Kunden em pfehlungen
Rezensionen von LeserinLu :
Zwischenmenschliche Spannungen
The Artist von Lucy Steeds
Der Roman „The Artist“ von Lucy Steeds spielt in der Provence der 1920er-Jahre und verbindet Künstlerroman, Liebesgeschichte und psychologisches Kammerspiel auf sehr atmosphärisch dichte Weise.
Nach einem Prolog braucht die Geschichte zunächst etwas Zeit, um Fahrt aufzunehmen. Doch je länger ich gelesen habe, desto stärker hat mich der Roman in seinen Bann gezogen.
Obwohl die Handlung über weite Strecken eher ruhig bleibt, entfaltet der Text eine spürbare Sogwirkung. Das liegt vor allem an der permanenten Spannung zwischen den Figuren und an den vielen unausgesprochenen Konflikten, die unter der Oberfläche brodeln.
Im Mittelpunkt steht zwar zunächst Joseph, der als Journalist einen zurückgezogen lebenden Maler interviewen soll, doch für mich war schnell klar, dass die eigentlich faszinierende Figur Ettie ist, die sich um ihren Onkel kümmert. Ihre Beziehung zu ihrem Onkel ist von Anfang an verstörend. Sie kocht, arbeitet, ordnet sich unter und scheint ihr gesamtes Leben nach seinen Bedürfnissen auszurichten. Je mehr man über sie erfährt, desto deutlicher wird, wie toxisch und zerstörerisch dieses Verhältnis ist. Gerade Etties innerer Konflikt und ihr Ringen um Selbstbestimmung haben mich emotional am meisten gepackt.
Einige Entwicklungen im späteren Verlauf waren für mich allerdings absehbar, und sprachlich wurde es an manchen Stellen etwas kitschiger, als ich es mir gewünscht hätte. Insgesamt ist „The Artist“ aber ein spannend erzählter Roman über Kunst, Macht, Abhängigkeit und weibliche Selbstbehauptung, der mich trotz kleiner Schwächen bis zum Ende gefesselt hat.
Witzig
Annie Knows Everything von Rachel Wood
„Annie Knows Everything“ ist eine klassische Romcom, die genau das liefert, was ich von diesem Genre erwarte: Tempo, Witz und zwei Figuren, die man gerne durch ihr Chaos begleitet. Im Mittelpunkt steht Annie, die überzeugt ist, immer zu wissen, was für andere das Beste ist, bis ihr eigenes Leben aus der Bahn gerät.
Jobverlust, ein Neuanfang in einer Branche, von der sie keine Ahnung hat, und familiäre Verwicklungen sorgen dafür, dass sie sich plötzlich selbst hinterfragen muss. Dazu kommt mit Connor ein Love Interest, der sie gleichermaßen herausfordert wie anzieht.
Besonders gut gefallen hat mir die Dynamik zwischen den beiden. Annie und Connor sind schlagfertig, selbstbewusst und haben gleichzeitig genug Ecken und Kanten, um nicht klischeehaft zu wirken. Gerade dieser Mix macht die Dialoge lebendig und sorgt für viele unterhaltsame Momente. Insgesamt hat mich der Ton des Romans an typische Romcoms im Stil von Sophie Kinsella oder Emily Henry erinnert: leicht, humorvoll und mit einem guten Gespür für zwischenmenschliche Spannungen. Auch das Setting in der New Yorker Tech Branche hat mir Spaß gemacht. Der Arbeitsalltag, Annies Überforderung und ihr Versuch, sich in einer neuen Umgebung zu behaupten, sind unterhaltsam erzählt und geben der Handlung zusätzlichen Witz.
Der Roman liest sich insgesamt sehr flüssig und ist genau die richtige Wahl, wenn man eine leichte, aber nicht banale Lektüre sucht. Für mich hat „Annie Knows Everything“ die Erwartungen an eine unterhaltsame, unkomplizierte Lektüre absolut erfüllt.
Hilfreich
50 Sätze, die es Eltern leichter machen von Birgit Gattringer
„50 Sätze, die es Eltern leichter machen“ von Birgit Gattringer lässt sich als eine Art sprachlicher Werkzeugkasten für pädagogische Situationen, nicht nur zu Hause, sondern auch in der Kita oder Schule, nutzen. Besonders positiv aufgefallen ist mir zuerst die Gestaltung: übersichtlich, klar strukturiert und so aufgebaut, dass man schnell die passenden Impulse zu typischen Alltagssituationen findet.
