Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Shilo:
Süße Träume, schwere Zeiten
Niederegger - Der Traum vom edlen Genuss von Lena Johannson
Die Geschichte über die Anfänge von Niederegger hat mir sehr gut gefallen. Die Mischung aus der Geschichte dieser Zeit, den persönlichen Schicksalen und dem Thema Marzipan fand ich gelungen. Das Buch war für mich dadurch interessant und gleichzeitig angenehm zu lesen.
Johann arbeitet als Geselle in einer Lübecker Konditorei.
Er möchte nicht sein ganzes Leben dort bleiben, sondern hat eigene Pläne. Seine Idee, selbst Marzipan herzustellen, bringt ihn seinem Ziel ein Stück näher. Anna steht an seiner Seite und auch ihre gemeinsame Geschichte nimmt einen guten Platz im Roman ein. Beide müssen einiges durchmachen und lassen sich trotzdem nicht so leicht von ihren Plänen abbringen.
Auch das Leben in Lübeck um 1800 wird gut vermittelt. Die Arbeit in der Konditorei, der Handel und die Bedeutung der Mandeln passen gut zu dieser Zeit. Dabei lässt sich einiges über die damaligen Lebensbedingungen erfahren, ohne dass die Geschichte dadurch trocken wird.
Die Entwicklung rund um die Entstehung von Niederegger fand ich sehr spannend. Man bekommt einen guten Eindruck davon, wie viel Arbeit und Mut nötig waren, bis aus einer Idee ein Unternehmen werden konnte. Dazu kommen echte Personen und Ereignisse aus der damaligen Zeit.
Die Beschreibungen aus der Konditorei haben mir ebenfalls gefallen. Beim Lesen konnte man sich die vielen Köstlichkeiten und natürlich auch das Marzipan gut vorstellen. Da bekommt man schon Lust, selbst einmal wieder Marzipan zu essen.
Mit Johann und Anna geht es nicht immer nur bergauf. Es gibt schöne Momente, aber auch Enttäuschungen und Entscheidungen, die Johann und Anna nicht leichtfallen. An manchen Stellen hat mich ihre Geschichte berührt. Vor allem, dass sie trotz der vielen Probleme nicht aufgeben, war teilweise sehr bewegend.
Am Ende bleibt für mich eine unterhaltsame Geschichte mit vielen Einblicken in die damalige Zeit. Die Anfänge von Niederegger wurden dabei auf eine Art erzählt, die sich gut lesen lässt. Johann und Anna waren Figuren, deren Weg ich gern verfolgt habe. Und nach den vielen Marzipanbeschreibungen bekommt man fast automatisch Appetit auf ein Stück dieser süßen Verführung. Für mich sind das 5 Sterne.
Liebe, Schuld und alte Geheimnisse
Buckeye von Patrick Ryan
In Bonhomie, einer kleinen Stadt in Ohio, treffen die Lebenswege von Cal, Margaret, Becky und Felix aufeinander. Was 1945 mit einem Kuss beginnt, bleibt nicht ohne Folgen. Aus dieser Begegnung entwickelt sich eine Geschichte, die die beiden Familien lange miteinander verbindet.
Beim Lesen geht es bald um mehr als um die Beziehung zwischen Cal und Margaret.
Die beiden treffen eine Entscheidung, deren Folgen sie nicht einfach hinter sich lassen können. Auch die anderen Familienmitglieder haben ihre eigenen Wünsche, Sorgen und Geheimnisse.
Die Figuren machen Fehler und treffen Entscheidungen, die nicht immer leicht zu verstehen sind. Gerade das machte sie für mich glaubwürdig. Niemand ist nur gut oder schlecht. Jeder versucht auf seine Weise, mit dem eigenen Leben klarzukommen.
Interessant fand ich auch die Zeit, in der die Geschichte spielt. Das Leben in der kleinen Stadt nach dem Krieg wird anschaulich beschrieben. Gleichzeitig verändert sich Amerika und diese Veränderungen gehen auch an den Familien nicht vorbei. Später spielt der Vietnamkrieg eine Rolle und bringt neue Probleme mit sich.
Die Handlung ist eher ruhig erzählt und nimmt sich viel Zeit für die einzelnen Personen. Manchmal war mir das etwas zu ausführlich. Trotzdem wollte man wissen, wie es mit den Familien weitergeht und was aus dem alten Geheimnis wird.
