Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Shilo:
Auf der Suche nach dem, was lange verborgen blieb
Lori von Anousch Mueller
In dieser Familie gibt es Fragen, auf die niemand eine Antwort gibt. Leni wächst damit auf und merkt früh, dass manches nicht zusammenpasst. Erst viele Jahre später beginnt sie, den Spuren ihrer eigenen Geschichte zu folgen. Dabei stößt sie auf Ereignisse, die weit vor ihrer Kindheit liegen und bis heute das Leben ihrer Familie bestimmen.
Das Buch hat mich vor allem wegen seines Themas angesprochen. Familiengeheimnisse und die Zeit der DDR sind eine Mischung, die bei mir fast immer Interesse weckt. Nach und nach kommen neue Einzelheiten ans Licht. Dadurch wurde immer verständlicher, weshalb die Figuren so handeln und warum vieles über Jahre unausgesprochen geblieben ist.
Besonders gefallen hat mir, dass nicht sofort alle Antworten geliefert werden. Vieles fügt sich erst mit der Zeit zusammen. Das hat dafür gesorgt, dass die Neugier erhalten blieb und ich wissen wollte, wie sich alles entwickelt.
Je mehr Seiten vergingen, desto deutlicher wurde, wie eng die einzelnen Ereignisse miteinander verbunden sind. Immer wieder tauchen kleine Hinweise auf, die erst später ihren Platz finden. Gerade das hat den Reiz beim Lesen ausgemacht, weil nicht alles sofort erklärt wird.
Inhaltlich hat das Buch genau den Geschmack getroffen. Weniger leicht fiel dagegen der Zugang zu den Figuren. Durch die häufigen Wechsel zwischen den einzelnen Perspektiven blieb Leni für meinen Geschmack etwas auf Abstand. Dadurch war es nicht immer einfach, ihre Gedanken und Gefühle wirklich nachzuempfinden. Das hat meinen Lesefluss an einigen Stellen etwas gebremst, auch wenn die Geschichte selbst durchgehend interessant geblieben ist.
Bis zur letzten Seite blieb die Frage offen, wie sich alles auflösen wird. Genau das hat dafür gesorgt, dass das Interesse nicht nachgelassen hat. Auch wenn mich der Schreibstil nicht vollständig überzeugen konnte, wollte ich das Buch immer weiterlesen.
Für alle, die Familiengeschichten mit historischem Hintergrund mögen, ist dieses Buch auf jeden Fall einen Blick wert. Das Thema ist gut gewählt und die Idee dahinter hat mir gefallen. Beim Erzählen hätte ich mir etwas mehr Nähe zu den Figuren gewünscht. Trotzdem habe ich das Buch gern gelesen und vergebe deshalb gute vier Sterne.
Wo ein Fluss Geschichten erzählt
Tage am Fluss von Jochen Mariss
Sara Harmsen lebt ein Leben, das ganz von ihrem kleinen Haus am Fluss, der Fähre und den täglichen Aufgaben geprägt ist. Vieles läuft nach festen Abläufen, bis eines Tages Leon verletzt bei ihr auftaucht. Mit ihm kommt langsam Bewegung in Saras gewohnten Alltag.
Die beiden gehen vorsichtig miteinander um.
Sara lässt nicht schnell jemanden an sich heran und auch Leon trägt Erlebnisse mit sich, über die er nicht sofort spricht. Zwischen den täglichen Arbeiten mit den Tieren, am Haus und an der Fähre lernen sie sich immer besser kennen.
Sehr schön beschrieben ist das Leben am Fluss. Die Fähre, die Wiesen, die Tiere und die Natur gehören ganz selbstverständlich dazu. Ohne die Fähre wäre das Dorf schlechter erreichbar. Für Sara gehört sie ganz selbstverständlich zu ihrem Leben dazu und ist ein wichtiger Teil ihres Alltags.
Die geplante Brücke sorgt im Dorf für Diskussionen. Nicht alle sehen darin eine Verbesserung und auch Sara kämpft darum, dass sich ihr vertrautes Leben nicht einfach verändert. Gerade weil beide Zeit brauchen, wirkt ihre Annäherung passend erzählt.
