Kunden em pfehlungen
Rezensionen von peedee:
Immer wieder vertrauen
Weihnachtstrubel im kleinen Buchcafé an der Isar von Emilia Thomas
Das kleine Buchcafé, Band 3: Für Antonia ist es immer noch ein bisschen unwirklich, dass sie nun das Buchcafé von Lotte im Kapuzinerviertel in München übernehmen wird. Es war ein Riesenschritt, in die bayerische Metropole zu kommen und sich mit einem Geschäft selbstständig zu machen. Sie versucht stets, nirgendwo anzuecken, und ja nicht aufzufallen, aber als Unternehmerin wird sich dies ändern müssen.
Nebenan ist eine Riesenbaustelle, die entsprechend Lärm und Unruhe generiert; eine Brauerei soll dort eröffnen. Als der Lärm überhandnimmt, muss Antonia mit dem Inhaber sprechen: Florian, ein gestresster junger Mann, der ihr überraschenderweise bekannt vorkommt…
Erster Eindruck: Das Cover finde ich sehr schön; es passt gut zum Buchtitel.
Dies ist Band 3 der Reihe, kann aber unabhängig von den Vorgängerbänden gelesen werden.
Lotte fällt es nicht leicht, ihr Buchcafé abzugeben, das sie über viele Jahre gehegt und gepflegt hat. Aber sie weiss, dass es an der Zeit ist, denn mit mittlerweile achtzig Jahren macht ihr die Arthrose doch mehr zu schaffen, als sie zugeben will. Sie weiss, dass das Buchcafé in fähige Hände kommt. Antonia hätte nie gedacht, dass sie einst in München ein Geschäft übernehmen würde. Ausgerechnet sie. In München! Aber der Start ist gut geglückt, denn sie konnte in eine 2er-WG einziehen und wurde gleich in den Freundeskreis ihrer Mitbewohnerin aufgenommen. Sie war ihr ganzes Leben lang immer sehr unsicher, was sicherlich auf die schwierigen Erfahrungen in der Schulzeit zurückzuführen sind. Der Jungbrauer Florian steckt viel Elan in die Eröffnung seiner Brauerei, die er mit einem Kollegen zusammen betreiben wird. Es ist alles hektisch und der Tag bräuchte doppelt so viele Stunden. Als Antonia bei ihm vorstellig wird, um sich zu beschweren, meint er, sie von irgendwoher zu kennen. Aber sie verneint…
Es hat mir leidgetan, dass sie während der Schulzeit mehrere Jahre Opfer von Mobbing war. Kein Kind sollte so etwas erleben müssen! Kein Wunder, dass sie Probleme damit hat, anderen Menschen zu vertrauen, nicht zuletzt auch wegen des Seitensprungs ihres Ex-Freundes. Sie scheint nun in München aufzublühen. Das Kapuzinerviertel wurde sehr lebhaft geschildert – schade, dass dieses nur fiktiv ist. Von mir gibt es 4 Sterne.
Eine Geschichte mit Zimt-Zucker
Der fünfte Advent von Blanca Imboden
Doris führt in dritter Generation einen kleinen Souvenirladen in Luzern. Ihr Vater ist trotz seiner fünfundachtzig Jahre immer noch mit im Laden. Doris bietet etwas Spezielles an: ein selbstgezeichnetes Porträt auf einer Christbaumkugel! Mit wenigen Strichen fängt sie das Wesen des Gegenübers ein und macht so den Käufer glücklich.
Zugleich wird der Christbaumkugelvorrat ein bisschen kleiner – ihr Vater hat einst bei einer Bestellung zehn Paletten anstatt Packungen geordert! Es kommt zu einem unerwarteten Klassentreffen mit ehemaligen Mitstudierenden aus einem Englischkurs in London vor vierzig Jahren. Das Treffen bringt unerwartete Gefühle ans Licht. Das schönste Weihnachtsgeschenk gibt es erst am fünften Advent…
Erster Eindruck: Das Cover mit einem Ausschnitt von Luzern auf (oder in) der Christbaumkugel gefällt mir sehr gut. Der Titel ist ungewöhnlich und erregt dadurch Aufmerksamkeit.
