Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Tintenteufel:
Kunterbuntes Allerlei
Pflück dich glücklich! von Sandra Jägers
Bei Sandra Jägers Buch ‚Pflück dich glücklich‘ weckt der Untertitel ‚Beeren, Kräuter und Gemüse. Dein schneller Weg zum Naschgarten‘ die Erwartung, unkomplizierte Anregungen für einen Garten voller Nasch- und Glückmomente zu erhalten: unkompliziert und sinnenfroh. Stattdessen fand ich ein kunterbuntes Allerlei verschiedenster Gartenerfahrungen der Autorin, welches ich sogar als langjährige Gartenbesitzerin an einigen Stellen eher verwirrend als hilfreich fand.
Obwohl die Autorin selbst auf den ersten Seiten empfiehlt, die Sache locker anzugehen und nicht gleich eine Selbstversorgung zu planen, geht sie mir oft viel zu perfektionistisch und output-maximierend vor. Spätestens bei ihren seitenlangen Ausführungen zu Perl- und Tropfschläuchen, Tropfsystemen, Sprüh- und Nebeldüsen sowie Versenkregnern und Baumtaschen fragte ich mich, wie mein Garten in den letzten 30 Jahren ohne diesen Aufwand überleben konnte.
Und ähnlich erging es mir an vielen Stellen des Buches: Die Autorin wollte offenbar keinen Aspekt auslassen, doch leider geht diese Vollständigkeit auf Kosten konkret hilfreicher Tipps und motivierender Vorschläge! Bei o.g. Bewässerungskapitel sind ihr z.B. die hilfreichen DIY-Gießringe keinen erklärenden Halbsatz mehr wert.
Anfänger wird sie mit diesem Ansatz verschrecken, Fortgeschrittenen nicht viel Neues anbieten können. Denn leider sind die zusammengetragenen Informationen weder für einen Gartenneustart noch für die Neugestaltung eines vorhandenen Gartens wirklich hilfreich! Schade!
Nicht nur für Ahnungslose!
Hochbeet für Ahnungslose von Anja Klein; Véro (Veronika) Mischitz
Anja Kleins Buch über Hochbeete eignet sich keineswegs nur für Ahnungslose wie der Titel suggeriert. Auch als mehrjährige Besitzerin von einigen Hochbeeten habe ich noch viel dazu lernen können.
In den ersten Kapiteln gibt sie Hinweise zu Standort und Aufbau neuer Hochbeete, doch dann folgen Informationen, welche auch für den laufenden Betrieb nützlich sind: von Saatgutauswahl, Aussaatmethoden und Pflanzpläne über Pflegemaßnahmen bis zu Schädlingsabwehr und -bekämpfung.
Hierbei finden sich auch für erfahrenere Gärtner hilfreiche Anregungen, wie etwa den Umzugsservice für Ameisen oder den Bau von Kompost-Hochbeeten und DIY-Erdmieten in Hochbeeten. Auch die Maßnahmen zur Erhöhung der Wasserspeicherfähigkeit werde ich testen, denn das Austrocknen der Erde durch Hitze und Wind war bislang ein großes Problem bei meinen Hochbeeten.
Mein persönliches Highlight sind die Seiten zur sanften Medizin aus der
Gartenapotheke: Kurz und knackig präsentiert Anja Kling die Unterschiede zwischen Jauche, Brühe und Tee sowie die Zuordnung von konkretem Problem und heilsamer Pflanze. Bislang musste ich mir mühsam einen Überblick über vereinzelt empfohlene Maßnahmen verschaffen.
Kurz und knackig sowie hilfreich und witzig sind die passenden Beschreibungen für dieses Buch! Alles wird systematisch und auf das Wesentliche beschränkt dargestellt und mit Zeichnungen von Vero Mischitz veranschaulicht. Man mag ästhetisch ansprechende Fotografien gelungenen Gärtnerns vermissen, doch der minimalistisch-witzige Zeichen Stil hat seinen eigenen Charme und passt perfekt zu Anja Kleins unkompliziert motivierenden Art!
Ein toller Tag im Zoo
Sachen suchen: Besuch im Zoo von Susanne Gernhäuser
In der schönen Serie ‚Sachen suchen‘ aus dem Ravensburger Verlag gibt es wieder ein rundum gelungenes Buch für die kleinsten Leser! Wir können Klara, ihren Bruder Nick und ihre Eltern in den Zoo begleiten: Vom Kaufen der Eintrittskarte über verschiedene Tiergehege bis zum Besuch der Spielplätze gibt es vieles zu entdecken, was ein Tag im Zoo bieten kann.
Auf jeder Doppelseite gibt es ein großes liebevoll gezeichnetes Bild voller Details, einen kurzen erklärenden Text und einige Dinge, die sich im Bild wiederfinden lassen.
