Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Claudia R.:
Illustrationen zum Träumen
Lass deine Träume fliegen von Nathalie Seïdou
Klappentext / Inhalt:
Eine Ode an die Einzigartigkeit aller Lebewesen mit ihren Träume und Wünsche
Die kleine Hexe Kamille ist beseelt von einer tiefen Neugier auf die Welt und das Leben. Sie träumt davon, endlich fliegen zu können – bis hoch zu den Sternen, die mit der Blauen Fee über die Erde wachen.
Schon schwebt sie über den Wolken und macht sich auf den Weg. Dabei begegnet sie vielen anderen Tieren. Wovon träumen sie? Was ist deren innigster Wunsch? Kamille staunt über die Einzigartigkeit aller Lebewesen und ihrer Träume. Erfüllt von einer tiefen Zuneigung schafft sie es schließlich bis zu den Sternen zu fliegen, wo die Blaue Fee sie liebevoll empfängt. Zurück in ihrem Baumhaus wacht Kamille auf – war alles nur ein Traum?
Cover:
das Cover ist wunderschön und sehr detailreich umgesetzt. Abendlich, verträumt macht es einen sehr liebevollen und herzerwärmenden Eindruck. Viele unterschiedliche Tiere sind hier in der nächtlichen Natur erkennbar und im Glanz der Sterne und Pflanzen umgesetzt. Das Bild ist wunderschön erfasst und es gibt jede Menge darauf zu entdecken. Die wichen Konturen und die warmen Farben machen eine schöne Atmosphäre aus.
Meinung:
Ein wundervolles Kinderbuch über die Träume und das Träumen gespickt mit so manchen tieferliegenden Botschaften. Die kleine Hasenhexe Kamille hat einen Traum und bei ihrer Suche trifft die auf viele unterschiedliche Tiere und dessen auch sehr verschiedne Träume. Ein tolles und herzerwärmendes Kinderbuch und eine zauberhafte Gute-Nacht Geschichte.
Inhaltlich möchte ich hier nicht vorgreifen und halte mich mit weiteren Details und Informationen dazu zurück.
Der Schreibstil ist angenehm und lässt sich sehr gut und flüssig lesen. Die Texte je Doppelseite sind kurz gehalten und dabei dennoch gut verständlich.
Die Illustrationen sind einfach zauberhaft und so wunderschön. Die Zeichnungen sind sehr ausdrucksstark und man kann sich in diesen verlieren und wird zum Träumen eingeladen. Die Farben sind toll gewählt, aber auch die weichen Konturen und die wunderschönen Details der Zeichnungen geben dem Ganzen eine einzigartige Atmosphäre und Tiefe. Die Bilder sind einfach wunderschön und erzählen schon selbst ihre ganz eigene Geschichte.
Der Text rundet das Ganze perfekt ab und auch die Botschaften darin sind sehr schön und passend gewählt. Ein wundervolles Kinderbuch mit liebevollen Botschaften und ausdrucksstarken Illustrationen.
Fazit:
Ein wundervolles Kinderbuch mit liebevollen Botschaften und ausdrucksstarken Illustrationen.
Rezensionen von Nele33:
toller Auftakt
Nichts ist vergessen von Jo Adler
"Nichts ist vergessen" des Autors Jo Adler ist in meine Augen ein vielversprechender Auftaktband zu einer Reihe mit sehr viel Entwicklungspotential.
Franziska Löwe bekommt bei einem neuen Fall einen Kollegen aus dem Sauerland zugeteilt, der nicht nur gerade erst bei der Mordkommission angefangen hat, sondern auch mit ihrem Chef verwandt ist.
Dies ergibt für Tom Herbst keinen glücklichen Einstieg und Franziska geht auch erst einmal auf Abwehr.
Der Fall den Franziska und ihr Team lösen müssen spielt letztendlich auf 2 Zeitebenen und verbirgt ein trauriges Familiengeheimnis, welches niemals an Öffentlichkeit kommen sollte.
