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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Bücherfreundin:

Ein Leben für die Kunst

Peggy Guggenheim von Mona Horncastle

In seiner Reihe "Reihenweise kluge Frauen" hat der Molden Verlag bereits neun Biografien veröffentlicht, drei davon stammen aus der Feder der deutschen Autorin Mona Horncastle. Im 10. Band geht es um die Amerikanerin Peggy Guggenheim, die sich als bedeutende Kunstmäzenin, Sammlerin und Galeristin der Kunst des 20.

Jahrhunderts widmete.
Das gebundene Buch ist sehr liebevoll und hochwertig gestaltet. Es umfasst 224 Seiten und ist in sechs Kapitel gegliedert, zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotos, die dem Leser Peggy Guggenheims Leben und Wirken nahebringen, ergänzen die Texte.

Peggy wird 1898 als zweite von drei Töchtern der Eheleute Benjamin und Florette Guggenheim geboren. Die Familie ist vermögend, die Kinder wachsen inmitten von Luxus auf und werden von Privatlehrern zuhause unterrichtet. Als der Vater 1912 beim Untergang der Titanic ums Leben kommt, erbt Peggy ein umfangreiches Aktienpaket, das es ihr ermöglicht, mit Eintritt ihrer Volljährigkeit ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Sie liebt die Literatur, wendet sich aber nach einer monatelangen Europareise mit zahlreichen Museumsbesuchen der Malerei des 20. Jahrhunderts mit den Schwerpunkten Surrealismus und abstrakter Expressionismus zu. 1937 eröffnet sie eine Galerie für moderne Kunst. Wenig später vergrößert sich mit dem Tod ihrer Mutter ihr Vermögen beträchtlich, und sie beginnt, im großen Stil Kunstobjekte zu erwerben, bevor der Zweite Weltkrieg ihre Pläne, ein Museum zu eröffnen, zunichte macht ...

Das interessante Buch ist in sachlicher und klarer Sprache geschrieben und gibt uns nicht nur Einblicke in Peggys Leben und ihr Wirken für die Kunst, sondern auch in ihre Herkunft und die ihrer Familie. Sie liebt die Kunst, sie liebt auch die Männer und hat viele Affären. Peggy pflegt zahlreiche Kontakte, sie feiert gern und oft, und sie zeigt sich äußerst großzügig gegenüber Freunden und der Familie. Zielstrebig geht sie ihren Weg, wir erleben ihre Anfänge als Kunstsammlerin und Galeristin, die auch Werke von Künstlerinnen zeigt, was für die damalige Zeit ungewöhnlich ist. Sie rettet bedeutende Kunstobjekte jüdischer Künstler und sogenannte "entartete Kunst" vor dem Zugriff der Nationalsozialisten. Später ist es ihr ein Anliegen, junge und unbekannte Künstler durch Geldzuwendungen und Ausstellungen zu unterstützen.
Die Autorin beschreibt neben Peggys schillernder Persönlichkeit auch ihr kompliziertes Privatleben mit all seinen Höhen und Tiefen. Sie heiratet zweimal und bekommt zwei Kinder, für die sie sich jedoch nur wenig Zeit nimmt.

Ich habe die Biografie, deren Schwerpunkt auf Peggys leidenschaftlichem Wirken für die Kunst liegt, sehr gern und mit großem Interesse gelesen und dabei viel über die Kunstszene des 20. Jahrhunderts erfahren. Es fiel mir allerdings nicht gerade leicht, mir die unzähligen im Buch vorkommenden Namen bzw. deren Bezug zu Peggy einzuprägen.  

Leseempfehlung für alle, die sich für Kunst und ein leidenschaftliches Leben für die Kunst interessieren!

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Rezensionen von Lese:

Spielerisch lernen, wie das Internet funktioniert

Das Internet von Larissa Suzuki

Dieses Buch habe ich eigentlich für meine 9-jährige, technikinteressierte Enkelin gedacht, weil es ihr auf spielerische und verständliche Weise erklärt, wie das Internet funktioniert. Aber ich fand es so informativ und lebendig gestaltet, dass ich es in einem Rutsch durchgelesen habe.
Sie erfährt darin nicht nur, welche Sprache Computer sprechen oder wie Daten übertragen werden, sondern kann auch selbst aktiv werde, zum Beispiel beim Programmieren, beim Erstellen sicherer Passwörter oder als KI-Detektivin.

