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Rezensionen von Shilo:

Wenn plötzlich alles verloren ist

Die Tochter vom Einödhof - Claras Geheimnis von Irene Zimmermann

Clara muss innerhalb kurzer Zeit vieles verkraften. Sie verliert ihren Hof und steht plötzlich ohne eigenes Vermögen da. Damit verändert sich ihr ganzes Leben. Trotzdem versucht sie, nicht aufzugeben und ihren Platz an der Seite von Georg zu behalten.
Beim Lesen war gut zu spüren, wie schwierig Claras Lage ist.

Sie kann nur wenig selbst entscheiden und ist oft darauf angewiesen, dass andere über ihre Zukunft bestimmen. Gerade das hat mich beschäftigt, denn Clara versucht trotz allem, ihre Würde zu bewahren und nicht den Mut zu verlieren.
Auch auf dem Gruberhof wird ihr das Leben nicht leichter gemacht. Clara findet dort zunächst eine Unterkunft und hofft darauf, mit Georg eine gemeinsame Zukunft aufbauen zu können. Doch mit Selmas Auftauchen wird diese Hoffnung auf eine harte Probe gestellt. Dadurch kommt immer mehr Unruhe in die Geschichte.
Es war interessant zu verfolgen, wie Clara mit den neuen Schwierigkeiten umgeht. Sie muss sich mit Menschen auseinandersetzen, die ihr nicht wohlgesonnen sind, und gleichzeitig versuchen, für sich selbst einen Weg zu finden. Dabei wird deutlich, dass sie zwar immer wieder unsicher ist, sich aber nicht einfach ihrem Schicksal ergibt.
Clara ist eine Figur, deren Gefühle gut nachvollziehbar sind. Ihre Angst vor dem, was vor ihr liegt, und ihre Sorgen um ihre Zukunft werden verständlich dargestellt. Gleichzeitig zeigt sie immer wieder Stärke, auch wenn sie selbst das vielleicht nicht so empfindet.
Das Leben auf dem Hof, die familiären Probleme und die damaligen Verhältnisse passen gut zusammen. Gerade die Abhängigkeit von Besitz und Familie wird deutlich. Für Frauen gab es nur wenige Möglichkeiten, ihr Leben selbst zu bestimmen. Dieser Teil der Geschichte hat mir ein gutes Bild von Claras schwieriger Situation vermittelt.
Manche Entwicklungen waren für mich schon etwas vorhersehbar. Trotzdem blieb die Geschichte interessant und ließ sich flüssig lesen. Vor allem wollte ich wissen, wie Clara mit allem umgehen wird und ob es ihr gelingt, sich aus ihrer schwierigen Lage zu befreien.
Insgesamt ist es eine gefühlvolle Geschichte über Verlust, Liebe und Zusammenhalt. Clara steht dabei klar im Mittelpunkt und macht mit ihrem Schicksal neugierig auf den weiteren Verlauf. Ihre Art, trotz vieler Rückschläge nicht völlig aufzugeben, hat mir imponiert.
Für mich war es eine unterhaltsame historische Geschichte, bei der vor allem Claras Lebensweg und ihre schwierige Situation im Mittelpunkt stehen. Nicht alles war überraschend, aber die Geschichte konnte mich gut durch die Handlung führen.
4 Sterne und eine Leseempfehlung für Fans historischer Romane.

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Ein dunkles Kapitel kommt ans Licht

Das Lächeln der Kinder von Julia Kröhn

Schon Lori und Milena haben mich beim Lesen sehr beschäftigt. Zwischen ihren Lebensgeschichten liegen viele Jahrzehnte, trotzdem gibt es eine Verbindung zwischen den beiden Frauen, die sich erst nach und nach zeigt. Beide kümmern sich um Kinder, die durch Krieg und Gewalt viel verloren haben und von anderen Menschen vergessen wurden.

