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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Iomarmi:

Gelungene Fortsetzung!

Entkörpert – Entgeistert von Christoph Gschoßmann

Bereits wenige Monate nach dem Erscheinen des dritten Bandes hielt ich nun den vierten in den Händen. Umso leichter fiel es mir, wieder in die Geschichte einzutauchen. Obwohl ich Luka in den ersten Kapiteln vermisst habe, mochte ich die Perspektivwechsel sehr, da sie einen vielschichtigen Einblick in die Ereignisse bieten.

Wie gewohnt ist der Schreibstil flüssig und angenehm. Einzig Lukas Körperreisen und die Erinnerungen, die er durchlebt, lassen mich manchmal den Faden zwischen Realität und Traum verlieren. Dennoch kann man der Geschichte insgesamt sehr gut folgen.

Auch in diesem Band lernen wir neue Personen kennen (hier ist das Personen- bzw. Körper- und Geistverzeichnis am Ende des Buches ideal, um nicht den Überblick zu verlieren), die ihren Beitrag zum großen Ganzen leisten. Leider ist es nun aber auch an der Zeit, sich von der ein oder anderen Figur zu verabschieden.

Besonders interessant fand ich, wie in anderen Gemeinschaften mit dem Körperreisen umgegangen wird. Auch die Forschung bekommt ihren Raum und spielt eine bedeutende Rolle.

Während der dritte Band etwas ruhiger war, geht im vierten die Post ab. Action und Spannung sind vorprogrammiert, denn der Widerstand handelt!

Entkörpert – Entgeistert ist eine starke Fortsetzung der Reihe, die spüren lässt, dass der große Showdown näher rückt. Momentan kann ich mir noch nicht vorstellen, wie die Reihe ausgeht und wie es mit der Einheit und dem Widerstand weitergeht. Umso gespannter bin ich darauf, was sich der Autor überlegt hat – und freue mich sehr auf die letzten beiden Teile.

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Rezensionen von lectrice:

Hochgenuss

Tod zur Teestunde (Susan Ryeland ermittelt 3) von Anthony Horowitz

Ich liebe die Krimis von Anthony Horowitz, denn sie sind in ihrer Art zu erzählen immer etwas ganz Besonderes und heben sich von der Masse ab.
Alan Conway ist tot, aber die Atticus-Pünd-Reihe soll dennoch weitergehen und so soll Eliot Grace, ein junger Autor, den letzten Band der Reihe schreiben.
Und auch hier werden wieder mehrere Erzählebenen geschickt miteinander verwoben.

Im letzten Fall von Atticus Pünd geht es um den Mord an Lady Chalfont, aber eigentlich ging es Eliot Grace darum über den Tod seiner Großmutter zu schreiben und im Roman den Mörder zu entlarven - und kurze Zeit später ist der Autor tot. Ausgerechnet Susan Ryeland, seine Lektorin, wird verdächtigt. Aber dies ist ja schon der dritte Fall für Susan Ryeland.
Anthony Horowitz schreibt auch hier wieder genial und es ist wieder ein Krimi im Krimi mit einer verblüffenden Auflösung - wie immer ein Hochgenuss.

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Rezensionen von Anilam:

Reise nach Usbekistan

Und zuletzt Buchara von Stephanie Clasemann

Und zuletzt Buchara ist eine sehr atmosphärische Erzählungen, die mich vor allem mit ihrer eindrucksvollen Beschreibung von Usbekistan überzeugen konnte. Die Reiseorte der kleinen Reisegruppe wirken sehr lebendig, fast schon meditativ und man spürt, dass die Autorin Stephanie Clasemann einen Bezug zum Land, Kultur und der Spiritualität haben muss.

Im Buch lernen wir Gesa, Marc und Sonja kennen und begleiten die drei auf ihre Reise durch Usbekistan. Die Figuren haben interessante Charaktere, allerdings war ihr Verhalten für mich nicht immer greifbar und nachvollziehbar. Vieles blieb während der Erzählung unausgesprochen und manches war mir einfach zu knapp erzählt. Dadurch ist zwar Spannung entstanden, aber gleichzeitig auch das Gefühl, dass emotionale Entwicklungen etwas zu schnell gehen oder nicht genügend Raum bekommen.

