Kunden em pfehlungen
Rezensionen von clematis:
Im Miethaus
Stunden wie Tage von Shelly Kupferberg
In einem Berliner Miethaus wohnt und arbeitet Martha E. Sie ist die gestrenge, aber gute Seele für vier Stiegen und hält auf sparsame und wirkungsvolle Weise Ordnung. Als die Nationalsozialisten erstarken und der jüdische Hausbesitzer flüchtet, übernimmt Martha E. die Verantwortung für das Haus und kümmert sich um die zurückbleibende Tochter Liane.
Nüchtern im Schreibstil und dennoch berührend, so begegnet man dieser Geschichte, welche zum Teil auf wahren Begebenheiten beruht. Wir begleiten Martha über mehrere Jahrzehnte, lernen sie in unterschiedlichen Situationen kennen. Die nach außen hin oft hart und forsch wirkende Frau hat jedoch ein weiches Herz, weshalb sie sich auch während der Kriegsjahre um ihre Nachbarn kümmert. Mit leisen Tönen wird die schreckliche Zeit geschildert, wenige Figuren stehen im Mittelpunkt und stellvertretend für viele ähnliche Schicksale. Die Zeit nimmt ihren Lauf, der Krieg ist zu Ende und Martha ist immer noch auf ihrem Hausbesorgerposten, selbst in der Rente streift sie armselig und unauffällig durch die Gassen. Was sie in all den Jahren gesehen und erkannt hat, bleibt lange ein Geheimnis.
Knapp an Seiten und dennoch mit so vielen Details erzählt Shelly Kupferberg nach eingehender Recherche aus einer düsteren Zeit, schildert das Leben von Menschen, die wie du und ich gewesen und plötzlich mit unfassbarem Leid konfrontiert worden sind. Leseempfehlung!
Leiche in Schokolade
Die dunkle Seite der Schokolade von Dina Casparis
Als studierte Chemikerin und Juristin findet Serafine Montalin einen Platz als interne Ermittlerin im Schokoladeunternehmen CacaoBest. Dafür hat sie ganz persönliche Beweggründe, denn ihr Vater ist etliche Jahre zuvor in genau dieser Firma zu Tode gekommen, weshalb sie eigene Nachforschungen anstellen möchte.
Im Strudel der Ereignisse gerät Serafine nun selbst zur Zielscheibe.
Detaillierte Beschreibungen zur Herstellung feinsten Kakaos und zartester Pralinen, vermischt mit einem alten Todesfall, das sind die köstlichen Zutaten für diesen atmosphärischen Schweizer Kriminalroman. Eine selbstbewusste und durchsetzungsstarke Hauptperson, Serafine, versucht auf gewitzte Art und Weise ihr Vorhaben umzusetzen, wobei ihr Autorin Dina Casparis noch einige weitere Themen mit auf den Weg gibt. So kommen noch die Unterdrückung Einheimischer während der Kolonialzeit in Afrika, Rassismusprobleme und verstrickte Familienstammbäume ins Spiel, wodurch man als Leser schnell einmal den roten Faden verlieren kann. Weniger ist mehr, hätte da aus meiner persönlichen Sicht besser gepasst. Andererseits sind die komplizierten Puzzlestücke gut miteinander verwoben, was für die Autorin spricht und sämtliche Einzelheiten bestens recherchiert, sowie im Nachwort nochmals übersichtlich zusammengefasst. Der flüssige Schreibstil schließlich vermittelt ein angenehmes Lesegefühl.
Eine spannende Familiengeschichte mit einigen Krimiszenen und vielen verführerischen Düften feinster Schweizer Confiserie – anders als erwartet, aber durchaus interessant.
Mister Hollywood
Brombeerliebe auf Schottisch von Karin Lindberg
Rhys Ashfort, ein bekannter Hollywoodstar, flieht aufgrund eines Skandals ins schottische Hochland, wo sein nächster Film gedreht wird. Gleich nach seiner Ankunft bringt er sich aber schon selbst in eine missliche Situation, als er mitten in der Nacht in der Brombeerhecke am Nachbargrundstück hängen bleibt und so auf höchst unkonventionelle Weise die Hebamme Caitlin kennenlernt.
