Kunden em pfehlungen
Rezensionen von ReiShimura:
Aus dem Leben gegriffen
Born to Perform - Sei das Rad, nicht der Hamster von Caspar Bendix
Es gibt Bücher auf die wartet man sehnsüchtig und freut sich auf ihr Erscheinen. Und dann kommt entweder die erwartete Freude auf oder das böse Erwachen, weil die Erwartungen einfach nicht ansatzweise erfüllt wurden. Und dann gibt es die Bücher, über die man einfach zufällig stolpert und einen von den Socken hauen.
Dieses Buch gehört für mich definitiv in die letzte Kategorie.
Denn ich kannte im Vorfeld weder den Autor Casper Bendix, noch wurde mir dieses Buch empfohlen. Es war einfach ein Glücksgriff. Eines dieser Bücher oder in meinem Fall konkreter ein Hörbuch, das man hernimmt, weil man auf der dringenden Suche nach neuem Lesestoff ist und der Klappentext interessant klang.
Doch bereits nach wenigen Minuten hatte mich dieses Buch in seinen Bann gezogen. Dies lag einerseits an der eingängigen und unglaublich ausdrucksstarken Stimme von Nils Nelleßen. Ich habe mich bereits nach wenigen Sätzen in seine Stimme verliebt und habe jede einzelne Minute sehr genossen. Dies liegt vor allem an seinem Tempre und seiner Stimmmelodie. Meiner Meinung nach hat der Verlag hier wirklich genau ins Schwarze getroffen und ich hoffe sehr, dass ich in naher Zukunft noch weitere Hörbücher von Nils zu hören bekomme. Er ist einer dieser Sprecher, die mir auch die Rückseite meines Shampoos vorlesen könnten und ich würde noch immer dahin schmelzen. Denn es geht nicht darum, was er liest, sondern wie er es liest.
Doch meine sehr gute Bewertung ergibt sich natürlich nicht nur aus der meiner Begeisterung für die Stimme von Nils Nelleßen. Den Großteil meiner Bewertung macht der Inhalt des Buches von Casper Bendix aus. Doch auch dieser konnte mich begeistern. Denn seine Figuren sind einerseits so dermaßen abgedreht und doch so realistisch. Bei den Sprüchen die Doktor Thomas Meermann so von sich gibt, schüttelt man den Kopf und amüsiert sich über die Genialität des Autors. Doch richtig amüsant wird es, wenn man, so wie ich eben, im richtigen Leben bereits mit solchen Kandidaten in Berührung gekommen ist. Gefühlsmäßig jeder zweite Manager, dem ich begegnet bin, hat Sprüche in der Art des Doktor Meermanns abgesondert. Diese souverän vorgetragenen Sprüche, meist eine Mischung aus englisch und deutsch, die auf den ersten Blick so viel Sinn ergeben. Doch denkt man einmal darüber nach, fällt das ganze Kartenhaus zusammen. Das passiert halt leider, wenn die zentralen Eckpfeiler nicht stabil genug sind.
Casper Bendix erlaubt seinen Figuren aber auch, dass sie sich weiterentwickeln. Charakterentwicklung ist normalerweise eine gute Sache. In diesem Buch bin ich dabei allerdings zwiegespalten. Denn die Komik des Buches verliert sich dadurch ein klein wenig, dafür werden die Charaktere noch greifbarere und noch vielschichtiger. Das Buch mausert sich vom Klamauk zum ernstzunehmenden Roman. Der Übergang von dem einem zum anderen war ein wenig holprig, aber im Großen und Ganzen hat es doch funktioniert.
Wie bereists anfangs erwähnt, hat mich dieser Roman wirklich überrascht, und zwar im positiven Sinne. Manch ein Leser oder eine Leserin wird zwar über die Plattitüden und blöden Sprüche den Kopf schütteln, doch wenn man dies im realen Leben bereits einmal (oder eher mehrmals) erlebt hat, dann amüsiert man sich köstlich über dieses Buch. Aufgrund dessen, was ich über den Autor im Netz finden konnte, glaube ich, dass seine persönlichen Erfahrungen in der Wirtschaft in das Buch eingeflossen sind. Es bleibt mir daher nichts anders übrig, als eine Leseempfehlung für dieses Buch auszusprechen und noch einmal zu betonen, dass es wirklich aus dem Leben gegriffen ist.
Ganz nett, aber der Titel ist irreführend
A Wild Cowboy's Heart von Stacey Kennedy
Eigentlich bin ich kein Pferde-Mädchen oder aufgrund meines Alters müsste ich wohl eher Pferde-Frau sagen. Damit meine ich, dass ich in meinem Leben noch nie geritten bin und auch kein wirkliches Interesse daran habe es einmal auszuprobieren. Im „echten“ Leben habe ich mit Pferden einfach nichts am Hut.