Am Schluss gab es einen großen Wendepunkt, dieser war für mich sehr berührend und hat der ganzen Erzählung etwas mehr Tiefe gegeben. Einige Verhaltensweisen der Charaktere wurden für mich etwas durchsichtiger, dennoch hätte auch hier etwas mehr Kontext nicht geschadet.

Insgesamt ist es ein ruhiges, bildhaftes Reisebuch mit einer schönen Atmosphäre und einen emotionalen Kern. Leider bliebt das erziehlicheres manchmal zu knapp für meinen Geschmack. Trotzdem eine lohenden Lektüre, besonders für Leser, die spirituelle und kulturell reiche Reisestoffe mögen.

3,5 Sterne

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Rezensionen von nil_liest:

Wie erzählt man eine Wahrheit, die in Flammen steht?

Der brennende Garten von V. V. Ganeshananthan

V. V. Ganeshananthan gehört zu jenen Autorinnen, die politische Geschichte nicht einfach erzählen, sondern literarisch beleuchten, als würde sie unter der Oberfläche einer persönlichen Erinnerung nach glühenden Splittern suchen – und genau diese Funken schlagen in Der brennende Garten (aus dem Amerikanischen von Sophie Zeitz) unentwegt über.

Dieser Roman ist eine Wucht – nicht laut, nicht reißerisch, sondern eindringlich, vielstimmig und atmosphärisch dicht wie ein monsunfeuchter Morgen in Jaffna. V.V. Ganeshananthan gelingt das Kunststück, ein zutiefst politisches Thema so intim zu erzählen, dass man die Geschichte weniger liest als miterlebt. Schon Sashis Eröffnungssatz – ein Brief an jemanden, den die Welt als Terroristen verurteilt – öffnet ein erzählerisches Tor, hinter dem die Frage lauert, wem Erinnerung eigentlich gehört.
Wir folgen Sashi von ihrer Jugend in Sri Lanka bis in ihr späteres Leben in New York. Und während sie am Anfang voller Zuversicht ist – Medizinstudium, Vorbilder in der Familie, ein zartes Band zu K aus der Nachbarschaft – setzt der Bürgerkrieg alles in Flammen. Was in warmen, fast flirrenden Farben beginnt, kippt Stück für Stück ins Dunkel: Unterdrückung, Gewalt, Misstrauen, das gefährliche Schachspiel zwischen singhalesischer Mehrheit, tamilischer Minderheit und internationalen Interessen.
V.V. Ganeshananthan zeigt diese Welt nicht mit distanzierender Chronistenstimme, sondern durch Sashis Erinnern. Dieses Erzählen aus der Rückschau erzeugt eine Bitterkeit, eine Schärfe, aber auch überraschend viel Zärtlichkeit – denn die Figuren bleiben nie nur Opfer oder Täter, nie nur richtig oder falsch. Besonders bewegend ist, wie unterschiedlich die Familienmitglieder reagieren: Der eine sucht Schutz in Bildung, der andere in Widerstand, ein dritter in Loyalität zu einer Idee, die größer erscheint als das eigene Leben. Und mitten drin Sashi, die sich weigert, die Welt nur in Schwarzweiß zu betrachten, und deren Kampf für Gerechtigkeit leise, aber kraftvoll ist.
Literarisch beeindruckend ist vor allem die Balance: Die Autorin fügt persönliche Schicksale, reale historische Ereignisse und sprachliche Feinheit zusammen, ohne je den Blick für die menschliche Erfahrung zu verlieren. Ihre Sätze besitzen eine Eleganz, die sich nicht scheut, in Schmerz zu tauchen.
Wer wenig über Sri Lanka weiß, wird hier nicht belehrt, sondern hineingezogen. Der Roman erklärt nicht – er zeigt, er lässt spüren, er zwingt dazu, zuzuhören. Selbst die Szenen in New York, wo Sashi längst in Sicherheit ist, tragen die Schwere der Vergangenheit in sich. Migration erscheint hier nicht als einfacher Neuanfang, sondern als Fortsetzung einer offenen Wunde, die ihren eigenen Rhythmus hat.
Der brennende Garten ist kein Roman, durch den man rast. Er verlangt Zeit, Luft, Pausen. Aber gerade darin liegt seine literarische Größe: Er wirkt nach, er stellt Fragen, er lässt nicht los.
Ein meisterhaft erzähltes Werk voller moralischer Ambivalenz, politischer Klarheit und emotionaler Tiefe – und zweifellos eines der wichtigsten Bücher über den sri-lankischen Bürgerkrieg in der aktuellen Literatur.

