auf so langer Überfahrt eignet sich perfekt zu dieser closed room-Situation. Keiner kann das Schiff zwischendurch verlassen oder neu dazukommen. Natürlich entfallen auf einem Dampfer wilde Verfolgungsjagden, sodass sich die Ermittlungen auf heimliche Durchsuchen von Kabinen beschränken muss.

Der Autorin ist es gut gelungen, die Stimmung an Bord einzufangen. Auf der einen Seite die Müßiggänger, die Johann Strauss umschmeicheln und auf der anderen Seite die Bemühungen den Komponisten vor einem Attentäter zu schützen.

Eine kleine Bemerkung muss ich noch anbringen: Zu Beginn (S. 14) lässt Maria Jelenko Hup- und Motorengeräsche vor der Villa Strauss in der Wiener Maxingstraße erschallen. Da hat sie der Technik um mehr als drei Jahrzehnte vorgegriffen. Es gibt zwar bereits die „Wiener Allgemeine Omnibus-Aktiengesellschaft“, motorisiert fährt man allerdings erst ab 1909. Zu Zeiten von Johann Strauss sind vor die Omnibusse genauso wie bei der Pferdetramway Pferde vorgespannt. Hufgeklapper, Peitschengeknall und Flüche der Kutscher sowie Gestank inklusive, was den lärmempfindlichen Maestro, der oft erst im Morgengrauen zu Bett geht, natürlich stört. Der einzige Unterschied: die Pferdetramway ist schienengebunden, der Omnibus nicht.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi rund um eine Verschwörung, deren Ziel die Ermordung von Johann Strauss ist, aber niemals stattgefunden hat, 4 Sterne.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Ein gelungener hist. Krimi

Grüne Mark und Weißer Tod von Gudrun Wieser

Gudrun Wieser nimmt ihre Leser in ihrem zweiten historischen Krimi rund um den jungen Ermittler Franz Stahlbaum und seinen Freund, den Arzt Dr. Titus Pyrner in das Graz von 1897 mit. Worum geht es diesmal?

Innerhalb kurzer Zeit werden zwei Männer ermordet, die so scheint es zunächst, so gar nichts miteinander zu haben, wenn da nicht jeweils eine kryptische Botschaft und blaue Glassplitter bei den Leichen zu finden wären .

..

Dennoch kommen die Ermittlungen nicht voran, zum einen, weil Franz immer wieder unter dem ehrgeizigen Polizeiagenten Anton Meisl zu leiden hat, der ihm, dem Untersuchungsrichter, regelmäßig Steine vor die Füße wirft, und zum anderen weil die technischen Methoden damals noch nicht vorhanden waren. Franz stützt sich auf das von Prof. Dr. Hans Gross verfasste Handbuch für Untersuchungsrichter.

Als sich wenig später ein Hinweis auf eine Lungenheilstätte im Wienerwald und eine medizinische Geheimgesellschaft, in der auch Titus‘ allmächtiger Vater Mitglied ist, ergibt, wird auch dort ermittelt. Doch der Leiter der Anstalt verschanzt sich hinter der Geheimgesellschaft.

Da die Neugierde ein Hund ist, ruft diese Heimlichtuerei Resi, Franzens Verlobte, und Salome, die Freundin von Titus, die in der Schweiz Medizin studiert, auf den Plan. Sie nehmen in der Lungenheilstätte nicht nur eine Arbeit an, sondern beginnen auch zu ermitteln. Dabei decken sie ungewollt das Geheimnis von Anton Meisl auf und kommen dem Mörder gefährlich nahe.

Meine Meinung:

Grüne Mark und Weißer Tod ist eine sehr gut gelungene Fortsetzung der Geschichte von Franz Stahlbaum und Titus Pyrner, die gemeinsam das Gymnasium besucht haben und nicht wirklich die besten Freunde waren. Das hat sich inzwischen geändert, sind sich die beiden doch ähnlicher als man glaubt. Beide sind durch ihre Herkunftsfamilie geprägt. Der eine, Franz, als Kind einer Arbeiterfamilie, und Titus durch seinen übermächtigen Vater, der sehr wenig von seinem Sohn hält. Immer wieder stolpern sie über ihre zahlreiche Strategien, Fehler zu vermeiden.