Die Geschichte hatte noch nicht mal begonnen und ich war schon innerlich berührt, nämlich durch die Widmung – schluck…
Doris hatte nie vor, den Souvenirladen zu übernehmen. Aber als sie mit zwanzig Jahren schwanger wurde, der werdende Vater jedoch kein Interesse am Nachwuchs zeigte, blieb sie in Luzern und arbeitete im Geschäft. Und die Jahre vergingen. Leider hat sie kein gutes Verhältnis zu ihrer Tochter; den fünfjährigen Enkel hat sie noch nie gesehen. Das schmerzt sehr. Sie wünscht sich nichts weiter als eine liebevolle Beziehung zu ihrer Tochter.
Eine der ehemaligen Kursteilnehmer aus London hat sich gemeldet und kurzerhand ein Klassentreffen in Luzern organisiert. Doris freut sich zwar, aber zugleich hat sie auch Angst davor. Haben alle anderen ihre Träume verwirklicht? Ist sie die Einzige, die allein ist? Es ist ihr durchaus bewusst, dass sie sich nicht mit anderen vergleichen sollte, denn jeder Lebensweg ist nun mal anders. Das kenne ich von mir nur allzu gut. Wenn ich mich mit anderen vergleiche, ziehe ich immer den Kürzeren. Dabei weiss ich nichts über die anderen, ausser dass sich einige besser „verkaufen“ können als ich. Aber an dieser Dauerbaustelle bin ich dran.
Das Buch hat sich flüssig lesen lassen und die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Das Kreieren des fünften Advents fand ich witzig und den Ausgang der Geschichte gelungen. Von mir gibt es 4 Sterne mit einer tüchtigen Portion Zimt-Zucker!
Karlchen entzündet ein Lichtlein
Karlchen hilft dem Weihnachtsmann, ob er will oder nicht (3) von Lisa-Marie Dickreiter; Andreas Götz
Karlchen, Band 3: Karlchen glaubt nicht mehr an den Weihnachtsmann! Wie ist das möglich? Egal, was Karlchen glaubt zu wissen, sie will, dass ihr kleiner Bruder Johann weiterhin an den Weihnachtsmann glaubt. Die Mama verkündet, dass in diesem Jahr Weihnachten ein bisschen anders wird: kleiner und feiner.
So ein Käse! Gibt’s dann etwa keine Geschenke? Karlchen will Mama helfen und den Adventskalender befüllen. Und sie will auch Weihnachten schön machen. Nicht kleiner, sondern noch viel grösser und schöner. Und ein Weihnachtswichtel muss ihr helfen. Wer ist ihr Weihnachtswichtel wider Willen? Opa! Ein Vorlesebuch ab 5 Jahren. Mit Illustrationen von Barbara Scholz.
Erster Eindruck: Ein detailreiches, farbiges Cover, bei dem es schon etliche Dinge zu entdecken gibt – gefällt mir sehr gut. Ebenso der Untertitel „ob er will, oder nicht“. Tja, lieber Weihnachtsmann, hier wird Dir einfach geholfen! Basta!
Dies ist Band 3 einer Reihe, kann aber unabhängig von den Vorgängerbänden gelesen werden; für mich war es die erste Begegnung mit Karlchen (das erklärt dann auch schon, warum ich nicht wusste, dass Karlchen ein Mädchen ist und eigentlich Karla heisst!).