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Rezensionen von nil_liest:

Träume unter Kontrolle – und die leise Rebellion der Hoffnung

Das Dream Hotel von Laila Lalami

Wenn selbst unsere Träume keine Zuflucht mehr sind, was bleibt uns dann? Diese Frage durchzieht Laila Lalamis Das Dream Hotel, das zu Recht auf der Longlioste des Women’s Prize for Fiction 2025 steht. In einer nahen Zukunft, die sich beklemmend real anfühlt, hat der Staat gelernt, auch das Unbewusste zu vermessen – und damit das Innerste des Menschen in Daten zu verwandeln.

Sara Tilila Hussein, erfolgreiche Geschäftsfrau, Ehefrau und Mutter, wird am Flughafen verhaftet, weil ihre Traumdaten angeblich ein Risiko darstellen: Sie könnte ihrem Mann gefährlich werden. Kein Verbrechen, kein Motiv – nur ein Algorithmus, der Misstrauen in Wahrscheinlichkeiten gießt. Ihre „Unterbringung“ im sogenannten Dream Hotel – einem ehemaligen Schulgebäude, das nun Hightech-Gefängnis, Forschungslabor und profitables Datenzentrum zugleich ist – wird zum Albtraum aus Formularen, Befragungen und Entmündigung.
Laila Lalami entwirft eine Dystopie, die entfernt an Orwells 1984 erinnert, aber weiblicher, leiser und psychologisch schärfer erzählt ist. Während Überwachung und Angst allgegenwärtig sind, durchzieht den Roman etwas Überraschendes: Hoffnung. Nicht die naive, sondern die trotzige, die überlebt, weil sie sich weigert, aufzugeben. Zwischen Schlafphasen, Protokollen und Träumen formt sich bei Sara eine leise Widerständigkeit – das Wissen, dass Menschlichkeit dort beginnt, wo Kontrolle endet.
Die Erzählstruktur spielt mit Fragmenten – offizielle Dokumente, Sitzungsprotokolle, AGBs, Traumsequenzen – und schafft so ein Netz aus Bürokratie und Emotion. Gerade in diesem Wechsel liegt die Kraft des Romans: Er zeigt, wie leicht Freiheit erodiert, wenn Bequemlichkeit und Sicherheit Hand in Hand gehen.
Und doch bleibt Das Dream Hotel kein trostloses Buch. Es ist ein Roman über das Beharren auf Selbstbestimmung – darüber, dass Hoffnung auch in einem System aus Glaswänden und Schlafsensoren überleben kann. Laila Lalami schreibt kühl und poetisch zugleich, präzise und doch voller Empathie.
Fazit: Ein kluger, eindringlicher Roman über Überwachung, Angst und den Mut, nicht alles als gegeben hinzunehmen. Das Dream Hotel ist weniger ein Albtraum als ein Weckruf – und gerade darin liegt seine Hoffnung.

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Rezensionen von April1985:

Bad Santa is calling

Ring the Bells von C. K. McDonnell

Ich bin seit Band 1 ein riesiger Fan von Bancroft und seinem Team der Stranger Times. 'Ring the Bells' war daher ein absolutes Must Read für mich. Und ich muss schon sagen, dass es die perfekte vorweihnachtliche Lektüre war. Ein Buch, das mich wunderbar vom Weihnachtsstress abgeholt und mich bestens unterhalten hat.

