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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Tintenteufel:

Über Angst, Mut und Freundschaft

Schisser und ich 1 von Frank Schmeißer

Eine Kinderbande hält wie Pech und Schwefel zusammen und will eine Hühnerschar vor dem Tod im Schlachthaus retten. Während die Story auf den ersten Blick stark an die wilden Hühner von Cornelia Funke erinnert, besitzt das Buch noch eine ganz andere Handlungsebene: Protagonist ist Jakob, der mit seiner Familie neu in eine Siedlung am Stadtrand gezogen ist, damit er in der ruhigen Umgebung besser mit seiner Angststörung zurechtkommt und lernt, sich anderen Kindern zu öffnen und Freundschaften zu schließen.

Der Autor Frank Schmeißer ist selbst von dieser Erkrankung betroffen und vermittelt einen guten Einblick in die Gefühlswelt und die Bewältigungsstrategien: Er beschreibt detailliert, wie Jakob sich schon vorab die schlimmstmöglichen Folgen ausmalt, wie er eine Angstattacke erlebt und wie er mit Atemübungen, Muskelentspannung und Manifestationen dagegen zu halten versucht. So können sich betroffene Kinder darin wiederfinden und andere ein Verständnis entwickeln.

Doch damit nicht genug: Das Buch kreist keineswegs nur empathisch-mitleidend um dieses Thema, sondern erzählt zugleich witzig-frech von Jakob, der sich selbst als größten Schisser des Universums bezeichnet, seiner Revoluzzer-Schwester Ich-fass-es-nicht-Lilli und seinem chaotisch-lebensuntüchtigen Vater an der Seite seiner erfolgreichen Frau. Alles wird mit viel Wortwitz und Selbstironie erzählt und mit ebenso phantasievollen Illustrationen von Melanie Garanin ausgeschmückt. So hält Jakob etwa ein Los der Paniklotterie hoch, laut welchem er 100.000 Panikattacken gewonnen hat. Doch dieser vermeintlich respektlose Umgang erschient nie verletzend, da der selbst betroffene Autor immer wieder erkennen lässt, welche Sympathie er für den Protagonisten empfindet und wie dieser aktiv und zunehmend selbstbewusst sein Problem in Angriff nimmt! Toll!

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Gereimtes Chaos!

Der Vergessenstag von Madlen Ottenschläger

Ein wunderbares Büchlein, welches liebevoll darstellt, was jede Familie kennt: das kleine Chaos, das immer ausbricht, sobald man starten will! So fällt nicht nur den lieben Kleinen immer noch etwas ein, was fehlt und einfach unentbehrlich ist: Ihnen fehlen Kuscheltier oder Schnuffeltuch, den Eltern die Brille oder das Geburtstagsgeschenk! Also müssen alle noch mal zurück und erneut starten.

Viele Familie werden sich darin wiederfinden, und die kleinen Leser können lernen, dass ein bisschen Chaos zum Familienalltag gehört und alle geduldig aufeinander warten!

Diese Lebenserfahrung ist süß eingefangen in hübschen Bildern und schönen Reimen, die das Gefühl für Sprachmelodie und Rhythmus schulen und die Auseinandersetzung mit Sprache und Satzbau vorbereiten. Außerdem übt die Wiederholung das Gedächtnis und fordert zum Mitsprechen auf.

So verbindet das Büchlein liebevolles Plädoyer für mehr Gelassenheit und gegenseitiges Verständnis im turbulenten Familienalltag mit der Schulung von Sprachgefühl und Aufmerksamkeit. Einfach perfekt!

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Wohlfühllektüre mit Mängeln

Es kann so schön sein, das Leben von Alexander Oetker

Alexander Oetker hat viel Zeit im mediterranen Lebensraum verbracht und dort den Charme der dortigen Lebensweise und des südlichen Temperaments kennengelernt. Daher schwärmt er vom Glück des Südens und möchte uns nahebringen, wie wir mit dem Dolce-Vita-Prinzip gesund und glücklich werden.