Bei Büchern, Serien oder Filmen schaut die Sache aber anders aus. Dort finde ich das Thema wundervoll und kann mich für Medien mit Cowboy oder Pferdeschwerpunkt begeistern. Daher habe ich mich auch sofort auf dieses Buch gestürzt. Cover und Tiel versprachen eine Wohlfühl-Liebes-Geschichte mit Pferde Topping. Die Realität war daher ein klein wenig ernüchternd für mich.
Die erste Verwunderung entstand bereits, als ich beim Lesen feststellen musste, wie dünn das Buch ist. Denn mit 250 Seiten ist das Buch eher dünn gehalten und die Befürchtung, dass auch die Handlung dadurch eher dünn ausfallen wird, keimte in mir. Nach wenigen Seiten hatte ich meine Bedenken dann aber über Bord geworfen, da ich sofort in die Geschichte eintauchen konnte und die Vorgänge mich gefesselt haben.
Dennoch musste ich recht schnell feststellen, dass Cowboys und Pferde eher eine untergeordnete Rolle spielen. Natürlich kommt beides vor, aber eben nur am Rande. Dies liegt vor allem daran, dass der Schwerpunkt des Buches auf Maisie, ihren Schwestern und deren Brauerei liegt. Glücklicherweise kann ich mich auch für das Thema Bierbrauen begeistern.
Den Schreib- und Erzählstil der Autorin würde ich als eher einfach bezeichnen. Stacey Kennedy beschränkt sich auf das Wesentliche und verzichtet auf ausufernde Beschreibungen. Dadurch erklärt sich meiner Meinung nach auch die eher geringe Seitenzahl, denn handlungstechnisch ist schon einiges los.
Die drei Schwestern Maisie, Amelia und Clara waren mir sehr sympathisch, wenn sich natürlich dieses Buch hauptsächlich auf Maisie konzentriert hat. Da es sich hierbei aber um das erste Buch der Reihe „Wild Hearts Romance“ handelt, werden wir in den nächsten Bänden sicher mehr über Amelia und Clara erfahren.
Hayes Taylor würde ich nicht wirklich als Cowboy bezeichnen, aber als Charakter fand ich ihn spannend und interessant. Die Anziehung zwischen den beiden Hauptpersonen war für mich bedingt spürbar, wobei es vor allem eine körperliche Anziehung war, die ich wahrgenommen habe. Die Gefühlsebene kam, wie leider einiges in dem Buch, ein wenig zu kurz.
Stacey Kennedy konnte mich mit ihrem Auftaktbuch der „Wild Hearts Romance“ Reihe nicht vollständig überzeugen. Dennoch hatte ich ein paar vergnügliche Stunden mit dem Buch und denke auch, dass ich bei Gelegenheit die anderen Bände lesen werde.
Raum für Joan – Eine Frau zwischen NASA, Normen und Neuanfang
Atmosphere von Taylor Jenkins Reid
Die Autorin Taylor Jenkins Reid ist keine Unbekannte, sondern ganz im Gegenteil sehr berühmt. Ihre Bücher verkaufen sich weltweit unfassbar gut und werden in unzählige Sprachen übersetzt. Bis mir dieses Buch empfohlen wurde, habe ich noch nie etwas von der Autorin gehört. Allerdings kann ich jetzt behaupten, dass mir nicht nur ihr Name ein Begriff ist, sondern, dass ich auch verfolgen werde, wann sie wieder ein Buch veröffentlicht.
Denn mit diesem Buch hat sie mich wirklich begeistert.
Mir ist bewusst, dass die komplette Handlung der Geschichte fiktional ist und so im wirklichen Leben nie stattgefunden hat. Trotzdem hat die Autorin so viele historische Elemente einfließen lassen und sich in vielen Dingen an reale Ereignisse angelehnt, dass man das Gefühl hat, dies sei alles einmal wirklich passiert. Möglicherweise ist es das auch, vielleicht nicht alles exakt so, aber so ähnlich.
Für meinen Geschmack hätte das Thema Weltall, Raumfahrt und NASA noch einen viel höheren Stellenwert in dem Buch bekommen können. Besonders der wissenschaftliche Anteil der Geschichte hätte gerne mehr Raum einnehmen können. Die Autorin erwähnt aber bereits im Vorwort, dass dies nie ihre Intention war. Sie wollte eine Astronomin als Hauptperson, aber sie wollte das alles, den Weltraum, die NASA, die Space-Shuttles immer nur als Hintergrund. Als Aufhänger für ihre Liebesgeschichte. Daher kann ich Taylor Jenkins Reid eigentlich keinen Vorwurf machen, dass das Thema nicht so dominant war, wie von mir erhofft. Dennoch fließt es in meine Gesamtbewertung ein.
