Kunden em pfehlungen
Rezensionen von stina23:
Das Glück ist ein Vogerl
Die Halbwertszeit von Glück von Louise Pelt
In ihrem Buch lässt uns die Autorin Louise Pelt, die unter ihrem Klarnamen Lucy Astner schon einige Kinderbücher veröffentlicht hat, an der Geschichte dreier Frauen teilnehmen. Diese scheint nichts zu verbinden als die Sehnsucht nach Glück.
Johanna, eine Frau um die Fünfzig, lebt zurückgezogen in einer kleinen Datsche in einem Wald im Grenzgebiet der DDR in den 1980ern.
Sie hat alles Glück, Hoffnung und ihr Ziel im Leben mit dem Tod ihrer Tochter verloren. Als sie eine Teenagerin, die bei dem Versuch in den Westen zu fliehen, verletzt wird, bei sich aufnimmt und pflegt, wird ihre Welt im Innen und Außen auf den Kopf gestellt.
Holly lebt kurz nach der Jahrtausendwende in Los Angeles, wo sie hofft, mit dem Schreiben von Drehbüchern ihren Durchbruch zu schaffen. Die junge Frau beginnt als kleinstes Rädchen in einer Produktionsfirma zu arbeiten. Als eines Tages ihre erfahrenere Kollegin einen Botendienst für sie übernimmt, geschieht ein Unglück und Holly stürzt in tiefes Loch aus Schuldgefühlen, Ohnmacht und Sinnlosigkeit.
Mylène lebt in Paris ihren Traum. Sie ist mit ihrer Firma erfolgreich und es scheint immer weiter bergauf damit zu gehen. Ihre Hochzeit steht kurz bevor und sie weiß, dass sie den absolut richtigen Mann für sich gefunden hat. Ein Brief verändert für die Frau in ihren 30igern alles. Sie macht sich sang- und klanglos davon und begibt sich auf die Suche nach den Ursprüngen des Schreibens. Was sie dabei in Erfahrung bringt, lässt sie an allem bisher Erlebtem zweifeln und beinahe verzweifeln.
Die Autorin hat es geschafft, die drei so verschiedenen Frauencharaktere authentisch und realistisch zu transportieren, miit jeder konnte ich mitfühlen. Der Schreibstil ist angenehm flüssig zu lesen und der Spannungsbogen bleibt durch die gute Kapiteleinteilung aufrecht. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die Geschichten und Schicksale der drei Protagonistinnen haben mich begeistert. Die Zeitsprünge machen dabei für mich einen besonderen Reiz aus und im Laufe der Lektüre erkennt man das die drei Erzählstränge zu einem großen Ganzen zusammenfinden. Die Autorin hat das meiner Meinung nach sehr gut und durchdacht umgesetzt! Ein großartiges Buch mit einem sehr schönen, künstlerischen Cover.
Mein Fazit: unbedingt lesen!!!
Sehr schön, aber auch sehr traurig
Himmelwärts von Karen Köhler
Die zehnjährige Toni hat nur einen Wunsch. Sie will ihre verstorbene Mutter wiederhaben. Mit ihrer besten Freundin YumYum baut sie ein kosmisches Radio, um mit ihr im Himmel in Kontakt treten zu können. Am Abend ihrer Übernachtung im Zelt, legen die beiden los und bekommen tatsächlich eine Antwort! Die Astronautin Zanna hört ihre Funksprüche und tritt mit den Mädchen in Kontakt.
Es entstehen schöne, traurige und philosophische Gespräche.
Mich hat dieses Buch außerordentlich berührt. Die Trauer und Verzweiflung, die Wut und Hoffnungslosigkeit von Toni werden von der Autorin sehr authentisch transportiert. Sie beschreibt aus der Perspektive des Mädchens alles, was ihr durch den Kopf geht. Dabei gibt es immer wieder sehr lustige Momente, zum Beispiel, wie sie das Geplapper der Erwachsenen oft nur als unverständliches Gemurmel wahrnimmt oder den Spaß den sie mit YumYum hat. Da die Geschichte in nur einer Nacht spielt, helfen auch die Tagebucheinträge, Tonis Vergangenheit, besonders die Momente mit ihrer Mutter und ihre Krankheit, zu verstehen.
