Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Katharina Grassmugg:
Ein toller Roman
Die Bücher, der Junge und die Nacht von Kai Meyer
Eine sehr gelungene Geschichte die mit Spannung und dramatik ebenso aufwarten kann wie mit leisen Untertönen und der ein oder anderen sehr überraschenden Wendung. Dramaturgisch sehr raffiniert aufgebaut könnte ich mir auch eine Verfilmung ausgesprochen gut vorstellen. Mir hat besonders die detailvielfalt und Liebe gefallen mit denen Meyer seine Figuren gestaltet hat und sie mit so vielen marotten, liebenswerten Eigenschaften wie auf Fehlern ausgestattet hat das man sie am liebsten persönlich kennenlernen möchte (zumindest einige der Figuren).
Sehr interessant und berührend
Café Leben von Jo Leevers
(CN: Tod, Trauer, Gewalt, Missbrauch, Alkoholismus, Krankheit, Trauma)
"Wenn du auf dein Leben zurückschaust, dann hat es keine geordnete Form. Es sind eher Schnappschüsse, wie in einem Fotoalbum." S. 50 Kapitel 7, Henrietta
Dieser Roman hat mich mitten ins Herz getroffen.
Die Geschichte dreht sich um Henrietta die für das "Projekt Lebensbuch" in einem Hospitz arbeitet. Sie soll Erinnerungsbücher schreiben, für die Hinterbliebenen als Trost. So erfährt sie viele Lebensgeschichten. Besonders die Geschichte die ihr Annie erzählt lässt sie nicht mehr los. Sie hat das Gefühl das sie ihr vieles verschweigt und ihren Fragen immer wieder ausweicht. Nach und nach beginnt sie allerdings zu erzählen und Henrietta ist zutiefst betroffen von der Geschichte. Annie hat in jungen Jahren ihre Schwester verloren, sie sei ertrunken heißt es. Danach hat Annie um einem gewaltätigen Vater zu entfliehen einen Mann geheiratet der sie durchgehend erniedrigte und schlecht behandelte und der ein tragisches Ende nahm. Henrietta, die sich in Gefühlsdingen versucht abzuschotten, da auch sie eine große Bürde trägt und einen schweren Verlust verkraften musste, versucht den Dingen auf den Grund zu gehen und stößt dabei etwas an was sie nie für möglich gehalten hätte.
Und plötzlich ist alles anders. So lernen die beiden Protagonistinnen einander zu vertrauen, sich gegenseitig ihre größten Wunden zu offenbaren und sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen und sind nach sehr langer Zeit nicht mehr alleine.
Jo Leevers hat es geschaft mich mit ihrer Geschichte von der ersten Seite an zu fesseln und mich bis zum letzten Satz nicht mehr loszulassen. Der Roman berührt tief und kann mit einigen überraschenden Wendungen aufwarten die eine unglaubliche Spannung aufbauen. Für mich ein durch und durch gelungenes Buch das meine Erwartungen übertroffen und mich total überrascht hat.
Auch die Idee mit dem Interview am Ende des Romans fand ich wirklich wunderbar. Das hat das Buch für mich nochmal etwas mehr abgerundet und ihm noch eine andere, noch tiefere Dimension gegeben.
Griechische Mythologie aus der Sicht der Frauen
Elektra, die hell Leuchtende von Jennifer Saint
Das die Griechische Mythologie sehr Männerdominiert ist ist wohl der Zeit geschuldet in der sie entstand. Das die Autorin jetzt hergeht und die Geschichten aus der Perspektive der Frauen, in diesem Fall Klytämnestra, Elektra und Kassandra, die dem Krieg von Troja machtlos zusehen müssen und alle mit ihrem Schicksal hadern, erzählt finde ich ausgesprochen spannend.
Die Geschichte hat mich sofort gefesselt und ich finde es toll das hier ein neuer Blick auf die Griechische Mythologie geworfen wird. Ich konnte das Buch nach den ersten Sätzen schon nicht mehr aus der Hand legen und war wie gebannt von der Geschichte die aus den wechselnden Perspektiven der Frauen von Troja erzählt wird. Diese bringen eine interessante Ebene in die Geschichte ein. Sind sie in den Originalen Geschichten hauptsächlich Randfiguten werden sie hier zu Protagonistinnen die ihre Sicht auf die Dinge schildern und dies mit Scharfsinn und Kampfgeist ebenso wie mit gleichmut und größe. Eine wirklich gelungene Geschichte
Toll und berührend
Der Junge im Fluss von Nestor T. Kolee
Wie schon in "Der Junge der auf einem Esel ritt" hat @nestor.kolee hier einen sehr tiefgründigen, philosophischen Roman geschrieben.