Die 17-jährige Sally steht im Mittelpunkt der Ermittlungen, soll sie doch ihren Englischlehrer erstochen haben. Sie schweigt zu den Vorwürfen, wie zu allen anderen Fragen die ihr gestellt werden. Franziska hat einen Bezug zu der Schule, war doch ihr Vater an der Schule Lehrer, sie selber hat diese allerdings nie besucht, da es sich um eine teure Privatschule handelt. Sie ist während er Ermittlungen hin- und hergerissen zwischen Professionalität und Emotionen. Alles scheint bei einer Stufenfahrt 1990 seinen Anfang genommen zu haben und zieht Kreise bis in Gegenwart und dem aktuellen Fall.
Mir gefällt das buntgemischte Team sehr gut, bringt es doch Abwechslung in die Krimi-Landschaft und bietet noch einiges an Möglichkeiten. Ton und Franziska sind im Laufe der Ermittlungen ein wenig zusammen gewachsen mit einiger Luft nach oben.
Mich hat "Nichts ist vergessen, sehr gut unterhalten und ich freue mich auf einen Folgeband.
Rezensionen von Anjulia :
Winterwissen für kleine Entdecker
Wieso? Weshalb? Warum? junior, Band 31 - Tiere im Winter von Andrea Erne
Wieso? Weshalb? Warum? junior, Band 31 - Tiere im Winter von Andrea Ernen und Anne Ebert lädt zur Entdeckung der heimischen Tierwelt im Winter ein. Auf acht Doppeltseiten erfährt man, wie sich Wildtiere im Herbst auf die kalte Jahreszeit vorbereiten. Außerdem wird erklärt, dass es Vögel gibt, die vor dem Winter in den Süden fliegen, was es mit dem Winterfell auf sich hat und wie Tiere im Winter Futter finden.
Auch Winterschlaf, Winterruhe und Winterstarre werden vorgestellt. Zum Ende des Buches gibt es noch ein Suchspiel mit Tierspuren. Der Text ist informativ und für zwei- bis vierjährige Kinder geeignet. Nicht zu lang oder zu kompliziert, sodass er sich gut zum Vorlesen eignet. Tiere sind in diesem Alter sehr oft ein beliebtes Thema. Deshalb ist dieses Buch für neugierige Kinder auch besonders interessant. Wirklich schön sind die vielen farbigen Illustrationen. Ich finde es zuckersüß, wenn man die Entdeckerklappen öffnet und sieht, wie ein Eichhörnchen eine Nuss vergräbt oder wie sich eine Haselmaus für den Winterschlaf einkuschelt. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich kann es für jüngere Kinder ab etwa zwei Jahren auf jeden Fall weiterempfehlen.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Nichts für Zartbesaitete!
Die Last der Sonne von Matthias Häussler
Gleich vorweg, dieses Buch ist nicht einfach zu lesen. Das liegt vor allem daran, weil es sich mit einem Thema beschäftigt, das gerne tot geschwiegen wird: Dem Völkermord in Deutsch Südwestafrika zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Erst 2021 (!) hat Deutschland den Völkermord an den OvaHerero anerkannt und sich offiziell entschuldigt.
Die deutsche Kolonialvergangenheit nach wie vor nicht wirklich aufgearbeitet.
Doch zurück zu den Anfängen:
Spät aber doch, ist das Deutsche Kaiserreich 1884 auf den längst abgefahrenen Zug des Kolonialismus aufgesprungen. Dass das Land von nomadisch lebenden Stämmen bewohnt wird, ist den Deutschen egal. Wie aus diversen Unterlagen hervorgeht, ist Bismarck keineswegs ein glühender Verfechter des Kolonialismus und hat sich sehr lange dagegen ausgesprochen, unter anderem deswegen, weil Kolonien kaum administrierbar wären. Die Kosten/Nutzenrechnung würde nicht aufgehen. Er wird Recht behalten, muss sich aber dem Kaiser, der so manchem Einflüsterer erlegen ist, beugen.
Ursprünglich als „Lüderitz’sche Besitzung“ von einem Kaufmann gegründet, wird der Landstrich „Deutsch-Südwest“ zur deutschen Kolonie in Afrika. 1890 unterschreiben die Herero einen „Schutzvertrag“ mit den Deutschen mit weitreichenden Folgen
1904 erheben sich die OvaHerero gegen die deutsche Kolonialherrschaft. Bei dem Versuch, den erbitterten Widerstand zu brechen, begehen deutsche Truppen den ersten Genozid des 20. Jahrhunderts. Später nehmen auch die Nama unter ihrem Anführer Hendrik Witbooi den Kampf gegen die Deutschen auf.