Später sorgt auch das Hochwasser noch einmal für neue Situationen und bringt Bewegung in die Geschichte.
Nicht jede Stelle hat gleich gut funktioniert. Einige Abschnitte hätten etwas mehr Tempo vertragen, denn manchmal nimmt sich der Roman sehr viel Zeit. Trotzdem bleibt die Entwicklung von Sara und Leon interessant.
Viele schöne Momente entstehen in den alltäglichen Situationen. Das Leben am Fluss, die Tiere und die Natur begleiten Sara und Leon durch die Geschichte. Auch die Dinge, die beide aus ihrer Vergangenheit mitbringen, spielen immer wieder eine Rolle.
Nach dem Ende bleiben vor allem die Bilder vom Fluss, der Fähre und dem Leben an diesem Ort im Kopf. Manche Passagen hätten etwas mehr Tempo vertragen, trotzdem passt die ruhige Erzählweise gut zu Sara und Leon. Ein Buch für alle, die gerne Geschichten über Menschen lesen, deren Leben sich langsam verändert. Vier Sterne passen deshalb gut zu diesem Roman.
Bewegende Spuren einer verlorenen Heimat
Ferne Heimat Altmontal von Michael Riepl
Von dieser Geschichte bleibt vor allem die Hauptfigur im Gedächtnis. Hedwig Krämer erlebt Dinge, die heute kaum noch vorstellbar sind. Hunger, Krieg, Abschiede und die ständige Unsicherheit prägen ihr Leben schon in jungen Jahren. Trotzdem verliert sie ihren Mut nicht.
Die Grundlage des Buches sind die Erinnerungen der Großmutter des Autors.
Gerade das macht vieles so eindringlich. Beim Lesen entsteht oft das Gefühl, nicht eine aufbereitete historische Darstellung vor sich zu haben, sondern die Erzählung eines Menschen, der all das selbst erlebt hat.
Besonders interessant ist die Verbindung zwischen den Aufzeichnungen aus der Vergangenheit und den Erfahrungen des Autors in der heutigen Ukraine. Dadurch wird deutlich, wie nah manche Themen auch heute noch sind. Gleichzeitig rückt immer wieder die Frage nach einer Heimat in den Mittelpunkt. Was bleibt von einem Ort, wenn Menschen ihn verlassen müssen? Das Buch gibt darauf keine einfachen Antworten.
Bei mir sind die Schilderungen des Alltags hängen geblieben. Es sind nicht nur die großen Ereignisse, sondern auch die kleinen Beobachtungen, die ein Bild dieser Zeit entstehen lassen. Viele Szenen wirken deshalb glaubwürdig und greifbar.
Die Geschichte einer jungen Frau, die trotz aller Schwierigkeiten ihren Weg gehen möchte und sogar den Wunsch verfolgt, Ärztin zu werden, verleiht dem Buch zusätzliche Stärke. Gerade in den schweren Abschnitten zeigt sich, wie viel Durchhaltevermögen in ihr steckt.
Nicht jede Passage hat das gleiche Tempo. Gelegentlich ziehen sich einzelne Abschnitte etwas länger, vor allem wenn zwischen verschiedenen Zeiten gewechselt wird. Insgesamt hat das den Lesegenuss aber nur wenig beeinträchtigt.
Am Ende bleibt vor allem Respekt vor dem Leben dieser Frau und vor dem Weg, den sie gehen musste. Das Buch verbindet persönliche Erinnerungen mit Zeitgeschichte und macht beides auf verständliche Weise zugänglich. Sehr lesenswert, 4 Sterne.
Zwischen Bretagne und Schwarzwald
Und der Wind steht still von Astrid Lehmann
Alice lebt zurückgezogen an der bretonischen Küste. Sie liebt die Ruhe, ihre Hündin Marguerite ist ihre ständige Begleiterin und andere Menschen lässt sie nur schwer an sich heran. Doch hinter ihrer rauen Art verbirgt sich eine Vergangenheit, über die sie lange geschwiegen hat.
