Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Shilo:
Wenn Sicherheit nicht mehr reicht
Den Geist aufgeben ist auch keine Lösung von Laura Roth
Marie Blum führt eigentlich ein Leben, um das man sie beneiden könnte. Sie hat einen guten Job, eine Tochter, einen scheinbar verlässlichen Ehemann und ein sicheres Zuhause. Trotzdem merkt man schnell, dass ihr etwas fehlt. Ihr Leben ist bequem geworden, aber glücklich macht es sie nicht.
Das tätowierte Herz an ihrem Handgelenk erinnert sie an eine vergangene Liebe und an eine Zeit, in der sie noch ganz anders gelebt hat.
Nach und nach wird deutlich, wie sehr sie diese Erinnerungen noch mit sich trägt. Als sie am Zentralfriedhof landet und ihr bisheriges Leben plötzlich mit anderen Augen sieht, beginnt für Marie eine Zeit, in der sie vieles hinterfragen muss.
Laura Roth verbindet Maries Geschichte mit Gefühl und schwarzem Humor. An einigen Stellen musste ich schmunzeln, während mich ihre Situation an anderen Stellen eher nachdenklich gemacht hat. Dieser Wechsel hat mir beim Lesen gut gefallen, weil die Geschichte dadurch trotz der ernsteren Themen leicht zu lesen bleibt.
Marie ist keine Frau, die einfach alles hinter sich lässt und plötzlich ein völlig anderer Mensch ist. Ihre Zweifel, ihre Erinnerungen und auch ihre Angst vor Veränderungen wirkten auf mich nachvollziehbar. Ich konnte gut verstehen, warum sie so lange an ihrem sicheren Leben festgehalten hat, obwohl sie dabei selbst immer unzufriedener wurde.
Interessant fand ich auch die Frage, wie lange man eigentlich nur funktioniert, bevor man merkt, dass man dabei das eigene Leben aus den Augen verloren hat. Die Autorin macht daraus keine schwere Lebensweisheit. Stattdessen steckt sie diese Gedanken in eine unterhaltsame und manchmal etwas schräge Handlung.
Der Schreibstil ist flüssig und lebendig. Viele Szenen konnte ich mir gut vorstellen und ich hatte schnell das Gefühl, Marie ein Stück auf ihrem Weg zu begleiten. Auch der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart hat für mich gut funktioniert. Dadurch wird nach und nach verständlicher, warum Marie heute so lebt, wie sie lebt.
Für mich ist das Buch eine Geschichte über verpasste Chancen, alte Gefühle und den Mut, noch einmal neu anzufangen. Sie hat mich zum Schmunzeln gebracht, mich aber auch an einigen Stellen nachdenklich werden lassen. Vor allem hat sie mir gezeigt, dass ein Leben, das festgefahren wirkt, nicht für immer so bleiben muss.
Eine unterhaltsame Geschichte mit schwarzem Humor, echten Gefühlen und einer Liebe, bei der selbst der Tod nicht das letzte Wort haben muss. Dafür gibt es von mir sehr gern 5 Sterne.
Zwei Frauen gegen eine Verschwörung
Die Spionin von London von Julius Arth
Schnell war ich mitten im London des Jahres 1683 und hatte dabei gleich ein gutes Bild von dieser kalten und schwierigen Zeit vor Augen. Emma und Ruth sind zwei Frauen, die ganz unterschiedlich mit ihrer Situation umgehen. Trotzdem führt ihr Weg zusammen, als sie merken, dass ihre Ehemänner in eine Verschwörung verwickelt sind.
Emma steckt in einer Ehe fest, die sie sich nicht ausgesucht hat. Ruth hat dagegen ihre ganz eigenen Gründe, warum sie ihrem Mann nicht mehr trauen kann. Dass ausgerechnet diese beiden Frauen zusammenarbeiten müssen, fand ich interessant. Am Anfang verbindet sie nicht viel, doch nach und nach entsteht Vertrauen zwischen ihnen. Beide haben ihre Ängste und müssen Entscheidungen treffen, bei denen es um viel geht.
Die Zeit und das damalige London werden mit vielen kleinen Einzelheiten beschrieben. Dadurch konnte ich mir die Umgebung beim Lesen gut vorstellen. Besonders der Frostmarkt auf der zugefrorenen Themse ist mir dabei im Gedächtnis geblieben. Auch Emmas Arbeit am Stand des Silberschmieds Guy Vallon bringt sie immer wieder in Situationen, die nicht ungefährlich sind.
Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto größer wird die Gefahr für Emma und Ruth. Gerade gegen Ende habe ich öfter überlegt, ob ihr Vorhaben wirklich gelingen kann. Es gab einige Momente, in denen ich mit den beiden mitgefiebert habe. Gleichzeitig hatte ich nie das Gefühl, den Überblick zu verlieren.
Die Verbindung von Spionage, historischen Ereignissen und dem Schicksal der beiden Frauen hat für mich gut funktioniert. Emma und Ruth stehen dabei klar im Mittelpunkt und ihre Zusammenarbeit hat der Geschichte etwas Eigenes gegeben. Ich fand es auch interessant zu sehen, wie beide mit ihrer schwierigen Lage umgehen und dabei immer wieder über ihren eigenen Schatten springen müssen.
Ich habe das Buch gerne gelesen und konnte für einige Stunden in das London des 17. Jahrhunderts eintauchen. Die Mischung aus Spannung, historischen Hintergründen und den beiden Frauen hat mir gefallen. Vor allem der Wettlauf gegen die Zeit am Ende hat mich noch einmal richtig mitgenommen.
5 Sterne.
Eine Gabe mit ungeahnten Folgen
Noch einmal, für immer von Mitch Albom
Schon die Idee, im Leben manche Dinge noch einmal machen zu können, hat mich begeistert. Alfie entdeckt bereits als Kind, dass er eine ganz besondere Gabe hat. Fehler lassen sich für ihn rückgängig machen und er bekommt eine zweite Möglichkeit. Was zunächst wie ein großes Glück wirkt, bekommt mit der Zeit eine ganz andere Bedeutung.
Alfie ist mir beim Lesen schnell nähergekommen. Zunächst geht er ziemlich selbstverständlich mit seiner Gabe um und nutzt sie auch, um peinliche oder unangenehme Situationen rückgängig zu machen. Nach und nach wird ihm jedoch klar, dass eine zweite Chance nicht automatisch bedeutet, dass danach alles besser wird.
Als Gianna in Alfies Leben kommt, wird seine Gabe noch einmal auf eine andere Probe gestellt. Die Beziehung der beiden fand ich fesselnd, weil hier nicht einfach alles glattläuft. Liebe lässt sich nicht zurücksetzen wie ein falscher Schritt. Manche Entscheidungen haben Folgen, auch wenn man sich noch so sehr wünscht, sie anders getroffen zu haben.
Die Geschichte verbindet eine besondere Idee mit ganz menschlichen Fragen. Was würde ich anders machen, wenn ich noch einmal von vorne anfangen könnte? Würde ich wirklich alles ändern wollen? Und was passiert mit den schönen Dingen, wenn man ständig versucht, Fehler zu vermeiden? Solche Gedanken sind mir beim Lesen immer wieder durch den Kopf gegangen.
Dabei bleibt Alfie für mich eine glaubwürdige Figur. Trotz seiner außergewöhnlichen Fähigkeit ist er kein Mensch, der immer weiß, was richtig ist. Gerade seine Unsicherheiten und seine Entscheidungen machen ihn für mich nahbar. Auch Gianna ist mir im Laufe der Geschichte immer wichtiger geworden.
Schon ab den ersten Seiten hat mich die Geschichte gefesselt. Es gibt spannende Momente, aber auch Stellen, an denen ich einfach weiterlesen wollte, weil ich wissen musste, wie Alfie mit dem nächsten Problem umgeht. Gleichzeitig hat das Buch eine gefühlvolle Seite, die mir gefallen hat, ohne zu übertrieben zu wirken.
Der Gedanke, dass es Dinge gibt, die selbst eine zweite Chance nicht ändern kann, ist bei mir hängen geblieben. Liebe und Tod lassen sich eben nicht nach den eigenen Vorstellungen lenken. Genau dadurch bekommt Alfies besondere Gabe auch ihre Grenzen.
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Es ist eine ungewöhnliche Geschichte über Entscheidungen, Fehler, Liebe und die Frage, was im Leben wirklich wichtig ist. Einige Gedanken haben mich auch nach dem Lesen noch ein Stück begleitet. Für mich waren es sehr schöne Lesestunden und deshalb gibt es von mir fünf Sterne.
Zwischen Familie, Pflicht und Liebe
Die barfüßige Marquise von Valérie Caron
Frankreich im Jahr 1793. Die Revolution verändert Marguerites Leben von einem Tag auf den anderen. Ihr Mann zieht mit den Aufständischen in der Vendée fort und sie bleibt mit ihren Kindern zurück. Von da an geht es für sie vor allem darum, irgendwie durch diese schwere Zeit zu kommen.
