Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Katharina Grassmugg:
Ein Schicksal im geteilten Deutschland
Wellenkinder von Liv Marie Bahrow
Nachdem Jans Mutter verschwunden ist hat er versucht sich vor der Welt zu schützen. Er hat sich geschworen für seinen Sohn ein besserer Vater zu sein als sein eigener dies je sein konnte, um ihm das Leben in einer zerrütteten Familie zu ersparen. Ganz gelungen scheint ihm das allerdings nicht zu sein denn er steht vor den trümmern seiner Ehe.
Nachdem eine Leiche gefunden und als Jans Mutter identifiziert werden soll erfährt Jan etwas, was ihm den Boden unter den Füßen wegzieht. Was ist damals wirklich passiert? Ist sie nicht, wie man ihn sein ganzes Leben lang glauben ließ in den Westen geflüchtet und hat ihr Kind im Stich gelassen? Wie soll er mit all dem Leid umgehen mit ddm er auf seinen nachforschungen konfrontiert wird, wie seine Vergangenheit und die seiner Mutter verstehen wenn er das Gefühl hat alles was man ihm sein ganzes Leben lang erzählt hat war eine Lüge?
Jan rechnet damit viel Schmerz und Enttäuschung erleben zu müssen doch will er nun endlich die Wahrheit wissen. Und er will nicht das sich diese Wahrheit zwischen seinen Sohn und ihn stellt so wie es bei ihm und seinem Vater der Fall war von dem er sich immer mehr entfremdet hat.
Auf der Suche nach der Wahrheit setzt er die Vergangenheit seiner Familie und seine eigene Geschichte Stück für Stück wie ein Puzzle zusammen. Was er allerdings erfährt ist mehr als er verkraften kann. Er muss sich seiner Vergangenheit stellen und das wird ein steiniger Weg des Verzeihens, Wiederentdeckens und Nachforschens werden.
Die Geschichte die Liv Marie Bahrow (@liv.marie.bahrow) hier erzählt hat mich sehr berührt und teilweise auch sehr schockiert. Es ist einfach unglaublich wie viel Leid im geteilten Deutschland verursacht wurde und wie unzählige Menschenleben scheinbar bedenkenlos einer Ideologie geopfert wurden.
Mir hat der Schreibstil der Autorin wirklich gut gefallen und trotz der sehr schwierigen Thematik, die teilweise auch sehr bedrückend war, lässt sich das Buch schnell und leicht lesen.
Lehane kratzt an der Substanz
Sekunden der Gnade von Dennis Lehane
Dieser Roman ist in meinen Augen vor allem eines: extrem heftig. Gewalt, Drogen, Mord, Hass, Rassismus... dass alles und noch viel mehr sind die Kernthemen die Lehane hier in die unglaublich spannende Handlung eingewoben hat.
Nachdem die Regierung in Boston 1974 beschlossen hat das sie die Rassentrennung in Schulen verbieten und die Vermischung fördern will kochen die Gefühle hoch und Angst und Hass brechen sich Bahn.
Dann wird ein junger Mann brutal ermordet und Mary Pats Tochter verschwindet am selben Abend.
Mary Pat sucht ihre Tochter vergebens und als sie versteht das ihr das letzte genommen wurde beschließt sie ihre Tochter zu rächen. Um jeden Preis, denn nun hat sie nichts mehr zu verlieren.
Dennis Lehane hat es geschafft einen Roman zu schreiben der einen tiefgreifenden Hass und Rassimus demaskiert den man im allgemeinen versucht unter den Tepich zu kehren.
Kompromiss - und Schonungslos beschreibt er eine Welt die nicht mehr von Vernunft und Gerechtigkeit regiert wird sondern von Hass, Rache und Impulsivität. Ein sehr spannender Roman der jedoch mit Vorsicht zu genießen ist und einen nicht mit Samthandschuhen anfassen wird was allerdings für mich als absoluter Pluspunkt zu Werten ist.
Eine Welt zwischen Tradition und moderne
Mattanza von Germana Fabiano
Katria, eine kleine Inselgemeinde wird geleitet vom Rythmus des traditionellen Tunfischfangs welcher sich in mehrere Phasen einteilt. 1. Crutiato, das Spannen und Fixieren der Verankerungsseile, 2.Calatu, das ausbringen der Netze, 3. Mattanza, das Töten und 4. Salpatu, das einholen und einlagern der Reusenanlage für das nächste Jahr.
In dieser Gemeinde wächst Nora auf, die Tochter des Rais, des Oberhauptes der Gemeinde. Sie soll später seinen Platz einnehmen. Sie scheint ihrem Schicksal nicht entkommen zu können. Doch noch weiß niemand das die Griechische Insel Schauplatz großer Veränderungen sein wird.
