Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Shilo:
Heimat ist mehr als nur ein Ort
Ist doch schön hier von Miriam Burdelski
Liesel begleitet ihre Großmutter Emmi in die frühere Heimat der Familie. Mit dieser Reise beginnt nicht nur die Suche nach alten Spuren, sondern auch ein Blick auf vieles, worüber in der Familie lange nicht gesprochen wurde.
Schnell wird klar, dass nicht nur die Vergangenheit eine Rolle spielt. Viel wichtiger sind die Menschen und das, was sie mit sich tragen.
Alte Erinnerungen kommen zurück und nach und nach wird verständlicher, warum manches verschwiegen wurde.
Die gemeinsame Reise verändert auch das Verhältnis zwischen Liesel und Emmi. Anfangs bleibt vieles unausgesprochen, doch langsam lernen die beiden Frauen einander besser kennen. Gerade diese Entwicklung wirkt natürlich und macht die beiden Figuren nahbar.
Die Gefühle der Figuren werden zurückhaltend beschrieben. Oft sagen kleine Gespräche oder kurze Augenblicke mehr als viele Worte. Dadurch entsteht eine Nähe zu den Menschen in der Geschichte, ohne dass die Handlung übertrieben wirkt.
Die Reise in die ehemalige Provinz Ostpreußen wird mit vielen kleinen Details beschrieben. Alte Gutshäuser, Alleen und die Nähe zur Ostsee geben den Erinnerungen einen Ort und machen die Vergangenheit greifbarer.
Die Frage nach Heimat begleitet die Geschichte immer wieder. Dabei geht es nicht nur um einen bestimmten Platz, sondern auch um Menschen, Erinnerungen und das Gefühl, irgendwo seinen Platz zu haben.
Besonders geblieben ist mir die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Manche Erlebnisse begleiten Familien über viele Jahre und beeinflussen auch die nächste Generation. Genau dieser Gedanke machte den Roman für mich interessant.
Die Geschichte von Liesel und Emmi erzählt von Erinnerungen, Familie und dem Umgang mit Dingen, die lange verborgen waren. Die ruhige Erzählweise und die persönlichen Einblicke haben mir sehr gut gefallen. 5 Sterne.
Ein schöner Abschluss der Ostsee Trilogie
Spuren des Glücks von Mia Milberg
Nach den schweren Jahren des Krieges scheint für Vroni zunächst ein ruhigeres Leben möglich zu sein. Mit ihrem Mann Karl und den vier Kindern hat sie zwar eine Familie, um die sie sich kümmert, doch für Vroni ist damit nicht alles gesagt. Sie merkt immer mehr, dass in ihrem eigenen Leben noch etwas fehlt.
Sie möchte nicht nur für andere da sein, sondern auch herausfinden, was sie selbst eigentlich möchte.
Vroni war für mich eine Frau, die lange versucht, es allen recht zu machen. Doch innerlich gibt sie sich damit nicht zufrieden. Karl hat seine Arbeit und seine alten Kränkungen, während Vroni immer stärker spürt, dass auch ihre eigenen Wünsche einen Platz haben sollten. Das sorgt zwischen Vroni und Karl immer wieder für Spannungen. Beide gehen mit ihren Vorstellungen vom Leben anders um, und gerade das macht ihr Zusammenleben nicht einfacher.
Dabei mochte ich, dass Vroni nicht als starke Frau dargestellt wird, die von Anfang an genau weiß, was sie will. Sie muss erst selbst herausfinden, was ihr fehlt und welchen Weg sie gehen möchte. Das machte ihren Kampf um ein eigenes Leben für mich glaubwürdig und hat mich an einigen Stellen auch nachdenklich gemacht.
Eine schöne Seite der Geschichte war für mich die Musik. Sie bringt etwas in Vroni zum Vorschein, das lange keinen richtigen Platz in ihrem Leben hatte. Gleichzeitig verändert sich dadurch einiges. Aus einem Wunsch, den sie vielleicht selbst lange nicht ernst genommen hat, wird langsam eine Möglichkeit, etwas Eigenes aufzubauen.
