Kunden em pfehlungen
Rezensionen von clematis:
4 in 1
Splitterschreie von Roman Klementovic
Vier spannende Kurzthriller – Versagt, Wenn die Nacht ertrinkt, Wenn der Nebel brennt, Wenn die Stille schreit – vereint dieses Buch zu einem lesenswerten und pointierten Quartett. Ein Serienkiller in Wien Donaustadt, ein ungeklärter Altfall und zwei etwas ähnlich gestrickte Geschichten im normalerweise gewohnten heimischen Umfeld sorgen für beste Unterhaltung auf gewohntem „Klemetovic-Niveau“.
Ein strukturierter Aufbau charakterisiert alle vier Episoden, kurz und prägnant im Schreibstil präsentiert sich auch diesmal jede einzelne Handlungslinie, sodass man rasch gefesselt ist vom Geschehen. An den Hauptfiguren ist man durch die knappe, aber dennoch gut vorstellbare Charakteristik nahe dran, deren Gedanken und Gefühle transportiert Klementovic perfekt. Die sprachlich geschaffene klamme Atmosphäre untermalt auf gelungene Weise die jeweiligen Ereignisse und lässt den Leser Momente von Gänsehaut spüren. Die Auflösungen kommen anschaulich und treffend daher und vermögen durchaus zu verblüffen – genau so soll es sein!
Spannendes und Überraschendes in aller Kürze, vier Mal pures Lesevergnügen. Mit einem Thriller von Klementovic liegt man immer richtig, mit vier auf einen Streich nun auch.
Leichtfüßige Schwere
Der Sommer, der uns blieb von Greta Herrlicher
Britta, Pia und Martin erleben in ihrer Jugend einen unvergleichlichen Sommer – bis eines Tages Pia spurlos verschwindet. Ab da ist nichts mehr, wie es war und alle drei gehen ihrer eigenen Wege. Zwanzig Jahre danach treffen die ehemaligen Freunde in ihrer kleinen Heimatstadt wieder aufeinander – können sie nahtlos anknüpfen an alte Zeiten oder besteht ein tiefer Riss zwischen den Erwachsenen?
Greta Herrlicher legt ein wunderbares Romandebut vor, das auf leichtfüßige Art sehr schwere Themen behandelt: Die offen stehende Welt, welche durch das Schicksal rasch ganz anders aussehen kann, die unbeschwerten Jugendtage, welche sich zum mühlsteinartigen Alltag wandeln.
Trotz der teils bedrückenden Bilder gelingt es der Autorin, eine beschwingte und hoffnungsvolle Stimmung zu erzeugen, eine authentische und glaubhafte Geschichte zu erzählen, wie sie das wahre Leben tatsächlich spielen könnte. Eine bildhafte Sprache sorgt für Lebendigkeit, die überschaubare Zahl an Personen für klare Einblicke. Krankheiten, Generationenkonflikte, ja selbst die beginnende Corona-Pandemie tun dem fesselnden Lesevergnügen keinen Abbruch, das Begleiten der drei Hauptfiguren ist spannend bis zur letzten Seite.
Der Sommer, der uns blieb (einst veröffentlicht unter „Der Sommer unseres Lebens“!) ist ein ruhiger Roman, welcher die Schwere unterschiedlicher Themenfelder auf locker-leichte Weise dem Leser näherbringt. Empfehlung!
Die Gouvernante
Der Wille der Gräfin von Ada Caine
Für die adelige Hanna bleibt kein Erbe über. Möchte sie nicht bei ihrer Tante Unterschlupf suchen, so muss sie wohl selber als Gouvernante für ihr Auskommen sorgen. Nur knapp schrammt sie in Karlsbad an einem Unglück vorbei und lernt kurz darauf Gräfin Valeria kennen, welche für ihre verwaiste Enkelin eine Erzieherin sucht.
Allerdings stellt sie Hanna nicht ohne Hintergedanken ein.
Dieser unterhaltsame Roman, welcher im Jahre 1896 spielt, erzählt die Geschichte einer tatkräftigen jungen Frau, die auf eigenen Füßen stehen möchte und viel mehr mitbringt, als von einer Gouvernante erwartet wird. Keinesfalls möchte sie das Geheimnis um ihre adelige Abstammung preisgeben und muss daher genau darauf achten, wie sie sich gibt und was sie sagt. Das angestammte Personal beäugt die Neue skeptisch und auch die störrische Enkelin Antonia, Hannas Zögling, ist eine Herausforderung.