Witzig und höchst unterhaltsam beginnt dieser neue Liebesroman in der schönen Kleinstadt Kiltarff am Loch Ness, wo die Uhren ganz anders ticken als am amerikanischen Filmset. Bekannte Figuren trifft man als Leser natürlich beim bereits achten Band der empfehlenswerten Reihe wieder, trotzdem gelingt es Karin Lindberg bestens, gefühlvolle und spannende Momente zum Leben zu erwecken und immer wieder Neues und Kurzweiliges aus Schottland zu erzählen. Diesmal treffen eine alleinerziehende Geburtshelferin und ein umwerfend aussehender Schauspieler aufeinander, wobei gleichsam zwei Welten aufeinanderprallen. Zauberhafte Momente und berührende Szenen entführen den Leser in einen kühlen Frühling, zwei aufgeweckte Buben im Vorschulalter samt umtriebiger Granny sorgen für ein gutes Maß Humor. Wie nebenbei thematisiert die Autorin tiefergehende Gedanken, lässt den Leser spüren, wie Caitlin nach Wertschätzung und Eigenständigkeit strebt, wie Rhys unter seiner Kindheit leidet und sich in seine Welt des „Mister Hollywood“ flüchtet, die ihm aber auch nicht das geben kann, was er sucht. Viel Wärme und Herz schwingen zwischen den Zeilen mit und so bietet die Brombeerliebe mit bestechend blauen Augen wieder beste Unterhaltung.
Charmante Figuren, eine wunderbare Kulisse am Loch Ness und Gefühl, gepaart mit Ernsthaftigkeit, sowie ein überaus angenehmer Schreibstil sind wesentliche Punkte für eine klare Leseempfehlung.
So etwas wie Familie
Gern gesehene Gäste von Thommie Bayer
Teils ungewollt, teils gewollt, entwickelt sich Matteo zu einem Einzelgänger. Eine richtige Familie – bis auf seine Mutter – und richtige Freunde hat er nicht. Das soll sich ändern, als er das Schriftstellerpaar Eric und Keira kennenlernt, welches zwar deutlich älter, aber überaus charismatisch ist und Matteo so nimmt, wie er ist.
Hier bekommt er das Gefühl, so etwas wie Familie zu erleben.
Die ruhige Erzählweise von Tommie Bayer zieht sich durch den gesamten Roman, der Blick wird auf Details gerichtet. Lange ist mir nicht klar, wohin die Reise gehen soll, die Charakterstudien stehen wohl über einer komplizierten Handlung. Kompliziert sind die Figuren schon selbst und überraschen mich immer wieder in ihrem Tun und ihrem Denken. Da ist einmal der junge Matteo, der als Zimmermann durch die Welt tingelt, um sein Anderssein zu kaschieren, dort spiegeln Keira und Eric eine selbstbewusste und selbstbestimmte Welt wider. Erst nach und nach entdeckt Matteo, dass aber auch diese Welt Risse bekommt, wenn er nur näher hinsieht. Was versteckt sich hinter dem Autorenpaar? Wahrheit, Lüge? Oder wird die Lüge zur Wahrheit, wenn man sie aus einem anderen Winkel betrachtet? Oder andersrum? Autobiografisches, Abgekupfertes, Gemeinschaftliches? Was ist es, das einen guten Roman ausmacht, der auch bei den Lesern auf Resonanz stößt und was könnte Bayer mit Keira und Eric gemeinsam haben? Viele Einzelheiten lässt man anklingen, um doch nicht jedes Geheimnis zu lüften.
Die Geschichte liest sich interessant, allerdings fehlt mir die Nähe zu den einzelnen Personen, die Emotionen springen nicht so recht über. Trotz allem kann ich mir gut vorstellen, dass andere Leser hier einen intensiveren Zugang finden.
Borkum - einst und jetzt
Ruf der Wellen von Anna Jessen
Um eine Doktorarbeit über die wandernden Ostfrieseninseln zu schreiben, reist Helen nach Borkum. Dort lernt sie nicht nur freundliche Einheimische kennen, sondern erfährt auch einige interessante Anekdoten über die Geschichte des Eilands.