Das Sachbuch ist toll und farbenfroh aufgemacht, mit witzigen Comics, Experimenten und Mitmach-Aufgaben. Gleichzeitig vermittelt es Wissen über Sicherheit im Netz und den verantwortungsvollen Umgang mit Social Media.
So passt das Buch perfekt zu ihrer Neugier, fördert ihr Interesse an Technik und MINT-Themen und auch ich konnte noch einiges dazulernen.
Besonders schön finde ich, dass wir beim Lesen und Ausprobieren gemeinsam ins Gespräch kommen und uns gegenseitig Neues zeigen können.

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Rezensionen von nessabo:

Das fragmentarische, sensible Porträt eines Lebens zwischen den Welten

Onigiri von Yuko Kuhn

Während ich mit japanischer Literatur bislang eher nicht komplett gematcht habe, gab es aus dem deutsch-japanischen Autor*innenfeld schon das ein oder andere Highlight. „Onigiri“ reiht sich für mich im positiven Sinne ein.

Yuko Kuhn hat einen leisen Roman geschrieben, der sich doch gleichermaßen eindringlich mit einem Leben zwischen zwei Welten befasst.

In ihm reist Protagonistin Aki mit ihrer dementen Mutter Keiko ein letztes Mal nach Japan und reflektiert parallel dazu nicht nur über den Werdegang ebenjener, sondern auch über ihre eigenen Kindheitserinnerungen und Schlüsselmomente.

Besonders geschickt finde ich die Struktur der Erzählung. Denn obwohl sie auch zu einer gewissen Kompliziertheit beiträgt, spiegelt sie in sich die innere Zerrissenheit Akis wider. Jedes Kapitel teilt sich in den Gegenwartsstrang, also den Besuch in Japan, und einen Erinnerungsteil. Letzterer ist dabei immer stark familienbezogen, dahingehend aber sehr divers gehalten. Mal geht es um die Großeltern, mal den Vater und dann wieder um Akis Bruder. Die beiden Teile sind strukturell nur sehr dezent voneinander getrennt und ich verstehe, dass dies das Leseverständnis hemmen kann. Ich konnte mich nach einer kurzen Gewöhnungsphase glücklicherweise sehr gut drauf einlassen und denke auch, dass es bei diesem Werk genau darauf ankommt.

Die vermittelten Gefühle sind unheimlich vielschichtig, manchmal richtiggehend widersprüchlich. Besonders die Mutter-Tochter-Beziehung steht logischerweise im Zentrum der Geschichte und wird begleitet von nahen wie distanzierten Momenten. Kuhn schafft es eindrücklich, einen dichten Text zu schreiben, ohne ins Abwertende oder Pathetische abzuschweifen. Vielleicht trägt ihre eigene Biografie dazu bei, in jedem Fall finde ich die Selbstreflexion von Protagonistin und Autorin bemerkenswert.

Ganz nebenbei thematisiert Kuhn alltäglichen Rassismus, der trotz ihrer nüchternen Schreibweise unter die Haut geht. Auch kulturelle Unterschiede werden am Beispiel ihrer deutschen bzw. japanischen Familie messerscharf verhandelt. So sammelt dieser Roman eine schiere Fülle an Erfahrungen und fügt sie zu einem Mosaik zusammen.

Demenz ist in der Literatur nun wirklich nicht selten Thema, aber die sensible, leise und gleichzeitig aufwühlende Schilderung der Autorin ist eine ganz besondere. Teilweise genügte ein Satz, eine Frage der Mutter, um in mir alles zum Stocken zu bringen. Aki gilt für ihren Umgang mit dieser furchtbaren Erkrankung meine absolute Bewunderung, gleichzeitig war aber auch ihre Trauer für mich deutlich spürbar.

Die Autorin baut auf sehr viele japanische Begriffe und Wendungen, was ich ja immer ambivalent bewerte. Sehr authentisch und passend auf der einen Seite, störend für meinen Lesefluss auf der anderen. Das Glossar ist ganz toll, lässt sich im eBook aber nur unpraktisch nutzen. Abgesehen davon kann ich aber wirklich maximal nur an der ein oder anderen langatmigeren Stelle mäkeln.

Ein Buch für alle, die sich für kulturelle Unterschiede sowie Identitätssuche interessieren und die sich von leisen, fragmentarisch erzählten Romanen mit einigen Zeitsprüngen nicht abschrecken lassen.