Aus dem bereits aus früheren Romanen bekannten Karlsbad geht es diesmal Richtung Ungarn. Mit lebendigen Bildern vor Augen und entsprechender Atmosphäre quartieren wir uns auf einem weitläufigen Anwesen ein, sitzen auf der Terrasse und beobachten das bunte Treiben zwischen Gutshof und Pferdestallungen. Natürlich bleiben Eifersucht und Intrigen nicht aus, sodass es nach der etwas lang andauernden Reise doch wieder spannend wird. Wie gewohnt, ist die Geschichte auf der letzten Seite nicht zu Ende, eine Fortsetzung in Heiligendamm mit frischer Ostseeluft wartet hoffentlich bald auf die neugierigen Leser.
Esja-Frauen
Moosland von Katrin Zipse
Ein Aufruf der isländischen Bauernpartei im Jahre 1949 bewegt etwa 300 Frauen aus Deutschland, ihre Heimat hinter sich zu lassen und als Landarbeiter auf die Insel zu kommen. Der Lohn ist hoch und im Verliererland scheint ohnehin keine Zukunft zu liegen. So brechen auch Elsa und ihre Freundin Gerda auf in eine fremde Welt, besteigen voller Aufregung den Passagierdampfer Esja (daher die Bezeichnung Esja-Frauen).
Auf großartige Weise fängt Katrin Zirpse die Situation von Elsa ein, beginnt mit der Ankunft am Hof, dem die junge Frau zugeteilt ist. Das Land ist völlig anders, die Menschen arm, die Sprache unvertraut. So schweigt Elsa, verliert sich ihrer Trauer um Familie und Freunde. Auf ihre eigene Art findet sie sich schließlich in den Alltag der Eheleute und der beiden Söhne ein, passt sich zwangsläufig an, weil ihr gar nichts anderes übrigbleibt. Der leicht melancholisch nüchterne Schreibstil der Autorin spiegelt die Atmosphäre auf Island und Elsas Gedanken perfekt wider, es handelt sich um eine bewegende Erzählung, welche ohne wortreiche Dialoge auskommt und dennoch ein klares Bild auf die Geschehnisse wirft. Der wechselseitige Einfluss der Personen wird bald deutlich, die kleine Gruppe an Figuren ist schnell kennengelernt, so unterschiedlich sie auch mit der Fremden am Hof umgehen. Trotz der vielen alltäglichen Situationen bleibt der Spannungsbogen durchgehend hoch, einige unklare Tatsachen suchen sich nur allmählich ihren Weg ans Licht. Das Ende bleibt in gewisser Weise offen und beschreibt dennoch recht deutlich, wie es Elsa, stellvertretend für die realen Esja-Frauen, ergangen ist, als sie ihre Wurzeln und ihre Identität in der Heimat zurückgelassen haben.
Ein wunderbares, wenngleich mitunter trauriges Abbild der historischen Gegebenheiten. Den Neubeginn in Island stellt Katrin Zipse ausgezeichnet dar mit einem gelungenen Mix aus detaillierter Recherchearbeit und entsprechenden fiktiven Elementen. Klare Leseempfehlung!
Die Lotsennummer
Der Gesang der See von Trude Teige
Am Lotsenhof auf einer kleinen norwegischen Fischerinsel lebt Kristiane gemeinsam mit ihrer Mutter, ihrer Schwester und ihrem Ehemann Anders. Als dieser auf hoher See den Tod findet, ist Kristiane gezwungen, die Lotsennummer ihrer Familie abzugeben oder sich einen neuen Ehemann zu suchen, der bereits als Lotse zugelassen ist oder die notwendige Prüfung ablegt.
So lauten die klaren Regeln, welche das karge und entbehrungsreiche Leben im rauen Norwegen begleiten, eine Frau selbst hat wenig zu sagen und schon gar nichts zu entscheiden. Die junge Witwe steht vor einer schwierigen Wahl und kämpft für ihre Zukunft.
