Kunden em pfehlungen
Rezensionen von stina23:
Ein Buch wie ein Hollywoodfilm
Sekunden der Gnade von Dennis Lehane
Boston, August 1974.
Mary Pat ist in ihren 40ern und lebt schon ihr ganzes Leben in Süd-Boston. Eine Gegend, die sie Armut, Härte aber auch Zusammenhalt innerhalb der eigenen Gruppe gelehrt hat. Sie ist verwitwet und ihre zweite Ehe mit ihrer großen Liebe wurde geschieden. Ihren Sohn verlor sie an Drogen und im August 1974 verschwindet ihre 17jährige Tochter spurlos, während ihr Viertel wegen des „Busings“ in Aufruhr ist (die Rassentrennung in den 70er Jahren soll an Schulen durch den Transfer von Schülerinnen und Schülern aufgehoben werden).
Mary Pat macht sich auf die Suche nach ihr. Dabei hat sie eine schreckliche Erkenntnis nach der anderen. Sie kämpft mit allen Mitteln und macht sich viele Feinde, besonders in ihrem eigenen Viertel.
Der Polizist Bobby untersucht den gewaltsamen Tod eines jungen Mannes in einer U-Bahnstation in Süd-Boston, bei dem ein rassistischer Hintergrund vermutet wird. So lernt er Mary Pat kennen, die ihm mit ihrem Insiderwissen auf verstörende Art Zeugen und Zeuginnen sowie Täter und Täterinnen liefert.
Dennis Lehane schreibt dieses Buch so, dass sich seine Worte in meinem Kopf sofort in einen Film verwandelten. Erst im Interview am Ende des Buches fand ich heraus, dass er seit Jahren für Filmproduktionen arbeitet und „Sekunden der Gnade“ zurzeit zu einer Serie adaptiert wird. Das erklärt mir meinen Eindruck. Lehane hat Erfahrungen aus seiner Kindheit in Boston verarbeitet und das lässt den Roman sehr lebensnah wirken.
Die Ereignisse im Buch sind teilweise so schockierend, dass man sich emotional distanziert, weil man sie für reine Fiktion hält, bis man sich daran erinnert, wie unsere Welt wirklich war und ist…dann tut es weh.
Mit seiner Protagonistin erschuf er keine sympathische Figur, aber eine, die trotz allem großartig die Geschichte trägt. Sie lässt ihre menschliche Seite durchscheinen und entwickelt sich im Laufe des Buches, sodass man mit ihr mitleidet.
Ich war von dem Buch gefesselt, berührt und gleichermaßen schockiert von der Brutalität, die zum Alltag vieler Figuren gehört. Für mich ein lesenswerter Roman!
Faszinierende Frau
Greta Garbo von Kristina Lüding
Dieses Buch beginnt mit einer Szene aus dem Leben Greta Garbos in ihren Achtzigern, die in New York auf der Flucht vor Paparazzi ist. Dann springt die Geschichte zurück in die 1920er Jahre zur jungen Greta Gustavsson, wie „die Garbo“ eigentlich hieß. Linear wird von ihrer Jugend in Stockholm, ihren ersten kurzen Werbefilmen, ihrem Erfolg in Europa, danach in den USA, ihrem Privatleben usw.
erzählt.
Ich hatte mich schon sehr auf dieses Buch gefreut, da ich immer wieder gerne von außergewöhnlichen Menschen lese, die oftmals ihrer Zeit voraus waren. Greta Garbo scheint mir so ein Mensch gewesen zu sein. Sie lebte unkonventionell in einer Zeit, in der das noch bei weitem schwieriger war als heute. Sie verfolgte ihr Ziel und stand für sich ein – eine bewundernswerte Frau.
Ich finde es sehr schade, dass ich mit diesem Buch nicht warm geworden bin. Mich konnte nichts in der Geschichte richtig packen. Sie war mir einfach zu flach. Eine Aneinanderreihung von Ereignissen, die bei mir kaum Eindruck hinterlassen haben. Obwohl Greta Garbo eine abenteuerliche Reise zum Weltstar absolvierte, ihr Privatleben außergewöhnlich war, sie eine facettenreiche Frau war, kam all das in der Geschichte nicht rüber. Der Schreibstil der Autorin ist eigentlich recht angenehm zu lesen, jedoch kam und kam ich in dem Buch nicht voran. So oft wie dieses, habe ich noch kein Buch weggelegt, weil ich mich die Geschichte langweilte. Ich kann nicht ganz genau festmachen, woran das lag, mich berührte sie einfach nicht.
