Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Lesendundspielenddurchsleben :
Immer wenn wir ... von Teresa Mossbauer; León Schellhaas
An was denkst du, wenn du an deine Kindheit denkst? Oft sind es die immer wiederkehrenden Rituale, die eine Familie so ausmachen. Mir fiel zum Beispiel ein, dass wir samstags gleich in der Früh immer einkaufen gingen. Ob das Pflanzen von Blumen, gemeinsame Familienessen, der samstägliche Haushaltsputz.
.. all diese kleinen Rituale prägen das Leben als Familie und wurden hier zusammengetragen. Das Besodnere: ganz unterschiedliche Familien erzählen von ihren Traditionen. So zeigt das Buch nicht nur die unterschiedlichen Rituale und Traditionen, sondern auch vielfältige Familienformen. Dabei werden diese nur kurz eingeführt und somit auch normalisiert und nicht "zerredet". Ein wirklich schönes Bilderbuch mit viel zu entdecken!!!
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Beste Krimiunterhaltung
Miss Vergnügen von Martina Parker
Miss Brooks, eine nicht mehr ganz junge Britin, wird auf schnöde Art von ihrem Ehemann wegen seiner schwangeren Sekretärin verlassen. Sie findet Unterschlupf im Ferienhaus ihres Schwagers Bertie am Wiener Mühlwasser sowie einen Job als Visagistin bei Très Loué, also jenem Kosmetik-Unternehmen, in dem er selbst in leitender Funktion tätig ist.
So wie Jacques, der sein Leben vor Kurzem, während einer Veranstaltung in der berühmten Augarten Porzellanmanufaktur in einem der beiden Brennöfen ausgehaucht hat.
Wenig später ist auch Bertie tot - erschossen bei der Verleihung der Parfum-Oscars. Was ist in diesem Kosmetik-Konzern los, dass gleich zwei Führungskräfte ermordet werden? Die Polizei schießt sich auf eine geschasste Parfümeurin ein, die blöderweise Schmauchspuren an der Kleidung hat.
Miss Brooks, deren Vorname so schrecklich ist, dass ihn niemand erfahren darf, beginnt als Mitglied der Très Loué-Familie gemeinsam mit der Journalistin Katja Pötzelberger und dem Très Loué-Testimonial Konstanze Körbler, ein wenig herumzuschnüffeln, einen Ausflug an die Côte d’Azur inklusive. Dabei erfährt das Trio einige Dinge, die, wenn sie bei bekannt würden, den Nimbus des qualitätsbewussten Konzern wie in der Hitze verschmiertes Make-up aussehen ließen.
Sollen diese Machenschaften vertuscht werden? Oder ist alles doch ganz anders?
Meine Meinung:
Dieser Cozy-Krimi, der Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe aus der Feder von Martina Parker ist, hat mich sehr gut unterhalten. Wie ich es von der Autorin der Gartenkrimis, die alle im Südburgenland spielen, gewöhnt bin, zeichnet sich auch dieser durch liebevoll gezeichnete weibliche Charaktere, die durchaus auch bockig und garstig sein dürfen aus.
„Die Hölle ist nichts im Vergleich zur Rache einer Frau.“ (S. 209)
Schauplatz ist diesmal Wien, genauer gesagt die Donaustadt, der 22. Bezirk, der sich vor allem durch seine gemischten Bevölkerung auszeichnet. Neben frisch zugezogenen Jungfamilien, die sich in den zahlreichen Neubaugebieten wie der Seestadt Aspern niedergelassen haben, finden wir auch Alteingesessene aus Stadlau und Aspern, die den Veränderungen wenig abgewinnen können. Es reihen sich hypermoderne Wohnhäuser an Gemeindebauten aus der Zwischenkriegszeit aneinander. Dazwischen liegen die immer seltener werdenden Gärtnereien sowie traditionelle Einfamilienhäuser. Ich lebe selbst seit über 30 Jahren in Essling, das in unmittelbarer Nachbarschaft von Aspern liegt.