Das Buch lässt sich leicht und flüssig lesen. Die Illustrationen von Bea Davies passen hervorragend dazu.
Ich habe mir so schwer getan mit dem Buch, da es mich immer wieder zu Tränen gerührt hat. All die wundervollen und lustigen Passagen konnten mich da immer nur kurz durchatmen lassen, bis Tonis Verzweiflung und der Umgang mit dem Tod ihrer Mutter mit ihrer kindlichen Klarheit wieder zugeschlagen haben.
Ein schönes, wunderbar und mit außerordentlich viel Gefühl geschriebenes Buch, das ein wichtiges Thema behandelt! Sehr lesenswert und auch sehr traurig!
„Die Wahrheit ist die Erinnerung an sie“
Das Philosophenschiff von Michael Köhlmeier
Frau Professor Anouk Perleman-Jacob, eine hundertjährige Dame, will ihre Lebensgeschichte verfasst wissen, bevor sie stirbt. Zu diesem Zweck lädt sie den Schriftsteller Michael Köhlmeier in ihre Villa in Wien ein und beginnt zu erzählen…von ihrer Kindheit in St. Petersburg, den politischen Umbrüchen, dem erst feudalen, dann von Armut geprägten Leben, ihren Eltern und ihren Bekannten, die politisch mehr oder weniger aktiv und bedeutend sind, vor allem aber von der Angst, die alle immerzu begleitet.
Besonders als sie mit 14 Jahren mit ihren Eltern auf ein Luxusschiff verfrachtet wird und sich dort als eine von nur zwölf Auserwählten wiederfindet, die Russland verlassen müssen oder dürfen, ist die Angst ausspioniert und getötet zu werden dauerhaft präsent. „Philosophenschiffe“ werden diese Schiffe genannt, die größtenteils Intellektuelle ins Ausland transportieren. Nachdem das Schiff einige Tage auf hoher See stillsteht und etwas oder jemand von einem weiteren Schiff an Bord gebracht wird, macht sich das gelangweilte und neugierige Mädchen daran, ihre Umgebung zu erkunden. Dabei stößt sie auf einen alten, kranken Mann, der von sich behauptet, Lenin zu sein. Sie besucht ihn häufiger, unterhält sich mit ihm und es beginnt eine Freundschaft, wie sie es selbst nennt, zwischen den beiden zu keimen.
Auf einer der ersten Seiten behauptet die fiktive Figur Anouk, dass sie Michael Köhlmeier deshalb als Autor für ihre Biographie ausgewählt hat, weil man ihm oft nicht glaubt, wenn er die Wahrheit schreibt, ihm aber Glauben schenkt, wenn er lügt. „Das Philosophenschiff“ treibt genau dort, zwischen Wahrheit und Erfindung und man weiß nie so genau, wo man sich gerade befindet. Das übte für mich eine besondere Faszination beim Lesen aus. Einiges habe ich auf den Wahrheitsgehalt überprüft, aber meistens ließ ich mich einfach von den Erzählungen der alten Dame mit auf ihre Lebensreise nehmen. Sie prägen den Großteil des Buches und somit den Schreibstil, der dadurch etwas gewöhnungsbedürftig sein kann, sich für mich aber gut und flüssig lesen ließ. Die Passagen, in denen der Autor zB Recherchen anstellt, unterscheiden sich im Schreibstil.
Für mich ein außergewöhnliches Buch mit viel Information zu Russland, seinen Politikern und Bürgern Anfang des 20. Jahrhunderts und über eine Frau, die es so geben hätte können. Ich habe es gerne gelesen, zu meinen Lieblingsbüchern zählt es nicht.
Eine willensstarke Fee sucht ihre Zauberkraft
Mina Wirbelfee (Bd. 1) von Zoe Magdalena
Mina freut sich schon so sehr auf ihren siebten Geburtstag, denn da soll sie einen Brief der Feenkönigin erhalten und so erfahren, welches magische Talent sie hat. Minas Mutter, ihr Vater und ihre Großmutter stehen der ungeduldigen, kleinen Fee in der Wartezeit zur Seite. Die Enttäuschung ist dann sehr groß, als zwar der Brief pünktlich ankommt, die wichtigsten Wörter aber so undeutlich geschrieben sind, dass niemand sie entziffern kann.
