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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von LeserinLu :

Witzig und realistisch

Laura Clark ist dann mal weg von Helen Russell

In dem Roman „Laura Clark ist dann mal weg“ geht es um das Gedankenexperiment, was passieren würde, wenn die Person, die im Hintergrund immer alles zusammenhält, plötzlich einfach verschwindet. Laura selbst bleibt im Roman über weite Strecken abwesend. Statt ihre Geschichte direkt zu erzählen, setzt sich nach und nach aus den Perspektiven der Menschen um sie herum zusammen, warum sie verschwunden ist.

Dieses erzählerische Konzept hat mir richtig gut gefallen. Mit jedem Kapitel wird deutlicher, wie sehr Laura das Leben aller anderen organisiert, getragen und zusammengehalten hat und wie selbstverständlich ihre Arbeit für alle geworden ist.

Besonders unterhaltsam fand ich die Kapitel aus der Sicht ihres narzisstischen Ehemanns Mark. Das war vielleicht etwas überzeichnet, aber trotzdem steckt hinter dieser Karikatur eines Ehemanns eine kluge Auseinandersetzung mit unbezahlter Carearbeit, mentaler Last und den oft unsichtbaren Aufgaben. Gerade diese Mischung aus Witz und Tiefgang hat mich überzeugt. Der Roman hält niemandem belehrend den Spiegel vor, sondern zeigt durch seine Figuren und ihre Reaktionen, was passiert, wenn all die kleinen Dinge plötzlich nicht mehr erledigt werden.

„Laura Clark ist dann mal weg“ liest sich leicht und humorvoll, regt aber gleichzeitig zum Nachdenken über Rollenbilder und Wertschätzung an. Hat mir richtig gut gefallen!

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Schön cozy

Mord ohne Vorwort von Freya Sampson

Im Mittelpunkt des Romans steht ein eigenwilliger Buchclub, dessen Mitglieder unterschiedlicher kaum sein könnten. Von der Agatha-Christie-liebenden Rentnerin über den schüchternen Teenager bis hin zur neuen Buchclubleiterin bringt jede Figur ihre ganz eigene Persönlichkeit mit. Die Charaktere sind skurril, nur selten überzeichnet und wirken liebenswert und authentisch.

Besonders als Vielleserin hatte ich außerdem Spaß daran, die vielen Verweise auf bekannte Bücher und Krimis zu entdecken.

Auch der eigentliche Kriminalfall konnte mich gut unterhalten. Die Ermittlungen verlaufen in klassischer Cozy-Crime-Manier mit viel britischem Humor, sympathischen Hobbydetektiv:innen und ohne übertriebene Brutalität. Im Vordergrund stehen die Figuren und ihr Miteinander, also genau das, was ich mir von diesem Genre wünsche. Besonders positiv überrascht hat mich dabei das Ende. Es verzichtet auf unnötige Klischees und wählt stattdessen eine Auflösung, die für mich stimmig und erfrischend anders war. Das hat den Roman für mich noch einmal aufgewertet.

„Mord ohne Vorwort“ ist genau die Art von Wohlfühlkrimi, die ich gerne lese: charmant, humorvoll, voller Bücherliebe und mit Figuren, mit denen man am liebsten selbst im Buchclub sitzen würde.

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Besondere Liebesgeschichte

Magisch von Annika Büsing

Ich bin einfach Fan von Annika Büsing: Mit ihrer reduzierten, pointierten Sprache erzählt sie eine Liebesgeschichte, die ganz unaufgeregt daherkommt und mir gerade deshalb so gefallen hat.

Die beiden Protagonisten Marie und Magisch waren mir sofort sympathisch, weil sie beide offen und ehrlich kommunizieren und sich außerdem für ihre Mitmenschen einsetzen.

Marie ist selbstbewusst und schlagfertig, Magisch einfach eine absolute green flag. Ich fand es sehr erfrischend, mal nicht über eine toxische oder romantisierte Liebesbeziehung zu lesen, sondern einfach über ein authentisches Paar, das ohne großes Drama wieder zusammenfindet.

Es geht außerdem auch noch um Geschwisterliebe, um Loyalität, um den Rechtsruck in unserer Gesellschaft und um die Frage, wie weit familiäre Verbundenheit reichen kann, wenn politische Überzeugungen unüberbrückbar erscheinen. Dabei wirkt nichts belehrend oder konstruiert. „Magisch“ ist damit auch ein Roman, der Mut macht für die eigenen Überzeugungen einzustehen, Haltung zu zeigen und für die Menschen zu kämpfen, die einem wichtig sind. Empfehlung!

