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Rezensionen von Shilo:
Ein ganz anderer Weihnachtskrimi
Zwischen den Jahren von Victoria Bertrams
Über Weihnachten nach New York zu reisen, klingt erst einmal nach einer guten Idee. Für Ines Behrendt und John Raymond wird aus dem geplanten Aufenthalt allerdings schnell mehr als nur Musik, Pubs und ein bisschen Zeit für sich.
Ines beobachtet eine verdächtige Geldübergabe und merkt, dass mit der netten Wirtin Erin etwas nicht stimmt.
Ich fand interessant, wie sich aus dieser zunächst kleinen Beobachtung langsam ein größerer Fall entwickelt. Dabei rückt auch Johns Vergangenheit stärker in den Vordergrund. Gerade sein Umgang mit manchen Situationen hat mich beim Lesen öfter nachdenken lassen, weil man nicht immer sofort einschätzen kann, was in ihm vorgeht.
Die Verbindung von Musik und Krimi hat mir gut gefallen. Durch Ines und John spielt Musik nicht nur am Rand eine Rolle, sondern gehört ganz selbstverständlich zu ihrer Reise. Die Pubs und Auftritte konnte ich mir beim Lesen gut vorstellen. Auch die Atmosphäre in New York zur Weihnachtszeit kam für mich gut rüber.
Die Geschichte ist leicht zu lesen und ich bin gut durch die Handlung gekommen. An ein paar Stellen ging es für meinen Geschmack etwas langsamer weiter, was den Lesefluss aber nur kurz gebremst hat. Dafür nimmt sich die Autorin Zeit für ihre Figuren und besonders für John. John bleibt mit seiner Vergangenheit lange schwer einzuschätzen. Ich habe mich deshalb öfter gefragt, was wirklich hinter seinem Verhalten steckt.
Am Ende war es für mich ein unterhaltsamer Weihnachtskrimi mit Musik, New York und Figuren, deren Hintergründe nach und nach deutlicher werden. Die Spannung steht dabei nicht ständig im Vordergrund, trotzdem wollte ich wissen, wie es mit Ines, John und Erin weitergeht. Gerade die Verbindung aus Weihnachtsstimmung, Musik und Krimihandlung hat den Roman für mich besonders gemacht.
Dafür vergebe ich 4 Sterne.
Das Geheimnis der alten Noten
Das Erbe der Gouvernante von Karin Lindberg
Lea kommt nach einer schmerzhaften Trennung nach Schottland, um das alte Braemar House zu renovieren. Dort trifft sie auf Rory, der seit dem Tod seiner großen Liebe sehr zurückgezogen lebt. Als Lea im alten Flügel versteckte Noten mit den Initialen F. & A. entdeckt, wird ihre Neugier geweckt. Gemeinsam mit Rory versucht sie herauszufinden, wem die Noten gehören und was sich hinter ihnen verbirgt.
Die zweite Zeitebene führt ins Jahr 1919 und zu Fiona MacDonald, die als Gouvernante nach Braemar House kommt. Dort begegnet sie Alastair, der nach dem Krieg noch schwer mit seinen Erlebnissen zu kämpfen hat. Zwischen den beiden entsteht nach und nach eine besondere Nähe. Doch Alastairs Bruder Duncan hat ebenfalls Gefühle für Fiona und macht die Situation dadurch noch schwieriger.
Mir hat der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart gut gefallen. Die alten Noten bilden dabei eine Verbindung zwischen den beiden Zeiten. Nach und nach erfährt man mehr über Fiona und Alastair und über das, was damals geschehen ist. Dadurch wird auch verständlich, warum die Vergangenheit für Lea und Rory eine Rolle spielt.
Beim Lesen konnte ich gut nachvollziehen, warum Lea trotz ihrer eigenen Erfahrungen langsam wieder Vertrauen fasst. Auch Rory konnte ich mit der Zeit besser verstehen, denn seine Vergangenheit erklärt einiges von seinem Verhalten. Beide müssen erst wieder lernen, einen anderen Menschen an sich heranzulassen. Gerade dieser Teil der Geschichte wirkte auf mich glaubwürdig.