Dieses Mal muss sich das Team der Stranger Times mit einem besonders perfiden Hacker, einem selbsternannten Hexenzirkel, und einem dämonischen Weihnachtsmann auseinander setzen. Mit dabei natürlich auch DI Sturgess, dem die seltsamen Vorfälle längst nicht mehr wundern. Und man trifft auf einige lieb gewonne Sidekicks und Nebencharaktere wie Zeke und John Mór. Ich empfehle daher unbedingt die Bücher davor auch zu lesen. Vorallem weil auch die Geschichten der Protagonisten weiter erzählt werden und so manches Geheimnis aus derem Leben gelüftet wird. In diesem Fall haben wir mehr von Stella und Manny erfahren. Es gibt einige berührende Momente, die in starkem Kontrast zu dem sonst so skurillen und überzogenen Humor stehen. Wobei genau dieser der Grund ist, warum ich die Bücher so mag. Ich liebe und feiere den bitterbösen Humor des Autors einfach, der auch im Deutschen nicht verloren geht. André Mumot hat großartige Übersetzungsarbeit geleistet.

Fazit:
Ein unglaublich unterhaltsamer neuer Band der Stranger Times, der mir die Adventszeit mit bitterbösem Humor versüßt hat. Vielleicht hätte es der eine oder andere Handlungsstrang weniger sein können. Trotzdem große Empfehlung!

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Rezensionen von Der blaue Mond:

verschachtelte Spannung

Tod zur Teestunde (Susan Ryeland ermittelt 3) von Anthony Horowitz

Das ist meine erste Berührung mit Susan Ryeland. Es fängt ziemlich harmlos an, Susan fühlt sich auf Kreta persönlich nicht wohl und es zieht sie zurück in die englische Heimat, London. Als Lektorin wird ihr ein neues Buch angeboten, das ziemlich interessant klingt. Also greift sie zu und das Drama gewinnt an Fahrt.

Trotz der beinahe 600 Seiten wird es nicht langweilig, im Gegenteil, nach und nach baut sich ein zweiter Fall auf, verschachtelt Buch im Buch. Immer wieder überschneiden sich die Stränge, Personen und Geschehnisse. Susan wird immer mehr hineingezogen in beide Fälle. Ich liebe die Anagramme und die doppelten Charaktere. Es ist eine gute Mischung aus Sherlock Holmes und Escape Rätseln. Mit durchweg britischem Understatement und Humor, ich fühlte mich bestens unterhalten. Also bestens geeignet für Leser, die die guten alten Krimis lieben und sicherlich auch eine prima Filmvorlage.

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Rezensionen von April1985 :

Bad Santa is calling

Ring the Bells von C. K. McDonnell

Ich bin seit Band 1 ein riesiger Fan von Bancroft und seinem Team der Stranger Times. 'Ring the Bells' war daher ein absolutes Must Read für mich. Und ich muss schon sagen, dass es die perfekte vorweihnachtliche Lektüre war. Ein Buch, das mich wunderbar vom Weihnachtsstress abgeholt und mich bestens unterhalten hat.

Dieses Mal muss sich das Team der Stranger Times mit einem besonders perfiden Hacker, einem selbsternannten Hexenzirkel, und einem dämonischen Weihnachtsmann auseinander setzen. Mit dabei natürlich auch DI Sturgess, dem die seltsamen Vorfälle längst nicht mehr wundern. Und man trifft auf einige lieb gewonne Sidekicks und Nebencharaktere wie Zeke und John Mór. Ich empfehle daher unbedingt die Bücher davor auch zu lesen. Vorallem weil auch die Geschichten der Protagonisten weiter erzählt werden und so manches Geheimnis aus derem Leben gelüftet wird. In diesem Fall haben wir mehr von Stella und Manny erfahren. Es gibt einige berührende Momente, die in starkem Kontrast zu dem sonst so skurillen und überzogenen Humor stehen. Wobei genau dieser der Grund ist, warum ich die Bücher so mag. Ich liebe und feiere den bitterbösen Humor des Autors einfach, der auch im Deutschen nicht verloren geht. André Mumot hat großartige Übersetzungsarbeit geleistet.