Auf der Basis seiner Erfahrungen und Gespräche mit Einheimischen und Auswanderern erzählt er Geschichten und Anekdoten etwa zu den Themen gegenseitige Hilfe, Entschleunigung, gutem Essen, Respekt vor den Alten, temperamentvollem Leben, Selbstvertrauen und Religiosität. Er lässt uns auch teilhaben an den Lehren, die er daraus gezogen hat, und wie seine Lebensqualität gewonnen hat.

Das Büchlein liest sich angenehm und strahlt zunächst eine Wohlfühlatmosphäre aus, so dass man denkt, es könne doch alles so einfach sein mit dem glücklich(er)en Leben. Aber bei näherer Betrachtung kann man nicht übersehen, dass er ein einseitiges Bild des Südens vermittelt und nur von den positiven Erlebnissen erzählt. Auch in Italien und Spanien hat das moderne Arbeitsleben Einzug gehalten und den Lebensstil verändert. Die Jungen ziehen wegen der Arbeit in die großen Städte und lassen die Alten in den Dörfern zurück. Die Geburtenrate ist noch niedriger als in Deutschland, die Jungenarbeitslosigkeit so hoch, dass es aus reiner Not wieder zum Zusammenleben mehrerer Generationen unter einem Dach kommt. Natürlich ist die Mentalität dort lebensbejahender und fröhlicher als unsere international bekannte deutsche Angst, aber die Naivität der Schwärmerei fand ich doch etwas nervig. Ein bisschen mehr Distanz und ein Abstrahieren der Lebensweisheiten anstelle der recht schlichten Leitsätze am Ende jedes Kapitels hätten dem Buch mehr Tiefe gegeben. Last not least wäre ein vergleichender Blick in die andere geographische Richtung auch spannend gewesen, denn schließlich leben laut vieler Erhebungen in Skandinavien die zufriedensten Menschen. Weil dieses Büchlein als Sachbuch vermarktet wird, hätte ich mir etwas mehr gewünscht als eine persönliche Liebeserklärung an das italienische Lebensgefühl!

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Lebendige Kunstgeschichte!

Die Gerüche der Kathedrale von Wendy Wauters

Wendy Wauters Buch zieht den Leser schon mit dem prächtigen Cover in seinen Bann: Das Gemälde von Hendrik van Steenwycks d.Ä. und Jan Brueghel d.Ä zeigt den lebendigen mittelalterlichen Alltag in Antwerpens großer Liebfrauenkathedrale und gibt einen Vorgeschmack auf den Inhalt des Buches.

Doch zuerst fasst Wendy Waters die wichtigsten historischen Daten zusammen und zeigt auf, wie geographische und politische Bedingungen zusammen Antwerpens zentrale Stellung begründeten.

Danach widmet sie sich ihrem eigentlichen Anliegen, ein lebendiges und anschauliches Bild des Lebens in der damaligen Zeit zu vermitteln. So erfahren wir staunenden Leser, wie politische Macht und monetäre Möglichkeiten buchstäblich über den Platz in der Kirche entschieden, wie geschäftliche Interessen die Bestattungskultur prägten und welche Rolle sogar hygienische Bedingungen bei der Ausgestaltung ritueller Bräuche spielten. Es ist faszinierend, die Auswirkungen bis in die heutige Liturgie zu beobachten.
Auf der Basis ihrer Dissertation über die Lebenswelt mittelalterlicher Kirchgänger vermag Wendy Wauter alles kunsthistorisch zu belegen, und so zeigt sie auf handverlesenen Abbildungen, wie die Maler der Zeit am Rand ihrer (meist religiösen) zentralen Motive auch den Alltag mit dokumentierten. Anhand der ausführlichen Bibliographie kann der interessierte Leser noch tiefer ins Thema einsteigen.