4,5 Sterne

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Rezensionen von yellowdog:

Widerstand

Badjens. Roman von Delphine Minoui

Badjens ist ein Buch, dass von der Kindheit und Jugend eines Mädchens im Iran erzählt und wie sie die vielen Beschränkungen im Land gegen Frauen wahrnimmt.
Badjens ist 2006 geboren. Es wird konsequent aus ihrer Perspektive erzählt.
Es zeigt sich ein Stimmung der Jugend gegen Kopftuch und Einschränkung der Rechte von Frauen, die zu Widerstand führt.

Nach dem Tod von Mahsa Amini 2022 kommt es zu deutlichen Protesten und Badjens schließt sich an.
Delphine Minoui wählt eine moderne Sprache, um ihre Hauptfigur lebendig werden zu lassen und es gelingt ihr.

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Rezensionen von gerlisch:

Locked-Room-Thriller unter sengender Sonne

Der Stau von Jo Furniss

Kommissarin Belinda, die gerade von einer Auszeit aus Australien zurückkehrt, gerät in einen Stau. Als sie in einem Auto einen Toten entdeckt, wird ihr schnell klar, der Mörder muss noch in der Nähe sein, denn niemand kann hier weg und scheinbar niemand hat etwas gesehen.

Jo Furniss lässt in diesem Thriller ein Szenario entstehen, ein endloser Verkehrsstau auf einer britischen Autobahn.

Dies wirkt scheinbar simpel, doch es entsteht hier durch Hitze, unterschwelliger Gefahr und der psychischen Belastung eine beklemmende Atmosphäre.

An den Schreibstil musste ich mich erst gewöhnen, denn er wirkte auf mich zunächst abgehackt. Die Protagonistin Belinda, verpasst jedem Charakter einen Spitznamen, dies hat mich ein zwar bisschen irritiert, doch durch diese Eigenart zeigt sie bei ihren Ermittlungen ihre Unsicherheit und innere Unruhe.

Eigentlich eine ganz interessante Story, denn durch den Stressfaktor Stau zeigen sich hier die unterschiedlichsten menschlichen Abgründe, doch die Handlung wird immer mal wieder von absurden Szenen unterbrochen, die den Lesefluss etwas stören.

Das Buch lässt sich aber flüssig lesen und ich habe mich unterhalten gefühlt.

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Rezensionen von Eternal-Hope:

Über die Wirkung patriarchaler Machtstrukturen

Weibliche Macht neu denken von Eva Thöne

Die Journalistin, Redakteurin und Leiterin des Kulturresorts des "Spiegel", Eva Thöne, hat ein Buch mit dem Titel "Weibliche Macht neu denken" veröffentlicht. Eine Frau, die fast gleich alt ist wie ich, und selbst in einer Führungsposition, das macht mich neugierig auf das Buch.

Als eine, die sich schon sehr viel mit diesem Thema beschäftigt hat, ist vieles, was im Buch dargestellt wird, erst einmal eine Wiederholung für mich: es geht um die uralten patriarchalen Machtstrukturen, die Frauen aus dem öffentlichen Bereich fernhalten wollen und bis heute nachwirken. Das schildert die Autorin eindrucksvoll anhand eines aktuellen Beispiels: auch heute melden sich im beruflichen Bereich in Diskussionen Frauen viel weniger zu Wort, und wenn sie das tun, werden sie damit weniger gehört, es wird auf ihre Beiträge weniger eingegangen und sie werden öfter übergangen oder abgewertet.

Dazu gibt es viele bekannte Studien und Beispiele. Es geht um den schmalen Grat, auf dem Frauen in der Öffentlichkeit sich bewegen, zwischen als zu schrill, zu laut, zu fordernd oder gar "hysterisch" abgewertet zu werden oder unsichtbar und machtlos zu bleiben. Um die einzig wirklich akzeptierte machtvolle traditionelle Frauenrolle: die der Mutter, die aber ihre eigenen Nachteile mit sich bringt, Frauen auch beruflich in ein enges Korsett zwingt, das oft ihrer Persönlichkeit gar nicht entspricht (man denke an die kinderlose und gar nicht sehr mütterliche Angela Merkel, der doch schnell der Spitzname "Mutti" samt passenden Zuschreibungen verpasst wurde) und um die Omnipräsenz männlicher Rollenbilder, Mythen und Narrative, wie sich auch etwa an dem allseits so verbreiteten Schema der "Heldenreise" zeigt.