Das hört sich dann im Café Pinguin, das wie Martina Parker im Nachwort erklärt, ein reales Vorbild hat, das leider nicht mehr existiert, so an:
„Alle wollen s‘ jetzt in die Donaustadt. Dabei is eh so viel Stau auf der Tangente. Erst kommen die Hipster, dann die Immobilienhaie. Und wir werden verdrängt von Trotteln mit Lastenfahrrädern, die Hafermilch-Caffè-Latte saufen und Mode für ihre Möpse kaufen. Daschiaßen müsst ma die Bagage, daschiaßen.“ (S. 71)
Entzückend ist auch Edi, der Aushilfskellner und Vater vom ermittelnden Polizisten Luka. Edi ist der einzige, der Miss Brooks Vornamen erfährt (ihn aber nicht weitersagt). Ich hoffe, auf die Auflösung des Rätsels in der Fortsetzung.
Sehr gut gefällt mir die Verwandlung von Miss Brooks von der verlassenen Ehefrau, die Sorgenpüppchen am laufenden Band häkelt, zu einer selbstbewusste Frau. Wie sagt der Taxler so treffend:
„Wissen S‘ Gnä‘ Frau, manche Männer sind wie Wolken. Wenn sie sich endlich verziehen, wird es wieder schöner.“ (S- 177)
Ja, Martina Parker hat hier wieder ihre Lebenserfahrung (?) und ihren schwarzen Humor eingebracht, um ihre Leserinnen (ja, absichtlich nicht gegendert) zum Schmunzeln und zum Nicken zu bringen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem fulminanten Reihenauftakt, der mich bestens unterhalten hat, 5 Sterne und freue mich auf eine (oder mehrere) Fortsetzung(en).
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Hat mich nicht ganz überzeugt
Nordseerätsel von Heike Denzau
Inseldetektiv Raphael Freersen ist wieder einmal knapp bei Kasse. Er gibt mehr Geld aus, als er einnimmt, weil er es, anders als die meisten anderen Inselbewohner, es nicht gelernt hat, mit Geld umzugehen, füllt doch seine liebe Mutter das Bankkonto immer wieder auf. Zudem gibt es wenig auf Föhr zu verfolgen, denn die Inselpolizei macht ihre Arbeit korrekt.
So muss er notgedrungen den Auftrag von Hermann Suhrkamps Nichte annehmen, den eigenartigen Postkarten, die ihr Onkel seit einiger Zeit erhält und die subtile Drohungen enthalten, nachzugehen. Raphael ist leicht pikiert, dass er am Sonntag bei Suhrkamp erscheinen und näheres erfahren soll.
Die Überraschung ist groß, als sich herausstellt, dass Hermann Suhrkamp 100.000 Euro seines Vermögens in einem von ihm erdachten Quiz unter seinen Familienmitgliedern ausspielen will. Raphael soll an Stelle der Putzfrau, die aktuell im Krankenhaus liegt teilnehmen. Das versprochene Honorar klingt verlockend, doch eine ganze Woche mit einer ihm gänzlich unbekannten und unsympathischen Familie verbringen? Wenn nur nicht Raphaels Konto so ein fettes Minus anzeigen würde, könnte er diesen ungewöhnliche Auftrag ausschlagen!
Die Regeln für das Spiel sind schräg und erfordern einige Aufmerksamkeit, weshalb der ursprüngliche Auftrag, den ominösen Postkarten nachzugehen, fürs erste einmal in den Hintergrund tritt.
Meine Meinung:
Die Idee, eine große Summe mittels Ratespiel zu verschenken, habe ich witzig gefunden, während die Postkarten und Rückblicke auf mögliche Vergehen in Hermanns Vergangenheit schließen lassen.
Die Familie Suhrkamp ist so gar nicht meine Wunschfamilie, weshalb ich Raphaels Zögern, den Auftrag anzunehmen gut verstehen kann. Jedes Familienmitglied ist in unterschiedlichem Ausmaß egoistisch, geizig und berechnend. Klar, der alte Hermann hat während seines 90-jährigen Lebens ein kleines Vermögen angehäuft, das jede/jeder Einzelne gerne hätte.