Der Autorin gelingt es, die ‚toten Steine‘ zum Reden zu bringen, und ich werde mir beim nächsten Besuch einer mittelalterlichen Kathedrale viel besser vorstellen können, weshalb dort alle Nebenaltäre ihre eigene Geschichte erzählen, und die andächtige Stille keineswegs selbstverständlich ist. Beim Läuten der Altarschellen werden die Gläubigen vor meinem geistigen Auge durch die Kirche rennen, um jeder Elevation beiwohnen zu können, und bei der Predigt werde ich daran denken, wie manche Prediger damals Pop-Star-Status hatten. In den leeren Kirchen der Gegenwart ist dies kaum mehr vorstellbar, und daher ist das Buch von Wendy Wauters umso wichtiger.

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Beeindruckendes Buch

Lebensschlenker von Nova Meierhenrich

Nova Meierhenrich erzählt in diesem Buch offen und auch mit vielen medizinischen Details von ihrem vergeblichen Bemühen um ein eigenes Kind. Sie lässt uns Leserinnen an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben und vermittelt uns einen Eindruck von ihrer inneren Betroffenheit, ohne ins Selbstmitleid und Wehklagen abzurutschen.

Vielmehr begleiten wir sie von den Anfängen in Gelassenheit und selbstbestimmter Planung in die enger werdende Spirale aus medizinischen Terminen und medikamentösen Eingriffen, welche ihr Leben, Denken und Fühlen immer mehr bestimmen. Insbesondere diese präzise und reflektierte Schilderung der wachsenden Dominanz des Themas über ihr Leben hat mich sehr beeindruckt.
Alles wird noch begleitet von handverlesenen Zitaten am Anfang der Kapitel, welche die geschilderten Ereignisse und Gedanken perfekt auf den Punkt bringen. Toll!

Abschließend gelingt es der Autorin, sich mit ihrer unfreiwilligen Kinderlosigkeit auszusöhnen und ihrem Leben wieder eine neue Ausrichtung zu geben statt in dauerhafte Unzufriedenheit abzudriften. Auch die oft unfreiwillig übergriffige Neugier des persönlichen und beruflichen Umfeldes vermag Nova Meierhenrich gut zu erfassen und angemessen einzuordnen. Dieser Teil des Buches hat mich vollumfänglich überzeugt und mir als glücklicher Mutter einen guten Einblick in die Erfahrungswelt all derer gegeben, deren Kinderwunsch nicht oder nicht so einfach und selbstverständlich in Erfüllung geht.

Die anschließenden kurzen Erfahrungsberichte zu anderen Formen der problematischen Kinderwunsch-Erfüllung haben mich nicht überzeugt: Die Intention, die Wahrnehmung des Problemkomplexes zu erweitern, ist verständlich und löblich, aber die Kürze der Ausführungen lässt alles sehr oberflächlich bleiben.
Sehr hilfreich für Betroffene finde ich neben den medizinischen Erklärungen im Text auch die Adressen für Informationen und Beratung am Ende des Buches!

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Vom Wachsen und Werden!

Mein wunderbarer Cottage-Garten von Isabelle van Groeningen

Isabelle van Groeningen erzählt in ihrem Buch von der Gestaltung ihres Cottage Gartens. Das darf man sich aber nicht zu mechanistisch vorstellen, es ist bei ihr eine Geschichte vom Wachsen und Werden! Wie sie selbst später im Buch schreibt, sei Gärtnern wie Kochen und tatsächlich gärtnert sie mit allen Sinnen: Sie genießt gelungene Farbkompositionen und schöne Blickachsen, berauscht sich an wunderbaren Düften und freut sich auf die kulinarischen Höhepunkte des Jahres.