Überraschenderweise ist Minas Familie damit einverstanden, dass sie sich auf den weiten und gefährlichen Weg zum Palast der Elfenkönigin aufmacht. Der sprechende Familienhund, Dackel Rüdiger, und die Wanderwarze Wanda kommen auf das Abenteuer mit. Unterwegs begegnen sie bösen Blumen, wehleidigen Bäumen und starken Meerjungfrauen. Mina verändert überall die Welt ein bisschen zum Besseren und schafft es schlussendlich auch zum Palast der Feenkönigin. Wird sie endlich erfahren, welche Feenkraft sie bekommt und sich auch endlich als richtige Fee fühlen?
In dieser Feengeschichte geht es sehr lustig zu. Mina ist eine willensstarke junge Fee, die nicht unbedingt mit Geduld gesegnet ist. Mit ihrem Sturkopf wirkt sie anfangs etwas forsch, aber natürlich lernt man auch ihre weiche Seite kennen. Minas Familie besteht aus einfühlsamen und witzigen Charakteren, besonders angetan hat es uns der Dackel Rüdiger. Er mag das Fliegen nicht, zeigt seine Ängste und ist ein treuer und lustiger Begleiter für Mina. Die Wanderwarze fand mein Kind etwas eigenartig. Zwar war an ihrer Rolle nichts auszusetzen, aber der Fakt, dass sie eine Warze ist, die sich immer wieder an verschiedenen Stellen des Körpers einfindet, war befremdlich. Deshalb wurde sie für uns einfach zur Wanderwanze. Über die starken Meerjungfrauen wurde bei uns viel gelacht.
Großartig sind die Illustrationen von Alexandra Helm! Mit viel Liebe zum Detail ergänzen sie die Geschichte auf wunderschöne und farbenfrohe Weise. Ich finde, sie heben das Buch auf ein höheres Level.
Insgesamt eine schöne Geschichte, die vom Spannungsniveau gut für jüngere Kinder passt und uns oft zum Lachen gebracht hat.
Facettenreich
Das Gemälde von Geraldine Brooks
Die Autorin zeigt in diesem Buch, welch ein gelungenes Gesamtkunstwerk entstehen kann, wenn man einen Gegenstand, in diesem Fall ein Gemälde, durch die Zeit begleitet.
Aus den Blickwinkeln von mehreren Personen, wird die Geschichte um das Gemälde, das das äußerst erfolgreiche Rennpferd Lexington zeigt, erzählt.
Die Ereignisse ziehen sich von der Mitte des 19. Jahrhunderts über die 1950er bis ins Jahr 2019. Die im Roman behandelten Themen sind deshalb auch sehr vielfältig und handeln unter anderem von Pferderennsport, Liebe, Rassismus, Malerei, … Geraldine Brooks hat gut recherchiert und historische Fakten mit viel Gefühl und ihrer Leidenschaft für Pferde in einen facettenreichen und ausgewogenen Roman verwandelt, der so viel mehr ist, als ich mir erwartet habe. Sie schafft es mit Leichtigkeit, die verschiedenen Handlungsstränge miteinander zu verweben, sodass ich mich als Leserin immer gut und verständlich durch die Zeitepochen geführt gefühlt habe. Die Kapitel sind so aneinandergereiht, dass mein Interesse dauerhaft geweckt blieb und ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.
Zum Inhalt: In den 1850ern wird das Pferd Lexington in Kentucky geboren. Der junge Sklave Jarret kümmert sich vom ersten Tag an um ihn. Er hat eine besonders feinfühlige Art mit Pferden umzugehen und entwickelt sich zu einem wahren Experten, was Rennpferde angeht. Zu Lexington fühlt er eine tiefe Verbundenheit. Das Pferd wird mehrere Male von Thomas Scott gemalt, der von Jarret und Lexington fasziniert ist. Eines dieser Kunstwerke wird 2019 in Washington DC von Theo aus dem Sperrmüll gerettet. Der junge Mann stellt für einen Zeitungsartikel und seine Doktorarbeit Nachforschungen darüber an und lernt so auch die Australierin Jess, die für das Smithsonian arbeitet, kennen und lieben.
