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Rezensionen von clematis:

Wo das Leben einfach schmeckt

Sommerwind in der Toskana von Karin Seemayer

Als einzige Nachfahrin erbt Laura das Haus ihres Onkels in der Toskana. Obwohl sie es ganz schnell verkaufen und rasch wieder nach Frankfurt zurückkehren will, hält sie irgendetwas länger als geplant im schönen Süden.

Lebendig und voller bunter Bilder erzählt Karin Seemayer aus den Blickwinkeln von Laura und Luca, schildert die beeindruckende Landschaft der Toskana in leuchtenden Farben und bringt in Nonna Marias Küche die köstlichsten Speisen auf den Tisch.

Wer bekommt kein Fernweh, wenn nussiges Olivenöl auf frisches Brot trifft, wenn saftige Marillen und satter Wein um die Wette strahlen? Wo das Leben einfach schmeckt, da findet Laura spannende Aufgaben, denen sie sich gerne widmet und wie von selbst ihre Werteskala neu ordnet. Der verschmitzt lächelnde Luca, den sie schon aus Sommerurlauben in Kindertagen kennt, lässt die junge Deutsche ebenfalls nicht kalt.

Ruhig und einfühlsam kommen die übersichtlich kurz gehaltenen Kapitel daher, bringen ohne großes Aufhebens Änderungen und Neuerungen mit und üben genau dadurch einen ungeahnten Sog beim Lesen aus. Naturverbundenheit und Familiensinn sind spürbar echt, die Figuren realistisch und glaubwürdig. Egal, ob man die Toskana bereits kennt oder nicht, spätestens nach dieser virtuellen Reise möchte man tatsächlich in die Ferne schweifen.

Ein stimmungsvoller Roman, der durch Ruhe und Geradlinigkeit überzeugt. Leseempfehlung!

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Zwischen Gletscher und Fortschritt

Tal der Schwalben von Seraina Kobler

Alesch stammt aus einem abgelegenen Schweizer Bergdorf, wo Natur und Bodenständigkeit vorherrschen. Während er studiert und einen leitenden Posten am Institut für angewandte Fusionsenergie übernimmt, sind die Städte in der Schweiz zu einer Metroplitane zusammengewachsen und die Alpenregion soll immer mehr gesperrt und für die Energieversorgung herangezogen werden.

Für eine wissenschaftliche Arbeit kehrt Alesch in seine Heimat zurück und muss sich wundern über seltsame Wetterphänomene, er ist hin- und hergerissen zwischen der rauen, sich stark verändernden Gletscherwelt und seiner Forschung, welche viele Energieprobleme lösen könnte.

In drei große Abschnitte gegliedert, begleiten wir Alesch durch diese recht nüchtern dargestellte Geschichte, die möglicherweise genau deshalb die Problematik von Naturschutz und Energiegewinnung unterstreicht. Die wenigen, das Geschehen beherrschenden Figuren sind für mich ziemlich unnahbar, sodass es schwer ist, in deren Gefühls- und Gedankenwelt einzudringen. Dennoch wird das Dilemma eindringlich dargestellt: Klimaflüchtlinge und zwangsweise Umgesiedelte drängen sich in den neuen Städten, große Konzerne übernehmen das Kommando und wecken Illusionen, die möglicherweise nie wahr werden können. Die dystopischen Szenen werden allerdings abgelöst von Bildern aus Pradetta, dem Ort, aus dem Alesch stammt und wo man sich zur Wehr setzt gegen die Evakuierung.

Mit ihrer distanzierten Betrachtung gelingt es der Autorin, wertungsfrei zu erzählen und den Leser mitzunehmen in eine Zukunft, die wir vielleicht doch intensiver und engagierter mitgestalten wollen und sollen. Was romanhaft klingt, kann schneller zur Realität werden als wir uns vorstellen können. Das Tal der Schwalben bietet jedenfalls interessante Ausblicke.