Dieser Krimi ist schon der dritte aus der Reihe rund um Raphael Freerson, den ich lese. Ich gebe ja den Protagonisten immer wieder die Chance, sich weiter zu entwickeln. Doch wie schon in den Vorgängern benimmt er sich an vielen Stellen wie ein Pubertierender und nicht wie ein Erwachsener, weshalb ich vermutlich aus dieser Reihe aussteigen werde..
Ein bisschen bin ich von der gesamten Reihe enttäuscht. Ich kenne die andere Reihe rund um Lyn Harms von Heike Denzau, die mir wesentlich besser gefällt.
Fazit:
Der Krimi hat wenig Spannung und die Charaktere wirken nicht sehr sympathisch. Diesmal gibt es nur 3 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine gelungene Fortsetzung
Die Toten auf Föhr von Anna Johannsen
Als man Carolin Schneider und ihre beiden Kinder tot in ihrem Haus auf der Insel Föhr auffindet, ist für die Polizisten aus Flensburg recht schnell klar: Hier liegt ein erweiterter Selbstmord vor. Man schließt die Akte. Erst als Dr. Roland Mattes, Carolins Vater und einflussreicher Mann im Innenministerium, Zweifel am Selbstmord seiner Tochter äußert, wird eine Obduktion angesetzt.
Als das Ergebnis die ursprüngliche Einschätzung zu einem anderen Verdacht führt, wird das LKA und die Inselkommissarin Lena Lorenzen mit dem brisanten Fall betraut.
Gemeinsam mit ihrem Team geht sie die Akten akribisch durch und tritt damit dem Leiter des Flensburger Kommissasriat Moormann, gehörig auf die Zehen. Im Laufe der Ermittlungen stellt sich dann heraus, dass Moormann sich recht schnell in den Fall eingemischt hat und nicht alles, was seine Mitarbeiter herausgefunden haben, ist auch protokolliert worden.
Neben dem komplexen Fall, der ihre gesamte Aufmerksamkeit erfordert, hat Lena Lorenzen mit privaten Turbulenzen zu kämpfen, denn die Abmachung mit ihrem Ehemann Erck, wer wann für das gemeinsame Kind Zeit aufbringt, ist das sprichwörtliche Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben steht. Es scheint, dass trotz aller Beteuerungen die Hauptlast von Haushalt und Familie auf Lenas Schultern ruhen sollen.
Als sich bei den Ermittlungen eine bislang unbekannte Spur auftaucht, gerät André Schneider, ein scheinbar erfolgreicher Finanzberater, ins Visier der Ermittler.
Meine Meinung:
Lena Lorenzen und ihr Team drehen jeden Stein mindestens zwei Mal um, und machen sich damit in Flensburg keine Freunde. Daneben haben sie es mit einem Staatsanwalt zu tun, der gerne alles 200% wasserdicht haben will, um seine eigene Karriere nicht zu gefährden. Gut gefällt mir, dass Kriminalrätin Nielsen, die Leiterin im LKA, Lena Lorenzen und ihrem Team den Rücken frei hält.
Wie immer wird auf die Eigenheiten von Land und Leuten eingegangen. Dazu passt das Cover, das einen langen Sandstrand zeigt perfekt.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Inselkrimi 4 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Penibel recherchiert und gekonnt erzählt
Der Totengräber und die Pratermorde (Die Totengräber-Serie 4) von Oliver Pötzsch
Oliver Pötzsch entführt uns in das Jahr 1896, in dem die Ausstellung „Venedig in Wien“ viele Neugierige in den Wiener Prater zieht. Die staunenden Besucher können in wackeligen Gondeln durch künstliche Kanäle fahren. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Der Wiener Prater Anziehungspunkt ist für allerlei Gelichter und Streitereien unter den Schaustellern sind an der Tagesordnung.