Karlchens Mama will in diesem Jahr unbedingt den „goldenen Tannenbaum“ gewinnen; das ist der erste Preis im Weihnachtsmenüwettbewerb. Bisher wurde sie immer Zweite und hat schon zig silberne Tannenbäume zu Hause. Aber eben den Goldenen nicht! Für Karlchen sonnenklar, dass sie nun den Weihnachtsmann spielen wird, da es schliesslich ihre Idee war, und ihr Opa als Weihnachtswichtel helfen soll. Logisch! Aber dann meint sie, doch eher das Christkind zu sein. Und als Christkind bestimmt sie, dass sie auch der Weihnachtsmann ist. Okay. Karlchen weiss nicht, dass auf sie eine noch viel grössere Aufgabe wartet…
Für mich war es die erste Begegnung mit Karlchens Familie, aber ich habe alle gleich ins Herz geschlossen und konnte sie mir leibhaftig vorstellen. Auf jeder Doppelseite hat es farbige Zeichnungen, die die Geschichte wunderbar ergänzen. Ein bezauberndes Buch (das ich aufgrund der zum Teil langen Kapitel und der Weihnachtsmann-gibt-es-nicht-Thematik erst ab 6/7 Jahren empfehlen würde) – 5 Sterne!
Friede, Freude… Pustekuchen!
Immer muss man selber feiern von Ellen Berg
Neles favorisierte Zeit im Jahr ist gekommen: die Weihnachtszeit. Sie liebt Weihnachten, ist aber aufgrund der vielen Verpflichtungen in dieser Zeit auch sehr angespannt. Dieses Jahr kommt noch etwas Neues dazu: Nele und ihre beiden Kinder leben nun mit Nick zusammen – einem waschechten Grinch! Warum nur haben sie vorher nie über die Weihnachtszeit gesprochen und darüber, was man sich für diese Zeit erhofft? Als ihre teuren Geschenke für die Kinder verloren gehen, spielt Nele mit ihren Freundinnen Detektiv.
Bei der Beziehungskrise kann jedoch nur noch ein Wunder helfen!
Erster Eindruck: Das Cover ist wie gewohnt detailreich und witzig – gefällt mir sehr gut. Witzig ist auch, dass als Kapitelüberschriften Weihnachtslieder gewählt wurden.
Ui, ui, ui, das wird wohl nix mit „Stille Nacht, heilige Nacht“! Nele ist völlig gestresst, aber in erster Linie von Nick, ihrem eigentlichen Traummann, der sich aber als Weihnachtshasser herausstellt! Die Stimmung ist angespannt – diplomatisch gesagt –, ach was, nennen wir es, wie es ist: sie ist unterirdisch! Neles Vorstellung von ihrer traditionellen Weihnachtsfeier wird durch Nicks Ankündigung, seine Eltern zum Sauerbraten bei sich einzuladen, torpediert. Nicks Mutter Gabriele ist ein Schwiegermonster de luxe: Sie schiebt Nele alle Schuld in die Schuhe bei der Beziehungskrise, denn an ihrem Liebling könne es ja nicht liegen – sie habe Nick zu einem prächtigen Menschen erzogen. Danke, alles klar!
Nele begegnet dem Genderwahn: Nikolaus ist passé, neu sollte es Nikolausin oder Nikomensch heissen. Auch der Schneemann, adieu! Stattdessen Schneemensch. Nicht nur das Gendern macht den Alltag schwierig, auch rund ums Essen tummeln sich Fettnäpfchen, denn die Schnitzeljagd sollte aus Rücksicht auf vegan lebende Menschen in Tofujagd umbenannt werden. Hach, das hat mich amüsiert, zugleich habe ich aber auch die Augen verdreht, denn wenn man heute den Mund aufmacht und etwas sagt, ist es sicherlich schon falsch. Schwierig…
Das Buch hat sich flüssig lesen lassen und hat mir gut gefallen – 3 Sterne.
Wer sagt die Wahrheit?