Dieser Roman ist hat mich berührt. Immer wieder nahm die Geschichte Wendungen, beleuchtete die Menschen und die Menschlichkeit von vielen Seiten und ließ mich am Ende nachdenklich zurück.
Gelungene Fortsetzung des fantastischen Pferdeabenteuers
Die Seelenpferde von Ventusia, Band 2 - Wüstentochter von Jennifer Benkau
Heiß ersehnt ist der zweite Band der Seelenpferde von Ventusia bei uns eingetroffen und um es schon einmal vorwegzunehmen, er hat uns sehr gut gefallen.
Wir treffen in der Fortsetzung auf alle Charaktere, die wir in ersten Band kennengelernt haben. Diesmal steht Fiona aber nicht im Mittelpunkt. Ein weiteres Mädchen, das vor mehr als zehn Jahren auf der Erde vor der herrschsüchtigen und unbarmherzigen Göttertochter Victoria in Sicherheit gebracht wurde, wird entdeckt.
Mira lebt als Flüchtling in Deutschland. Sie hat alles verloren und kann sich nur schwer in dem fremden Land einleben. Einzig ihre Herzensschwester Fatima ist ihre Unterstützung. Als Mira plötzlich ein weißes Pferd sieht und dessen Stimme in ihrem Kopf hört, glaubt sie, verrückt geworden zu sein. Ausgerechnet ein Pferd muss es sein, wo sie doch mit Pferden abgeschlossen hat, nachdem unter den vielen traumatischen Erlebnissen, die sie durchstehen musste, auch eines mit Bezug auf Pferde war. Als sie auch noch von Wölfen und eigenartigen Menschen bedroht wird, muss sie eine Entscheidung treffen. Glaubt sie an die Geschichte von Ventusia und der Seelenverbindungen mit Pferden oder stellt sie sich ihrer Realität und lässt die Hoffnung auf eine bessere Welt los?
Wieder ziert ein wunderschönes Cover, das diesmal Mira und ein Pferd zeigt, das Buch. Auch die Bedrohung durch die Wölfe ist darauf zu erkennen. Die Story wird spannend und besonders, was die Geschichte der Flucht und des Flüchtlingseins betrifft, sehr einfühlsam erzählt. Ich finde es gut, dass die Autorin dieses wichtige und mehr als je aktuelle Thema in ihr Buch aufnimmt und Mira von ihren Verlusten, Ängsten, Hoffnungen und der Wichtigkeit von Sicherheit und Familie erzählen lässt. Diesem sehr realen Aspekt steht die wunderbare Welt in Ventusia gegenüber. Obwohl auch dort einiges im Argen liegt, ist es doch eine Welt der Freundschaft, Seelenverwandtschaft, zauberhafter Orte und Magie. Die schon bekannten Charaktere werden in dieser Fortsetzung noch schärfer gezeichnet, bekommen mehr Tiefe, entwickeln sich – besonders Damian. Obwohl so manche Bedrohung auftaucht und es spannend wird, bleibt doch alles sehr kindgerecht und es wird nie zu aufregend. Die Andeutung von Verliebtheitsgefühlen zwischen den ProtagonistInnen löste da bei meiner Zuhörerschaft (knapp unter dem empfohlenen Lesealter von 10 Jahren) mehr aus. (Gekicher!)
Am Ende des Buches werden schon die nächsten beiden Bände angekündigt – „Sturmmädchen“ und „Himmelskind“. Wir sind erfreut und gespannt darauf.
Uns hat das Buch, wie schon erwähnt, sehr gut gefallen. Es hat uns schöne gemeinsame Lesestunden bereitet. Über die zwei Tipp-/Schreibfehler, die mir aufgefallen sind, sehen wir hinweg und geben natürlich eine volle Leseempfehlung ab.
Ein Buch fürs Herz
Heldenhörnchen und Drachenfreund von Annika Scheffel
Das junge Eichhörnchen will endlich dazugehören. Die Tiere, mit denen es auf der Lichtung im Wald lebt, belächeln es, belehren es, nehmen es nicht richtig wahr. Damit muss Schluss sein. Als der wilde Herbst kommt, entdeckt es in der Höhle einen Drachen. Die anderen Tiere fürchten sich und wählen das Eichhörnchen aus, den Drachen wegzubringen um dann als Held gefeiert zu werden.
