Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Matthias P.:
Leider unglaublich frustrierend zu lesen
Casebook Europarecht von Moriz Kopetzki; Corinna Potocnik-Manzouri; Franziska Tillian; Nikolaus Wieser
Leider haben sich die Autoren dafür entschieden, konsequent ausschließlich die weibliche Sprachform zu verwenden. Diese Entscheidung mag gut gemeint sein, erschwert den Lesefluss jedoch erheblich. Für mich wirkt die permanente Abweichung von der gewohnten neutralen/männlichen Sprachform unnötig anstrengend und lenkt vom eigentlichen Inhalt ab.
Statt zur Reflexion anzuregen, führt die Sprachwahl häufig zu Irritation und Frustration, was den Zugang zum Text deutlich beeinträchtigt.
Rezensionen von Lerchie:
Geschichte der jungen BRD
Konrad Adenauer von Norbert Frei
Konrad Adenauer ragt unter den Kanzlern der Bundesrepublik Deutschland heraus. Er ist es, der nach dem Krieg die erst Bundesregierung bilden konnte und die Demokratie im Westen verankerte. Dies führte zu einer Erfolgsgeschichte, die uns in der Bundesrepublik Wohlstand und frieden bescherte. Allerdings nahm er auch die Teilung Deutschlands in Kauf.
Der Zeithistoriker Norbert Frei schreibt zum 150.ten Geburtstag des Gründungskanzlers ein Portrait des Mannes, der die deutsche Geschichte nach 1945 geprägt hat. Norbert Frei Schildert Leben und Leistung des ersten deutschen Bundeskanzlers. Er beschreibt dessen politzische Stationen vom Kölner Oberbürgermeister, über die Zeit des dritten Reiches bis hin zum Gründungskanzler. Er analysiert seine Außenpolitik nach der Katastrophe, die unbedingte Westbindung, die er durchsetzte, geht auf gravierende Versäumnisse ein. Der Autor stellt einen Katholiken, einen autokratischen Parteiführer, skrupellosen Taktiker und weitblickenden Europäer und mit Skepsis begegnenden Deutschen vor. Er war einer der großen Staatmänner des 20. Jahrhunderts.
Meine Meinung
Leicht und flüssig zu lesen, war dieses Buch für mich nicht. Vor allem hatte ich Probleme im ersten Drittel des Buches mit den englischen Sätzen. Es waren zwar nicht allzu viele, aber trotzdem wäre es sinnvoll gewesen, diese z.B. dahinter Klammern zu übersetzen. Denn ich gehöre zu der Generation, die Englisch nur sporadisch gelernt hat. Ich hatte mich damals dagegen entschieden, weil ich eben damals den Sinn nicht sah. Allerdings habe ich das inzwischen schon oft bereut. Und ich bin mit Sicherheit nicht die Einzige, die das nicht versteht und das hätte vom Autor berücksichtigt werden müssen. Deshalb gefiel mir dieser Abschnitt nicht sonderlich, auch wenn er informativ war. Erst als die Bunderepublik gegründet wurde, wurde der Text dieser Biographie verständlicher. Was mich nicht so gut gefiel ist, dass der Autor mehr auf Adenauers Fehlern herumritt, die er mit Sicherheit gemacht hat, wer ist schon ohne Fehler. Anderes wurde oft nur kurz erwähnt. So hat Adenauer wohl eine frühe Wiedervereinigung verhindert, indem er die Bundesrepublik an den Westen gebunden hat. Doch was wäre das für eine Wiedervereinigung gewesen? Wer weiß wo wir dann heute stehen würden. Denn die UdSSR hätte einer Souveränität Deutschlands nie zugestimmt. Dank Adenauer können wir heute in Freiheit leben. Außerdem vermute ich, dass Adenauer, damals nach Moskau nicht wegen der Wiedervereinigung, sondern wegen der Befreiung so vieler deutscher Gefangener gereist ist. Das Wort Wiedervereinigung war vermutlich nur Mittel zum Zweck. Ich kann gut verstehen, dass Adenauer Ludwig Erhard nicht als Nachfolger wollte. Was daraus wurde, hat die Partei ja dann gemerkt. Gut gefallen hat mir