Da haben es Resi und Salome schon fast ein wenig leichter. Da man Frauen grundsätzlich nichts zutraut und sie kaum beachtet, pfeifen sie auf Konventionen und unterstützen ihre Männer tatkräftig. Während Franz und Titus zu viel nachdenken, krempeln Resi und Salome ihre Ärmel auf. Dass sie sich dabei auch in Gefahr bringen, um von ihren Männern gerettet werden müssen, rückt das damalige Frauenbild wieder ein wenig zurecht.

Ich bin schon neugierig, wie es mit Franz und Titus sowie Anton weitergehen wird, denn Resi und Salome haben ja das delikate Geheimnis des Polizeiagenten aufgedeckt. Ob Meisl seine arrogante Art, Franzens Herkunft zu erwähnen, aufgeben wird?

Gudrun Wieser Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen. Die Methoden zur Aufklärung sind sehr gut recherchiert. Den einzelnen Kapiteln sind, wie schon im ersten Band dieser Reihe (Geheimnisse der Grünen Mark), Zitate aus dem 1893 von Professor Dr. Hans Gross (1847-1915) herausgegebenen Handbuch für Untersuchungsrichter als System der Kriminalistik. vorangestellt. Professor Gross ist der erste Kriminologe und hat einen Lehrstuhl an der Uni Graz begründet. Ich finde es immer spannend, mit welchen einfachen Mitteln die Ermittler von damals auskommen mussten. Es wird noch bis 1900 dauern, bis die Anwendung der Daktyloskopie auch in der Donaumonarchie eingeführt wird. Ihren Durchbruch wird sie dann mit der Erfindung von Rudolf Schneider, der die sogenannte „Wiener Folie“ zum Patent angemeldet hat, erringen.

Der Titel passt sehr gut zur Handlung, denn die Steiermark wird ob der vielen Wälder auch heute noch Grüne Mark und die Lungenkrankheit Tuberkulose Weißer Tod oder Wiener Krankheit genannt. Obwohl der Erreger bereits 1883 von Robert Koch entdeckt worden ist, gilt sie als nicht heilbar. Zeitweise waren in den Wiener Spitälern, auf Grund der prekären Wohnsituation der (Wiener) Bevölkerung, mehr als 50% der Betten mit TBC-Patienten belegt. Die Luftkuren in Sanatorien z.B. in der Schweiz, die heilen sollten, können sich nur reiche Kranke leisten. Doch auch dort sterben mehr als 25% der Erkrankten. Sie werden, wie hier im Buch erwähnt „zum Abschied entlassen“ - gelten also als austherapiert. Erst die umfassende Vorsorge und Früherkennung (Lungenröntgen in Schulen und Fabriken, Tuberkulin-Test) sowie den Einsatz von Antibiotika dämmen die Krankheit ein. Die Abschaffung des Gesundheitswesen in der Stadt New York in den 1970er bringt die TBC zurück. Was aktuell in den USA mit dem Gesundheitswesen, in dem ein Impfgegner und Ignorant den Vorsitz hat, geschieht, lässt Böses ahnen.

Doch zurück zu diesem Buch - ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt. Manchmal musste ich über den Tatendrang von Resi und Salome schmunzeln Ich hoffe auf eine Fortsetzung dieser Reihe.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Krimi, der in der Donaumonarchie spielt 5 Sterne und eine Leseempfehlung. Zudem rate ich, den ersten Band Geheimnisse der Grünen Mark zu lesen.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Eine Leseempfehlung!

Felix Austria von Christopher Wurmdobler

Wenn ein junger Mann kurz nach den Olympischen Spielen in Berlin 1936 von Wien-Stadlau nach Amerika auswandern will, liegt es nicht nur daran, dass Stadlau alles andere als der Nabel der Welt ist, sondern daran, dass er entweder Jude, Kommunist oder schwul ist oder eine Kombination davon. Zunächst erfährt der geneigte Leser nichts über die Gründe, warum Felix auswandert.

Die werden erst im Laufe der Geschichte offenbar. Felix Austria, wie man den 16-jährigen, der anfangs kaum ein Wort englisch spricht, nennt, will eigentlich nur der Enge von Stadlau entkommen.