Einige Stellen haben mich nachdenklich gemacht. Vor allem die Frage, was ein Geheimnis mit einer Familie machen kann, zieht sich durch die Geschichte. Auch Schuld und Vergebung kommen immer wieder zur Sprache.
Zum Ende hin werden viele offene Dinge geklärt. Nach so vielen Jahren mit den Figuren bleibt ein etwas wehmütiges Gefühl zurück. Manche Entscheidungen können eben nicht mehr geändert werden.
Ein Familienroman mit einer ruhigen Erzählweise, mehreren Generationen und einem Geheimnis, das lange nicht ausgesprochen wird. Vier Sterne.
Wenn Laura einfach nicht mehr mitmacht
Laura Clark ist dann mal weg von Helen Russell
Laura Clark ist weg. Einfach weg. Und erst als sie nicht mehr da ist, fällt ihrem Umfeld auf, wie selbstverständlich sie sich um alles gekümmert hat.
Genau dieser Gedanke hat mich beim Lesen immer wieder beschäftigt. Laura scheint die Frau zu sein, die sich um die Familie kümmert, im Büro alles auffängt und auch für andere noch ein offenes Ohr hat.
Solange sie da ist, wird vieles einfach hingenommen. Erst als sie fehlt, wird sichtbar, wie viel an ihr hängen geblieben ist.
Dabei ist die Geschichte nicht nur ernst. Es gibt einige Situationen, bei denen man schon schmunzeln muss. Besonders im Büro und auch bei Mark zu Hause läuft einiges aus dem Ruder. Die Suche nach Laura wird dadurch immer wieder aufgelockert, ohne dass das eigentliche Thema verloren geht.
Auch Sian fand ich interessant. Sie sucht zwischen Wäschebergen nach Antworten und muss dabei wohl selbst erst verstehen, wie wenig sie eigentlich über das Leben ihrer Mutter weiß. Solche kleinen Momente haben mir besser gefallen als große dramatische Szenen.
Überhaupt geht es gar nicht nur darum, wo Laura geblieben ist. Viel interessanter ist die Frage, warum eine Frau, die immer für alle da war, irgendwann einfach nicht mehr kann oder nicht mehr will. Das wirkt zunächst vielleicht etwas ungewöhnlich, aber je mehr man über Laura und ihr Leben erfährt, desto verständlicher wird ihr Wunsch, einmal nur an sich selbst zu denken.
Beim Lesen gab es immer wieder Stellen zum Schmunzeln, aber auch solche, bei denen kurz der Gedanke kam: Wie oft macht man eigentlich etwas für andere, obwohl man selbst längst keine Lust oder Kraft mehr dazu hat?
Die Geschichte hat mir gerade deshalb gefallen, weil sie dieses Thema nicht schwer macht. Sie erzählt mit Humor von einer Frau, die irgendwann ihre eigene Grenze erreicht hat. Und während alle anderen noch überlegen, wo Laura sein könnte, muss ihr Umfeld ganz nebenbei lernen, ohne sie klarzukommen.
Ein unterhaltsames Buch mit einer einfachen, aber durchaus wichtigen Frage dahinter: Was passiert, wenn jemand, der sonst immer für alle da ist, plötzlich einmal sich selbst an die erste Stelle setzt?
5 Sterne.
Zwischen Schuld und Liebe
Am Rand der Welt von Caroline Bernard
Gretes Leben an der Nordsee hatte mit den Vorstellungen, die anfangs vielleicht vorhanden waren, wenig zu tun. Der neue Koog bringt harte Arbeit, Unsicherheit und eine Einsamkeit mit sich, die an vielen Stellen spürbar wird. Gerade diese Seiten des Buches wirkten besonders glaubwürdig. Das Meer ist ständig präsent und macht deutlich, wie abhängig die Menschen damals von ihrer Umgebung waren.
Vieles dreht sich um eine Entscheidung, die Grete wegen ihrer Tochter Luise trifft. Lange Zeit bleibt die ganze Tragweite davon im Hintergrund. Trotzdem ist immer zu spüren, dass etwas unausgesprochen zwischen den Zeilen steht. Das hat neugierig gemacht und die Geschichte zusammengehalten.