Marguerite hat mir beim Lesen oft leid getan.
Sie muss ihre Kinder schützen und gleichzeitig mit der Sorge um ihren Mann leben. Dazu kommen die Gefühle für Henri de La Rochejaquelein, die alles noch schwieriger machen. Ich fand es interessant zu sehen, wie sie mit dieser Situation umgeht, obwohl sie selbst oft nicht weiß, was der nächste Tag bringen wird.
Die Flucht durch das vom Krieg geprägte Frankreich fand ich sehr eindringlich beschrieben. Man merkt, wie unsicher Marguerites Leben geworden ist und dass sie sich auf nichts mehr verlassen kann. Immer wieder muss sie Entscheidungen treffen und dabei vor allem an ihre Kinder denken.
Auch die Begegnung mit Henri hat mir gut gefallen. Zwischen den beiden entwickeln sich Gefühle, obwohl eigentlich gar kein Platz dafür ist. Marguerite steht dadurch noch mehr zwischen ihrer Pflicht, ihrer Familie und dem, was sie selbst empfindet.
Die Französische Revolution wird dabei aus einer sehr persönlichen Sicht gezeigt. Es geht nicht nur um die großen Ereignisse, sondern auch darum, was sie für Menschen wie Marguerite bedeuten. Ihr gewohntes Leben bricht weg und sie muss lernen, mit einer völlig neuen Situation zurechtzukommen.
Marguerite ist mir im Laufe des Buches immer näher gekommen. Sie hat Angst und zweifelt, aber sie macht trotzdem weiter. Gerade das hat sie für mich glaubwürdig gemacht. Sie ist keine Heldin, die immer weiß, was zu tun ist, sondern eine Frau, die versucht, unter schwierigen Umständen das Richtige für ihre Kinder zu tun.
Ihre Geschichte war mir bisher nicht bekannt und hat mich deshalb umso mehr interessiert. Einige Situationen haben mich wirklich beschäftigt und ich habe oft darüber nachgedacht, wie ich selbst an ihrer Stelle gehandelt hätte.
Für mich war es ein bewegender historischer Roman über eine Frau, die in einer schweren Zeit über sich hinauswachsen musste. Marguerites Schicksal hat mich berührt und ich habe das Buch sehr gern gelesen.
5 Sterne.
Ein holpriger Start und ganz viel Herz
Winterküsse mit Meerblick von Lotte R. Wöss
Tessa möchte nach einer schweren Trennung endlich neu anfangen. In einer kleinen Pension in Büsum bekommt sie die Chance dazu. Allerdings läuft an ihrem ersten Arbeitstag so ziemlich alles schief. Angebrannte Eier, kaputtes Geschirr und ein grummeliger Handwerker machen ihr das Leben nicht gerade leicht.
Bei manchen Missgeschicken musste ich schmunzeln, denn Tessa hat wirklich keinen einfachen Start.
Hauke ist zunächst alles andere als freundlich zu ihr. Er hält nicht viel von Tessa und macht keinen Hehl daraus. Doch mit der Zeit merkt man, dass auch er seine Sorgen und Verletzungen mit sich herumträgt. Beide haben ihre Gründe, warum es ihnen schwerfällt, anderen zu vertrauen. Gerade deshalb fand ich es schön zu verfolgen, wie sie sich langsam näherkommen.
Tessa muss erst wieder lernen, an sich selbst zu glauben. Sie macht Fehler, lässt sich davon aber nicht auf Dauer unterkriegen. Auch Hauke braucht seine Zeit, um sich seiner Vergangenheit zu stellen und wieder Gefühle zuzulassen. Ihre Annäherung hat mir gefallen, weil nicht von heute auf morgen alles gut ist. Beide müssen erst herausfinden, was sie wirklich wollen und ob sie den Mut haben, sich aufeinander einzulassen.
Die kleine Pension, die Menschen dort und die Spaziergänge am Deich haben mir gut gefallen. Auch der große Neufundländer gehört für mich zu den schönen Einzelheiten des Buches. Die Umgebung von Büsum lässt sich beim Lesen gut vorstellen und passt wunderbar zu dieser Liebesgeschichte. Neben den humorvollen Szenen gibt es auch nachdenkliche Momente, in denen deutlich wird, wie sehr die Vergangenheit das Leben beeinflussen kann.
