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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von stina23:

Schottischer Whisky heiß serviert

Skye In Our Hearts von Elliot Fletcher

April flüchtet zurück in ihre Heimat Schottland, nachdem sie als Schauspielerin in den USA nicht mehr die erwünschten Erfolge hat. Auf der Insel Skye will sie im Haus ihres verstorbenen Großvaters zur Ruhe kommen und neue Pläne für ihre Zukunft schmieden.
Mal führt die Whiskybrennerei von Aprils Großvater Keir nach dessen Tod weiter.

Der introvertierte Mann fühlt sich von Aprils Ankunft bedroht, weil Keir versprochen hatte, ihm das Geschäft zu überlassen, davon aber nichts im Testament steht. Die beiden, die sich schon seit der Schulzeit kennen, treffen also nicht unter den besten Voraussetzungen aufeinander. Es entwickelt sich zwischen ihnen jedoch sehr bald nicht nur eine geschäftliche Beziehung.
Mir hat der Schreibstil der Autorin sehr zugesagt. Ich konnte mich auch mit den ProtagonistInnen schnell anfreunden. Sie sind sehr unterschiedliche Charaktere, im Herzen vereint sie aber die Liebe zu Schottland, das Vermächtnis von Aprils Großvater und die Fähigkeit, auch die verborgenen Seiten des anderen sehen zu können. Dadurch werden im Buch auch ernstere Themen, wie sexuelle Nötigung und Kindheitstraumata, behandelt und wie die beiden damit umgehen.
Es passieren in diesem Buch keine großartigen Plots und die Handlung ist eher vorhersehbar. Eine „sunshine meets grumpy“-Story, wie man sie kennt, aber gut umgesetzt. Mich haben die Sexszenen überrascht, ich hatte sich dem Klappentext nach, nicht erwartet. Ich finde, sie brachten Würze ins Buch und haben ihm nicht geschadet. Gegen Ende wurde die Geschichte für mich leider etwas schwächer, was den Gesamteindruck nur geringfügig geschmälert hat.
Interessant finde ich, dass das Cover der deutschen Übersetzung sich vom Original recht unterscheidet. Zarte Blätter im Gegensatz zu lasziv in der Wiese liegenden Menschen – da ändert sich schon auch die Erwartungshaltung. Da ich nicht nur April und Mals Geschichte interessant fand, sondern auch die von Aprils Freundinnen und Mals Geschwistern, freue ich mich über die geplanten bzw. schon geschriebenen weiteren Bücher.
Alles in allem eine schöne Liebesgeschichte, mit ein bisschen Spice.

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Hat nicht überzeugt

Das Katzenhuhn: Was macht der Fisch auf dem Dach? von Bernhard Hoëcker; Eva von Mühlenfels

Ich möchte vorausschicken, dass mir nicht bewusst war, dass es schon einige Bücher über Timme und die Tiere des Nordhofs gibt. Das wurde auch nicht am Buch ersichtlich gemacht. Die ersten Seiten lassen ebenfalls nicht darauf schließen. Man erfährt darin einiges über das Huhn Timme, seine Freunde am Hof und über ihre Eigenschaften, Vorlieben und Wesenszüge.

Als dann der Karpfen von einem Reiher aus dem Teich gefischt und im Schnabel davongeflogen wird, verwandelt sich Timme in das Katzenhuhn, um den Fisch zu retten. Ab dem Zeitpunkt war klar, dass das Superheldenhuhn nicht seinen ersten Auftritt hat.
Absolut begeistert waren mein Kind und ich von den Illustrationen. Die Tiere sind farbenfroh und liebevoll gestaltet. Auf den Bildern ist sehr viel los, was zum Entdecken einlädt. Der Schreibstil hat ebenfalls überzeugt, da er kindgerecht, in kurzen Sätzen und humorvoll ist. Die Schriftart des Textes ist meiner Meinung nicht so gut gewählt. Die „tanzenden“ Buchstaben wirkten chaotisch und sind für Leseanfängerinnen und Leseanfänger nicht ganz einfach zu entziffern.
Die Geschichte wirkte ab der Verwandlung von Timme in das Katzenhuhn auf uns leider weniger liebenswert, eher albern und erzwungen. Auch mein Kind konnte sich bis zum Schluss nicht mehr mit der Story anfreunden. Die Art und Weise, wie der Karpfen vom Katzenhuhn und den anderen Bauernhoftieren gerettet wird, wirkt recht eigenartig. ACHTUNG SPOILER: schwere, wassergefüllte Gefäße in Richtung des Fisches auf das Dach zu katapultieren ist gefährlich, das ist Kindern bewusst. Auch einige andere Ungereimtheiten tauchen auf, die nicht nur mich, sondern auch mein Kind störten. Der Spaß am Lesen flaute damit recht schnell ab.
Vielleicht überzeugt das Buch mehr, wenn man Timme und seine Freunde schon aus den vorangegangenen Geschichten kennt. Uns hat es leider nicht sehr gefallen. Den größten Reiz machten die Illustrationen aus.