Immer wieder wechseln die Kapitel zu Kristine. Während sie sich mit der Vergangenheit ihrer Familie beschäftigt, werden einzelne Puzzleteile zusammengesetzt. Dadurch entstehen Verbindungen zwischen den Generationen, die nach und nach verständlich werden.
Niemand in dieser Geschichte ist frei von Fehlern. Die Figuren handeln manchmal aus Angst, manchmal aus Liebe und nicht jede Entscheidung lässt sich sofort verstehen. Das macht sie sehr menschlich. Ihre Sorgen und Zweifel wirken glaubwürdig und geben der Handlung zusätzliche Tiefe.
Auch die Landschaft bleibt in Erinnerung. Die Weite, der Wind und die Nähe zum Meer begleiten die Handlung fast durchgehend. Vieles davon ließ sich beim Lesen leicht vorstellen.
Nach dem letzten Kapitel blieb nicht eine einzelne Szene besonders hängen, sondern das Zusammenspiel der verschiedenen Lebensgeschichten. Die Verbindung zwischen Großmutter, Tochter und Enkelin entwickelt sich ruhig, aber mit Wirkung. Ein Roman, der ohne große Dramatik auskommt und gerade dadurch lange nachwirkt. 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.
Eine Rückkehr mit Folgen
Hummerjahre von Beatrix Gerstberger
Die Geschichte auf Eagle Island hat mich wieder schnell in ihre Welt hineingezogen. Dabei geht es erneut um Menschen, deren Leben schon im ersten Band eine wichtige Rolle gespielt haben. Gleichzeitig bekommen einige Dinge aus der Vergangenheit noch einmal eine andere Bedeutung.
Besonders Julie ist mir beim Lesen nahegegangen.
Nach dem Tod ihres Mannes und ihrer Freundin ist Julie zunächst sehr allein. Trotzdem versucht sie, wieder etwas mehr am Leben teilzunehmen und nicht nur auf das zu schauen, was sie verloren hat. Gerade diese Entwicklung fand ich sehr gelungen.
Auch Mina und ihre Familie haben einiges aus der Vergangenheit mit sich herumzutragen. Auf Eagle Island kommen Dinge wieder zur Sprache, die lange zurückliegen. Dabei geht es um Liebe, Enttäuschungen und um die Frage, ob man irgendwann mit dem Vergangenen abschließen kann.
Die Figuren wirken sehr menschlich. Niemand macht immer alles richtig und manche Entscheidungen waren beim Lesen nicht leicht nachzuvollziehen. Trotzdem konnte man verstehen, warum die Menschen so handeln. Gerade diese unterschiedlichen Seiten haben die Geschichte für mich glaubwürdig gemacht.
Eagle Island selbst gehört für mich einfach zu dieser Geschichte dazu. Das Meer, die Hummerboote und das alte Ferienhaus geben dem Ganzen den passenden Rahmen. Manche Szenen waren traurig, andere haben wieder Hoffnung gegeben.
Viele Dinge entwickeln sich eher langsam. Gespräche und Begegnungen sorgen dafür, dass sich nach und nach etwas verändert. Das hat für mich gut zur Geschichte gepasst.
Hummerjahre ist für mich ein stimmiger Abschluss der Hummerfrauen-Reihe. Verlust, Erinnerungen und die Menschen, die einem im Leben wichtig sind, spielen eine große Rolle. Gerade Julies Umgang mit ihrer Vergangenheit hat mich beschäftigt und auch nach dem Lesen noch etwas begleitet.
Am Ende bleibt eine Geschichte über Frauen, die trotz mancher schweren Erfahrungen ihren eigenen Weg suchen. Die Gefühle wirken dabei nicht überzogen, sondern passen zu den Figuren und ihren Erlebnissen. Dafür vergebe ich sehr gerne 5 Sterne.
Berührend
Goodbye, Honeysuckle von Tayari Jones
Vernice und Annie sind zwei junge Frauen, die schon früh mit einer großen Lücke in ihrem Leben leben müssen. Beide kennen ihre Mütter nicht. Trotzdem gehen sie ganz unterschiedliche Wege. Während Vernice zum Studium nach Atlanta geht, verschlägt es Annie nach Memphis. Ihre Freundschaft bleibt dabei bestehen und die Briefe zwischen ihnen sind ein schöner Teil der Geschichte.