Auch Fiona und Alastair habe ich gern begleitet. Ihre Begegnungen am Klavier sind mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben. Zwischen ihnen entwickelt sich langsam etwas, obwohl ihre Situation alles andere als einfach ist. Duncan sorgt zusätzlich für Schwierigkeiten und ich war gespannt, wie Fiona mit dieser Situation umgehen wird.
Die schottischen Highlands und das alte Herrenhaus werden anschaulich beschrieben. Braemar House konnte ich mir beim Lesen gut vorstellen. Die Musik, das Geheimnis um die alten Noten und die beiden Zeitebenen passen für mich gut zusammen und machen den Roman abwechslungsreich.
Für mich ist es eine gefühlvolle Geschichte über Verlust, Vertrauen und einen neuen Anfang. Die beiden Zeitebenen greifen gut ineinander und nach und nach ergibt sich ein klares Bild von dem, was damals und heute passiert. Ich habe Lea, Rory, Fiona und Alastair gern auf ihrem Weg begleitet und hatte mit diesem Buch schöne Lesestunden. Dafür vergebe ich sehr gerne 5 Sterne.
Nicht alles ist vorhersehbar
Finding Hope – Das Licht unserer Tage von Kristin Hannah
Joy hat nach ihrer Scheidung genug von ihrem bisherigen Leben und zieht sich in die Wälder des Olympic Nationalparks zurück. Dort trifft sie auf den kleinen Bobby und seinen Vater Daniel. Zwischen den dreien entsteht nach und nach eine Verbindung, die für alle wichtig wird.
Die verschneiten Wälder und die Kälte haben mir beim Lesen gut gefallen.
Ich konnte mir Rain Valley und die Umgebung gut vorstellen. Gerade zu Joys Situation hat diese winterliche Landschaft für mich gut gepasst.
Nach der Scheidung weiß Joy zunächst selbst nicht so recht, wohin ihr Weg führen soll. Sie braucht Abstand und versucht gleichzeitig, mit dem klarzukommen, was hinter ihr liegt. Ihre Gedanken konnte ich dabei an vielen Stellen gut nachvollziehen.
Joy, Daniel und Bobby gehen jeweils mit ihrer Trauer auf ihre eigene Art um. Dabei geht es auch darum, anderen wieder zu vertrauen und jemanden an sich heranzulassen. Das hat mich beim Lesen immer wieder zum Nachdenken gebracht. Auch Bobby ist mir dabei im Gedächtnis geblieben. Trotz seiner Trauer bringt er seine eigene Art in die Geschichte ein. Die Beziehung zwischen ihm, Joy und Daniel entwickelt sich nach und nach, sodass ich wissen wollte, welchen Weg die drei gemeinsam gehen werden.
Einige Stellen haben mich emotional erreicht, andere waren mir etwas zu gefühlvoll. Vor allem im weiteren Verlauf nimmt die Handlung eine Richtung, mit der ich so nicht gerechnet hatte. Diese Wendung hat für mich nicht ganz so gut funktioniert, da sie stellenweise etwas märchenhaft wirkt. Dadurch konnte ich mich nicht mehr ganz so gut auf die Geschichte einlassen wie zu Beginn.
Auch beim Tempo gab es Unterschiede. Manche Abschnitte ließen sich schnell lesen, während andere für mich etwas länger brauchten. Jeder der drei bringt seine eigene Geschichte mit. Deshalb war ich gespannt, wie sich das Verhältnis zwischen ihnen weiterentwickelt und ob sie trotz ihrer unterschiedlichen Erfahrungen zueinanderfinden.