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Ein gelungener Auftakt mit Spannung, Magie und Freundschaft

Birds of Paris - Das magische Pendel von Kathrin Tordasi

Die 10jährige Léa zieht mit ihrer Mutter nach Paris. Da das Mädchen das Vertrauen ihrer Mutter genießt, darf sie ihre Umgebung auf eigene Faust erkunden. Dabei beobachtet sie ein Mädchen, das sie magisch anzieht und schon wird Léa von ihm in ein unglaubliches Abenteuer gezogen. Dabei lernt sie einiges über die Macht der Magie, findet neue Freunde und Freundinnen und auch Menschen, die ihr nichts Gutes wollen.

Der Autorin Kathrin Tordasi ist meiner Meinung nach ein richtig gutes Buch für Leserinnen und Leser ab 10 Jahren gelungen. Ihr Schreibstil ist sehr ansprechend, da er sich überaus angenehm und leicht lesen lässt. Das Erzähltempo ist ebenfalls sehr gut gewählt und ist an den Spannungsgrad und -bogen angepasst. Weder wird das Buch zu langweilig noch zu aufregend für die angesprochene Leserschaft. Vielmehr stehen die Themen Freundschaft, Zusammenhalt, Akzeptanz und Mut im Fokus. Schön finde ich, dass die Autorin Léa als selbständiges und trotzdem ihrer Mutter verbundenes Kind darstellt, das im Laufe der Geschichte wächst und Zugehörigkeit zu einer Gruppe findet. Obwohl das Buch das Fantasy-Genre bedient, werden Zusammenhänge gut und nachvollziehbar erklärt und Schlussfolgerungen sind einleuchtend erläutert. Kathrin Tordasi hat meiner Meinung nach, ein gutes Gefühl dafür, wie man gut und respektvoll für Kinder schreibt.
Das Buch endet mit einem Cliffhanger. Man wünscht sich sofort den nächsten Band herbei! Ich hoffe, dieser erscheint bald und die Autorin bleibt ihrem Stil treu. Mich hat „Birds of Paris“ begeistert und kann dafür eine absolute Leseempfehlung abgeben.

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Nette Geschichte, aber…

Mirror: Weiß wie Schnee von Lucia Herbst

Lena, eine Frau in ihren Zwanzigern, wird durch Magie durch einen Zauberspiegel in eine Märchen-Parallelwelt gezogen und tauscht damit den Platz mit der Königin und Zauberin Luna, Schneewittchens Stiefmutter. Lena will so schnell wie möglich wieder in ihr normales Leben zurück und auf keinen Fall so enden wie die Stiefmutter im Märchen.

Deshalb verändert sie die Geschichten und beeinflusst mit ihrer Anwesenheit viele, vor allem „böse“ Märchenfiguren.
Die Idee zu dieser Geschichte finde ich sehr gut. Eine moderne junge Frau mischt die Märchenwelt und die alten Ansichten darin auf und bringt damit eine ganz neue Qualität in die traditionellen Märchen. Zusammenhalt und Freundschaft werden in diesem Zusammenhang tragend, vor allem aber auch, dass es kein eindeutiges „Gut“ oder „Böse“ gibt und dass man mit Zuneigung und Einfühlungsvermögen den wahren Kern einer Person erkennen kann.
Die Umsetzung hat mich dann leider nicht ganz überzeugt. Zwar liest sich die Geschichte wunderbar leicht und angenehm, die Handlung begann mich aber immer mehr zu langweilen. Viel zu viel lief einfach zu glatt und war vorhersehbar. Lena drang mit ihrer liebevollen Art zu jedem durch und kaum tat sich doch ein Widerstand auf, war er auch schon überwunden. Da viele Märchen und ihre Figuren in diesem Buch vorkommen, wurden die Charaktere nur oberflächlich beleuchtet. Auch Lena war da für mich keine Ausnahme, sie blieb immer etwas ungreifbar.
Ich hätte dieses Buch wahrscheinlich als 13-Jährige richtig toll gefunden. Fantasy, Liebe, Magie, Zusammenhalt ohne Plot-Twists und zu viel Aufregung. Als etwas erfahrenere Leserin war es mir etwas zu glatt und nett. Wäre ich auf es unter der Kategorie „Jugendbuch“ gestoßen, hätte ich andere Erwartungen an das Buch gehabt und es hätte mich vielleicht mehr begeistert. So bekommt es drei Sterne.