Eine wunderbare Erzählung, beruhend auf genauer Recherche und inspiriert von der eigenen Familiengeschichte, erwartet die geneigten Leser bei Trude Teiges erstem Roman, der nun erstmals auch auf Deutsch erscheint. Bewegende Szenen, präzise Charakterstudien und die Kulisse einer wilden Landschaft prägen das Geschehen. Mit ruhigen, dennoch eindringlichen Worten schildert Trude Teige Kristianes Schicksal, stellt deren Zwiespalt zwischen Tradition und Aufbegehren gegen scheinbar unabänderliche Strukturen bildlich dar. Wie auch in ihrer „Großmutter-Trilogie“ steht eine starke, mutige Frau im Mittelpunkt der Handlung. Fischerei und Schifffahrt sind zwar Sache der Männer, aber Kristiane will das nicht unwidersprochen hinnehmen, immer wieder trifft sie eigene Entscheidungen, wodurch sie ihre Nachbarn vor den Kopf stößt und auch gegen kirchliche Bevormundungen weiß sie sich zu wehren. Geht sie kluge oder falsche Wege? Das ist natürlich eine Frage der Sichtweise.
Trotz der Kürze von etwa 250 Seiten hat dieses Buch eine enorme Aussagekraft, kann es mit der knappen Handlung und der großartigen, vorherrschenden Atmosphäre absolut überzeugen. Ich empfehle diese großartige Geschichte uneingeschränkt weiter.
Mutige Sofia
Die Papierschöpferin von Anna Thaler
Corrado di Maderno, Besitzer einer Papiermühle am Gardasee, kehrt von seiner Reise nach Venedig nicht mehr zurück. Er sei an der Pest verstorben, heißt die Nachricht an seine Familie, wodurch Tochter Sofia mit ihren jüngeren Geschwistern auf sich allein gestellt ist, denn die Mutter lebt auch nicht mehr.
Am liebsten würde Sofia selbst die Geschicke der Papiermühle weiterführen, aber das ist im 15. Jahrhundert natürlich nicht denkbar. Frate Sebastiano als Vormund unterstützt sie daher, um einen geeigneten Heiratskandidaten zu finden und in der Zwischenzeit für die Kinder zu sorgen. Eine Reise nach Augsburg und ein junger Novize sorgen dabei für Aufregung.
Sehr überzeugend malt Anna Thaler ihr Bild der damaligen Zeit, beschreibt eindrücklich das Handwerk des Papierschöpfens und die Not der zurückbleibenden Geschwister nach dem Tod der Eltern. Aus freundlich gesinnten Nachbarn werden plötzlich Konkurrenten, welche die einst gut gehende Papiermühle als Trophäe vor Augen haben. Und auch Menschen, welche es gut meinen mit Sofia, legen oftmals nur ihre eigenen Weltvorstellungen als Maßstab an, während sie übersehen, was für die talentierte junge Dame das Beste ist. Denn auch wenn ihr keine besondere Bildung zuteil geworden ist, so spürt sie im Herzen, wie ihre Zukunft aussehen sollte. Umso schöner ist es, mitzuerleben, wie Sofia an den Herausforderungen wächst, sie mit Verstand und Mut nach Augsburg und Venedig reist, wo sie eine gefährliche Information erhält.
Ohne überbordende Emotionen fließt die Geschichte gleichmäßig dahin, bringt viel Interessantes über die Papierherstellung und den Buchdruck, eine leise Romanze ergibt sich wie nebenbei. Das Bild der damaligen Zeit fühlt sich stimmig an und bietet gute Unterhaltung.
Varianten der Wahrheit
Die fremde Frau von Guillaume Musso
Die Millionenerbin Oriana Di Pietro wird auf ihrer Jacht vor der Côte d’Azur attackiert und erliegt wenige Tage später ihren schweren Verletzungen. Vom Täter fehlt jede Spur, die Rekonstruktion der letzten Tage aus Orianas Leben ergibt höchst unterschiedliche Bilder. Wer erzählt die Wahrheit? Oder ist die Wahrheit einfach eine Tochter der Sichtweise?
Dieser so nüchterne Bericht und gleichzeitig so fesselnde Roman zieht mich als Leserin sofort in seinen Bann.