das letzte Kapitel, genannt Der Patriarch. Hier sind Verdienste des Kanzlers dann doch vom Autor gewürdigt worden. Insgesamt gesehen war es jedoch ein Buch mit vielen Informationen, dich ich vorher nicht hatte, vorausgesetzt sie stimmen alle. Eine Überprüfung erwäge ich nicht, das ist mir zu umfangreich. Für alle, die Interesse an der Geschichte der jungen Bundesrepublik haben, ist das Buch zu empfehlen auch wenn es staubtrocken ist. Ich weiß jetzt, warum ich Biographien nie mochte, solche aber inzwischen doch lese. Allerdings nur von Personen, die mich interessieren, weshalb ich diese lesen wollte. Von mir, gerade wegen der nicht übersetzten Sätze, nur vier Sterne.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Interessanter humoristischer Ausflug eines Comedians in die Manosphere
Alpha-Boys von Aurel Mertz
Aurel Mertz ist mit starken Frauen aufgewachsen und hat von klein auf die Power von Mama, Schwester, Oma erlebt, genauso wie einen progressiv eingestellten Vater. So hat er im Erwachsenenalter mit Erstaunen das Erstarken sehr konservativer, längst überwunden geglaubter Männlichkeitsideale in vielen Gesellschaften bemerkt.
Mir ist der Autor sehr sympathisch und man merkt ihm an, dass er sich - vielleicht auch aufgrund eigener Marginalisierungs- und Diskriminierungserfahrungen als PoC mit einem ghanaischen Großvater - selbst schon viel Perspektiven jenseits derer weißer, mächtiger Männer auseinandergesetzt hat.
Neugierig und humorvoll begibt er sich in diesem Buch auf die Spuren der sogenannten "Manosphere", beschäftigt sich mit Donald Trump genauso wie mit der Incel- und Red-Pill-Bewegung, mit Pick-Up-Artists, dem konservativen kanadischen Psychologen und Influencer Donald Peterson oder einem Männlichkeitsmentor, der im balinesischen Dschungel ein Camp für angehende Alphamänner veranstaltet.
Authentisch und humorvoll analysiert der Autor, was in diesen Bereichen der Gesellschaft los ist, welche Männlichkeitsideale dort vertreten werden und was die Auseinandersetzung damit mit ihm selbst als Mann mit progressiven, linken Einstellungen macht.
Wer sich noch nicht viel mit diesen Trends beschäftigt hat, bekommt durch dieses Buch interessante Impulse, wo man näher hinschauen könnte, um diese kontroverse Zeitgeistbewegung besser zu verstehen. Ansonsten ist es aber auch einfach eine unterhaltsame Lektüre bzw. in der Audioversion ein vom Autor selbst humorvoll vorgetragenes unterhaltsames Hörbuch, das ich empfehlen kann.
Im Nachwort erwähnt er übrigens, dass er das auf dem Cover sichtbare Tierschutzkätzchen gemeinsam mit einem zweiten Kätzchen adoptiert hat: ein weiterer Sympathiepunkt für den tierlieben Autor, Sprecher und Comedian.
Rezensionen von yellowdog:
Ankommen in Maine
Hazel sagt Nein von Jessica Berger Gross
Eine Familie zieht von New York nach Maine. Da gibt es einen Vorfall, der alles ändert. Die 18jährige Schülerin Hazel wird von ihrem Direktor angemacht. Sie sagt nein und entzieht sich. Doch das spricht sich rum und spaltet die Gesellschaft. Viele glauben Hazel nicht und ein Shitstorm steigert sich bis zu antisemitischen Ausmaßen.
Der Roman zeigt sehr gut, wie die Entwicklung ihren Lauf nimmt und was das bei allen Familienmitgliedern auslöst. Doch Hazel geht schließlich selbst an die Öffentlichkeit und behauptet sich.
Ironischerweise kommt Hazels Vater selbst in eine MeToo-mäßige Klemme, als er als Professor vor seiner Klasse über Bill Cosby spricht.
Mich erinnert der Stoff des Buches latent an den Film After the Hunt.
Hazel sagt nein geht dann aber doch seinen eigenen Weg.