So können die Kleinen erst der Geschichte lauschen und Klara, Nick und ihre Familie suchen, danach die vielen Details betrachten und schließlich die Tiere benennen und ihre Verhaltensweisen kennen lernen. Aufgrund der vielen kleinen Szenen und eingebauten Details lassen sich noch weitere Geschichten erzählen und Aufmerksamkeit sowie Sprache üben. In allen Szenerien lassen sich auch wiederkehrende Elemente suchen wie z.B. das vorwitzige Eichhörnchen. Also wird das Buch nicht so schnell langweilig.
Auch aufgrund seiner stabilen Seiten kann dieses Buch die Kinder lange Zeit begleiten und die Vorfreude auf einen Zoobesuch vergrößern oder danach zum Erzählen ermuntern.
Faszinierende Zusammenhänge
Die Stimme unseres Körpers von Ingo Froböse
In seinem neuesten Buch lehrt uns der Sportwissenschaftler Ingo Froböse das Verständnis der Stimme unseres Körpers. Wenn wir sie besser wahrnehmen und richtig zu interpretieren wissen, können wir unsere Gesundheit schützen und verbessern.
Ein besonderes Augenmerk legt er dabei auf unser Nervensystem und sein Bemühen, die Körperkommunikation in den Dienst von Homöostase und Allostase zu stellen.
Die Darstellung der vielfältigsten Zusammenhänge von Organen, Sinneswahrnehmungen, Nervenleitung, Gehirn, Stoffwechsel, Hormonhaushalt und vielem mehr ist absolut faszinierend, aber zugleich auch herausfordernd. Leichter zugänglich sind die konkreteren Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen im hinteren Teil des Buches.
Als medizinischer Laie hatte ich keine Verständnisprobleme, aber verlor streckenweise den Überblick über die Vielfalt der Zusammenhänge und die Einsicht in die Relevanz dieser Erkenntnisse für mich und meinen Körper. Insgesamt hat mich dieses Buch einfach nicht so ‚packen‘ können wie das letzte Buch über die Muskeln. Alles blieb relativ abstrakt, was wohl auch dem komplexen Thema geschuldet sein mag. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass der Autor dieses Buch nicht mit soviel Herzblut geschrieben wie hat wie jene über seine zentralen Themen Sport und Ernährung.
Tolle Sachkunde!
Wieso? Weshalb? Warum? Band 60 - Alles über Wasser von Andrea Erne
Dieses Buch über das lebenswichtige Element Wasser bietet Sachkunde vom Feinsten! Es ist liebevoll anschaulich und komplex in der Darstellung zugleich! Das Thema wird in seiner großen Vielschichtigkeit und in den zahlreichen Zusammenhängen dargestellt: Von der alltäglichen Nutzung zum Trinken, Waschen und Putzen über die Gestaltung der Freizeit, Nutzung in der Landwirtschaft und Industrie bis zur ökologischen und geologischen Bedeutung.
Schon die kleinsten Leser können die wunderschönen Illustrationen betrachten und mit ihren Vorlesern darüber ins Gespräch kommen, wo ihnen Wasser begegnet und wie sie es verantwortungsvoll nutzen können. Es wird auch viel Freude bereiten, den lustigen Fischotter auf allen Seiten zu suchen.
Doch auch Grundschulkinder werden lange Freude an dem Buch haben, weil so viele Aspekte angesprochen werden: von der allgegenwärtigen Notwendigkeit von Wasser über seine landschaftsgestaltende Kraft bis zu Fragen von Ökologie und Verteilungsgerechtigkeit! Alles wird anschaulich und kindgerecht dargestellt: so etwa die Anzahl der gefüllten Badewannen für die Produktion einer Jeans oder der direkte Vergleich von mediterranen Landschaften voller Obstbäume mit ausgedörrten Böden nach längerer Trockenheit.
Hinter den bewährten Klappen verbergen sich stets neue Überraschungen: mal Innenansichten, mal Vergleiche oder auch mal ganz konkrete Handlungsempfehlungen für den ressourcenschonenden Umgang mit dem knappen Gut Wasser.
Ein rundum gelungenes Buch, das ganz ohne belehrenden Zeigefinger Neugier weckt und viele Einsichten vermittelt! So sollte Sachkundeunterricht immer gelingen!
Inhaltlich und didaktisch top!
Durchblick Künstliche Intelligenz von Brian Clegg
Brian Cleggs Buch über künstliche Intelligenz begeistert mich durch sein perfekt durchdachtes didaktisches Konzept: Clegg vermittelt die Inhalte systematisch und gut verständlich!
Die stringente Systematik ist perfekt nachvollziehbar durch eine ausführliche Gliederung anfangs in der Kapitelübersicht und die inhaltlichen Zusammenfassungen auf einer gelb hervorgehobenen Doppelseite am Ende jedes Kapitels, letzteres geschieht in einer anschaulichen Skizze, die entfernt an ein Flussdiagramm erinnert.
