Kunden em pfehlungen
Rezensionen von LeserinLu :
Wirklich alltagstauglich
Koch! Mich! Jetzt! von Leon Schreiber
Rund 80 Feierabend-Rezepte richten sich in diesem Kochbuch an alle, die nach einem langen Tag keine Energie mehr für aufwendiges Kochen haben, aber trotzdem nicht zum Lieferdienst greifen wollen.
Aus meiner Sicht hält das Buch, was es verspricht: Die Rezepte sind wirklich alltagstauglich und lecker, gehen schnell und unkompliziert, kommen ohne ausgefallene Zutaten aus und haben trotzdem oft genug einen kleinen Twist, damit es nicht langweilig wird.
Wir haben in kurzer Zeit schon an die zehn Rezepte ausprobiert und alle sind gut gelungen. Die meisten Gerichte lassen sich problemlos vegetarisch kochen und eignen sich auch für Essen mit Kindern. Bei uns kommt meistens allerdings noch zusätzliches Gemüse dazu, weil die Rezepte sonst etwas zu ungesund für uns wären. Außerdem sind die Portionen für zwei Personen öfter mal ein bisschen knapp bemessen.
Trotzdem: Dies hier ist ein wirklich alltagstaugliches Kochbuch mit schnellen, unkomplizierten Rezepten, in dem man durch die Gestaltung mit Bild für jedes Rezept und übersichtlichen Zutatenlisten schnell fündig wird!
Wieder ein Highlight
Die zweitgrößte Liebe von Ruth-Maria Thomas
Michelle ist in Armut aufgewachsen und arbeitet nun in einem Hamburger Luxushotel als Rezeptionistin. Dort begegnet sie Henry und gemeinsam mit ihm scheint plötzlich ein sorgloses, unbeschwertes Leben in Reichweite. Doch statt einer Cinderella-Geschichte erzählt Thomas von den Schwierigkeiten für Michelle, selbstbestimmt zu leben und zu lieben.
Thomas kann aus meiner Sicht einfach richtig gut schreiben und auch dieser Roman war für mich wieder ein Highlight. Ich bin regelrecht durch die Seiten gerauscht, habe mich in die komplexen Charaktere eingefühlt und die Sprache genossen, die mal rau und mal ganz zärtlich-poetisch ist. Besonders gut gefallen hat mir, wie anschaulich beschrieben wird, wie eine Klassengesellschaft auf der Mikroebene funktioniert – da muss man Bourdieu eigentlich gar nicht mehr lesen.
Thomas schreibt so, dass man als Leserin ständig mitdenken und sich immer wieder neu eine Meinung bilden muss, gleichzeitig aber unglaublich soghaft. Für mich war der Roman wieder ein absolutes Highlight von Ruth-Maria Thomas!
Wunderbar
Die Bernsteinfischerin von Lisa Quentin
In dem Roman erforscht Julika als Bernsteinforscherin längst ausgestorbene Arten, die durch den Bernstein konserviert wurden. Am Abend, bei der Pflege ihrer kranken Mutter, ist auch ihr eigenes Leben wie eingefroren. Als Julika in einem Bernstein einen außergewöhnlichen Fund macht, sucht sie dessen ursprüngliche Besitzerin Ebba, die ihr Leben lang ihren eigenen Weg gesucht hat.
Dafür reist Julika zur Lübecker Bucht an die Ostsee.
Beide Protagonistinnen fand ich direkt sympathisch, aber unperfekt und gerade dadurch authentisch. Aus meiner Sicht ist diese Geschichte viel weniger kitschig, als das schone, aber kitschig anmutende Cover vermuten lässt. Sie wird in zwei Zeitebenen erzählt und liest sich sehr flüssig und unterhaltsam. Außerdem ich fand es toll, wie viel ich nicht nur über Bernstein, sondern auch über das Flüchtlingsleben an der Ostsee nach dem Zweiten Weltkrieg, die Entwicklung des Tourismus dort und unterschiedliche Perspektiven auf Pflege gelernt habe. Für mich ist das Thema der pflegenden Angehörigen in verschiedenen Lebenssituationen fast das eigentliche Zentrum des Romans und gar nicht die enthaltene Liebesgeschichte. Besonders gut gefallen haben mir auch die Beschreibungen der Lübecker Bucht. Da ich selbst gern dort bin, konnte ich alles bildlich vor mir sehen.