Matthias Häussler betrachtet diesen Kolonialkrieg aus einem historisch-soziologischen Blickwinkel und beschreibt wie es zu dieser Gewalteskalation kommen konnte. Dazu erhält er, neben den bereits bekannten historischen Quellen Zugang zu einer wichtigen Quelle, nämlich dem handschriftlichen »Kriegstagebuch« des berüchtigten Kommandeurs der südwestafrikanischen Schutztruppe Generalleutnant Lothar von Trotha.
Zudem zeigt Häussler sehr eindrucksvoll, dass sich die Gewalt langsam entwickelt hat. Bereits vor 1904 kommt es zu Übergriffen, nicht nur „von oben“, sondern auch durch weiße Siedler, deren private Sicherheitsdienste, den Schwarzen mit brutaler Gewalt zu begegnen. Es ist die Überheblichkeit der Weißen und deren Gerichtsbarkeit nach Hautfarbe, dass die weitverbreitete Prügelpraxis, die Vergewaltigung von Herero-Frauen durch weiße Männer bis hin zu Mord, kaum oder nur sehr milde geahndet hat, während Schwarze schon der Anschein eines geringen Vergehens die volle Härte des Gesetzes (und darüber hinaus) getroffen hat. An diesem fatalen gewaltsame Umgang hat fast die gesamte Kolonialgesellschaft teil, egal aus welchem Herkunftsland.
Fazit:
Obwohl es schon zahlreiche Bücher zur Geschichte Deutsch Südwestafrika, dem heutigen Namibia gibt, scheint dieses hier bislang noch unbekannte Facetten der unrühmlichen deutschen Kolonialgeschichte sichtbar zu machen. Gerne gebe ich diesem Buch, das nichts für Zwischendurch und Zartbesaitete ist, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Nele33:
zuviel Klischee
Der Prätorianer von Tobias Bukkehave
Der Thriller "Der Prätorianer" von Tobias Bukkehave spielt in Kopenhagen und verströmt die gewohnte Dunkelheit und bedrückende Atmosphäre die ich von einem skandinavischen Thriller erwarte.
Sara Levin und ihr Partner Janus West bekommen es in dem Fall mit einem Ritual-Serienmörder zu tun, der seine Opfer nach Art der alten Mythologie drapiert und damit quasi Zeichen setzt.
Die Opfer wurden gefoltert und das Makabere an den Fällen ist, dass Sara anscheinend einen Bezug dazu hat, den Münzen, die bei einem Opfer gefunden wurden, gehörten ihrem Vater, der als Mörder verurteilt im Gefängnis sitzt.
Seit seiner Verurteilung verweigert Sara jeden Kontakt zu ihm, doch nun scheint sie auf seine Hilfe angewiesen zu sein. Gleichzeitig wird ihr Bruder Adam, ein sehr guter Profiler mit in den Fall involviert. Sehr zu Saras Leidwesen hielt sie doch zu ihm auch immer eine ausreichende Distanz.
Der Einstieg in die Story ist mir leicht gefallen, ist der Schreibstil doch angenehm zu lesen. Leider hatten die Schilderungen dann einiges an Längen und Details wurden mir zu umfangreich erläutert, sodass für mich die Spannung auf der Strecke blieb. Hinzu nahm das Privatleben der Geschwister für mich zu viel Raum ein und lenkte dadurch vom eigentlichen Fall ab.
Die Protagonisten konnten mich nicht erreichen, sie blieben für mich zu konstruiert und äußerst Klischeehaft charakterisiert. Darum ist dies leider keine neue skandinavische Reihe, die ich weiter verfolgen werde.
Rezensionen von BarbaraM:
Zwischen Nähe, Schweigen und Verstehen
Alte Pfade von Alexa Hennig von Lange
„Alte Pfade“ von Alexa Hennig von Lange ist für mich ein wunderschönes und ganz besonderes Buch. Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Wanderung von Liliane und ihrem 89-jährigen Vater durch die schottischen Highlands. Doch eigentlich geht es um so viel mehr. Besonders berührt hat mich die Beziehung zwischen Tochter und Vater.