Mit Joan Goodwin hat die Autorin einen unglaublich vielschichtigen und doch sympathischen Charakter erschaffen. Von Beginn an war mir Joan sympathisch und ich habe sie gerne auf ihrem Weg zu sich, ihren Träumen und ihrer großen Liebe begleitet. Es gab einige Stellen, an denen mich Joan zur Weißglut gebracht hat und ich sie am liebsten angeschrien hätte. Ein weiteres Zeichen dafür, wie gut und durchdacht die Handlung und die Charaktere sind.
Es war nervenaufreibend und doch schön zu sehen, wie Joan an ihren Aufgaben und den selbstgesteckten Zielen wächst. Und das alles in einer Zeit, in der Frauen noch nicht die gleichen Chancen hatten wie Männer. Also nicht einmal auf dem Papier die gleichen Chancen, denn ob es heutzutage eine wirkliche Gleichstellung gibt, lasse ich an dieser Stelle einmal unkommentiert.
Man lernt die verschiedenen Seiten von Joan kennen: Die Astronautin, die Teamkollegin, die liebende Tante, die zweifelnde Schwester und die hingebungsvolle Geliebte. Letzteres bringt mich zum Hauptaugenmerk des Buches: Der Liebesgeschichte.
Diese ist meiner Meinung ebenfalls äußerst glaubwürdig und ich konnte die Emotionen zwischen den Zeilen wirklich spüren. Joans große Liebe ist ebenfalls ein durchaus sympathischer und vor allem vielschichtiger Charakter. Durch die äußeren Umstände gestaltet sich die Beziehung der beiden aber als äußerst schwierig. In vielen anderen Büchern haben mich diese Schwierigkeiten oft einmal genervt und ich fand sie als unnötig. Denn oftmals dienen diese Hürden nur dazu künstlich Spannung aufzubauen und die Geschichte ein wenig in die Länge zu ziehen. Dies ist in diesem Buch aber nicht der Fall und dies empfand ich als eine sehr schöne Abwechslung.
Der Schreib- und Erzählstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Er war eine angenehme Mischung aus nüchterner Erzählweise und prosaisch schwärmerischen Elementen. Einige wenige Passagen empfand ich als ein wenig zu schwulstig und langatmig, diese waren aber glücklicherweise in der Minderheit.
Taylor Jenkins Reids Roman hat mich an vielen Stellen überrascht und mich zum Nachdenken angeregt. Die Handlung hat mich gepackt und gefesselt. Das Ende kam mir dann fast ein wenig zu abrupt, jedoch war es ein wohlüberlegtes Ende. Kleinere Abzüge in der Bewertung muss ich aber trotzdem vornehmen, da ich wie bereits erwähnt einen höheren Anteil an wissenschaftlichen Themen erwartet bzw. erhofft hatte.
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit – Eine bewegende Doppelperspektive
Im Leben nebenan von Anne Sauer
Zuallererst möchte ich meinen Hut ziehen vor Anne Sauer und Chantal Busse. Erstere ist hierbei die Autorin des Buches und zweitere die Sprecherin des Hörbuchs. Beide haben einen fantastischen Job gemacht.
Die Idee des Buches, zwei verschiedene Leben ein und derselben Person parallel zu erleben, hat mich von Anfang an fasziniert.
Allerdings hatte ich auch so meine Befürchtungen, dass mich dies, vor allem als Hörbuch, sehr verwirren könnte. Diese Befürchtung hat sich aber sofort in Luft aufgelöst, als ich mit dem Hören begonnen habe. Denn die Abgrenzung der beiden Geschichten war von Beginn an klar und äußerst eindeutig. Chantal Busse und ihre äußerst eindrucksvolle Stimme hat mich durch die Seiten und Stunden des Buches getragen. Ich wollte gar nicht mehr aufhören ihr zuzuhören. Und dies liegt nicht nur an der Geschichte. Chantals Stimmmelodie hat mir unglaublich gut gefallen, sie dürfte mir auch gerne eine Packungsbeilage eines x-beliebigen Medikamentes vorlesen und ich würde ihr noch immer gerne zuhören.
Auf den Inhalt des Buches möchte ich nicht groß eingehen, diesen kann man der Beschreibung des Buches oder dem Klappentext entnehmen. Ein paar wenige Worte muss ich aber leider doch verlieren, um meine nachfolgende Bewertung ein wenig verständlicher zu machen.