Das Buch ist zwar nicht so komplex wie eins von Elizabeth Strout, aber ein richtiger Maine-Roman ist es dann doch noch geworden.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine klare Leseempfehlung!
Anbandelt von Martina Parker
In ihrem 6. Gartenkrimi rund um Hilda und Vera Horwath finden wir uns plötzlich Ereignissen aus den 1970er-Jahren gegenüber, die einen Einblick in das Leben einer Kommune gewährt. Doch der Reihe nach!
Zunächst wollen die Mitglieder des Gartenklubs eigentlich nur den spektakulären Wüstengarten des Ehepaares Wurglitsch besichtigen, als sie über den leblosen Körper von Uwe Rohbeuschel stolpern.
Eigentlich müsste er tot sein, doch Rohbeuschel erwacht im Leichensack. In seiner Empörung erzählt er von Weinberghexen, die ihn attackiert hätten. Nun ja, mit knapp 5 Promille sieht einer weiße Mäuse und ein anderer eben Weinberghexen. Sofort beginnt der Klub zu recherchieren
Nahezu gleichzeitig zettelt Hilda eine Protestaktion gegen die Schließung des örtlichen Supermarkts an, rammt dabei einen dabei einen Gegner solcher Aufstände, Ludwig, der ihr wenig später aus vollem Herzen dafür dankt, bekommt er doch wegen dieses „Attentates“ sofort eine künstliche Hüfte, statt Monate darauf zu warten. Doch Ludwig hat noch andere Sorgen. Seine Schwester wollte ihn hier im Südburgenland treffen und ist bislang nicht aufgetaucht. Mit Hilfe von Vera und der Kriminalbeamtin Marlies Murlasits gelingt es, (auf nicht immer ganz legalen Wegen) eine Spur zu der Vermissten zu finden, deren Mietwagen seit längerem auf dem Parkplatz vor dem Lokal des örtlichen Gin-Produzenten, dem Dunkel Tom, den auch Vera besser kennt, als ihr gut tut, geparkt ist. Die einzige Spur zu Ludwigs Schwester sind zahlreiche SMS, die Drohungen gegen das Ehepaar Wurglitsch ausstoßen und tief in die Vergangenheit zu einer Sekte in die 1970er-Jahre führt.
Meine Meinung:
Was für ein kolossales Durcheinander! Keine Angst, Schritt für Schritt wird alles penibel aufgelöst. Die Gemeinschaftsarbeit Kriminalpolizei, Journalistin Vera sowie Hilda und die Gartenfreundinnen, die von nun an durch Felix Csar, Tierarzt im benachbarten Buchenschachen, verstärkt werden, führt uns tief in die Vergangenheit einer Kommune, die an jene von Otto Mühl und seinen Friedrichshof angelehnt ist, wie Autorin Martina Parker im Nachwort erzählt.
Auch Oma Hildes Protestaktion zur Rettung des Nahversorgers hat ein reales Vorbild. Als im August 2023 ein Supermarktkonzern ausgerechnet jene Filiale, die in rund 750 Schritt Entfernung zum Oberwarter Pensionistenheim liegt, schließen will, machen die Pensionisten mobil. Unterstützung erhalten die wehrhaften Rentner vom Oberwarter Bürgermeister Georg Rosner, den ich ganz gut kenne.
Wie immer bevölkern zahlreiche skurrile Charaktere den Krimi. Zu den bekannten Originalen kommt mit Chefinspektor Marvin Pauser, der den, auf Reha weilenden Vorgesetzen von Marlies, Franz Grandits, vertritt, ein besonders fieses Exemplar an Frauenhass und Eigenbrötelei, ans Tageslicht. Das Gute ist, seine Tage sind gezählt, aber bis dahin hat Marlies einiges an blöden Machosprüchen auszuhalten.
Wie schon in den fünf Vorgängern gibt es zu Beginn jedes Kapitels eine interessante Information zu Flora oder Fauna. Ebenso dürfen einzelne Einheimische im südburgenländischen Dialekt sprechen, eine Übersetzung wird natürlich angeboten.
