Kunden em pfehlungen
Rezensionen von clematis:
Im Land der Kiwis
Die Magnolientochter von Tessa Collins
Extrem engagiert in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit lebt Magnolia mitunter ein recht engstirniges Leben in London. Als am Familienanwesen Blooming Hall in Cornwall eine mysteriöse Rechnung und ein Flugticket nach Neuseeland auftauchen, ist die Neugierde der Mittdreißigerin geweckt – was will ihr Granny nach deren Tod mitteilen? Kurzerhand bucht Magnolia selbst einen Flug ans andere Ende der Welt und wandelt im Land der Kiwis auf den Spuren ihrer Vorfahren.
Ein weiterer emotionaler Band aus der Reihe der Blumentöchter entführt uns auf die beiden Inseln Neuseelands und lässt auch diesmal keine Wünsche offen, wenn es um ferne Länder, althergebrachte Traditionen und Herzschmerz geht. Berührende Momente auf der Suche nach Familiengeheimnissen bleiben natürlich nicht aus und stimmige Rückblicke um einige Jahrzehnte bereichern auch diesmal das aktuelle Geschehen. Stimmungsvolle Naturbilder gleichen traurige Nachrichten aus, eine anstrengende Reise quer durchs Land der Maori wird belohnt durch das Kennenlernen der freundlichen und zuvorkommenden Einwohner. Weite und Raum geben einer engen Seele Platz zum Entfalten, sodass auch Magnolia ihre bisweilen oberlehrerhaftes Gehabe überdenken und Toleranz üben kann. Knapp 500 Seiten sind bei Tessa Collins wie gewohnt extrem kurzweilig und berühren das Herz. Jetzt fehlt noch die fünfte im Bunde, Nara, auf deren Geschichte ich schon sehr gespannt bin.
Wunderbare Lesestunden mit sympathischen Charakteren, die gewillt sind, ihr Leben aktiv zu gestalten – die Reise mit Magnolia nach Neuseeland ist überaus gelungen!
May Barven
Die Chemie des Verbrechens - Die Fährte von Sabine Weiß
Die forensische Psychologin und Strafverteidigerin Dr. May Barven wird gleich bei ihrem ersten großen Fall so richtig gefordert, denn die DNA lügt nicht, so die landläufige Meinung. Obwohl sie von der Unschuld ihres Mandanten überzeugt ist, und jemand anderes für den Mord vor 18 Jahren verantwortlich sein muss, wird das von der Polizei und dem Gericht in Hamburg schlicht vom Tisch gewischt.
Ruben Rickleffs hat für Werbezwecke sein Genom in eine Datenbank für Ahnenforschung eingespeist und findet sich alsbald mit einem schwerwiegenden Tatverdacht konfrontiert. Seine DNA am Fundort der Leiche überführt ihn viele Jahre später, nun ist es an May, ihre Kenntnisse in Biologie und Strafrecht zu verknüpfen und die Anschuldigungen zu entkräften.
Einen überaus kniffligen Fall bringt Sabine Weiss hier mit akribischer Recherche und fundierter Fachkenntnis zu Papier, die Details um die DNA-Analytik bringt sie in diesem Kriminalroman so geschickt unter, dass man nie das Gefühl hat, ein wissenschaftliches Fachlexikon zu studieren und dennoch am Ende viel schlauer ist als zuvor. Die Kombination eines Cold Cases, der Ahnenforschung und einer engagierten Familienmutter mit Doppelstudium ist auf großartige Weise gelungen, die Spur zum vermeintlichen Täter durchaus realistisch gelegt. Was für Laien schwer möglich klingt, wird in diesem Buch klar gezeigt: die DNA-Analyse ist ein wichtiger Baustein in der Kriminalistik, aber übereinstimmende Genomstränge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen. Viele Seiten, dennoch spannend und kurzweilig, nüchterne Fakten zu einem aufregenden Krimi verwoben – so präsentiert sich das Geschehen rund um Dr. May Barven, ausgesprochen als Mai, wie der Monat.
Ein grandioser Reihenauftakt – für Krimileser, die gerne hinter wissenschaftliche Kulissen blicken, ein Muss!