In diesem Buch begleitet man einerseits Toni, die mit ihrem Freund in einer schicken Wohnung wohnt und mehr oder weniger verzweifelt probiert ein Kind zu bekommen. Andererseits begleitet man aber auch Antonia, die gerade frisch Mutter geworden ist und mit dieser Situation ziemlich zu kämpfen hat. So weit, so gut. Toni und Antonia sind allerdings ein und dieselbe Person und nein es handelt sich weder um Polygamie noch um Schizophrenie. Wir begleiten sie einfach nur im Leben nebenan. Im was wäre, wenn. Was wäre, wenn sich Toni im Laufe der Jahre anders entschieden hätte. Wenn sie sich nicht von ihrer Jugendliebe getrennt hätte.
Allein dieses Gedankenspiel als Grundlage für einen Roman hat bei mir Begeisterung hervorgerufen. Denn wie so viele andere auch, habe ich mir diese Frage bereits öfter gestellt. Was wäre passiert, wie würde mein Leben aussehen, wenn ich diese oder jene Entscheidung nicht getroffen hätte. Wäre ich jetzt glücklicher, zufriedener, mit mir selbst im Reinen? Anne Sauer gibt nicht unbedingt Antworten auf diese Fragen, eröffnet aber einen ganz besonderen Blickwinkel auf dieses Thema.
Aber die Autorin macht an diesem Punkt noch nicht halt. Denn der Hauptunterschied oder zumindest das herausstechende Merkmal der beiden Leben, ist das Kind. Die eine hätte gerne eines, es funktioniert aber nicht so richtig. Die andere hat gerade eines bekommen und hadert mit der Situation. Anne Sauer verbindet die beiden doch sehr schweren Themen unerfüllter Kinderwunsch und regretting motherhood miteinander. Beides recht anspruchsvolle Thematiken, die man am liebsten nie selbst erleben möchte. Wobei ich für alle die vor allem zweiteres abschreckt einwenden muss, dass dies meine Interpretation ist. Im Roman selbst ist, ohne jetzt spoilern zu wollen, von Anpassungsstörungen die Rede. Es geht darum, wie fühlt man sich als Frau, wenn man gerade ein Kind bekommen hat. Liebt man es sofort und bis über beide Ohren, so wie es einem alle immer sagen?
Mir ist bewusst, dass dies alles nach einem tragischen und schwerfälligen Roman klingt und sich viele vielleicht überlegen, ob sie sich das wirklich antun sollen. Meine Antwort darauf, ist ein klare Ja, denn so belastend die Themen auch sein können. Die Autorin Anne Sauer packt in all dies eine Prise Humor hinein, schwarzen Humor bis zu einem gewissen Grad, ja natürlich. Aber dennoch ist die Geschichte wirklich amüsant und dies ohne billige und platte Witze.
Das Ende des Buches hat mich ein klein wenig irritiert und gestört. Ich kann einerseits verstehen, warum die Autorin das Buch genau so enden hat lassen, wie sie es eben getan hat. Andererseits habe ich das Gefühl, dass Anne Sauer mir noch ein paar erklärende Worte schuldet. Daher kann ich dem Buch auch leider nicht die Höchstnote geben. Aber eine Herzensempfehlung ist es auf jeden Fall.
Wunderheilung durch Nahrungsergänzungsmittel
Was die Seele essen will von Julia Ross
Durch gezielte und vor allem ausgewogene und richtige Ernährung sein seelisches Gleichgewicht finden klang (fast) zu gut, um wahr zu sein. Da die Hoffnung aber bekanntlich zuletzt stirbt habe ich mich darauf eingelassen und wurde leider enttäuscht.
Dabei hat alles recht gut angefangen. Julia Ross erklärt eindrücklich und in verhältnismäßig einfach Worten die Zusammenhänge zwischen einem Nährstoffmangel bzw.
einem Mangel an essenziellen Aminosäuren und seelischen Problemen. Recht schnell kommen aber die ersten Tabletten und Nahrungsergänzungsmittel ins Spiel. Dies allein hätte mich noch nicht abgeschreckt, wenn es auch nicht das war, was ich mir eigentlich von diesem Buch erwartet habe. Äußerst irritiert haben mich die von der Autorin gebrachten Beispiele aus ihrem Klinikalltag. Egal welcher Patient oder welche Patientin zu ihr kam, unabhängig davon welche Krankheiten oder Beschwerden diese hatten und wie lang sie bereits anderweitig in Behandlung waren, eine Tablette von Julia Ross und sie waren innerhalb von 15 Minuten „geheilt“. Für mich klingt das alles zu sehr nach Wunderheilung und es ist allzu reißerisch formuliert, als das ich dem ganzen ohne Beweise glauben könnte.
