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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Bockonia:

Ein intellektueller Tausendsassa schreibt sein 'großes' erstes Buch

Schleifen von Elias Hirschl

Die Geschichte beginnt, mit einer interessanten Handlung und zwei Menschen, die sich gefunden haben, um auf eine Mission zu gehen. Franzisca Denk bekommt Krankheiten, nur allein, weil sie davon liest. Eine perfekte neu kreierte Sprache, die allen nur gut tut, das soll es deshalb sein und Otto Mandl, ein anerkannter Mathematiker, will sich mit ihr auf den Weg machen, diese zu schaffen.

Das hat schon eine gewisse Faszination und es ist ziemlich spannend, was aus diesem Ansatz für eine Geschichte entsteht. Und es wird tatsächlich kreativ. Der Autor schüttet sein Füllhorn an unendlicher Belesenheit und Bildung über seine Leser aus und lässt es geschehen, das wilde Ausleben, was Sprache so alles kann. Das ist erst einmal ziemlich prickelnd und man lässt sich gerne mitnehmen auf diesen Trip. Grenzen sehr weit zu ziehen, sich ihrer gar zu entledigen, im Namen der Literatur, als Kunst, gerne doch. Denn das Besondere, eigentlich gibt es zu wenig davon.
Und man versucht lange mitzuhalten, das Überdehnte zu überlesen, den Spaß zu sehen, wo es nur geht. Aber irgendwann ist es einfach zu viel und geht ins Abstruse über, ohne noch wirklich den Zusammenhang bzw. einen irgendwie gearteten Sinn erkennen so lassen.
Dieses Buch, es funktioniert nicht in Bewertungskategorien. Und ich will ihm nichts Schlechtes und wünsche ihm nur Gutes dabei, begeisterte Leser zu finden, die unermüdlich genug sind, dies hier zusammen mit dem Autor in vollem Umfang durchzuziehen.
Aber wenn einem die Puste schon vorher ein bisschen ausgeht, kann durchaus passieren, kein Problem. Mir ging es genauso.
Trotzdem ein toller Kreativer auf neuen Pfaden. Was immer als nächstes kommt, ich bin gespannt darauf und lasse mich gerne wieder mitnehmen, wohin ihn seine Kunst dann auch trägt.

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Rezensionen von Lilli33:

Das war nicht meins

Die Reise ans Ende der Geschichte von Kristof Magnusson

Das war nicht meins

Das Ende des Kalten Krieges muss gefeiert werden. Zu diesem Anlass trifft man sich im Garten der Botschaft der Russischen Föderation in Rom. Der alternde Doppelagent Dieter Germeshausen, der unter den neuen Umständen um seine Lebensgrundlage fürchtet, hat einen letzten Plan, bevor er sich zurückziehen will.

Doch dazu braucht er den jungen Dichter Jakob Dreiser, der im Gegensatz zu Germeshausen gut mit Worten umgehen kann. Gemeinsam reisen sie nach Kasachstan, damit Germeshausen das große Geld scheffeln kann. Doch Jakob Dreiser ist von seiner neuen Spionagetätigkeit so begeistert, dass er Germeshausens Anweisungen spontan in den Wind schlägt und auf eigene Faust handelt …

Von Kristof Magnusson habe ich bereits „Das war ich nicht“ gelesen, und das gefiel mir um Längen besser. Mit „Die Reise ans Ende der Geschichte“ konnte ich leider nicht viel anfangen. So witzig wie im Klappentext versprochen, fand ich das Buch bei Weitem nicht. Die Charaktere sind slapstickartig überzeichnet, dabei aber erstaunlich eindimensional und nichtssagend bis unglaubwürdig.

Nach einem spannenden Anfang, wo Germeshausen einen Giftanschlag erleidet, geht es erst mal recht gemächlich in der Vergangenheit weiter. Über Seiten wird die Party im Garten der russischen Botschaft beschrieben, ohne dass etwas Wesentliches geschieht. Ganz langsam werden hier Germeshausen und Dreiser zusammengeführt. Das hätte für meinen Geschmack ruhig etwas schneller passieren dürfen. Und die Story zieht sich auch danach in die Länge. Erst gegen Ende kommt dann etwas Tempo und auch Spannung auf. Und dann ist plötzlich Schluss, ohne dass die Geschichte ans Ende gekommen wäre - zumindest empfinde ich es so.