Es geht um Frauen, denen von Haus aus nur dann Machtpositionen zugestanden werden, wenn die Erfolgschancen schon gering sind: das wird bei der Analyse von Kandidatinnen in Wahlkreisen genauso sichtbar wie bei einer amerikanischen Präsidentschaftswahl, bei der der greise Joe Biden erst spät Platz für seine Nachfolgekandidatin Kamala Harris machte, die dann bekanntlich auch gegenüber Donald Trump unterlag.

Was mir persönlich in diesem Buch ein bisschen zu kurz gekommen ist, ist tatsächlich das "neu denken" aus dem Titel. Von einem Buch mit diesem Titel hätte ich mir etwas anderes erwartet, als ich bekommen habe: nämlich nicht zu mindestens 3/4 eine Aufarbeitung von dem, was bisher war und schief läuft, sondern viel mehr neue und bisher unbekannte Ansätze für weibliche Macht. Ich hätte gern mehr darüber gelernt, wie weibliche Macht ganz anders aussehen kann als männliche, und Rollenvorbilder dafür kennen gelernt: dieses Thema kommt nach meinem Empfinden im Buch aber nur am Rande vor, als kleine eingestreute Tipps nebenbei, beispielsweise wenn es um die Archetypen der "großen Schwester" oder der "weisen Frau" in Ergänzung zur "Mutter" geht. Davon hätte ich mir mehr gewünscht.

Sehr interessant wurde es für mich im Buch auch immer dann, wenn über eine allgemeine Analyse hinaus die Autorin als Mensch für mich spürbar wurde, also wenn sie gelegentlich Geschichten und Erfahrungen aus ihrem Leben geteilt und mit dem Thema des Buches verbunden hat, auch davon hätte ich gerne mehr gelesen und das würde ich mir für zukünftige Bücher von ihr wünschen, sofern sie bereit ist, das von sich zu teilen (natürlich exponiert man sich damit auch mehr, mit allen damit verbundenen Risiken, das ist mir bewusst).

Insgesamt finden sich im Buch also viele nachdenklich machende Beispiele für die Benachteiligung von Frauen, die bis heute nachwirkt. Das macht auch den größten Teil des Buches aus. Allen, die sich mit diesem Thema bisher erst wenig beschäftigt haben, kann ich das Buch sehr empfehlen, weil es fundiert aufzeigt, wie tief das Patriarchat und dessen Denkweisen nach wie vor in fast allen Bereichen unserer Gesellschaft tief verwurzelt sind.

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Rezensionen von nessabo:

Ein fein erzähltes und emotional unglaublich starkes Debüt

Wohin du auch gehst von Christina Fonthes

Das war ein sehr unerwartetes Highlight! Geschichten, die über mehrere Zeitebenen hinweg und aus verschiedenen Perspektiven heraus erzählt werden, gefallen mir generell sehr gut. Und doch bin ich ohne besondere Erwartungen in die Lektüre gegangen.

Was gleich zu Beginn und auch im Verlauf immer wieder deutlich wird: Christina Fonthes hat eine ganz besondere Stimme, die mich gleichermaßen gepackt wie berührt hat.

Sie schreibt sprachlich zugänglich und authentisch, behält sich aber stets eine angenehme Sensibilität bei. Außerdem hat sie ein echtes Händchen für kleine Hints, die nicht zu viel von der Handlung vorwegnehmen und später makellos wieder eingefangen werden.

Auch thematisch ist dieser Roman meisterinnenhaft! Ganz zentral geht es um familiären Druck, Religion, Kultur, Identität und Queerness. Fonthes erzählt ehrlich und echt, schafft es aber auch, Schmerzhaftes nur so weit auszuerzählen, dass es sich beim Lesen nicht traumatisch anfühlt. Emotional hat mich die Geschichte trotzdem an so vielen Stellen tief berührt und manchmal regelrecht zerrissen!

An den Figuren gibt es ebenso nichts auszusetzen! Sowohl Bijoux als auch ihre Tante Mira sind vielschichtige Figuren mit einer komplexen Geschichte und einer ebenso komplexen Beziehung zueinander. Besonders der Umgang von Eltern mit ihren Kindern ist in diesem Roman oft unglaublich schmerzhaft! Gleichzeitig verpasst es die Autorin nicht, ihren Lesenden auch heilsame Elemente zu schenken - ganz besonders in Form weiblicher Solidarität und Stärke.