Verflossene Wahrheit
Sophie L. von Matthew Blake
Die Psychologin und Expertin für Gedächtnisforschung, Dr. Olivia Finn, lebt mit ihrem sechsjährigen Sohn in London. Eines Morgens erreicht sie ein Anruf aus Paris, sie möge so rasch wie möglich ins Hotel Lutetia kommen, wo ihre betagte Großmutter gerade einen Mord gestanden hätte, welchen sie vor etwa achtzig Jahren begangen haben soll.
Leider ist die alte Dame dement und verwechselt mitunter die Wahrheit mit längst verflossenen Traumata aus dem Krieg.
Ruhig und dennoch stets spannend verläuft die Handlung, welche in der Gegenwart und ab und zu auch im Jahre 1945 spielt. Psychotherapeutische Hilfe und die Geschichte von Kollaborateuren und Widerständlern fließen auf gelungene Weise ineinander und verdichten sich zu einem aufregenden Puzzle, welches sich am Ende zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügt. Die abwechselnden Zeitebenen und unterschiedlichen Blickwinkel sorgen für das entsprechende Tempo, Wahrheiten und Erinnerungen verschmelzen zu einem dichten Konglomerat, welches enträtselt werden will. Was erzählt das kleine, berühmte Bild im Foyer des Hotels Lutetia? Welche Geheimnisse birgt das Zimmer Nummer 11? Wie wahr sind unsere Erinnerungen, welche von unserer eigenen Wahrnehmung beeinflusst sind? Vielen Fragen geht Liv nach, um herauszufinden, wer ihre Großmutter tatsächlich war und nimmt den Leser dabei auf eine großartige Zeitreise mit.
Ein überaus interessantes Buch mit bemerkenswerten Einblicken in die Welt von Gedächtnisleistung und Manipulation. Wer sich keinen knallharten Thriller erwartet, dafür aber gerne eintaucht in einen Roman der Gegenwart mit Bezug zu Paris im Jahre 1945, der wird hier ein besonderes Lesevergnügen finden.
Enges Korsett
Naughty Little Christmas von Lili Valente
Aufgrund familiärer Umstände muss sich Macy früh um sich und ihre jüngere Schwester kümmern, gleichzeitig erlebt sie mit Dean aus der Nachbarschaft ihre erste große Liebe. Nach einem Verrat verlässt sie Lover´s Leap und kehrt erst zehn Jahre später als 25jährige wieder in die Kleinstadt zurück, wo sie bemerkt, dass ihre Empfindungen für Dean noch immer nicht verschwunden sind.
Und auch Dean lässt das unerwartete Wiedersehen nicht kalt.
Die Geschichte rund um Macy und Dean beginnt gefühlvoll und weckt Empathie mit der tapferen 15jährigen, alsbald aber wechselt die Handlung auf das Geschehen zehn Jahre später, wo sich die Ereignisse fast selbst überholen. Rasch werden mögliche tiefergehende Themen abgehandelt, die Szenen in ein enges Korsett gepackt, so wie der sexy Weihnachtsmann in sein glänzendes Kostüm, welches keinen Raum für Phantasien lässt. Peinliche Vergleiche und kindische Anspielungen sollen wohl die „naughty“ Atmosphäre widerspiegeln, löschen aber gleichzeitig jeglichen Hauch von Romantik im Ansatz aus, sodass kaum etwas von der angekündigten weihnachtlichen Stimmung und dem Kleinstadtcharme übrig bleibt. Das Ende kommt ebenso schnell daher wie die Karotte vom Osterhasen und lässt das Weihnachtswunder recht blass zurück.
Aufgrund des Titelbildes und des Klappentextes habe ich mir deutlicher charakterisierte Figuren erwartet, wer eher flott im Geschehen voranschreiten möchte, wird aber durchaus sein Vergnügen in diesem Buch finden.
Lo und Carrie II
The Woman in Suite 11 von Ruth Ware
Laura Blacklock, kurz Lo, verschafft sich nach der Geburt ihrer beiden Söhne und während der Pandemie eine Arbeitspause, versucht nun aber, wieder als Reisejournalistin Fuß zu fassen. Da kommt ihr eine Einladung in ein Schweizer Luxushotel gerade recht, hier kann sie bestimmt netzwerken und mit ein bisschen Glück sogar ein Interview mit dem Hotelbesitzer Marcus Leidmann führen, das für die Financial Times interessant ist.