Sie sagt. Er sagt. von Ferdinand von Schirach
Wenn eine prominente Frau öffentlich verkündet, das Opfer einer Vergewaltigung geworden zu sein, schlägt dies hohe Wellen. Katharina Schlüter, erfolgreiche TV-Moderatorin, behauptet, von ihrem ehemaligen Geliebten missbraucht worden zu sein. Er bestreitet dies vehement. In der Gerichtsverhandlung steht Aussage gegen Aussage.
Wer hat Recht?
Erster Eindruck: Ein schlichtes Cover, das im gleichen Stil auch seine anderen Bücher schmückt – gefällt mir.
Wenn aus einem „Schäferstündchen“ zu zweit plötzlich ein Missbrauchsfall wird, der in der Presse ausgeschlachtet wird: Jede und jeder weiss etwas dazu zu berichten. Doch effektiv wissen nur die beiden, was in jener Nacht passiert ist…
Wurde sie wirklich vergewaltigt? Oder will sie sich einfach an ihm rächen und hängt ihm die Vergewaltigung an? Weshalb? Sagt sie die Wahrheit? Und warum äussert er sich nicht dazu? Weil es stimmt? Oder weil es unter seinem Niveau ist, auf falsche Anschuldigungen zu antworten? Wie reagieren die Ehepartner der beiden darauf?
Für mich war es das erste Buch des Autors, wird aber bestimmt nicht das letzte gewesen sein. Diese Erzählung wurde für den ZDF mit grossem Staraufgebot verfilmt; ich kenne diese nicht, habe nun aber Lust darauf bekommen. Die Geschichte war aufgrund der geringen Seitenzahl ziemlich schnell ausgelesen. Ich hatte das Gefühl, mit im Gerichtssaal zu sitzen und der Verhandlung beizuwohnen: Ich hörte die eine Aussage und dachte „ja, das stimmt, das könnte so gewesen sein“ und dann hörte ich die Gegenpartei und dachte wiederum „ja, auch das könnte genau so gewesen sein“. Ich schwankte somit bis zuletzt, denn es gab immer wieder ein Für und Wider den Angeklagten. Der Ausgang der Geschichte war überraschend – mehr verrate ich aber nicht! Von mir gibt es 5 Sterne.
E gfröiti Sach!
säg säuber von Irene Graf
Irene Graf erzählt „e Hampfele bärndütschi Gschichte“, was so viel heisst, wie eine Handvoll berndeutsche Geschichten. Es werden die Kühe vom benachbarten Bauernhof thematisiert, das Einkaufen, das Nichtstun, neue Bekanntschaften, Weihnachten – einfach von allem ein bisschen. Komm, nimm einen Kaffee und setz Dich zu uns her! Und dann: „säg säuber!“
Erster Eindruck: Ein schlichtes Cover mit einem Kaffee und einem Herzen – gefällt mir.
Ich liebe berndeutsche Geschichten, denn ich liebe „meinen“ Dialekt: Berndeutsch. Wie bei wahrscheinlich den meisten Mundarten gibt es jedoch nicht nur DIE eine richtige Ausdrucksweise, sondern je nach Wohnort gibt es unterschiedliche Färbungen: Ein Seeländer, ein Emmentaler, ein Stadtberner oder ein Oberländer sprechen nicht alles identisch aus. Und das macht das Ganze doch auch so schön.
Das Lesen in Mundart versetzt mich immer ein wenig in ein volkstümliches Theaterstück. Jene handeln zwar meist in früheren Zeiten, aber das vorliegende Buch ist aus der heutigen Zeit.
Hier zwei Beispiele:
- „D Töibi trybt ihm dr Schweiss us. Mit hochrotem Gring stürmt er uf d Gass use. D Türe het sech no nid vom Chlupf erholt. Si chlemmt, so wi ds Glöggli chlemmt.“
- „Es isch vilech numen es Hüüchli vomne Wimpereschlag, wosi di lengscht vertrouti Umgäbig dür syni Ouge gseht. U ihre umen einisch bewusst wird, wi schöns hie eigentlech isch.“
Für mich war es das erste Buch der Autorin, aber ich habe nun bereits den Vorgängerband „säg o nüt“ ins Auge gefasst und freue mich darauf. Es waren sehr schöne Lesestunden; durch die einzelnen kleinen Geschichten lässt sich das Buch sehr gut in Etappen lesen. Sehr viele Passagen haben mich zum Schmunzeln oder auch zum Nachdenken gebracht. Zum Abschluss sage ich vielen Dank, „es isch me aus e gfröiti Sach gsi!“ 5 Sterne.