Wie gut kennen wir eigentlich unsere Eltern? Wann beginnen wir, sie nicht mehr nur als Mutter oder Vater zu sehen, sondern als Menschen mit einer eigenen Geschichte, mit Verletzungen, Ängsten und Erfahrungen, die lange vor unserer eigenen Geburt begonnen haben? Und wie sehr prägt die Beziehung zu unseren Eltern unser eigenes Leben? Während der gemeinsamen Wanderung beginnt Liliane, ihren Vater und damit auch ihre eigene Vergangenheit mit anderen Augen zu sehen. Vieles, was zwischen den beiden steht, erhält nach und nach einen anderen Hintergrund. Dabei geht es nicht darum, Verletzungen einfach zu vergessen oder zu entschuldigen. Vielmehr zeigt der Roman sehr feinfühlig, wie eng die Geschichten verschiedener Generationen miteinander verbunden sind und welche Spuren Eltern in ihren Kindern hinterlassen. Gerade die Gedankenwelt, in die Alexa Hennig von Lange mich eintauchen ließ, fand ich überragend. Die Erinnerungen, Zweifel und Erkenntnisse Lilianes haben mich immer wieder innehalten lassen. Vieles reicht weit über diese eine Vater Tochter Geschichte hinaus und regt dazu an, über die eigene Familie und die eigene Beziehung zu den Eltern nachzudenken. Dazu kommt die wunderschöne Sprache, die mich durch das gesamte Buch getragen hat. Ebenso großartig ist das Setting der schottischen Highlands. Die Weite, die Einsamkeit und die raue Landschaft passen wunderbar zu dieser sehr persönlichen Reise. Der gemeinsame Weg durch Schottland wird dabei immer mehr auch zu einem Weg in die Vergangenheit.
„Alte Pfade“ ist für mich ein stilles, tiefgründiges und wunderschön erzähltes Buch über Eltern und Kinder, über Erinnerungen und Verletzungen und vor allem über die Möglichkeit, einen Menschen, den man sein ganzes Leben zu kennen glaubte, noch einmal mit anderen Augen zu sehen. Vielleicht liegt gerade darin die besondere Stärke dieses Romans: Er lässt einen nicht nur über Liliane und ihren Vater nachdenken, sondern unweigerlich auch über die eigenen Eltern und all das, was zwischen den Generationen gesagt und manchmal viel zu lange verschwiegen wird.
Rezensionen von CK:
Mut tut gut
Abenteuer in Waldorado. Willkommen zu Hause - Band 1 von Alex Milway
Das Cover des Buches empfinde ich persönlich als zu bunt und überladen - scheinbar war es den Designern wichtig, fast alle Figuren des Buches auf dem Umschlag unterzubringen. Umso überraschter bin ich, dass im Inneren des Buches auf Farbe weitgehend verzichtet wird. Große stimmige Bilder in hellblau-grau-schwarz Tönen unterstreichen die Geschichte um das Mädchen rosa, das eines Tages seine unbekannte Großmutter in der Wildnis, fernab des gewohnten städtischen Umfelds besucht.
Erst am Ende der Geschichte wird der Leser aufgeklärt, wie es zu diesem Besuch kam. Rosa ist zunächst ängstlich, aber im Verlauf der Geschichte kann sie sich auf ihre eigenen Fähigkeiten verlassen. Eine Vorlesegeschichte für Kinder mit personifizierten Tieren, über Mut neues zu wagen, über die Kraft der Kommunikation Streitigkeiten zu bewältigen und gemeinsam Lösungen zu suchen.
Rezensionen von ms.write:
Ein packendes Zeitportrait (nicht nur) für Frauen
Sonnenberg von Brigitte Glaser
Im Zentrum des Romans steht die Freundschaft zweier junger Frauen im Jahr 1975, die durch die zeitgeschichtlichen Umstände stark geprägt wird.
Auf mich wirkte der Alltag der beiden am Anfang überraschend modern, da sie ein scheinbar emanzipiertes Leben führen: Während die eine für ein Jahr zu Studienzwecken nach Marokko reist, übernimmt die andere den familiären Winzerbetrieb am Kaiserstuhl nach dem Tod ihres Vaters.
Doch Brigitte Glaser macht im Laufe des Romans schnell deutlich, wie trügerisch diese vermeintliche Freiheit ist, da Frauen in den Siebzigerjahren trotz theoretischer Gleichstellung gegen enorme gesellschaftliche Hürden und Vorurteile ankämpfen mussten.