Beim Lesen gab es für mich einige Stellen, die mir im Gedächtnis geblieben sind und über die ich noch etwas nachgedacht habe. Die Begegnungen zwischen Joy, Daniel und Bobby haben dabei eine wichtige Rolle gespielt. Auch die winterliche Umgebung hat gut zu den Ereignissen gepasst. Nicht jede Wendung war für mich nachvollziehbar, insgesamt habe ich den Roman aber gerne gelesen. Dafür vergebe ich 4 Sterne.
Ein bewegender Abschluss
Sturmtage von Sibel Daniel
Johanna möchte ihrer Tochter Leah im neutralen Schweden ein sicheres Leben ermöglichen. Nach allem, was hinter ihr liegt, konnte ich gut verstehen, dass sie nicht noch einmal alles aufs Spiel setzen möchte. Doch dann steht plötzlich Ruth vor ihr, die Johanna für tot gehalten hat. Damit wird ihre bisherige Entscheidung auf einmal infrage gestellt.
Diese Situation hat mich beim Lesen beschäftigt. Johanna weiß, was sie in Berlin erwartet, und trotzdem macht sie sich auf den Weg. Man merkt, wie viel Mut sie dafür braucht und wie wichtig ihr die Menschen sind, für die sie diese Gefahr auf sich nimmt. Gleichzeitig war für mich nachvollziehbar, dass sie dabei auch Angst und Zweifel hat.
Die Rückkehr ins zerstörte Berlin vermittelt einen guten Eindruck von der damaligen Zeit. Überall lauert Gefahr und Johanna muss sehr vorsichtig sein. Trotzdem wird die Handlung nicht unnötig dramatisch erzählt. Auch Karls Kampf gegen die Nazis und die schwierige Aufgabe, bei der Johanna helfen soll, fügen sich gut in die Geschichte ein.
Ruths Auftauchen bringt noch einmal eine ganz neue Seite in die Handlung. Einige Dinge sieht man dadurch plötzlich anders. Auch die Begegnung mit dem Mann, dessen Verrat Johanna nicht vergessen kann, hat mich fasziniert. Gerade hier war ich gespannt, wie Johanna mit dieser schwierigen Situation umgehen wird.
Beim Lesen wird deutlich, wie eng die historischen Ereignisse mit den persönlichen Schicksalen verbunden sind. Es geht um Widerstand und Krieg, aber auch um Vertrauen, Familie, Liebe und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Diese Mischung hat die Geschichte für mich abwechslungsreich gemacht.
Als Abschluss der Reihe hat mich dieser Band überzeugt. Johanna ist eine Figur, deren Weg ich gerne verfolgt habe. Nicht jede ihrer Entscheidungen war für mich einfach nachzuvollziehen, aber gerade das machte sie für mich glaubwürdig. Das Ende hat gut zu ihrer Geschichte gepasst.
Für mich ist es ein bewegender Abschluss der historischen Saga. Die Geschichte zeigt, wie viel Kraft Menschen entwickeln können, wenn sie trotz Angst und großer Gefahr nicht aufgeben.
5 Sterne.
Die drei Knöpfe der Erinnerung
Schwestern. Trotz allem von Max Moor
In diesem Buch geht es um drei Schwestern, die nach dem Krieg getrennt werden und später ganz unterschiedliche Wege gehen. Gerti bleibt bei den Großeltern, während Rudi und Hansi in verschiedene Richtungen geschickt werden. Trotzdem verlieren sie einander nie ganz aus dem Blick. Die drei Knöpfe, die Gerti als Erinnerung an ihre Schwestern aufbewahrt, begleiten sie durch ihr ganzes Leben.
Dieses kleine Detail hat sich mir beim Lesen besonders eingeprägt.
Gertis Leben ist von Anfang an nicht einfach. Sie verliert ihre Eltern und muss auch ihre Schwestern gehen lassen. Später verliebt sie sich in Albert, obwohl diese Beziehung viele Schwierigkeiten mit sich bringt. Er kommt und geht, während Gerti versucht, ihren Alltag zu bewältigen und ihre beiden Kinder allein großzuziehen. Dabei muss sie sich gegen Vorurteile und manche Widrigkeiten behaupten. Ihre Sturheit war für mich nicht immer leicht nachzuvollziehen. Gleichzeitig konnte ich verstehen, warum sie so sehr an ihrem Wunsch nach einer eigenen Familie festhält.