Auch Fritz Becker spielt in Vronis Gedanken noch eine Rolle. Die Erinnerungen an ihn zeigen, dass manches aus ihrer Vergangenheit noch nicht abgeschlossen ist und sie sich deshalb auch mit ihren eigenen Gefühlen auseinandersetzen muss. Dabei geht es nicht nur um eine alte Liebe. Vielmehr wird deutlich, dass Vroni sich fragen muss, was sie eigentlich glücklich macht und ob sie bereit ist, dafür Veränderungen in Kauf zu nehmen. Dadurch wollte ich wissen, wie Vroni sich am Ende entscheiden wird.
Die Zeit nach dem Krieg kommt dabei glaubwürdig herüber. Von einem unbeschwerten Neuanfang kann für Vroni und ihre Familie noch lange keine Rede sein. Vieles muss sich erst wieder einspielen und auch die Menschen tragen ihre Erfahrungen aus den vergangenen Jahren mit sich. Das merkt man besonders im Umgang zwischen Vroni und Karl.
Zwischendurch gibt es für Vroni aber auch kleine Lichtblicke. Sie spürt, dass sich für sie etwas verändern könnte und dass vielleicht noch ein anderer Weg vor ihr liegt. Gerade dieser Wechsel hat mir gut gefallen. Vroni bekommt ihren Weg nicht einfach geschenkt, sondern muss sich vieles selbst erkämpfen.
Vronis Weg war für mich nicht immer leicht zu verfolgen, gerade weil sie sich zwischen ihrer Familie, ihren eigenen Wünschen und den Erwartungen ihrer Zeit entscheiden muss. Trotzdem konnte ich ihre Gedanken und ihr Verhalten gut nachvollziehen. Es gab Stellen, an denen ich mir gewünscht hätte, dass sie etwas mutiger für sich selbst einsteht. Umso schöner war es, ihre Veränderung mitzuerleben.
Mia Milberg erzählt die Geschichte in einer ruhigen und gut verständlichen Art. Die Menschen in der Geschichte haben ihre guten und ihre schwierigen Seiten. Vroni ist keine Frau, die immer alles richtig macht. Sie zweifelt, trifft Entscheidungen, die nicht jedem gefallen, und muss mit den Folgen leben. Dadurch konnte ich sie als Figur gut greifen und ihren Weg gerne mitverfolgen.
Mit „Spuren des Glücks“ endet zugleich die Ostsee Trilogie. Als dritter und letzter Band führt die Geschichte noch einmal zurück zu einer Familie, deren Weg über mehrere Bücher hinweg begleitet wurde. Für mich war es ein passender Abschluss dieser Reihe.
5 Sterne.
Ein würdiger Abschluss der Familiengeschichte
Das Haus Lorimer - Schicksalsjahre von Anne Melville
Als die Geschichte beginnt, scheint das Leben der Familie Lorimer noch in ruhigen Bahnen zu verlaufen. Doch dieses Gefühl hält nicht lange an. Mit dem Krieg verändert sich nach und nach alles. Beim Lesen war sehr gut zu spüren, wie aus Zuversicht Unsicherheit wird und wie jede Entscheidung plötzlich eine viel größere Bedeutung bekommt.
Besonders interessant fand ich, dass nicht nur die Ereignisse des Krieges im Mittelpunkt stehen. Erzählt wird auch, wie sich das Leben der Menschen verändert, die zu Hause bleiben. Margaret kümmert sich um die Verwundeten im Militärkrankenhaus, Kate geht ihren eigenen Weg als Ärztin. Gerade dadurch bekam die Geschichte für mich viele persönliche Seiten, die glaubhaft wirkten.