Doch dann findet sie eine mysteriöse Nachricht in ihrem Zimmer und begibt sich in Suite 11.
Eher langsam bauen sich bei diesem Thriller die Handlung und die Spannung auf, aber die Figur von Lo, welche in der Ich-Form erzählt, ist von Anfang an interessant und zieht mich sogleich in ihren Bann. Bald bemerke ich, dass schon zehn Jahre zuvor ein außergewöhnliches Ereignis Los Leben erschüttert haben muss, aber auch ohne Kenntnisse von „The Woman in Cabin 10“ gibt die Autorin so viel zum damaligen Geschehen preis, dass ich mich nun gut zurechtfinde und Los Überlegungen gut folgen kann. Eine düstere Atmosphäre, ein verwinkeltes Hotel, Jagd und Pilzsuche und nicht zuletzt undurchschaubare Gestalten sorgen für Kurzweil, die knapp gehaltenen Kapitel und eine gewisse Geheimniskrämerei fachen die Lust auf mehr immer weiter an. Kein grausiges Blutvergießen, sondern Macht und Vertrauen stehen hier im Mittelpunkt. Wer ist mein Gegenüber eigentlich und was erwartet es? Wie soll ich entscheiden, um meine Unschuld zu beweisen, aber anderen nicht zu schaden? Würde der Schaden denn die Richtigen treffen? Los Dilemma wird in vielen Szenen spürbar, wodurch der Reiz dieses Buches durchgehend vorhanden ist.
Wer weiß, dass The Woman in Suite 11 auf einem Vorgängerband aufbaut, sollte nach Möglichkeit die beiden Bücher in richtiger Reihenfolge lesen, wer – wie ich – erst beim Lesen draufkommt, wird aber auch sein Vergnügen finden. Ich empfehle dieses riskante Katz-und-Maus-Spiel [Klappentext] jedenfalls sehr gerne weiter.
Tödliche online-Kunst
Der Blutmacher von Elias Haller
Ein perfider Mörder treibt sein Werk, sein Tun wird live gesendet, aus dem Blut der Opfer werden Kunstwerke. Ein neuer Signalrot-Fall ist zu lösen, wobei es diesmal für Tara Kronberg sehr persönlich wird.
Aufregend geht es in diesem bereits dritten Tara-Kronberg-Thriller dahin, unterschiedliche Blickwinkel und die direkte Betroffenheit Taras lassen das Tempo stetig steigen und bringen die Ermittler auf Hochtouren.
Verstörende Bilder im Netz wecken das Interesse des Dezernats 47, alsbald werden Tara Kronberg und Gabriel Schneider in die kriminalistischen Nachforschungen eingebunden. Kurze Auftritte der anderen, durchaus speziellen Figuren aus der Abteilung sorgen für Kurzweil, ebenso die privaten Details rund um Gabriels Familiensituation. Das Hauptaugenmerk liegt aber doch beim Serienmörder, welcher alle an der Nase herumführt und auf den falschen Fährten, welche ausgelegt werden. Stets ist man dem Mörder einen Schritt hinterher und Tara darf aufgrund ihrer Befangenheit blad gar nicht mehr mitarbeiten. Es wäre aber nicht Tara, würde sie nicht Mittel und Wege finden …
Spannend in der Handlung, fesselnd und mitreißend im Schreibstil, kantige und dennoch glaubwürdige Charaktere – ein „Haller“, wie gewohnt – immer eine Empfehlung wert!
Das Beste daraus
Write Me for You von Tillie Cole
Schon früh schreibt June ihre erste Geschichte und möchte Autorin werden, am liebsten die Autorin der weltbesten und herzzerreißendsten Liebesgeschichte, die es gibt. Aber da kommt ihr eine schwere Krankheit in die Quere – wie soll eine Siebzehnjährige nun schreiben, wenn sie noch nie wirklich in einen Burschen verliebt war?
Nach einer niederschmetternden Diagnose und vielen Behandlungen gibt es nur noch eine allerletzte Chance auf Genesung: die Teilnahme an einer Studie für ein neuartiges Medikament auf einer zur Spezialklinik umgebauten Ranch in Texas.