Die biochemischen Vorgänge die Julia Ross in ihrem Buch beschreibt, fand ich aber äußerst interessant und vieles davon war mir bis dato nicht bekannt. Ich habe auf jeden Fall einiges dazulernen können. Allerdings habe ich auf Grund des Titels und der Beschreibung des Buches vermutet, dass der Hauptfokus des Buches auf der richtigen Ernährung liegt, um seelische Probleme in den Griff zu bekommen. Dies ist aber leider nicht der Fall. Es gibt zwar ein kurzes Kapitel über Ernährung und auch einige Vorschläge für Speisepläne und die dazugehörigen Rezepte. Diese macht aber nur einen winzigen Teil des Buches aus.
Des Weiteren habe ich so meine Probleme mit den Lebensmitteln, die die Autorin empfiehlt. Das sie Zucker und Weißmehlprodukte verteufelt kann ich ja noch verstehen und nachvollziehen. Die riesigen Mengen an Fleisch und tierischen Produkten, die sie empfiehlt, gegen aber gegen jede Empfehlung zu gesunder und ausgewogener Ernährung, die ich jemals gelesen habe. Wenig verwunderlich das Menschen, die eine vegetarische oder vegane Ernährung bevorzugen bei ihr überhaupt nicht gut wegkommen und man beim Lesen das Gefühl bekommt, dass diese ohne die von Ross empfohlenen Nahrungsergänzungsmittel dem Untergang geweiht sind. Als sie dann auch noch erwähnte, dass manche Vegetarier Huhn essen, habe ich endgültig an ihrer Kompetenz zu zweifeln begonnen.
Der Schreibstil der Autorin ist mehr als reißerisch und durch die immer wiederkehrenden Wiederholungen von vielen Aussagen und Hinweisen, hat man nach einer gewissen Zeit das Gefühl, dass man unbedingt und sofort alle der vorgeschlagenen Mittel bestellen und nehmen muss. Hier würde ich wirklich mit Bedacht vorgehen. Die Zusammenhänge die Julia Ross erklärt haben sicher ihre Gültigkeit, dennoch würde ich jedem davon abraten ohne Konsultation eines Arztes auch nur irgendeines der von ihr beschriebenen Mittel zu nehmen. Abgesehen davon, das vieles in Deutschland oder Österreich sowieso nicht freiverkäuflich am Markt erhältlich sind. Allein diese Tatsache sollte einem zu denken geben.
Wutbewältigung leicht gemacht
Wilma und der Wutknödel von Inka Vigh
Ein gutes Kinderbuch zu schreiben ist keine leichte Aufgabe. Ein gutes Kinderbuch muss sowohl Kinder als auch Erwachsene begeistern können. Denn bis zu einer gewissen Altersgrenze sind es die Erwachsenen, die das Buch aussuchen und auch vorlesen. Fühlen diese sich nicht angesprochen, verringert das die Chancen, dass das Buch im Kinderzimmer einziehen darf, erheblich.
Die Ansprüche der Kinder sind aber genauso wichtig. Diese müssen mit dem Thema und den Charakteren etwas anfangen können und die Bilder müssen ansprechend sein.
Autorin Inka Vigh hat diesen doch recht anspruchsvollen Spagat mit Bravour erledigt und ein unglaublich warmherziges Kinderbuch erschaffen. Die Illustrationen, die ebenfalls aus ihrer Hand stammen, sind ansprechend und detailreich. Sowohl der kleine Leser als auch ich schauen uns die Bilder einfach gerne an und freuen uns über die vielen kleinen Details, die das Buch zu etwas ganz Besonderem machen.
Die beschriebenen Alltagssituationen sind für Kinder gut verständlich und nachvollziehbar. Das meiste haben die Kinder so oder so ähnlich sicher selbst schon einmal erlebt. Wilma ist ein entzückendes kleines Mädchen, wenn sie auch an manchen Stellen ein bisschen zu altklug wirkt.
Das Hauptthema des Buches ist, wie der Name bereits verrät, Wut bzw. wie wir mit diesem Gefühl umgehen sollten. Die Vorstellung das in unserem Inneren ein Wutknödel entsteht, der immer größer und größer wird, hat mir sehr gut gefallen und ich habe auch feststellen können, dass dies für den 2-jährigen kleinen Leser ein nachvollziehbarer Gedanke ist. Natürlich ist dieses Buch kein Wundermittel und weder verpufft die Wut beim Lesen noch treten Wutanfälle seltener auf.
Dennoch hat dieses Buch uns sehr geholfen. Der kleine Leser hat dadurch gelernt, dass es ganz normal ist, dass man wütend wird. Das dies nichts Schlimmes ist, dass aber darauf ankommt, wie man mit diesem unangenehmen Gefühl umgeht. Wilma und den Wutknödel dabei zu beobachten, wie sie Dinge ausprobieren ist unglaublich lustig.