Der Feminismus ist dabei nur eines von vielen Themen, an denen die Autorin ein tiefgreifendes gesellschaftliches Umdenken der Siebzigerjahre greifbar macht. Dies zeigt sich insbesondere im Protest gegen das Bauvorhaben des Kernkraftwerkes Wyhl. An diesem Widerstand wird deutlich, dass das blinde Vertrauen in die Politik verloren gegangen ist, die Menschen sind nun bereit, politische Mitbestimmung aktiv einzufordern. Diese Abkehr von einem Obrigkeitsdenken, das weit bis in die Nachkriegszeit hinein fortgedauert hatte, verläuft bei Einzelnen durchaus zögerlich und von Bedenken begleitet, wird aber letztendlich durch die Dynamik der Protestbewegung abgelöst.
Dabei hat die Autorin minutiös in Zeitungen und Archiven recherchiert und gibt in einem Nachwort Auskunft darüber, was erfunden und was historisch belegbar ist.
Der Klappentext wird meiner Meinung nach dem Roman nicht gerecht, wenn er die Leserschaft auf eine harmonische Freundschaftsgeschichte vorbereitet. Aber es geht eben auch um Loyalität und Verrat. Erst auf den letzten Seiten wird klar, ob die Verbindung zwischen den beiden Frauen gerettet werden kann.
Dabei sorgt besonders Luzie für Spannung, denn sie bringt Geheimnisse von ihrer Marokkoreise mit, über die sie erst nach und nach bereit ist zu reden. Sie ist zu Beginn des Romans keine fertige Persönlichkeit. Denn ihre Ängste und Widerstände sitzen tief und sie zeigt im Verlauf charakterliche Schwächen, gegen die sie innerlich sehr kämpfen muss, um letztendlich über sich hinauszuwachsen. Dadurch entsteht beim Lesen eine starke emotionale Bindung, weil man ihren inneren Reifeprozess hautnah miterlebt.
Mich hat allerdings etwas gestört, dass manche geheimnisvolle Andeutungen bezüglich der Spionagestrukturen während des Widerstandes in Wyhl am Ende des Romanes nicht aufgelöst werden.
Des Weiteren hat mich manchmal Glasers Erzählstruktur etwas herausgefordert. Sie vermischt bewusst verschiedene Zeitebenen, indem sie Rückblenden und Erinnerungen mit aktuellen Ereignissen verwebt. Dies erzeugt einerseits immense Spannung, kann aber an wenigen Stellen auch etwas verwirrend sein.
An wenigen Stellen fallen auch Wiederholungen in der Geschichte auf: Bestimmte Konflikte (wie das dörfliche Misstrauen oder Johannas innere Kämpfe) drehen sich zu oft im Kreis, was dem Erzähltempo mitunter die Kraft nimmt.
Dies ist allerdings Jammern auf hohem Niveau und wird mich dennoch nicht davon abhalten, die drei vorangegangenen historischen Romane Bühlerhöhe, Rheinblick und Kaiserstuhl von Brigitte Glaser zu lesen.
Das Cover finde ich sehr ansprechend. Aber ich befürchte, dass es eher nur Frauen abholt, obwohl der Inhalt des Romanes eigentlich auch eine männliche Leserschaft interessieren dürfte.
Mein Fazit: Wer Zeit– und Lokalkolorit liebt, Wert auf eine psychologisch vielschichtige Figurenzeichnung legt und gut recherchierte, historische Romane schätzt, der kann mit Sonnenberg nichts falsch machen. 4,5 Punkte von 5!
Rezensionen von Mirko:
Zwei Seiten der Medaille
Theo in Golden von Allen Levi
Die Bewertung zu diesem Roman ist herausfordernd, denn für mich stellt sich die Frage, ob ich ihn nach literarischer Qualität oder den Werten, die er vermittelt, beurteilen soll.
Der Autor Allen Levi Ist ein sympathischer Mensch. Den Eindruck hatte ich kürzlich in einigen Interviews gewonnen. Und das spiegelt sich auch in seinem Buch wider.