Tessa und Hauke sind mir mit ihrer ganz eigenen Art ans Herz gewachsen. Sie sind nicht perfekt und müssen beide noch einiges lernen. Tessa lässt sich von den vielen Pannen am Anfang nicht unterkriegen und findet langsam ihren eigenen Weg.
Die Zeit mit Tessa und Hauke hat mir gefallen. Ich mochte den Humor, die Menschen in der Pension und die Ausflüge an den Deich. Auch die Liebesgeschichte der beiden habe ich gerne verfolgt. Es war schön zu sehen, wie sie sich trotz ihrer Vergangenheit langsam näherkommen. Am Ende habe ich das Buch mit einem Lächeln zugeschlagen.
Von mir gibt es fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung.
Zwischen Hoffnung und Wirklichkeit
Das Leben, das wir nie haben werden von Timothée de Fombelle
Claire sitzt jeden Nachmittag in ihrer Pariser Wohnung und wartet auf einen Mann, in den sie verliebt ist. Für ihn schreibt sie geheime Texte ab. Dabei weiß sie genau, dass sie die Wohnung sofort verlassen soll, wenn er eines Tages nicht mehr kommt. Doch als dieser Tag eintritt, bleibt sie sitzen. Statt zu gehen, stellt sie sich vor, wie ein gemeinsames Leben mit ihm aussehen könnte.
Diese Idee fand ich sehr interessant. Obwohl Paris besetzt ist und überall Gefahr droht, hält Claire an ihren Wünschen fest. Sie denkt an Reisen, Kinder und ein gemeinsames Zuhause. Dabei weiß sie nicht, ob sie mit diesem Mann jemals eine Zukunft haben wird. Ihre Gedanken aufzuschreiben, ist für sie eine Möglichkeit, sich wenigstens in ihrer Vorstellung ein anderes Leben zu schaffen.
Der französische Widerstand bildet den Hintergrund dieser Liebesgeschichte. In Paris kann Claire sich nie sicher sein, was als Nächstes passieren wird. Claire versucht, sich an ihren Vorstellungen von einem gemeinsamen Leben festzuhalten. Das konnte ich gut nachvollziehen.
An die Erzählweise musste ich mich an einigen Stellen erst gewöhnen. Nicht alle Gedanken haben mich gleichermaßen erreicht, und manches hätte für mich etwas ausführlicher sein dürfen. Die Idee, dass Claire sich ein Leben ausmalt, das es vielleicht nie geben wird, fand ich ungewöhnlich. Ihre Gedanken haben mich auch nach dem Lesen noch beschäftigt.
Beim Lesen habe ich mich gefragt, wie es wohl wäre, sich so sehr etwas zu wünschen und doch nicht zu wissen, ob es jemals wahr wird. Nicht alles hat mich an diesem 96-seitigen Büchlein überzeugt, aber insgesamt hat es mir gut gefallen. 4 Sterne.
Ein fesselnder Roman über die Hexenverfolgung
Die Hexen von Böhmen von Tereza Vanek
Katerina und Elisa begegnen sich in einer Zeit, in der es für Frauen gefährlich werden kann, wenn sie sich nicht an die Regeln halten. Die beiden sind sehr unterschiedlich, doch sie freunden sich an. Auch als die Ereignisse sie voneinander trennen, bleibt ihre Verbindung bestehen.
Der Roman spielt im Böhmen des 17.
Jahrhunderts. Damals reichte schon der Verdacht auf Hexerei aus, um Menschen in große Gefahr zu bringen. Beim Lesen habe ich mich oft gefragt, wie es für die Frauen gewesen sein muss, ständig mit solchen Anschuldigungen rechnen zu müssen. Schon kleine Abweichungen von dem, was als normal galt, konnten schlimme Folgen haben.
Die Autorin verbindet die Erlebnisse ihrer Figuren mit historischen Ereignissen. Dabei bekommt man einen guten Einblick in das Leben zu dieser Zeit. Die Beschreibungen der Orte und der damaligen Lebensumstände ließen mich schnell in die Geschehen eintauchen. Auch die historischen Hintergründe sind gut in den Roman eingebunden. Man merkt, dass die Autorin sich intensiv mit dieser Zeit beschäftigt hat.
Katerina und Elisa haben mich schnell für sich eingenommen. Ihre Freundschaft hat mir imponiert, weil die beiden trotz ihrer Unterschiede zueinanderhalten. Doch als ein gefürchteter Inquisitor in der Gegend auftaucht, wird es für die Frauen immer gefährlicher. Jahre später treffen sie sich in Prag wieder, aber auch dort können sie sich nicht in Sicherheit fühlen.