Ich hoffe, viele andere LeserInnen haben mehr Spaß an diesem Buch.
Wunderschön illustriertes Kinderbuch
Träumer von Mark Janssen
Aron ist nachdenklich. In der Schule wurde besprochen, was die Kinder werden wollen, wenn sie groß sind. Der Junge weiß es nicht… Sein Vater nimmt sich Zeit für ihn und erklärt ihm, dass egal, ob man ein Denker, ein Macher oder eben ein Träumer, wie Aron, ist, seinen Weg gehen wird.
Das Buch ist mir aufgefallen, weil es diesen einfachen Titel hat, hinter dem sich so viel verbergen kann.
Weiters fand ich das Cover mit den schönen Grün- und Blautönen und dem interessanten Mix der Zeichenstile ansprechend. Der Autor und Illustrator Mark Janssen hat mich auch mit den Illustrationen im Inneren des Buches überzeugt. Sie begleiten den Text ausgesprochen gut. Anfangs sind sie realitätsnah, je mehr die kurze Geschichte voranschreitet, desto mehr verändern sie sich. Mit nur wenigen Strichen gezeichnete Fantasiewesen tauchen auf. Der Vater erzählt und erklärt, Aron hört zu und driftet, seiner träumerischen Natur entsprechend, ab. Die Fantasiegestalten werden häufiger, deutlicher, bunter und größer. In der Mitte des Buches nehmen sie dann drei Doppelseiten ein. Aron dagegen wird nur mehr stilisiert dargestellt. Der Text reduziert sich auf diesen Seiten auf geschriebene Geräusche („Wuuuusch“, „Pock“, „Kaaa“,…). Der Junge ist in seinen Träumereien versunken, nimmt sie stärker wahr als seine Umgebung und die Worte des Vaters. Indem er ihn berührt, holt er Aron aus seiner Traumwelt zurück. Liebevoll versichert er ihm, dass er seinen Weg gehen wird und die Welt Träumer braucht, um sie zu bereichern.
Sehr schön finde ich das Nachwort, in dem die Namen berühmter Menschen aus Wissenschaft, Kultur, Politik, Literatur, usw. aufgelistet sind, die der Autor für Träumer und Träumerinnen hält.
Mein Kind fand das Buch einfach großartig. Die Zeichnungen waren dafür ausschlaggebend. Sie begeisterten auch mich, der Text, mit seiner schönen Kernaussage, war nett zu lesen, ich habe mir aber ein kleines bisschen mehr erwartet. Deshalb gibt es vier Sterne von mir.
Von Mut, Freundschaft, Magie und Abenteuer
Cosmo Zauberkater (Bd. 1) von Barbara Rosslow
Der kleiner Kater Cosmo, in dem viel mehr steckt, als geahnt, träumt davon ein Tiergefährte für eine Zauberin oder einen Zauberer zu werden. Seine Chancen stehen nicht dafür nicht gut, denn er ist ein einfacher Straßenkater, der auch noch unter extremer Höhenangst leidet.
Aywa sollte als Tochter einer berühmten Lichtmagierin und eines talentierten Kräuteroberhexers das Zaubern mit Leichtigkeit beherrschen, doch leider bekommt sie nicht einmal die Alltagmagie hin.
Hätte sie doch bloß Freunde, die sie unterstützen könnten!
Der Weg der beiden kreuzt sich in der Zauberschule. Von nun an sind sie unzertrennlich und stürzen sich in ein Abenteuer, dessen Ausgang auch über das Schicksal der Zauberwelt entscheidet.