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Nichts für schwache Nerven

Honey von Imani Thompson

„Honey“ ist definitiv kein Roman für schwache Nerven. Zwischen expliziter Gewalt, schwarzem Humor und akademischen Exkursen entsteht eine Mischung, die mich immer wieder überrascht und auf keiner Seite gelangweilt hat.

Im Mittelpunkt steht Yrsa, Doktorandin in Cambridge, die sich in einer Welt behaupten muss, die von Machtgefällen, Rassismus und Sexismus geprägt ist.

Als ein Professor die Forschungsergebnisse ihrer Freundin für sich beansprucht und schließlich durch einen scheinbar harmlosen Streich Yrsas stirbt, gerät eine Spirale aus Gewalt und Rache in Gang.

Was mir besonders gefallen hat, ist die ungewöhnliche Erzählweise. Einerseits ist der Roman stellenweise sehr derb und explizit, andererseits gibt es immer wieder überraschend akademische Passagen durch Einblicke in Yrsas Doktorarbeit, die dem Roman eine weitere Ebene geben. Diese Verbindung aus Campusroman, Thriller und Gesellschaftskritik habe ich so noch nicht gelesen. Yrsas Radikalität und ihre moralischen Grauzonen werfen immer wieder die Frage auf, wie Menschen mit struktureller Ungerechtigkeit umgehen und wann der Wunsch nach Gerechtigkeit in etwas anderes umschlägt.

„Honey“ ist sicher kein Buch für jede:n. Wer eine klassische Thrillerhandlung oder einen geradlinigen Campusroman erwartet, könnte überrascht werden. Wer sich aber auf diese ungewöhnliche Mischung einlässt, bekommt einen provokanten und stellenweise verstörenden Roman, der definitiv nicht langweilig ist.

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Authentisch

Wir waren Wunder von Stefan Cordes

Mit „Wir waren Wunder“ gelingt es Stefan Cordes nach „Billie“ erneut, eine fast vergessene historische Persönlichkeit so lebendig werden zu lassen, dass sie sich anfühlt wie eine Frau aus der Gegenwart. Der Roman erzählt von der außergewöhnlich begabten Musikerin Mariann Mozart, deren Talent von ihrem eigenen Vater zunächst gefeiert und schließlich systematisch unterdrückt wird.

Leopold Mozart erscheint dabei als ein Mann, dessen Ehrgeiz und Geltungsdrang das Leben seiner Kinder bestimmen. Besonders die Vater-Tochter-Beziehung hat mich beim Lesen immer wieder wütend gemacht. Ich habe mit Mariann mitgelitten, ihren Schmerz und ihre Enttäuschung gespürt und ihrem Vater mehr als einmal die Stirn bieten wollen. Gleichzeitig tat mir auch Wolfgang leid, der ebenfalls unter den Erwartungen seines Vaters zu leiden hatte, wenn auch auf ganz andere Weise.

Was mir besonders gefallen hat, ist die Art, wie Cordes erzählt. Trotz des historischen Settings wirkt die Sprache leicht, modern und nahbar. Nie hatte ich das Gefühl, einen klassischen historischen Roman zu lesen. Stattdessen war ich ganz in Marianns Gedanken und Gefühlen und habe jede ihrer Entscheidungen mitverfolgt. Toll fand ich außerdem, dass der Roman das tragische Schicksal seiner Protagonistin nie ausschlachtet. Die Geschichte ist bewegend, ohne kitschig oder überdramatisch erzählt zu werden.

Für mich ist „Wir waren Wunder“ ein Roman, der einen ganz neuen Blick auf die Familie Mozart wirft. Es ist ein Buch über weibliches Talent, das unsichtbar gemacht wird, und über familiäre Machtverhältnisse. Christian Cordes hat mich auch mit diesem Roman wieder überzeugt. Ich werde auch sein nächstes Buch ganz sicher lesen.

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Oberflächlich

Alice im Land der Ideen von Roger-Pol Droit

Die Grundidee, Alice wie ihre berühmte Namensvetterin durch ein „Land der Ideen“ reisen zu lassen und dabei den großen Philosoph:innen zu begegnen, klang zunächst vielversprechend. Für mich funktionierte dieses erzählerische Konzept jedoch kaum. Das Setting wirkte zunehmend albern und schien vor allem dazu zu dienen, die eher oberflächlichen Erklärungen zu den einzelnen Denkern (!) aufzulockern.