Loris Geschichte spielt in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie setzt sich für Kinder ein, die von den Nationalsozialisten aus ihrer Heimat im Osten verschleppt wurden. Die Schicksale dieser Kinder haben mich sehr betroffen gemacht. Sie mussten Dinge erleben, die kein Kind erleben sollte. Lori versucht, ihnen zu helfen und ihnen wieder ein Stück Sicherheit zu geben. Dabei wird auch deutlich, wie viel Kraft dieser Einsatz von ihr verlangt.
In der Gegenwart ist es Milena, die sich um einen ukrainischen Jungen kümmert. Er wurde während des Krieges nach Russland verschleppt. Gerade dieser Teil hat mich nicht losgelassen, denn wieder sind es Kinder, die mit den Folgen eines Krieges leben müssen. Beim Lesen wurde mir dadurch sehr deutlich, dass solche Schicksale nicht einfach der Vergangenheit angehören.
Die beiden Zeitebenen haben für mich gut zusammengepasst. Nach und nach ergeben sich neue Zusammenhänge und ich wollte wissen, was Lori und Milena tatsächlich miteinander verbindet. Ich habe deshalb beim Lesen immer genauer auf die Hinweise geachtet. Erst nach und nach wird klar, was hinter der Verbindung der beiden Frauen steckt. Das hat meine Neugier bis zum Ende aufrechterhalten.
Julia Kröhn erzählt hier von einem sehr schwierigen Kapitel der Geschichte und stellt ihm eine Geschichte aus der Gegenwart gegenüber. Dabei begegnen einem Menschen, die trotz allem versuchen, für andere da zu sein. Gerade bei den Kindern hat mich manches sehr traurig gemacht. Es gab aber auch Stellen, bei denen ich das Gefühl hatte, dass sich trotz all des Erlebten noch etwas zum Guten wenden kann.
Ich musste beim Lesen öfter darüber nachdenken, was solche Erlebnisse mit einem Menschen machen und wie sehr sie ein ganzes Leben prägen können. Besonders bei den Kindern war das für mich schwer auszuhalten. Was ihnen genommen wurde, kann man nicht einfach ungeschehen machen. Umso wichtiger war mir, dass die Wahrheit über das Geschehene nicht verborgen bleibt und die Betroffenen nicht vergessen werden.
Am Ende bleibt bei mir vor allem die Geschichte von Lori und Milena und ihr Einsatz für Kinder zurück. Beide Frauen gehen ihren eigenen Weg und trotzdem verbindet sie viel mehr, als zunächst zu erkennen ist. Die Verbindung der beiden Zeitebenen hat mir dabei gut gefallen und auch das Geheimnis dahinter hat mich bis zum Schluss beschäftigt. Die Geschichte hat mich berührt und an einigen Stellen sehr nachdenklich gemacht. Lori, Milena und die Schicksale der Kinder sind mir auch nach dem Lesen noch im Kopf geblieben. Deshalb vergebe ich sehr gerne 5 Sterne.

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Zwischen Familie und eigenen Wünschen

Hinaus in den Wind von Trude Teige

Das Leben an der norwegischen Küste ist hart. Kristiane hat sich dort trotzdem ihren eigenen Platz erkämpft und übernimmt viel Verantwortung für ihre Familie. Man merkt aber auch, dass sie selbst nicht immer weiß, welcher Weg der richtige ist und dass sie einige Sorgen mit sich trägt.
Die Beziehung zu ihren Kindern hat mich beim Lesen besonders beschäftigt.