Schon zu Beginn, bei Helens Überfahrt mit der Fähre von Emden nach Borkum im Jahre 2025, geht es dramatisch zu auf den Wellen, welche bereits 1855 eine ungeahnte Tragödie heraufbeschworen haben.
Die damalige Flut hat nicht nur Häuser und Fischerboote zerstört, sondern auch Menschenleben mit sich gerissen und Hunger und Leid unter den Überlebenden ausgelöst. Generationen später sind die Narben davon immer noch spürbar. Mit viel Liebe zum Detail und bildreichen Beschreibungen erzählt Anna Jessen diese wundervolle Geschichte vom Leben in und mit der Natur, von gewaltigen Stürmen und heranbrandenden Wellen und vom Zusammenhalt der Menschen in der Not. Die beiden Zeitebenen sind auf spannende Weise miteinander verquickt, die abwechselnden Blickwinkel bringen Schwung in die eher ruhige Darstellung der Handlung. Sowohl einst als auch jetzt begegnen wir mutigen Figuren, welche vor wichtigen Entscheidungen stehen. Da wie dort stehen Lebenswege vor einem Umbruch, dessen Auswirkungen man nicht vorhersehen kann. Das Ende lässt natürlich noch einiges offen, handelt es sich doch um den ersten Band eines Mehrteilers. Die Neugierde ist jedenfalls geweckt.
Ein schöner Start der Borkum-Reihe, empathisch erzählt und realistisch dargestellt. Ich reise bei der Fortsetzung gerne wieder mit in die mitunter recht stürmischen Gefilde Ostfrieslands.
Tankstellennächte
Giftiger Grund von Thomas Knüwer
Drei junge Männer überfallen eine Tankstelle und werden zu entsprechenden Haftstrafen verurteilt. Am längsten, nämlich knapp sieben Jahre, sitzt Joran, der nun endlich freikommt und ein neues Leben beginnen will. Allerdings holt ihn die Vergangenheit schneller ein als er sich das vorstellen kann.
Ein so außergewöhnlicher wie fesselnder Kriminalroman ohne Ermittlerteam verbirgt sich hinter dem passenden giftgrünen Titelbild. Drei einander fremde Personen treffen unter sonderbaren Umständen aufeinander, kommen in mehreren Nächten an eine verlassene Tankstelle, einen Lost Place. Dabei handelt es sich um eine Influencerin, ein kleines Mädchen und um Joran selbst. Makaberer Nachbar in einem alten Schacht nebenan ist eine Leiche … Regelmäßige, aber stets übersichtliche, Blickwechsel bringen Kurzweil und Schwung in die Handlung, die selber aus gar nicht viel besteht, aber dennoch eine breite Themenpalette aufweist. Auch wenn die Figuren ein tristes Bild abgeben, wirken sie authentisch und glaubwürdig in ihren widrigen Lebensumständen. Möglicherweise ist es der bedrückende Unterton, welcher nicht bei allen Lesern gut ankommt, mir hingegen gefällt diese Stimmung gut, spiegelt sie doch die Gefühlswelt der Protagonisten perfekt wider. Besonders gelungen ist die Verknüpfung der drei Lebenswege, die einander hier kreuzen und eine Kaskade an Geschehnissen auslösen. Das Ende ist – wie bereits bei „Gudelia“ – eine gekonnte Auflösung aller losen Erzählstränge und eine gelungene Überraschung.
Ein Kriminalroman, wie man ihn noch nicht gelesen hat. Wer das Außergewöhnliche sucht mit vielen Grauschattierungen zwischen Schuld und Schicksal, der wird mit dieser Tankstellengeschichte bestimmt seine Freude haben. Von mir kommt jedenfalls eine Empfehlung.
Kaiserparade
Donaumelodien - Wiener Verschwörung von Bastian Zach
Während in der Metropole des k.k. Kaiserreichs alles für die bevorstehende Parade anlässlich der Silberhochzeit von Franz und Sisi vorbereitet wird, wird ein abgetrennter Menschenkopf vor der Polizeidirektion abgelegt. Wer wäre besser geeignet als Hieronymus Holstein, um die Ermittlungen aufzunehmen?