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Märchen mal anders, aber nicht besser

Ich fürchte, Ihr habt Drachen von Peter S. Beagle

Die Geschichte ist in einem Setting angesiedelt, die typisch für alte Märchen ist. Königinnen und Könige in alten Burgen, Ritter in Rüstung und hoch zu Ross, zwielichtige Magier mit Bart und wallendem Gewand, hart arbeitende Untergebene… und Drachen! Doch so ein ganz typisches Märchen ist „Ich fürchte, Ihr hab Drachen“ dann doch nicht.

Die Drachen sind klein, oft nur handtellergroß, und werden als Ungeziefer angesehen. Robert geht ihnen als Drachenjäger an die Schuppen, obwohl er sehr viel lieber als Diener eines Prinzen die Welt erkunden würde. Auch Prinzessin Cerise hat mit Prinzen zu tun, denn sie soll sich einen zum Mann nehmen, wobei sie trotz der großen Auswahl keinen findet, der ihr in Sachen Wagemut und Intelligenz das Wasser reichen kann. Und dann kommt er doch, der ideale Prinz. Reginald von Corvinia hat alles, was ein Edelmann so braucht, nur will er überhaupt kein Prinz sein.
Es ist das erste Buch, das ich von Peter S. Beagle gelesen habe. „Das letzte Einhorn“ ist mir jedoch als Film bekannt. Der Autor hat für mich mit Cerise, Robert und Reginald sympathische Charaktere erschaffen, die für das Märchen recht modern wirken, aber eher wenig Tiefgang haben. Die Mischung aus alt und neu, besonders in der Sprache und dem darin enthaltenen Witz erkennbar, macht einen Teil des Reizes des Buches aus. Leider bin ich beim Lesen immer wieder aus dem Fluss gerissen worden, weil ich bei einigen Sätzen, deren Satzbau besonders poetisch war, einen zweiten Blick riskieren musste. Ein einfaches Dahinlesen und Versinken in der Story war für mich nicht möglich. Die Geschichte hat einige Wendungen parat, ist humorvoll, hat liebenswerte Figuren, sie hat mich aber nicht ganz so begeistert, wie es andere Bücher aus dem Genre Fantasy schon getan haben. Es kam für mich zu wenig Spannung auf, war oft zu vorhersehbar und an anderen Stellen verwirrend geschrieben. Deshalb vergebe ich nur 3 Sterne.

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(Jugend-)Buch mit Frauenpower

Agency for Scandal von Laura Wood

Die Geschichte rund um die in London lebende Izzy spielt Ende des 19. Jahrhunderts. Die junge Frau hat mit dem Tod ihres Vaters einen großen Schicksalsschlag erlitten, den sie immer noch nicht ganz verwunden hat. Außerdem hütet sie einige Geheimnisse, die, sollten sie je ans Tageslicht kommen, ihre Mutter, ihren Bruder, ihr Zuhause, ja ihr ganzes Leben gefährden würden.

Um den Lebensunterhalt für ihre gesamte Familie zu sichern, arbeitet sie nämlich als Detektivin in einer Detektei, die ausschließlich Frauen beschäftigt, verkleidet sich für ihren Job oft als Straßenjunge, gerät dabei in gefährliche Situationen und nebenbei ist sie (un-)heimlich in einen Duke verliebt.
Das als Jugendbuch (ab 14) kann man gerne auch als erwachsenen Person lesen und dabei viel Freude haben – so ging es mir auf jeden Fall. Die Geschichte ist auf Jugendliche ausgelegt. Gewalt und Spannung bleiben immer schön moderat, was es für mich zu einem Wohlfühlbuch machte. Die ProtagonistInnen sind absolut liebenswert. Izzy ist in ihrer Selbständigkeit, mit ihrem Mut und ihren Ansichten ein sehr moderner Charakter, der in ihrer Zeit einiges auf den Kopf stellt, dabei aber recht pragmatisch ist. Auch in dem von ihr angehimmelten Duke steckt mehr, als er vermuten lassen will. Er ist offen für Izzys Ideen der Gleichberechtigung, was ihn sehr sympathisch macht.
Feminismus, gegenseitiger Respekt, Entfaltung der eigenen Talente, das alles zeiht sich als roter Faden durch das Buch, das auch noch einen Kriminalfall behandelt. Der machte den geringsten Eindruck auf mich, war doch das Drumherum so viel netter zu lesen.
Für mich leichte und sehr liebenswerte Lektüre mit sympathischen Charakteren. Ich freue mich auf die Fortsetzung!