Viele bekannte Weisheiten
Drei Tage im Schnee von Ina Bhatter
Hannah lebt und arbeitet in einer Grossstadt. Sie lebt für die Arbeit und hetzt von einem Termin zum nächsten. An ihre Träume oder an sich selbst hat sie schon lange nicht mehr gedacht. Ein verlängertes Wochenende in einem kleinen Holzhaus am See soll ihr helfen, sich auf die wichtigen Dinge im Leben zu besinnen.
Als ein Kind vor ihrem Haus auftaucht und dort spielt, freunden sie sich an. Sophie zeigt ihr die längst vergessene Kindersicht und Hannah beginnt, sich an ihre eigene Kindheit zu erinnern. Und beleuchtet ihr Erwachsenenleben neu.
Erster Eindruck: Das Cover des Schutzumschlage gefällt mir sehr gut, obwohl ich keine Schutzumschläge mag. Was ich aber sehr schön finde, ist, dass die Person mit den Fussspuren auf dem Leineneinband in Gold abgebildet ist.
Hannah macht ein verlängertes Wochenende. Sie scheint kurz vor einem Burnout zu stehen und ich frage mich, ob da ein verlängertes Wochenende in der Einsamkeit Sinn macht. Aber ja, mehr lag zeitlich nicht drin, denn am Montag muss sie wieder zur Arbeit.
Das Zusammensein von Hannah und Sophie finde ich grundsätzlich natürlich schön, aber ich würde als Erwachsene nicht einfach wiederholt ein fremdes Kind zu mir ins Haus einladen. Ich würde zuerst Kontakt mit den Eltern aufnehmen und dann fragen, ob das Kind – vielleicht auch zuerst mit einem Elternteil – zu mir zu Besuch kommen kann. Es heisst doch so schön „Kindermund tut Wahrheit kund“: Kinder sagen unverfälscht die Wahrheit, die beim Empfänger zuweilen auch schmerzt, da eine Wunde getroffen wurde. Aber es bringt einen dazu, über das Gesagte zu reflektieren.
Es fällt mir nicht ganz leicht, das Buch zu bewerten, denn ich will nicht spoilern und kann daher ich auch nicht im Detail damit rausrücken, wie ich die Geschichte bzw. insbesondere den Ausgang finde. Daher nur so viel: Das Buch ist mit seinen 176 Seiten im Nu gelesen, beinhält viele bekannte Weisheiten und hat mich zum Nachdenken gebracht. Von mir gibt es 3 Sterne.
Der Adventsbaum bringt Licht
Hoffnungssterne am Adventsbaum von Brigitte Liebelt
Sommer 1846: Es ist schwer, mit der Landwirtschaft eine Familie zu ernähren, insbesondere da die Kartoffelfäule die Ernte drastisch schmälerte. Die Familie musste zusätzlich zu der schweren Arbeit auf dem Hof noch Heimarbeit annehmen, so auch Anna, die gerade die Schule beendet hatte. Ihre Tante Sophie, die als Hausmutter in der Diakonissenanstalt Kaiserswerth lebt, holt Anna zu sich, um ihr eine Ausbildung zu ermöglichen.