Oriana selbst, ihr charmanter Ehemann Adrien, dessen junge Geliebte Adele und schließlich die eifrige Polizistin Justine kommen abwechselnd zu Wort und legen ihre Meinung dar. Die Puzzlesteine rücken nur langsam an ihren Platz, dennoch ist das Geschehen von Anfang bis zum bemerkenswerten Ende durchwegs spannend und hervorragend durchdacht. Die wenigen Figuren charakterisiert Guillaume Musso treffend, die Handlung wird zwar nicht chronologisch erzählt, die einzelnen Kapitel fügen sich aber übersichtlich und logisch aneinander. Die wesentliche Frage, welche sich hier stellt, ist, wer sagt die Wahrheit und wer lügt. Aber das herauszufinden ist vielleicht unmöglich?
Ein außergewöhnlicher Roman, eine beklemmende Atmosphäre, eine perfekte Auflösung! Leseempfehlung!
Das Buch
Vergiss nicht zu tanzen, Hanna von Mareike Busch
Als Hanna an einer schweren Krankheit stirbt, lässt die ein frisch verfasstes Buch zurück. Nun versteht ihre Tochter Anne, warum sie zuletzt von einer schweren Schuld und von einem fremden Mädchen namens Rosa gesprochen hat. Anne öffnet mit dem Buch eine recht ruhige und dennoch sehr bewegende Geschichte für sich selbst und alle Leser von „Vergiss nicht zu tanzen, Hanna“.
Der Rahmen ist schmal, die Erzählung aus der Sicht von Hanna in der Ich-Form nimmt nahezu den gesamten Raum ein und erfüllt alle Erwartungen an diesen eher schmerzlich anmutenden Roman, der im Raum Westpommern spielt. Trotz aller Beschwerlichkeiten während der Zeit des Nationalsozialismus hegen die Mitglieder der Familie Gehrken immer wieder Mut und Hoffnung, allen voran der Großvater, der selbst schon im Ersten Weltkrieg gedient hat und trotz seiner einfachen Schulbildung viel Lebensweisheit an seine Enkelin weitergeben kann. Das Dasein am Bauernhof ist hart und entbehrungsreich, schon die Kleinsten bekommen ihre Aufgaben zugeteilt, müssen Gänse hüten oder Hühner füttern und im Haushalt fleißig mithelfen. Die Lage wird ernster, als am Schulgebäude Hakenkreuzfahnen gehisst werden und Rassenunterschiede Thema werden, aber auch da findet sich eine Ausnahme in Form des Deutschlehrers, der bunte Fabeln erzählt und zum Träumen einlädt. Die Geschichte von Hanna und ihrer Familie, von treuen Parteigenossen und gläubigen Katholiken, von Freundschaft und Abkehr, von Zweifeln und Hoffnung nimmt ihren Lauf, zeichnet ein realitätsnahes Bild einer schwierigen Zeit und richtet ihren Blick insbesondere auf zwei sehr enge Beziehungen innerhalb der Familie Gehrken, nämlich zwischen Hanna und Ihrem Großvater und zwischen Hanna und ihrer kleinen Schwester Rosa. Durch Buschs präzise Sprache und einfühlsame Szenen erleben wir mit der anfangs achtjährigen Hanna eine prägende Lebensphase und spüren einem wichtigen Stück historischen Geschehens nach.
Ein still daherkommendes Buch, das dennoch so viel zu sagen hat – detailliert recherchiert, persönlich inspiriert. Empfehlung!
35 Jahre retour
You and Me - Die zweite erste Liebe von Josie Lloyd; Emlyn Rees
Nach 35 Jahren hat sich die Liebe zwischen Adam und Jules schon abgenützt, Kleinigkeiten lösen Reibereien aus, der Alltagstrott wird zum zermürbenden Hamsterrad. Als Jules endlich den Schuppen ausmistet und alte Musikkassetten zum Sperrmüll bringen möchte, entdeckt Adam zahlreiche selbst bespielte Tapes mit ihrer Lieblingsmusik und persönlichen Botschaften.
Durch das neuerliche Abspielen und Anhören begeben sich Adam und Jules auf eine Zeitreise zurück zum Beginn ihrer Liebe im Jahre 1989.