Die Autorin Barbara Rosslow hat mit Cosmo und Aywa zwei sehr sympathische Protagonisten erschaffen. Beide sind nicht perfekt, haben Ängste und Zweifel. Das macht sie für Groß und Klein sehr nah- und greifbar und ließ mein Kind und mich intensiv mit ihnen mitfiebern. Beide wünschen sich anfangs ja einen anderen Menschen, ein anderes Tier als Verbündeten, passen aber dann so toll zueinander, weil sie sich mit ihren Eigenheiten ganz und gar annehmen und sich gegenseitig stärken.
Die magische Welt wird wunderbar bunt und fantastisch dargestellt. Die darin vorkommenden Figuren sind trotz aller Magie wie aus dem Leben gegriffen (fiese und nette Mitschüler, strenge Lehrer, unterstützende Eltern,…). Das hat uns beim Lesen gefallen und wir zogen einige lustige Parallelen zu uns bekannten Menschen.
Zwei Dinge, die mir negativ aufgefallen sind: 1. Aus einem Täschchen wird einige Seiten später ein Röhrchen. 2. Die Illustrationen, die ich gut gelungen finde, haben nicht immer das Geschriebene wiedergeben (ein freundlicher Elch, der böse schaut; die fliegende Kutsche wird anders beschrieben,…). Das fanden wir schade. Hätten wir lieber anders gehabt.
Insgesamt eine sehr schöne, lustige, magische und abenteuerliche Geschichte. Tiere und Fantasy liegen bei uns zurzeit voll im Trend und da hat das Buch hervorragend gepasst. Im Epilog wird klar, dass die Geschichte um Aywa und Cosmo eine Fortsetzung haben wird. Wir freuen uns schon sehr darauf!
“Girls like Girls like Boys”
Girls like girls - Sag mir nicht, wie ich mich fühle von Hayley Kiyoko
Coley ist 17 Jahre alt und muss mit einem harten Schicksalsschlag und dessen Auswirkungen zurechtkommen. Der Tod ihrer Mutter und der Umzug zu ihrem ihr unbekannten Vater in eine ihr unbekannte Stadt würden eigentlich für die Teenagerin schon ausreichend tragisch sein, aber da verliebt sie sich auch noch Hals über Kopf.
Teenage-Drama vom Feinsten bietet die Musikerin und Autorin Hayley Kiyoko in ihrem Erstlingswerk an. Sie ist dabei einen ungewöhnlichen Weg gegangen. Zuerst entstand das Lied „Girls like Girls“, dann das Musikvideo und danach der Roman (ich hoffe, ich habe das so richtig verstanden). Ich habe mir, als ich das Buch ungefähr zur Hälfte gelesen hatte, das Video angeschaut. Darin steckt alles, was im Buch, natürlich ausführlicher beschrieben, vorkommt. Eigentlich ein Spoiler, obwohl für mich nicht der Ausgang der Geschichte die Essenz des Buches ist, sondern vielmehr die Beschreibung der Gefühlswelt der amerikanischen Teenager. Dies ist der Autorin an vielen Stellen gut gelungen, an manchen hätte es noch mehr Tiefe gebraucht. Die anfangs sehr komplizierte Beziehung zu ihrem Vater verändert sich für mich zu schnell und mit zu wenig Aufmüpfigkeit zu einer harmonischen. Das erinnerte mich an so manche US-Teenie-Serie. Zum größten Teil ist das Leben der Teens sehr realitätsnah dargestellt. Hayley Kiyoko hat da sehr gut beobachtet beziehungsweise hat sie ihre eigenen Jugenderlebnisse gut in der Geschichte verarbeitet.
Ganz nachvollziehen konnte ich die unbändige Anziehung, die Sonya auf Coley ausübt nicht. Klar, sich das erste Mal zu verlieben, ist das Größte. Aber, nachdem was Sonya an Gemeinheiten aufbringt, kann doch nicht alles gut sein, nur weil sich sich über ihre sexuelle Orientierung klar wird und zu ihrer Freundin steht. Nun ja, es ist eine Liebesgeschichte.
Mein Fazit: leichte Lektüre, dramatische Teenie-Lovestory; lässt sich gut lesen (nur das Wort „Girl“ wird überstrapaziert), kein Muss aber ein angenehmes Kann.