Sprachlich ist der Roman sehr in Ordnung, auch die Idee ist toll. Doch leider schaffte der Autor es nicht, mir die Figuren nahe zu bringen.

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Rezensionen von Verena:

Grandios!

Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman

Ich habe kein TikTok, bin aber ehrlich froh, dass Leser:innen mithilfe der Plattform dieses grandiose Buch wieder aus der Versenkung geholt haben. 1995 wurde der Roman der belgischen Autorin Jacqueline Harpman erstmals veröffentlicht. Die englische Übersetzung (mein Französisch reicht leider nicht mehr für ganze Romane) hat mich letztes Jahr schon regelrecht umgehauen und ich find’s großartig, dass nun auch eine deutsche Version erscheint.

Dystopien sind nach meiner Masterarbeit sozusagen mein Fachgebiet. Nachdem jahrelang gefühlt jede:r einen dystopischen Roman schreiben und veröffentlichen wollte, war aber leider auch entsprechend viel Mittelmaß dabei. Ich habe also wirklich enttäuschende Werke aus dem Genre gelesen und war eine Zeit lang beinahe übersättigt.
„Ich, die ich Männer nicht kannte“ hat meine Lust auf Dystopien wieder geweckt, so gelungen ist der kurze Roman. Die Ausgangslage ist sofort beklemmend: Tief unter der Erde werden neununddreißig Frauen gefangen gehalten. Die Erinnerungen an ihr früheres Leben sind größtenteils verschwunden, sie leben ohne Zeitgefühl, bewacht von schweigenden Männern. Dann verschwinden eines Tages die Wachen, die Tür steht offen, die Freiheit scheint greifbar, aber keine weiß, was sie außerhalb des Käfigs erwarten wird Erzählt wird der Roman aus der Ich-Perspektive der Jüngsten unter ihnen, die nichts anderes kennt als Gefangenschaft.
Heraus kommt ein fantastischer dystopischer Roman. So schmal und trotzdem faszinierend nuanciert, vielschichtig und eindringlich. So viel psychologische Tiefe auf so wenigen Seiten. Harpmans Sprache ist poetisch und klar zugleich, und es ist einfach schön zu sehen, dass dieses beeindruckende Werk dank der Neuübersetzung nun noch einmal viele neue Leser:innen finden wird.

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Rezensionen von Sheilo:

Fesselnde Romantasy

Empire of Whispers and Shadows House of Assassins von Ursa Jaumann

Saya durchläuft die harte Ausbildung zur Assassine des Gottkaisers, die nur ein kleiner Teil der Rekruten überlebt, denn es ist ihre einzige Chance, in ferner Zukunft frei sein zu können. Und dann muss sie ausgerechnet mit dem Mann ein Team bilden, der für den Tod ihrer Eltern verantwortlich ist.

Da ahnt sie noch nicht, dass Teno hinter ihr größtes Geheimnis kommt.


"Empire of Whispers and Shadows" ist der fesselnde Auftakt zur "House of Assassins" von Ursa Jaumann. Die Geschichte ist sehr spannend und ich liebe die Welt der Assassinen, die davon geprägt ist, immer auf der Hut zu sein, die Schwächen seiner Gegner zu erkennen und nicht vor Mord zurück zu schrecken.

Das Hörbuch wird von Viola Müller und Leonard Hohm gesprochen und es hat mich ab Beginn in seinen Bann gezogen. Die Sprechenden schaffen es, die Protagonisten Teno und Saya sehr authentisch darzustellen und die Gefühle der beiden waren sehr greifbar, wodurch man die Emotionen hautnah erleben konnte.

Saya ist eine sehr starke Protagonistin, die in ihrem Leben schon viel durchgemacht hat. Sie kämpft für ihr großes Ziel der Freiheit und ihr fällt es sehr schwer, Vertrauen aufzubauen, da die Zeit der Assassinenausbildung vor allem ein Kampf um das eigene Überleben ist. Sie ist klug und ich mag es sehr, wie sie ihre Vorteile ausspielt.