Immer wieder gab es Szenen, in denen gar nicht viel passierte und die trotzdem lange im Kopf geblieben sind. Ein Gespräch, ein Blick oder das Warten auf Nachrichten haben oft mehr ausgedrückt als große Worte. Solche Momente haben die Figuren für mich greifbar gemacht.
Gut gefallen hat mir auch, dass die Geschichte niemanden zum Helden macht. Jeder trägt seine Sorgen auf seine eigene Weise. Manche geben nicht auf, andere stoßen an ihre Grenzen. Das wirkte ehrlich und hat gut zu der Zeit gepasst, in der die Handlung spielt.
Die Seiten haben sich ruhig lesen lassen, auch wenn immer wieder schwierige Ereignisse ihren Platz haben. Es gibt traurige Augenblicke, aber auch kleine Hoffnungen, die zeigen, dass das Leben selbst in schweren Zeiten weitergeht. Diese Mischung hat die Lektüre für mich getragen.
Für mich ist dieser dritte Band ein gelungener Abschluss der Reihe. Viele Handlungsfäden finden ihren Platz, ohne dass alles zu glatt oder zu einfach wirkt. Am Ende blieb das Gefühl zurück, die Familie über einen langen Abschnitt ihres Lebens begleitet zu haben. Gerade deshalb fiel der Abschied ein wenig schwer.
5 Sterne.
Wenn das Leben neue Pläne macht
Ein neuer Morgen im kleinen Haus am Strand von Rachel Hanna
Julie hat sich ihr kleines Haus am Strand nicht einfach ausgesucht. Es ist der Ort, an dem sie nach allem, was hinter ihr liegt, noch einmal neu anfangen möchte. Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass endlich etwas Ruhe eingekehrt ist. Umso schneller wird klar, dass das Leben andere Pläne hat. Kaum scheint alles in die richtige Richtung zu gehen, steht das Unerwartete schon wieder vor der Tür.
Besonders gern habe ich die Abschnitte mit Dixie gelesen. Die Rückkehr ihres Sohnes bringt vieles durcheinander und man spürt, dass niemand so recht weiß, wie er mit dieser Situation umgehen soll. Es gibt keine schnellen Antworten und genau das hat für mich gut gepasst.
Julie versucht immer wieder, für ihre Familie da zu sein. Gleichzeitig merkt sie, dass ihre Töchter ihre eigenen Entscheidungen treffen müssen, auch wenn sie manches anders machen würden. Diese Momente kamen ganz ohne großes Drama aus und wirkten gerade deshalb ehrlich.
Auch Dawson spielt wieder eine wichtige Rolle. Zwischen ihm und Julie passiert nichts Hals über Kopf. Beide gehen vorsichtig miteinander um und lassen sich Zeit. Das machte ihre gemeinsame Geschichte angenehm zu lesen.
Die kleine Küstenstadt ist diesmal wieder ein Ort, an den man gern zurückkehrt. Die Menschen kennen sich, reden miteinander und helfen sich, wenn es nötig ist. Das zieht sich durch das ganze Buch und gibt vielen Szenen eine ruhige Stimmung.
Nicht jede Entwicklung hat mich überrascht. Manche Dinge waren schon früh zu erahnen. Das hat mich aber kaum gestört, weil für mich nicht die Spannung im Mittelpunkt stand. Viel wichtiger war zu sehen, wie die Figuren mit dem umgehen, was auf sie zukommt.
Nach den letzten Seiten hatte ich das Gefühl, Julie und die anderen ein gutes Stück begleitet zu haben. Es ist keine Geschichte, die von großen Wendungen lebt. Für mich waren es eher die vielen kleinen Augenblicke, die im Gedächtnis geblieben sind. Wer den ersten Band mochte, wird sich auch hier schnell wieder zurechtfinden und vertraute Gesichter wiedersehen.
4 Sterne.
Was geschah auf Arancór?
Calling Oceans von Josephine Cantrell
Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass auf Arancór nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Nach und nach wurde deutlicher, was in jener Sommernacht passiert sein könnte. Trotzdem blieben immer wieder Fragen offen. Genau das hat meine Neugier bis zum Schluss geweckt.