Ich konnte wirklich einige Geschehnisse der Erzählung erahnen und doch war ich zutiefst bewegt, wenn sie dann entsprechend aufgeklärt wurden. Das spricht in meinen Augen für Fonthes’ großes Talent! Die Autorin schreibt so gut, dass sie auf überflüssige Spannungselemente getrost verzichten kann. Durch das geschickte Vermitteln kongolesischer Geschichte habe ich auch wirklich viel über die Demokratische Republik Kongo, früher Zaire, gelernt.

Der einzige Punkt, den ich zumindest ambivalent sehe, ist die Verwendung verschiedener Lingala-Begriffe und -Sätze. Einerseits trägt sie extrem zur Authentizität der Geschichte bei und die Kursivschreibung sowie das angeschlossene Glossar sind hilfreiche Tools. Andererseits konnte ich mir die Übersetzungen trotzdem so schlecht merken, dass ich ständig noch einmal nachsehen musste, was meinen Lesefluss behindert hat.

Ich bin aber viel zu begeistert von diesem bemerkenswerten Debüt, als dass ich irgendetwas von der Wertung abziehen würde. Es ist in vielerlei Hinsicht eine Geschichte über Befreiung und ihr Schluss einfach nur ein Paukenschlag. Lest unbedingt diesen spannenden, feinfühligen und auch schmerzhaften Roman!

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Rezensionen von yellowdog:

Konflikt ohne Ausweg

Israel von Sabine Adler

Sabine Adler, die schon sehr klug über Russland geschrieben hat, weiß auch über Israel Bescheid. Sie hat fundiertes Wissen sowohl über die aktuell Lage als auch über die Geschichte Israels. Sie war vor Ort und hat mit vielen gesprochen.
Entscheidend für die heutige dramatische Lage war der 7. Oktober 2023 mit dem Massaker durch die Hamas.

Dann die radikalen Reaktion Israels. Es stellen sich viele Fragen, wie es weitergehen wird. Adlers Buch führt zu den richtigen Fragen. Erschöpfende Antworten kann es nicht geben.

Sabine Adler schreibt detailreich.
Das ergibt ein nahezu spannendes Sachbuch. Eine lohnende Lektüre.

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Neuer Stil mit viel Meta-Ebene

Die Assistentin,2 Audio-CD, 2 MP3 von Caroline Wahl

Zum Hörbuch: Die Autorin erfährt ja unglaublich viel Kritik für ihre Lesung. Stimmen werden von Menschen unterschiedlich empfunden, daher ist hier eine legitime Meinungsäußerung auch völlig okay. Was teilweise an ableistischer, sexistischer Abwertung passiert, ist selbstredend absolut daneben. Ich empfand ihre Stimme bei Standardgeschwindigkeit auch nicht als angenehm, aber ich höre sowieso nie auf dieser Stufe, weil mir das immer absurd verlangsamt vorkommt.

Auf 1.5x oder 1.75x fand ich die Autorin ehrlicherweise sehr passend, zumal es einen netten Touch hat durch all die Meta-Einordnungen ihrerseits. Dass sie keine professionelle Sprecherin ist, merkt mensch allerdings schon an einigen Stellen (kleine Stocker, unterschiedliches Tempo, unnatürliche Pausen). Ich bin daher hin- und hergerissen, was die Lesung angeht. Ich fand sie nicht optimal, aber auch keineswegs so schlimm wie andere.

Zum Buch selbst: Die Erzählerin (Autorin?) begleitet die Protagonistin und gibt durchweg auf Meta-Ebene Kommentare zur Gestaltung der Handlung ab. Ich persönlich mochte diese stilistische Form gern, auch das sehr häufige und wiederholte Foreshadowing hat mir gut gefallen. Das ist aber generell ein Element, das ich schätze. Die Autorin lässt meiner Meinung nach noch genug Raum für Überraschung und außerdem denke ich, dass es vielmehr um die Botschaften zwischen den Zeilen geht als um die Handlung selbst.

Gleichzeitig ist Wahl in ihren Botschaften auch nicht extrem deutlich. Sie hat ihre Protagonistin nicht unbedingt super sympathisch geschrieben und nur mit Spuren von Selbstreflexion, die dann aber auch quasi nie in ein entsprechend angepasstes Verhalten resultieren. Die Autorin seziert ein sich verschlimmerndes Machtverhältnis, die völlige Ausbeutung in der Verlagsbranche und konkurrenzgeprägte Arbeitsumfelder im Allgemeinen. Durch das oben erwähnte Foreshadowing hat sie bei mir angenehmerweise dafür gesorgt, dass ich weniger beklemmt war. Ich verstehe aber auch, dass das von anderen als zu repetitiv und vorwegnehmend empfunden wird.