Als die ersten Toten angeschwemmt werden und die ersten Flüchtlingsboote ankommen ist für alle in Katria klar das eine neue Zeit eingeleutet wurde. Wie werden sie weitermachen und wie kann Nora einen Weg finden die Neuankömmlinge und ihre angestammte Gemeinde zusammenzuführen und ihnen allen das Überleben sichern ohne ihre Traditionen zu verraten.
Dieser Roman ist zwar Seitentechnisch nicht übertrieben lang, besticht aber durch seinen wunderbaren Schreibstil und die berührende und spannende Geschichte einer junge Frau und einer ganzen Insel die sich entscheiden müssen zwischen Humanität und Sicherheit, zwischen Tradition und Fortschritt und so einen Weg zum Überleben zu finden. Die Autorin hat es geschafft die Gedanken, Gefühle, Hoffnungen und Ängste einer Welt zu schildern die sich dem Verfall nicht preisgeben möchte und versucht mit großen Veränderungen umgehen zu lernen. Ein grandioser Roman
Unkonventionell und interessant
Treacle Walker von Alan Garner
Es geht um einen Jungen der versucht die Welt zu verstehen, was ich als Grundthema sehr toll fand.
Leider tat ich mir etwas schwer mich an den Schreibstil zu gewöhnen und konnte so erst etwas später ganz im Buch ankommen. Das Buch ist fast ausschließlich in Dialogen verfasst was an ein Drehbuch oder ein Theaterstück denken lässt.
Spannend fand ich die Tatsache das Treacle Walker alles heilen kann, außer Eifersucht. Er zeigt Joseph eine gänzlich andere Perspektive auf sein Leben. So lernt der Junge, der einen Augenfehler hat das es mehr gibt als man mit den Augen sehen kann.
Ein sehr interessantes und unkonventionelles Leseerlebnis.
Ein toller Roman
Porträt auf grüner Wandfarbe von Elisabeth Sandmann
Elisabeth Sandmann hat es geschafft mich schon nach kurzer Zeit in den Bann dieser Geschichte zu ziehen.
In diesem Roman geht es um zwei Freundinnen deren Freundschaft Kriege überdauert, Spannungen übersteht und Geheimnisse tief einschließt und für sich behält, aber auch um eine Schuld die über Jahrzehnte und Generationen weitergetragen wird, über die jedoch niemals gesprochen wird.
Das alles hält stand bis Jahrzehnte später Ilsabès Enkelin Gwen Tagebücher findet. Nachdem sie diese gelesen hat begibt sie sich auf eine Spurensuche nach verlorenen Kunstwerken ebenso wie nach verdrängter und totgeschwiegener Familiengeschichte.
Warum spricht niemand über diese Dinge und was ist damals wirklich passiert. Gwen beschließt herauszufinden was damals vorgefallen ist. Doch mit den Wahrheiten die sie da zu Tage fördert konfrontiert zu werden hatte sie nicht erwartet.
Nun müssen sie und ihre restliche Familie einen neuen Weg finden um damit umzugehen.
Dieser Roman hat mich sehr schnell in seinen Bann gezogen. Wie die Jahresringe eines Baumes legt die Autorin Schicht für Schicht eine spannende, berührende und teilweise schwer zu verarbeitende Familiengeschichte frei in die man sofort mit hineingezogen wird und von der man nach den ersten paar seiten schon nicht mehr loskommt.
Eine außerordentlich beeindruckende Leistung der Autorin und von mir eine absolute Leseempfehlung für alljene die gerne große Familienromane voller Geschichten und geheimnisse lesen.
Tolle Geschichte
Mein Leben als einsamer Axolotl von Linda Bondestam
Unten am Grund schlüpft ein Axolotl. Er ist der letzte seiner Art. Aus seiner Sicht erzählt er wie die Menschen, die er Plumpiane nennt die Umwelt vergiften und zerstören. Nach und nach verschwindet eine Spezies nach der anderen und der Axolotl ist ganz allein. Doch noch ist nicht alle Hoffnung dahin.
Linda Bondestam erzählt hier eine wunderbare Geschichte die von Franziska Hüther gekonnt übersetzt wurde. Die Geschichte finde ich sehr toll und einen Axolotl vom Klimawandel erzählen zu lassen finde ich eine absolut geniale Idee. Teilweise finde ich die Illustrationen etwas gewöhnungsbedürftig. Aber dem pädagogischen Wert dieser Geschichte tut dies keinen Abbruch. Ich habe mich wirklich sehr auf dieses Buch gefreut und finde den Text wirklich toll. Ich kann das Buch empfehlen auch wenn es zwischenzeitlich etwas drastisch ist und man eventuell schöner hätte illustrieren können, aber das ist Geschmackssache
Großartig
So weit der Fluss uns trägt von Shelley Read
Eine junge Liebe die nicht sein soll und ein gewaltsames Ende finden wird. Eine zerrüttete Familie und ein junges Mädchen das alles riskiert und alles verliert was sie liebt.