Alles in allem war der Roman genau das, was ich von einem historischen Unterhaltungsroman erwarte, nur deutlich weniger kitschig als sonst im Genre. Außerdem ist er fast ein Muss für alle, die die Lübecker Bucht lieben!
Erschreckend realistisch
Wenn die Bienen schweigen von Caryl Lewis
Bei „Wenn die Bienen schweigen“ handelt es sich um eine klassische Dystopie. Aus meiner Sicht erinnert sie ein bisschen an „The Handmaid's Tale" und auch an „Die Tribute von Panem" mit dem starken, eigenständigen Mädchen Jess als Protagonistin, die in einem Camp lebt, wo junge Mädchen von Hand Obstbäume bestäuben müssen, weil es keine Bienen mehr gibt.
Anschließend werden sie zwangsweise verheiratet. Erschreckend fand ich, wie nah diese Dystopie an der Realität ist. Gerade deshalb sollten Jugendliche diese Geschichte lesen.
Besonders schön fand ich, wie der Roman Kunst und Literatur als Quelle von Hoffnung zeigt. Daran glaube ich selbst fest. Jess ist für mich eine richtig mutige Heldin und auch die Nebencharaktere haben mich überzeugt: Cass, die auf Liebe statt Sicherheit setzt, oder Eliot, der trotz seiner Rolle als Wärter empathisch bleibt.
Der Schreibstil und die Übersetzung sind flüssig und leicht zu lesen, also genau richtig für ein Jugendbuch. Deshalb ist die geschilderte Welt auch eher oberflächlich dargestellt als vollständig durchdacht. Alles andere hätte aber wohl den Rahmen gesprengt. Da es eine Fortsetzung geben soll, werden vielleicht auch dann erst ein paar Lücken geschlossen. Ich hoffe sehr, dass dieses Buch viele junge Leser:innen findet!
Nichts Neues
Die Rückkehr der Hoffnung von Rutger Bregman
Rutger Bregman gehört zu den Sachbuchautoren, deren Bücher ich bisher immer sehr gerne gelesen habe. Bei „Die Rückkehr der Hoffnung“ bleibt bei mir allerdings vor allem der Eindruck, dass dieses Buch weniger neue Gedanken entwickelt, sondern vielmehr bekannte Ideen aus seinen früheren Werken bündelt und schnell zugänglich aufbereitet.
Wer bereits „Im Grunde gut“, „Utopien für Realisten“ und „Moralische Ambition“ gelesen hat, wird hier vieles wiedererkennen. Bregman greift erneut Themen wie Demokratie, soziale Gerechtigkeit und einen radikalen Humanismus auf und verbindet sie mit autobiografischen Anekdoten, aktuellen politischen Entwicklungen und wissenschaftlichen Fakten. Wirklich neue Impulse konnte ich dabei allerdings nur selten entdecken.
Das ist aber keineswegs ein Nachteil für alle Leser:innen. Gerade wer Bregman bisher noch nicht kennt und keine Lust hat, sich durch seine umfangreicheren Bücher zu arbeiten, findet hier einen gut verständlichen Einstieg in sein Denken. Wie gewohnt schreibt Bregman sehr zugänglich und unterhaltsam. Auch wenn ich Bregmans Analysen und Schlussfolgerungen nicht immer teile, eröffnen seine Texte oft neue Perspektiven, ohne dass man am Ende in allem zustimmen muss.
„Die Rückkehr der Hoffnung“ ist also für mich kein Muss für langjährige Bregman-Leser:innen, wohl aber eine gute, kurze Einführung in sein Denken.
Moderne Romcom
Das Projekt von Annie Lord
In „Das Projekt“ fasst Daisy nach einem katastrophalen One-Night-Stand mit James einen Entschluss: James soll lernen, ein besserer Mann zu werden. Doch je erfolgreicher das Projekt wird, desto komplizierter werden Daisys eigene Gefühle. Klingt nach einem interessanten Plot und ich habe tatsächlich hier auch genau das bekommen, was ich von einer modernen Romcom erwarte - gerade, weil Männlichkeitsbilder und Beziehungen hinterfragt werden!
Besonders gefallen hat mir Daisy als Protagonistin.
Sie ist sympathisch, selbstironisch und herrlich unperfekt mit einem modernen Blick auf Feminismus, Dating und Rollenbilder. Auch James hat mich positiv überrascht. Anfangs wirkt er wie der Inbegriff einer red flag, um die man lieber einen großen Bogen machen würde. Gerade deshalb macht es Spaß, seine Entwicklung zu verfolgen. Die Dynamik zwischen ihm und Daisy ist glaubwürdig, sodass ich den beiden sehr gerne beim Annähern zugesehen habe.