Teno hingegen stammt ursprünglich aus einem guten Haus, muss sich jedoch ebenfalls durch die Assassinenausbildung beweisen, um das Erbe seines Vaters antreten zu dürfen. Er ist sehr fokussiert und auf sich selbst konzentriert, da auch die anderen Assassinenrekruten für ihn eine Konkurrenz darstellen. Nur Saya schafft es, sich immer mehr zu seinem Herzen vorzukämpfen.

Ich persönlich bin sehr fasziniert von der Handlung des Buches, welche tolle Plot-Twists beinhaltet und die Spannung bis zum Ende aufrecht erhalten wird. Gerade das letzte Kapitel lässt mich ein wenig geschockt zurück und ich bin nun umso neugieriger, wie es im zweiten Band weitergehen wird.

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Rezensionen von mo.ni.books:

Der vierte Fall für das Ermittlerduo

Teufel, tanz mit mir! von Simone Dark

Teufel, tanz mit mir ist der vierte Band der Reihe rund um das Ermittlerduo Magnabosco und Pasqualina von der Autorin Simone Dark.

Magnabosco und Pasqualina heiraten und werden während der Trauung zu einem Mordfall in der nahen Burgruine gerufen. Der Mord erinnert an das Vorgehen während der Hexenverfolgungen.

Die beiden können sich nicht erklären, welchen Grund der Täter haben könnte, auf diese Art und Weise zu töten. Die Spur ist heiß, doch führt sie nicht zwangsläufig zur Lösung des Falls. Schaffen die beiden es den Mord aufzudecken bevor weitere geschehen?

Simone Dark hat einen Krimi geschrieben mit geschichtlichen Hintergrund Südtirol's. Interessant fand ich die besonderen Figuren wie den Lauterfresser und deren genaue Beschreibungen. Schlag auf Schlag geht die Handlung weiter und zwingt Pasqualina und Magnabosco zum Lösen des Falls.
Die Autorin hat mich ganz schön in die Irre geführt, auf das Ende wäre ich absolut nie gekommen!

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Rezensionen von askyfullofpages:

Liebe ist schnell geschrieben, aber schwer gefunden

Liebe ist niemals normal von Thomas Brezina

„Liebe ist niemals normal“ von Thomas Brezina erzählt mit viel Wärme und Ehrlichkeit von den vielen Formen der Liebe. Liebe ist omipräsent in Familien, Freundschaften und Beziehungen. Im Mittelpunkt steht ein junger Erwachsener, der zu sich und seiner Homosexualität steht, während seine Familie sehr unterschiedlich darauf reagiert.

Von totalem Angenommensein, über Überforderung und Ablehnung ist alles dabei.

Besonders eindrücklich fand ich das Umfeld aus Freundschaft und Wahlfamilie. Eine bunt zusammengewürfelte WG voller interessanter, offenen Menschen, in der Identität, Beziehungsformen und Lebensentwürfe selbstverständlich nebeneinander existieren.

So zeigt das Buch, wie unterschiedlich Menschen lieben und leben können und wie schwierig, aber auch befreiend es sein kann, wenn man für sich den geeigneten Platz im Leben gefunden hat.

Besonders berührt hat mich, wie selbstverständlich die Geschichte vermittelt, dass jede Form der Liebe die eigenen Konflikte mit sich bringt und man eigene Wege gehen muss, um glücklich zu werden.

Ein äußerst unterhaltsames und zugleich nachdenkliches Buch über Akzeptanz, Zugehörigkeit und die Erkenntnis, dass in der Liebe eigentlich niemand „normal“ ist.

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Rezensionen von Krani:

Reizlos

Schwarzer September von Sandro Veronesi

Gigio erzählt die Geschichte des Sommers, als er zwölf Jahre alt war, und an dessen Ende seine Familie für immer zerstört wurde. Er ist ein Einzelgänger, der sich für Sport interessiert und sich mit allen möglichen Disziplinen gut auskennt. Selber betreibt er aber keinen Sport. Er begeistert sich für die Olympischen Spiele 1972 und für Sammelbildchen, und er verliebt sich zum ersten Mal.