Kristiane wünscht sich, dass Anders die Familientradition fortführt und Schiffslotse wird. Doch Anders möchte sein eigenes Leben führen und fühlt sich zur Musik hingezogen. Für Kristiane ist das nicht leicht. Sie muss lernen, dass ihr Sohn andere Wünsche hat als sie. Dieser Teil der Geschichte hat mir gut gefallen, weil solche unterschiedlichen Vorstellungen innerhalb einer Familie sehr menschlich wirken.
Auch die Geschichte um das tote Kind, das Kristiane am Strand findet, bringt viel Unruhe in die kleine Fischergemeinschaft. Natürlich stellt sich die Frage, was passiert ist und wer die Mutter des Kindes ist. Gleichzeitig zeigt die Geschichte, wie streng die Menschen damals über andere urteilten. Schuld und Schande hatten einen großen Stellenwert. Einige Reaktionen konnte man kaum nachvollziehen, aber sie passten zu der Zeit, in der die Geschichte spielt.
Sehr schön fand ich die Beschreibungen der norwegischen Küste. Das Meer, der Wind und die raue Landschaft sind immer wieder Teil der Geschichte. Besonders wenn Kristiane zum Strand geht, bekommt die Handlung für mich eine ganz eigene Stimmung. Dort kann sie für kurze Zeit ihre Gedanken ordnen und Abstand von allem bekommen.
Kristiane ist eine Frau, die sich nicht einfach mit allem abfindet. Sie hat ihre Vorstellungen und versucht, diese auch durchzusetzen. Gleichzeitig kann sie nicht immer so handeln, wie sie es gerne möchte. Ihre Familie und die Erwartungen der Menschen in ihrem Umfeld spielen dabei eine große Rolle. Sie weiß zwar, was sie möchte, muss aber auch mit den Folgen ihrer Entscheidungen leben. Dass sie dabei nicht immer alles richtig macht, hat sie für mich nur menschlicher gemacht.
Trude Teige erzählt die Geschichte ruhig und verständlich. Neben den familiären Problemen gibt es immer wieder Stellen, an denen es spannend wird. Dazu kommen viele Einblicke in das Leben der Fischer und Seeleute. Auch die damalige Zeit wird gut vermittelt, ohne dass die Geschichte dadurch schwer zu lesen ist. An einigen Stellen hat mich die Handlung sehr berührt. Dabei blieb es aber immer angenehm zurückhaltend.
Ein Gedanke ist mir beim Lesen besonders aufgefallen: Es ist nicht einfach, den eigenen Weg zu gehen, wenn die Familie und die Tradition etwas anderes erwarten. Gerade Anders muss sich damit auseinandersetzen, was er selbst möchte und was von ihm erwartet wird. Auch Kristiane muss lernen, mit seinen Entscheidungen umzugehen.
Für mich war es eine schöne und bewegende Geschichte über Familie, Zusammenhalt und den Wunsch, das eigene Leben selbst zu bestimmen. Kristiane ist mir mit ihrer Stärke, aber auch mit ihren Zweifeln, sehr nahegekommen. Die raue norwegische Küste und das Leben der Menschen dort haben gut zu dieser Geschichte gepasst. Dafür gebe ich mit Überzeugung 5 Sterne.

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Wie aus einer Niederlage ein Welterfolg wurde

Der Parfümeur aus der Glockengasse, der ein Blumenmädchen liebte - Die Anfänge einer Duftdynastie von Arabella Meran

Im Köln des Jahres 1873 spielt diese Geschichte. Ferdinand Mülhens übernimmt das Dufthaus in der Glockengasse und hat dabei nicht nur mit den Schwierigkeiten seines Geschäfts zu kämpfen. Auf einer Reise nach Wien begegnet er Ottilie, einer Blumenverkäuferin. Ihre offene und mutige Art bleibt ihm nicht gleichgültig.

