Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Katharina Grassmugg:
Interessante Zeitreise
Susanna von Alex Capus
"Die Lichterketten waren hübsch anzuschauen und die gotisch himmelwärts sterbenden Brückentürme ein eindrücklicher Anblick, das musste sie zugeben. Aber die Glühbirnen waren doch nur Glitterkram und Firlefanz. Sie machten die Nacht nicht wirklich zum Tag und würden Dr Menschheit keine Erleuchtung bringen, sondern verlängerten Arbeitstage bis tief in die Nacht hinein.
Und auch die Brücke war keine Straße in eine lichtere Zukunft. Ihr einziger Daseinszweck bestand darin, möglichst viele Arbeitssklaven frühmorgens in ihre Hamsterräder und abends zurück in ihre Schlafhölen zu verfrachten." S 198 f
Alex Capus hat hier einen Roman über eine Frau und gleichzeitig über eine Zeit des Umbruchs geschrieben. Die Industrialisierung, das elektrische Licht und etliche Erfindungen verändern das Leben der Menschen enorm. Es wird komfortabler, allerdings nur für jene die es sich leisten können und die Armutsschäre scheint weiter auseinanderzuklaffen als jemals zuvor.
Die einen Leben im Luxus während die Ureinwohner in den Shows von Buffalo Bill präsentiert werden wie Zirkusatraktionen.
Susanna beginnt immer mehr Szenen aus dem Leben der Arbeiter zu malen und auf bitte ihres Sohnes malt sie auch ein Bild von Sitting Bull. Im Laufe der Handlung erfährt man immer mehr über das Schicksal der First Nations und wie sie missioniert und ins Reservat vertrieben wurden was in meinen Augen eine der größten Verbrechen der amerikanischen Geschichte darstellt. Missionare verwirren die Ureinwohner, nehmen ihnen ihre Würde und ihre Rechte. Susanna beschließt Sitting Bull vor der drohenden Katastrophe zu warnen und reist mit ihrem Sohn ins Land der Dakota.
Mir hat der Roman gut gefallen und ich habe ihn fast in einem Zug durchgelesen. Der hauptkritikpunkt war für mich das Ende. Das kam für mich zu plötzlich und ich hätte mir einen runderen Abschluss gewünscht. Auch hatte ich gedacht das die Protagonistin früher in der Handlung schon auf Sitting Bull treffen wird. Die Begegnung der beiden war mir etwas zu wenig ausgeführt und zu kurz beschrieben. Ansonsten gefiel mir die Geschichte und auch der Schreibstil sehr gut.
Ein tolles Buch
Freundin bleibst du immer von Tomi Obaro
Ich finde das Cover des Romans wunderschön und war als ich es gesehen habe schwer begeistert. Auch der Klappentext war vielversprechend und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.
Mir hat sowohl die Handlung als auch der Schreibstil sehr gut gefallen.
Ein tolles Buch
Queergestreift von Kathrin Köller; Irmela Schautz
"Wenn dein Sohn mit Puppen spielt, hast du dann keine Angst er könnte Homosexuell werden. Natürlich geh ich mit auf die CSD Parade. Die Menschen können ja nichts dafür das sie krank sind."
Das und noch vieles andere habe ich schon gehört und es macht mich wütend, traurig und betroffen.
Ich denke das das oftmals auch aus Unwissenheit resultiert und teilweise leider auch Kulturell bedingt sein kann. Kathrin Möller und Irmela Schautz haben mit "Queergestreift - alles über LGBTIQA+" ein Buch geschrieben das sowohl unterhaltend als auch lehrreich ist und von dem ich mir wirklich wünsche das es so viele Menschen wie möglich lesen werden. Nach und nach gehen die Autorinnen auf alle Buchstaben von LGBTIQA+ genau ein, erklären ohne zu Werten, lassen viele Menschen zu Wort kommen und geben ihnen damit den Raum der ihnen in unserer Gesellschaft aufgrund von Feindlichkeiten und Intoleranz oftmals verwehrt bleibt.
Die Queere Community ist wohl eine die immer wieder stark marginalisiert und angefeindet wird. Diskriminierung durch diverse Gesetze und eingestaubte Dogmen stehen auf der Tagesordnung. In diesem Buch kommen Menschen zu Wort die ein Teil von LGBTIQA+ sind. Ganz nach dem #representationmatters werden dem Leser oder der Leserin wichtige Aspekte Queeren Lebens näher gebracht.