Der Stil ist flüssig und gut zu lesen. Das braucht es auch, denn die Geschichte selbst ist reizlos. Obwohl gesagt wird, dass noch etwas Schlimmes kommt, wird in keiner Weise Spannung aufgebaut. Es ist ein ganz normaler Sommer, das Geschehen plätschert vor sich hin. Die Geschichte funktioniert auch nicht als Coming-of-Age-Story, denn der Protagonist erlebt keine Entwicklung, höchstens eine leichte Irritation, die ein Entwicklung roch sich ziehen könnte. Er ist ein ganz normaler Junge kurz vor der Pubertät, dem bis zur Katastrophe nichts Ungewöhnliches widerfährt.
Auch als diese endlich da ist, kommt die Geschichte immer noch nicht in Gang. Im Gegenteil: Sie endet. Das ist etwas enttäuschend.

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Rezensionen von tonton:

Detailreiches Worldbuiding, spannende Handlung, kompetente Heldin

We Who Will Die von Stacia Stark

"We who will die" ist der erste Band der "Empire of Blood"-Reihe. Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen.
Die Mischung aus Vampiren und Gladiatoren finde ich originell und interessant.
Die Handlung braucht zu Beginn ein paar Kapitel, um wirklich Fahrt auf zu nehmen, wird aber dann richtig spannend.

Der Schreibstil ist lebendig und flüssig, ohne sprachliche Verzierungen oder überflüssige Beschreibungen.
Das Worldbuiding ist sehr gelungen. Die Atmosphäre ist düster und dystopisch, die Welt bildhaft und detailreich beschreiben. Die Geschichte wird so erzählt, dass es sich tatsächlich anfühlt, als würden Leute wirklich in dieser Welt leben. Man spürt die Hilflosigkeit und Elend der Einwohner, die unter der Herrschaft der Vampire leiden. Es gibt auch zahlreiche gut ausgearbeitete Nebenfiguren, die für zusätzliche Tiefe sorgen.
Die Protagonistin gefällt mir besonders gut. Sie unterscheidet sich von der typischen Fantasy-Heldin: Sie ist zwar stark und fähig, aber nicht mehr ganz in ihren besten Jahren, auch wenn sie noch jung ist.
Mir gefällt es, dass die Liebesgeschichte eher im Hintergrund bleibt und der Fokus auf der Handlung liegt.

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Rezensionen von Eternal-Hope:

Mensch sein in dieser Zeit

Sommer 24 von Dr. Navid Kermani

Ich habe dieses Buch als Hörbuch gehört, gesprochen von Jens Harzer, also nicht vom Autor selbst. Am Anfang musste ich mich an die Stimme und Vorleseweise erst ein bisschen gewöhnen, wirkte sie für mich doch ziemlich melancholisch und ernst. Doch je länger ich zuhörte und mich mit dem Inhalt des Buches befasste, umso passender fand ich diesen Sprecher für genau dieses Buch.

Denn es geht um sehr ernste Themen. Um die Verfassung der Welt im Sommer 2024, und das persönliche Leben und die Freundschaften, Begegnungen, Beziehungen, Herausforderungen und Konflikte des Schriftstellers Navid Kermani, die in diesen Rahmen eingebettet sind. Es ist kein Roman, sondern eher eine persönliche Reflexion, und doch sehr spannend erzählt.

Es geht um eine Zeit, die geprägt ist vom Ukraine-Krieg und vom Überfall auf Israel und dem darauffolgenden Gaza-Krieg, dem Wiedererstarken autoritärer Kräfte in vielen Bereichen der Welt, aber gleichzeitig auch von den Nachwirkungen der Pandemie, von der MeToo-Bewegung, von dem Kampf um Freiheit in Iran, von dem amerikanischen Wahlkampf und von vielem mehr.

Einen großen Teil des Buches nimmt der innere Nachruf von Navid Kermani auf seinen verstorbenen Freund Rudolf ein. Rudolf war der in Deutschland lebende Sohn zweier jüdischer Holocaust-Überlebender und hat sich ein Leben lang an diesem Schicksal abgearbeitet. Nach dem 7. Oktober 2023 verhärtete sich seine Position zum Gaza-Krieg, darüber kam es zur Entfremdung der beiden Freunde, und zu einem letzten Treffen am Abend vor Rudolfs Freitod wegen schwerer Erkrankung. Differenziert denkt Navid Kermani über die Freundschaft und das Leben des Freundes nach, über das, was diesen geprägt hat, versucht, sich in diesen einzufühlen und bezieht doch auch eindeutig Stellung in Bezug auf das Leid der Menschen in Gaza.

