Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Petra:
Mal was anderes
Statt aus dem Fenster zu schauen von Anna Katharina Scheidemantel
Statt aus dem Fenster zu schauen und darüber nachzudenken was wäre wenn, einfach mal machen. So handhabt es Sophie, sie kauft auf Kleinanzeigen einfach mal ein Haus in der ostdeutschen Provinz für ihre ersparten dreitausend Euro. Vorher war sie berechenbar, eine Einser Schülerin, fokussiert im Studium, fleißig usw.
nun von heute auf morgen hat sie ihr Praktikum hin geschmissen und zieht aufs Land.
Sophie ist ein gutes Beispiel für eine junge Frau die die in sie gesetzen Erwartungen erfüllt. Die ihrer Umwelt aber auch ihre eigenen. Aber ist es auch das Leben das sie haben will. Ist sie glücklich, ist es das was sie sich für ihre Zukunft vorstellt. Einfach mal eine Auszeit nehmen, Luft holen, etwas anderes Sehen und Erleben, mal pausieren, entschleunigen, andere Sichtweisen kennenlernen. Dazu gehört Mut und Selbstbewusstsein, aushalten können, wenn andere sagen wie kannst du nur.
Das alles findet sich auf diesen Seiten, wenig Aufregendes, nicht unbedingt spannend, trotzdem dieser auf einmal gegensätzliche Lebensentwurf macht nachdenklich. Wie war es bei einem selber. Bin ich den Erwartungen gefolgt oder ist mein Leben bisher so abgelaufen wie ich es mir erträumt und gewünscht habe. Das Buch stellt automatisch diese Frage, fordert den Vergleich, für mich passt es, hoffentlich auch für andere Leser und wenn nicht das Leben ist zu kurz um nicht doch noch etwas zu ändern.
Mut
Pina fällt aus von Vera Zischke
Es heißt es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind zu erziehen. Umgemünzt auf dieses Buch, braucht es drei seltene Vögel um einen gehandicapten jungen Mann durch das Leben zu begleiten.
Pina ist allein erziehend mit einem autiistischen Sohn. Als sie eines Tages zusammenbricht und ins Krankenhaus kommt.
Steht ihr Sohn Leo allein da, er ist aufgrund seiner eingeschränkten Kommunikation nicht fähig sein Leben allein zu bewältigen. Im Haus lebt noch die 86jährige Lilly, die junge rebellische Zola und der zurückhaltende Woitzek. Eigentlich leben die vier Parteien nebeneinander her. Nur Lilly und Pina haben ein wenig Kontakt. Pina kauft ein, während dessen passt Lilly auf Leo auf. Ansonsten lebt jeder für sich und allein.
Nun stehen die drei vor der schier unmöglichen Aufgabe sich um Leo zu kümmern.
Die Autorin beschreibt in diesem Buch wie Menschen über sich selbst hinaus wachsen. Allle haben ein Handycap nicht nur Leo. Bei Lilly ist es die Einsamkeit, sie hat sich zurück gezogen nachdem ihr Mann starb, Zola ist nur zornig auf alles und jeden. Woitzek, ist als Kind aus Polen gekommen und nie richtig heimisch geworden. Gemeinsam wachsen sie an ihrer Aufgabe über sich hinaus. Sie betrachten die Umwelt nicht mehr als etwas was eine Gefahr darstellt sondern als eine Herausforderung bei der sie Leo helfen sie zu bewältigen. Pina muss dagegen lernen das sie auch Befürfnisse hat, das sie nicht alles allein schaffen kann.
Die Figuren sind jede für sich sympathisch, unterschiedlich in ihrem Auftreten, trotzdem kann man sie verstehen, sich in sie hinein versetzen und ihre Gedanken nachvollziehen. Gemeinsam versucht man mit ihnen Leos Bedürfnisse zu verstehen und ihm in seiner eigenen Welt begleiten. Leos Blick wie er beschrieben wird, möchte ich als Leserin auch einmal erleben und dann wissen das er mich für einen kurzen Moment in seine Welt mitgenommen hat.
Einsamkeit
Ein Buchclub zum Verlieben von Lucy Gilmore
Der Griesgram Arthur und die zurückhaltende Sloane liefern sich in der Bibliothek jeden Tag Wortgefechte über Bücher, deren Inhalte und ihre Interpretationen dazu. Selten sind sie einer Meinung, ansonsten haben sie nichts miteinander zu tun. Bis zu dem Tag als Arthur nicht kommt, Sloane macht sich Sorgen das dem alten Herrn etwas passiert sein könnte.
Sie riskiert sogar ihren Job um das heraus zu finden. Aber nicht nur sie macht sich Sorgen um den alten Griesgram der die Menschen reihenweise mit seinen Sprüchen vorDam dem Kopf stösst.