Mutig und zuversichtlich fährt June mit ihren Eltern dorthin und begegnet Jesse, in den sie sich auf den ersten Blick verliebt. Auch ihm ergeht es ähnlich, er hat nur noch Augen für die Neue, seine Seelenverwandte. Gemeinsam beginnen sie die erschöpfende Therapie und blicken voller Zuversicht in die Zukunft.
Unglaublich, wie einfühlsam und bezaubernd Tillie Cole so schwermütige Themen wie Krebserkrankung oder unerwünschte Arzneimittelwirkungen in einen so berührenden Roman packt, wie sie Hoffnung spendet oder den eisernen Willen, die möglicherweise verbleibende kurze Zeit zu ganz besonderen Momenten werden zu lassen. Da finden einander fremde Mädchen zu best friends, werden Pläne geschmiedet und Talente gefördert, wächst die Liebe zwischen zwei jungen Menschen und spendet Kraft für eine unvorstellbar schwierige Lebensphase. Spätestens in dem Moment, als Junes selbst niedergeschriebene Liebesgeschichte mit ihrer eigenen zu verschmelzen beginnt, kann man als Leser seine Tränen nicht mehr zurückhalten, die Gedanken und Gefühle werden einfach so nahegehend dargestellt, dass man nicht mehr von Ferne aufs Geschehen blicken kann, sondern voller Herzklopfen mitfiebern muss mit Jesse und June.
Ein ganz besonderes Buch über ganz besondere Menschen, welche das Beste daraus machen, was ihnen das Schicksal vor die Füße knallt. Wunderbare Charaktere und überaus realistische Bilder über den Kampf um jeden einzelnen Tag zum Leben – wer emotionale Hochs und Tiefs wie auf einer Achterbahn sucht, der sollte zu diesem bittersüßen Roman greifen.
Unheilschwangere Lagunenstadt
Schatten der Gondeln von John Banville
Mit der Aussicht auf ein beträchtliches Erbe heiratet der Schriftsteller Evelyn Dolman Laura Rensselaer. Allerdings kommt es zum Streit zwischen der Ölmagnatentochter und deren Vater. Unglücklich geht die Reise zum Jahreswechsel 1899/1900 nach Venedig, wobei die unheilschwangere Lagunenstadt Evelyn fast um den Verstand bringt.
Als großer Monolog angelegt, erfährt der Leser ausschließlich Evelyn Dolmans Sichtweise auf das Geschehen, wodurch die nebulösen und undurchschaubaren Machenschaften so mancher einflussreichen Person auch für uns Außenstehende geheimnisvoll bleiben. Viele Gedanken und Erinnerungen Dolmans beherrschen die Handlung, nur wenige Szenen mit Dialogen bringen Lebendigkeit in die Tage am Meer. Dadurch wirkt das Ganze bisweilen ein wenig erschöpfend, andererseits wächst doch immer wieder die Neugierde, was hinter dem geheimnisvollen Verschwinden der Ehefrau steckt und was es mit den Fremden im Lokal auf sich hat, die Evelyn zu kennen vorgibt. Wer hütet das größte Geheimnis, wer leidet an Fieberträumen und was von allen Schilderungen entspricht tatsächlich der Wahrheit? Auf beeindruckende Weise spielt John Banville mit der Atmosphäre der Lagunenstadt, bedient sich bei seiner Erzählung einer geschliffenen und verführerischen Sprachmelodie. Werden sich die Nebel lichten?
Ein spannender Ausflug ins historische Venedig ist garantiert, auch wenn bei mir nicht alle Puzzelstücke an den rechten Platz gefallen sind, so haben sich doch interessante Lesestunden ergeben, welche die Phantasie beflügeln.
Innere Stimme
Glimmende Himmel von Lia Scott
1868: June hat sich in der Industriestadt Bradford arrangiert mit der harten Arbeit in einer Wollspinnerei und in Hattie eine liebe Freundin gefunden. Aber das Elend der Arbeiterfamilien, die rußige Luft und die kranken Kinder kann sie nicht einfach hinnehmen. Schließlich fasst June allen Mut zusammen und legt ihre bisher verfassten Artikel über grundlegende Hygienemaßnahmen und nahrhafte Speisen einem Zeitungsredakteur vor, der diese jedoch kaum beachtet.