Inhaltlich hat mich vor allem das theoretische Fundament überzeugt. Die dargestellten Bindungsstufen waren mir so noch nicht bekannt, haben sich aber sofort erschlossen und bieten eine hilfreiche Grundlage, um das Verhalten von Kindern besser einzuordnen. Dadurch gehen die vorgeschlagenen Sätze über bloße Formulierungen hinaus und werden nachvollziehbar begründet. Auch die konkreten Sätze selbst fand ich gelungen. Sie sind alltagsnah formuliert und wirken nicht künstlich oder überpädagogisch. Unterstützt wird das durch die kurzen Alltagsbeispiele und Anwendungshilfen, die dabei helfen, sich die Umsetzung im eigenen Alltag vorzustellen.
Ein kleiner Kritikpunkt für mich ist der Umfang: 50 Sätze sind eine ganze Menge, und es gibt inhaltlich durchaus Wiederholungen. Für mich persönlich hätte eine etwas kompaktere Auswahl gereicht, da man sich ohnehin nur einen Teil wirklich merken und verinnerlichen kann. Insgesamt ist das Buch aber ein hilfreicher, praxisnaher Begleiter für Eltern, der zeigt, wie viel Einfluss Sprache auf das Miteinander haben kann und wie sich mit kleinen Veränderungen oft schon viel bewirken lässt.
Wertschätzend
Wie gut, dass ich ICH bin von Britta Kiwit
„Wie gut, dass ich ICH bin“ ist ein liebevoll gestaltetes Bilderbuch, das Kindern viel Wertschätzung entgegenbringt und vermittelt. Im Mittelpunkt stehen kurze, eingängige Reime und kindgerechte Affirmationen, die leicht verständlich sind und sich gut zum Mitsprechen eignen. Besonders schön finde ich die Kombination aus positiven Botschaften und kleinen Impulsfragen, die man zum Anlass nehmen kann, mit Kindern über Gefühle, Selbstwahrnehmung und Erlebnisse zu sprechen.
Auch die Gestaltung hat mich überzeugt: Die Seiten sind stabil, übersichtlich aufgebaut und gleichzeitig detailreich illustriert. In den Bildern gibt es viel zu entdecken, sodass sich auch hier immer wieder neue Gesprächsanlässe ergeben. Besonders hervorzuheben ist die vielfältige Darstellung der Kinder. Unterschiedliche Lebensrealitäten werden ganz selbstverständlich gezeigt, sodass sich viele Kinder wiederfinden können und gleichzeitig alle lernen, dass Vielfalt ganz normal ist.
Insgesamt ist das Buch nicht nur schön anzusehen, sondern auch pädagogisch sinnvoll umgesetzt, ohne dabei belehrend zu wirken. Es stärkt spielerisch Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl und schafft gleichzeitig wertschätzende gemeinsame Momente beim Vorlesen. Für mich ein rundum gelungenes Kinderbuch, das ich jederzeit weiterempfehlen würde!
Langweilig
Die Reise ans Ende der Geschichte von Kristof Magnusson
Der Roman „Die Reise ans Ende der Geschichte“ von Kristof Magnusson spielt in einer Zeit des Umbruchs: Anfang der 1990er-Jahre, als nach dem Ende des Kalten Krieges vieles möglich schien. Die Ausgangsidee hat mich sofort angesprochen. Gerade die Kombination aus politischem Hintergrund, absurden Verwicklungen und eigenwilligen Charakteren verspricht viel.
Tatsächlich sind die Figuren auch interessant angelegt: ein etwas naiver Dichter, der unvermittelt in größere Zusammenhänge gerät, und ein Agent, der zwischen Vergangenheit und Neuanfang feststeckt. Auch der Ton ist stellenweise humorvoll und leicht ironisch. Trotzdem konnte mich der Roman insgesamt nicht überzeugen. Über weite Strecken habe ich die Handlung als überraschend ereignisarm empfunden. Immer wieder hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte ihr eigenes Potenzial nicht ausschöpft. Gerade die eigentlich absurden oder komischen Elemente werden für meinen Geschmack nicht weit genug getrieben.
Das führte bei mir dazu, dass ich beim Lesen oft den Faden verloren habe – nicht, weil die Handlung besonders komplex wäre, sondern weil sie mich emotional nicht genug gebunden hat. Teilweise musste ich Seiten sogar noch einmal lesen, weil ich gedanklich abgeschweift bin. Schade!
Poetisch
Die Riesinnen von Hannah Häffner
Der Roman „Die Riesinnen“ von Hannah Häffner erzählt die Geschichte von drei Frauengenerationen in einem kleinen Schwarzwalddorf. Obwohl das Motiv von Müttern und Töchtern nicht neu ist, entwickelt der Text aufgrund seiner tollen Sprache eine ganz eigene, eindringliche Atmosphäre. Im Zentrum stehen Liese, ihre Tochter Cora und ihre Enkelin Eva, die alle auf ihre Weise aus der Dorfgemeinschaft herausragen.