Die Altersempfehlung des Verlages für dieses Buch liegt bei 3 Jahren und diese ist meines Empfindens auch passend gewählt. Wie bereits weiter oben erwähnt wurde das Buch hier mit einem gut 2 Jahre altem Kind gelesen und der kleine Leser hatte keinerlei Schwierigkeiten mit der Länge des Textes oder verwendeten Wörter oder Ausdrücke. Das Buch eignet sich meiner Meinung nach aber auch noch für ältere Kinder. Mit denen kann man dann auch noch nach weiteren Methoden suchen, um den Wutknödel wieder nach Hause zu schicken.
Ich kann es einfach nicht oft genug sagen, daher abschließend noch einmal: Dieses Buch hat uns wirklich begeistert und wird vom kleinen Leser auch immer wieder aus dem Bücherregal herausgesucht. Und allein dies zeigt meiner Meinung nach, dass es sich um das perfekte Kinderbuch handelt.
Ein düsteres Abenteuer für Jung und Alt
Mika Mysteries 1: Der Ruf des Nachtraben Mika Mysteries von Johan Rundberg
Auf dieses Buch bin ich durch die Verlagsvorschau aufmerksam geworden und habe das Erscheinungsdatum bereits herbeigesehnt. Das Cover hat mich sofort angesprochen da es eine wunderbare mystische Stimmung ausstrahlt. Das es sich dabei um ein Kinderbuch handelt war mir deutlich bewusst, aber der Klappentext klang so spannend und interessant, dass ich sofort das Gefühl hatte, dass dies auch ein Buch für Erwachsene sein könnte.
Das empfohlene Lesealter des Buches ist vom Verlag mit 10 Jahren angegeben. Diese Angabe finde ich auch durchaus angebracht. Da das Buch aber eine recht düstere Stimmung verbreitet, nicht unbedingt gruselig, aber doch ein wenig bedrückend, würde ich Eltern aber empfehlen genau zu überlegen, ob das jeweilige Kind bereits so weit ist, um dieses Buch zu lesen. Vor allem bei zartbesaiteten Kindern denke ich, dass es nicht unbedingt die beste Lektüre vor dem Schlafen gehen sein könnte. Meine persönliche Empfehlung wäre aber, dass Buch zusammen mit dem Kind zu lesen oder wie in meinem Fall, zu hören, da es sowohl für Heranwachsende als auch Erwachsene interessant ist.
Die Hauptperson und Namensgeberin des Buches ist die 12-jährige Waise Mika. Aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters, weiß sie, dass ihre Chancen adoptiert zu werden gering sind. Daher wohnt sie nicht nur im Waisenhaus, sondern muss dort auch tatkräftig mitarbeitet. Zusätzlich hat sie noch einen anderen Job in einem Lokal. Klingt im ersten Augenblick alles ein wenig falsch und weit hergeholt. Doch da das Buch im Jahr 1880 spielt, ist dies leider alles traurige Wahrheit. Autor Johan Rundberg hat die Stimmung der Zeit und des furchtbaren Winters, der gerade herrscht, wunderbar eingefangen. Wie bereits anfangs empfand ich das Buch teilweise als sehr bedrückend und düster. Dennoch gab es immer wieder Passagen, bei denen ich schmunzeln musste. Schauerlich schrecklich ist auch die Situation im Waisenhaus, diese wird vom Autor auch nicht beschönigt. Das Essen ist knapp und das Feuerholz geht zu Neige. Aber damit nicht genug, es passiert auch noch ein Mord.
An dieser Stelle beginnt die Zusammenarbeit des Kommissars Valdemar Hoff mit Mika. Denn er erkennt auf Anhieb ihre besondere Fähigkeit, nämlich ihre unfassbare Beobachtungs- und Auffassungsgabe. Das Zusammenspiel der doch sehr unterschiedlichen Charaktere hat das Buch dann endgültig abgerundet und ihm den allerletzten Schliff verpasst. Ich war so gefesselt in der Geschichte, dass ich einfach nicht aufhören konnte und das Hörbuch an einem Abend beendet habe.
Gesprochen wird das Hörbuch von Julia Nachtmann. Ihre Stimme hat mich vom ersten Wort an eingewickelt und in die Geschichte hineingezogen. Bei neuen Hörbüchern oder bei Sprecherinnen und Sprechern, die ich bis dato noch nicht kannte, brauche ich oft ein wenig länger, um mit der Stimme vertraut zu werden. Dies war hier aber nicht der Fall, ganz im Gegenteil. Die Sprachmelodie die Julia Nachtmann hat dem Buch eine unglaubliche Tiefe verliehen und die unheimlich-düstere Stimmung einfach perfekt abgerundet.
Mika Mysteries ist ein Buch, dass ich wirklich von ganzem Herzen weiterempfehlen kann. Die Geschichte ist spannend, intelligent konstruiert und sehr eindrucksvoll.