Die Chance endlich richtig gesehen zu werden und im Mittelpunkt stehen zu können, ergreift das kleine Tier. Auf dem Weg ans Ende der Welt lernen sich der Drache und das Eichhörnchen kennen und mögen einander bald sehr. Schnell bemerkt das Nagetier, dass es eines gibt, das noch besser ist als ein Held zu sein, nämlich ein Freund zu sein. Einige Hindernisse müssen noch überwunden, Geheimnisse gelüftet, tiefe Gefühle erkannt und gefährlichen Situationen entkommen werden, bevor der Drache und das Eichhörnchen dort ankommen, wo sie sich wohl fühlen.
Mir ging beim Vorlesen dieses Buches das Herz auf und meinem Kind erging das beim Zuhören genauso. Das Eichhörnchen, mit seiner quirligen, lustigen, sensiblen und unerfahrenen Art, mochten wir von Beginn an sehr. Ebenso erging es uns mit dem Drachen, der mit Weisheit, Ruhe und Stärke als die perfekte Ergänzung dazukam.
Das Buch ist gleichzeitig einfühlsam und mitreißend geschrieben. Die Autorin scheint sehr nahe an Kindern oder an dem Kind in ihr dran zu sein, denn ihre Wortwahl, ihre Art, Dinge und Situationen zu beschreiben, hat viel von der magischen Logik von Kindern. Mit kleinen Wortspielen und vielen witzig beschriebenen Erlebnissen der beiden Tiere bringt sie Humor und Leichtigkeit in die Geschichte. Das ist wichtig, da es ansonsten viel darum geht, dass sich das Eichhörnchen nicht zugehörig und sich nicht um seiner selbst willen geliebt fühlt und was es alles tut, um endlich dazuzugehören. Besonders am Ende ergänzen sich Gefühl und Humor auf eine fantastische Weise. Ach, hätte nur so manch andere Geschichte ein solches Ende!
Ein wunderbar gefühlvolles und abenteuerliches Buch, von dem man als Erwachsene und Kind viel mitnehmen kann. Eine klare (Vor-) Leseempfehlung!
Kann man vom Leben schreiben?
Eigentum von Wolf Haas
Ja, Wolf Haas kann!
In seinem neuesten Buch schreibt er über die letzten Tage seiner Mutter. Sie lebt in einem Altersheim, er verbringt viel Zeit mit ihr und es ist abzusehen, dass der Abschied naht. Wieviel Autobiographisches und wieviel Fiktion in seinem Werk stecken, bleibt unerklärt.
Schon bei der Beschreibung ihrer kleinen, gebeugten Gestalt, die sich mit Mühe im Rollstuhl, der an den Esstisch geschoben wurde, versucht aufzurichten, wurde ich unweigerlich an meine Großmutter erinnert.
Obwohl sie ein ganz anderer Typ Mensch als die Mar. Haas war, gleichen sich ihre Erzählstile. Die Wiederholungen, das sich während des erzählens-doch-wieder-an Details-Erinnern, die Berichte über die Entbehrungen während des Kriegs und danach,… sind mit sehr vertraut. Marianne Haas ist getrieben, Eigentum zu erwerben, Grund, der ihr gehört, den ihr niemand wegnehmen kann. Dies gelingt ihr schlussendlich erst bei der Beisetzung im Familiengrab. So tragisch einiges in diesem Buch auch ist, der Autor schreibt darüber trocken aber nicht unemotional. Auf mich wirkte das richtiggehend wohltuend.
Haas springt in seinem Werk zwischen dem Abschiednehmen und den Erinnerungen der Mutter, die in ihren jungen Jahren ein sehr ereignisreiches Leben geführt hat und eine sehr eigenwillige Person war. Vor allem eines wird dabei klar. Er liebt seine Mutter. Er beschreibt sie und all ihre Eigenschaften mit Humor, einer liebevollen Bissigkeit, einer Schonungslosigkeit und immer mit einer tiefen Verbundenheit.
Die Passagen, in denen sich die Mutter erinnert, sind mit vielen österreichischen Dialektausdrücken gespickt. Das macht die Erzählungen sehr authentisch. Besonders schön finde ich, dass sich am Ende der Kreis der Geschichte durch einige Sätze über eine Alltäglichkeit schließt.