Darüber hinaus hatte die Rahmenhandlung für mich aber kaum eine eigene Funktion oder Entwicklung.

Auch inhaltlich blieb ich etwas enttäuscht zurück. Das Buch konzentriert sich fast ausschließlich auf den westlichen philosophischen Kanon. Nichteuropäische Denktraditionen tauchen nur als Exkurs und in Form von Religion auf. Gerade bei einer Frage wie „Wie sollen wir leben?“ hätte ich mir gewünscht, dass auch philosophische Konzepte wie Ubuntu oder Buen Vivir ihren Platz finden. Diese Perspektiven bieten spannende Antworten auf aktuelle Fragen des Zusammenlebens und der Klimakrise und hätten den Blick über Europa hinaus deutlich bereichert.

Wer einen literarisch gelungenen und gleichzeitig fundierten Einstieg in die westliche Philosophie sucht, ist meiner Meinung nach mit „Sophies Welt“ deutlich besser beraten. Und wer sich für konkrete Überlegungen zu einem verantwortungsvollen Leben in der Gegenwart interessiert, findet bei Timothy Snyder wesentlich inspirierendere Denkanstöße als in diesem Buch. Schade!

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Warmherzige Familiengeschichte

Ein Riesenspaß für die ganze Familie von Jennifer E. Smith

Familiengeschichten ziehen mich fast immer in ihren Bann und auch „Ein Riesenspaß für die ganze Familie“ hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Im Mittelpunkt stehen vier Geschwister, die sich über Jahre entfremdet haben und durch ein chaotisches Familientreffen in North Dakota wieder miteinander konfrontiert werden.

Dabei geht es um alte Verletzungen, unerfüllte Wünsche und die Frage, ob ein Neuanfang auch nach langer Funkstille noch möglich ist.

Besonders mochte ich den flüssigen Schreibstil. Das Buch liest sich angenehm leicht, ohne oberflächlich zu sein, und die wechselnden Perspektiven sorgen dafür, dass man jede Figur besser kennenlernt. Mit jedem Kapitel öffnet sich ein weiteres Fenster in das Leben der Geschwister und nach und nach setzt sich das Familienbild zusammen. Auch die Charaktere haben mir gut gefallen. Da sie sehr unterschiedlich sind und ganz verschiedene Lebensentwürfe verfolgen, fand ich sie interessant und vielschichtig. Jede Figur bringt ihre eigenen Konflikte mit, sodass ich neugierig blieb, wie sich die Beziehungen untereinander entwickeln würden.

Das Erzähltempo war mir irgendwann allerdings etwas zu langsam. Manche Entwicklungen wurden für meinen Geschmack etwas zu ausführlich behandelt. Vor allem die wiederkehrende Betonung, dass die Geschwister trotz der jahrelangen Funkstille immer wieder aneinander denken und emotional miteinander verbunden bleiben, hatte ich schon früh verstanden. Hier hätte ich mir etwas mehr Straffung gewünscht, denn einige Wiederholungen haben die Handlung stellenweise ausgebremst.

Trotzdem hat mich der Roman mit seiner Mischung aus Familiengeheimnissen und emotionalen Konflikten gut unterhalten. Ein ruhiger, warmherziger Familienroman mit interessanten Figuren, der für mich nur ein wenig kürzer hätte sein dürfen!

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Nachdenklich

Wirf einen Schatten von Elena Fischer

„Wirf einen Schatten“ war für mich ein Buch, das vor allem durch seine Atmosphäre und seine Figuren gewirkt hat. Ich bin mit anderen Erwartungen an die Geschichte herangegangen und war zunächst überrascht, wie ruhig und entschleunigt sie erzählt wird. Im Mittelpunkt steht Joseph, ein Mann, der sein Leben lang gelernt hat zu funktionieren, aber nie wirklich gelernt hat, über seine Gefühle zu sprechen.

Joseph war für mich eine Figur, mit der ich sehr mitfühlen konnte, gerade weil er so unauffällig und menschlich wirkt. Seine Sehnsucht nach Nähe, sein Bedauern über verpasste Chancen und seine Schwierigkeiten, sich anderen zu öffnen, waren sehr emphatisch dargestellt. Besonders gefallen hat mir dabei die Sprache des Romans. Sie ist ruhig, oft poetisch und transportiert die melancholische Stimmung der Geschichte. Viele Kapitel leben weniger von dramatischen Ereignissen als von Gedanken und Erinnerungen.