Ich finde es sehr wichtig Geschlechterstereotype aufzubrechen, aufzuklären und einen safe space für alle zu kreieren. Mit diesem Buch hat man dazu ein tolles Werkzeug in der Hand von dem ich mir gut vorstellen kann das man es auch gut für den Unterricht einsetzen kann auch wenn ich das Gefühl habe das sich die jüngeren Generationen (und das finde ich wirklich wunderbar) mit diesem Thema oftmals besser auskennt als die älteren.
Durch zahlreiche wunderbare Illustrationen, viele Checklisten, wichtige Hardfacts zum Thema und Einblicke in die Geschichte der LGBTIQA+ Bewegung wird dieses Buch in meinen Augen zu einem absoluten must read.
Vielen Dank an @vorablesen und den @hanserliteratur Verlag für dieses tolle, wertvolle und lehrreiche Rezensionsexemplar
Ein wunderbares Buch
Sei wie ein Baum! von Maria Gianferrari
Ich habe beim Lesen dieses Buches das Gefühl hier einen Schatz in meinen Händen zu halten der eine unglaublich tolle und wichtige Botschaft vermittelt.
Ich habe dieses Buch aufgrund des ersten Eindrucks schon als sehr vielversprechend wahrgenommen. Umso erfreuter war ich als ich es dank des Gewinnspiels vom @inselverlag in Händen halten durfte.
Was hier zwischen den Buchdeckeln steckt strotzt nur so vor liebevollen Illustrationen aus der Feder von Felicitas Sala und einem Text von Maria Gianferrari, wunderbar übersetzt von Stefanie Jacobs, der in meinen Augen ein wunderbares Plädoyer für mehr Zusammenhalt, Akzeptanz und Verständnis darstellt. Wir alle sind wie Bäume, untrennbar miteinander verbunden. Nicht gleich doch ähnlich und wir alle brauchen einander. Der Text ist wunderbar Kindgerecht und liebevoll.
Für mich ist dieses Buch ein absolutes Herzensbuch und ein totals Highlight. Wir können nur zusammen ein gutes Leben führen so wie die Bäume sich untereinander unterstützen. Wir sind alle verbunden.
Ich möchte dieses Buch wirklich unbedingt den Kindern bei der Arbeit vorlesen und freue mich schon auf ihre Reaktionen auf dieses wunderbare Buch.
Heftig und unbequem
Nachtschwärmerin von Leila Mottley
(TW: Gewalt, Prostitution, Drogen, Sexualisierte Gewalt, Armut, Polizeibrutälitat)
Leila Motley hat mit diesem Roman etwas geschrieben was sich anfühlt wie ein Schlag in die Magengrube.
Oakland und seinen Mädchen gewidmet erzählt Leila Motley die Geschichte von Kiara. Sie ist siebzehn und wohnt mit ihrem Bruder in einem heruntergekommenen Apartment.
Ihr Vater lebt nicht mehr und auf die Mutter ist kein verlass.
Um ihre Familie irgendwie durchzubringen tut Kiara alles. So landet sie schließlich in der Prostitution. Als sie immer wieder von mehreren Polizisten gleichzeitig sexuell ausgebeutet und vergewaltigt wird zerbricht in ihr etwas. Doch ein Polizist kann mit dieser Schande nicht leben und begeht Selbstmord. So gerät Kiara in den Mittelpunkt einer Ermittlung und es folgt ein Skandal Prozess. Wenn sie dort ausagt könnte sie alles verlieren, ihre Familie, ihre Freunde und Trevor, den Sohn der Nachbarin um den sie sich kümmert.
Dieser Roman ist unbequem, heftig und anklagend. Stilistisch erinnert er an die Romane von Angie Thomas. Leila Mottley, die 2002 in Oakland geboren ist hat hier einen Debütroman hingelegt der sich sehen lassen kann.
Mich hat vor allem schockiert das eine so junge Frau (Mottley ist Jahrgang 2002) über so viel Gewalt und Verzweiflung so authentisch zu berichten weiß. Das ist für mich wirklich schockierend.
Patriachales Indien
Die Hennakünstlerin von Alka Joshi
Achtung, enthält Spoiler!!!