Nola kann das Verschwinden ihrer besten Freundin Emma auch nach acht Jahren nicht vergessen.
Ihre Rückkehr nach Arancór und der Wunsch, endlich Antworten zu finden, waren für mich gut verständlich. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, gemeinsam mit ihr den Spuren zu folgen und langsam herauszufinden, was damals wirklich passiert ist. Dabei wurde deutlich, dass manche Menschen lieber schweigen, als sich der Wahrheit zu stellen.
Aidan fügt sich sehr gut in die Geschichte ein. Er ist ein ruhiger Mensch, der nicht sofort alles von sich erzählt und selbst einiges mit sich herumträgt. Die Nähe zwischen ihm und Nola entwickelt sich Schritt für Schritt und wirkt dadurch echt. Ihre Beziehung nimmt Raum ein, ohne die eigentliche Suche nach der Wahrheit zu verdrängen.
Die irische Küste, das Meer und das Anwesen Arancór haben mich beim Lesen begleitet. Ich konnte mir die Umgebung gut vorstellen und hatte oft das Gefühl, dass dieser Ort seine eigenen Geheimnisse bewahrt. Die Landschaft passt sehr gut zu der Geschichte und verstärkt die Spannung, ohne sich in den Vordergrund zu stellen.
Je weiter Nola kommt, desto mehr verändert sich der Blick auf einzelne Ereignisse und Personen. Manche meiner Vermutungen haben sich bestätigt, andere wurden durch neue Hinweise wieder infrage gestellt. Gerade dieses Wechselspiel hat dafür gesorgt, dass ich immer wissen wollte, wie alles zusammenhängt.
Was mir besonders aufgefallen ist, sind die Figuren mit ihren eigenen Geschichten. Niemand wirkt einfach nur wie ein Teil der Handlung. Jede Person hat ihre Sorgen, Wünsche und Gründe für ihr Verhalten. Dadurch konnte ich viele Entscheidungen besser verstehen und die Charaktere wirkten lebendig.
Am Ende haben sich die offenen Fragen nach und nach geklärt. Für mich hat sich alles zu einem passenden Gesamtbild verbunden. Die Mischung aus Geheimnissen, Spannung und Gefühlen hat mir schöne Lesestunden geschenkt. Ich habe das Buch sehr gern gelesen und vergebe dafür fünf Sterne.
Hannas Weg zu sich selbst
Eine echte Komtess von Ada Caine
Hanna ist eine junge Frau, die zwischen zwei Welten steht. Als Gouvernante begleitet sie Antonia, doch ihre Herkunft als Komtess bleibt immer ein Teil von ihr. Dieser Gegensatz zieht sich durch die Geschichte und macht ihren Weg interessant.
Ich habe Hanna gerne begleitet, weil sie nicht einfach alles hinnimmt.
Sie denkt viel nach, ist manchmal unsicher und versucht trotzdem, ihren eigenen Platz zu finden. Gerade diese Seiten machten sie für mich nahbar.
Die Beziehung zu Antonia entwickelt sich auf eine schöne Art. Die beiden begegnen sich nicht nur als Gouvernante und Schülerin, sondern lernen auch voneinander. Diese gemeinsamen Momente gehören für mich zu den ruhigen Stellen im Buch, die der Geschichte viel Wärme geben.
Auch Heiligendamm hat mir als Schauplatz gefallen. Die Umgebung, die gesellschaftlichen Regeln und die Erwartungen der damaligen Zeit passen gut zu Hannas Situation. Man spürt, dass es für sie nicht einfach ist, den Vorstellungen anderer zu entsprechen.
Die Begegnungen mit dem Freiherrn von Striegenberg fügen sich gut in die Handlung ein. Die Annäherung der beiden entwickelt sich langsam und passt dadurch gut zu der Zeit, in der die Geschichte spielt. Gleichzeitig sorgen die Ereignisse rund um Gräfin Valeria für einige Spannungsmomente.
Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir die Figuren. Viele kleine Gespräche zeigen, was sie beschäftigt und welche Wünsche oder Sorgen sie haben. Dadurch entstehen Menschen, die nicht nur eine Rolle in der Geschichte spielen, sondern lebendig wirken.
Dieser zweite Band der Reihe hat mir wieder schöne Lesestunden geschenkt. Hannas Entwicklung mitzuerleben, war für mich der wichtigste Teil der Geschichte. Sie musste ihren Weg erst finden, und genau das machte sie so sympathisch.
Eine historische Geschichte mit einer starken, aber nicht perfekten Hauptfigur, viel Gefühl und einer angenehmen Spannung. Dafür vergebe ich sehr gerne fünf Sterne.
Was bleibt von früher?
Die Töchter vom Königssee - Schmetterlingstage von Martina Sahler
Als Mona nach langer Zeit an den Königssee zurückkehrt, wird schnell klar, dass sie nicht nur an einen vertrauten Ort kommt. Mit jedem Treffen und jedem Gespräch taucht ein Stück Vergangenheit wieder auf. Manches ist in all den Jahren gleich geblieben, anderes hat sich verändert. Gerade diese Mischung hat die Geschichte für mich interessant gemacht.
Schon nach den ersten Kapiteln war ich neugierig, wie das Wiedersehen mit den ehemaligen Schulfreundinnen verlaufen würde. Zwischen ihnen ist sofort zu spüren, dass sie vieles miteinander verbindet. Gleichzeitig bringt jede ihr eigenes Leben mit, mit schönen Erinnerungen, aber auch mit Dingen, die bis heute nachwirken.
Mona stand für mich dabei klar im Mittelpunkt. Ihre Gedanken konnte ich gut nachvollziehen. Vor allem die Spannungen mit ihrer Tochter Pia haben gezeigt, wie schwierig Familie manchmal sein kann. Nicht jede Entscheidung ist richtig oder falsch. Genau das macht die Figuren so glaubwürdig.
Gut gefallen hat mir auch, dass sich die Geschichte Zeit lässt. Es muss nicht ständig etwas Außergewöhnliches passieren. Vieles entwickelt sich in kleinen Schritten. Dadurch hatte ich nie das Gefühl, dass etwas erzwungen wirkt. Stattdessen durfte sich alles nach und nach entfalten.
Der Königssee gehört für mich einfach zu dieser Geschichte. Die Landschaft ist immer wieder da, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Beim Lesen hatte ich oft ein klares Bild vor Augen und konnte mir die Schauplätze gut vorstellen.
Ich war irgendwann an dem Punkt, an dem ich einfach weitergelesen habe, weil ich wissen wollte, wie es mit den Figuren weitergeht. Nicht wegen großer Überraschungen, sondern weil sie mir im Laufe der Geschichte ans Herz gewachsen sind.
Nach der letzten Seite war für mich noch nicht alles abgeschlossen. Einige Fragen bleiben offen und genau das macht neugierig auf den nächsten Band. Für mich war dieser Auftakt ein schöner Einstieg in die Reihe. Jetzt freue ich mich darauf, wieder an den Königssee zurückzukehren.
5 Sterne.
Eine Mitfahrgelegenheit, die alles verändert
Ein Samstag im August von Birgit Bachmann
Eine Begegnung an einer Raststätte verändert für mehrere Menschen vieles. Elvira und Jobst sind eigentlich auf dem Heimweg aus dem Urlaub, doch die Entscheidung, zwei Fremde mitzunehmen, bringt Dinge ans Licht, mit denen niemand gerechnet hat.
Auch in der Familie Wortmann bleibt nichts so, wie es vorher war.
Alte Geschichten, unausgesprochene Gefühle und ein lange gehütetes Geheimnis sorgen dafür, dass sich die einzelnen Familienmitglieder neu mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen müssen.