Wie es mit Hilda und Ludwig weitergeht, erfahren wir hoffentlich bald in einem 7. Band.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Krimi, der beste Krimi-Unterhaltung ist, 5 Sterne und eine Leseempfehlung für die ganze Reihe.
Rezensionen von jori1020:
Coming of Age zwischen Stadt und Land
Spielverderberin von Marie Menke
Ein Coming-of-Age-Roman zwischen vermeintlicher Dorfidylle und Großstadtwirren – so lässt sich der Debütroman von Marie Menke vielleicht am treffendsten beschreiben. Auf zwei Zeitebenen erzählt sie die Geschichte der Freundschaft dreier junger Frauen. Die Erzählerin Sophie und ihre Freundin Lotte wachsen gemeinsam in einem kleinen Dorf im fiktiven Südthland auf.
In der Oberstufe kommt Romy dazu, ein Stadtkind aus München, das mit ihrer freieren, mutigeren, aber auch sprunghaften Art eine neue Dynamik in die Gruppe bringt. Die ohnehin fragile Balance der Freundschaft gerät zunehmend ins Wanken und droht auseinanderzubrechen.
Als Romy und Sophie zum Studieren nach Köln ziehen, kommt es zu einem Vorfall, der auch Jahre später noch tiefe Spuren bei allen drei hinterlässt. Vier Jahre später verschwindet Romy plötzlich ins Ausland, und alte Wunden brechen bei Sophie erneut auf. Nach und nach erfahren wir als Leser*innen, wie sich die Freundschaft entwickelt hat und was in jener Nacht in Köln tatsächlich geschehen ist.
Der Roman ist dicht erzählt und entwickelt eine starke Sogwirkung. Die innere Zerrissenheit der drei Freundinnen wird sehr authentisch eingefangen. Besonders gelungen fand ich die Perspektive des Ankommens in der Großstadt aus der Sicht einer jungen Frau vom Land und die Darstellung dieses neuen, oft überfordernden Lebensabschnitts. An einigen Stellen verliert sich die Erzählung jedoch etwas in den Gedanken der Protagonistin, wodurch es nicht immer leicht fällt, die Ebenen von Vergangenheit und Gegenwart klar voneinander zu trennen. Auch wirkte manches für meinen Geschmack etwas zu stark zugespitzt und die Auflösung konnte mich nicht vollständig überzeugen.
Ich habe den Roman als Hörbuch vom Argon Verlag gehört. Henriette Schreurs ist dafür eine ausgezeichnete Besetzung. Ihre Stimme passt hervorragend zu den Figuren und sie versteht es, die Atmosphäre und emotionalen Stimmungen der Geschichte sehr feinfühlig zu transportieren – ein echtes Perfect Match.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Galavakis' letzter Fall?
Undurchsichtiges Kreta von Nikola Vertidi
In diesem 8. und vermutlich, wie die Autorin andeutet, letzten Krimi für Kommissar Hyeronimos Galavakis kommt es für den als schrullig verschrieenen Ermittler knüppeldick. Zum einem liegt seine Yaya, also Großmutter, knapp vor ihrem 100. Geburtstag im Sterben und zum anderen erreicht ihn, kaum dass der Mordfall gelöst ist, eine weitere Hiobsbotschaft.
Grund genug für Nikola Vertidi, den Ermittler in ein Sabbatical zu schicken. Doch von Beginn an!
Die Ägäis und damit die Insel Kreta werden häufig von Erdbeben unterschiedlicher Stärke heimgesucht. Das wäre nun nichts Besonderes, doch diesmal wird in einem eingestürzten Haus im verlassenen Bergdorf Kalami die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Der ist allerdings nicht durch das Erdbeben ums Leben gekommen, sondern ist nicht nur kaltblütig erschossen. sondern zuvor auch gefoltert worden. Als sich ein Zusammenhang mit dem verlassenen Ort Kalami ergibt, denkt man an einen Racheakt. Denn die Familie des Toten ist mit der Geschichte Kalamis unrühmlich verbunden: Vor vielen Jahren hat man die gesamte Bevölkerung zwangsenteignet und abgesiedelt, um ein dort ein Stauseeprojekt zu verwirklichen, für dass viel Fördergeld aus der EU geflossen ist. Wie häufig in Griechenland, ist aus dem Stausee-Projekt nichts geworden und die Geldmittel in dunklen Kanälen versickert.