Der Protagonist Ben lebt auf einer Insel und versucht diese zu bewahren. Nach und nach erfährt man einiges über ihn und auch über seinen Bruder der das genaue Gegenteil ist und die Welt sehen möchte.
Als Bens Bruder ihm eine Geschichte erzählt und ihm offenbart das er in der Stadt war in der die Geschichte spielt ist auch Bens Neugier geweckt und er macht sich auf den Weg.
Das er auf seiner Reise einige, auch schwer zu verarbeitende Wahrheiten erfahren wird und er, der sich nichts mehr wünscht als Beständigkeit, sich von Grund auf ändern wird ist im anfangs nicht bewusst.
Er wird einige Wahrheiten erfahren die er nur schwer verdauen kann.
@nestor.kolee nimmt seine Leser mit auf eine Reise der Selbstfindung und überrascht mit mehreren unerwarteten Wendungen. Seine Sprache ist sehr gewählt und das gelesen erinnert immer wieder an Gleichnisse.
Ein sehr tolles Buch für alle die gerne tiefgründiges, zum Nachdenken anregendes lesen.
Ein interessanter Roman
Meine bessere Schwester von Rebecca Wait
TW: Psychische Probleme, Tod, Verlust Angst, Minderwertigkeitskomplex]
Ich hatte mir aufgrund der Leseprobe etwas eher einfacheres vorgestellt. Eine Geschwistergeschichte mit höhen und tiefen.
Was ich aber bekommen habe ist das Psychogram einer Familie, mit Verlustängsten, Minderwertigkeitskomplexen, Geschwisterrivalität und psychischen Problemen.
Die Autorin nimmt sich jedem der oben angeführten Themen auf interessante Weise an und lässt nichts zu kurz kommen. Die Schwesternbeziehung steht im Buch im Mittelpunkt. Diese ist sehr ambivalent. Einerseits von Liebe und andererseits von Neid und Missgunst geprägt. Ich finde es irgendwie interessant das der Roman mit einer Beerdigung anfängt, wo es doch um das Leben junger Menschen geht, irgendwie ist es jedoch passend da das Buch sehr Retrospektiv erzählt. Es geht sowohl um die einzelnen Protagonisten mit ihren Ängsten, Träumen, Hoffnungen und Sehnsüchten als auch um die Dynamiken innerhalb der Familie.
Es werden einige Themen wie Trauer, Tod, Psychische Probleme, Verlust, die Suche nach sich selbst und nsfh einem erfüllten Leben thematisiert. Das Buch war für mich weder ein Highlight noch kann ich sagen das es schlecht war. Es war insgesamt ein gutes Buch wenn ich auch gestehen muss das man auf einige Themen verzichten hätte können um auf andere noch näher einzugehen. Insgesamt ganz interessant. Ich denke das sich in dieser Geschichte ziemlich viele Menschen wiederfinden werden.
Sehr berührend
Unsre verschwundenen Herzen von Celeste Ng
Die Handlung des Romans dreht sich um den jungen Bird der mit seinem Vater in Amerika lebt. Das von Angst und antiasiatischem Rassismus zerfressene Land hat versucht sich durch Gesetze selbst zu isolieren und so eine Art totalitäre Klassengesellschaft erschaffen.Das alles ist für Bird sein normaler Alltag, er kennt es nicht anders.
Was er allerdings nicht versteht ist die für ihn nicht nachvollziehbare Angst seines Vaters vor etwas das er nicht kennt und sein extremer beschützerinstinkt, das verschwinden seiner Mutter, einst eine Revolutionärin und Poetin, und auch in seinen Augen aggressive Verhalten seiner Schulkollegin die in einer Pflegefamilie lebt. Sein ganzes Leben wurde er davor gewarnt das "antiamerikanisches Verhalten" gefährlich ist. Unhinterfragt bleibt das bis zu dem Tag an dem er versucht den Gedichtband seiner Mutter zu finden und, auch durch den Einfluss seiner Schulkollegin die bei Pflegeeltern lebt um sie "vor den schlechten antiamerikanisches Einflüssen ihrer Eltern zu beschützen" bemerkt das sein ganzes Leben kontrolliert wird und die Dinge sich ändern sollten. Er ist sich bald im klaren darüber das er seine Mutter um jeden Preis finden muss um herauszufinden was damals wirklich passiert ist als sie ihn und seinen Vater verließ. Allerdings rechnet er anfangs nicht mit einer Geschichte von solchem Ausmaß. Stück für Stück eröffnet sich ihm die Geschichte seiner Familie und somit auch die Geschichte vieler anderer Familien die Opfer der Antiasiatischen totalitären Politik wurden. Nun müssen sie versuchen die verschwundenen Herzen wieder zurückzubringen.