Bereits zum fünften Male begeben wir uns auf die Spuren der aufstrebenden Stadt Wien in den 1870er-Jahren, welche geprägt ist von Überbevölkerung, menschenverachtenden Arbeitsbedingungen in den Fabriken und immensen Ungerechtigkeiten zwischen Männern und Frauen – die 1848er-Revolution spielt hier herein.
Die bereits den meisten Lesern bekannten Figuren stehen neuen Herausforderungen gegenüber, einige werden persönlich in den Fall hineingezogen. Die Atmosphäre der Zeit und die gesellschaftspolitischen Besonderheiten fängt Bastian Zach auf gekonnte Weise ein, seine anschaulichen Bilder und Wiener Ausdrücke versetzen uns perfekt in unterschiedliche Milieus und erzählen von Griaslern und Strottern (Obdachlose und Bewohner der Kanalisation) oder erfreuen uns mit „G‘schamster Diener“ in noblem Hause. [Nicht mehr geläufige oder gar vergessene Wendungen werden mittels Fußnoten erklärt.] Der Hauptteil der Handlung spielt sich in zentralen Bezirken ab, wir begeben uns aber auch nach Floridsdorf, wo die Lokomotivfabrik viele Arbeiter beschäftigt und schon einmal eine Bombe hochgegangen ist. Viel Platz wird dem Wiener Schmäh eingeräumt, denn nur granteln tut man hier mitnichten. In etliche private Betrachtungen ist schließlich die Aufklärung um den einsamen Totenschädel eingebettet, welche der Geisterfotograf Hieronymus und der bucklige Franz wieder bestens hinbekommen.
Ein historischer Krimi aus einer überaus empfehlenswerten Reihe, welche durch den authentischen Schreibstil, aber auch durch die Charakterzeichnung und das besondere Flair der Donaumetropole besticht! Leseempfehlung!
Unter falschem Namen
Sturmtage von Sibel Daniel
Obwohl sich die Naziherrschaft in Deutschland immer mehr zuspitzt, übernimmt Johanna den Platz ihres Bruders und reist unter falschem Namen von Oslo nach Berlin. Sie sammelt Informationen, knüpft Kontakte und erfährt, in welches Lager ihre frühere Freundin Ruth deportiert worden ist. Während sie viel länger in Deutschland bleibt als geplant, verändert sich ihre Familiensituation in Norwegen drastisch.
Auch wenn dieser zweite Teil der Trilogie einige wesentliche Informationen zum Vorgeschehen liefert, ist es meiner Meinung nach doch ratsam, die Bücher hintereinander zu lesen. Die Handlung knüpft an im Jahre 1938 und wird von denselben Figuren getragen, welche wir bereits kennengelernt haben. Die Atmosphäre dieser furchtbaren Zeit fängt Sibel Daniel wieder gekonnt ein, das Misstrauen unter der Bevölkerung ist sehr gut spürbar. Was ist ernst gemeint, wann könnte man in eine Falle tappen? Schwierig ist das Abwägen, wem man sein Vertrauen schenken darf, besonders, wenn man schon einmal in einer engen Beziehung verraten worden ist. Was schuldet man seiner Familie, wie verhält man sich gegenüber besten Freunden? Viele Fragen stellen sich einer mutigen Johanna, die alsbald an den Geschehnissen zu zerbrechen droht. Der Wechsel zwischen spannenden und ruhigeren Szenen löst eine fesselnde Dynamik aus, die Neugierde auf den abschließenden Teil ist jedenfalls groß.
Ein angenehmer Schreibstil ohne reißerische Elemente, klug aufgebaute Szenen und eine detaillierte Recherche bilden die Basis für diese Reihe aus der Zeit des Nationalsozialismus, bestens geeignete für Leser von Romanen, welche auf wahren Begebenheiten fußen, auch wenn die Handlung selbst frei erfunden ist.
Oberdistelmörderbrunn
Gärten, Gift und kalte Rache von Klaudia Blasl
Oberdistelbrunn soll durch eine gemeinschaftliche Pflanzaktion zu einem noch attraktiveren Ort werden, das dabei gefundene Hundeskelett trägt dazu allerdings wenig bei. Als dann außerdem eine menschliche Leiche vor Pauline Klingels Haus liegt und bald darauf eine weitere folgt, berichtet das Dorfblatt nur noch von einen Serienkiller und dessen Unwesen, die Gemeinde wird sozusagen zu Oberdistelmörderbrunn.