Der Roman begleitet sie von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart und verwebt persönliche Entwicklungen mit gesellschaftlichen Veränderungen.
Was mich von Beginn an begeistert hat, ist die Sprache. Sie ist gleichzeitig bildreich und präzise, poetisch und nüchtern, manchmal fast kühl und dann wieder überraschend zart. Diese besondere Mischung sorgt dafür, dass man sehr schnell in die Geschichte hineingezogen wird: Ich bin durch den ersten Teil regelrecht geflogen. Der leicht melancholische Ton trägt viel zur dichten Atmosphäre bei und passt gut zu den Themen des Romans.
Inhaltlich bleibt die Geschichte zunächst recht nah an bekannten Mustern: das schwierige Verhältnis zwischen Mutter und Tochter, der Wunsch nach Ausbruch und die Frage nach Zugehörigkeit. Trotzdem wollte ich unbedingt weiterlesen. Gleichzeitig wurde die Handlung für mich zunehmend vorhersehbar und es gab einige Längen. Auch das Ende war für mich nicht die spannendste Möglichkeit, die Geschichte zu beenden. Dennoch gab es immer wieder einzelne Sätze und Gedanken, die herausgestochen haben.
Insgesamt ist „Die Riesinnen“ ein sprachlich beeindruckender Roman mit starker Atmosphäre und interessanten Figuren, der inhaltlich nicht immer ganz überraschen kann, aber durch seine erzählerische Qualität dennoch lesenswert bleibt.
Hilfreich
Schule ohne Burnout von Ann-Marie Backmann
„Schule ohne Burnout“ von Ann-Marie Backmann beschäftigt sich mit einer Frage, die im Schulalltag viele betrifft: Wie lässt sich der Lehrberuf langfristig engagiert und gesund ausüben, ohne dabei auszubrennen?
Der Einstieg ins Buch ist mir direkt positiv aufgefallen, weil er sehr authentisch wirkt.
Anders als viele Stimmen aus dem „Insta-Lehrerzimmer“ vermittelt die Autorin nicht das Gefühl, dass alle anderen alles im Griff haben, im Gegenteil: Die Herausforderungen werden realistisch benannt, ohne zu dramatisieren. Auch die Gestaltung des Buches ist übersichtlich und ansprechend, sodass ich mich direkt gut orientieren konnte.
Inhaltlich kombiniert Backmann persönliche Erfahrungen mit didaktischen Ansätzen, Forschungsergebnissen und Coaching-Impulsen. Besonders interessant fand ich die Unterscheidung zwischen Mental Load und Emotional Load. Während ersterer vielen inzwischen bewusst ist, wird der emotionale Anteil der Belastung im Schulalltag oft unterschätzt. Hier hat das Buch für mich tatsächlich neue Perspektiven eröffnet. Die vorgestellten Strategien zum Umgang mit Belastung sind praxisnah und konkret. Vieles kam mir bekannt vor, aber es gab auch einige Ansätze, die ich gerne stärker in meinen Alltag integrieren möchte, etwa die stärkere Einbindung der Schüler*innen in ihre eigenen Lernprozesse, zum Beispiel durch von ihnen vorbereitete Lernentwicklungsgespräche. Auch das zusätzliche Material zum Downloaden ist hilfreich und sinnvoll.
Im letzten Kapitel hatte ich allerdings gemischte Gefühle. Einerseits bietet es viele inspirierende Ideen für Schulentwicklung und Zusammenarbeit, andererseits hatte ich beim Lesen stellenweise wieder das Gefühl, dass sich neue To-dos auftun („Das müssten wir auch machen…“), was ja eigentlich dem Anspruch der Entlastung widerspricht. Hier hätte ich mir an manchen Stellen eine noch stärkere Einordnung gewünscht, dass nicht alles sofort umgesetzt werden muss.
Trotzdem ist „Schule ohne Burnout“ für mich ein sehr gelungenes, praxisnahes Buch, das viele hilfreiche Impulse für den Schulalltag liefert. Es eignet sich gut zum Nachschlagen und Reflektieren und wird bei mir definitiv griffbereit im Regal stehen bleiben.
Unspektakulär
Der Sommer, der uns blieb von Greta Herrlicher
Der Roman „Der Sommer, der uns blieb“ verbindet eine klassische Coming-of-Age-Geschichte mit einem zweiten Erzählstrang, in dem die Figuren als Erwachsene auf ihre gemeinsame Vergangenheit zurückblicken. Im Mittelpunkt stehen Britta, Pia und Martin, deren Freundschaft in ihrer Jugend endet und die sich Jahre später erneut mit den Folgen dieses Sommers auseinandersetzen.