Eine Geschichte von Mut und Freundschaft
Jakob und der Berg der vergessenen Dinge von Mirjam Oldenhave
Jakob und sein Vater Ed führen ein außergewöhnliches Leben. Sie wohnen in einem Haus auf Rädern, mit dem sie dort leben können, wo es ihnen gefällt, besorgen sich ihre Lebensmittel aus den Müllcontainern der Supermärkte und leben und lieben ihre Freiheit. Leider gefällt ihr Lebensstil ihrer Umwelt meist nicht und so sind Vater und Sohn gezwungen, oft umzuziehen, da sie weder in die Stadt noch in ländliche Gegenden zu passen scheinen.
Mit Gelassenheit und Gleichmut folgen die beiden dem Lauf der Dinge und gelangen zum „Plunderberg“. So nennt Jakob die Anhäufung von entsorgen, oft unbeschädigt ausgemusterten, Gegenständen. Ein Paradies für den Jungen, der ein talentierter Erfinder und Bastler ist. Ihr Glück ist aber nur von kurzer Dauer, denn der Fund einer goldenen Boxerstatue bringt Ed unschuldig ins Gefängnis. Jakob bleibt allein am Plunderberg zurück und zu allem Übel wird auch noch ihr Haus weggeschleppt. Der Junge beweist nun Selbstständigkeit, Widerstandsfähigkeit und Ideenreichtum auf seinem Weg, Eds Unschuld zu beweisen und endlich wieder bei ihm sein zu können. Dabei trifft er auf unterschiedliche Verbündete, entstehen außergewöhnliche Freundschaften und entwickelt sich eine spannende Geschichte.
„Ich glaube, das ist mein neues Lieblingsbuch“, war der Kommentar meines zehnjährigen Kindes zum Buch. Auch ich bin begeistert von Jakobs Geschichte. Sie hat etwas Spezielles, etwas Schönes und Feines. Für mich wird das Thema Resilienz sehr gut behandelt. Überhaupt ist das Buch so geschrieben, dass es zum Nachdenken anregt (zB über Lebensmittelverschwendung, Konsumgesellschaft, Freiheit,…) ohne jedoch zu werten. Unaufgeregt und mit viel Offenheit begegnen sich die Charaktere, lassen sich aufeinander ein, lernen voneinander und nehmen sich in ihrer Verschiedenheit an. Trotzdem bleibt die Spannung dabei nicht auf der Strecke.
Interessant finde ich, dass sich sehr realistische Elemente (zB die Angst, dass Ed das Sorgerecht für Jakob verliert,…) mit fantastischen (zB ein Steinbock, der aufs Wort gehorcht, Haie, die in einer Art Burggraben um ein turmartiges Gefängnis schwimmen,…) abwechseln und das überhaupt nicht stört. Mein Kind fand das Fantasievolle richtig toll.
Wir hatten sehr viel Freude beim Lesen dieses Buches. Es hat zum Nachdenken angeregt und daraus sind schöne Gespräche entstanden. Von uns kommt daher eine 100&ige Leseempfehlung!
Berührender Debütroman
So weit der Fluss uns trägt von Shelley Read
Shelley Read ist mit diesem Buch etwas sehr Schönes gelungen, etwas, das mir länger in Erinnerung bleiben wird und von dem ich mir vorstellen kann, dass es viele Menschen berührt. Kaum zu glauben, dass es ihr Debütroman ist. Sie schreibt sehr poetisch, formuliert großartig und ich meine behaupten zu können, dass sie viel (Recherche-)Arbeit in ihre Geschichte gesteckt hat.
Was mich bei Autor*innen sehr beeindruckt, ist die Fähigkeit, klare und schöne Worte für Zustände, Gefühle und Beobachtungen, die mir ebenso bewusst sind und mich bewegen, zu finden. Worte, die so treffend sind, Formulierungen für die ich dankbar bin, da ich sie selbst nie so wahr ausdrücken hätte können. Shelley Read hat das mehrere Male in ihrem Buch geschafft und mich damit oft tief unter der Haut erwischt.