Aus dieser Begegnung entwickelt sich eine Beziehung, die durch ihre sehr unterschiedliche Herkunft immer wieder auf die Probe gestellt wird.
Die Geschichte von Ferdinand und Ottilie hat mir gut gefallen. Ottilie passt in den Augen von Ferdinands Familie nicht zu ihm, weil sie nicht aus den gleichen Verhältnissen kommt. Für sie ist es deshalb nicht leicht, ihren Platz zu finden. Beim Lesen konnte man gut merken, dass es damals viele Regeln gab, an die sich die Menschen halten mussten. Ottilie lässt sich davon allerdings nicht völlig bestimmen. Sie weiß, was sie möchte, und versucht, ihren eigenen Weg zu gehen. Das machte sie für mich zu einer sympathischen Figur.
Auch Ferdinand hat es nicht einfach. Neben den Problemen in seinem Geschäft muss er sich immer wieder mit seiner Familie und deren Erwartungen beschäftigen. Seine persönliche Geschichte bleibt dadurch eng mit der Entwicklung des Dufthauses verbunden. Das fand ich eine gute Verbindung, weil nicht nur die Liebesgeschichte im Mittelpunkt steht.
Die historischen Hintergründe haben mir ebenfalls gefallen. Man erfährt einiges über das damalige Köln, und auch die Parfümerie spielt eine wichtige Rolle. Die Düfte und das Geschäft von Ferdinand tauchen immer wieder auf und passen dadurch gut zur Handlung. Dazu kommt das Siebengebirge, das sich deutlich vom Leben in Köln unterscheidet und für einige ruhigere Momente sorgt.
Einige Stellen haben mich beim Lesen durchaus berührt. Besonders die Probleme, die Ferdinand und Ottilie wegen ihrer Beziehung haben, konnte ich gut nachvollziehen. Gegen die Familie und gegen das, was von ihnen erwartet wird, anzukommen, ist für beide nicht einfach. Gleichzeitig muss ehrlich gesagt werden, dass sich die Geschichte zwischendurch etwas gezogen hat. Manche Abschnitte waren mir einfach zu lang und ausführlich. Dadurch kam die Handlung an einigen Stellen nur langsam voran.
Trotzdem hat die Geschichte für mich insgesamt gepasst. Die Liebesgeschichte zusammen mit den historischen Ereignissen und Ferdinands Arbeit als Parfümeur fand ich interessant. Vor allem Ottilie ist mir dabei im Gedächtnis geblieben. Auch wenn es für sie nicht einfach ist, lässt sie sich nicht alles gefallen. Sie geht ihren eigenen Weg, so gut es unter den damaligen Umständen möglich ist.
Mir hat die Mischung aus der Liebesgeschichte und dem historischen Hintergrund gefallen. Auch Ferdinands Arbeit mit den Düften gibt der Geschichte ihren eigenen Rahmen. Dadurch geht es nicht nur um die Beziehung der beiden, sondern auch um seinen beruflichen Weg und das Dufthaus.
Die Anfänge des Dufthauses fand ich besonders interessant. Bei einigen Passagen hätte ich mir allerdings gewünscht, dass sie etwas kürzer gehalten wären. Trotzdem habe ich Ferdinand und Ottilie gerne auf ihrem Weg begleitet.
4 Sterne.

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Eine Liebe über alle Grenzen

Am Fluss der tausend Inseln von Nadine Riedesel Freifrau zu Eisenbach

Friederike ist erst fünfzehn Jahre alt, als sie Friedrich kennenlernt. Die beiden verlieben sich und heiraten. Doch schon bald müssen sie getrennt leben, denn Friedrich wird als Offizier nach Amerika geschickt.
Friederikes Leben hat mich beim Lesen immer wieder beschäftigt. Sie ist noch sehr jung und muss trotzdem mit Situationen zurechtkommen, die ihr viel abverlangen.

Besonders interessant fand ich, wie sie sich im Laufe der Geschichte verändert. Aus dem jungen Mädchen wird eine starke Frau, die ihre Entscheidungen selbst trifft und dabei nicht nur an sich denkt.
Auch die Zeit, in der die Geschichte spielt, fand ich sehr interessant. Der Siebenjährige Krieg und die Ereignisse in den amerikanischen Kolonien bilden den Hintergrund. Dabei wird das historische Geschehen nicht einfach in den Vordergrund gestellt. Vielmehr geht es um die Menschen, die mit diesen Umständen leben mussten.
Die Liebe zwischen Friederike und Friedrich zieht sich durch die ganze Geschichte. Dabei bleibt es nicht bei schönen gemeinsamen Zeiten. Ihre Ehe wird durch die Trennung und die Ereignisse des Krieges immer wieder auf die Probe gestellt.
Friederike muss Entscheidungen treffen, die sicher nicht leicht für sie waren. Dass sie ihrem Mann nach Amerika folgt, fand ich besonders bemerkenswert. Sie lässt dafür ihr bisheriges Leben hinter sich und nimmt vieles auf sich. Gleichzeitig ist sie Mutter und hat damit auch Verantwortung für ihre Kinder. Nicht immer weiß sie, welcher Weg der richtige ist, aber sie stellt sich den Dingen.
Gerade diese persönlichen Seiten haben mir beim Lesen gefallen. Friederikes Gedanken und ihre Sorgen waren gut nachzuvollziehen. An manchen Stellen konnte man sich vorstellen, wie schwer es für sie gewesen sein muss, so weit von ihrem Mann entfernt zu sein.
Interessant fand ich auch, dass die Geschichte auf wahren Ereignissen beruht. Dadurch liest man manche Situationen noch einmal anders. Hinter der Geschichte stehen schließlich Menschen, die wirklich gelebt haben. Friederike und Friedrich mussten diese Jahre tatsächlich erleben und gemeinsam mit ihren Kindern durchstehen.
Friederikes Leben war alles andere als einfach. Trotzdem hat sie sich nicht unterkriegen lassen. Genau das hat mir an ihrer Geschichte besonders gefallen.
Eine Geschichte über Liebe, Familie und eine Frau, die ihren eigenen Weg geht. Friederikes Lebensweg hat mich berührt und wird mir sicher noch länger im Gedächtnis bleiben.
Dafür gibt es von mir fünf Sterne.