Die Ausgangsidee hat mir grundsätzlich gut gefallen, auch die 90er-Jahre-Nostalgie in den Rückblicken mochte ich. Vor allem die Sprache und insbesondere die Dialoge wirkten auf mich aber oft zu hölzern. Häufig hatte ich das Gefühl, dass Gedanken und Gefühle eher erklärt als erzählerisch entwickelt werden, das klassische „Show, don’t tell“ wird hier aus meiner Sicht zu selten eingelöst. Hinzu kommen Passagen, in denen die Figuren sehr pathetische Lebensweisheiten formulieren, die eher aufgesetzt als authentisch wirken. Das hat mich beim Lesen immer wieder aus der Geschichte herausgebracht. Wer genau diesen Ton mag, könnte mit dem Roman aber durchaus mehr anfangen. Ein bisschen hat es mich an „Matilde und Marie“ erinnert.
Insgesamt bringt „Der Sommer, der uns blieb“ gute Ansätze mit, bleibt für mich aber hinter seinen Möglichkeiten zurück. Wichtig noch zu wissen: Der Roman behandelt auch das Thema Krebs, was im Klappentext nicht deutlich wird. Hier hätte ich mir mehr Transparenz gewünscht.
Tolle Themen
Salto von Kurt Prödel
Der Roman „Salto“ von Kurt Prödel erzählt von Marcos herausforderndem Übergang ins Erwachsenenleben. Eigentlich sollte jetzt alles beginnen: Studium, Freiheit, Zukunft. Stattdessen gerät für Marko vieles aus dem Gleichgewicht. Trotz eines hervorragenden Abiturs scheitert sein Traum vom Medizinstudium, seine Beziehung zu Claire zerbricht, und während sie entschlossen nach vorne blickt, muss er mit den Geldsorgen in seiner Familie klarkommen.
Bald wird er zusätzlich durch eine Krankheit aus der Bahn geworfen, aber auch für Claire läuft nichts wie geplant.
Besonders gefallen hat mir, wie gut der Roman diese Phase der Orientierungslosigkeit einfängt. Dieses Gefühl, dass alle anderen scheinbar wissen, wohin sie wollen, während man selbst feststeckt, wird sehr authentisch beschrieben. Prödel gelingt es dabei, die Melancholie des Erwachsenwerdens greifbar zu machen, ohne ins Pathetische abzurutschen. Sehr gelungen fand ich auch, dass zwei Krankheiten thematisiert werden, die gerade junge Menschen aus der Bahn werfen können. Eine davon habe ich in einem Coming-of-Age-Roman so noch nicht gelesen, obwohl durchaus viele Jugendliche betroffen sind.
Auch das Hörbuch hat mir gut gefallen. Die Stimme des Erzählers ist angenehm und findet eine gute Balance in der Betonung, die weder zu zurückhaltend noch übertrieben ist, sodass die Stimmung des Romans gut transportiert wird. Insgesamt ist „Salto“ ein melancholischer Coming-of-Age-Roman, der zeigt, dass der Start ins Leben nicht immer geradlinig verläuft. Ein Buch über Brüche, Unsicherheiten und darüber, wie man trotzdem weitermacht – und genau deshalb sehr lesenswert.
Abgedreht
Verlorene Schäfchen von Madeline Cash
Der Roman „Verlorene Schäfchen“ von Madeline Cash erzählt von der Familie Flynn, die nach außen hin alle Voraussetzungen für ein geordnetes Vorstadtleben mitbringt und innerlich längst zerrüttet ist. Jedes Familienmitglied versucht auf seine eigene Weise mit der Krise umzugehen: Die Mutter stellt mit ihrer Entscheidung, die Ehe zu öffnen, das bisherige Gefüge infrage, während Vater Bud sich zunehmend zurückzieht.
Auch die drei Töchter bewegen sich auf sehr unterschiedlichen, teils skurrilen Wegen durch ihre persönlichen Probleme. Dabei wirkt vieles überzeichnet und abgedreht, was den Reiz des Romans ausmacht.
Besonders gelungen fand ich deshalb den Ton des Romans: stellenweise bitterböse und witzig, dann wieder überraschend warmherzig. Viele Beobachtungen sind pointiert und bleiben im Gedächtnis: „Kinder hinterließen immer Spuren. Wie Schnecken.“ Die Handlung selbst hat aus meiner Sicht kleinere Schwächen und wirkt stellenweise etwas zerfasert. Das macht aber nichts, weil der Roman vor allem von seinen Figuren und seinem Ton lebt.