Der einzige Wehrmutstropfen an der Sache ist, dass der zweite Teil der Reihe leider erst im Frühjahr 2026 erscheinen wird.
Hörgenuss für den Gaumen
A Taste of Cornwall: Eine Prise Liebe Die Cornwall-Reihe von Katharina Herzog
Von der Autorin Katharina Herzog habe ich schon sehr viel positives gehört, also natürlich nicht von ihr als Person, aber von ihren Büchern. Daher habe ich mich sehr auf das Hörbuch gefreut.
Gelesen wird das Hörbuch von Elena Wilms, gleich wie die Autorin, ist auch sie für mich eine Unbekannte.
Jedenfalls wäre mir nicht bewusst, dass ich bereits ein Hörbuch gehört habe, dass von ihr gelesen wurde. Allerdings hoffe ich sehr, dass ich bald wieder eines in die Hand bekommen werde. Denn ihre Stimme hat mir außerordentlich gut gefallen. Ihre Stimmfarbe und ihre Art die Dinge zu betonen haben mir zugesagt und es hat wirklich Spaß gemacht ihr zu zuhören.
Besonders angesprochen hat mich bei diesem Buch einerseits das Setting, ich mag Cornwall als Handlungsort für Bücher sehr gerne. Andererseits war es aber auch das kulinarische Grundthema. Bei ersterem bin ich voll auf meine Kosten gekommen, da die Beschreibungen von Katharina Herzog detailliert und ansprechend waren. Zweiteres kam mir ein wenig zu kurz. Zwar ist Essen und Kochen immer wieder mal Thema, ich dachte aber, dass es einen größeren Stellenwert in dem Buch haben würde.
Der Hauptfokus der Geschichte liegt auf der Liebesgeschichte, nicht verwunderlich, handelt es sich ja um einen Liebesroman. In sehr vielen Fällen bestechen Bücher dieses Genres nicht gerade mit Tiefgang und auch dieses Exemplar ist keine Ausnahme. Positiv aufgefallen ist mir hierbei aber die Charakterentwicklung. Sophie empfand ich zu Beginn des Buches als äußerst unsympathisch. Dies hat sich aber still und leise während des Fortschreitens der Handlung geändert. Schade fand ich hingegen, dass gerade die Beziehung zu ihrer Tochter nicht mehr thematisiert wurde. Hier wäre noch einiges an Potential und vor allem auch Tiefe drinnen gewesen.
Wobei dies nicht die einzige Stelle war, an der es sich die Autorin bzw. es die Autorin den Charakteren leicht macht. Natürlich gibt es die obligatorischen Schwierigkeiten und das unausweichliche Missverständnis der Liebenden, aber im Großen und Ganzen lassen sich alle Probleme recht schnell und einfach lösen. Für meinen Geschmack ein wenig zu einfach, aber Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden.
Das kleine Küstendörfchen Port Haven hat mir als Handlungsort sehr gut gefallen und auch das urige Smugglers Inn mit seinen teilweise sehr skurrilen Angestellten und Gästen hat es mir angetan. Daher freut es mich ganz besonders, dass es 2026 eine Chance gibt wieder dorthin zu reisen. Denn dann erscheint der zweite Teil der "Taste of Cornwall" Reihe.
Obwohl das Buch kleinere Schwächen und Mängel aufweist und die Handlung stellenweise ein wenig dünn ist, kann ich trotzdem eine Empfehlung aussprechen. Vor allem für all jene, die so wie ich, neben dem Hörbuch hören gerne ihre Hände beschäftigen. Die Geschichte war eine wunderbare Ergänzung zum Aufräumen, Putzen und Handarbeiten und hat mir die teilweise ungeliebten und lästigen Aufgaben versüßt.
Geballte Ladung Van Gogh Wissen
Mein magisches Museum und Vincent van Gogh von Anne Funck
Zu Vincent van Goghs Bild „Die Sternennacht“ haben wir in unsere Familie eine ganz besonders Beziehung und der kleine Leser hat sogar Sternennacht Socken. Als ich dann gesehen habe, dass die Kunsthistorikerin Anne Funck ein interaktives Kinderbuch zu Vincent van Gogh veröffentlicht hat, war für mich sofort klar, dass wir dieses Buch unbedingt haben müssen.
Oder um es mit den Worten des kleinen Lesers zu sagen: Wir brauchen dieses Buch!
Das empfohlene Lesealter des Buches ist vom Verlag mit 6 Jahren angegeben. Meiner Meinung nach ist die Altersangabe ein klein wenig ambitioniert. Ich persönlich hätte das Lesealter eher bei 8 oder 10 Jahren gesehen. Denn das Buch liefert wirklich eine geballte Ladung an Wissen und Informationen. Die Seiten sind sehr vollgestopft und sogar ich als Erwachsene habe mich an manchen Stellen überfordert gefühlt.