Um den nicht immer ganz legalen Geschäften ungestört nachgehen zu können und die Wiener Polizei vom Prater fern zu halten, hat sich eine Art Prater-Gerichtsbarkeit etabliert, die kleinere oder größere Raufhändel schlichtet und andere Vergehen zwischen den Schaustellern und Artisten ahndet.
Der Prater vermittelt einen trügerischen Glanz. Seit einigen Wochen sind mehrere Frauen abgängig. Man nimmt an, dass sie einem spendablen Gönner gefolgt sind. Dass dem nicht so ist, wird Anna, die Ziehtochter des Totengräbers Augustin Rothmeyer, bei einem Fußballspiel auf der Hohen Warte entdecken.
Doch zunächst schlägt der neue Zaubertrick der zersägten Jungfrau, der im Theater Ronacher gezeigt wird, fehl: Die Assistentin des Zauberers stirbt vor dem entsetzten Publikum unter dem sich auch Julia Wolf, die Reporterin befindet. Sie schleicht sich hinter die Bühne und beginnt die Anwesenden auszufragen. Damit kommt sie Kriminalinspektor Leo von Herzfeldt ins Gehege, der sich wenig später auch noch mit den vermissten Frauen beschäftigen muss.
Meine Meinung:
Wie wir es von Oliver Pötzsch und seinen historischen Romanen gewöhnt sind, erhalten wir auch hier einen penibel recherchierten und opulent erzählten Krimi aus dem Wien der Jahrhundertwende. Schmunzeln musste ich über die detaillierte Beschreibung der Rothschild‘schen Gärten auf der Hohen Warte und dem damaligen Fußballplatz des First Vienna Cricket and Footballclub. Der Fußballplatz, eine Naturarena, besteht heute noch, auch wenn man nun häufiger American Football als Fußball spielt. Ich habe ein paar Erinnerungen an meine Kindheit, als ich auf den Schultern meines Vaters sitzend, das eine oder andere Fußballspiel kommentiert habe.
Auch der Prater und seine damaligen Attraktionen, darunter die Ausstellung „Venedig in Wien“ oder der Auftritt der „Schlangenfrau“ mit ihrer Boa Constrictor, sind sehr gut beschrieben. Die erwähnte, noch im Planungsstadium befindliche Geisterbahn, gibt es mit ein paar Änderungen heute noch. Der Calafati wacht nach wie vor über das Geschehen, auch wenn die Fahrgeschäfte und Attraktionen nun ganz andere sind. Auf den Blumencorso muss man inzwischen mangels gekrönter Häupter allerdings verzichten.
Wer bei einem Wien-Besuch auf Julias und Leos Spuren wandeln will, dem sei das Prater-Museum und natürlich der Zentralfriedhof empfohlen.
Sehr interessant finde ich die entomologischen Studien, die Augustin Rothmeyer durchführt. Üblicherweise kennen wir sie nur von CSI-Folgen oder von True-Crime-Büchern, wenn über Bodyfarmen gesprochen wird. Dass man sich in Wien mit Neuerungen immer wieder schwer getan hat, zeigt auch die kritische Betrachtung, die Leo bei der Verwendung der der Daktyloskopie entgegengebracht wird. Offiziell wird sie erst 1902 in der ganzen Monarchie eingeführt. Ein nächster Meilenstein wird dann Rudolf Schneider (1873-1951) gelingen: Er erfindet 1909 die „Folie zur Abnahme und Fixierung von Fingerabdruckspuren“ (in einschlägigen Kreisen auch „Wiener Folie“ genannt), die die Abnahme und Archivierung der Fingerprints erleichtert.
Der erwähnte Skandal, bei dem die privaten Bestatter auch handgreiflich um Leichen gestritten haben, gab es tatsächlich. Daraus folgt, dass ab 1907 ausschließlich die Stadt Wien mit ihrer gemeindeeigene Firma „Gemeinde Wien - Städtische Leichenbestattung“ Bestattungen durchführen durfte. Inzwischen ist das Monopol aufgelassen.