Ich muss zugeben, dass mich die vielen tragischen Ereignisse, die der Protagonistin widerfahren, so ungefähr in der Mitte des Buches, etwas genervt haben. Ich stellte mir die Frage, wohin das alles führen wird. Die stille Akzeptanz mit der Victoria alles hinnimmt und die Hoffnungslosigkeit, die immer ein bisschen mitschwingt, machten für mich später im Buch jedoch wieder Sinn. Den Fluss als Metapher für den Lauf des Lebens zu verwenden ist nicht neu, aber immer wieder passend und wunderschön eingebaut in dieser Geschichte.
„So weit der Fluss uns trägt“ ist sicher keine Wohlfühlgeschichte, nichts, was man so nebenbei liest und nach einiger Zeit wieder vergisst, weil es einen nicht berührt hat. Denn das tut der Roman, er berührt.
„andersig“ und wunderbar
Wolf von Sasa Stanisic
„Andersig“ (dieses Wort wir vom Erzähler der Geschichte erfunden) zu sein ist für Kinder und Jugendliche nicht schön, „andersig“ gemacht zu werden noch viel weniger. Das geschieht jedoch mit Jörg. Er wird in seiner Klasse gemobbt. Auch auf dem Ferienlager, wo er auf seine Klassenkameraden trifft, ist das leider nicht anders.
Alles was er tut, wird schlechtgemacht. Beobachtet wird das Ganze von unserem Erzähler, einem sehr reifen Kind mit einem reichen Innenleben, der mit einem gewissen Zynismus durch die Welt geht. Er ist ein Einzelgänger und „andersig“, entgeht dem Mobbing jedoch zum größten Teil, da die Aufmerksamkeit der Mobber auf Jörg liegt. Da er auf das Ferienlager, die Natur und generell auf die Gesellschaft von anderen Kindern keine Lust hat und meist seine eigenen Wege geht, erkennt er, was andere nicht wahrnehmen.
In seinem ersten Roman für Kinder schlägt der Autor Saša Stanišić eine Sprache an, die für mich unvergesslich bleibt. Sie wirkt sehr frisch und modern, ist sehr alltagstauglich, jedoch auch buchwürdig und vor allem hervorragend lustig. Die Protagonisten stellt er glaubwürdig und lebensnah dar und sie wachsen einem schnell ans Herz. Ihre Gedankengänge und Handlungen sind nachvollziehbar, ich konnte mich gut in die Kinder hineinfühlen. Der Autor lässt sie authentisch wirken, mit ihren Ängsten, Schwächen und vor allem ihrer Stärke, das Leben mit seinen Gegebenheiten zu meistern.
Die Bilder von Regina Kehn untermalen den Text wunderbar. Ich mag ihren Stil und halte ihn für passend für dieses Buch und die Zielgruppe.
Von mir kommt eine klare Leseempfehlung für „Wolf“. Es ist für mich ein lustiges und tiefgründiges Buch mit Herz und dem einen oder anderen Denkanstoß von einem Autor, der Ahnung davon hat, was in Kindern und Jugendlichen vor sich geht und das in einer ansprechenden Sprache transportiert.
Glück und Unglück einer Wissenschaftlerin und Schauspielerin
Die einzige Frau im Raum von Marie Benedict
1933: Hedwig Kiesler, 18 Jahre alt, wird in Wien als aufstrebende Schauspielerin gefeiert. Sie genießt die Aufmerksamkeit, besonders die eines Mannes, der ihr die Welt zu Füßen zu legen scheint, dem Unternehmer und Waffenfabrikant Fritz Mandl. Hedys vorausschauender Vater unterstützt die Beziehung, denn er ahnt, was auf die Juden in Österreich in den nächsten Jahren zukommen wird und erhofft sich Schutz vom einflussreichen Mandl.
In der Ehe mit Fritz bekommt Hedy als „Aufputz“ bei Geschäftsgesprächen wichtige Informationen über die politische Lage und die Waffenindustrie zu hören. Ihre Religion wird zu ersten Mal relevant für sie.
Als die junge Frau später auswandert und in Hollywood Fuß fasst, wird sie von alten Dämonen heimgesucht. Um mit ihren Schuldgefühlen umzugehen, widmet sie sich ihrer wissenschaftlichen Seite, denn das Schauspielern allein, erfüllt sie nicht. Die in ihrer ersten Ehe erworbenen Informationen helfen ihr, eine wichtige Erfindung zu machen.