Die Texte sind inhaltlich sehr fundiert, aber trotzdem allgemein verständlich. Umfassend viele Aspekte werden berücksichtigt: von historischen Grundlagen über erkenntnistheoretische Überlegungen bis hin zu Fragestellungen der Praxis und kritischen Fragen nach Gefahren des Missbrauchs
Ein kleiner Wunsch bleibt dennoch offen: Ein paar optisch hervorgehobene Definitionen zentraler Begriffe wären für blutige Anfänger hilfreich gewesen, doch das ist Jammern auf hohem Niveau!
Leider ist das Buch trotzdem schwer zu lesen wegen der fürchterlich kleinen Schrift und den wechselnden Farbkontrasten. Klitzekleine weiße Schrift auf dunkelblauem Grund mag zwar modern designt sein, angenehm zu lesen ist es aber nicht. Als älterer Mensch entspreche ich zugegebenermaßen nicht der primären Zielgruppe dieses Buches, aber es gibt auch genug junge Menschen mit Sehschwächen! In Zeiten von Inklusion sollte die Barrierefreiheit beim Lesen selbstverständlich sein.
Berührend und warmherzig
Geliebt von Magdalena Fournillier
Der kleine Hase ist auf der Suche nach Liebe: Ein ganzes Jahr ist er unterwegs und begegnet verschiedenen Tieren. Jedes gibt ihm eine Lebensweisheit mit auf den Weg und hilft ihm, die Wunder der Natur ebenso zu entdecken wie die Liebe und die Geborgenheit im Miteinander.
Was wie ein Kinderbuch anmutet, entpuppt sich als berührendes und warmherziges Buch über ein menschliches Grundbedürfnis.
Die zarten Zeichnungen passen zum sensiblen Text, beide halten sich zurück und lassen dem Leser genug Platz zum Fühlen und Denken! Wie beim Kleinen Prinzen begeben wir uns mit dem Protagonisten auf eine Reise zu den Grundfragen unseres Lebens und können in den Begegnungen mit anderen ganz viel lernen!
Das edle Cover-Design mit goldener Schrift bereitet uns schon darauf vor, welchen Schatz wir in den Händen halten. Wir müssen uns nur die Zeit und die Offenheit nehmen, ihn in uns wirken zu lassen!
Den Winter lieben lernen
Wintern von Kari Leibowitz
Kari Leibowitz ist im ganzjährig milden Klima von New Jersey aufgewachsen und konnte sich mit der dunklen und kalten Jahreszeit nie anfreunden. Dennoch nimmt sie einen Forschungsauftrag in der arktischen Stadt Tromsö an, erlebt dort die Polarnacht und begibt sich auf die Suche nach den Geheimnissen der Einheimischen, diese unwirtliche Zeit lieben zu lernen.
Da mich auch regelmäßig der Winterblues packt, wenn Wärme und Licht des Sommers verschwinden, hat die Autorin mich mit ihrem Ansinnen, die Freuden der kalten Jahreszeit zu entdecken, gleich begeistert. Sie nimmt uns mit zu ihrem ganz persönlichen Abenteuer jenseits des Polarkreises und lässt uns teilhaben an ihren Begegnungen und Entdeckungen. Dadurch liest sich das Buch wie der Reisebericht einer guten Freundin. Wir lernen die Bräuche der Skandinavier kennen: vom Outdoor-Mittagsschlaf der Babys selbst in eisiger Kälte bis zum finnischen Saunavergnügen. Die Autorin erweitert ihren Blickwinkel und begibt sich z.B. auch in Großbritannien, Kanada und Japan auf die Suche nach Möglichkeiten, den Winter schätzen zu lernen.
Während manche Vorschläge wie etwa die beheizten Bürgersteige interessant, aber für uns nicht realisierbar sind, gibt uns die Autorin auch ganz konkrete Anregungen, unsere Einstellung zum Winter zu ändern, unsere Wahrnehmung für die positiven Seiten der ruhigen Zeit zu schulen und schöne Rituale einzuführen. Dabei begegnen uns auch vermeintlich neue Ideen aus der Longevity-Forschung wie der gesundheitsförderliche Kältereiz, der sich nicht nur beim Eisbaden, sondern auch beim Gang in die winterliche Natur finden lässt.
Nach meinem Geschmack ist manches zu ausführlich erzählt, aber vielleicht ist dies auch schon die erste Übung zur Entschleunigung und Aufmerksamkeitsschulung. Das Buch wird mich sicher durch den bevorstehenden Winter begleiten und mir immer wieder schöne Anregungen geben!