Denn mit Theo erweckt er einen Charakter zum Leben, der auf einer Mission ist. Der Mission, seinen Mitmenschen Gutes zuteil werden zu lassen. In verschiedenen Episoden erfährt der Leser in erster Linie etwas über die Menschen, mit denen Theo in Kontakt kommt. Er verschenkt Portrait-Zeichnungen, welche in einem Café in Golden (im Süden der USA) an der Wand hängen. Ein hiesiger Künstler hat sie in liebevoller Handarbeit erstellt. Theo kauft sie nach und nach, um sie den Menschen, die jeweils gemalt wurden, zu schenken. Und in den Gesprächen, die daraus resultieren, erfährt man etwas über deren Geschichte. Theos Vita hingegen bleibt zunächst ein Geheimnis.
Der Autor vermittelt in dem Roman positive Werte, indem er durch Theos Handlungen zeigt, das man immer dazu in der Lage ist, Anderen zu helfen. Nach und nach hinterfragt man als Leser, ob man selbst nicht auch mehr Gutes in die Welt hineintragen kann. Und Levi verbindet im Laufe der Geschichte alle Fäden sinnvoll miteinander. So viel zu den positiven Aspekten im Roman.
Bewertet man das Ganze hingegen in sprachlicher bzw. literarischer Hinsicht, kann ich leider nicht sehr viel Gutes sagen. Denn die Geschichte ist stark konstruiert und die Charaktere lassen Tiefe vermissen. Viele Menschen in Golden ähneln sich in ihrer Denk- und Handlungsweise. Es gibt ein wenig schwarz und ein wenig weiß, aber das alles wirkt extrem stereotyp.
Diesen Mangel zu beschreiben, fällt mir nicht leicht, da so viel positive Botschaften in dem Roman stecken. Aber es hat mich zuweilen an einen Punkt gebracht, an dem ich das Ganze nicht mehr gefühlt habe. Auch wenn das unglaublich schade ist, bin ich sicher, dass der Roman viele begeisterte Leser finden wird. Die Rezensionen des US-Originals sind sehr gut und es hat scheinbar viele, viele Leser gefunden. Und das macht mir Hoffnung, denn scheinbar suchen die Menschen nach diesen positiven Geschichten. Dennoch kann ich die sprachlichen Defizite nicht völlig ignorieren. Letztlich glaube ich aber, dass Theo und die Menschen aus Golden mir noch ein wenig in Erinnerung bleiben werden.
Rezensionen von Harakiri:
Schuldig oder nicht?
Blutwinter von Jan-Erik Fjell
Anton Brekke Degradierung ist aufgehoben und er darf wieder bei der Kripo ermitteln. Ein vor 8 Jahren verschwundener Mann taucht tot in der Nordsee auf. Für den damaligen Mord sitzt aber Oscar Fiva im Gefängnis. Nach seiner Freilassung überstürzen sich die Ereignisse.
Unschuldig oder nicht? Fjell schafft es, mit wenigen Worten ein Szenario zu entwickeln und dann wieder zu widerlegen, dass mir beim Lesen Zweifel kamen.
War er es? Oder doch nicht? Und genau das macht den Spirit des Buches aus. Die Story an sich ist eher zahm und zieht sich. Zu viele Drogengeschäfte und die Aufklärung tritt auf der Stelle, weil alle mauern.
Fjells Schreibweise ist gewohnt flüssig und anschaulich. Sein Protagonist hat wieder die Nase vorn und seine Taktik rettet den Fall. Hier bewundere ich immer den Autor, wie er es schafft, scheinbar ausweglose Situationen so darzustellen und aufzulösen, dass alles stimmig endet. Überhaupt ist Brekke als Charakter überaus gelungen. Er ist kein aalglatter Ermittler, nein, er hat Ecken und Kanten und gerade das macht ihn sympathisch.
Der Fall spielt wieder auf mehreren Zeitebenen und die verschiedenen Perspektiven sorgen dafür, dass sich der Fall Stück um Stück verändert. Nichts ist, wie es scheint und keiner weiß, wem man vertrauen kann. Diese Erzählweise gewährleistet, dass man Seite um Seite umschlägt und bis zum Ende gebannt an den Seiten klebt.
Fazit: Blutwinter ist ein etwas ruhigerer Nordic-Noir-Krimi, der durch einen Ermittler punktet, der nicht 08/15 ist.