Auf den 545 Seiten gibt es viele historische Ereignisse, persönliche Schicksale und Gefahren, die das Leben der Frauen bestimmen. Dabei geht es auch um Mut, Zusammenhalt und die Frage, wie weit Menschen gehen, wenn sie ihre Macht über andere ausüben können.
Mich hat der Roman von Anfang bis Ende gefesselt. Die Verbindung aus historischen Ereignissen und den Schicksalen der beiden Frauen hat mir sehr gut gefallen. Ich habe mit Katerina und Elisa mitgefiebert und das Buch sehr gerne gelesen. Dafür vergebe ich fünf Sterne.
Eine ungewöhnliche Freundschaft
Frostblüten von Holly-Jane Rahlens
Lotte und Estera könnten unterschiedlicher kaum sein. Die eine ist ein deutsches Mädchen, das den Krieg und die Nachkriegszeit in Berlin erlebt hat. Die andere ist eine polnisch jüdische Überlebende, die fast ihre ganze Familie verloren hat. Trotzdem entsteht zwischen den beiden eine Freundschaft, mit der wohl keine von ihnen gerechnet hat.
Die Begegnungen der beiden Mädchen haben mich beim Lesen oft beschäftigt. Beide tragen ihre eigene Vergangenheit mit sich herum und müssen mit Dingen zurechtkommen, die für so junge Menschen eigentlich kaum zu fassen sind. Lotte muss sich mit den Lügen auseinandersetzen, mit denen sie aufgewachsen ist. Estera hat dagegen ihre Eltern verloren und weiß nicht, was aus ihrer kleinen Schwester geworden ist.
Auch das Leben im Berliner Hungerwinter 1946/1947 wird sehr anschaulich beschrieben. Die Kälte, der Hunger und die schwierigen Bedingungen im DP Camp waren für mich beim Lesen gut vorstellbar. Dabei geht es nicht nur um die großen Ereignisse dieser Zeit. Gerade die Gespräche und Begegnungen zwischen Lotte und Estera haben mir gezeigt, wie vorsichtig sich Vertrauen entwickeln kann.
Die Geschichte hat mich nachdenklich gemacht. Trotzdem ist sie nicht nur von Verlust und schweren Erlebnissen geprägt. Beide Mädchen haben trotz allem den Wunsch, irgendwann wieder nach vorne zu schauen. Diese Hoffnung fand ich sehr schön, weil sie nicht übertrieben wirkt.
Gut gefallen hat mir auch, dass die Freundschaft nicht einfach von Anfang an funktioniert. Beide müssen erst verstehen, was die andere erlebt hat. Gerade dadurch wirkte ihre Annäherung auf mich glaubwürdig.
Die Beschreibungen vom Winter und vom Leben nach dem Krieg konnte ich mir gut vorstellen. Man merkt beim Lesen, wie schwer es die Menschen damals hatten.
Trotz allem fand ich es schön zu sehen, dass Lotte und Estera nicht nur mit ihrer Vergangenheit beschäftigt sind. Beide wünschen sich, dass ihr Leben irgendwann wieder leichter wird.
Die Geschichte von Lotte und Estera ist mir nach dem Lesen noch durch den Kopf gegangen. Vor allem Esteras Schicksal hat mich beschäftigt. Ich mochte, dass trotz allem, was die beiden erlebt haben, am Ende auch Hoffnung bleibt. Dafür gibt es von mir 5 Sterne.
Eine alte Schuld
Eine Schuld vergeht nie von Florence Jones
Josepha Brandtner kommt an einem Juniabend 1957 nicht von der Arbeit nach Hause. Die Polizei geht schnell davon aus, dass sie mit einem amerikanischen Soldaten verschwunden sein könnte. Ihr Bruder Andreas glaubt das jedoch nicht. Zusammen mit Josephas Freundin Kathi versucht er herauszufinden, was wirklich passiert ist.
Doch ihre Suche bleibt ohne Ergebnis. Die Feindschaft zu Richard Seeberger begleitet Andreas und seine Familie noch viele Jahre.
Dieser Einstieg hat mich sofort neugierig gemacht. Das Verschwinden von Josepha bleibt nicht einfach eine Sache aus der Vergangenheit, sondern beschäftigt die Familien noch lange danach. Die alte Feindschaft zwischen ihnen wirkt sich schließlich auch auf die nächste und übernächste Generation aus.