Neben der fesselnden Krimihandlung, die uns tief in menschliche Abgründe blicken lässt, dürfen wir auch die private Geschichte von Julia und Leo weiterverfolgen. Schmunzeln muss ich auch, wenn Rothmeyers Ziehtochter Anna tief in der Pubertät steckt und der Totengräber ausgerechnet Leo um Rat fragt.
Der Schreibstil ist wie immer flüssig, der Sprachduktus der Zeit und dem Milieu angepasst. Für alle jene, die im Wiener Dialekt nicht ganz so bewandert sind, gibt es im Anhang ein Glossar.
Fazit:
Oliver Pötzsch hat mich mit diesem historischen Krimi sehr gut unterhalten. Ich gebe ja gerne zu, ein zwiespältiges Verhältnis zum Prater zu haben, da ich in der Nähe aufgewachsen bin und daher auch die weniger glitzernde Tagesansicht des nächtlichen Vergnügungspark kenne. Von mir erhält dieser 4. Band wieder 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Tara:
Über das Leben
Ja, nein, vielleicht von Doris Knecht
„Ja, nein, vielleicht“ ist ein Roman von der in Österreich lebenden Autorin Doris Knecht, der aus dem Leben gegriffen ist.
Die Handlung beginnt mit einem Zahnarztbesuch der Ich-Erzählerin. Durch den Verlust eines Zahnes wird ihr ihre eigene Endlichkeit bewußt.
Ihre Kinder sind gerade ausgezogen, das Leben verändert sich, sie kommt zum Nachdenken und wir dürfen ihren Gedanken folgen.
Die Protagonistin bleibt – wie auch schon in ihrem vorherigen Buch – namenlos und auch hier bleibt offen, was authentisch und was fiktiv ist.
Es sind alltägliche Situationen und emotionale Herausforderungen, die Doris Knecht mit einer einzigartigen Beobachtungsgabe in Worte fast. Ihr Schreibstil ist angenehm zu lesen, es gibt Momente, die nachdenklich machen und welche die mich zum Lachen gebracht haben. Es sind Auszüge aus einem normalen Leben, in dem Familie, Bekannte, Freunde und Beziehungen eine Rolle spielen. Genau das ist es auch, was dieses Buch interessant macht. Es ist nicht spannend im klassischen Sinne, aber einnehmend, da hier einfach das Leben, in dem sich jeder wiederfinden kann, gelungen dargestellt wird.
Die Kapitel sind kurz und ich war fast ein wenig enttäuscht wie schnell ich das Buch durch hatte.
Da ich mich gerade an einem ähnlichen Lebenspunkt wie die Protagonistin befinde, hat mich dieser klug erzählte Roman nachdenklich gestimmt und ich habe ihn gerne gelesen.
Rezensionen von Emmmbeee:
Trotz allem hoffnungsvoll
Furye von Kat Eryn Rubik
Drei Mädchen, die sich in der gemeinsam besuchten Schulklasse finden und zu Freundinnen werden. Jede von ihnen hat ihre Schwierigkeiten zu tragen, doch gemeinsam fühlen sie sich unbesiegbar. Als das Leben an Härte zunimmt, werden sie zu Furien, planen Selbstjustiz, rächen, töten. Ja, auch das. Doch der Roman endet versöhnlich und voller Hoffnung, zumindest für die einzige der drei Furien, die wirklich im Leben angekommen ist und ausschöpfen kann, was es ihr bietet.
Viele von uns dürften sich in ihnen erkennen, und besonders gegen Schluss ist es eine sehr bewegende Geschichte. Doch trotzdem hätte ich Alec manchmal am liebsten daran gehindert, das zu tun, was in der Folge geschah. Sehr viel Schmerz für so junge Leute, Verwirrung, Hilflosigkeit, Ausgeliefertsein, Zerrissenheit, Gewissensbisse (deshalb auch „Furien“ gemäß der griechischen Mythologie).
Die Autorin kehrt in ihren Erinnerungen immer wieder zurück in die Jugend, die Anfangsjahre der Protagonistinnen. Damit der Leser das besser nachvollziehen kann, ändert sie bei den Rückblicken die Schrift, aber da muss man schon genau hinsehen. Ich fand diesen Kniff jedenfalls gekonnt und raffiniert.