Dieser Roman zeigt deutlich das Menschen die in Angst leben zu fast allem Fähig sind und wie Angst die Menschlichkeit im Menschen langsam zerfrisst.
Das Buch hat mich mit seiner ungemein tollen Sprache, seiner geschliffenen Wortwahl und einer Handlung die einem ans Herz geht und an sehr bekannte dystopisch Romane erinnert tief berührt, zum Nachdenken angeregt und begeistert.
Das Thema finde ich auch sehr aktuell da man seit Anfang der Corornazeit einen starken Anstieg an Antiasiatischem Rassismus beobachten musste und es nach wie vor immer wieder totalitäre Machthaber gibt die strengstens gegen Widerstand angehen. Ein wirklich hochinteressanter, sprachlich toller und aufwühlender Roman mit einem Protagonisten dem man nur das beste wünscht. Was ich auch einen sehr interessanten Aspekt Fand ist das in diesem Buch die Bibliothekare und Bücher als Hüter der geheimsten Nachrichten hervorgehoben werden. Sie verwalten verschlüsselte Nachrichten die dabei helfen sollen die Kinder die von ihren Eltern getrennt wurden wieder in ihre Ursprungsfamilie zurückzubringen. Ein wirklich unglaublich spannender Roman.
Eine stille Heldin
Ein Kind namens Hoffnung von Marie Sand
Der Roman erzählt die Geschichte von Elly Berger. Immer wieder muss sie im Leben schwere Entscheidungen Treffen. Als die Nazis die Macht ergreifen und die Familie bei der sie als Köchin arbeitet "abgeholt" wird beschließt sie den Sohn der Familie als ihr Kind auszugeben. Es folgt eine lange Zeit der Flucht und Entbehrungen.
Sie versucht so gut es geht zu überleben und passt sich an. Leon allerdings gibt die Hoffnung seine Familie wiederzusehen auch in den schwersten Zeiten nicht auf. Sie müssen sich immer wieder verstecken, finden Zuflucht auf einem Bauernhof, werden immer wieder abgelehnt.
Marie Sand ist es gelungen eine Geschichte zu erzählen die zwar Fiktiv ist, jedoch auf der Tatsache beruht das es viele Menschen gibt die jüdische Menschen, insbesondere Kinder versteckt haben. Das Gelesene hat mich wirklich sehr berührt und ich habe das Buch innerhalb kürzester Zeit ausgelesen. Ich konnte sowohl das Verhalten als auch die geschilderten Gefühle der Personen im Buch nachvollziehen. Die Hoffnung, die Wut, die Verzweiflung als auch der Kampfgeist und die Liebe waren deutlich spürbar.
Somit fand ich dieses Buch wirklich empfehlenswert für alljene die sich mal genauer mit dem Widerstand gegen die Nazis befassen möchten. Im allgemeinen geht es da meistens um Menschen wie Sophie Scholl, Franz Jagerstätter und co. Doch es gab sehr viele Menschen die geholfen haben, die jedoch teilweise unbekannt sind. Es ist wichtig auch ihre Geschichten zu erzählen und aufzuzeigen das der Widerstand doch sehr massiv war. Das wurde (zumindest) zu meiner Schulzeit eher als Randnotiz betrachtet. Allerdings finde ich es von größter Bedeutung darüber zu sprechen.
Ein wichtiger Roman
Lügen über meine Mutter von Daniela Dröscher
Ein Roman der wirklich sehr interessant erzählt ist und wichtige Themen anspricht. Bodyshaming ist in absolut keinem Fall in Ordnung und kann, wie in diesem Roman gezeigt wird großen Schaden in der Psyche der Betroffenen anrichten. Diejenigen die sich ihre Opfer suchen und ihren Selbstwert zerstören, wie der Vater im Buch, sollten in der Gesellschaft endlich auf heftigsten Gegenwind stoßen.