Etwas zu viel versprochen
Hot Stuff von Anastasia Zampounidis
Anastasia Zampounidis gibt in ihrem Buch zunächst einen Überblick über die körperlichen Vorgänge in den Wechseljahren und stellt dann leckere und vollwertige Rezepte vor, um einen guten Einfluss auf diese Geschehnisse zu nehmen. Dieser Ansatz, über bewusste Ernährung Einfluss auf das Wohlbefinden in den Wechseljahren zu nehmen, gefällt mir sehr gut: Eure Nahrung sei Eure Medizin forderte völlig zu Recht schon Hippokrates von Kos.
Doch leider verspricht die Autorin in diesem Buch teilweise zu viel oder bleibt zu undifferenziert!
Die erste Hälfte des Buches mit einem groben Überblick über mögliche Aspekte und Probleme der Wechseljahre ist nicht besonders tiefschürfend, aber für eine erste Auseinandersetzung mit dem Thema okay. Doch gerade die Beschäftigung mit den Nährstoffen fällt eher dürftig und allgemein aus, müsste für einen zielführenden Einsatz der Rezepte mehr in die Tiefe gehen und auf einzelne Problemstellungen eingehen!
Im zweiten Teil des Buches finden sich dann leckere vollwertige Rezepte. Doch ihr wirkungsvoller Einsatz für die Gesundheit bleibt fraglich: Die enthaltenen Mikronährstoff-Mengen sind eher gering und können bestenfalls unterstützend wirken. Außerdem werden die Rezepte nach kulinarischen Aspekten sortiert, nicht nach gesundheitlichen Fragestellungen differenziert oder gar ein wenig näher in ihrer Wirkung erläutert.
So steht zum Beispiel, Rote Beete sei zum Senken des Östrogens geeignet, ist also offenbar in Phasen der Östrogendominanz sinnvoll, sollte aber eventuell in Phasen des Östrogenmangels gemieden werden?
Im Bestreben, alles positiv und entspannt wirken zu lassen, verspricht Anastasia Zampunidis dann auch manches, was sie nicht hält. So etwa schreibt sie im theoretischen Teil, in der Postmenopause werde weniger Kollagen produziert, aber man müsse ja kein teures Kollagenpulver kaufen, wenn frau die richtigen Rezepte kenne… Doch leider präsentiert sie in ihrer Rezeptsammlung ausschließlich vegetarische Rezepte, und Kollagen findet sich bekanntlich nur in tierischen Produkten. Ein Rezept für das Kochen der alt bewährten Knochenbrühe hätte diese Lücke geschlossen.
Leider kann Anastasia Zampounidis daher ihr Versprechen, mit über 50 Rezepten den Hormonhaushalt ganz natürlich zu regulieren, nicht wirklich halten. Es bleibt ein gut gestaltetes und motivierendes Kochbuch mit einer Sammlung vollwertiger und wohlschmeckender Rezepte, das zum bewussteren und gesünderen Kochen in einer körperlich anspruchsvollen Phase einlädt: nicht mehr, aber auch nicht weniger!
Wissenschaftliches Kabarett
Aus! Die Wissenschaft vom Ende von Science Busters
Die Science Busters verbinden Wissenschaft und Unterhaltung. In ihrem neuen Buch gehen sie Endlichkeit und Unendlichkeit auf den Grund. Dem Buch gelingt es, auf humorvolle und gleichzeitig wissenschaftlich fundierte Art und Weise, verschiedene Aspekte dieses umfangreichen Themas zu beleuchten.
Von Physik, Biologie und Astronomie bis zu Geschichtswissenschaft und Theologie finden alle Disziplinen Berücksichtigung. Das Buch liest sich amüsant, und insbesondere die literarischen Anspielungen (etwa auf Goethes Faust) haben mir Spaß gemacht.
Doch hat mich das Konzept nicht rundum begeistert: Der amüsante Plauderton verliert sich manchmal in Nebensächlichkeiten. Und durch die humoristische Ausdrucksweise wird einiges schwerer verständlich, weil erst auf den zweiten Blick klar wird, was gemeint ist. Manche Gags konnten bei mir auch nicht zünden und wirkten einfach gezwungen.
Neben dem Lesefluss leidet auch die Erkennbarkeit der Argumentationsstruktur. Mir war das Ziel der Ausführungen manchmal nicht mehr ganz klar. Und so wie mir anfangs das Inhaltsverzeichnis Fragezeichen auf die Stirn zauberte, blieben am Schluss nur wenig Erkenntnisse im Gedächtnis haften. Etwas mehr Didaktik und etwas weniger Komik hätte ich persönlich hilfreich gefunden.
Ich denke, das Konzept geht bei einem amüsanten Bühnenabend auf, aber in Buchform konnte es mich nicht so ganz überzeugen.