Besonders Annie hat mich beschäftigt. Sie arbeitet in einem Nachtclub und wartet gleichzeitig darauf, dass ihre Mutter eines Tages auftaucht. Diese Hoffnung lässt sie nicht los. Auch Vernice macht ihre eigenen Erfahrungen und beginnt, ihr Leben mehr und mehr selbst in die Hand zu nehmen. Beide Frauen entwickeln sich weiter, ohne dass ihre Freundschaft dabei verloren geht.
Die Geschichte spielt in einer Zeit, in der Schwarze Frauen in Amerika mit vielen Einschränkungen leben mussten. Das wird nicht nur nebenbei erwähnt, sondern gehört ganz selbstverständlich zu ihrem Alltag. Dadurch wird verständlich, warum manche Entscheidungen für Vernice und Annie nicht so einfach sind.
Die Briefe zwischen den beiden haben der Geschichte für mich etwas Besonderes gegeben. Sie zeigen, was sie voneinander wissen und was sie sich vielleicht nur gegenseitig erzählen können. Man merkt, dass diese Freundschaft für beide wichtig ist, auch wenn sie ihr Leben weit voneinander entfernt führen.
Nicht alles hat mich gleich stark erreicht. Manches hätte für meinen Geschmack etwas schneller erzählt werden können. Trotzdem waren mir die beiden Frauen beim Lesen nicht gleichgültig. Gerade ihre unterschiedlichen Lebenswege und die Frage nach ihren Müttern haben mich immer wieder zur Geschichte zurückgeführt.
Am Ende bleibt vor allem eine Geschichte über Freundschaft, Familie und die Menschen, die uns fehlen. Sie zeigt, dass die Vergangenheit nicht einfach verschwindet, nur weil man sein eigenes Leben beginnt. Insgesamt war es für mich ein bewegender Roman, der mir trotz kleiner Längen gut gefallen hat und für den es von mir 4 Sterne gibt.
Die Geschichte einer vergessenen Frau
Im Licht des neuen Tages von Jarka Kubsova
Die Handlung dieses Romans entwickelt sich in einem ruhigen Tempo und lässt den Figuren viel Raum. Elli Hajek zieht sich zum Schreiben in ein abgelegenes Haus im böhmischen Wald zurück. Dort beschäftigt sie sich immer mehr mit Viktorka, von der ihre tschechische Großmutter erzählt hat. Je mehr Elli über sie herausfindet, desto stärker wird auch ihre eigene Vergangenheit zum Thema.
Je weiter Elli in Viktorkas Leben eintaucht, desto mehr Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Frauen werden sichtbar. Trotz der unterschiedlichen Zeiten verbindet die beiden mehr, als zunächst zu erkennen ist. Beide müssen ihren eigenen Weg finden und sich mit Dingen auseinandersetzen, die lange verdrängt oder von anderen beurteilt wurden. Dadurch bekommt die Handlung mehr Tiefe, ohne dass sie ständig im Vordergrund stehen muss.
Der böhmische Wald wird sehr anschaulich beschrieben und bekommt dadurch seinen eigenen Platz im Roman. Farn, Wege und das Wasser konnte man sich beim Lesen gut vorstellen. Gleichzeitig hat dieser Ort etwas Geheimnisvolles, das gut zu Viktorkas Leben passt.
Ellis persönliche Suche fand ich ebenfalls interessant. Eigentlich möchte sie in dem abgelegenen Haus an ihrem Buch arbeiten. Stattdessen kommt sie immer mehr ihrer eigenen Vergangenheit näher. Ihre Reise nach Tschechien wird dadurch zu mehr als einer Suche nach Viktorkas Wahrheit. Dabei geht es immer wieder um alte Erinnerungen, die eigene Herkunft und das, was man lange hinter sich lassen wollte.
Die Handlung wird eher ruhig erzählt und ist stellenweise märchenhaft. Manches erschließt sich erst nach und nach. Das langsame Tempo hat für mich meistens gut gepasst, auch wenn es zwischendurch etwas zügiger hätte sein dürfen.
Gut gelungen ist außerdem, dass Frauen und ihre Lebenswege eine wichtige Rolle spielen. Dabei zeigt sich auch, wie wenig Frauen früher selbst über ihr Leben bestimmen konnten und wie schnell andere über sie urteilten, wenn sie nicht den Vorstellungen ihrer Zeit entsprachen. Dadurch bekommt Viktorkas Leben eine größere Bedeutung und bleibt nicht nur ihre persönliche Geschichte.