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Die Uhr tickt

Noch fünf Tage von Helena Falke

Lis Castrop wacht im Krankenhaus auf, sie ist vergiftet worden. Die Familie, für welche sie als Spitzenköchin fürs Silvestermahl engagiert war, ist bereits tot. Ist sie selbst die Mörderin und will ihre Spuren verwischen – oder ebenfalls ein Opfer? Das gilt es, herauszufinden. Aber die Uhr tickt immer lauter.

Innerhalb von fünf Tagen wird auch sie ihr Leben aushauchen.

Lis‘ Blickwinkel ist jener, den auch die Leser einnehmen. So wird ein eher einseitiges Bild gezeichnet, das durch die persönliche Note besticht. Die Kapitel sind knapp gehalten, um den wenige Tage umfassenden zeitlichen Rahmen gut widerzuspiegeln. Auch Spannung sollte dadurch wohl implementiert werden, das gelingt jedoch nur bedingt. Immer wieder schweifen Lis‘ Gedanken ab in die Vergangenheit, um zu rekapitulieren, welche Täter und welche Motive eine Rolle spielen könnten, allerdings verliert sich die Handlung dadurch stets in Nebensächlichkeiten und ablenkende Details. So nützen auch die oft eingeblendete aktuelle Uhrzeit und das Herunterrechnen der verbleibenden Stunden nicht unbedingt, um den Funken eines Thrillers auf den Leser überspringen zu lassen. Das Ende hingegen ist überzeugend aufgelöst und kann noch etwas von diesem eher emotionsfreien Spiel retten.

Eine interessante Idee, die aber für einen Thriller mehr Dramatik oder Gänsehautmomente bräuchte.

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Im Miethaus

Stunden wie Tage von Shelly Kupferberg

In einem Berliner Miethaus wohnt und arbeitet Martha E. Sie ist die gestrenge, aber gute Seele für vier Stiegen und hält auf sparsame und wirkungsvolle Weise Ordnung. Als die Nationalsozialisten erstarken und der jüdische Hausbesitzer flüchtet, übernimmt Martha E. die Verantwortung für das Haus und kümmert sich um die zurückbleibende Tochter Liane.

Nüchtern im Schreibstil und dennoch berührend, so begegnet man dieser Geschichte, welche zum Teil auf wahren Begebenheiten beruht. Wir begleiten Martha über mehrere Jahrzehnte, lernen sie in unterschiedlichen Situationen kennen. Die nach außen hin oft hart und forsch wirkende Frau hat jedoch ein weiches Herz, weshalb sie sich auch während der Kriegsjahre um ihre Nachbarn kümmert. Mit leisen Tönen wird die schreckliche Zeit geschildert, wenige Figuren stehen im Mittelpunkt und stellvertretend für viele ähnliche Schicksale. Die Zeit nimmt ihren Lauf, der Krieg ist zu Ende und Martha ist immer noch auf ihrem Hausbesorgerposten, selbst in der Rente streift sie armselig und unauffällig durch die Gassen. Was sie in all den Jahren gesehen und erkannt hat, bleibt lange ein Geheimnis.

Knapp an Seiten und dennoch mit so vielen Details erzählt Shelly Kupferberg nach eingehender Recherche aus einer düsteren Zeit, schildert das Leben von Menschen, die wie du und ich gewesen und plötzlich mit unfassbarem Leid konfrontiert worden sind. Leseempfehlung!

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Leiche in Schokolade

Die dunkle Seite der Schokolade von Dina Casparis

Als studierte Chemikerin und Juristin findet Serafine Montalin einen Platz als interne Ermittlerin im Schokoladeunternehmen CacaoBest. Dafür hat sie ganz persönliche Beweggründe, denn ihr Vater ist etliche Jahre zuvor in genau dieser Firma zu Tode gekommen, weshalb sie eigene Nachforschungen anstellen möchte.

Im Strudel der Ereignisse gerät Serafine nun selbst zur Zielscheibe.