Ein großes Thema in diesem Roman ist die Einsamkeit, vor allem die entsteht wenn ein geliebter Mensch stirbt und man allein zurück bleibt. Damit umzugehen ist schwer. Ein Job oder Kinder können diesen Verlust nicht kompensieren.
Die Beschreibung wie ein gemeinsames Interesse, diese Einsamkeit auflöst, wie dadurch neue Freundschaften entstehen und auch wie dadurch entstandene Wunden wieder heilen können, ist der Autorin sehr gut gelungen. Ohne Pathos mit Humor und Feingefühl lässt sie Menschen um uns herum entstehen, die trotz geäußerter Gemeinheiten mir sympathisch wurden und die anderen waren sowieso vom ersten Moment an liebenswert. Dazu kommt natürlich die Liebe zu Büchern und das einige meiner Lieblingsbücher in diesem Roman Einzug gehalten haben.
Ein besonderes Highlight für mich war das es in diesem Buch vor allem um eine platonische Liebe zu dem Buchclub ging und es keine romantische Liebe war.
Ein skurriles Paar
Ziemlich beste Verbrecher von Sunil Mann
Aloys und Berta leben in einer Zufallsgemeinschaft zusammen. Als ehemalige Angestellte von Frau Grafenried leben sie in deren Villa. Er war Gesellschafter der Dame und sie die Köchin. Ihren Lebensunterhalt bestreiten sie mit kleinen Schwindeleien und Diebstählen, so jedenfalls ihre Interpretation. Was andere bzw.
die Polizei darüber denken würde steht auf einem anderen Blatt.
Nun erhält Aloys den Auftrag eine verschwundene ältere Dame wieder aufzufinden. Eine Aufgabe die immer mehr Tücken hat, die Recherchen bringen Dinge und Ereignisse an den Tag die erstmal nichts mit dem Verschwinden zu tun haben. Vor allem weil die Ermittlungsstrategien zu wünschen übrig lassen. Erst als Berta mit ihren Fähigkeiten am PC zur Hilfe kommt, wird es etwas übersichtlicher.
Die beiden finden eine Menge heraus, nur nicht das was sie sollen.
Der Schreibstil ist fesselnd, die Beschwerden des Alters sind ein großes Handycab und bei der Vorstellung tun mir die beiden leid. Aber eine Aufgabe bringt Leben in die Bude, Langeweile Adieu, Einsamkeit verzieh dich.
Alle Kompenenten des Alterns und die damit einhergehenden Probleme sind im Hintergrund eine Erwähnung wert. Aber wie die beiden Siebzigjährigen damit umgehen Chapeau.
Die Teilhabe an den Ermittlungen und dem Leben ist spannend, man kann schmunzeln und auch denken naja, es ginge auch anders aber warum nicht.
Ich hoffe sehr die Geschichte geht weiter, denn ich würde die beiden sonst in meinem Buchalltag sehr vermissen. Denn ich möchte unbedingt wissen wie es weitergeht. Ob sie wieder als Ermittler arbeiten, ob sich ein neuer Geschäftszweig auftut und wie das Leben im allgemeinen mit Nachbarn und anderen Angestellten in der Villa vonstatten geht.
Eine begnadete Haus Hexe
The House Witch 1 von Delemhach Emilie Nikota
Fin ist ein begnadeter Koch, alles was er zaubert schmeckt jedem, sogar Personen mit empfindlichen Magen oder besonderen Gelüsten sind nach seinem Essen glücklich. Er ist der neue Chefkoch im Königreich Daxaria. Ein Königreich das etwas Besonderes hat, einen Herscher der sein Volk liebt und es beschützen will.
Gegen weniger angenehme Könige in der Umgebung. Dafür braucht er jede Hilfe die er bekommen kann. Dazu gehört eben auch das die Menschen nach einem guten Essen bessere Entscheidungen treffen. Außerdem ist Fin eine Haushexe ( was nicht jedem bekannt ist und auch nicht soll ). Seine Magie sorgt für Sicherheit und Zufriedenheit in seinem Zuhause und für alle Menschen die darin wohnen.
Es ist wunderbar zu lesen, wie anscheinend so gering erachtete Elemente wie Zufriedenheit und Frieden soviel Glück hervor rufen. Wie die ungehobelten Ritter lernen das mit wenig anders gesetzen Worten Freundschaften entstehen, Bindungen die weit über Kameradschaft und Truppenzugehörigkeit hinausgehen.
Im Grunde vermittelt die Autorin das gutes Benehmen keine Glücksache ist, sondern lebensnotwendig sein kann. Das Mut nicht aus Kraft besteht sondern aus Verständnis für die Umgebung und ihre Menschen.