Er schließt sich einem Zirkus an, der genossenschaftlich organisiert ist. Alles gehört allen, die Eintrittsgelder und Ausgaben werden gerecht aufgeteilt. Ein Modell, das höchst ungewöhnlich ist, fast kommunistisch anmutet. Die Welt in diesem Zirkus erscheint ihm voller Freiheit.Die Ensemblemitglieder sind ziemlich unterschiedlich. Felix teilt seinen Schlafplatz im Zirkuswagen mit Zazie, einem jungen Schwarzen. Als er sich in den Trapezkünstler Jack verliebt, ist klar, dass er Männer liebt. Gemeinsam arbeiten sie am Trapez bis eines Tages ein Unfall passiert und Felix sich die Schuld daran gibt. Hals über Kopf verlässt er den Zirkus und Amerika, zumal sich im Nachkriegsamerika die Zeiten ändern und Menschen, die andere Lebensformen als konservative Familien bevorzugen, als Kommunisten und Schwule vom Mob verfolgt werden. Der Traum von der Freiheit scheint ausgeträumt.

Doch auch seine ehemalige Heimatstadt Wien ist für Homosexuelle nach wie vor kein guter Platz. Gleichgeschlechtlich Liebende, egal ob Mann oder Frau, machen sich nach wie vor strafbar, weshalb einige von ihnen als Tarnung eine Scheinehe eingehen. Felix lernt Franzi kennen, der während der „schlimmen Zeit“, wie man die NS-Zeit beschönigend nennt, in einem KZ inhaftiert und gerade noch überlebt hat, kennen.

Wie die Geschichte weitergeht, müsst ihr schon selbst lesen ...

Meine Meinung:

Mit diesem Buch hat Christopher Wurmdobler einen berührenden Roman geschrieben, der lesenswert ist. Als Wienerin habe ich so eine Ahnung wo sich das Lokal von Tante Adele befunden hat und wer sich hinter dem Schauspieler Bobby Heimlich, der eine Scheinehe mit einer Kollegin führt, versteckt.

Wurmdobler spricht neben der Homosexualität ein anderes Kapitel der Wiener Geschichte an: Den Missbrauch an den Mädchen, die zwischen 1961 und 1973 im Schloss Wilhelminenberg untergebracht waren. Bei der juristischen Aufarbeitung ab 2011 wurde bekannt, dass die damals zuständigen Stadträtinnen, wie im Roman beschrieben, zahlreiche Briefe über die Missstände erhalten haben, aber keine Abhilfe schafften.

Das Buch ist gut zu lesen. Wer mehr über Homosexualität während der NS-Zeit lesen will, dem seien die Biografien „Franz“ sowie „Dorothea“ von Jürgen Pettinger empfohlen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Buch, das die fiktive Geschichte eines jungen Mannes, der seine Homosexualität im geschützten Raum eines Zirkus‘ findet, 5 Sterne.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Eine Leseempfehlung!

Die Stadtgärtnerin, Band 3 - Blumenglück hoch vier! von Gina Mayer

Die Kinder von der Försterstraße 12 sollen zunächst ein paar berufspraktische Tage absolvieren: Toni in der Gärtnerei Bio Top der Familie Haddad, Cora-Lee in der Tierklinik, Eilif bei einem Steuerberater und Adam in einer Bäckerei. Doch nicht alles entwickelt sich wie geplant, denn Adam hat nur gflunkert, in der Bäckerei zu schnuppern und Eilif und Cora-Lee langweilen sich auf ihren Praktikumsplätzen.

Letztlich treffen die vier Freund in der Gärtnerei zusammen und müssen erleben, dass hier jemand alles daran setzt, die Gärtnerfamlie und ihren Betrieb zu vertreiben. So werden Blumentöpfe, die zum Eintopfen benötigt werden gestohlen und ähnliches mehr. Wer kann ein Interesse daran haben, die Gärtnerei in den Ruin zu treiben? Ist das wirklich die Rache des Vorbesitzers?

Mit List und Konzentration finden Toni, Adam, Cora-Lee und Eilif heraus, wer hinter den Vorfällen steckt. Dann stellen sie dem möglichen Täter eine Falle ...

Meine Meinung:

Dieser dritte Band von Gina Mayer rund um die vier Freunde hat mir sehr gut gefallen. Zum einen, weil er die Freundschaft zwischen den unterschiedlichen Kindern gut darstellt und zum anderen, weil er Wissenswertes über das Gärtnern bereit hält. Dazu kommen die entzückenden Illustrationen von Daniela Kohl.

Das Buch eignet sich gut zum Vorlesen, aber auch Leseanfänger werden daran ihre Freude haben. Die eigene Fantasie wird angeregt und die Botschaften kommen verständlich an. Vielleicht entdeckt auch der/die eine oder andere die Freude am Gärtnern. Die Samen von Kresse eignen sich perfekt für blutige Anfänger und ein Butterbrot mit selbst gezogener Kresse schmeckt herrlich!