Detaillierte Beschreibungen zur Herstellung feinsten Kakaos und zartester Pralinen, vermischt mit einem alten Todesfall, das sind die köstlichen Zutaten für diesen atmosphärischen Schweizer Kriminalroman. Eine selbstbewusste und durchsetzungsstarke Hauptperson, Serafine, versucht auf gewitzte Art und Weise ihr Vorhaben umzusetzen, wobei ihr Autorin Dina Casparis noch einige weitere Themen mit auf den Weg gibt. So kommen noch die Unterdrückung Einheimischer während der Kolonialzeit in Afrika, Rassismusprobleme und verstrickte Familienstammbäume ins Spiel, wodurch man als Leser schnell einmal den roten Faden verlieren kann. Weniger ist mehr, hätte da aus meiner persönlichen Sicht besser gepasst. Andererseits sind die komplizierten Puzzlestücke gut miteinander verwoben, was für die Autorin spricht und sämtliche Einzelheiten bestens recherchiert, sowie im Nachwort nochmals übersichtlich zusammengefasst. Der flüssige Schreibstil schließlich vermittelt ein angenehmes Lesegefühl.

Eine spannende Familiengeschichte mit einigen Krimiszenen und vielen verführerischen Düften feinster Schweizer Confiserie – anders als erwartet, aber durchaus interessant.

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Mister Hollywood

Brombeerliebe auf Schottisch von Karin Lindberg

Rhys Ashfort, ein bekannter Hollywoodstar, flieht aufgrund eines Skandals ins schottische Hochland, wo sein nächster Film gedreht wird. Gleich nach seiner Ankunft bringt er sich aber schon selbst in eine missliche Situation, als er mitten in der Nacht in der Brombeerhecke am Nachbargrundstück hängen bleibt und so auf höchst unkonventionelle Weise die Hebamme Caitlin kennenlernt.

Witzig und höchst unterhaltsam beginnt dieser neue Liebesroman in der schönen Kleinstadt Kiltarff am Loch Ness, wo die Uhren ganz anders ticken als am amerikanischen Filmset. Bekannte Figuren trifft man als Leser natürlich beim bereits achten Band der empfehlenswerten Reihe wieder, trotzdem gelingt es Karin Lindberg bestens, gefühlvolle und spannende Momente zum Leben zu erwecken und immer wieder Neues und Kurzweiliges aus Schottland zu erzählen. Diesmal treffen eine alleinerziehende Geburtshelferin und ein umwerfend aussehender Schauspieler aufeinander, wobei gleichsam zwei Welten aufeinanderprallen. Zauberhafte Momente und berührende Szenen entführen den Leser in einen kühlen Frühling, zwei aufgeweckte Buben im Vorschulalter samt umtriebiger Granny sorgen für ein gutes Maß Humor. Wie nebenbei thematisiert die Autorin tiefergehende Gedanken, lässt den Leser spüren, wie Caitlin nach Wertschätzung und Eigenständigkeit strebt, wie Rhys unter seiner Kindheit leidet und sich in seine Welt des „Mister Hollywood“ flüchtet, die ihm aber auch nicht das geben kann, was er sucht. Viel Wärme und Herz schwingen zwischen den Zeilen mit und so bietet die Brombeerliebe mit bestechend blauen Augen wieder beste Unterhaltung.

Charmante Figuren, eine wunderbare Kulisse am Loch Ness und Gefühl, gepaart mit Ernsthaftigkeit, sowie ein überaus angenehmer Schreibstil sind wesentliche Punkte für eine klare Leseempfehlung.

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So etwas wie Familie

Gern gesehene Gäste von Thommie Bayer

Teils ungewollt, teils gewollt, entwickelt sich Matteo zu einem Einzelgänger. Eine richtige Familie – bis auf seine Mutter – und richtige Freunde hat er nicht. Das soll sich ändern, als er das Schriftstellerpaar Eric und Keira kennenlernt, welches zwar deutlich älter, aber überaus charismatisch ist und Matteo so nimmt, wie er ist.

Hier bekommt er das Gefühl, so etwas wie Familie zu erleben.