All diese Gedanken sind humorvoll umgesetzt, die kleinen Hexereien und Zaubertricks haben nichts mit Machtdemonstrationen zu tun. Sondern mit Kraft die aus dem Inneren kommt, die aus Verzweiflung, Zorn oder Beschützerinstinkt erwächst. Empfindungen die gegen Ungerechtigkeit kämpfen.
Das Buch ist das 1. einer Serie. Es kommt einem beim Lesen nicht so vor. Denn immer wieder wird eine Szene abgeschlossen, es bleibt nichts unvollendet. Obwohl am Ende ganz klar steht, das Leben geht weiter und hat noch viele Überraschungen und Ereignisse parat.
Eine starke Frau
Der Gesang der See von Trude Teige
Kristiana ist eine starke junge Frau, sie hat ihrem Vater versprochen dass das Lotsenamt immer in ihrer Familie bleibt. Ein schweres Versprechen denn als Frau obwohl sie die Fähigkeiten hat, darf sie es nicht ausüben. Als sie Witwe wird muss sie bald wieder heiraten und dieser Mann muss die Lotsenprüfung ablegen.
Gegen alle Widerstände erfüllt sie ihre Aufgabe.
Es geschieht eigentlich wenig in diesem Buch, denn das Leben auf der kargen Nordseeinsel in Norwegen bietet wenig. Außer sehr viel Arbeit die oft gerade nur zum Überleben reicht. Für die Frauen ist es noch schlimmer denn sie müssen zuhause warten bis die Männer vom Fischfang zurückkehren und oft kommen sie nicht wieder. Dann sind sie mit den Kindern allein. Angesichts dieser Umstände bleiben sie oft Witwen und haben wenig für ihren Lebensunterhalt.
Dieses Leben erzählt die Autorin atmosphärisch sehr dicht, so intensiv das man sich in diesen Ort hinein versetzt fühlt. Man riecht den Fisch, hört das Meer und hat Angst, Angst bis in die Knochen um den Mann der überfällig ist.
Beim Lesen spürt man selber die Wut, wenn man als Frau als Mensch zweiter Klasse angesehen wird, vor allem wenn die Überheblichkeit der Männer einfach nur albern wirkt.
Diese Intensität schaffen wenig Autoren, es gibt spannende Bücher die man nicht aus der Hand legen kann weil man wissen will wie es weitergeht, bei diesem Buch ist es ein ganz besonderes Gefühl: man will nicht auftauchen aus dieser so anderen Welt, man will bleiben Und Kristiana hautnah erleben und an ihrer Stärke teilnehmen, das geht nur wenn man weiterhin in diesem Buch versunken bleibt. Daraus auftauchen zurück in unserem komfortablen Alltag ist wie ein Schock.
Ich habe das Buch durch gesuchtet und bin dennoch nicht damit fertig, es wird lange nachhallen.
Wohlstand ist nicht immer gut
Zwischen Gut und Böse von Dora Heldt
Hier ist sie wieder die Rentner Soko auf Sylt die der Meinung ist die dortige Polizei braucht Unterstützung. Mit nur ein paar Anhaltspunkten, viele Verdachtsmomente und ein extremes Empfinden für Gut und Böse kommen sie Verbrechern und Wohlstandsverwahrlosten auf die Spur. Eigentlich logisch das es solche Figuren auf Sylt gibt.
Die Insel der Schönen und Reichen, aber es leben auch ein paar Einheimische dort. Menschen wie Karl und Gerda, Onno und Maren, Ilse und Charlotte. Sie sind weder reich noch schön, sie haben gesunden Menschenverstand und das Herz auf dem rechten Fleck. Außerdem sind sie gut vernetzt innerhalb der arbeitenden Bevölkerung, wenn sie fragen bekommen sie Antworten.
Voller Humor erzählt die Autorin und auch voller Liebe zu dieser Insel. Durch die Einheimischen erscheint die Insel, die oft in den Schlagzeilen ist, trotzdem vollkommen normal mit Schafen und Fischbrötchen.
Es ist leider der dritte und letzte Band um diese umtriebigen Senioren. Ich werde sie vermissen aber egal welches Buch man von Dora Heldt in die Hand nimmt, man wird gut unterhalten.
Gelungene Fortsetzung
Cassandra Morgan, Band 2 - Die magische Flöte von Skye McKenna
Cassandra hat sich eingewöhnt im Haus der Haghexe,ihrer Tante Miranda. Zwar sucht sie immer noch nach Hinweisen zu ihrer Mutter aber sie hat Freundinnen, eine Aufgabe und ein Zuhause in dem sie sich wohlfühlt.
Nun kommt auch noch ihr Cousin dazu, der Junge ist totunglücklich und sie muss ihn unter ihre Fittiche nehmen.
Außerdem liegt ein Fluch über dem Dorf, der Erlkönig will ein gefährliches Artefakt und die Dorfbewohner sollen es für ihn suchen.