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Sehr bewegend

Das Mädchen, das aus Auschwitz floh von Ellie Midwood

Manche Geschichten lassen sich nicht einfach lesen. Sie fordern Aufmerksamkeit und gehen einem auch dann noch nach, wenn das Buch längst geschlossen ist. Genauso war es hier.
Im Mittelpunkt steht Mala, eine junge Frau, die im Lager wegen ihrer Sprachkenntnisse als Lagerläuferin eingesetzt wird. Diese Aufgabe verschafft ihr kleine Freiräume, die sie nicht für sich selbst nutzt.

Sie versucht, anderen zu helfen, bringt Nachrichten weiter, organisiert Lebensmittel oder Medikamente und schenkt Menschen immer wieder ein wenig Hoffnung. Später begegnet sie Edek. Zwischen beiden entwickelt sich eine Verbindung, aus der der Wunsch entsteht, gemeinsam einen Weg in die Freiheit zu finden.
Beeindruckt hat mich vor allem, wie viel Menschlichkeit Mala selbst in einer so grausamen Zeit bewahrt. Es sind oft die kleinen Gesten, die lange im Gedächtnis bleiben. Ein freundliches Wort, eine mutige Entscheidung oder die Bereitschaft, das eigene Leben für andere aufs Spiel zu setzen. Gerade dadurch wirken viele Szenen besonders glaubwürdig und berührend.
Die Geschichte lebt aber nicht nur von den schweren Momenten. Auch die leise Hoffnung bekommt ihren Platz. Die Verbindung zwischen Mala und Edek entwickelt sich langsam und wirkt nie aufgesetzt. Sie gibt der Handlung etwas Helles, ohne das Leid der Menschen in den Hintergrund zu rücken.
Man spürt beim Lesen immer wieder, dass dieser Roman auf den Lebensgeschichten von Menschen beruht, die es wirklich gegeben hat. Gerade das macht viele Szenen noch eindringlicher. Die sorgfältige Recherche ist an vielen Stellen erkennbar und gibt der Geschichte zusätzliche Glaubwürdigkeit.
Dieses Buch erzählt von Mut, Mitgefühl und der Kraft, selbst unter unmenschlichen Bedingungen die Hoffnung nicht ganz zu verlieren. Es ist keine leichte Lektüre, aber eine, die noch lange beschäftigt. Von mir gibt es fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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Wenn die Erinnerungen zurückkehren

Und mittendrin der Birnbaum von Ute Mank

Eine Geschichte über Erinnerungen, die nach vielen Jahren wieder auftauchen, und über Dinge, über die lange geschwiegen wurde. Diese Seite der Geschichte hat mich besonders beschäftigt.
Dora kehrt nach vielen Jahrzehnten in ihr Heimatdorf zurück. Sie geht durch die Straßen, die ihr vertraut und zugleich fremd vorkommen, und denkt dabei immer wieder an ihre Kindheit.