Im Waisenhaus wird eine neue Tradition eingeführt: der Adventsbaum. Jeden Tag werden biblische Verheissungen auswendig gelernt und auf Papiersterne geschrieben. Ein Stern wird sodann an den Baum gehängt und eine Kerze angezündet. Jeden Abend ein bisschen mehr Licht…
Erster Eindruck: Das Cover mit der jungen Frau und den einfach gekleideten Kindern rund um einen mit Papiersternen geschmückten Tannenbaum gefällt mir sehr gut.
Anna fühlt sich bei ihren Eltern nicht wohl. Es ist kein Zuhause. Es war nur ein Haus, aus dem Lachen und Liebe schon längst verschwunden sind. Verschwunden ist auch Paul, ihr Liebster. Ihr Vater hat ihn fortgejagt. Das Angebot ihrer Tante Sophie kommt gerade recht, denn schlimmer kann die Situation nicht mehr werden.
Diakonissen sind angesehene Frauen. Anna ist gleich eingeschüchtert von ihnen: Wie leicht ihnen die Arbeit von der Hand geht, wie gut sie die Bibel verstehen, wie liebevoll der Umgang mit den Waisenkindern ist. Sie kann das alles nicht. Und ausgerechnet sie soll nun dafür sorgen, dass die kleinen Kinder täglich eine Verheissung auswendig lernen – vorab muss sie den Kindern jedoch die Bibelstelle stufengerecht erzählen können. Wie soll sie das schaffen?
„Sie war gar kein Stiefkind Gottes. Er hatte einen Platz für sie vorbereitet, den sie – gerade sie – ausfüllen konnte.“
Da ich bereits den biografischen Roman „Im Dienst der Hoffnung: Friederike Fliedner“ gelesen habe, waren mir die Diakonissenanstalt und ihre Gründer, Theodor und Friederike Fliedner, nicht unbekannt. Im vorliegenden Buch ist seine erste Frau bereits verstorben und seine zweite Frau Caroline hat die Leitung des Werks übernommen. Das Buch basiert auf historischen Begebenheiten und wurde mit schriftstellerischer Freiheit um Personen ergänzt. Interessant waren die Hintergründe, die am Ende erläutert wurden, wie z.B. Theodor Fliedner, die Erfindung des Adventsbaumes oder auch das Auswendiglernen von Verheissungen. Am besten gefallen hat mir, dass vom Adventsbaum mit jedem Tag ein bisschen mehr Licht erstrahlte – 3 Sterne.
Lässt mich etwas ratlos zurück
Großmütter von Melara Mvogdobo
Zwei Grossmütter: Die eine Frau ist in einer wohlhabenden Familie in Kamerun aufgewachsen, die andere Frau in einer armen Schweizer Bauernfamilie. Trotz unterschiedlicher Herkunft gibt es einige Parallelen: Verlust von Hoffnung, grosse Enttäuschungen, Demütigungen, Gewalt, Absprechen der Rechte. Ihre Enkelinnen versuchen, die Entscheidungen der Grossmütter zu verstehen…
Erster Eindruck: Das Cover des Schutzumschlages gefällt mir leider so gar nicht (zudem mag ich keine Schutzumschläge), aber dafür hat mich die Inhaltsbeschreibung umso mehr angesprochen.
Es werden zwei Geschichten abwechslungsweise erzählt, einerseits die der Frau aus dem Emmental, und andererseits die der Frau aus Kamerun. Der Part betreffend Kamerun ist in rotbrauner Schrift verfasst. Dies hat mich überrascht, denn wenn jemand farbenblind ist, ist doch die grösste Schwäche die Rot-Grün-Problematik. Aus meiner Sicht daher nicht optimal gewählt. Ich hätte lieber Namen anstatt farbige Schriften gehabt.