Auch Rudi und Hansi werden mit ihren eigenen Lebenswegen gezeigt. Rudi sucht immer wieder nach Liebe und Anerkennung und versucht, ihre Kindheit im Heim hinter sich zu lassen. Hansi dagegen möchte unabhängig bleiben und ihr Leben selbst bestimmen. Sie macht beruflich ihren Weg, merkt aber trotzdem irgendwann, dass ihr etwas fehlt. Gerade diese Unterschiede zwischen den drei Frauen fand ich interessant.
Beim Lesen wird deutlich, wie stark die Erfahrungen aus der Kindheit die drei Schwestern prägen. Jede geht anders mit dem um, was sie erlebt hat. Manche Entscheidungen konnte ich gut verstehen, bei anderen hätte ich mich wahrscheinlich anders entschieden. Gerade dadurch wirkten die drei Frauen auf mich sehr unterschiedlich und trotzdem miteinander verbunden.
Die Geschichte umfasst mehrere Jahrzehnte und gibt Einblicke in die Lebenswelt der drei Frauen. Manche Abschnitte waren für mich etwas ausführlicher, wodurch das Lesen stellenweise langsamer wurde. Trotzdem wollte ich wissen, wie es mit den einzelnen Schwestern weitergeht und ob sie irgendwann wieder zueinanderfinden.
Mich hat vor allem beschäftigt, was von einer Familie bleibt, wenn Menschen durch äußere Umstände getrennt werden. Trotz aller Unterschiede verlieren die drei Frauen ihre Verbindung nie ganz. Dieser Gedanke hat mich beim Lesen begleitet.
Insgesamt habe ich die Lebenswege von Gerti, Rudi und Hansi gern verfolgt. Es geht um Verlust, Liebe, Familie und darum, wie unterschiedlich Menschen mit dem umgehen, was ihnen im Leben widerfährt. Für mich war es ein lesenswerter Roman, dem ich 4 Sterne gebe.
Wenn die Götter zürnen
Priesterin von Thera von Iny Lorentz
Die junge Priesterin Atala lebt auf Thera, bis ein schweres Erdbeben ihr bisheriges Leben verändert. Ausgerechnet ihre eigene Tante gibt ihr die Schuld an dem Unglück. Atala wird deshalb für drei Jahre in ein weit entferntes Land geschickt. Dort muss sie sich in einer völlig fremden Umgebung zurechtfinden und gerät bald in eine gefährliche Sache hinein.
Beran, der jüngere Sohn des Stammesfürsten, wird dabei immer wichtiger für sie.
Atalas Leben als Priesterin fand ich interessant, weil dadurch auch die Vorstellungen der Menschen dieser Zeit eine große Rolle spielen. Die Götter bestimmen ihren Alltag und viele Entscheidungen werden von den religiösen Regeln beeinflusst. Gleichzeitig ist Atala aber keine Frau, die einfach hinnimmt, was andere für sie bestimmen. Sie denkt mit und versucht, aus schwierigen Situationen wieder herauszukommen.
Auch die fremde Welt, in die Atala durch ihre Verbannung kommt, wird ausführlich beschrieben. Beim Lesen musste ich mich erst einmal auf diese andere Lebensweise einlassen. Die Menschen leben nach ihren eigenen Regeln und auch Beran hat seine Pflichten und Vorstellungen. Zwischen ihm und Atala entwickelt sich die Beziehung nicht plötzlich, sondern wächst nach und nach. Durch die Gefahren, die sie gemeinsam erleben, lernen sie einander besser kennen. Diese Entwicklung konnte ich gut nachvollziehen.
Immer wieder gibt es Situationen, in denen Atala ihr Wissen und ihren Mut braucht. Dadurch bleibt die Handlung abwechslungsreich. Gleichzeitig merkt man, dass sie selbst nicht genau weiß, was ihre Zukunft bringen wird. Besonders dieser Teil ihrer Geschichte hat mich immer wieder beschäftigt.