Das London-Setting, das an Chicklit wie Bridget Jones oder die Shopaholic-Romane erinnert, trägt zusätzlich zum Charme des Romans bei. Die Geschichte liest sich leicht und flüssig, die Dialoge sind witzig und die Nebenfiguren sind, gerade weil sie teilweise klischeehaft sind, zusätzlich unterhaltsam. Für mich war das eine der originellsten Liebesgeschichten der letzten Zeit. Das war gute Unterhaltung!
Berührend
All die Farben, all das Licht von Cora Wucherer
„All die Farben, all das Licht“ ist ein ungewöhnlicher Coming-of-Age-Roman, der von zwei Schwestern erzählt. Gleichzeitig geht es um Kunst, Krankheit, Identität und die Frage, wie man seinen Träumen treu bleiben kann, wenn einem der eigene Körper einen Strich durch die Rechnung macht..
Besonders interessant fand ich die Figur der Juna.
Ihre Leidenschaft für die Malerei, ihre Bewunderung für die Künstlerin Lotte Laserstein und ihr Umgang mit dem fortschreitenden Usher-Syndrom bilden für mich das Zentrum des Romans - und ihrer Familie. Gerade die Vorstellung, als angehende Malerin nach und nach das Augenlicht zu verlieren, fand ich sehr berührend. Gleichzeitig gerät Marthas Geschichte dadurch etwas an den Rand, so wie es Martha auch als kleiner Schwester innerhalb der Familie ergeht.
Die Kapitel wechseln zwischen den Perspektiven von Juna und Martha. Dadurch erhält man einen Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt und versteht nach und nach, warum die beiden so oft aneinander vorbeireden. Besonders gelungen fand ich, dass gegen Ende auch der Vater kurz zu Wort kommt. Die Atmosphäre des Romans ist ruhig und oft nachdenklich. Dabei ist der Schreibstil angenehm flüssig und unaufgeregt.
„All die Farben, all das Licht“ ist eine berührende Familiengeschichte über Schwesternschaft, das Erwachsenwerden und die Kraft der Kunst, der außerdem das Usher-Syndrom für ein breites Publikum verständlich macht!
Anspruchsvoll
Mädchen allein zu zweit von Daniela Dröscher
„Mädchen allein zu zweit“ erzählt von den zwei Freundinnen Issa und Grace, die sich mit Themen auseinandersetzen müssen, mit denen Jugendliche eigentlich nicht allein gelassen werden sollten: Armut, Klassismus, gesundheitliche Ungleichheit und die Frage, wer sich in unserer Gesellschaft eigentlich ein gutes Leben leisten kann.
Daneben geht es um die ganz typischen Adoleszenz-Themen: Identität, erste Liebe, Zugehörigkeit.
Besonders gut gefallen hat mir die Dynamik zwischen den beiden. Ihre Freundschaft wirkt authentisch, ihre Dialoge sind lebendig und ihre Entscheidungen nachvollziehbar. Gerade weil der Roman die Perspektive zweier Jugendlicher einnimmt, werden gesellschaftliche Ungerechtigkeiten sehr greifbar. Auch sprachlich hat mir der Roman gefallen. Der Schreibstil liest sich flüssig und authentisch und überrascht immer wieder mit originellen literarischen Einfällen.
Ein wenig zwiegespalten bin ich allerdings bei der Zielgruppe. Der Roman richtet sich an Jugendliche ab 14 Jahren, setzt stellenweise aber ein hohes Vorwissen voraus. Wenn ganz selbstverständlich auf philosophische Konzepte wie Rawls' „Schleier des Nichtwissens“ angespielt wird, habe ich mich gefragt, ob viele Leser:innen dieses Alters die Anspielungen überhaupt einordnen können und ob sie nicht genervt von den Belehrungen des Lehrers im Roman sein werden. Die Figur des Politiklehrers fand ich nämlich auch weniger gelungen. Über ihn werden immer wieder gesellschaftstheoretische Positionen vermittelt, allerdings auf eine Weise, die auf mich wenig glaubwürdig wirkte. Ein guter Politikunterricht lebt von kontroversen Perspektiven und eigener Urteilsbildung, ein echter Politiklehrer würde Jugendlichen seine persönliche Weltsicht nie so eindeutig vorgeben. Diese Passagen wirkten deshalb eher wie ein Sprachrohr für den Roman als wie authentische Unterrichtssituationen..