In ihrem Buch lässt uns die Autorin Marie Benedict die Frau und Wissenschaftlerin hinter der Fassade der Schauspielerin und „schönsten Frau der Welt“ entdecken. Wir begleiten sie von 1933 bis 1942, einer aufrührenden, von Krisen und vom Krieg geprägten Zeit. Durch die Ich-Erzählperspektive kann man als Leser nahe an Hedy heranrücken. Ihre Ängste, ihr Streben nach Gesehen-Werden und besonders der Umgang mit ihren Schuldgefühlen werden gut transportiert. Insgesamt lässt sich das Werk gut und flüssig lesen.
Mich hat das Buch sehr interessiert, da ich in letzter Zeit öfter über Hedy Lamarr gestolpert bin. Natürlich wird in einem Roman nicht die völlige Wahrheit abgebildet. Dankbar bin ich deshalb der Autorin für ihr Nachwort, denn die Geschichte der Schauspielerin und Wissenschaftlerin endet wie erwähnt 1942. Marie Benedict würdigt darin nochmals die Erfindungen von Hedy.
Obwohl das Buch viel von der Gefühlswelt der berühmten Frau preisgibt, wirkte es doch etwas kühl auf mich. Trotzdem ist es eine sehr lesenswerte Geschichte über eine der vielen Frauen, deren Beitrag zur Wissenschaft und Gesellschaft zu wenig gewürdigt wird.
Eine emotional mitreißende Story
First & Forever, Band 1 - Be My First von Jay McLean
Teil 1 einer Young Adult Geschichte.
Zum Inhalt: Das 17jährige Basketballtalent Connor kommt an eine neue Highschool und findet dort vom ersten Augenblick an die gleichaltrige Ava sehr anziehend. Ihr geht das, nur kurze Zeit später, genauso und die beiden freunden sich erst einmal nur an. Denn alle zwei tragen eine schwere Last auf ihren Schultern und gerade Ava kann sich nicht vorstellen, dass sie Connor, so wie sie ist, genügen kann.
Ava kümmert sich mit ihrem Halbbruder um ihre Mutter, die als Soldatin im Krieg verletzt wurde und unter den schweren physischen und vor allem psychischen Folgen leidet. Ein typisches Teenagerleben kann die junge Frau aus diesem Grund nicht führen.
Aus Connor soll ein Basketballprofi werden. Das ist sein Ziel und auch vielleicht noch ein Stück mehr das seines Vaters. Ein Trauma aus früher Kindheit lässt ihn immer wieder an sich zweifeln und der Druck in der Schule und im Team setzen ihm ebenso zu.
Doch aus der Freundschaft wird mehr…
Der Autorin Jay McLean ist mit „Be my first“ ein wunderbarer Young Adult Roman gelungen. Ihr Schreibstil ist äußerst angenehm zu lesen und greift immer wieder die Sprache der Jugendlichen auf. Alternierend wird aus Avas und Connors Ich-Perspektive erzählt, was den Leser sehr nahe an die Teenager heranlässt. In ihrer beider Leben geht es sehr emotional zu. Sie suchen Hilfe, Schutz, Ausgleich und vor allem Liebe beim jeweils anderen. Das finden sie auch und müssen gleichzeitig noch mit ihren Schicksalen fertig werden.
Mich hat Avas und Connors Geschichte sehr berührt. Damit hatte ich nicht gerechnet, da meine bisherigen Leseerfahrung in diesem Genre eher nur ein bisschen Herzschmerz der Protagonisten involvierte. Ich habe wirklich mit den beiden Teenagern mitgelitten, ihre Verzweiflung gespürt, die Hoffnungslosigkeit. Und dann waren da auch noch die Liebe, die Sehnsucht, das Kribbeln, das Ankommen. Damit wird in diesem Roman eine beachtliche Spanne an Gefühlen abgedeckt.
Für mich ein gelungene Geschichte, die mehr hatte, als ich erwartete. Der zweite Band ist für mich ein Muss, da ich unbedingt wissen möchte, wie es mit Ava und Connor weitergeht.