Vieles, was lange vergessen schien, kommt wieder hoch.
Als Dora vor dem alten Haus ihrer besten Freundin Fanny steht, wird die Vergangenheit plötzlich sehr nah. Vor dem Haus liegen Stolpersteine, doch einer fehlt. Es ist der Stein für Fanny. Dora will das nicht einfach so hinnehmen und fragt sich, was damals mit ihrer Freundin geschehen ist.
Es ist schwer, sich nach so vielen Jahren mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Vor allem das Schweigen im Dorf und das Wegsehen der Menschen haben mich nachdenklich gemacht. Es gab Dinge, die bekannt waren, über die aber niemand sprechen wollte.
Die Erinnerungen an Doras Kindheit fand ich besonders interessant. Vieles wird aus ihrer damaligen Sicht erzählt und wirkt zunächst ganz alltäglich. Gleichzeitig ist bekannt, was diese Zeit für Fanny und ihre Familie bedeutet. Gerade dieser Gegensatz hat die Geschichte für mich so eindringlich gemacht.
Einige Stellen haben mich traurig gemacht. Trotzdem wollte ich immer wissen, wie es weitergeht und ob Dora endlich eine Antwort auf ihre Fragen bekommt. Die Frage, warum Menschen wegsehen, obwohl sie wissen, dass etwas nicht stimmt, kam mir dabei immer wieder in den Sinn.
Schuld und Verantwortung gehören ebenfalls zu dieser Geschichte. Dabei geht es nicht nur darum, was damals geschehen ist. Es geht auch darum, was Menschen später mit ihren Erinnerungen machen und ob man sich irgendwann noch dem stellen kann, was man früher nicht sehen oder nicht sehen wollte.
Ute Mank erzählt die Geschichte ruhig und ohne große Worte. Gerade dadurch konnte vieles seine Wirkung entfalten. Dora und Fannys Geschichte hat mich durch die Seiten begleitet. Manche Gedanken daran sind auch nach dem Ende des Buches noch geblieben.
Für mich ist es ein sehr stimmiger und berührender Roman über Freundschaft, Erinnerungen und eine schwere Zeit, in der Wegsehen für viele einfacher war als hinzusehen. Die Geschichte macht traurig, zeigt aber auch, wie wichtig es ist, Vergangenes nicht einfach verschwinden zu lassen.
5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Zwischen Bleiben und Aufbruch

Was die Felder hüten von Sara Maurer

Everett und Mary könnten kaum unterschiedliche Vorstellungen von ihrem Leben haben. Während Everett die Schaffarm seiner Familie erhalten möchte und sich mit dem Land verbunden fühlt, träumt Mary von einem anderen Leben.
Michigan und das Leben auf dem Land werden anschaulich beschrieben. Im Sommer ist es heiß, auf der Farm gibt es jeden Tag Arbeit und Everett kennt dieses Leben seit seiner Kindheit.

Man versteht dadurch gut, warum er dort bleiben möchte. Mary dagegen möchte mehr vom Leben und hat andere Pläne.
Die Liebe zwischen Everett und Mary steht dabei nicht allein im Mittelpunkt. Beide müssen sich irgendwann fragen, was ihnen wirklich wichtig ist und wie weit sie für den anderen gehen würden. Nach ihrer Entscheidung ist vieles nicht mehr so wie vorher und auch zwischen den beiden verändert sich einiges.
Beim Lesen gab es immer wieder Stellen, bei denen über die Wünsche und Vorstellungen der beiden nachgedacht wurde. Nicht jede Entscheidung war leicht nachzuvollziehen, gerade weil Everett und Mary so unterschiedliche Vorstellungen von ihrer Zukunft haben. An manchen Stellen hätte die Geschichte für meinen Geschmack ruhig etwas mehr Spannung haben dürfen.
Trotzdem hat mir die Geschichte insgesamt gefallen. Everett möchte auf seiner Farm bleiben, während Mary von einem anderen Leben träumt. Seine Familie und das Land, auf dem er aufgewachsen ist, sind ihm sehr wichtig. Dadurch wird es umso schwieriger für ihn, eine Entscheidung zu treffen, bei der auch seine Gefühle für Mary eine Rolle spielen.
4 Sterne

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Eine Entscheidung mit Folgen

Entscheidung an der Plage des Dames von Eric Vallardon

Schon zu Beginn wird deutlich, dass hier einiges passiert und nicht alles so einfach bleibt, wie es zunächst scheint. Immer wieder tauchen neue Fragen auf und dadurch wollte ich einfach weiterlesen.
Das Frankreich des 19. Jahrhunderts passt sehr gut zu dieser Familiengeschichte. Macht, Abhängigkeit und der Wunsch nach einem eigenen Leben ziehen sich durch die Handlung.