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Mit den Augen eines Kindes

Unser Buch der seltsamen Dinge von Jennie Godfrey

Yorkshire in den 1970er Jahren: Margaret Thatcher ist Premierministerin, vielen Menschen geht es finanziell schlecht, vieles ist im Umbruch, ein Serienmörder verbreitet Angst. So viel zu geschichtlichen Tatsachen. Nun zum fiktiven Teil des Buches und Miv, einem 12jährigen Mädchen, eher unscheinbar, schüchtern und an der Schwelle zur Teenagerin.

Als ihr Vater darüber spricht aus ihrer Heimatstadt wegziehen zu wollen, nimmt sie an, dass die Angst vor dem „Yorkshire Ripper“ der Grund dafür ist. Also beschießt sie den Mörder mit Hilfe ihrer besten Freundin Sharon ausfindig zu machen. Während ihrer Nachforschungen und mit ihrer guten Beobachtungsgabe gewinnt sie auch Einblicke in das Leben einiger Menschen aus ihrer Umgebung.
Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt, wobei nur die von Miv aus der Ich-Perspektive berichtet. Die Autorin schafft es dabei hervorragend, den Blickwinkel der 12jährigen einzunehmen. Das verschafft der Geschichte eine Wärme und Leichtigkeit, trotz so vieler schwerer Themen. Jennie Godfrey lässt ihre Protagonistinnen unterschiedlichste Erfahrungen sammeln, daran wachsen, sich verändern und neue Wege beschreiten. Besonders die Freundschaft zwischen Miv und Sharon, die gegensätzlicher nicht sein könnten, lässt einem das Herz aufgehen. Der Blick in die 1970er Jahre ist ebenfalls sehr spannend. Eine Zeit, in der so vieles in Frage gestellt wurde und schließlich auch geändert wurde, besonders was das Leben und die Rolle der Frauen betrifft.
Für mich war dieses Buch ein Glücksgriff und ich kann es von ganzem Herzen weiterempfehlen. Es lässt sich leicht und angenehm lesen, ist vielschichtig und ich wurde von der Geschichte berührt.

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Internatsleben und Pferdeliebe

Forever 1: Forever. Mein Wildpferd und ich von Usch Luhn

Ich hatte bisher noch nichts über Ponyherz gelesen und stieg somit mit „Forever – Mein Wildpferd und ich“ ohne Vorkenntnisse in die doch schon sehr umfangreiche Reihe an Geschichten rund um das Wildpferd und das Mädchen Anni ein.
Schon das Cover wirkt sehr einladend für junge PferdefreundInnen.

Es ist von Franziska Harvey, deren Illustrationen ich generell sehr mag, bunt gestaltet und zeigt unter anderem Anni mit ihrem Ponyfreund Ponyherz. Auch die ersten beiden Seiten des Buches wurden im Comicstil illustriert, um etwas über das bisherige Geschehen in den Büchern zu erfahren. Im restlichen Buch kommen dann nur mehr wenige Zeichnungen vor.
Auch ohne die Bücher über Ponyherz gelesen zu haben, findet man sich in dieser Geschichte gut zurecht. Über alle wichtigen Charaktere erhält man Informationen und Anni blickt in ihren Tagebuchaufzeichnungen oft in die Vergangenheit, wobei sie ihre Beziehung zu Ponyherz und einige ihrer gemeinsamen Erfahrungen aufgreift.
Der Schreibstil von Usch Luhn ist angenehm zu lesen. Sie schreibt kindgerecht, für Kinder, die keine Pferdeprofis sind, werden Begriffe erklärt und sie greift auch außerhalb der Pferdethematik, Themen auf, die Kinder beschäftigen. Da Anni nun auf ein Internat geht, muss sie mit den unterschiedlichen Persönlichkeiten ihrer MitschülerInnen und LehrerInnen zurechtkommen. Geheimnisse, Freundschaft und erste kleine Schmetterlinge im Bauch kommen im Buch ebenso vor, wie natürlich die Liebe zu Pferden.
Die Story ist nicht besonders aufregend, jedoch schön erzählt. Ich denke, dass das angegebene Lesealter (ab 9 Jahren) passend ist, jedoch auch etwas unterschritten werden kann.
Der nächste Band wird am Ende des Buches auch schon angeteasert. Also steht einer neuen Buchreihe rund um Anni und Ponyherz nichts mehr im Weg.

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Wunderbare Lektüre!

