Kunden em pfehlungen
Rezensionen von clematis:
Beständig
Der Baum von Tommie Goerz
„Der Baum“ erzählt die Geschichte vom alten Gruber Michel. Schnörkellos und nah am Leben, so wie es nur Tommie Goerz kann.
Melancholisch, nachdenklich, aber ohne Bitterkeit erinnert sich der Michel an früher, daran, was er als Kind, in seiner Jugend, und später als Erwachsener, erlebt hat.
Mehr als fünfzig Jahre liegen einschneidende Erlebnisse zurück, holt ihn schlussendlich die Vergangenheit wieder ein. Aber der Michel blickt nicht traurig zurück. Was vorbei ist, ist vorbei, die Erinnerungen leben nicht nur in einer alten Kiste, sondern auch in seinem Gedächtnis und nicht zuletzt in seinem Herzen weiter. Nach außen hin scheint der Wirt ein „gstandenes Mannsbild“ zu sein, wie aber sieht es tief in seinem Inneren wirklich aus? Beständig harrt er an seinem Platze aus, gleich einem Baum, der starke Wurzeln gebildet hat. Das Ende überrascht und erübrigt so manche Frage, die sich zuvor gestellt hat.
Mit seinem einzigartigen, so einfachen, aber gleichzeitig doch so eingehenden und bewegenden Schreibstil überzeugt Tommie Goerz ein weiteres, leider nunmehr letztes Mal. Umso mehr werden seine hervorragenden Werke (Im Tal, Im Schnee, diverse Krimis) im Gedächtnis bleiben. Der Baum, ein großartiger Roman über ein – auf den schnellen Blick – schlichtes Leben, hinter dem so viel mehr steckt. Klare Leseempfehlung für Menschen, die gerne weiter als nur bis zur Fassade blicken wollen.
Widrigkeiten
Intrigen in Wien von Ada Caine
Im dritten Band der Reihe „Die Gouvernante“ muss Hanna von Wildermuth erneut Widrigkeiten die Stirn bieten, denn auch in Wien wallt böses Blut, will man doch der durchsetzungsstarken Gräfin Valeria wieder einmal das sprichwörtliche „Hackl ins Kreuz hauen“.
Bildreich lässt Ada Caine die Kaiserzeit aufleben, zeichnet das prächtige Wien um 1998 so nach, dass man sich bald selbst in dieser Epoche wähnt.
Der Prater mit dem eindrucksvollen Riesenrad und dem Dampfkarussell sind ebenso spektakulär wie das Automobil und die Konstruktion des Traktors, rauschende Ballnächte gehören genauso zu Wien wie die feinen Kaffeehäuser. All das und noch viel mehr steckt hier drinnen, Intrigen sorgen für Wirbel während ausgefuchste Männer auf Brautschau gehen. Locker im Schreibstil, detailliert in den Charakterbeschreibungen und durchaus realistisch, was die laufende Handlung betrifft, so passt sich Teil 3 gut in die Reihe ein. Natürlich kommt das Ende wieder abrupt daher und lässt noch einige Fragen offen.
Trotz einiger Aufregung erzählt Ada Caine gewohnt ruhig und präzise, lässt etliche historische Details einfließen ins Geschehen und weckt Neugierde darauf, wie es weitergeht rund um die sympathische Gouvernante.
Magisch
Finding Hope – Das Licht unserer Tage von Kristin Hannah
Frisch von Thom getrennt, setzt sich Joy in den nächstbesten Flieger, um Abstand zu gewinnen. Und das tut sie wahrhaftig, als sie in einem verschneiten Dörfchen auf den sechsjährigen Bobby und seinen einsamen Vater trifft. Drei Seelen, jede verletzt. Kann ein Neuanfang gelingen?
Einfühlsam, wie es Kristin Hannah so eigen ist, erzählt die Schriftstellerin von Joy Faith Candellaro, von großen Enttäuschungen und der einsamen Suche nach wahrem Glück.
Diese Geschichte ist anders als ihre bisherigen, überrascht mit einer magischen Wendung mitten im Geschehen. Während mir zuvor einiges merkwürdig vorgekommen ist, verstehe ich jetzt, wie es dazu gekommen ist, berührt mich Joys Weg auf neue, eindringliche Weise. Wenige Figuren reichen aus, um das Wesentliche zu vermitteln, die Winterlandschaft unterstreicht die Atmosphäre bestens. Wie geht man mit einem Schicksalsschlag um, wie mit einem Trauma? Und nicht zuletzt stellt sich die Frage: wo liegt mein Glück? Wie so oft, ist Verzeihen ein richtiger Schritt.