Über allem liegt von Anfang an das Wissen um den Vulkanausbruch auf Thera. Je näher die Ereignisse diesem Punkt kommen, desto gespannter war ich darauf, wie es weitergeht. Die Katastrophe selbst wird eindringlich geschildert. Beim Lesen war die Vorstellung beklemmend, dass für die Menschen dort innerhalb kurzer Zeit nichts mehr so sein wird wie vorher. Besonders bedrückend fand ich den Gedanken, dass sie kaum eine Möglichkeit haben, dem Geschehen zu entkommen.
Nicht jede Stelle konnte mich gleich stark fesseln. Zwischendurch gab es Abschnitte, bei denen mir die Handlung etwas zu langsam voranging. Das hat den Gesamteindruck aber nicht kaputt gemacht, denn gerade die Ereignisse rund um Atala und Beran haben mich immer wieder zurück in die Geschichte gezogen.
Sehr gut gefallen hat mir auch die Verbindung zwischen dem persönlichen Schicksal der beiden und den großen Ereignissen dieser Zeit. Dadurch geht es nicht nur um eine Liebesgeschichte oder um eine historische Katastrophe. Es wird auch gezeigt, wie einzelne Menschen mit Veränderungen umgehen müssen, auf die sie keinen Einfluss haben.
Insgesamt war es für mich eine interessante Reise in eine sehr weit zurückliegende Zeit. Atala ist eine Hauptfigur, deren Weg nicht immer einfach ist und bei der sich vieles erst nach und nach entwickelt. Dazu kommen die fremde Lebensweise, die Bedeutung der Götter und schließlich der gewaltige Vulkanausbruch. Einige Längen gab es für mich zwar, trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen und vergebe dafür 4 Sterne.
Zwischen Hoffnung und Enttäuschung
Good for Nothing Girl von Sefi Atta
Gift ist 17 Jahre alt und möchte ihre Heimatstadt in Nigeria hinter sich lassen. Sie möchte studieren und endlich selbst bestimmen, wie ihr Leben aussehen soll. Deshalb nimmt sie die Möglichkeit an, als Au Pair Mädchen in die USA zu gehen. Sie verbindet damit viele Hoffnungen. Doch schon bald merkt sie, dass ihre Gastfamilie ihre Versprechen nicht so einhält, wie sie es erwartet hat.
Beim Lesen konnte ich verstehen, warum Gift zunächst so hoffnungsvoll ist. Sie glaubt, dass sich durch die Reise vieles für sie ändern wird. Stattdessen kümmert sie sich fast rund um die Uhr um das Baby und muss immer mehr Aufgaben im Haushalt übernehmen. Gleichzeitig wird ihre Einschreibung an der Universität ständig hinausgeschoben. Das hat mich beim Lesen teilweise wütend gemacht, weil Gift immer mehr leisten muss und kaum eine Möglichkeit hat, sich zu wehren.
Gift ist eine interessante Hauptfigur. Sie weiß anfangs selbst nicht genau, wie sie mit ihrer Situation umgehen soll. Einerseits ist sie noch jung und wirkt manchmal etwas naiv. Andererseits hat sie einen starken eigenen Willen. Mit der Zeit wird immer deutlicher, dass sie nicht bereit ist, sich alles gefallen zu lassen. Diese Veränderung habe ich beim Lesen aufmerksam verfolgt.
Auch die Unterschiede zwischen Nigeria und den USA spielen eine wichtige Rolle. Gift lernt eine völlig andere Umgebung kennen und muss dabei feststellen, dass ein Neuanfang nicht automatisch bedeutet, frei zu sein. Sie ist auf andere angewiesen und muss sich mit deren Vorstellungen auseinandersetzen. Der trockene Humor der Autorin hat einige dieser ernsten Situationen etwas aufgelockert.