Die Kapitel wechseln zwischen den verschiedenen Personen. Das hat mir geholfen, die einzelnen Figuren besser kennenzulernen. Jede trägt ihre eigenen Gedanken und Probleme mit sich herum. Beim Lesen wurde immer deutlicher, dass vieles miteinander verbunden ist und manche Entscheidungen erst verständlich werden, wenn man mehr über die Hintergründe erfährt.
Besonders die Frauen der Familie stehen im Mittelpunkt. Ihre unterschiedlichen Arten mit den Veränderungen umzugehen, fand ich interessant. Nicht jede Reaktion konnte ich sofort verstehen, aber gerade dadurch wirkten die Figuren nicht glatt oder perfekt.
Die Geschichte entwickelt sich ruhig und ohne unnötige Dramatik. Trotzdem wollte ich wissen, wie sich die verschiedenen Situationen weiterentwickeln und welche Auswirkungen die neuen Erkenntnisse auf die Familie haben.
Einige Figuren hätten für meinen Geschmack noch etwas mehr Raum bekommen dürfen. Manche Gedanken und Gefühle wären für mich noch spannend gewesen. Trotzdem hat mir die Art gefallen, wie die Autorin die verschiedenen Lebensgeschichten miteinander verbindet.
Nach dem Lesen blieb vor allem der Eindruck zurück, dass eine Familie oft viel mehr verbirgt, als von außen sichtbar ist. Auch wenn mich nicht jede Entwicklung vollkommen überzeugen konnte, habe ich die Geschichte gerne gelesen.
4 Sterne.
Ein stimmungsvoller Abschluss der Inseln Reihe
Die Wellentochter von Florence Winter
Als Hailey auf dem alten Schloss in den Highlands ankommt, liegt von Anfang an etwas Ungeklärtes in der Luft. Die große Bibliothek soll geordnet werden, doch schon nach kurzer Zeit wird klar, dass es dort nicht nur um Bücher geht. Immer wieder tauchen Fragen auf, die sich erst nach und nach beantworten.
Genau das hat mich neugierig gemacht.
Sehr gut gefallen hat mir, dass die Geschichte ihr eigenes Tempo hat. Nichts wirkt überladen oder unnötig in die Länge gezogen. Stattdessen ergibt sich mit jedem Kapitel ein klareres Bild. Die Nachforschungen über Moira und die Spuren, die bis zu den verlassenen St. Kilda Inseln führen, haben mich immer weiter lesen lassen, weil ich wissen wollte, was damals wirklich geschehen ist.
Auch die Schauplätze haben mich sehr beeindruckt. Das alte Schloss, die raue Landschaft und die abgelegenen Inseln passen wunderbar zu dieser Geschichte. Beim Lesen entstanden viele Bilder im Kopf, ohne dass die Beschreibungen zu ausführlich wurden.
Auch die Figuren konnten mich überzeugen. Hailey wurde mir schnell sympathisch. Ihre Neugier wirkte ehrlich und machte es leicht, sie auf ihrem Weg zu begleiten. Gleichzeitig haben auch die Ereignisse aus dem Jahr 1876 mein Interesse geweckt. Nach und nach wurde deutlicher, wie beide Zeitebenen miteinander verbunden sind.
Es gab immer wieder Stellen, an denen ich kurz innegehalten habe, weil ein neues Detail alles in eine andere Richtung gelenkt hat. Gerade diese kleinen Entdeckungen haben für mich den Reiz des Buches ausgemacht. Die Geschichte lebt von ihren Geheimnissen und davon, dass nicht sofort alles verraten wird.
Auch die Verbindung zu den vorherigen Bänden der Reihe hat mir gefallen. Obwohl jede Geschichte für sich steht, erkennt man die gemeinsame Verbindung der Frauen und ihrer Schicksale. Florence Winter verbindet wieder Vergangenheit und Gegenwart miteinander und schafft es, beide Ebenen gleichermaßen interessant zu halten.