Am Ende bleibt vor allem ein ruhiger und nachdenklicher Eindruck zurück. Nicht jede Stelle hat mich gleich stark erreicht, aber die Verbindung von Elli und Viktorka, der böhmische Wald und die Fragen nach Herkunft und Freiheit haben mir gut gefallen. Ein Roman, für den man sich Zeit nehmen sollte und der noch ein wenig zum Nachdenken einlädt. 4 Sterne.
Gefährliches Vertrauen
Atme, Bella - wenn du kannst von Angelika Godau
Bellas erste Begegnung mit Tom hat mich sofort etwas misstrauisch gemacht. In ihrer Panik ist er für sie genau der Mensch, den sie gerade braucht. Er bleibt ruhig, hilft ihr und gibt ihr das Gefühl, nicht allein zu sein. Umso unangenehmer war es, mitzuverfolgen, was daraus später wird.
Mit der Zeit mischt Tom sich immer mehr in Bellas Leben ein.
Erst fällt das kaum auf. Doch irgendwann ist er überall und Bella hat kaum noch Raum für sich selbst. Gerade diese langsame Veränderung fand ich spannend, weil man als Leserin merkt, dass etwas nicht stimmt, während Bella selbst noch an Toms Hilfe glaubt.
Auch Bellas Verhalten hat mich beschäftigt. Sie kennt Kontrolle bereits durch ihre Mutter und ist deshalb froh, dass Tom zunächst anders wirkt. Umso schwerer ist es für sie, seine Absichten zu durchschauen. Erst nach und nach merkt sie, dass seine Fürsorge nichts mit echter Hilfe zu tun hat.
Dass Bella sich trotzdem langsam wehrt, fand ich gut. Sie beginnt, ihrem eigenen Gefühl wieder mehr zu vertrauen. Dabei wirkt ihre Entwicklung nicht plötzlich, sondern nachvollziehbar.
Angelika Godau erzählt hier eine deutlich ernstere Geschichte. Es geht um Manipulation, Abhängigkeit und Kontrolle und darum, wie schnell sich vermeintliche Fürsorge verändern kann. Besonders die Beziehung zwischen Bella und Tom sorgt für Spannung. Dabei bleibt die Frage, wann Bella endlich erkennt, dass Tom sie nicht gerettet hat, sondern sie immer weiter in seine Kontrolle gerät.
Die Geschichte lebt für mich vor allem von der Beziehung zwischen Bella und Tom. Man möchte wissen, was Tom als Nächstes tut und ob Bella rechtzeitig erkennt, in welcher Lage sie steckt. Dadurch bleibt der Thriller spannend, obwohl vieles eher durch Toms Verhalten als durch große Ereignisse entsteht.
Gerade diese Art von Kontrolle fand ich beim Lesen beklemmend. Nach allem, was Bella erlebt hat, war es schön zu sehen, dass sie nicht aufgibt und versucht, wieder selbst über ihr Leben zu bestimmen.
Ein beklemmender Psychothriller über Manipulation und Kontrolle, der noch eine Weile im Kopf bleibt. Für mich sind es klare 5 Sterne.
Frech, ungewöhnlich und berührend
Eine kleine Schwindelei von Rosanna Pike
Tibb Ingleby ist eine Hauptfigur, die man nicht so schnell vergisst. Sie hat kein Zuhause und muss sich im Tudor England allein durchschlagen. Dabei ist sie vorsichtig, misstrauisch und trotzdem mutig. Gerade diese Mischung macht sie so besonders.
Beim Lesen war schnell zu merken, dass Tibb ihren ganz eigenen Kopf hat.
Sie lässt sich nicht einfach sagen, wie sie zu leben hat, und findet auch dann einen Weg, wenn es eigentlich keinen gibt. Dabei gerät sie immer wieder in Situationen, bei denen man sich fragt, wie sie da wohl wieder herauskommt. Ihre kleinen Tricks und Schwindeleien sorgen dabei durchaus für ein Schmunzeln.
Sehr schön fand ich auch die Menschen, denen Tibb unterwegs begegnet. Viele von ihnen sind selbst Außenseiter und haben ihre eigenen Sorgen. Viele der Menschen, die Tibb unterwegs trifft, haben selbst nicht viel und müssen irgendwie zurechtkommen. Trotzdem merkt man, dass sie einander helfen und nicht völlig allein bleiben wollen.