Ganz überzeugen konnte mich die Geschichte trotzdem nicht. Zwischendurch gab es für mich einige Längen. Manche Situationen zogen sich und wiederholten sich in ähnlicher Form. An diesen Stellen war ich nicht mehr ganz so aufmerksam und habe mich gefragt, wann es für Gift endlich weitergeht.
Insgesamt habe ich Gift auf ihrem schwierigen Weg gerne begleitet. Besonders interessant fand ich, wie sie sich im Laufe der Geschichte verändert und immer mehr für sich selbst einsteht. Die Geschichte spricht wichtige Themen an und zeigt, wie schwer es sein kann, aus einer Situation herauszukommen, in der man auf andere angewiesen ist. Ganz gepackt hat sie mich allerdings nicht, deshalb sind es am Ende drei Sterne geworden.
Gefühle, Spannung und eine zweite Chance
Wo der Morgen wartet von Jessica Winter
Scarlett hat sich ganz dem Schutz junger Frauen verschrieben und in Brooklyn einen Ort geschaffen, an dem sie Sicherheit und Hilfe finden. Als eines der Mädchen plötzlich verschwindet, begegnet sie ausgerechnet Sam wieder. Die beiden kennen sich noch aus ihrer Schulzeit, und man merkt schnell, dass zwischen ihnen längst nicht alles vergessen ist.
Scarlett und Sam waren mir von Anfang an sympathisch. Beide haben Erfahrungen gemacht, die sie geprägt haben, und beide tun sich schwer damit, anderen wieder zu vertrauen. Sam kommt gerade von einem schwierigen Einsatz beim FBI zurück und ist selbst noch nicht ganz mit dem fertig, was er dort erlebt hat. Scarlett hat ebenfalls ihre Gründe, warum sie andere Menschen auf Abstand hält. Dadurch konnte ich ihre Gedanken und ihr Verhalten gut nachvollziehen.
Die Verbindung von Liebesgeschichte und Spannung hat mir sehr gut gefallen. Es bleibt eine Bedrohung bestehen, während sich zwischen Scarlett und Sam langsam wieder etwas entwickelt. Dabei geht es nicht nur um ihre alten Gefühle. Beide müssen sich auch fragen, ob sie den anderen wieder wirklich an sich heranlassen können. Diese Unsicherheit und die kleinen Schritte aufeinander zu wirkten auf mich glaubwürdig.
Gut fand ich auch die unterschiedlichen Blickwinkel. Dadurch bekam ich einen besseren Eindruck davon, was in Scarlett und Sam vorgeht. Sam hat seinen letzten Undercover Einsatz noch nicht hinter sich gelassen. Man merkt ihm an, dass ihn das Erlebte weiter begleitet. Gleichzeitig wird es rund um das Safe House immer schwieriger, sodass Scarlett und Sam sich mit der Gefahr auseinandersetzen müssen.
Ein paar Situationen sind mir beim Lesen länger im Kopf geblieben. Scarlett setzt sich mit viel Einsatz für die jungen Frauen ein, während Sam alles daransetzt, sie zu schützen. Gerade diese beiden Seiten haben mich beschäftigt. Zwischen den ernsteren Momenten gibt es auch Szenen, in denen die beiden einfach miteinander sein können. Das hat der Geschichte eine gute Mischung gegeben und verhindert, dass alles nur von der Bedrohung bestimmt wird.
Ich mochte es, Scarlett und Sam auf diesem Weg zu begleiten. Ihre gemeinsame Vergangenheit spielt dabei eine wichtige Rolle, ohne dass die Handlung ständig darauf herumreitet. Es fällt ihnen nicht leicht, wieder Nähe zuzulassen. Alte Unsicherheiten sind noch da und beide müssen erst herausfinden, ob sie einander wirklich wieder vertrauen können.
Die Mischung aus Gefühlen und Spannung hat für mich gut funktioniert. Scarlett und Sam sind mir im Laufe des Buches immer näher geworden, und ich habe mitgefiebert, ob sie trotz ihrer gemeinsamen Vergangenheit noch einmal zueinanderfinden. Deshalb vergebe ich gerne 5 Sterne.