Die ruhige Erzählweise von Tommie Bayer zieht sich durch den gesamten Roman, der Blick wird auf Details gerichtet. Lange ist mir nicht klar, wohin die Reise gehen soll, die Charakterstudien stehen wohl über einer komplizierten Handlung. Kompliziert sind die Figuren schon selbst und überraschen mich immer wieder in ihrem Tun und ihrem Denken. Da ist einmal der junge Matteo, der als Zimmermann durch die Welt tingelt, um sein Anderssein zu kaschieren, dort spiegeln Keira und Eric eine selbstbewusste und selbstbestimmte Welt wider. Erst nach und nach entdeckt Matteo, dass aber auch diese Welt Risse bekommt, wenn er nur näher hinsieht. Was versteckt sich hinter dem Autorenpaar? Wahrheit, Lüge? Oder wird die Lüge zur Wahrheit, wenn man sie aus einem anderen Winkel betrachtet? Oder andersrum? Autobiografisches, Abgekupfertes, Gemeinschaftliches? Was ist es, das einen guten Roman ausmacht, der auch bei den Lesern auf Resonanz stößt und was könnte Bayer mit Keira und Eric gemeinsam haben? Viele Einzelheiten lässt man anklingen, um doch nicht jedes Geheimnis zu lüften.

Die Geschichte liest sich interessant, allerdings fehlt mir die Nähe zu den einzelnen Personen, die Emotionen springen nicht so recht über. Trotz allem kann ich mir gut vorstellen, dass andere Leser hier einen intensiveren Zugang finden.

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Borkum - einst und jetzt

Ruf der Wellen von Anna Jessen

Um eine Doktorarbeit über die wandernden Ostfrieseninseln zu schreiben, reist Helen nach Borkum. Dort lernt sie nicht nur freundliche Einheimische kennen, sondern erfährt auch einige interessante Anekdoten über die Geschichte des Eilands.

Schon zu Beginn, bei Helens Überfahrt mit der Fähre von Emden nach Borkum im Jahre 2025, geht es dramatisch zu auf den Wellen, welche bereits 1855 eine ungeahnte Tragödie heraufbeschworen haben.

Die damalige Flut hat nicht nur Häuser und Fischerboote zerstört, sondern auch Menschenleben mit sich gerissen und Hunger und Leid unter den Überlebenden ausgelöst. Generationen später sind die Narben davon immer noch spürbar. Mit viel Liebe zum Detail und bildreichen Beschreibungen erzählt Anna Jessen diese wundervolle Geschichte vom Leben in und mit der Natur, von gewaltigen Stürmen und heranbrandenden Wellen und vom Zusammenhalt der Menschen in der Not. Die beiden Zeitebenen sind auf spannende Weise miteinander verquickt, die abwechselnden Blickwinkel bringen Schwung in die eher ruhige Darstellung der Handlung. Sowohl einst als auch jetzt begegnen wir mutigen Figuren, welche vor wichtigen Entscheidungen stehen. Da wie dort stehen Lebenswege vor einem Umbruch, dessen Auswirkungen man nicht vorhersehen kann. Das Ende lässt natürlich noch einiges offen, handelt es sich doch um den ersten Band eines Mehrteilers. Die Neugierde ist jedenfalls geweckt.

Ein schöner Start der Borkum-Reihe, empathisch erzählt und realistisch dargestellt. Ich reise bei der Fortsetzung gerne wieder mit in die mitunter recht stürmischen Gefilde Ostfrieslands.

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Tankstellennächte

Giftiger Grund von Thomas Knüwer

Drei junge Männer überfallen eine Tankstelle und werden zu entsprechenden Haftstrafen verurteilt. Am längsten, nämlich knapp sieben Jahre, sitzt Joran, der nun endlich freikommt und ein neues Leben beginnen will. Allerdings holt ihn die Vergangenheit schneller ein als er sich das vorstellen kann.