„Wirf einen Schatten“ ist kein lauter Roman und keine Geschichte voller Wendungen. Stattdessen erzählt er langsam, nachdenklich und einfühlsam von Menschen, die lernen müssen, sich ihren Wahrheiten zu stellen. Gerade diese Ruhe und Melancholie haben das Buch für mich besonders gemacht.

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Praktische Theorie

Was Sie (wirklich) über Erziehung wissen müssen von Tillmann Prüfer

Aufgrund des Titels habe ich mehr mit einem klassischen Erziehungsratgeber voller konkreter Handlungsempfehlungen und Tipps für den Familienalltag gerechnet. Bekommen habe ich stattdessen etwas, das ich viel spannender fand: eine fundierte Einordnung dessen, was die Wissenschaft tatsächlich über Erziehung weiß und was eben nicht.

Tillmann Prüfer arbeitet sich durch Studien, Forschungsergebnisse und pädagogische Debatten und schafft es dabei, komplexe Zusammenhänge verständlich und unterhaltsam aufzubereiten. Statt einfache Antworten zu liefern, zeigt er, wo wissenschaftlicher Konsens besteht, wo Unsicherheiten bleiben und wie sich Erkenntnisse im Laufe der Zeit verändern. Besonders interessant fand ich, dass einige Annahmen, die ich selbst noch aus meinem Pädagogikstudium kannte, inzwischen durch neuere Forschung anders bewertet werden. Gerade diese Einblicke in die Entwicklung wissenschaftlicher Erkenntnisse haben das Buch für mich besonders lesenswert gemacht.

Trotz seines wissenschaftlichen Ansatzes ist das Buch keineswegs trocken. Es liest sich angenehm zugänglich und vermittelt immer wieder das beruhigende Gefühl, dass gute Erziehung nicht davon abhängt, jede aktuelle Mode oder jeden Ratgebertrend perfekt umzusetzen. Stattdessen wird deutlich, wie wichtig Beziehung, gemeinsame Zeit und ein reflektierter Umgang mit den eigenen Entscheidungen sind. Das Buch ist daher sehr ermutigend. Es nimmt Eltern den Druck, alles richtig machen zu müssen, ohne dabei beliebig zu werden.

Für mich war das eine sehr gelungene Mischung aus Wissenschaftsjournalismus, Pädagogik und alltagsnaher Reflexion. Wer sich für Erziehung interessiert und dabei lieber verstehen möchte, was hinter den Empfehlungen steckt, statt einfach nur Anleitungen zu bekommen, sollte dieses Buch unbedingt lesen.

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Berührend

Restsommer von Kea von Garnier

Mit „Restsommer“ taucht man ein in den Sommer von Nick und Biff. Nick ist in der 10. Klasse und fragt sich, ob der für ihn vorgesehene Weg wirklich sein eigener ist. Eigentlich soll er später das Bestattungsinstitut seines Vaters übernehmen. Doch als Biff neu in seine Klasse kommt, gerät vieles ins Wanken.

Die Geschichte ist im besten Sinne ein klassischer Coming-of-Age-Roman: Es geht um Identität, Selbstfindung, Familie, Zukunftsängste und darum, den Mut zu finden, für das eigene Glück einzustehen. Besonders schön fand ich dabei, dass die queere Liebesgeschichte ganz selbstverständlich Teil dieser Entwicklung ist. Was mir am besten gefallen hat, war die Atmosphäre. Beim Lesen konnte ich die drückende Sommerhitze förmlich spüren. Über dem ganzen Roman liegt eine Mischung aus Melancholie, Sehnsucht und Aufbruchsstimmung, die perfekt zu dieser Lebensphase zwischen Jugend und Erwachsensein passt.

Auch sprachlich hat mich „Restsommer“ überzeugt. Die Erzählstimme wirkt authentisch und nahbar, gleichzeitig finden sich immer wieder kreative Metaphern und Vergleiche, die den Text besonders machen, ohne künstlich oder aufgesetzt zu wirken. Sie passen wunderbar zu Nicks Blick auf die Welt.

„Restsommer“ ist damit ein berührendes, stimmungsvoller Sommerroman über das Erwachsenwerden, die erste Liebe und die schwierige Frage, wer man sein möchte. Es wird Leser:innen von „Man vergisst nicht, wie man schwimmt“ und „Der große Sommer“ gefallen.

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