Der Blick geht zurück in den Schwarzwald des Jahres 1942, zu Elsa, einer jungen Magd, die durch den Krieg in eine Zeit voller Unsicherheit gerät.
Ihre Begegnung mit Heinrich lässt sie zunächst auf ein gemeinsames Leben hoffen. Doch dann verschwindet er im Krieg und Elsa muss ihren eigenen Weg finden. Mit Antoine, einem französischen Soldaten, erlebt sie eine Verbindung, die unter den damaligen Umständen nicht einfach, sondern auch gefährlich sein konnte.
Die beiden Zeitebenen wechseln sich ab und fügen sich langsam zusammen. Anfangs ist noch nicht klar, was Alice und Elsa miteinander verbindet. Erst Stück für Stück werden die Zusammenhänge sichtbar. Diese Entwicklung macht die Geschichte interessant, weil viele Fragen erst im Laufe des Lesens ihre Antworten finden.
Die Protagonisten stehen nicht vor einfachen Entscheidungen. Elsa muss mit den Folgen des Krieges leben und Alice mit Erinnerungen, die sie viele Jahre begleitet haben. Beide Frauen gehen unterschiedlich mit ihren Erlebnissen um, wirken dabei jedoch nicht perfekt, sondern sehr menschlich.
Besonders die Zeit nach dem Krieg spielt eine wichtige Rolle. Das Buch zeigt, dass vergangene Ereignisse nicht einfach verschwinden, nur weil viele Jahre vergangen sind. Manche Erlebnisse bleiben bestehen und beeinflussen Entscheidungen, Beziehungen und das eigene Leben.
Die Bretagne mit ihrer rauen Küste passt gut zu Alice und ihrem zurückgezogenen Leben. Die Rückblicke in den Schwarzwald bringen eine andere Stimmung in die Geschichte und zeigen die schwierige Zeit, in der Elsa ihren Weg finden muss. Die unterschiedlichen Schauplätze machen die beiden Lebensabschnitte sehr gut nachvollziehbar.
Die Geschichte erzählt von Liebe, Verlust und den Spuren, die schwere Zeiten hinterlassen können. Sie bleibt dabei ruhig erzählt und nimmt sich Zeit für ihre Figuren. Besonders die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart macht den Roman zu einer Geschichte, die noch eine Weile im Gedächtnis bleibt.
5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.
Zwischen Hochzeitschaos, Toskana und neuen Wegen
Mama mag keine Spaghetti von Tessa Hennig
Manchmal reicht ein anderer Ort aus, damit festgefahrene Gefühle wieder in Bewegung kommen. Genau das passiert während der Hochzeitsvorbereitungen in der Toskana. Zwischen vielen kleinen Missverständnissen, familiärem Durcheinander und italienischer Lebensfreude entwickelt sich eine Geschichte, die oft zum Schmunzeln bringt, aber auch nachdenkliche Augenblicke bereithält.
Hanna wirkt an vielen Stellen verletzlich und manchmal auch etwas hilflos. Vieles, was sie denkt oder tut, passt zu ihrer Situation. Die Begegnungen mit der deutlich jüngeren neuen Partnerin ihres Mannes sorgen immer wieder für kleine Spannungen, die glaubwürdig beschrieben sind. Gleichzeitig lockern Gina und ihre offene Art viele Situationen auf. Mit ihrer herzlichen Art bringt sie immer wieder Ruhe in das ganze Durcheinander.
Die Toskana passt einfach gut zu dieser Geschichte. Die Hochzeitsvorbereitungen, das gemeinsame Essen und die vielen kleinen Missverständnisse sorgen immer wieder für unterhaltsame Szenen. Mal wird es lustig, dann wieder etwas ernster. Genau dieser Wechsel hält die Geschichte lebendig und macht das Weiterlesen leicht.