Ein so außergewöhnlicher wie fesselnder Kriminalroman ohne Ermittlerteam verbirgt sich hinter dem passenden giftgrünen Titelbild. Drei einander fremde Personen treffen unter sonderbaren Umständen aufeinander, kommen in mehreren Nächten an eine verlassene Tankstelle, einen Lost Place. Dabei handelt es sich um eine Influencerin, ein kleines Mädchen und um Joran selbst. Makaberer Nachbar in einem alten Schacht nebenan ist eine Leiche … Regelmäßige, aber stets übersichtliche, Blickwechsel bringen Kurzweil und Schwung in die Handlung, die selber aus gar nicht viel besteht, aber dennoch eine breite Themenpalette aufweist. Auch wenn die Figuren ein tristes Bild abgeben, wirken sie authentisch und glaubwürdig in ihren widrigen Lebensumständen. Möglicherweise ist es der bedrückende Unterton, welcher nicht bei allen Lesern gut ankommt, mir hingegen gefällt diese Stimmung gut, spiegelt sie doch die Gefühlswelt der Protagonisten perfekt wider. Besonders gelungen ist die Verknüpfung der drei Lebenswege, die einander hier kreuzen und eine Kaskade an Geschehnissen auslösen. Das Ende ist – wie bereits bei „Gudelia“ – eine gekonnte Auflösung aller losen Erzählstränge und eine gelungene Überraschung.

Ein Kriminalroman, wie man ihn noch nicht gelesen hat. Wer das Außergewöhnliche sucht mit vielen Grauschattierungen zwischen Schuld und Schicksal, der wird mit dieser Tankstellengeschichte bestimmt seine Freude haben. Von mir kommt jedenfalls eine Empfehlung.

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Kaiserparade

Donaumelodien - Wiener Verschwörung von Bastian Zach

Während in der Metropole des k.k. Kaiserreichs alles für die bevorstehende Parade anlässlich der Silberhochzeit von Franz und Sisi vorbereitet wird, wird ein abgetrennter Menschenkopf vor der Polizeidirektion abgelegt. Wer wäre besser geeignet als Hieronymus Holstein, um die Ermittlungen aufzunehmen?

Bereits zum fünften Male begeben wir uns auf die Spuren der aufstrebenden Stadt Wien in den 1870er-Jahren, welche geprägt ist von Überbevölkerung, menschenverachtenden Arbeitsbedingungen in den Fabriken und immensen Ungerechtigkeiten zwischen Männern und Frauen – die 1848er-Revolution spielt hier herein.

Die bereits den meisten Lesern bekannten Figuren stehen neuen Herausforderungen gegenüber, einige werden persönlich in den Fall hineingezogen. Die Atmosphäre der Zeit und die gesellschaftspolitischen Besonderheiten fängt Bastian Zach auf gekonnte Weise ein, seine anschaulichen Bilder und Wiener Ausdrücke versetzen uns perfekt in unterschiedliche Milieus und erzählen von Griaslern und Strottern (Obdachlose und Bewohner der Kanalisation) oder erfreuen uns mit „G‘schamster Diener“ in noblem Hause. [Nicht mehr geläufige oder gar vergessene Wendungen werden mittels Fußnoten erklärt.] Der Hauptteil der Handlung spielt sich in zentralen Bezirken ab, wir begeben uns aber auch nach Floridsdorf, wo die Lokomotivfabrik viele Arbeiter beschäftigt und schon einmal eine Bombe hochgegangen ist. Viel Platz wird dem Wiener Schmäh eingeräumt, denn nur granteln tut man hier mitnichten. In etliche private Betrachtungen ist schließlich die Aufklärung um den einsamen Totenschädel eingebettet, welche der Geisterfotograf Hieronymus und der bucklige Franz wieder bestens hinbekommen.

Ein historischer Krimi aus einer überaus empfehlenswerten Reihe, welche durch den authentischen Schreibstil, aber auch durch die Charakterzeichnung und das besondere Flair der Donaumetropole besticht! Leseempfehlung!

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