Mir gefällt der stimmige Sprachstil, der auf das jeweilige Alter der Erzählerin Alec eingeht und mal erwachsener, mal jugendlicher klingt. Die Umschlaggestaltung ist eine Wohltat fürs Auge, gerade während der jetzigen Hitzewelle. Er täuscht eine Ferienstimmung am kühlen Pool vor, aber Achtung: Der Roman ist KEINE leichte Sommerlektüre. Er geht ordentlich unter die Haut.
Rezensionen von Move it:
Eddie – Ein Kinder-Pharao erwacht
Eddie (Band 1) - Achtung, die Mumie ist los! von Christiane Rittershausen
Cleos und Mariks Eltern sind zwei absolute Archäologie-Nerds. Daher haben sie auch herzlich wenig mitzureden, als Cleos Vater und Mariks Mutter für eine Ausgrabung nach Kairo ziehen und sie mitnehmen. Das Besondere an dieser Situation ist, sie bringen die Mumie mit.
So wird auch die Überfahrt etwas anders.
Ein beeindruckender, bläulicher Käfer lockt Cleo und Marik zu dem Steinsarkophag. Bisher befand dieser sich (samt Inhalt) im Besitz von Sir Edmund Wilcox, der sich rühmte die Mumie persönlich entdeckt zu haben. Im Frachtraum des Schiffes entdecken Cleo und Marik jedoch eine Vertiefung, die wie gemacht war, für das gefundene Amulett. Nichtsahnend vervollständigen sie den Sarkophag. Doch was sie kurz darauf auf dem Deck des Containerschiffs beobachten, verschlägt ihnen die Sprache. Ein Mumie die Skateboard fährt, jahrtausendealte Sprüche klopft und den Getränkeautomaten mit Goldmünzen füttert.
Daraufhin ist die Mumie verschwunden. Etwas was ihre Eltern in höchste Aufregung versetzt. Doch wie sollten sie das erklären? (Zumal die Mumie nicht verschwunden ist.)
So beginnt die ungewöhnliche wie aufregende Freundschaft von Cleo, Marik und Eddie - einen Kinder-Pharao, der einfach wissen möchte, wer er ist. – Allerdings belauschen Cleo und Marik höchst Verdächtiges auf der Ausgrabungsstätte. Und so begeben sich die drei Freunde (und natürlich Pillepalle) auf Grabräuberjagd, welche sie tief in die Grabkammer und die Geschichte einer einstigen Zeit führen.
Ein gekonnt abenteuerlicher wie kindgerechter erster Band zu dieser Buchreihe. Die Geschichte wird dabei von schwarz-weiß-orangen Illustrationen begleitet, welche gut zu dem ägyptischen Setting passen.
Eine packende wie witzige Geschichte über Freundschaft mit einer liebenswerten Mumie, die gerne wieder ihr Gehirn hätte, auf Zombie-Comics abfährt und die eigenen künstlerischen Fähigkeiten entdeckt. - Und wer weiß, vielleicht stammen die Zeichnungen in diesem Buch von Eddie. Wenn nicht hat die Illustratorin Maja Bohn den passenden Stil gewählt.
Ein toller Auftakt für eine Geschichte, welche die drei Freund (auf der Suche nach Eddies Identität) sicher noch durch das ein oder andere Abenteuer führen wird.
Rezensionen von FogandBooks:
Eine WG zum Verlieben, ein Musiker mit Herz und ganz viel Cozy-Vibe
One song apart - London Hearts 1 von Lorena Schäfer; Valentina Fast
Schon nach den ersten Seiten hat mich One Song Apart vollkommen abgeholt. Der Schreibstil von Larissa Schäfer und Valentina Fast ist locker-leicht und zieht einen direkt mitten ins WG-Leben rund um Quinn. Die Erzählweise macht es leicht, in der Geschichte zu versinken – und genau das habe ich getan.