Galavakis sieht sich in einen undurchsichtigen und emotionalen Fall voller Intrigen und politischer Verwicklungen verstrickt. Kann er die losen Fäden verknüpfen, obwohl er auch privat extrem gefordert ist?
Meine Meinung:
Autorin Nikola Vertidi spricht in ihren Kreta-Krimi immer wieder die mafiösen Strukturen in Griechenland an, in denen sich einige wenige Familien schamlos auf Kosten der EU und/oder der armen Bevölkerung bereichern. Diesmal erwähnt sich nicht nur das Bauprojekt Stausee in Kalami sondern den Betrug mit Schafherden, die nur auf dem Papier weiden und für die dennoch Fördergelder der EU kassiert werden. Die Chuzpe, mit der hier kassiert wird, ist schier unerträglich.
Obwohl Galavakis durch den nahen Tod seiner Großmutter emotional schwer angeschlagen ist, ermittelt er wie gewohnt, unterstützt von Penelope Demostaki, der Gerichtsmedizinerin sowie seinem Mitarbeiter Zacharis Zentakis.
Das unerwartete Auftauchen einer früheren Freundin, die schon als Stalkerin unangenehm aufgefallen ist, bringt Galavakis Gemütszustand in zusätzliche Troubles.
Berührend ist der Brief seiner Yaya, die Hyeronimus erhält. Grundsätzlich ist dieser Band ein würdiger, wenn auch trauriger Abschluss der Reihe. Allerdings hätte dieser Brief genug Potenzial und vielleicht auch Sprengkraft, die Reihe fortzusetzen. Aber, schauen wir einmal, ob und wie es nach dem Sabbatical weitergeht.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem emotionalen Krimi 5 Sterne.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine klare Leseempfehlung!
Der letzte Sommer der Tauben von Abbas Khider
Eine Parabel auf das Beschneiden der Freiheit
Dieser Roman, in dem der 14-jährige Noah vom letzten Sommer seiner Tauben erzählt, kann als Parabel für die Menschen im Irak ab dem Jahr 2006 gelten. Nach der Machtübernahme des Islamischen Staates und der Ausrufung des Kalifates werden die Freiheiten der Menschen ebenso beschnitten wie dies die Taubenzüchter mit den Schwungfedern ihrer Tauben tun.
Die Familie von Noah ist gleich mehrfach betroffen: Der Vater, ein Textilhändler darf nur mehr Kleidung verkaufen, die den strengen Vorschriften der Sittenwächter entspricht, Mutter und Schwester dürfen nur in männlicher Begleitung das Haus verlassen und haben sich zu verhüllen und Noahs älterer Bruder ist längst zum neuen Regime gewechselt. Nachdem sein Schwager Polizist der gestürzten Regierung war, sitzt er in einem Umerziehungslager, weshalb seine schwangere Frau wieder bei ihrer Familie eingezogen ist. Und dann ist da noch Noahs Onkel Ali, ein ehemaliger Kaffeehausbesitzer, der nun zur Untätigkeit verdammt scheint und sich ausschließlich seinen Tauben und Noah widmet.
Längst sind Mobiltelefone, Fernsehgeräte, Bücher abseits des Korans, Tabak, Musik, Tanz und Lachen verboten. Dann geraten Onkel Ali und Noah ins Visier der Machthaber. Man hat entdeckt, dass mit Hilfe der (Brief)Tauben eifrig kommuniziert wird. Wenig später wird auch das Tauben züchten verboten, Onkel Ali verschwindet und Noah von der Polizei abgeholt ...
Meine Meinung:
Wie immer bei einem Regimewechsel fragen sich die Leute später, wieso man nichts bemerkt hat, wieso niemand Widerstand geleistet hat. Einige Figuren, wie Onkel Ali, Noah und dessen Schulfreund Mohammed versuchen sich aufzulehnen und wandeln dabei zwischen Angst und dem Willen zu Widerstand. Freunde, Bekannte und Schulkollegen verschwinden und je mehr Vorschriften das Leben der Menschen einengen, desto bedrückender wird die Stimmung. Man versucht sich so unauffällig wie möglich zu verhalten, denn jeder, der auffällt, ist in Gefahr.