Nach dem Lesen blieb bei mir vor allem die besondere Mischung aus Familiengeschichte, Geheimnissen und den eindrucksvollen Schauplätzen zurück. Die Suche nach der Wahrheit rund um Moira und das Schloss hat mich bis zum Ende begleitet.
Für mich war dieser dritte Band ein schöner Abschluss der Reihe. Die Geschichte hat mich gut unterhalten und mich wieder in eine andere Zeit mitgenommen. Dafür vergebe ich sehr gerne fünf Sterne.
Mehr als nur eine Familiengeschichte
Sommer im Seehaus von Eva Grübl
Am Anfang hatte ich noch gedacht, dass es vor allem um das Wiedersehen der drei Schwestern geht. Doch schon nach den ersten Kapiteln wurde klar, dass viel mehr dahintersteckt. Mit dem Besuch im alten Seehaus am Wolfgangsee kommen immer mehr Fragen auf. Gerade weil Katharina durch ihre Demenz Dinge ausspricht, über die sie früher geschwiegen hat, verändert sich mit der Zeit der Blick auf die ganze Familie.
Besonders gefallen hat mir, wie ruhig sich alles entwickelt. Es passiert nicht ständig etwas Aufregendes und trotzdem wollte ich immer weiterlesen. Alte Verletzungen, Missverständnisse und unausgesprochene Gefühle bekommen ihren Platz, ohne dass etwas übertrieben wirkt. So wird nach und nach verständlich, warum sich die Schwestern über viele Jahre voneinander entfernt haben.
Durch die wechselnden Erzählperspektiven hatte ich nie das Gefühl, nur eine Seite zu kennen. Jede Schwester erlebt vieles auf ihre eigene Weise und genau das macht den Roman so lebendig. Auch Katharina hat mich oft beschäftigt. Zwischen ihren Erinnerungen und den Momenten, in denen sie den Faden verliert, kommen Wahrheiten ans Licht, mit denen niemand mehr gerechnet hat.
Besonders gern habe ich die Kapitel mit Manuel gelesen. Obwohl er erst siebzehn Jahre alt ist, bringt er viel Ruhe in die Familie. Mit seiner fürsorglichen Art unterstützt er Eva bei der Suche nach Antworten und gibt nicht auf, wenn andere schon längst aufgegeben hätten. Ohne ihn wären einige wichtige Begegnungen und Gespräche gar nicht zustande gekommen. Für mich war er eine der Figuren, die den Roman besonders bereichert haben.
Auch die Verbindung zur Vergangenheit hat mich sehr interessiert. Nach und nach wird deutlich, wie eng das Leben der Familie mit den Ereignissen in der DDR verbunden ist. Dabei hatte ich nie das Gefühl, dass die Geschichte belehren möchte. Alles fügt sich ganz selbstverständlich zusammen. Man merkt, wie sorgfältig die historischen Hintergründe recherchiert wurden.
Immer wieder gab es Stellen, an denen ich noch ein Kapitel weiterlesen wollte. Aus einer kurzen Lesepause wurde oft mehr, weil ich unbedingt wissen wollte, welches Geheimnis als Nächstes ans Licht kommt. Das Buch hat mich an vielen Stellen berührt, ohne die Gefühle in den Vordergrund zu stellen. Gerade diese ruhige Art hat mir besonders gut gefallen.
Für mich ist dieser erste Band ein gelungener Auftakt der Reihe. Familiengeschichte, Zeitgeschichte und persönliche Schicksale greifen schön ineinander. Am Ende bleiben noch einige Fragen offen. Das passt für mich gut, denn jetzt bin ich erst recht gespannt, wie es mit den drei Schwestern und ihrer Mutter wohl weitergehen wird. Auf den zweiten Band freue ich mich schon sehr.
5 Sterne.