Auch wenn mich dieser Roman erst spät so richtig berührt hat, passt er gut in den Reigen von Kristin Hannahs Geschichten. Ich habe Joy sehr gerne auf ihrem Weg begleitet.
Liebe trifft Quantenphysik
Ein und Alles von Martin Suter
Sascha verschwindet ebenso spurlos von der Bildfläche wie eine Menge Geld vom Konto der Firma, in der er arbeitet. Für die Polizei sieht das Ganze wie Veruntreuung aus, nach der er möglicherweise ums Leben gekommen ist. Seine Frau Mila jedoch erhält immer wieder Hinweise auf Saschas Anwesenheit – Wahrheit oder Wunschdenken?
Mit seiner großartigen Eleganz des Formulierens zieht mich Martin Suter von Beginn an in seinen Bann und erzählt auf beeindruckende Weise, wie Mila mit dem Verschwinden ihres Mannes Sascha umgeht, eines Mannes, mit dem sie schon sechs Jahre zusammen ist, ohne je mit ihm gestritten zu haben.
Seltsame Phänomene werden beschrieben, der Quantenphysiker klärt auf, wie diese zustande kommen können. Komplizierte Sachthemen verschmelzen klug mit Feinstofflichem, ein Krimi wird aus der Sicht der Verliebten aufgerollt. Während die Kriminalpolizei handfeste Beweise sichert, geht Mila ihrem Gefühl nach, das sie nach Montenegro und sogar bis in die Südsee führt.
Unverwechselbar, tiefsinnig und komplex, für Interpretationen jeglicher Art bleibt genügend Spielraum – Suter überzeugt jedes Mal aufs Neue mit seinen ungewöhnlichen Geschichten, so auch mit seinem aktuellen Werk „Ein und Alles“.
Das beste Weihnachten
Fake Dates im Schottenrock von Karin Lindberg
Ein Tipp ihres Therapeuten bringt Tegan in ernsthafte Schwierigkeiten, verliert sie doch kurz darauf ihren Job in der Bank und liegt mit ihrer Familie im Clinch. Obendrein will ihr noch ein Fremder ihren bestellten Uber vor der Nase wegschnappen. Und wenige Tage später ist es genau dieser skrupellose Banker, der sie in ihrer Verzweiflung auffängt und über Weihnachten auf seinen Familienwohnsitz in den Schottischen Hihglands einlädt.
Allerdings kennt Tegan da noch nicht sein schwerwiegendes Geheimnis.
Wortwitz und Humor konkurrieren in dieser wunderbaren Weihnachtsgeschichte mit ernsthaften Themen und Problemen, welche durchaus auch dich oder mich betreffen könnten, denn wer hat noch nie Probleme mit der Verwandtschaft gehabt oder einen Ausweg aus einer moralischen Zwickmühle gesucht? Gefühlvolle Dialoge bringen uns Leser ganz nahe an die wenigen, bestens charakterisierten Figuren heran und lassen uns eintauchen in die Welt einer wohlhabenden und empathischen Familie im Schottischen Hochland. Von schrecklichen Tagen bis hin zum möglicherweise besten Weihnachten führt die überaus bewegende Handlung, die mich durchgehend gefesselt und gleichzeitig tief berührt hat. Durch Lindbergs angenehm flüssigen Schreibstil ist es einfach, sich in die Menschen hineinzuversetzen und deren Tun nachzuvollziehen, sodass man neugierig mitverfolgt, wie sich die Situation schlussendlich entwickeln wird.
Wer eine romantische Weihnachtsgeschichte mit Tiefgang sucht, der sollte bei diesem liebevoll verfassten Roman zugreifen und unterhaltsame Lesestunden genießen.
Nie zu spät
Die Regenschwimmerin von Romy Fölck
Judith und Evi treffen Jahrzehnte nach einem Streit auf einer Schäreninsel vor Stockholm wieder aufeinander. Und auch die alte Marga kommt bald ins Spiel, obwohl sie einsam in einer abgelegenen Hütte im Wald lebt. Es geht um drei Frauen, drei Schicksale, die Schärenwelt Schwedens als atmosphärische Kulisse für diesen lesenswerten Roman.