Isabelle van Groeningen beschreibt ihre Pflanzen wie WG-Bewohner mit Gewohnheiten und Eigenarten, die mal mit den Interessen anderer Pflanzen und der Gärtnerin harmonieren und ihnen mal entgegenstehen. So zeichnet sich ihre Arbeit durch Achtsamkeit und Geduld aus und ein fundamentales Vertrauen ins Werden! Sie sät und kauft kleine Pflanzen, umsorgt schwächelnde Pflanzen und gibt ihnen Zeit zu Entwicklung. Man kann zwischen den Zeilen lesen, wie viel Zeit die Autorin im Garten verbringt, immer wieder durch ihr grünes Paradies streift und alles im Blick behält, ohne vorschnell einzugreifen.
Dieses Vorgehen unterscheidet sich wohltuend vom Vorgehen mancher Landschaftsgärtner, die den Garten am Reißbrett planen und ihre Vorstellung dann mit Bagger, Fräse und bereits ausgewachsenen Pflanzen binnen weniger Tage umsetzen.

Auch beim Lesen sollte man ein wenig Geduld walten lassen, denn die Ausführungen sind liebevoll und ausführlich, verlieren sich aber auch gerne mal ins Detail, die Schätze im Buch wollen gefunden werden. Doch Geduld ist ja nun eine Tugend für jeden guten Gärtner und selbst nach 30 Jahren Gartenerfahrung haben ich noch einiges finden können, was mir neu war und was ich gerne umsetzen möchte.

Einziger Wermutstropfen: Die Fotos sind bei weitem nicht so schön und inspirierend, wie ich sie mir vorgestellt habe. Sie sind oft unscharf, unterbelichtet und einfach lieblos. Schade! Da sie von der Autorin selbst stammen, kann ich nur annehmen, dass sie beim Fotografieren einen weniger guten Blick hat als bei der Gartengestaltung.

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Faszinierend grausam

True Crime in Nature von Farina Graßmann

Farina Grassmann warnt ihre Leser gleich vor, sie würden die Natur nach Lektüre ihres Buches nie wieder als friedlich und romantisch wahrnehmen wie bisher. Und tatsächlich schildert sie mit sichtlichem Genuss herrlich makaber das vielfältige Arsenal an Grausamkeiten, mit dem Pflanze und Tier um ihr Überleben und das Fortbestehen der Gattung kämpfen Dabei reichen ihre Schilderungen vom allseits bekannten Kuckuckskind über Trickbetrüger und diebische Nachbarn bis hin zu gefräßigen Sexualpartnern.

Daneben lesen wir aber auch von cleveren Kulturfolgern, die gerne unseren (unfreiwilligen) kulinarischen Empfehlungen folgen wie die diebischen Möwen. Das Buch ist dabei grob nach verschiedenen Verbrechenstypen gegliedert, so dass oft erkennbar wird, wie sich völlig unterschiedliche Gattungen doch eines ähnlichen Instrumentariums bedienen.
Die große Fachkenntnis und der zugleich üppig vorhandene schwarze Humor der Autorin lassen uns über die kriminelle Energie von Tier- und Pflanzenwelt staunen. Wir werden zugleich bestens unterhalten und informiert. In ihren Schilderungen vermeidet Farina Grassmann Anthropomorphismen ebenso wie wertende Äußerungen über Täter und Opfer. Vielmehr vermag sie uns in den Bann der faszinierenden Schilderung von cleveren Tricks und grausamen Hinterhalten zu ziehen.

Anstrengend fand ich allerdings die grenzwertig kleine Schrift und die oft langen verschachtelten Sätze. Auch ihre manchmal (zu) bemüht witzig-originellen Formulierungen haben mir des öfteren das Verständnis erschwert. Ähnlich ging es mir mit den Illustrationen von Cornelis Jettke: Sie unterstrichen sehr unterhaltsam das True Crime Thema, waren aber zum Teil weniger anschaulich als die gelegentlich vorhandenen Fotos, die mir ein Wiedererkennen der besprochenen Pflanzen und Tiere deutlich mehr erleichterten.