Und wieder taucht der undurchschaubare Ire Franky auf, der June seit ihrer ersten Begegnung in den Craven Dales nicht mehr recht aus dem Kopf gehen mag.
Mit ihrer angenehmen Sprachmelodie und bildreichen Beschreibungen setzt Lia Scott die Saga mit den denkbar schlechten Arbeitsbedingungen in den Fabriken Mitte des 19. Jahrhunderts fort, lässt die Konflikte zwischen Engländern und Iren miteinfließen und lenkt die wunderbare Geschichte wieder auf eine mutige junge Frau, welche nun endlich ihre innere Stimme erhört und merkt, dass sie selbst zu verbesserten Zuständen beitragen kann. Warmherzig und berührend erzählt die Autorin von Freundschaften und unheilbaren Krankheiten, von Familienbanden und tiefer Schuld, welche besonders Franky verfolgen muss und ihn zu unbedachten Handlungen verleitet. June entwickelt sich in diesem zweiten Teil von „Die Fasern der Welt“ deutlich weiter und beeindruckt ihr Umfeld durch ihre Wortgewandtheit und ihren Einsatz für die Armen und Kranken, indem sie ihnen Anleitung gibt, sich selbst zu helfen. Lebendige Schilderungen und eine eingehende Recherche lassen jede einzelne Szene glaubwürdig und überaus realistisch erscheinen, sodass das Lesen bis hin zum Ende große Freude bereitet. Nun ist Phantasie gefordert, denn längst sind nicht alle Fragen geklärt, aber vielleicht erscheint ja schon bald Band Nummer 3?
Eine wirklich gelungene Fortsetzung des Romans Der Wind von Yorkshire, welchen man zuvor gelesen haben sollte. Mir sind einige Figuren nun schon so ans Herz gewachsen, dass ich mich über ein Wiedersehen sehr freuen würde.
Fern der Erinnerung
Kohle, Stahl und Mord: Das Totenhaus von Martin Conrath
Psychiaterin Jana Fäller bekommt in der Nachtschicht eine neue Patientin: eine blutüberströmte Frau Mitte dreißig ohne jegliche Erinnerung daran, wer sie ist und woher das Blut stammt. Janas Freundin, Elin Akay von der Mordkommission Essen, findet in einer verlassenen Villa die entsprechende Leiche von Ali Surat, dem Sohn des Friedensrichters Rabih Surat und vermutet anfänglich die Rivalität verschiedener Clans als Mordmotiv.
Aber es gibt bald noch andere mögliche Anlassfälle und auch mehrere Verdächtige.
Angesiedelt im Ruhrpott, geht es im zweiten Band dieser Reihe um das Ende des Kohlenbergbaus und um neue Arbeitsplätze, neue Identitätsmuster, welche die Kameradschaft und den Zusammenhalt unter Tage ablösen können. Viele Jahre nach dem Schließen der letzten Zeche werden wiederholt Mordopfer in der Stinnesvilla - mittlerweile Totenhaus genannt - gefunden, die Spur führt Elin weit zurück in jene Zeit, in der der Berg noch eine Goldgrube gewesen ist. Spannende Rückblicke und tagebuchartige kursiv gedruckte Abschnitte geben die einzelnen Puzzlestücke zur Lösung nur langsam preis, lassen die Ermittler der Mordkommission ebenso wie die neugierigen Leser grübeln und unterschiedlichste Schlüsse ziehen aus dem Wenigen, das ans Licht befördert wird. Hat man es mit einem Konflikt unter den Clans zu tun oder ist ein Serientäter am Werk? Wie passt Ali ins Geschehen und warum ist gerade das Haus eines Zechendirektors Schauplatz des Grauens? Abwechslungsreiche Themengebiete, unter anderem die therapeutische Herangehensweise an tiefgehende Erinnerungslücken, lassen den Krimi kurzweilig und flott voranschreiten, den Leser in die Atmosphäre des Ruhrpotts eintauchen und die Welt eines großen Ballungsraumes mit all seinen Konflikten erspüren.
Ein spannender Krimi mit glaubwürdigen Figuren, wie sie im realen Leben genau so vorkommen könnten und einer logisch aufgebauten Handlung rund um den toten Araber. Nicht zuletzt sind der lebendige Schreibstil und die bildhaften Szenen Grund für meine Leseempfehlung!