Fazit:
Ein unglaublich unterhaltsamer neuer Band der Stranger Times, der mir die Adventszeit mit bitterbösem Humor versüßt hat. Vielleicht hätte es der eine oder andere Handlungsstrang weniger sein können. Trotzdem große Empfehlung!

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Rezensionen von nil_liest:

Zwischen Tango und Projektorlicht – Litas Reise ins Herz der Geschichten

Mr. Saitos reisendes Kino von Annette Bjergfeldt

Lita wächst in einem Leben auf, das vom ersten Atemzug an aus dem Takt der gewöhnlichen Welt fällt. Ihre Mutter Fabiola – eine Frau, die den Tango nicht nur tanzt, sondern im Blut trägt – wirbelt sie durch eine Kindheit, die von Leidenschaft, Chaos und plötzlichen Wendungen bestimmt ist. Als die politischen Verhältnisse ihrer Heimat ihnen den Boden unter den Füßen wegziehen, geraten Mutter und Tochter auf eine abgelegene Insel vor Neufundland: ein Ort, an dem der Wind Geschichten erzählt und die Menschen eher dem Meer vertrauen als ihrem eigenen Glück.

In einem alten Seemannsheim, bevölkert von schrägen, aber herzoffenen Gestalten, findet Lita eine neue Welt, die langsam – völlig unerwartet – zu ihrem Zuhause wird. Dort begegnet sie Oona, der gehörlosen Tochter der Gastgeber, deren stille Stärke mehr sagt als jedes Wort. Und eines Tages rollt ein Mann namens Mr. Saito seinen Projektor aus, spannt ein Laken in die salzige Luft und bringt Bilder, Hoffnung und Veränderung auf diese windumpeitschte Insel. Seine Ankunft bleibt nicht ohne Folgen: Für die Bewohner, für Fabiola – und vor allem für Lita.
Was Annette Bjergfeldt daraus formt, ist ein Roman, der weniger eine Geschichte erzählt als ein Leben einatmet. Ihre Sprache hat eine Musikalität, die spürbar macht, dass sie nicht nur Autorin, sondern auch Musikerin ist. Jeder Satz wirkt rhythmisch gesetzt, jede Szene wie ein leuchtendes Bild, das langsam in die nächste überblendet. Man liest und hat das Gefühl, der Roman sei selbst eine Art Wanderkino: lichtdurchflutet, melancholisch, manchmal flackernd, aber immer mit Wärme und stiller Kraft.
Stark ist vor allem die Art, wie Bjergfeldt Emotionen nie breit ausmalt, sondern sie in kleinen, präzisen Momenten aufflammen lässt. Wenn die Inselbewohner in Mr. Saitos Filmen Dinge erkennen, die sie sich selbst nicht zu sagen trauen – unerfüllte Wünsche, verlorene Träume, heimliche Hoffnungen –, dann spürt man, dass Kino hier mehr ist als Unterhaltung: Es ist ein Spiegel, eine Rettungsleine, ein geheimer Raum. Besonders Lita findet im Licht des Projektors etwas, das ihr Leben neu ausrichtet – nicht wie ein Paukenschlag, sondern wie ein langsames, inneres Aufleuchten.
Die Erzählstruktur, die sich in sieben „Wellen“ gliedert, spiegelt nicht nur das Auf und Ab von Litas Lebensreise, sondern schenkt dem Roman einen ruhigen, fließenden Rhythmus. Manche Passagen wirken beinahe träumerisch, als würde man im Gleichklang mit der Brandung lesen. Wer rasante Handlung sucht, könnte hier ungeduldig werden – aber wer sich gerne in atmosphärische Welten fallen lässt, wird sich in diesem Tempo verlieren wie in einem langen Kinonachmittag, der im Dämmerlicht endet.
Was jedoch am stärksten nachhallt, ist dieses Gefühl, dass Familie nicht immer die ist, in die man hineingeboren wird, sondern jene, die einen auffängt, wenn man aufs offene Meer hinaustreibt. Die Freundschaft zwischen Lita und Oona, die exzentrischen Seemänner, der wortkarge Mr. Saito – sie alle werden zu Ankern in einem Leben, das von Anfang an auf Bewegung eingestellt war.
Mr. Saitos reisendes Kino ist ein Roman voller Zwischentöne: melancholisch, warm, humorvoll, poetisch. Ein Buch, das nicht laut ruft, sondern leise bleibt – und gerade deshalb lange im Herzen vibrierend zurückbleibt. Ein großes, stilles Kino, das zeigt, wie sehr Geschichten verändern können. Und wie manchmal schon ein flackerndes Bild auf einem weißen Laken reicht, um ein Leben ins richtige Licht zu rücken.