Die Geschichte zeigt, dass auch nach einer großen Enttäuschung noch vieles möglich ist. Dabei stehen nicht nur Liebe und Familie im Mittelpunkt, sondern auch der Mut, den eigenen Weg neu zu finden. Humor, leise Gefühle und das italienische Lebensgefühl passen gut zusammen und tragen die Geschichte bis zum Schluss. Viele Figuren bleiben im Gedächtnis, weil sie Ecken und Kanten haben und nicht perfekt wirken. Am Ende bleibt ein warmes Gefühl zurück. Dafür gibt es von mir sehr gern fünf Sterne.
Gelungener Auftakt einer Familiensaga auf Borkum
Das Strandhotel auf Borkum – Aufbruch in eine neue Zeit von Ocke Aukes
Schon nach wenigen Seiten entsteht das Gefühl, auf Borkum am Ende des 19. Jahrhunderts angekommen zu sein. Das Leben im Hotel, die Menschen auf der Insel und viele kleine Einzelheiten machen die Zeit gut vorstellbar. Hermine kommt nicht ohne Grund nach Borkum. Schnell wird klar, dass sie mehr sucht als eine Arbeitsstelle.
Genau das macht neugierig.
Hermine ist erst fünfzehn Jahre alt und wirkt trotzdem erstaunlich sicher in dem, was sie tut. Die neuen Aufgaben nimmt sie ohne langes Zögern an. Die Suche nach ihrer Cousine Bertha begleitet die Handlung von Anfang an. Lange bleibt offen, was mit ihr geschehen ist. Das möchte man einfach aufgelöst sehen. Auch Willem Bakker und seine Familie zeigen nach und nach Seiten, mit denen anfangs nicht zu rechnen ist. So zeigt sich immer mehr, dass hinter dem Hotel weit mehr steckt als der tägliche Betrieb.
Im Hotel gibt es von morgens bis abends viel zu tun. Und so wird ganz nebenbei deutlich, wie der Alltag auf Borkum damals aussah. Innerhalb der Familie Bakker nehmen die Spannungen zu. Auch die Pläne für das neue Strandhotel bringen zusätzliche Unruhe. Für alles bleibt genug Zeit, ohne dass der Erzählfluss verloren geht.
Mit der Zeit lernt man die einzelnen Figuren immer besser kennen. Ihre Entscheidungen lassen sich meist gut verstehen, auch wenn nicht jede davon leicht nachzuvollziehen ist. Besonders Hermine bleibt sich selbst treu und gibt auch in schwierigen Momenten nicht auf. So bleibt ihre Geschichte durchgehend interessant.
Am Ende sind noch nicht alle Fragen beantwortet. Das passt gut zu einem ersten Band und macht neugierig auf die Fortsetzung. Das historische Umfeld, das Leben im Hotel Bakker und Hermines Suche greifen stimmig ineinander. Zum Glück ist Band 2 bereits erschienen, denn nach diesem Ende möchte man am liebsten gleich weiterlesen.
5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.
Der Beginn einer bewegten Familiengeschichte
Das Haus Lorimer - Der Aufstieg von Anne Melville
Margaret wächst in einer Familie auf, in der es an nichts fehlt. Trotzdem wirkt ihr Leben oft enger als erwartet. Früh entsteht der Eindruck, dass sie sich mit der Rolle nicht abfindet, die für sie vorgesehen ist.
Eine junge Frau mit eigenem Kopf steht im Mittelpunkt. Sie ordnet sich nicht einfach unter.
Manche Entscheidungen lassen sich schnell verstehen, andere wirken eher sprunghaft, passen aber zu ihrem Drang nach mehr Freiheit. Besonders die Verbindung zu Charles und die familiären Spannungen bringen Bewegung in die Geschichte.
Die Figuren bekommen viel Raum. Es passiert nicht ständig etwas Großes. Oft sind es Gespräche, kleine Entscheidungen oder Reaktionen, die den Verlauf bestimmen. Dadurch entsteht ein recht klares Bild der Familie Lorimer und der Menschen drumherum.
Die Zeit wirkt nicht aufgesetzt, sondern läuft einfach mit. Erwartungen an Frauen ziehen sich durch viele Szenen. Margaret stößt dabei immer wieder an Grenzen, die für sie schwer zu akzeptieren sind. Ihr Wunsch nach einem eigenen Leben wirkt dadurch sehr greifbar.