Das Buch mit 128 Seiten ist nur ein Büchlein und da ist es nachvollziehbar, dass die Geschichten schnell erzählt werden müssen. Ich hatte das Gefühl, durch zwei Leben „durchzurasen“, denn schliesslich bekamen wir Einblicke in zwei Leben als junge Frauen bis sie Grossmütter sind. Es sind starke Frauen, die – trotz allem – kraftvoll ihr Leben meistern. Dann war das Buch auch schon zu Ende. Mit dem Ausgang der Geschichten habe ich nicht gerechnet; ich bleibe etwas ratlos zurück, denn ich habe nicht ganz verstanden, was die Autorin mir damit sagen wollte. Ich kann nicht ins Detail gehen, ohne zu spoilern – 4 Sterne.
Grossartig!
ANNA von Annina Keller
Annas Weg als Bauerntochter im Emmental, geboren im Jahr 1869, war vorbestimmt, wie für viele junge Frauen in der damaligen Zeit: Einen Mann finden, heiraten, Kinder kriegen, hart arbeiten. Anna konnte sich dies durchaus vorstellen, und zwar mit Paul, für den ihr Herz schneller schlug. Dann durchkreuzte das Leben ihre Träume, denn der Wirt der „Krone“ in Zäziwil, wo sie arbeitete, verlor seine Frau und stand allein mit den Kindern und dem Gasthaus da.
Er bat Anna, von der Küche in die Stube zu wechseln. Anna liess ihr Pflichtbewusstsein über das Herz entscheiden und wurde sodann mit 25 Jahren Ehefrau, Mutter von acht Kindern und Wirtin. Paul war zutiefst enttäuscht und verliess die Schweiz. Es kam erst Jahrzehnte später zu einem Wiedersehen…
Erster Eindruck: Auf dem Cover eine Frau in einer Berner Tracht – gefällt mir. Der Buchtitel mit einem gespiegelten „N“ ist überraschend.
Die Autorin erzählt die Geschichte von ihrer Ururgrossmutter Anna, beginnend im Jahr 1894. Anna war eine starke Frau, die sich immer darin schickte, aus dem Vorhandenen das Beste zu machen. Auch wenn es nicht zu ihren eigenen Gunsten war. Es ist aus heutiger Sicht sehr schwer vorstellbar, den Weg, den Anna eingeschlagen hat, nachzugehen. Als 25-jährige Frau einen achtfachen Vater zu heiraten und somit von jetzt auf gleich Mutter zu sein? Das nenne ich mal ins kalte Wasser springen! Mir hat schier das Herz geblutet, als sie Paul ihre Entscheidung mitteilte – mir taten beide so leid!
„Am liebsten würde er das Leben verfluchen, Fritz eine reinhauen und Anna trotz allem heiraten. Seine liebe Anna.“
Sie schickt sich in ihr neues Leben und wächst an den Herausforderungen. Das Leben mit Fritz ist gut, doch denkt sie trotzdem immer wieder mal an Paul. Es hat sie traurig gemacht, dass er die Schweiz wegen ihr verlassen hat. Aber mit dem Schicksal zu hadern, nützt auch nichts. So vergehen die Jahre. Als Fritz verstirbt, steht plötzlich Paul wieder in der „Krone“ – was will er hier? Er sieht immer noch gut aus; die Jahre im Ausland scheinen ihm nicht geschadet zu haben…
Ich habe das Buch als E-Book gelesen. Dabei hat es einen QR-Code zu einer Website, wo zig Bilder über Anna und ihre Lieben abgebildet sind. Es lohnt sich absolut, diese anzusehen, denn so werden die Protagonisten lebendiger. Das Buch hat sich flüssig lesen lassen und ich sah das Ganze wie eine Gotthelf-Verfilmung vor meinem inneren Auge ablaufen. Ich habe das eine oder andere Mal tief geseufzt, kurz innegehalten, den Kopf geschüttelt oder ein Tränchen unterdrückt und dann schnell weitergelesen. Ich würde wahnsinnig gerne noch viel über Annas Leben, ihre Entscheidungen, ihre Liebe und auch ihren Mut erzählen, aber ich will nicht spoilern. Daher: unbedingt lesen! Von mir gibt es 5 Sterne.