Fazit:

Gerne gebe ich diesem dritten Band der Reihe, bei dem keine Langeweile aufkommt, 5 Sterne.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Eine Leseempfehlung!

Der Weg der Frauen von Marie Pierre

In ihrem dritten und finalen Band der Trilogie rund um Pauline Martins Mädchenpensionat in Thionville/Diedenhofen wird es noch einmal richtig spannend und turbulent.

Man schreibt das Jahr 1912 und die Schülerin Sophie wird im nahegelegenen Metz bei einer Aktion für Frauenrechte verhaftet. Obwohl Pauline ihre Schülerinnen dazu anhält Zivilcourage zu zeigen, ist sie doch ein wenig entsetzt, da das Mädchen ihr Vertrauen missbraucht hat und durch diese Aktion das Pensionat in Misskredit bringt.

Doch es wäre nicht Pauline, wenn sie dieser Aktion nicht auf den Grund ginge, zumal Sophie völlig verändert an die Schule zurückkehrt.

Daneben taucht unerwartet Roland, ihr Ex-Verlobter in Thionville auf und macht ihr, nunmehr Witwer mit kleinem Sohn recht auffällig den Hof. Das bleibt natürlich Hauptmann „Gnadenlos“, Erich von Pliesnitz, nicht verborgen, der sich, anstatt mit Pauline darüber zu sprechen, diskret zurückzieht. Die Sache mit den Frauen ist ja kompliziert!


Neben den Problemen in der Schule, in der es wegen diffamierender Briefe zu mehreren Abmeldungen kommt, hält dieser letzte Band für Pauline (und uns Leser) einige Überraschungen bereit. Sei es, dass ein neuer Lehrer (ja ein Mann) oder eine neue Schülerin oder eine neue Hausangestellte Unruhe in das Pensionat bringen.

Aber, das müsst ihr schon selbst lesen ...

Meine Meinung:

In diesem dritten Band erleben wir, wie sehr Paulines Bemühungen, ihre Schülerinnen zu mehr Selbstvertrauen zu verhelfen, gefruchtet haben. Dass es manchmal zu unvorhersehbaren Schwierigkeiten kommen kann, zeigt Sophie, die mit ihrer Cousine Emma an einer Demo teilnimmt. Aber auch die anderen Mädchen zeigen Interesse an einer fortschrittlichen Denkweise. So empört sich beispielsweise Ernestine, die eine Karriere als Journalistin anstrebt:

„...“Wieso bitte soll denn eine Frau nicht am Steuer sitzen?“ Beinahe kämpferisch hatte Ernestine sich vor der Klassenkameradin aufgebaut und schaute sie böse an. „Glaubst du etwa, Männer könnten das so viel besser?“...“

Ja, die unkonventionelle Erziehung von Pauline, den Mädchen zu eigenständiger Meinung und selbständigem Denken hinterlassen ihre Spuren. Das muss auch der neue Lehrer erkennen, der zunächst gönnerhaft seine „humanitäre Hilfe für das Entwicklungsgebiet einer Mädchenschule“ anbietet.

Langweilig wird es in Thionville/Diedenhofen nie! Das liegt neben den fein herausgearbeiteten Charakteren und der Zeit, in der die Reihe spielt, auch an Marie Pierres genialen Schreibstil. Flüssig und mit französischen sowie elsässischen Einlässen wirkt dieser historische Roman lebendig und authentisch. Die Haltung der Bevölkerung, die die aktuelle Zugehörigkeit zum Deutschen Kaiserreich nicht besonders schätzt, wird durch Rolands Bemerkung gut in die Handlung eingeflochten, was wiederum Erich desavouiert:

"Diese Stadt hier, mit ihrem Dreck und Ruß, ihren ungewaschenen Arbeitern und dem ganzen deutschen Militär ist nicht der richtige Ort für Pauline."

Geschickt wechseln wir mehrmals die Perspektive, sodass wir auch Einblick in die Gefühlswelt von Erich oder anderen Protagonisten erhalten.