Unterschiedliche Blickwinkel und munter wechselnde Zeitpunkte lassen die Geschichte anfangs etwas verwirrend erscheinen, allerdings sind die Kapitel genau beschriftet, wodurch die Einordnung der Ereignisse dann doch ganz gut funktioniert. Wir lernen drei Damen kennen, die schon einiges im Leben hinter sich gebracht haben und nun – jede für sich – vor einem persönlichen Dilemma stehen. Feinfühlig und stimmungsvoll entwirft Romy Fölck ihre Szenen, welche durch den flüssigen Schreibstil durchwegs lebendig wirken. Die wesentlichen Figuren hat man schnell vor Augen, lediglich deren Gefühle und Empfindungen hätten noch detaillierter herausgearbeitet werden können. Während die Ursachen für die jahrzehntelange Trennung nach und nach an die Oberfläche kommen, geht dann die weitere Entwicklung fast ein wenig zu schnell voran, da wäre durchaus noch Platz für einige Details gewesen, denn die Begleitung von Judith, Evi und Marga gestaltet sich interessant und regt zum Nachdenken an. Besonders gelungen finde ich die Sprüche und Weisheiten am Ende jedes Kapitels, das Motto „Es ist nie zu spät …“ gefällt mir besonders gut.
Ein Roman, der von Ruhe und Stimmungen lebt, welche die schwedischen Schären hervorragend widerspiegeln, ich empfehle das Buch sehr gerne weiter.
Von Santa Cruz in den Stockholmer Schärengarten
Haustausch von Stefan Ahnhem
Zwei Ehepaare suchen eine Auszeit und finden sich zum Haustausch zusammen. Helene und Carl Westers fliegen nach Santa Cruz in Kalifornien, während Scarlett und Adam Harris in den Schärengarten vor Stockholm aufbrechen. Aber von Ruhe kann keine Rede sein, im fernen Amerika treibt eine tote Ratte im Pool und verstopfen sonderbare Dinge den Badewannenabfluss, während in Europa neugierige Nachbarn nicht nur ums Haus herum streifen.
Die beiden Ehepaare und ihre Gründe für den Haustausch werden eher ruhig beschrieben, zwischendurch kommt es aber von Anfang an zu sonderbaren Szenen und Begebenheiten, die aufhorchen lassen. Die Polizei spielt da wie dort eine Rolle, was konkret dahinter steckt, kristallisiert sich erst nach und nach heraus. Vier wesentliche Figuren – die Westers und die Harris‘ - sind gut dargestellt, obwohl deren Charakteristik nicht wirklich in die Tiefe geht, das ist für den Handlungsverlauf jedoch gar nicht notwendig, jeder scheint Geheimnisse zu wahren und irgendetwas vor den anderen zu verbergen. Im Laufe der kurzen, abwechslungsreichen Kapitel steigt die Spannung, das Miträtseln wird jedoch nicht einfacher, viele Möglichkeiten lässt die komplexe Tauschszenerie zu. Zuletzt punktet Ahnhem mit einem gelungenen Kräftemessen, sodass der Haustausch zu einem passenden Abschluss findet.
Wenige Figuren, ein spannendes Thema mit teils überzeichneten Details und ein unterhaltsamer Handlungsverlauf – das findet man beim Haustausch, beklemmende Lesestunden inbegriffen. Durchaus empfehlenswert.
Vergeben
Sturmtage von Sibel Daniel
Das Ende des Krieges naht, noch aber führt Karl-Georg den erbitterten Kampf gegen die Nazis fort und zieht auch seine Schwester Johanna wieder mit in die Verstrickungen des Widerstands. Schweren Herzens lässt sie Tochter Leah und Ehemann Sven in Schweden zurück und begibt sich in Deutschland in Gefahr.
Diese bewegende Geschichte schließt perfekt an die beiden Vorgänger an und zeigt uns deutlich, wie schwierig es ist, die damalige Zeit aus nur einem Blickwinkel zu bewerten. Nicht alles kann in ein Schwarz-Weiß-Schema gepresst werden, so manche Handlung kann erst unter Kenntnis der genauen Umstände so eingeordnet werden, dass man zumindest den Versuch des Verstehens unternehmen kann. So geht es auch Johanna mit ihren Gefühlen Moritz gegenüber – er hat sie ausspioniert und verraten, dann aber doch geholfen … oder war in Wahrheit vielleicht alles ganz anders? In schwierigen Zeiten kann man fast niemandem vertrauen, mehr oder weniger auf sich allein gestellt, wagt Johanna die Suche nach verschollenen Personen, während sie die Widerstandskämpfer in Berlin unterstützt. Detailgetreu, ohne jedoch in grausame Einzelheiten abzudriften, schildert Daniel die Geschehnisse in den Jahren 1944/45 bis hin zu den Nürnberger Prozessen. Die Rahmenhandlung mit Enkelin Anja ist perfekt gewählt, um auch zu zeigen, wie sich die Themen Schuld und Vergeben über Generationen weg eingraben.