Ein Neuanfang unter der Mitternachtssonne
Im Schein der Mitternachtssonne von Judith B. Carrol
Sophie hatte ihr Leben genau geplant. Doktorarbeit, Hochzeit und Karriere gehörten für sie fest zu ihren Zukunftsplänen. Doch als sie ihren Verlobten mit ihrer besten Freundin erwischt, bricht für sie eine Welt zusammen. Sie braucht Abstand und flieht nach Island. Dort möchte sie endlich das tun, was sie schon lange vorhatte, mit Walen arbeiten.
Ihren Wunsch, ganz neu anzufangen, konnte ich gut verstehen.
In Island begegnet sie Kató, der selbst mit einigen Problemen zu kämpfen hat. Sein Bruder liegt nach einem Unfall im Koma und auch das Familienunternehmen steht vor dem Aus. Deshalb kehrt Kató nach sieben Jahren in New York in seine Heimat zurück. Seine erste Begegnung mit Sophie verläuft allerdings ziemlich schlecht. Dass sie ausgerechnet auf seinem Whale Watching Boot arbeiten muss, macht die Sache nicht einfacher.
Ich fand es interessant zu beobachten, wie die beiden trotz ihrer schwierigen ersten Begegnung immer wieder miteinander zu tun haben. Sophie braucht die Arbeit und Kató kann ihre Kenntnisse gebrauchen. Nach und nach lernen sie sich besser kennen. Dabei merkt man, dass beide einiges mit sich herumtragen und nicht einfach so weitermachen können wie bisher.
Sophie hat mir als Figur gut gefallen. Sie lässt sich durch den Betrug zwar zunächst völlig aus der Bahn werfen, versucht aber trotzdem, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. In Island verändert sich nach und nach ihre Sicht auf vieles. Sie entdeckt dabei auch Seiten an sich, die in ihrem bisherigen Leben wenig Platz hatten. Diese Entwicklung habe ich gerne verfolgt.
Auch Kató wird im Laufe der Handlung verständlicher. Seine Rückkehr nach Island ist für ihn mit vielen Sorgen verbunden. Er muss sich um seinen Bruder kümmern und gleichzeitig versuchen, das Familienunternehmen zu retten. Dabei kommen auch Dinge aus seiner Vergangenheit zur Sprache, die erklären, weshalb er seine Heimat damals verlassen hat.
Faszinierend fand ich die Beschreibungen von Island. Die raue Landschaft, das Meer und die Mitternachtssonne vermitteln ein ganz besonderes Bild von diesem Land. Besonders eindrucksvoll sind die Fahrten mit dem Whale Watching Boot. Die Begegnungen mit den Walen werden anschaulich beschrieben und man merkt, wie viel Sophie diese Tiere bedeuten. Dadurch bekommt auch ihre Arbeit eine wichtige Bedeutung.
Die Liebesgeschichte zwischen Sophie und Kató entwickelt sich nicht einfach von einem Moment auf den anderen. Ihre unterschiedlichen Vorstellungen und die Probleme, die beide mitbringen, sorgen immer wieder für Unsicherheit. Das hat die Beziehung für mich glaubwürdig gemacht. Ich war gespannt, ob sie trotz aller Schwierigkeiten einen gemeinsamen Weg finden.
Beim Lesen konnte ich mit Sophie mitfühlen und verstehen, warum sie nach dem Erlebten erst einmal Abstand von ihrem bisherigen Leben braucht. Gleichzeitig war es interessant zu sehen, wie sie in Island immer mehr bei sich selbst ankommt. Auch Katós schwierige Situation hat mich beschäftigt, denn hinter seinem Verhalten steckt mehr, als zunächst zu erkennen ist.