Das Buch beschreibt den letzten Sommer Noahs mit seinen Tauben sehr eindrücklich und berührend. Den Wert von Freiheit und Demokratie lernt man erst dann zu schätzen, wenn man beides verliert. Wir müssen daher unbedingt darauf achten, nicht auf die politischen Rattenfänger, die uns das Paradies versprechen und die Hölle liefern, hereinzufallen.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser Parabel der zurecht gestutzten Bevölkerung, 5 Sterne.
Rezensionen von Ulla:
zum Miträtseln
Tod zur Teestunde (Susan Ryeland ermittelt 3) von Anthony Horowitz
Susan Ryeland ist nach einer gescheiterten Beziehung wieder zurück in London und arbeitet als freischaffende Lektorin. Das Geld ist knapp und so nimmt sie einen Auftrag an, der ihr gar nicht zusagt. Der Autor der Krimireihe über den Privatdetektiv Atticus Pünd lebt nicht mehr, dafür möchte Eliot Crace, der Enkel einer berühmten Kinderbuchautorin Miriam Pünd, nun eine Fortsetzung schreiben.
Wieder erwarten ist das Manuskript hervorragend. Pünd, inzwischen schwerkrank, wird von einer befreundeten reichen Engländerin, die in Südfrankreich lebt um Hilfe gebeten, doch bevor er sie erreicht ist sie vergiftet worden. Während wir mit Susan gemeinsam diese Handlung verfolgen bemerkt Susan Ähnlichkeiten mit der Familiengeschichte von Eliot, bei der die gesamte Familie unter der Matriarchin Miriam litt. Nachdem Eliot verbreitet, Miriam wurde vergiftet und er verrät in seinem Krimi den Täter, kommt er bei einem Unfall ums Leben.
Die Ebenen, das Krimimanuskript und die Handlung um Susan sowie die Auflösung der alten Familiengeschichte sind sehr spannend und schriftstellerisch hervorragend umgesetzt. Man wird zum Miträtseln animiert. Es ist von Vorteil die Vorgängerkrimis zu kennen, um die Hintergründe, die zwischenzeitlich angesprochen werden zu verstehen, zum Verfolgen dieser Handlung jedoch nicht unbedingt nötig.
Rezensionen von Ulla:
Glaube, Liebe, Hoffnung
In den Scherben das Licht von Carmen Korn
Der Winter 1946 in Hamburg ist extrem kalt, die Häuser zerbombt und der Wiederaufbau gestaltet sich schwierig. Wer wenigstens ein Dach über dem Kopf hat kann sich glücklich schätzen. So wie die ehemalige Volksschauspielerin Friede Wahrlich, die in ihren Keller den Teenager Gert aufgenommen hat. Seine Eltern leben nicht mehr, doch er hofft noch auf ein Wiedersehen mit seiner kleinen Schwester Barbara.
Kurz danach wird auch die junge elternlose Gisela in diese Wohngemeinschaft aufgenommen. Friede beschließt, ihr Haus auszubauen und eine Pension zu eröffnen. Lulu zieht ein, Ludwig, der als Schwuler den Hass von Vater und Brüdern auf sich zog und Robert, der beim Aufbau half. Nicht nur ihre Untermieter schleppen Probleme und Sorgen mit sich, auch sie selbst denkt immer noch an Viktor, den sie einst liebte und nicht half als er als Jude deportiert wurde. Sie alle hoffen auf das Wiedersehen mit Angehörigen von den sie hoffen, dass sie den Krieg überlebt haben und dabei entwickeln sich neue Freundschaften und Liebesbeziehungen.
Der Roman schildert den Wiederaufbau in einer zerstörten Stadt. Gut recherchiert und interessant geschrieben, für meinen Geschmack nur zu sehr weichgespült und zu viel Happy End, die wirklichen Gräuel der Kriegszeit werden nur am Rande erwähnt.