Das alles und noch mehr erzählt die Autorin in diesem Buch.
Als Victoria und Will sich das erste Mal begegnen verändert sich für die beiden alles.
Sie verlieben sich, doch diese Liebe darf nicht sein. Nachdem Will verschwunden ist wird ihr klar das sie sein Kind trägt. Doch was mit ihm geschehen ist und wer dafür die Verantwortung trägt kann Viktoria nicht ertragen. Sie flieht in die Wildniss und versucht dort mehr schlecht als recht zu überleben und mit ihrem Schmerz leben zu lernen. Doch eines Tages muss sie sich vom einzige trennen was ihr noch geblieben ist.
Jahre später beginnt ein junger Mann der so gar nicht in seine Familie zu passen scheint, weder äußerlich noch emotional sich zu fragen woher herkommt. Er erfährt eine Geschichte die ihn aus der Bahn wirft und mit der er niemals gerechnet hat.
Dieser Roman hat eine unglaubliche wilde, raue Schönheit. Die Geschichte erstreckt sich über mehrere Jahre doch ist immer die Konstante des Gunnison River zu finden. So zieht sich die Geschicht durch die Jahre wie der Lauf des Flusses durchs Land. Ein toller Roman voller großer Gefühle und wilder, rauer Schönheit über das verlieren und wiederfinden, Verlust, Trauer und Heilung.
Mich hat der Roman in seiner Erzählweise und seiner Rauheit an "Der Gesang der Flusskrebse" aber auch an "wo die Wölfe sind" erinnert. Daher denke ich das dieses Buch bestens für jene bestens geeignet ist die diese Bücher gerne gelesen haben.
Ein Bilgewaltiges, spannendes und berührendes Buch das sicher auch großartig als Verfilmung funktionieren würde.
Ausgesprochen hilfreich
Migräne-frei: endlich Frieden im Kopf von Meike Statkus
Hast du schon einmal einen Brief an deine Migräne geschrieben oder dich während eines Anfalls gefragt welche Emotionen du dabei hast oder welche Emotionen den Anfall ausgelöst haben könnten? Hast du schon einmal etwas von neurogänem Zittern, also absichtliches Zittern und schütteln des Körpers zum Zweck des abbaut von Anspannung gehört? Ich bisher auch nicht, aber ich leide seit ich denken kann immer wieder unter Migräne Attacken die meine Lebensqualität erheblich beeinflussen, ohne Pfefferminzöl oder verschieden Anti - Kopfschmerz Kombinationen aus ätherischen ölen in der Handtasche, die leider auch nur kurzzeitig helfen und auch nur wenn die Migräne erst am Beginn ist, habe ich das Haus gar nicht mehr verlassen.
Lärm und grelles Licht triggern mich extrem was es oftmals sehr schwierig macht. Immer wieder sage ich Verabredugen ab oder kann nicht zur Arbeit gehen weil meine Migräne mich so quält oder ich quäle mich den ganzen Tag um nicht als unproduktiv oder zu wenig belastbar zu gelten.
Daher hat mich dieses Buch sofort angesprochen. Die Autorin,die selbst Jahrelang gelitten hat und mittlerweile als Migräne und Neuro - Coach sowie Heilpraktikerin für Psyhotherapie arbeitet, zeigt hier mehrere sehr interessante Wege auf um mit der Migräne leben zu lernen und so seine Lebensqualität zurückzugewinnen. Sie entwickelte das ganzheitliche Prinzip des T.E.K.E das sie im Buch ausführlich beschreibt. Für mich klingt dieses Konzept wirklich hilfreich auch wenn es Zeit und gute Selbstreflexion erfordert. Das sollte es einem jedoch wert sein wenn man dadurch mit seiner Migräne besser umgehen kann. Was ich sehr spannend fand ist der ganzheitliche Ansatz den ich so bisher eher seltener berücksichtigt habe und die Idee eines Migräne Tagebuchs das in meinen Augen sehr hilfreich sein könnte um seine Auslöser besser zu kennen und damit nach Lösungen suchen zu können. Für mich ein absolut hilfreiches Buch das ich jedem der mit Migräne zu kämpfen hat sehr ans Herz legen möchte. Es könnte ein guter Anfang und der erste Schritt zu mehr Lebensqualität sein.
Wenn die Natur zurückschlägt
Blue Skies von T. C. Boyle
"Es war eine momentane Anomalie, der Warnschuss eines überlastet Planeten,und vielleicht würde es die Menschen aufrütteln. Aber vielleicht auch nicht. Vielleicht war es allen gleichgültig. Insekten - wer brauchte schon insekten? " Kapitel 15 s. 232
TC Boyle ist mein absoluter Lieblingsautor.