Wie schon in ihren anderen Büchern versorgt uns die Autorin mit zusätzlichen Informationen wie Stadtplan, einem Glossar und einem umfangreichem Nachwort.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem gelungenen Abschluss dieser Trilogie rund um das Mädchenpensionat in Thionville/Diedenhofen, der mich durch seine Turbulenzen und Protagonisten sowie ernsten Themen bestens unterhalten hat, 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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Rezensionen von Daria:

Spannender Sommerthriller

The Surf House von Lucy Clarke

Ich habe vor einer Weile die Bücher von Lucy Clarke für mich entdeckt (mir gefällt es, dass ihre Bücher immer an einem anderen Urlaubsort spielen, in Kombination mit dem Genre Thriller). Entsprechend gespannt war ich auf Surf House - so viel vorweg: Ich wurde nicht enttäuscht, auch wenn es meiner Meinung nach nicht ihr bestes Buch ist.

Das Buch führt einen direkt in ein (fiktives) Surfer-Paradies nach Marokko, lässt aber schnell die düstere Seite hinter der scheinbar perfekten Fassade durchblicken. Es erzählt die Geschichte von Bea, die einen Model-Job in Marrakesch hinwirft und durch eine Verkettung unglücklicher Ereignisse in einem Hostel eines marokkanischen Surfer Ortes Unterschlupf sowie einen Aushilfsjob findet. Auf den ersten Blick sieht alles perfekt aus, allerdings bekommt das Paradies schnell erste Risse. Die Geschichte spielt zu einem großen Teil in der Gegenwart, allerdings gibt es auch immer wieder Rückblicke in die jüngere Vergangenheit. Man erfährt auf diese Weise Ereignisse, die 1 Jahr zuvor stattgefunden haben. Dieser Wechsel zwischen den Zeiten macht das Buch nochmal spannender.
Insgesamt fand ich das Buch recht gut. Durch den lebendigen und bildhaften Schreibstil der Autorin, fühlt man sich direkt in den Sommer an einen Strand versetzt. Es fällt leicht in das Buch einzutauchen und sich die Gegend auszumalen, auch wenn man Marokko noch nicht besucht bzw. mit Surfen nicht viel am Hut hat ???? Für den Sommer eine gute Lektüre. In der Mitte des Buches reißt die Spannung zwischenzeitlich mal ab, aber es lohnt sich dranzubleiben. Das Ende war dann wieder sehr spannend, mit einigen überraschenden Wendungen (ein paar wenige fand ich vorhersehbar, das meiste aber nicht). Allerdings haben mich von der Autorin „One of the Girls“ und „No Escape“ mehr gecatcht, daher gibt es einen Stern Abzug ????

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Rezensionen von Tara:

Eine Zeitreise in die 1980er Jahre

Bis die Sonne scheint von Christian Schünemann

Das Hörbuch „Bis die Sonne scheint“ von dem in Berlin lebenden Autor Christian Schünemann wird von Markus Meyer gesprochen.

Die Handlung beginnt 1983 in Norddeutschland in der Nähe von Bremen. Der 14-jährige Daniel Hormann freut sich auf seine bevorstehende Konfirmation und träumt von einem Samtsakko.

Allerdings hat seine Mutter bereits die Feier ordentlich zusammengestrichen und ihm wird klar, dass seine Konfirmation deutlich kleiner ausfallen wird, als die seiner drei älteren Geschwister.
Seine Eltern Marlene und Siegfried sind Pleite, haben sich verkalkuliert, das Haus müsste dringend renoviert werden und dennoch leben sie über ihre Verhältnisse, um den Schein zu wahren.

Der Erzählweise von Christian Schünemann ist angenehm ruhig und Markus Meyer trifft hier genau die passenden Töne. Es gelingt ihm gut die Atmosphäre der 1980er Jahre einzufangen und ich fühlte mich direkt zeitlich zurückversetzt. Bei mir kamen viele Erinnerungen aus dieser Zeit hoch.

Das Familienleben der Hormanns wird authentisch aus der Sicht von Daniel geschildert. Seinen Unmut über das Verhalten seiner Eltern konnte ich gut nachvollziehen. Ihnen ist es wichtig den Schein zu wahren und Daniel muss zurückstecken.
Zwischendurch gibt es Kapitel aus der Vergangenheit anderer Familienmitglieder. Diese Rückblenden machen deutlich aus was für unterschiedlichen Familien Marlene und Siegfried kommen und wie sie zu den Menschen, die sie sind, geworden sind.

In dem Nachwort berichtet der Autor, dass er sich durch die Briefe seiner Mutter an seine Tante zu diesem Roman inspirieren ließ und seine Familiengeschichte als Grundlage diente.
Die Ereignisse sind wie eine Reise in die 1980er Jahre, an der ich gerne teilgenommen habe.

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