Daher komme ich zu einer sehr guten Bewertung mit kleinen Abstrichen: Die Autorin hat eine originelle und innovative Herangehensweise an ein spannendes zoologisches und botanisches Thema gewählt, welche aber leider ein wenig über das Ziel hinausgeschossen ist.

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Schätze am Wegesrand finden

Wilde Pflanzen essen von Christine Rauch; Ernestine Donnerberg

Wilde Pflanzen essen – eine in Vergessenheit geratene Möglichkeit, sich mit den wertvollen Bitterstoffen zu versorgen, die aus unseren Obst- und Gemüsesorten herausgezüchtet wurden. Daher begrüße ich das Buch von Christine Rauch vom Instagram-Kanal Wildrausch! Ich stamme noch aus der Generation, die gerne mal ein Stück Sauerampfer kaut, Salate mit Gänseblümchen anreichert und die Felsenbirne nicht nur für einen dekorativen Gartenstrauch hält.

Dennoch kann ich in diesem Buch noch einiges dazu lernen!

Der (bemüht) witzige Plauderton trifft nicht so ganz meinen Geschmack, aber die übersichtliche Anordnung in krautige Pflanzen, Sträucher und Bäume sowie die Darstellung in doppelseitigen Porträts gefallen mir sehr gut. Mir haben es aber besonders die kleinen Steckbriefe am Seitenrand angetan, die den Leser über Standort und Geschmack, Inhaltsstoffe und gesundheitliche Wirkungen informieren und erste Tipps zu Verarbeitung und Zubereitung in der Küche geben. Hierzu hätte ich gerne noch mehr gelesen, denn mit alltagstauglichen und leicht umsetzbaren Rezepten ständen die Chancen auf eine regelmäßige Anwendung des neuen Wissens einfach besser. Aber vielleicht erfüllt Christine Rauch alias Survival Siglinde meinen Wunsch ja noch und schreibt ergänzend einen praxisnahen Ratgeber zur Selbstversorgung mit Wildkräutern, in welchem leckere Rezepte samt Fotos zum gesunden Schmausen einladen.

Doch erst mal werde ich mich mit diesem Büchlein im praktischen Taschenformat und der unterstützenden Kosmos-Plus-App auf den Weg machen und die vielen Wildkräuter am Wegesrand mit ganz anderen Augen sehen! Danke!

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Altes Heilwissen

52 wilde Fermente von Alexis Goertz; Jonas Grube

Alexis Goertz und Jonas Grube von Edible Alchemy lassen uns in ihrem Buch an ihrem reichen Schatz alten Wissens teilhaben: ihrer Kenntnis von Wildkräutern auf der einen und ihren Erfahrungen mit der Kunst der Fermentation auf der anderen Seite. Beides droht in der Zeit von ertragsorientierter Sortenzüchtung und durch Sterilisation haltbar gemachter Lebensmittel in Vergessenheit zu geraten.

So erklären sie zunächst die alte Kulturtechnik der Fermentation und ihre gesundheitliche Wirkung auf unser Darm-Mikrobiom. Sie geben eine Einleitung in die Herstellung von Fassbrause, Fruchtessig, Kombucha, Sauerteig und Kefir.
Danach begleiten sie uns durch die 52 Jahreszeiten und stellen uns verschiedene Schätze vor, die wir in der Natur finden und sammeln können: von den ersten Tannennadeln und Haselkätzchen im Frühjahr über die reiche Vielfalt an grünen Wildkräutern im Sommer bis zur Ernte der Schlehe nach den ersten Frösten. Sie erzählen uns en passant einiges über Botanik und Kulturgeschichte und verraten uns kleine Erntetricks und vieles mehr.