Mit Emma und Florian kommt eine weitere Verbindung hinzu. Ausgerechnet die beiden verlieben sich ineinander, obwohl ihre Großväter seit Jahren verfeindet sind. Emma hofft, dass ihre Liebe diese alte Feindschaft beenden kann. Beim Lesen habe ich mich immer wieder gefragt, ob es ihnen wirklich gelingt, die Vergangenheit hinter sich zu lassen.
Florence Jones verbindet die verschiedenen Familienmitglieder gut miteinander. Nach und nach wird deutlich, welche Folgen ein Ereignis haben kann, das nie aufgeklärt wurde. Dabei fand ich es interessant zu sehen, wie alte Vorwürfe und Erinnerungen auch viele Jahre später noch das Leben der Familie beeinflussen.
Nach meiner Begeisterung für die dreiteilige Zwei-Kontinenten-Saga der Autorin war dieser Auftakt für mich ein absolutes Muss. Meine Erwartungen waren deshalb ziemlich hoch. Auch diesmal hat Florence Jones mich wieder überzeugt. Ich war schnell mitten in den Familien und ihren Problemen und wollte wissen, wie sich alles weiterentwickelt.
Das offene Ende hat mich allerdings etwas ungeduldig zurückgelassen. Noch sind viele Fragen offen und besonders das Geheimnis um Josepha lässt mich nicht los. Deshalb möchte ich unbedingt erfahren, wie es mit Emma und Florian weitergeht und welche Antworten die Fortsetzung bringt.
Für mich ist das ein sehr gelungener Auftakt der neuen Dilogie. Nun heißt es leider warten. Auf die Fortsetzung im November freue ich mich schon sehr.
5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.
Hinter Wiens prachtvollen Fassaden
Intrigen in Wien von Ada Caine
Hanna von Wildermuth arbeitet als Gouvernante in einer wohlhabenden Familie und hat sich dort ihren eigenen Platz geschaffen. Doch hinter der schönen Fassade des Wiener Lebens zur Jahrhundertwende sieht es anders aus. Schon bald gerät Hanna in Situationen, in denen sie zeigen muss, was wirklich in ihr steckt.
Sie nimmt nicht einfach hin, was um sie herum geschieht. Als die Gräfin Valeria durch Gier und Betrug in Schwierigkeiten gerät, versucht sie zu helfen. Später wird es noch gefährlicher, als ein Attentat geplant wird und Georgs Erfindungen das Interesse eines skrupellosen Fabrikanten wecken. Dadurch bleibt die Handlung in Bewegung und es gibt für Hanna einiges zu bewältigen.
Hanna ist mir schnell vertraut geworden. Sie weiß, welchen Platz sie in der Gesellschaft hat, lässt sich davon aber nicht davon abhalten, ihre eigene Meinung zu vertreten und für andere einzustehen. Auch wenn es schwierig wird, bleibt sie bei ihrer Haltung und versucht, ihren Weg zu gehen. Dabei macht sie auch Fehler und muss manche Dinge erst für sich klären. Genau das hat sie für mich glaubwürdig gemacht.
Georg bringt mit seinen Gefühlen für Hanna noch eine andere Seite in die Geschichte. Zwischen den beiden ist nicht alles einfach, denn ihre Herkunft und ihre Stellung in der Gesellschaft stehen ihnen im Weg. Ich habe gern beobachtet, wie die beiden damit umgehen.
Das Wien der Jahrhundertwende passt sehr gut zum Geschehen. Die prachtvolle Welt der reichen Familien steht im Gegensatz zu den Gefahren, die sich dahinter verbergen. Durch Valerias Probleme, das geplante Attentat und die Sache mit Georgs Erfindungen bleibt es für Hanna aufregend. Dabei waren für mich nicht nur die Gefahren wichtig, sondern auch die Menschen, die hinter den Ereignissen stehen.
Für mich ist es eine gelungene Fortsetzung der Reihe. Hanna hat sich weiterentwickelt und ich habe sie gern auf ihrem Weg begleitet. An einigen Stellen wollte ich einfach nur wissen, wie es weitergeht. Auch die persönlichen Seiten der Geschichte haben mich wieder erreicht.
Auch dieser dritte Band der Reihe verbindet eine sympathische Hauptfigur mit historischen Einblicken, Intrigen und einigen gefährlichen Situationen. Ich habe das Buch sehr gern gelesen und bin gespannt, wie Hannas Weg weitergeht. 5 Sterne.