Die Geschichte hat eine ungewöhnliche Mischung. Sie ist stellenweise witzig und frech, dann wieder ernst und berührend. Besonders die Momente, in denen Tibb ihre Vorsicht ein wenig ablegt und anderen Menschen vertraut, haben mich beschäftigt. Man merkt, dass hinter ihrer starken Art auch eine junge Frau steckt, die sich nach einem Platz im Leben sehnt.
Auch die Sprache ist anders, als es bei einem historischen Roman vielleicht erwartet wird. Sie wirkt modern und direkt und passt dadurch sehr gut zu Tibb. Die ungewohnte Sprache hat am Anfang etwas überrascht. Später fiel sie beim Lesen kaum noch auf, weil sie einfach zu Tibb und ihrer Art passte.
Gegen Ende wurde mir noch einmal klar, wie viel sich für Tibb verändert hat. Die Menschen, denen sie begegnet ist, sind ihr wichtig geworden, auch wenn sie das nicht immer zeigen kann. Einige dieser Stellen haben mich berührt.
Tibb ist eine besondere Hauptfigur, und ihre Geschichte hat mich gut unterhalten. Es gab einiges zu schmunzeln, aber auch Stellen, die etwas ernster waren. Gerade diese Mischung hat für mich den Reiz des Buches ausgemacht.
Dafür gibt es von mir verdiente 5 Sterne.
Ein gelungenes Finale der Neuguinea-Saga
Zeit des Umbruchs von Tara Haigh
Die Familie Berger hat in Neuguinea inzwischen viel aufgebaut, doch auch im dritten Band bleibt ihr Leben nicht ruhig. Es passiert wieder einiges, und gerade bei den Familienmitgliedern gibt es Veränderungen, die die Geschichte bis zum Schluss interessant halten.
Hedwig hat mir in diesem Band besonders gut gefallen.
Sie möchte nicht einfach hinnehmen, was um sie herum geschieht. Vor allem ihr Wunsch, eine Schule für die Einheimischen aufzubauen, fand ich wichtig. Gleichzeitig wird es für sie immer schwieriger, weil der Bezirksamtmann Alfred Ross seine Macht ausnutzt und die einheimische Bevölkerung schlecht behandelt. Seine Rolle hat für zusätzliche Spannung gesorgt.
Auch Anna und ihre Familie haben einiges zu bewältigen. Ihr Sohn Paul lebt zwischen zwei Welten. Seine Liebe zu Nami bringt ihn zusätzlich in eine schwierige Lage. Paul muss sich entscheiden, was für ihn wirklich zählt und ob er den Mut hat, seinen eigenen Weg zu gehen.
Clara setzt sich weiterhin für ihre Krankenstation ein. Marie dagegen möchte als Schneiderin arbeiten und denkt über ein Leben in Singapur nach. Beide haben ihre eigenen Pläne und müssen sehen, wie sie diese verwirklichen können. Diese verschiedenen Geschichten haben mir gut gefallen, weil dadurch immer wieder etwas Neues in die Handlung kam.
Die Familie steht immer wieder vor Entscheidungen, bei denen es nicht einfach eine richtige Lösung gibt. Besonders die Frage, ob ein Verbleib in Neuguinea noch möglich ist, beschäftigt die Bergers. Dazu kommt ein Ereignis aus der Vergangenheit wieder ans Licht, das die Familie zusätzlich belastet. An manchen Stellen wurde dadurch die Spannung deutlich stärker.
Das Ende habe ich mit etwas Wehmut gelesen. Nach allem, was die Familie erlebt hat, war es schön, die einzelnen Geschichten bis zum Schluss zu verfolgen. Vor allem bei den Abschieden und den Entscheidungen für die Zukunft kamen die Gefühle der Figuren noch einmal gut zur Geltung.
So findet die Geschichte der Familie Berger ihren Abschluss. Nicht jeder Wunsch geht in Erfüllung und nicht jeder Weg lässt sich gemeinsam weitergehen. Gerade das hat für mich gut zu dieser Geschichte gepasst. Die Familie hat viel erlebt und musste immer wieder neu überlegen, was für sie wichtig ist.
5 Sterne.