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Rezensionen von nil_liest:

Wie findet man zurück ins Leben, wenn alles verschwunden scheint?

Lass uns noch bleiben von Saskia Luka

Manchmal reicht schon ein einziger Straßenzug in Kreuzberg, um ein Gefühl von Zuhause wachzurufen – genau so erging es mir mit diesem Buch. Saskia Luka fängt diese besondere Mischung aus urbanem Chaos und stillen Rückzugsorten so zart ein, dass ich mich sofort wieder zwischen Mehringdamm und Planufer wähnte.

Und mittendrin Anna, deren kleines Pflanzenrefugium wie ein grünes Herz im Asphalt schlägt.
Ihr Leben ist ins Wanken geraten, seit ihre Freundin einfach verschwunden ist – ohne Nachricht, ohne Anker, ohne Erklärung. Während draußen das Kiezleben weiterflirrt, zieht Anna sich zurück in ihr Grün, in Töpfe und Triebe, in dieses sanfte Chaos aus Erde und Hoffnung. Es ist ein stilles, verletzliches Anfangskapitel, das wunderbar zeigt, wie man sich an die Dinge klammert, die noch nicht zerbrochen sind.
Was mich sofort berührt hat, war diese liebevolle Nachbarschaftsdynamik. Henning mit seinem Antiquariat – ein Mann, der alte Bücher behandelt, als wären sie scheue Tiere – bietet eine Wärme, die nicht künstlich wirkt, sondern wie echter Kiezalltag: Menschen, die sich nicht aufdrängen und doch da sind, wenn’s dunkel wird.
Und dann wirbelt Alex hinein, so spontan, lebendig und herrlich unberechenbar, dass Anna gar nicht anders kann, als ein kleines Stück aufzutauen. Die beiden brechen schließlich gemeinsam auf, um nach der verschwundenen Freundin zu suchen – eine Reise, die ich viel sanfter, überraschender und emotionaler fand, als ich es erwartet hätte. Kein Roadmovie, eher ein vorsichtiges Wieder-zum-Leben-Finden.
Was diesen Roman für mich so besonders macht, ist seine stille Kraft. Die Geschichte rauscht nicht, sie drängt nicht – sie tastet sich vorwärts. Manchmal langsam, fast zögerlich, aber immer poetisch, warm und mit einem Blick für die kleinen Momente, die man im echten Leben so oft übersieht. Wer Tempo und Drama sucht, landet hier vermutlich nicht im richtigen Regal. Wer aber Geschichten mag, die einen leise anschubsen, statt laut zu rütteln, wird sich wunderbar aufgehoben fühlen.
Für mich ist Lass uns noch bleiben ein Buch, das wie ein Nachmittag auf einem Kreuzberger Balkon wirkt: Ganz unspektakulär – und trotzdem bleibt etwas im Herzen hängen. Eine sanfte Geschichte über Verlust, neue Wege und darüber, wie ein einzelner Mensch reichen kann, um wieder Licht ins eigene Leben zu tragen.

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