Ich kann mich in dieses Thema durchaus hineinversetzen gibt es bzw hat es auch in meinem Umfeld immer wieder Menschen gegeben die meinten mein Gewicht, mein Aussehen oder Auftreten ungefragt kommentieren zu können. Da braucht es Zeit, Abgrenzung und innere Stärke um sich gegen solche Ansichten zu stellen und zu sich selbst zu stehen so wie es die Protagonistin im Laufe der Handlung zu tun lernt. Ein wirklich interessantes Buch und durchaus gerechtfertigt auf der Shortlist für den deutschen Buchpreis.
Eine Frau will hoch hinaus
Die Wolkenstürmerin von Birgit Zimmermann
Birgit Zimmermann hat mit "Die Wolkenstürmerin" einen hochinteressante Roman über eine der wohl schwierigsten Zeiten der deutschen Geschichte geschrieben.
1957 versucht Marlene Lilienthal, die mit Flugzeugen großgeworden ist und nichts mehr liebt als das Fliegen das Familienunternehmen vor dem
finanziellen Ruin zu retten.
Um das zu schaffen muss sie sehr viele Hindernisse überwinden da man einer Frau im allgemeinen nicht Zutraut ein Flugzeug zu fliegen.
Nachdem ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben kamen ist die Familie ziemlich zerrüttet was es auch nicht einfacher für sie macht sich zu behaupten. Gegenwind kommt immer wieder von ihrem Bruder der nicht einsieht das eine Frau die selben Fähigkeiten zum Fliegen mitbringt wie ein Mann und alles dafür tut um Marlene vom Fliegen und von der Firma fernzuhalten. Um sein Zeil zu erreichen ist ihm jedes Mittel recht.
Als Marlene eines Tages einen jungen Mann am Strand kennenlernt ist es schnell um sie geschehen. Da gibt es allerdings ein Problem. Bernhard kommt aus Ostdeutschland und sie ist im Westen. Wie kann ihre Liebe bestand haben wenn sie sich nur unter größter Gefahr sehen können. Schließlich wagt Bernhard die Flucht in den Westen.
Wird er Erfolg und die beiden damit eine gemeinsame Zukunft haben? Und wird Marlene mit ihrer Idee zur Rettung der Firma erfolgreich sein?
Mir hat dieser Roman wirklich sehr gut gefallen. Er war hochinteressant zu lesen und hat mir wirklich ein Gefühl dafür gegeben wie es in Deutschland zu dieser Zeit gewesen sein muss. Ein wirklich toller Roman und eine wirklich beeindruckende Protagonistin.
Bedrückend
Dieser Beitrag wurde entfernt von Hanna Bervoets
Hanna Bervoets hat mit "Dieser Beitrag wurde entfernt" ein zutiefst beunruhigendes und verstörendes Buch geschrieben.
Übersetzt aus dem Niederländischen wurde der Text von Rainer Kersten
Kayleigh arbeitet für eine Firma die Internet Content produziert. Die Richtlinien sind im selben Maße verstörend wie die Mitarbeiter abgestumpft.
Täglich sehen sie Gewaltackte, Morde und ähnliches auf den Bildschirmen und müssen entscheiden ob die Beiträge im Internet bleiben dürfen oder gelöscht werden. Diese Entscheidungen basieren auf einem Regelwerk das zwar Klar doch nicht logisch nachvollziehbar ist. So wird ein Video von einem Baby das brutal getötet wird nicht gelöscht, ein Video einer stillenden Mutter jedoch schon weil die Brustwarze zu sehen ist.
Die Arbeitsbedingungen, das ständiger Gewalt ausgesetzt sein und der Stress zerren an den Nerven aller und im Laufe der Handlung wird immer deutlicher das das nicht gut gehen wird. Man wartet am Schluss nur noch darauf was passiert wenn sich der Stress und die Anspannung der Mitarbeiter entlädt...
Hanna Bervoets gehört zu den meistgelesenen Niederländischen Autorinnen, jedoch hatte ich von ihr bisher noch nichts gehört. Ihr Schreibstil und die Art wie sie die Protagonisten psychologisch genau durchleuchtet haben mir sehr gefallen. Irgendwie wurde ich während des Lesens immer wieder an George Orwell erinnert wenn hier auch die Thematik eine andere ist. Jedoch hat das Buch eine Aura von Dystopie und Bedrohung die mir von 1984 bekannt vorkam.