Inspiriert von Erzählungen eines Familienmitglieds und gestützt auf sorgfältige Recherche hat Schriftstellerin Sibel Daniel mit „Sturmtage“ eine lebendige und sehr realitätsnahe Darstellung der damaligen Zeit verfasst, die einen so schnell nicht wieder loslässt. Leseempfehlung für alle, die einen eindrücklichen fiktiven Roman, fußend auf wahren Begebenheiten, suchen.
Donautod
Miss Verständnis von Martina Parker
Frauen Fünzig Plus sind gerade „in Mode“, weshalb Esprit-TV eine groß angelegte Casting-Show startet. Die fünf Finalistinnen werden auf ein Kreuzfahrtschiff geladen, wo der Wettbewerb jedoch vom Tod der Coiffeurin Kim überschattet wird. Warum begeht die Dame just jetzt an Bord Selbstmord? Oder war es vielleicht gar kein Suizid? Die pfiffige Miss Brooks aus London mit Wiener Wurzeln hat da einen Verdacht.
Voller Humor und Ironie, wie wir es von Martina Parker gewohnt sind, geht es die Donau entlang, in Wien, Dürnstein, Linz wird gehalten, die Aufgaben, um den Sieg als erfolgreiche „Fabelhafte Frau Fünfzig Plus“ davonzutragen, sind vielfältig. Abwechslungsreiche Szenen und bestens charakterisierte Figuren lassen den Krimi lebendig werden, die mörderische Fahrt auf der Donau wird spannend und unterhaltsam zugleich. Mit machtgierigen Kosmetikkonzernen wird ebenso abgerechnet wie mit sexistischen Vorgesetzten, Eifersucht und Neid könnten als Motiv herhalten, aber das ist bei einem Selbstmord ja gar nicht gefragt. Doch dann holt der anfängliche Sturz in der U-Bahn-Station Miss Brooks wieder ein und ihr Gedankenkarussell dreht sich immer schneller. Wer wird den Sachverhalt eher klären? Brooks oder Kommissar Luka? Schwarzer Humor, Wiener Schmäh und eine ganze Reihe von Seitenhieben lassen die Lachmuskeln tanzen. Solange man hier liest, braucht man bestimmt kein von Miss … wie heißt sie eigentlich mit Vornamen? … gehäkeltes Sorgenpüppchen.
Ein Kriminalroman der typisch anderen Art erwartet die Leser beim zweiten Band der Reihe „Miss Brooks ermittelt“, ich habe mich wieder einmal köstlich amüsiert und empfehle das Buch sehr gerne weiter.
Wenn Alte sterben
Gnadenopfer von Viveca Sten
Wenn sehr alte Menschen sterben, ist das wohl nichts Ungewöhnliches, oder doch? Irgendwie hat Hanna Ahlander ein komisches Gefühl, als sie erfährt, dass bereits zwei Personen, welche vom selben privaten Pflegedienst betreut worden sind, recht plötzlich und unerwartet aus dem Leben geschieden sind.
Was, wenn der diagnostizierte Tod doch nicht so natürlich war, wie am Totenschein angegeben?
Kein Motiv, keine Anzeichen von Mord, dennoch lässt Hanna der Gedanke nicht los, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Dummerweise kann sie sich diesmal nicht mit ihrem engsten Kollegen Daniel besprechen, denn der geht ihr schon geraume Zeit aus dem Weg. Eine interessante Mischung aus privaten Querelen, Hochzeitsvorbereitungen und Nachforschungen im Bereich der Altenpflege nimmt ihren Lauf. Im Vergleich zu den bisherigen vier Bänden der Åre -Morde geht es beim vorliegenden fünften Fall eher ruhig zu, dennoch ist die Handlung abwechslungsreich und streift eine breit gefächerte Themenvielfalt. Kurze Kapitel, häufige Szenen- und Perspektivwechsel sorgen für Kurzweil, wer allerdings die Reihe nicht kennt, könnte sich bei den persönlichen Episoden schnell ermüdet fühlen da ja die bekannten Zusammenhänge nur knapp dargestellt werden. Mir gefallen die Einblicke ins Private allerdings sehr gut, bekommt doch die Reihe dadurch einen unverwechselbaren Anstrich.
Ohne waghalsige Alleingänge, dafür mit einem Blick auf unsere Gesellschaftspolitik – und am Ende noch eine – zuvor kurz angedeutete – Neuigkeit – wir dürfen gespannt sein auf die Fortsetzung! Mir hat´s wieder gut gefallen in Åre, ich „komme“ wieder!