Der Titel und der Klappentext irritieren etwas. Es sind von zwei verschiedenen Artefakten die Rede. Beide haben in der Geschichte aber ihre Aufgaben und es wird dadurch richtig spannend.
Cassandra entwickelt sich von einer impulsgesteuerten Jugendlichen zu einer die sich erst Gedanken macht bevor sie loslegt. Sie bezieht ihre Freundinnen in ihre Gedanken ein und zusammen kommen sie auf vernünftige Lösungen.
Die Frage was mit ihrer Mutter geschehen ist bleibt weiter offen aber vielleicht gibt es im dritten Band der im November erscheint ein glückliches Wiedersehen.
Konkurrenz, politisches Kalkül oder Rache
Im Auftrag der Fugger - Teufelsreigen von Peter Dempf
Ava und Hervart arbeiten für Jacob Fugger. Den bekannten Kaufmann aus Augsburg, er verkauft in der ganzen bekannten Welt und rührt auch politisch in vielen Töpfen. Fugger ist eine reale Person im fünfzehnten Jahrhundert. Während Ava und Hervart fiktionale Personen sind. Ihre Abenteuer beruhen auf geschichtlichen Tatsachen.
Die Ausschmückung dagegen ist dem Kopf des Autors entsprungen.Es
Tatsache ist: Fugger hat Schwierigkeiten, seine Lieferungen werden beschädigt oder verschwinden ganz, seine Angestellten werden bedroht oder verletzt. Es liegt an der Konkurrenz und an seinem politschen Handeln. Ava und Hervart sollen heraus finden wer genau dahinter steckt.
Die historischen Figuren wirken distanziiert, als ob der Autor sich streng an die bekannten Tatsachen gehalten hat. Beispiel Javob Fugger war nach den historischen Beschreibungen ein berechnender Mann, zwar auch Wohltäter aber immer mit dem Hintergedanken an sieinen Vorteil. Diese Beschreibung findet sich auch im Roman wieder, er zahlt gut, denn nur gut bezahlte Leute sind loyal und leisten gute Arbeit.
Im Gegensatz dazu sind die fiktiven Figuren. Sie wrken lebendig Sie machen den Roman spannend, man kann ihren Hang zum Abenteuer und den Wunsch nach einem besseren Leben nachvollziehen. Denn Fugger ist einer der Wenigen die das möglcih machen.
Die Mischung ist gelungen, der Autor hat die Historie in eine spannende Geschichte eingebaut. Gleichzeitig hat er die Tatsachen nicht verbogen oder für die Geschichte an andere Orte oder Zeiten verlegt. Das stört mich immer bei seinen Kollegen. Denn wenn man Spaß an Geschichte hat, möchte man das das Drumherum stimmt.
Im Sturm
Fünf Fremde von Romy Fölck
Auf Neuwerk sind vor 30 Jahren zwei Jugendliche verschwunden. Dieses Unglück hat für alle Nachwirkungen. Freunde, Verwandte, Inselbewohner, Lehrer und Besucher. Jeder hat davon erfahren, keiner weiß was passiert ist. Nun im Jahr 2025 treffen verschiendene Personen auf die Insel ein, aus verschiedenen Gründen alle stehen irgendwie im Zusammenhang mit dem damaligen Ereignis.
Ganz langsam führt uns die Autorin an die Ereignisse damals und heute heran. Wir erleben mehr von dem nahendne Sturm als von den Gedanken und Gefühlen der Protagonisten. Die kleine Insel mitten im Orkan, dieses klaustropobische Setting überträgt sich beim Lesen. Der laute unheimliche Wind, das Knarren der Bäume und Dächer, die Wucht der Böen, es ist als ob man es spürt. Über allem liegen die Unsicherheiten, warum sind diese Personen auf der Insel, die eine weil sie eine Auszeit vom Job braucht und sich um ihre Mutter kümmern will, die andere um eine alte Freundin zu besuchen, Das sind ganz allgemeine Themen aber unterschwellig ist da mehr. Darüber erfahren wir nach und nach. Auch was vor dreißig Jahren passiert ist. Ganz langsam erleben wir Teenager im Schullandheim, harmlose Streiche, erste Liebeleien usw. Die Steigerung der Erwartung wann kommt es zum Verbrechen oder einem anderem Ereignis ist kaum auszuhalten. Immer mehr Hinweise, Indizien, begonnene Gespräche. Allmählich reimt man sich als Leser etwas zusammen. Dann das fulminante Ende. Mit allem war zu rechnen, aber das was dann kam nicht. Soviel verqueres Denken kann man sich kaum ausdenken, aber nach dem Sacken lassen, erscheint es auf eine absonderliche Art logisch. Schrecklich, abartig, Rache eben.