Quinn ist für mich eine echte Herzensfigur: witzig, warm, sympathisch und einfach jemand, den man selbst gern zur Freundin hätte. Besonders schön fand ich, wie die verpasste erste WG-Nacht noch nachgeholt wurde. Dieser Moment hat direkt gezeigt, was für ein tolles Miteinander in der WG herrscht – hier stimmt die Chemie, und man möchte am liebsten selbst mit einziehen.
Milo war von Anfang an interessant. Zwar kamen seine Gedanken zu Quinn schnell und eindeutig, aber er wirkt gleichzeitig bodenständig und überraschend reflektiert. Besonders spannend fand ich den Kontrast zwischen seinem öffentlichen Image als Musiker und seiner zurückhaltenden, beinahe scheuen Art im Privaten. Gerade dieser Gegensatz macht ihn so greifbar. Und ja – die Szene mit den Lieblingsblumen war einfach zum Dahinschmelzen. Ich bin mir fast sicher, dass da ein Strauß auf seinem Hausboot steht.
Der Abschnitt rund um Bristol und die Party hat mich besonders begeistert. Die Dynamik zwischen Quinn und Milo ist zauberhaft, das Knistern spürbar, aber es bleibt auch humorvoll und süß. Auch Nebenfiguren wie Pippa bekommen Tiefe – sie hat definitiv ihre eigenen Kämpfe zu führen, und ich hoffe sehr, in Band 2 mehr von ihr zu lesen. Ihre familiäre Situation hat mich ehrlich berührt.
Das Ende kam schneller als gedacht – und mit einer Wendung, die ich nicht habe kommen sehen. Die Enthüllung rund um Lee war ein echter Schlag, gerade weil die gemeinsame Vergangenheit mit Milo so intensiv war. Dass Milo hier so klar und konsequent reagiert hat, fand ich bewundernswert. Es zeigt, wie wichtig Selbstwert und Abgrenzung sind – auch (oder gerade) in alten Freundschaften. Umso schöner, dass Quinn erkennt, wie aufrichtig Milos Entschuldigung war. Ein kleines Highlight zum Schluss: die Leseprobe zu Band 2 mit Pippa. Ich kann es kaum erwarten, ihre Geschichte zu lesen!
Fazit: One Song Apart ist eine smarte und süße YA-Geschichte mit Cozy-Vibes, tollen Charakteren und genau der richtigen Portion Drama. Wer auf Herzklopfen, Humor und echte Emotionen steht, wird dieses Buch lieben.
Absolute Empfehlung – und Vorfreude auf Band 2 ist garantiert!
Rezensionen von PeLi:
wo ist Alice?
Im Finsterwald von Marie Hermanson
Ein Ausflug ins Naturhistorische Museum von Göteborg wird für die Familie Guldin zum Albtraum, als die neunjährige Alice plötzlich spurlos verschwindet. Die Kinder der Familie sind zusammen mit dem jungen Kindermädchen Maj im Museum unterwegs, als das Unglück geschieht. Hauptwachmeister Nils Gunnarsson übernimmt die Ermittlungen in diesem rätselhaften Fall, bei dem nicht nur das Museum selbst voller Geheimnisse steckt.
Das Buch hat mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Über weite Strecken zog sich die Handlung, und vor allem die Dialoge sowie die Polizeiarbeit wirkten oft etwas merkwürdig, vielleicht war das aber auch der damaligen Zeit geschuldet, in der die Geschichte spielt.
Viele der Figuren blieben mir eher unsympathisch. Besonders irritiert hat mich, wie gleichgültig einige Charaktere auf das Verschwinden der kleinen Alice reagierten, so, als würde man das einfach hinnehmen.
Erst im letzten Drittel nahm die Spannung zu, und das Ende war dann tatsächlich nochmal überraschend und hat ein paar Punkte gutgemacht.
Trotz der genannten Kritikpunkte ließ sich das Buch insgesamt flüssig lesen. Es war keineswegs schlecht, nur eben nicht ganz das, was ich erwartet hatte. Daher gibt es von mir solide 4 von 5 Sternen.