Das Tempo schwankt. Manche Abschnitte nehmen sich Zeit für Hintergründe und Familiengeschichten. An anderen Stellen hätte etwas mehr Zug gutgetan. Gleichzeitig hilft genau diese Ruhe, die Figuren besser einzuordnen.
Im Mittelpunkt stehen weniger große Ereignisse, eher das Verhalten der Figuren untereinander. Wer viel Spannung von Anfang an erwartet, wird nicht durchgehend abgeholt. Trotzdem bleibt das Ganze stimmig und in sich geschlossen.
Am Ende bleibt der Eindruck eines Auftakts, der vieles anstößt, aber noch nicht alles auflöst. Die Geschichte der Lorimers ist damit nicht abgeschlossen. Margaret bleibt besonders im Kopf, weil sie sich nicht einfach einfügt, sondern versucht, ihren eigenen Weg zu gehen.
4 Sterne und eine Leseempfehlung.
Nicht jede Wunde heilt gleich schnell
Weil die Liebe uns berührt von A. D. Wilk
Phoebes Wunsch nach einem Neuanfang steht von Anfang an im Mittelpunkt. Gleichzeitig wird schnell klar, dass auch Jack seine Vergangenheit noch nicht hinter sich gelassen hat. Als sich beide wieder begegnen, entwickelt sich die Geschichte ruhig und ohne Eile.
Jack macht es einem nicht immer leicht. Vieles behält er für sich.
Dadurch bleiben viele Gespräche zwischen ihm und Phoebe spannend, auch wenn gar nicht viel passiert. Beide gehen vorsichtig miteinander um. Mal rücken sie näher zusammen, dann schafft einer von ihnen wieder Abstand. Das passt zu ihrer gemeinsamen Geschichte.
Der Roadtrip bringt frische Eindrücke in die Handlung. Die wechselnden Orte sorgen dafür, dass die Geschichte immer wieder einen anderen Blick bekommt. Dazwischen geht es oft um kleine Momente und um das, was die Figuren beschäftigt. Einige Kapitel hätten etwas kürzer sein können, weil sich manche Gedanken wiederholen. Das bremst den Lesefluss stellenweise etwas aus.
Nach und nach verändert sich etwas zwischen Phoebe und Jack. Nicht plötzlich und nicht ohne Rückschläge. Gerade diese langsame Entwicklung hat für viele glaubwürdige Momente gesorgt.
Für diese Fortsetzung gibt es von mir gute vier Sterne. Nicht jede Szene hat mich gleich stark erreicht, insgesamt hat sich das Buch aber angenehm lesen lassen. Die Geschichte macht neugierig darauf, wie es in Tides-of-Hope-Reihe weitergeht. Auf den dritten Band, der im Dezember 2026 erscheinen soll, wächst die Vorfreude schon jetzt.
Zwischen Blumen und den Spuren der Vergangenheit
Die Reise der Blütensammlerin von Sally Page
Emma fällt zunächst kaum auf. Sie arbeitet zwischen Blumen, macht ihren Job, hält sich im Hintergrund. Nach dem Verlust ihres Mannes wirkt sie noch zurückgezogener, fast so, als würde sie sich selbst aus dem Alltag herausnehmen. Vieles an ihr bleibt erst einmal leise.
Als dann die Geschichte der Titanic auftaucht, verändert sich etwas.
Nicht plötzlich, eher Schritt für Schritt. Eine Einladung zu einem Vortrag, eine beiläufige Frage, ein Thema, das hängen bleibt. Daraus entwickelt sich mehr, als man am Anfang denkt.
Die Spur führt zu einer jungen Frau, die auf der Titanic gearbeitet hat. Und während Emma sich damit beschäftigt, kommen bei ihr selbst Dinge in Bewegung, die lange feststanden. Das passiert nicht in großen Szenen, eher nebenbei, zwischendurch, fast unbemerkt.