Für mich fühlte es sich an, als ob ich 157 Seiten lang in Wolf Haas‘ Hirn und Herz zu Gast war. Es war ein sehr schöner und auch aufschlussreicher Besuch. Danke, gerne wieder.
Zeitreise mit Humor
Mein schrecklich schönes Leben von Holly Smale
Ein Tag, den man am liebsten vergessen und sicher nicht noch einmal wiedererleben möchte, ist genau der Tag, an den Cassandra immer wieder zurückkehrt. Sie verliert ihren Job, ihr Freund macht mit ihr Schluss und ihre Mitbewohner bitten sie auszuziehen. Als ihr klar wird, dass sie die Zeit zurückdrehen kann, will die 31-Jährige das nutzen, um ihre Beziehung mit Will zu retten.
Cassie steht sonst nämlich recht allein da. Ihre Art auf Menschen und Situationen zu reagieren, ist anders als beim Durchschnitt und das bewirkt, dass sie größtenteils abgelehnt wird. Natürlich sind für ihren Plan viele Zeitreisen nötig und dabei geht es oft turbulent zu.
Ich mag Bücher, die mit Humor geschrieben sind und das ist hier der Fall. Der Schreibstil ist locker und sehr angenehm zu lesen, sodass man schnell über die Seiten fliegen kann. Obwohl auch einige Längen dabei waren, habe ich das Lesen genossen. Die Protagonistin ist interessant und entwickelt sich im Buch weiter, das macht die Story für mich ansprechend. Cassandra hat nicht nur ihren Namen aus der griechischen Mythologie, sie ist auch fasziniert von ihr und somit bekommt man als Leserin oder Leser auch noch auf diesem Gebiet einige Informationen.
Ich habe mich von der Story gut unterhalten gefühlt und der Schreibstil der Autorin gefiel mir. Eine Zeitreisegeschichte, die ein bisschen anders ist, genauso wie die Protagonistin und, wie schon erwähnt, lustig zu lesen ist. Von mir gibt es dafür 4 Sterne.
Zeitreisemagie für junge Leserschaft
Memora Castle oder Das Rätsel der vertauschten Zeit von Marikka Pfeiffer
An das Familienanwesen „Memora Castle“ hat die zwölfjährige Holly nur wenige Erinnerungen. Ihre Tante Claire lebt jetzt dort und die möchte das Mädchen besuchen, da sie das Herumreisen mit ihrem Vater, der Naturdokumentationen filmt, satt hat und endlich mehr Familienleben erfahren möchte.
Als sie in dem alten Gebäude ankommt, trifft sie auf einige Verwandte, aber nicht auf Claire, die seit einiger Zeit spurlos verschwunden ist.
Schnell wird Holly klar, dass etwas Magisches in dem Haus vor sich geht. Mit ihrer Cousine Ilana und ihrem Cousin Janko findet sie zwei Verbündete, mit denen sie sich auf die Suche nach dem Geheimnis von Memora Castle macht. Dabei reisen die drei durch die Zeit und lösen so manches Rätsel auf.
Mit Holly ist der Autorin ein sehr sympathischer Charakter gelungen, mit dem sich sicher viele Kinder identifizieren können. Sie ist eher schüchtern und hat vor so manchen Dingen Angst, ist aber sehr feinfühlig, loyal und beweist im Laufe der Geschichte, dass viel Mut und noch einiges mehr in ihr stecken. Der magische Kuckuck Kasimir ist ihr treuer und witziger Begleiter, da er ständig Sprichwörter durcheinanderbringt. Obwohl die Geschichte spannend ist, der Antagonist Kendrick richtig gemein ist und Böses plant, wird sie nicht angsteinflößend. Es geht viel um Freundschaft und Familie und der Schreib- und Sprachstil ist kindgerecht, darum denke ich, dass das empfohlene (Vor-) Lesealter auch unterschritten werden kann. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und die Geschichte hat einen schönen, harmonischen Schluss.
Ich habe mich als Erwachsene gut unterhalten gefühlt und als Kind hätte dieses Buch auf jeden Fall zu meinen Lieblingsbüchern gezählt.