Abwechselnd erzählt das Autorenduo aus Adams und Jules Sicht den Stand der Dinge. Jules erwacht aus einem Traum, der mit ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert, so lebendig und bildhaft geht es hier zu. Nach einer Bestandsaufnahme über die nunmehr 35jährige Beziehung kommen auch schon die eingangs erwähnten Mixtapes zur Sprache und wir reisen mehrfach in der Zeit zurück, um zu erfahren, wie Jules und Adam einander kennengelernt haben und auf welche Weise sich ihre Persönlichkeiten entwickelt haben. Was, wenn nicht alles so gekommen wäre, sondern das Leben andere Abzweigungen genommen hätte? Hätte man einen Schicksalsschlag abwenden können, eine andere berufliche Laufbahn einschlagen oder besser auf seine Gesundheit achten können? Was, wenn man im Nachhinein noch das ein oder andere Rädchen verstellen und der Geschichte einen positiveren Verlauf geben könnte? Die Handlung springt also munter zwischen den Figuren und verschiedensten Zeitpunkten hin und her und bietet allerlei Möglichkeiten, den Plan des gelebten Lebens neu zu denken. Was dabei herauskommt und wie die beiden Hauptfiguren damit umgehen, das erzählt dieser Roman, dessen Idee mir gut gefällt. Leider ist aber der Funke nicht wie erwartet übergesprungen, weder das Ehepaar selbst noch die weiteren Personen haben mich emotional berührt und die doch oft recht phantasiehaften Szenen lesen sich nicht unbedingt glaubwürdig und überzeugend. Die Erkenntnisse am Ende wiederum passen gut als Anregung zum Nachdenken und Nachahmen. Ebenso sind die flüssige Schreibweise und die umfangreiche Playlist positiv hervorzuheben.
Dieser teilweise sciencefictionähnliche Roman beleuchtet die ganz alltäglichen Schwierigkeiten einer langjährigen Ehe und bietet unterhaltsame Auswegmöglichkeiten aus dem Routinegeschehen. Der Humor trifft zwar nicht ganz meinen Geschmack, wird aber bestimmt eine größere Leserschar ansprechen.
Generationen
Das gute Leben von Nadine Schneider
Anni ist tot und Christina, ihre Enkelin, steht vor dem Erbe, einem Haus in der Nähe von Nürnberg. Aber anstatt dass sie rasch alles ausräumt und Ordnung schafft für den Verkauf, schweifen ihre Gedanken zur Oma, bei der sie aufgewachsen ist und lässt deren Leben Revue passieren – Annis Neuanfang in Deutschland, nachdem sie Rumänien verlassen hat, ein fordernder Job bei der Quelle und ein kleines Kind, das sie alleine aufziehen hat müssen.
Voller Poesie und doch so nah an der harten Realität schreibt Nadine Schneider, bildhaft und gefühlvoll fließen die Szenen aus ihrer Feder und verschwimmen fern jeglicher Chronologie zu diesem wunderbaren Roman. Vier Generationen haben teil am Geschehen, manche nur am Rande, Anni deutlicher und Christina als Ich-Figur muss schlussendlich die Scherben aufsammeln und aus der Geschichte ihrer Vorfahren ihr eigenes Leben zurechtzimmern. Aus den unterschiedlichen Blickwinkeln von Anni und Christina wird das Leben von vier Frauengenerationen betrachtet und besonders der Einfluss der Altvorderen auf ihre Nachkommen dargestellt. Was erwarten die Älteren, wie fühlen die Jüngeren, hat jemand Schuld am Lebensfluss der anderen in der Familie? Wer darf Vorhaltungen aussprechen und wer hält sich für zu minder? Warum flieht man aus der aktuellen Konstellation und was gibt man an seine Kinder und Enkel weiter? Ein schier unendliches Kaleidoskop aus unterschiedlichsten Gefühlen dreht sich im Kreis und reißt den Leser mit, lässt in der Rückschau erkennen, dass alle ihre berechtigten Perspektiven und Vorstellungen vom Leben haben und dass es so viel mehr gibt als Schwarz und Weiß.
Ein großartiger Roman mit viel Realitätssinn und Blick auf die Wahrheit, die für jeden eine andere ist – absolut lesenswert!