Joséphine weiß, was sie will, und lässt sich nicht einfach von anderen bestimmen. Umso bedrückender war es, zu sehen, wie Jérôme mit ihrer Zurückweisung umgeht und was daraus für Joséphine entsteht.
Später geht es auf der Atlantikinsel Noirmoutier weiter. Was lange zurückliegt, ist dort noch nicht vergessen. Joséphine und ihre Tochter Camille werden wieder mit der Vergangenheit konfrontiert. Für Camille wird diese Situation besonders schwierig, denn bei ihrer Entscheidung geht es auch um die Menschen, die ihr nahestehen. Gerade dieser Teil der Handlung hat mich sehr beschäftigt.
Die Insel und das Meer haben gut zur Handlung gepasst. Auch die Beschreibungen der Atlantikküste haben mir gefallen, weil dadurch ein klares Bild von der Umgebung entstanden ist.
Die Verbindung zwischen den einzelnen Schicksalen fand ich sehr interessant. Jeder hat seine eigenen Sorgen und muss Entscheidungen treffen, die nicht leicht sind. Dabei stellt sich immer wieder die Frage, wie lange man etwas hinnehmen kann und wann man den Mut finden muss, selbst etwas zu verändern.
Auch gegen Ende lässt die Spannung nicht nach. Beim Lesen wollte ich immer wieder wissen, was noch ans Licht kommt und wie die Entscheidungen der Figuren alles verändern werden.
Ein unglaublich spannendes Buch, bei dem die Seiten nur so dahinfliegen. Das Ende hat mich dann mit einigen offenen Fragen zurückgelassen. Jetzt möchte ich unbedingt wissen, wie es mit Joséphine und Camille weitergeht.
5 Sterne und eine klare Leseempfehlung für alle, die fesselnde historische Romane lieben.

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Wenn das Herz wieder hoffen darf

Wo die Liebe Wurzeln schlägt (Liebesroman) von Josefine Weiss

Vivien lebt nach dem Tod ihres Mannes sehr zurückgezogen und hält an der Vergangenheit fest. Erst ein Wasserschaden bringt sie dazu, ihr gewohntes Umfeld zu verlassen und in ihr Heimatdorf zurückzukehren. Dieser Schritt ist für sie nicht einfach, denn vieles erinnert sie dort an früher.
Am Fluss findet sie den Wurzelgarten.

Dass Menschen dort Briefe für Verstorbene hinterlassen, fand ich eine schöne Idee. Es ist ein Ort, an dem Vivien mit ihrer Trauer umgehen kann, ohne viele Worte dafür finden zu müssen.                                      Auch Marlon spielt dabei eine wichtige Rolle. Er begegnet Vivien mit viel Geduld und drängt sie zu nichts. Vivien braucht diese Zeit, denn sie hat sich lange davor geschützt, wieder jemanden an sich heranzulassen. Zwischen den beiden entsteht deshalb nicht sofort eine große Liebesgeschichte. Erst wächst Vertrauen, dann kommt die Nähe.
Viviens Umgang mit ihrer Vergangenheit hat mich beim Lesen beschäftigt. Sie muss ihren Mann nicht vergessen, um wieder glücklich werden zu können. Dieser Gedanke gehört für mich zu den schönen Seiten der Geschichte. Ihre Trauer bleibt ein Teil ihres Lebens, aber sie darf trotzdem wieder nach vorne schauen.
Vivien wird nicht von heute auf morgen zu einem anderen Menschen, sondern verändert sich langsam durch ihre Begegnungen und durch die Zeit im Heimatdorf. Auch ihre Gefühle für Marlon entwickeln sich in ihrem eigenen Tempo. 
Die Geschichte verbindet Trauer und Liebe auf eine ruhige Weise. Es geht um einen Menschen, der nach einem schweren Verlust erst wieder lernen muss, Vertrauen zu fassen und das Leben anzunehmen. Besonders der Gedanke, dass Erinnerungen bleiben dürfen und trotzdem etwas Neues entstehen kann, hat mich durch die Geschichte begleitet.
4 Sterne.

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