[unbezahlte Werbung/Rezensionsexemplar]
(CN:misogynie, Gewalt, Abtreibung)
Lakshmi die vor einer gewaltsamen Ehe geflohen ist hat sich zu einer erfolgreichen Henna Künstlerin gemausert und hat es damit zu einigem Wohlstand gebracht um sich ihr Gehalt als Henna Künstlerin aufzubessern hilft sie Frauen dabei ungewollte Schwangerschaften zu verhindern oder auch diese zu beenden.
Über ihre eigene Vergangenheit spricht sie jedoch nicht.
Das klappt so lange bis sie in Form ihrer Schwester von der sie nichts wusste von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Als diese ihr wenig später eröffnet das sie ein Kind erwartet muss Lakshmi sich entscheiden ob sie hinter ihrer Schwester stehen oder ihre Werte verteidigen will.
Als auch noch ihr gewalttätiger Ehemann auftaucht, den sie verlassen hat worauf sie von ihrer Familie verstoßen wurde, muss Lakshmi ihre Werte und den Weg den sie gewählt hat überdenken. Es steht für sie alles auf dem Spiel was sie sich mühsam aufgebaut hat. Doch sie ist nicht gewillt einfach aufzugeben und beschließt für ihre Freiheit, die Freiheit ihrer Schwester und für das Kind ihrer Schwester zu kämpfen, auch wenn für sie alles wir dem Spiel steht. Sie ersinnt einen Plan. Doch wird dieser gelingen?
Ich muss zugeben das ich ein bisschen gebraucht habe um in die Geschichte hineinzufinden. Nach kurzer Zeit nahm die Handlung jedoch an fahrt auf und es wurde immer interessanter. Man bekommt sowohl etwas von den Machtstrukturen als auch viel von den gesellschaftlichen Verhältnissen im Indien der 1950er Jahre mit.
Den Konflikt zwischen den Werten einer Kultur und der Emanzipation hin zu eigenen Wertvorstellungen und einer Weltsicht die nicht ausschließlich von Kulturellen zwängen geprägt ist bekommt man immer wieder mit. Ein interessanter Spagat zwischen Tradition und Emanzipation. Dieser Roman hat einiges an gesellschaftlich Relevanten Themen aufgegriffen und toll verarbeitet.
Auch die im Anhang befindlichen Informationen und Rezepte finde ich toll
Ein wunderbarer Roman
Die Erfindung der Flügel von Sue Monk Kidd
Sue Monk Kidd erzählt in ihrem Roman "Die Erfindung der Flügel" meisterhaft die Geschichte von Sarah und Hetty "Handfull".
Sarah, Tochter reicher Gutsbesitzer erhält zu ihrem Geburtstag ein ungewöhnliches Geschenk: die zehnjährige Hetty "Handfull" die ihr ab diesem Zeitblpunkt als ihr Zimmermädchen zur Seite stehen soll.
Hetty, ein rebellisches aufgewecktes Mädchen, das von Geburt an daran gewöhnt worden ist unterwürfig zu sein, sich jedoch lieber ihre Zunge abbeisen würde als sich ihrer Menschenwürde berauben zu lassen, und Sarah werden gute Freunde.
Als Sarah Hetty jedoch das Lesen beibringt und ihr Vater, der ihr doch immer als so aufgeschlossen begnet ist und sie nicht aufgrund ihres Geschlechts anders erzogen hat als ihren Bruder, dahinterkommt gibt es nicht nur zwischen ihm und seiner Tochter Probleme, nein, sie soll in die Gesellschaft eingeführt und bald verheiratet werden. Sarahs Mutter ist außer sich über die "Rebellion" ihrer Tochter. Nach und nach beginnt Sarah sich für den Abolitionismus und das Quäkertum zu interessieren. Wird sie ihren Wge gehen und mit den Konventionen brechen oder werden die Konventionen sie brechen? Diese Frage muss Sarah sich stellen um herauszufinden wer sie ist und wie sie leben will.
Die beiden Mädchen müssen umeinander, um ihre Freiheit, um Selbstbestimmung und um ihre Würde Kämpfen. Werden sie den Gesellschaftlichen Konventionen zum Opfer fallen, sich ihnen ergeben müssen oder werden sie diese ändern können?
SUE Monk Kidd ist hier ein sehr toller Roman gelungen. Er ist spannend, unterhaltsam und zeigt zugleich die Ungerechtigkeit der Sklaverei, eines der finstersten Kapitel der amerikanischen Geschichte auf.