Ich kann es schon gar nicht mehr erwarten ihn im Juni das erste Mal live zu erleben. In seinem neuen Roman erzählt er eine Geschichte die sowohl tragisch, satirisch, schockierend und komisch und alles zugleich ist.
Was sie nicht ist ist Langweilig. Kein Satz ist zu viel, keine Wendung vorhersehbar. Immer wieder kommen Bolyes ausgereifte Fähigkeiten als Beobachter von Zuständen und Phänomenen sowie menschlicher Abgründe und Unzulänglichkeiten zu Tage. Ein turbulenter, unterhaltsamer Roman der mich auf jeder Seite wunderbar unterhalten und auch immer wieder zum nachdenken und lachen gebracht hat, bei dem mir jedoch auch immer wieder das lachen im Hals stecken blieb. Wie schon in seinen beiden Romanen "Ein
Freund der Erde" und "wenn das Schlachten vorbei ist" widmet sich boyle hier den (vermeintlichen) Klimaschützern, Cat und Todd, die ihren Aktivismus und teilweise auch ihren Geltungsdrang ins unermessliche steigern und dabei auch nicht davor zurückschrecken geradezu aggressiv oder kompromisslos zu wirken und letztendlich alles für ihren aktivismus und ihre Ideale zu opfern, dienen ihre Bemühungen doch dem höchsten Zweck, der Rettung der Erde und der Erhaltung der Spezies. Das zeigt sich auch wenn der Protagonist im Buch nicht gerade Freudensprünge macht als seine Frau ihm eröffnet das sie Zwillinge erwartet, wäre es doch moralisch nicht vertretbar noch einen Menschen, geschweige denn zwei mehr in die Welt zu setzen, und somit noch mehr Co² und Recourcen zu verbrauchen.
Doch die Katastrophe die dann eintritt lässt sich absolut nicht vorhersehen und nach diesem Ereignis ist für Cat nichts mehr so wie es einmal war.
Boyle schreibt ohne zu beschönigen über Klimawandel, menschlichen überlebenswillen, die auswirkungen des menschlichen Verhaltens auf unseren blauen planeten, zwischenmenschliche Beziehungen und die großen Probleme der Menschheit. Gekonnt kritisiert er hier nicht nur Doppelmoral und Scheinheiligkeit sondern auch das mangelnde Reflexionsverhalten der beschriebenen Generation die in ihren Bemühungen und ihrem Idealismus übers Ziel hinausschießt und den Preis dafür bezahlen muss
Wieder ein durch und durch gelungener Roman.
Die Liebe zur Musik
Dunkel der Himmel, goldhell die Melodie von Anne Stern
Anne Stern widmet sich in ihrem neuesten Roman mit viel fingerspitzengefühl und großem Feinsinn einer jungen Frau die ihre ganze Leidenschaft der Musik verschrieben hat.
Elise Spielmann entstammt einer Musikerdynastie und ist eine begeisterte Geigerin die davon träumt ihre liebe zur Musik irgendwann zu ihrem Beruf zu machen.
Alleine dieser Umstand scheint jedoch im Dresden des Jahres 1841 schon als obszön und unmöglich, geradezu ungehörig zu gelten, die Körperhaltung beim Geigespielen schicke sich nicht für eine Dame und Frauen seien im allgemeinen zu empfindsam und emotional zu instabil für eine musikerkariere heißt es im allgemeinen.
Das alles hört Elise ihr ganzes Leben lang schon, doch glauben konnte sie das nie. Als Elise einer anderen sehr empfindsam Künstlerseele in Gestalt des Malergehilfen Christian Hildebrand begegnet ist es um die beiden Geschehen. Doch wie soll es mit den beiden die sich einander so nah fühlen weitergehen, ist doch Elise längst einem anderen Mann versprochen der ihre Persönlichkeit und ihre Leidenschaft für die Musik so gar nicht verstehen will. Auch die Standesgrenzen verbieten eine Verbindung der beiden Liebenden. Werden sie einen gemeinsamen Weg finden ihre Träume zu verwirklichen und ein gemeinsames Leben führen können oder sind sie zum scheitern verurteilt?
Anne Stern hat mich schon mit "drei Tage im August" schwer begeistert. Bei diesem Roman habe ich allerdings ein bisschen länger gebraucht um in die Handlung hineinzufinden. Die Charaktere waren komplex und authentisch was mir sehr gut gefallen hat und auch die Rolle die die Protagonistin einnimmt und die Entwicklung die sie im Laufe der Handlung durchmacht fand ich sehr interessant und gelungen. Ein sehr toller, spannender Roman über die Liebe zu anderen, zu sich selbst und zur Kunst.