Die Polizei zeigt sich nicht gerade von ihrer hellsten Seite und so liegt es an Pauline und Berta, Licht ins Dunkel zu bringen.
Höchst amüsant gestalten sich schon die ersten Seiten dieses fulminanten Werkes aus der Feder Klaudia Blasls, der Krimi ist gespickt mit Wortwitz und Ironie, wodurch nicht nur Oberdistelbrunner gemeuchelt werden, sondern auch ein unparierbarer Angriff auf des Lesers Lachmuskeln startet. Die persönlichen, von Missverständnissen geprägten Diskussionen im Hause Klingel erscheinen mir sehr glaubwürdig und möglicherweise realen Vorbildern nachgeahmt, der Schlagabtausch zwischen den wortgewandeten Damen und dem träge denkenden Kommissar unterhält mich immer wieder auf höchst vergnügliche Art und Weise. Ein gefallener Jägermeister hängt an der Stoßstange eines 1990er-Golfs, ob er ermordet worden ist oder nur dem gleichnamigen alkoholischen Getränk zum Opfer gefallen ist, kann zum Glück rasch ermittelt werden. Eine heiße Spur finden aber weder Hauptkommissar Hartmann noch der Dorfpolizist Tarnkappl, ähm Kapplhuber, die beide durch mangelnde Kombinationsgabe glänzen. Irrungen und Wirrungen ziehen sich durchs Geschehen, Motive und Tatverdächtige werden gesucht zwischen bekömmlichen und unter Umständen nur einmal genießbaren Pflanzen. Die illustren und durchaus streitbaren Frauen stehen mehr als ihren Mann, am Ende werden alle Rätsel gelöst und auch der Klingel’sche Hausfrieden wieder gerade gerückt.
Ein hervorragender Band aus der Reihe „Berta und Pauline ermitteln“. Ich empfehle diese humorvolle Krimiserie wärmstens weiter, soferne man eine Schwäche hat für messerscharfe Ausdrücke, gewitzte Ermittlerinnen, hochkalorische Genüsse und pflanzliche Abgründe. 5 Sterne sind da eigentlich noch zu wenig.
Spurlos
Die Bücherfrauen von Listland. Der Duft des Strandhafers von Gabriella Engelmann
Martje Lorenzen verschwindet eines Tages spurlos von Sylt, ihre Schwester Fenja wartet Jahrzehnte, bis sie endlich Näheres erfahren kann. Während die Journalistin Anna März in den Inselarchiven stöbert, entfaltet sich Martjes Geschichte in einer weiteren Zeitebene.
Ein abwechslungsreiches Hin- und Her zwischen Heute und Damals begleitet uns auf dem Weg eines unterhaltsamen Puzzlespiels, dessen Steine sich langsam zu einem kompletten Bild zusammensetzen.
Die Atmosphäre auf den Friesischen Inseln ist durchwegs spürbar, die Handlung selbst allerdings diesmal nicht so stimmig wie noch bei Band 1. Der Zwiespalt zwischen Martjes neuem Leben und ihrer Sehnsucht nach der Heimat wirkt auf mich nicht immer glaubwürdig, die zufälligen Begegnungen am Ende kommen eher gewollt als realistisch daher. Positiv fällt der einsame Vogelbeobachter auf, der selbst einen schweren Schicksalsschlag verkraften hat müssen und Martje zu einem väterlichen Freund wird. Auch sonst herrschen liebevolle Beziehungen zwischen etlichen Figuren und spiegeln die Ruhe der Inseln wider. Dazu passt der einfühlsame Schreibstil perfekt und rundet das Geschehen schön ab.
Aufgrund der hohen Erwartungshaltung nach dem ersten Teil der Dilogie scheint Band 2 nun nicht ganz so überzeugend, bildet aber dennoch einen lesenswerten Abschluss der Familiengeschichte.