Als Hörbuch fand ich den Roman durchaus unterhaltsam, kann aber entsprechend nicht sagen, ob er mir in geschriebener Form nicht zu langweilig gewesen wäre. Insgesamt gesehen passiert schon recht wenig auf den 280 Seiten, da hätte mir ein geringerer Umfang auch gereicht.

Nichtsdestotrotz habe ich Charlotte gern begleitet, auch wenn ich sie nicht lieb gewonnen habe. Doch darum sollte es bei der grundlegenden Kritik auch nicht gehen, die besteht unabhängig von Sympathien. Und gleichzeitig hatte ich nicht den Eindruck, dass Wahl ihre Protagonistin kritiklos betrachtet. Denn diese opfert für ihren eigenen Erfolg auch durchaus Kolleginnen und sehnt sich gleichzeitig nach (weiblicher) Solidarität. Diese Ambivalenz fand ich auf Figurenebene pointiert dargestellt.

Caroline Wahl hat sich hier an etwas für sie literarisch Neues gewagt und ich empfinde den Versuch als gut gelungen. Da es eine durchaus gewagte Erzählform ist, wird der Roman sicherlich weiter polarisieren. Sie wird nicht zu meiner Lieblingsautorin werden (schon aus anderen Gründen nicht) und es gibt auch deutlich bessere Romane über Machtmissbrauch, aber mich hat die etwas skurrile Meta-Ebene abgeholt.

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Rezensionen von nessabo:

Bis zur Hälfte ein positiver Rausch, dann wurde es mir zu skurril

Gym von Verena Keßler

Ach, Mensch, wie schade! Ich liebe Verena Keßlers Schreiben seit ihrem letzten Roman „Eva“, deshalb war ich SO gespannt auf ihr neues Buch. Erst recht, als das dann auch noch gut besprochen wurde. Trotz meiner sehr hohen Erwartungen war ich bis zur Hälfte fest davon überzeugt, dass ich ein weiteres grandioses Werk der Autorin in den Händen halte.

Naja, und dann kam halt die zweite Hälfte…

Erst einmal zum Positiven: Keßler hat mich mit ihrer Erzählweise gleich zu Beginn eingesaugt und ich hatte einen tollen Lesesog. Die Prämisse der Handlung ist mega spannend und die Protagonistin moralisch grau, aber das mag ich ganz gern. Immer wieder bekommen wir kleine Schnipsel offenbart, die eine dunkle Vergangenheit andeuten - dieses Foreshadowing hat mir gut gefallen. Zudem habe ich darauf hingefiebert, ob und wie die Lüge ihrer angeblichen Mutterschaft auffällt. Auch die Strukturierung des Buches finde ich clever gewählt. Angelehnt an dramatische Akte gibt es thematisch passend drei Sätze. Form und Inhalt greifen so zunehmend ineinander.

Meine Begeisterung bekam ab der Hälfte leider langsam Risse bis ich am Ende doch ziemlich enttäuscht war. Ja, es können gewisse gesellschaftskritische Elemente aus dem Text gelesen werden. So werden Themen wie Mutterschaft, Leistungsgesellschaft und Körperbilder verhandelt. Doch im Vergleich zu „Eva“ verliert sich Keßler meinem Empfinden nach in der skurrilen Überspitzung ihrer Protagonistin. Diese entwickelt eine Körperobsession, die mir einfach too much war, und adaptiert ein Verhalten, das ich teilweise richtig abstoßend fand. Das ist natürlich Geschmacksache und so obsessive Verhaltensweisen sind üblicherweise nicht mein Fall.

Im kurzen dritten Satz wird dann einfach nur noch extrem viel angedeutet, kaum etwas auserzählt und ich bekam abschließend das Gefühl, es mit einer unzuverlässigen Erzählerin zu tun zu haben - auch so GAR nicht meins! Mir fehlte es dann zunehmend an kritischem Biss und ich hatte vielmehr den Eindruck, ein experimentelles Horror-Werk zu lesen. Der Schluss verlor so leider auch an Aussagekraft.

Wer obsessive Geschichten mit Ekelelementen und zunehmend düster werdendem Grundton mag, hat hier ein Buch, das sich auf jeden Fall sehr gut lesen lässt und unterhaltsam ist. Ich bleibe Keßler treu, weil ich den Vorgänger so geliebt habe, aber „Gym“ war für mich leider nur zu etwa 60 % passend.

3,5 Sterne

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