Ich bin begeistert, dass sie dieses Wissen unserer Großeltern nicht verloren gehen lassen, befürchte aber dennoch, mich als Anfängerin nicht allein mit diesem Buch zurechtfinden zu können. Bei der Pflanzenbestimmung werden mir die kleinen Zeichnungen am Ende des Buches nicht reichen, hier werde ich eine Bestimmungs-App zu Hilfe nehmen. Und bei meinen ersten Fermentationsversuchen würden mir ein paar Fotos von den zu erwartenden Zwischenschritten und Endergebnissen helfen, denn so weiß ich nicht so ganz, ob ich mich auf dem richtigen Weg befinde. Da finde ich die Reels auf dem Instagramm-Account der beiden doch um einiges anschaulicher, das hatte ich mir auch von ihrem Buch erhofft.

Daher komme ich für dieses Buch zu einer gemischten Beurteilung: einerseits sehr ambitioniert, kenntnisreich und vielfältig, andererseits für den interessierten Laien nicht immer verständlich und nachvollziehbar, Hier wäre – wie so oft – die Frage hilfreich gewesen: Was kann ich beim interessierten (Laien-) Leser voraussetzen und was sollte ich besser genauer erklären?

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Ein bisschen (garten-)verrückt!

Blumen, Kohl & Rock'n'Roll von Anja Klein

Anja Kling ist ein bisschen (garten-)verrückt! Ihr Buch ist daher auch kein Ratgeber im gewohnten Sinn, sondern eine amüsante Reise durch ihren kleinen Horrorgarten, in welchem Pflanzen schon mal das Regiment übernehmen und die Gärtnerin sich entspannt zurücknimmt und ihre Pflegearbeiten auf das reduziert, was nötig und dem allgemeinen Gedeihen förderlich ist.

Wer hier handfeste Ratschläge zur Gestaltung des eigenen grünen Wohnzimmers und zur Organisation der Gartenarbeit sucht, wird hier enttäuscht. Das Buch ist vielmehr ein Loblied auf die Spontaneität und die ungezügelte Freude an allem, was da wächst und blüht, kriecht und summt. Mit viel Begeisterung und ebenso viel Humor erzählt Anna Klein von ihren zahlreichen Erlebnissen und ihren ganz persönlichen Lehren daraus. Dabei wird nicht alles idealisiert, sondern auch mal völlig ungeniert über den Hass auf Tauben erzählt, den ich nur allzu gut nachempfinden kann. Ganz nebenbei werden im Plauderton wertvolle Tipps aus jahrelanger Gartenerfahrung weitergegeben und auch Hinweise auf durchaus unbekannte Gemüsesorten wie die Spargelerbse, von der ich nach fast 30 Jahren Gartenbesitz noch nie etwas gehört habe.

So ist dieses Buch eine amüsante und zugleich lehrreiche Lektüre, bei welcher das herrliche Grüne des Gartens auch im dunklen Winter vor dem geistigen Auge strahlt und die Vorfreude auf die helle Jahresszeit weckt. Allerdings weiß ich nicht, ob ich das Buch ein zweites Mal in die Hand nehmen werde, nachdem ich mir die hilfreichen Anregungen in mein persönliches Gartenbüchlein übertragen habe. Dafür hat das Buch doch zu feuilletonistischen Charakter und zu wenige Informationsgehalt. Ich werde es wohl eher einer gartenbegeisterten Freundin schenken, damit sie auch im Winter vom Sommer träumen kann.

Eine Anmerkung sei noch zur Arbeit des Lektorats erlaubt: Ich bin eine Leserin, die gerne mal Querverweisen folgt, und wurde hier mehrfach in die Irre geführt, weil noch die Stellvertreter xy auf die Eintragung der Seitenzahlen warten (S. 122) oder aber der Hinweis auf die Seite schlichtweg falsch ist (S.79 : Auf Seite 122 finden sich keine Informationen zur Überdachung von Tomatenbeeten). Ich finde, dies darf angesichts der technischen Möglichkeiten der Gegenwart nicht mehr passieren.

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