Mir hat die Mischung aus Liebesgeschichte, Neuanfang, Familienproblemen und der Welt der Wale sehr gefallen. Dazu kommt Island als besonderer Schauplatz, der der Geschichte ihren eigenen Charakter gibt. Ich habe Sophie und Kató gerne auf ihrem Weg begleitet und war gespannt, wie sich ihr gemeinsames Leben weiterentwickelt.
Für mich war es eine schöne Geschichte über einen Neuanfang und den Mut, das eigene Leben noch einmal neu zu betrachten. Die besondere Landschaft Islands, die Arbeit mit den Walen und die persönliche Entwicklung der beiden Hauptfiguren machen das Buch zu einem abwechslungsreichen Leseerlebnis. Dafür vergebe ich sehr gerne 5 Sterne.
Wenn plötzlich alles verloren ist
Die Tochter vom Einödhof - Claras Geheimnis von Irene Zimmermann
Clara muss innerhalb kurzer Zeit vieles verkraften. Sie verliert ihren Hof und steht plötzlich ohne eigenes Vermögen da. Damit verändert sich ihr ganzes Leben. Trotzdem versucht sie, nicht aufzugeben und ihren Platz an der Seite von Georg zu behalten.
Beim Lesen war gut zu spüren, wie schwierig Claras Lage ist.
Sie kann nur wenig selbst entscheiden und ist oft darauf angewiesen, dass andere über ihre Zukunft bestimmen. Gerade das hat mich beschäftigt, denn Clara versucht trotz allem, ihre Würde zu bewahren und nicht den Mut zu verlieren.
Auch auf dem Gruberhof wird ihr das Leben nicht leichter gemacht. Clara findet dort zunächst eine Unterkunft und hofft darauf, mit Georg eine gemeinsame Zukunft aufbauen zu können. Doch mit Selmas Auftauchen wird diese Hoffnung auf eine harte Probe gestellt. Dadurch kommt immer mehr Unruhe in die Geschichte.
Es war interessant zu verfolgen, wie Clara mit den neuen Schwierigkeiten umgeht. Sie muss sich mit Menschen auseinandersetzen, die ihr nicht wohlgesonnen sind, und gleichzeitig versuchen, für sich selbst einen Weg zu finden. Dabei wird deutlich, dass sie zwar immer wieder unsicher ist, sich aber nicht einfach ihrem Schicksal ergibt.
Clara ist eine Figur, deren Gefühle gut nachvollziehbar sind. Ihre Angst vor dem, was vor ihr liegt, und ihre Sorgen um ihre Zukunft werden verständlich dargestellt. Gleichzeitig zeigt sie immer wieder Stärke, auch wenn sie selbst das vielleicht nicht so empfindet.
Das Leben auf dem Hof, die familiären Probleme und die damaligen Verhältnisse passen gut zusammen. Gerade die Abhängigkeit von Besitz und Familie wird deutlich. Für Frauen gab es nur wenige Möglichkeiten, ihr Leben selbst zu bestimmen. Dieser Teil der Geschichte hat mir ein gutes Bild von Claras schwieriger Situation vermittelt.
Manche Entwicklungen waren für mich schon etwas vorhersehbar. Trotzdem blieb die Geschichte interessant und ließ sich flüssig lesen. Vor allem wollte ich wissen, wie Clara mit allem umgehen wird und ob es ihr gelingt, sich aus ihrer schwierigen Lage zu befreien.
Insgesamt ist es eine gefühlvolle Geschichte über Verlust, Liebe und Zusammenhalt. Clara steht dabei klar im Mittelpunkt und macht mit ihrem Schicksal neugierig auf den weiteren Verlauf. Ihre Art, trotz vieler Rückschläge nicht völlig aufzugeben, hat mir imponiert.
Für mich war es eine unterhaltsame historische Geschichte, bei der vor allem Claras Lebensweg und ihre schwierige Situation im Mittelpunkt stehen. Nicht alles war überraschend, aber die Geschichte konnte mich gut durch die Handlung führen.
4 Sterne und eine Leseempfehlung für Fans historischer Romane.