Sein Werk werde stark von den Geschichten der Menschen geprägt, von dem, was ihm erzählt werde und davon, dass er einfühlsam zuhöre, so führt es der Autor aus. Doch mindestens einmal hat ihn dieses Thema auch in ein großes Dilemma geführt: vor 25 Jahren begegnete er in einer Kneipe der jungen Frau "Julia", die beiden tranken miteinander, nahmen auch Drogen, und sie erzählte ihm von der Vergewaltigung, die sie vor kurzem überlebt hatte - nicht wissend, dass er ein Schriftsteller sei und ihre Geschichte, verfremdet, aber doch ohne ihre Zustimmung, in einem seiner Romane verwenden würde.

Für diese Geschichte bekam der Autor erst einmal viel Lob, denn sie sei so überraschend authentisch erzählt, und das von einem Mann, doch viele Jahre später kam sie auch "Julia" unter, sie fühlte sich erkannt, und, wie sie in einem Brief an ihn schrieb, wie ein zweites Mal vergewaltigt.

Dieser Brief erreicht den Autor aus einer psychiatrischen Klinik, in der sich die Frau zu diesem Zeitpunkt befindet. Der Autor fühlt sich erschüttert und angegriffen, kann überhaupt nicht nachvollziehen, wie "Julia" seine Geschichte über sie mit einem physischen Übergriff gleichsetzen könne, hat Angst vor Verleumdung und Konsequenzen für seine schriftstellerische Karriere, will wissen, ob ihm diesbezüglich juristisch etwas droht, und sucht "Julia" in der Klinik auf. Diesen Teil habe ich als ambivalent empfunden und aus weiblicher Sicht lange nicht verstehen können, wie diesem sonst durchaus einfühlsamen Mann erst so spät, und nach einem Gespräch mit einer weiteren Frau, dämmert, wie übergriffig sein Verhalten gegenüber einem Vergewaltigungsopfer war. Hier zeigt sich der Autor also nicht nur als Sympathieträger, doch genau das macht ihn mir wiederum sympathisch, denn es ist ehrlich, echt und reflektiert, und im Laufe der Geschichte wird klar, dass er schon ernsthaft verstehen und mitfühlen möchte.

Das macht überhaupt für mich die herausragende Qualität dieses Buches aus: wie sich der Autor darin als ganzer Mensch mit all seinen Facetten zeigt: mit seiner Persönlichkeit, seinen Eitelkeiten und Verwundbarkeiten, auch mit seiner eigenen Geschichte als Sohn persischer Migranten (auch deren Nähe zu Ayatollah Khomeini ist ein Thema, das er beleuchtet und kritisch hinterfragt). Diese Ehrlichkeit, sich so offen als Mensch in der Öffentlichkeit zu zeigen, nötigt mir tiefen Respekt ab, denn das erfordert sicher viel Mut.

Entstanden ist dadurch ein sehr intelligentes, kritisch hinterfragendes und zu vielfältigenden Themen der aktuellen Zeit, von denen ich in dieser Rezension nur ein paar exemplarisch erwähnt habe, zum Nachdenken anregendes Buch, das ich allen an Politik, Geschichte, Psychologie und Zeitgeschehen interessierten Menschen nur wärmstens empfehlen kann, auch in der Hörbuchausgabe des Argon Verlags. Viele der darin geäußerten klugen Gedanken werden mich sicherlich noch länger begleiten.

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Rezensionen von yellowdog:

Eine Einordnung

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen von Christien Brinkgreve

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen von Christien Brinkgreve ist ein ruhiges Buch, dass eine Frau nach dem Tod ihres Mannes zeigt. Man ist dicht an ihren Gedanken.
Immer wieder sind Erinnerungen an ihre lange gemeinsame Zeit eingebunden. Vom ersten Kennenlernen, heiraten, Kinder bis zur Erkrankung und Pflege des Mannes.

Auch ein Jahr nach dem Tod hat die Erzählerin noch nicht mit dem Ereignis abgeschlossen.
Sprachlich bin ich nicht überzeugt, aber Stimmungen werden erzeugt. Es ist ein soziologischre Ansatz zum Thema Verlust und Verarbeitung.

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