Mitternachtsschwimmer von Roisin Maguire

Ballybrady ist ein kleines Dörfchen an der Küste Irlands, das sehr interessante Einwohner beherbergt. Grace ist als exzentrisch und sogar verrückt verschrien, hat jedoch einen festen Platz in der Gemeinde. Die 50ig-Jährige ist keine große Rednerin und hält sich auch nicht mit unnötigen Höflichkeiten auf, sagt unverblümt ihre Meinung.

Sie liebt das Meer, das Fischen und Schwimmen in seinem kalten Wasser. Das kleine Häuschen auf ihrem Grund vermietet sie regelmäßig an Touristen. Evan kommt aus Belfast nach Ballybrady, um für einige Tage vor seinem Leben und seiner Vergangenheit zu flüchten. Die Corona-Pandemie und er damit einhergehende Lockdown zwingen ihn länger als geplant zu bleiben und sich mit seiner neuen Umgebung auseinanderzusetzen. Während er Grace und einige andere Dorfbewohner näher kennenlernt, kommt er auch sich und seinen Gefühlen näher.
Ganz ruhig kommt dieses Buch daher und bringt eine wunderbar gefühlvolle Geschichte mit. Es kommt mit relativ wenig Dialog aus, beschreibt jedoch die Menschen, ihr Innenleben, die Natur und das Zwischenmenschliche mit Genauigkeit und Achtsamkeit. Die Charaktere sind vielschichtig dargestellt und durchlaufen im Laufe des Buches eine wunderschöne Entwicklung. Man lernt sie nach und nach kennen, stößt auf ihre vielen Facetten und merkt, wie realitätsnah die Autorin sie zeichnet. Ich unterstelle Roisin Magurie hier einfach mal ein besonderes Beobachtungstalent. Im dritten Abschnitt nimmt die Erzählung für einige Zeit an Fahrt auf, um dann wieder auf das geerdete Tempo zurückzukehren, die Charaktere jedoch verändert zurückzulassen und das Buch zu einem runden Ende bringen.
Ich wurde von „Mitternachtsschwimmer“ sehr überrascht! Von Beginn an war ich im Bann des klaren Schreibstils und der Geschichte, die viel Tiefe versprach und das Versprechen auch hielt. Mir waren die ProtagonistInnen sehr nah und ich wurde von ihren Leben und den Ereignissen im Buch abgeholt und berührt. Die Geschichte schwingt auch noch einige Zeit nach.
Ganz klare 5 Sterne von mir! LESEN!!!

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Wenn plötzlich alles anders wird…

Cascadia von Julia Phillips

Die Schwestern Elena und Sam leben auf einer der Inseln, die dem US-Bundesstaat Washington vorgelagert sind. Die beiden gehen auf die 30 zu, leben in sehr bescheidenen Verhältnissen und kümmern sich aufopferungsvoll um ihre todkranke Mutter. Ihr Zusammenhalt als Schwestern und der Traum, dem Leben auf der Insel eines Tages entfliehen zu können, hilft den jungen Frauen dabei, die harten Zeiten zu überstehen.

Die Sichtung eines Bären und die darauffolgenden Ereignisse bringen die Leben der Protagonistinnen völlig aus dem Takt und verändern alles.
Das Cover ist mir sofort ins Auge gesprungen. Die sanften Farben und das Landschaftsmotiv haben mich angesprochen. Der Klappentext verrät schon, dass die Geschichte nicht ganz mit dem pastellfarbenen Umschlag einher geht.
Die Autorin, Julia Phillips, schaffte es sehr schnell, mich in die Geschichte, die aus Sams Blickwinkel erzählt wird, zu ziehen. Die jungen Frauen, ihr Alltagstrott, ihre Träume und die Erinnerungen an die Kindheit sind greifbar, nachvollziehbar und ich konnte gut mit den Protagonistinnen mitfühlen. Die Freiheit und Wildheit, die die Landschaft der Inseln ausstrahlt und die Enge und Abhängigkeit, in der sich Elena und Sam befinden, sind gleichzeitig zu spüren. Das alles schafft eine besondere Atmosphäre, in der das etwas unwirklich wirkende Auftauchen des Bären und die damit einhergehenden Ereignisse Platz finden. Die Veränderungen der Realität der Frauen und Sams Blick auf ihre Geschichte, ihre Gegenwart und Zukunft ist teils hart, teils ein Aspekt des Erwachsenwerdens der jungen Frau.
Mich hat die Geschichte mit ihrer Tiefe überrascht, mich an der einen oder anderen Stelle mit der Realität erschlagen und gleich danach wieder mit der Storyline in Staunen versetzt. Sie ist auf jeden Fall schön erzählt, wirkt nach und lässt mich zu 90 Prozent überzeugt zurück.

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