Trotz dieser Kritikpunkte hat mir „Mädchen allein zu zweit“ gut gefallen. Es ist ein kluger Jugendroman über Freundschaft, soziale Ungleichheit und die Frage, welche Chancen Menschen eigentlich haben, wenn sie nicht mit den gleichen Voraussetzungen ins Leben starten. Ich habe Roman und Hörbuch ergänzend zueinander gelesen und fand auch das Hörbuch sehr angenehm.
Sommerroman mit Tiefgang
Tage am Fluss von Jochen Mariss
„Tage am Fluss“ war für mich ein netter Sommerroman, der Naturverbundenheit, zwischenmenschliche Beziehungen und gesellschaftliche Themen miteinander verbindet. Trotz dieser vielen Themen lässt er sich leicht lesen und schon nach wenigen Seiten war ich in der Geschichte angekommen. Sara lebt ein Leben, das gleichzeitig idyllisch und einsam wirkt.
Mit ihrer kleinen Fähre, den Schafen, Hühnern und ihrer Hündin scheint sie ihren Platz gefunden zu haben, doch nach und nach wird deutlich, dass hinter ihrer Zurückgezogenheit eine schmerzhafte Vergangenheit steckt. Sie nimmt Leon bei sich auf. Seine Geschichte als Klimaaktivist wirkte glaubwürdig und ich konnte ihn mir sehr gut als Teil einer Klimagruppe an der Uni Hamburg vorstellen. Ich mochte, wie beschrieben wird, wie beide sich annähern und unerwartet Verständnis beim anderen finden.
Die beiden geraten außerdem mit der Dorfgemeinschaft des nächsten Ortes in einen Konflikt um eine geplante Brücke, sodass schnell deutlich wird, dass der Roman mehr sein möchte als die Geschichte von Leon und Sara. Er erzählt auch von der Frage, welchen Wert Natur hat, wie unterschiedlich Generationen auf die Klimakrise blicken und warum viele junge Menschen so große Zukunftsängste haben. Das gelingt, ohne allzu belehrend zu wirken, wobei es den Roman teilweise schon thematisch überfrachtet.
Sprachlich war mir der Roman stellenweise etwas zu blumig. Manche Beschreibungen hätten für meinen Geschmack etwas knapper sein dürfen und an einigen Stellen wurde eher erklärt als gezeigt. Gleichzeitig hat mich das aber auch nicht wirklich gestört. Insgesamt habe ich das Buch dennoch sehr gerne gelesen. Es ist ein ruhiger, stimmungsvoller Roman, durch den ich nur so hindurchgeflogen bin. Wer Geschichten über Natur, zweite Chancen und gesellschaftliche Fragen mag, findet hier eine schöne Sommerlektüre mit Tiefgang. Sie könnte außerdem dazu geeignet sein, Menschen für die Klimaangst junger Menschen zu sensibilisieren.
Anspruchsvoll
Wildboden von Constantin Lieb
Im Mittelpunkt von „Wildboden“ stehen Maler Ernst Ludwig Kirchner und seine Lebensgefährtin Erna Schilling. Ihre Geschichte war mir vor der Lektüre völlig unbekannt und genau das hat den Roman für mich so interessant gemacht. Constantin Lieb verbindet historische Fakten mit literarischer Fiktion und zeichnet das Porträt einer außergewöhnlichen Beziehung vor dem Hintergrund der politischen Umbrüche der 1930er-Jahre in der Schweiz, die mir auch vorher noch nicht so bewusst waren.
Stilistisch ist „Wildboden“ durchaus anspruchsvoll. Die Sprache ist ruhig und literarisch, die Erzählweise erfordert Konzentration. Gerade das hat mir gefallen, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass Leser:innen mit einem größeren kunsthistorischen Hintergrund vermutlich noch mehr aus dem Roman mitnehmen können. Viele Bezüge zu Kirchners Werk und zur Kunst seiner Zeit erschließen sich sicher noch besser, wenn man sich mit dem Thema bereits auskennt. Außerdem kann man dann wahrscheinlich Fakten und Fiktion besser auseinanderhalten. Dennoch hat mich das Buch auch ohne dieses Vorwissen überzeugt.