Die Handlung bleibt insgesamt ruhig. Manches zieht sich auch ein Stück, weil nicht viel gedrängt wird. Es gibt Kapitel, die eher vor sich hinlaufen, als wirklich voranzugehen. Trotzdem entstehen genau dadurch diese kleinen Momente, in denen etwas hängen bleibt.
Die Figuren drumherum wirken unterschiedlich stark. Einige treten nur kurz auf, andere bleiben länger. Oft sind es keine großen Auftritte, eher kleine Begegnungen, die trotzdem etwas verändern oder einen Gedanken auslösen.
Rund um die Titanic entsteht eine zweite Ebene in der Geschichte. Die wirkt nicht wie ein eigener Strang, der sich klar abhebt, sondern eher wie etwas, das immer wieder durch den Alltag von Emma hindurchläuft.
Am Ende bleibt kein großer Abschlussmoment. Eher einzelne Szenen, die im Kopf bleiben. Nicht alles ist rund oder geschlossen, manches bleibt einfach stehen und wirkt nach.
4 Sterne
Bewegende Themen, aber ein holpriger Lesefluss
Lehm an meinen Schuhen von Monika von Bothmer
Marie hat ihr Leben längst in feste Bahnen gelenkt. Auf der Insel kreuzt jemand aus früheren Zeiten ihren Weg. Dadurch rücken Erlebnisse wieder in den Vordergrund, die lange keine Rolle mehr gespielt haben. Nach und nach ergeben einzelne Erinnerungen, Gespräche und Familiengeschichten ein größeres Bild.
Viele Figuren richten ihr Leben nach dem aus, was von ihnen erwartet wird. Eigene Pläne geraten dabei nicht selten in den Hintergrund. Gerade die Frauen der Familie tragen Entscheidungen mit sich, die oft Jahre oder sogar Jahrzehnte zurückliegen.
Die Geschichte wechselt regelmäßig zwischen unterschiedlichen Jahren und Lebensabschnitten. Anfangs braucht es etwas Zeit, um sich zurechtzufinden, doch mit jeder weiteren Station fügen sich die einzelnen Teile besser zusammen. So entsteht nach und nach ein Eindruck davon, wie eng die verschiedenen Generationen miteinander verbunden sind.
Zum Hofleben, zur Familie und zu alten Konflikten erfährt man vieles eher nebenbei. Oft sind es kleine Bemerkungen oder Erinnerungen, die Zusammenhänge verständlicher machen. Das wirkt stellenweise angenehm zurückhaltend und überlässt dem Leser eigene Gedanken.
Beim Lesen gibt es jedoch immer wieder Unterbrechungen. Die plattdeutschen Dialoge gehören zwar zur Geschichte und passen zur Umgebung, haben den Lesefluss hier aber deutlich erschwert. Da die Übersetzungen erst am Ende des Buches stehen, war häufiges Nachschlagen nötig. Gerade in längeren Gesprächen hat das immer wieder aus der Handlung herausgeführt.
Manche Figuren bleiben länger im Gedächtnis als andere. Manche Szenen bleiben ebenfalls hängen, weil sie zeigen, wie lange bestimmte Ereignisse nachwirken können. An anderen Stellen zieht sich die Geschichte etwas und verliert an Tempo.
An mehreren Stellen wird deutlich, wie stark die Familie das Leben der einzelnen Personen bestimmt. Das betrifft nicht nur Marie, sondern auch andere Angehörige über verschiedene Generationen hinweg. Dadurch ergeben sich immer wieder Situationen, in denen persönliche Wünsche und familiäre Erwartungen aufeinandertreffen.
Besonders die älteren Familiengeschichten tragen dazu bei, die Menschen besser zu verstehen. Gleichzeitig erreichen nicht alle Abschnitte die gleiche Wirkung. Zusammen mit den häufigen Unterbrechungen durch die plattdeutschen Dialoge entsteht dadurch ein eher wechselhafter Leseeindruck.
Der Roman hatte für mich gute Momente, hat mich aber nicht durchgehend mitgenommen. Vor allem die vielen Unterbrechungen beim Lesen haben dazu beigetragen. Deshalb reicht es am Ende für solide 3 von 5 Sternen.