Dies ist definitiv kein Buch, dass man auf einen Rutsch durchlesen oder durcharbeiten kann. Man sollte sich wirklich die Zeit nehmen und in Ruhe immer wieder einen Teil lesen und danach auch die Aufgaben ausfüllen. Wie bereits anfangs erwähnt, ist dies ein interaktives Buch. Es gibt also immer wieder kleine Aufgaben oder Aufforderungen an die Kinder sich aktiv am Buch zu beteiligen und zu verewigen. Ich persönlich mag es allerdings überhaupt nicht, wenn in einem Buch „herumgekritzelt“ wird. Ich befürworte aber prinzipiell die Idee der Autorin, dass die Kinder nicht nur passiv etwas über Vincent van Gogh, Malerei und Farben lernen sollen. Ich denke, dass wir die Seiten kopieren werden, auf denen der kleine Leser etwas zeichnen möchte. Dabei sehe ich auch den Vorteil, dass wenn das Buch über einen längeren Zeitraum interessant sein sollte, was ich sehr hoffe, die Aufgaben immer wieder neu gemacht werden können und man dann eventuell auch einen Fortschritt in den Zeichenkünsten sieht.
Begeistert hat mich die Fülle an Informationen über das Leben und Wirken von Vincent van Gogh. Dies geht weit über das hinaus was ich mir von dem Buch erwartet habe und auch ich konnte noch einiges dazulernen.
Das Buch entspricht nicht ganz dem, was ich mir erwartet habe. An manchen Stellen wurde ich positiv überrascht und an anderen Stellen ein wenig enttäuscht. Die Enttäuschung betrifft vor allem das chaotische und gedrängte Layout. Ich denke, dass es mir besser gefallen hätte, wenn sowohl den Bildern als auch dem Text ein wenig mehr Raum gegeben worden wäre.
Ein bedrückender Blick in die menschliche Psyche
Kankos Reise von Rin Usami
Bücher von japanischen Autoren und Autorinnen stehen immer öfter auf meiner Leseliste. Das Land, die Leute, die Sprache und die Kultur Japans haben mich vor Jahren in ihren Bann gezogen und mich bis dato nicht mehr losgelassen.
Obwohl die Bücher von den verschiedensten Personen geschrieben wurden und auch vielfältige Themen behandelt haben, gab es doch irgendwie eine Gemeinsamkeit.
Die Bücher haben mich nachdenklich gestimmt, aber mich auch in eine positive Stimmung versetzt. Dieses Buch bildet hier die Ausnahme. Denn die Geschichte von Kanko ist sicher viel und man kann auch viel daraus mitnehmen, aber eine positive Grundstimmung sicher nicht.
Bis zu einem gewissen Grad war mir das bereits vor dem Lesen bewusst. Denn der Klappentext verrät schon einige der bedrückenden Themen, die in dieser Geschichte behandelt werden: Depression, Alkoholismus, Gewalt, Überforderung. Wie sehr die Autorin Rin Usami aber in die Abgründe der menschlichen Psyche eintaucht war mir im Vorfeld nicht bewusst.
Bewundernswert finde ich wie nüchtern die Autorin dabei vor geht. Es wird nichts beschönigt oder verborgen. Es gibt nicht die in vielen japanischen Werken verkommende blumige und poetische Sprache. Einfach, klar und mit wenigen Worten schafft es Rin Usami ein Familienbild zu erzeugen, dass nicht dysfunktionaler sein könnte.
Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der 17-jährigen Kanko. Und ich denke auch, dass ist es was mir besonders zu schaffen gemacht hat. Also nicht die Tatsache, dass die Geschichte von einer Jugendlichen erzählt wird. Aber wie es wird, wie normal der Umgang der einzelnen Familienmitglieder für Kanko ist. Ihre Normalität besteht aus emotionaler Kälte, Gewalt und Gehorsam.
Mit knapp 180 Seiten fällt das Buch ungewöhnlich dünn aus. Wobei mir dies beim Lesen nicht wirklich bewusst war. Die Autorin schafft es auf diesen verhältnismäßig wenigen Seiten so viel unterzubringen, dass ich das Gefühl hatte, einen 500 Seiten Roman zu lesen.
Meiner Meinung nach hat Rin Usami hier wirklich etwas großartiges erschaffen. Dennoch bin ich bezüglich einer Leseempfehlung sehr vorsichtig. Denn, obwohl ich das Buch auf jeden Fall als lesenswert empfinde, denke ich, dass man emotional gefestigt sein sollte um es Lesen zu können.











